Kosmische Kuriosa kompakt

15. November 2009 von skyweek

ESA bestellt Mondorbiter – Studenten machen den Rest

Das Education Office der europäischen Weltraumbehörde hat für einen nicht genannten Betrag bei dem britischen Kleinsatellitenhersteller Surrey Satellite Technology Ltd. einen Mondorbiter bestellt: Viel kann er eigentlich nicht kosten, denn den Großteil der Arbeit sollen Studenten erledigen. In eine Mondumlaufbahn soll der European Student Moon Orbiter 2013 oder 2014 gebracht werden. (Homepages bei ESA und Warwick, Wikipedia, ESA, SSTL Press Releases 6.11.2009)

Die großen offenen Fragen der Physik

wurden im Oktober im Rahmen eines großen Festivals am umstrittenen Perimeter Institute in Kanada erörtert, das mit dem Geld des BlackBerry-Erfinders bahnbrechende Forschung leisten soll – natürlich war viel Kosmologisches („Why this Universe“ und dergleichen) unter den Themen. (New Scientist 23.10.2009. S.a. Nature 461 [23.9.2009] 462-5 zum Perimeter Inst. Und die 10 weirdest physics facts)

Der Pressesprecher der American Astronomical Society geht in den Ruhestand – Steve Maran hat nach 25 Jahren Beobachtung der Szene (und Steuerung des Informationsflusses, v.a. während der beiden Jahrestagungen der AAS) eine Menge zu erzählen. (Science News, The SpaceWriter 7.11.2009)

Das Feuer auf dem Mt. Wilson ist immer noch nicht aus

Zwar hat die Feuerwehr das ‘Station Fire’, das im Sommer die Sternwarte auf dem Mount Wilson bedrohte, bereits vor mehreren Wochen als „contained“ eingestuft, aber hier und da qualmt es immer noch – und wo Rauch ist, da … So wird man bis in den Winter hinein, wenn starker Regen die letzten Nester erstickt, wachsam sein müssen. Und zugleich wird jetzt gesammelt, um die Sternwarte besser schützen zu können. (LA Times 12., 10., Tracker 12.11.2009. Auch ein Audio-Interview kurz nach dem Feuer)

Neue Sternwarten in Indonesien geplant – mit kurioser Begründung: An besseren Standorten als dem traditionsreichen Bosscha Obs. auf Java, das zu nahe an der Großstadt Bandung liegt, sollen sie (so wird es jedenfalls gegenüber der dominant muslimischen Bevölkerung dargestellt) vor allem für Sichtungen der jungen Mondsichel sorgen. Damit die auch dann gesehen wird, wenn es theoretisch möglich sein müsste, auf dass es eindeutige Monatsanfänge gibt. (Jakarta Globe 6.11.2009)

Plötzlicher Durchblick für Radioastronomen nach Abschaltung von Analog-TV

Auch in den USA ist die analoge Ausstrahlung von Fernsehsignalen seit Juni Geschichte – und dadurch ist plötzlich ein Bereich des elektromagnetischen Spektrums frei, der vorher völlig unbrauchbar war. Bis sich dort binnen eines Jahres neue Nutzer breit machen, wird jetzt zwischen 700 und 800 MHz energisch beobachtet, z.B. nach exotischen Pulsaren gesucht. Unabhängig davon gibt es die Forderung, bei der Spektrumsvergabe wissenschaftlichen Belangen mehr Wert beizumessen – was übrigesn die Erdbeobachtung aus dem Orbit genau so betrifft wie die Astronomie. (New Scientist 5., Scientific American, Ars Technica 2.11.2009)

Int’l Dark Sky Association ehrt deutsche Initiativen – der Europe Galileo Award und der Outdoor Lighting Award der internationalen Organisation wider die Lichtverschmutzung sind dieses Jahr beide nach Deutschland gegangen: an Andreas Hänel von der VdS-Fachgruppe Dark Sky und eine Firma, die Straßenlampen nur auf einen Anruf hin einschaltet. (IDA Press Release 4.10., KosmoLogs 6., NOZ 14.11.2009)

Umstrittener Offener Brief fordert Astronomie als Schulfach im ganzen Land

Die zentrale Forderung klingt zwar harmlos, „bundesweit zwei Jahreswochenstunden Astronomie im letzten Schuljahr der Mittelstufe für alle Schüler“ plus ausreichende Ausbildung von Astronomielehrern, aber Kenner der Schulbürokratie v.a. in den Alten Ländern halten sie für völlig utopisch und sogar kontraproduktiv: Deswegen haben die Astronomische Gesellschaft und der Rat Deutscher Sternwarten dem Offenen Brief einer Initiative aus Sachsen explizit die Unterschrift verweigert und setzen sich auf subtilere Weise für die Durchdringung des Unterrichts mit astronomischen Grundinhalten ein. Eine breite Diskussion hat der Offene Brief gleichwohl ausgelöst. (Offener Brief 12.11., Interview mit dem Autor, AG/RdS-Statement 10.1., Diskussion bei BdW, ZDF, SZ, TP, EK, UU, AF, AT, AG und LE sowie Frankfurter Rundschau 5.11.2009 zur Lage in Deutschland)

Hybride Planetarien sind die besten, bei denen ein optomechanischer Projektor für nadelscharfe Sterne sorgt und ein Fulldome-Videosystem für jede Menge Effekte dazwischen (so gewünscht): Da sind sich viele in der Szene einig, und in Bochum wird es z.B. genau so gemacht. In Prag hat man dagegen vor, im Rahmen einer Modernisierung den Sternenprojektor zum Museumsstück zu machen … (The Prague Post 21., Sky & Telescope 22.10., WAZ 15.11.2009)

Darf man an Stelle von Dunkler Materie an der Gravitation spielen?

15. November 2009 von skyweek

Über 25 Jahre befasst sich nun schon eine kleine aber lautstarke Minderheit von Physikern um den unermüdlichen Israeli Mordehai Migrom mit der Möglichkeit, die Evidenz für die Dunkle Materie des Universums verschwinden zu lassen, indem man willkürlich das Newton’sche Gravitationsgesetz abändert. Inzwischen gibt es auch relativistische Erweiterungen dieser „MOND“, und ihre Fans glauben, damit einen Großteil derjenigen Beobachtungen erklären zu können, für die sonst die – in der Standardkosmologie bei weitem über die normale Materie dominierende – Kalte Dunkle Materie (CDM) herangezogen wird. Und manchmal sei MOND sogar besser als CDM in der Lage, etwa kuriose Eigenschaften von Galaxienhalos zu verstehen.

Völlig anders sieht jedoch die etablierte CDM-Fraktion die Lage: Während MOND gerade mal ein paar lästige Details (wie die Rotationskurven von Galaxien, für die das Konzept einst erdacht wurde) erkläre, beschreibe die – unveränderte – Allgemeine Relativitätstheorie den ganzen Rest des Kosmos tadellos. Und es gibt auch manchen Befund, der klar gegen MOND zu sprechen scheint (siehe z.B. ISAN 81-10). Da hagelt es dann Tadel für die Populärpresse, die MOND als gleichwertige Alternative neben CDM stellt, und selbst die Redaktion von Nature, die das MOND-freundliche Halo-Paper (das sich allerdings nirgends explizit für diese Interpretation der Daten ausspricht) durchgelassen habe, wird kritisiert.

Neue kosmologische Beobachtungsprogramme sollten bald in der Lage sein, zwischen der vielfach abgesicherten Standdardkosmologie (siehe z.B. Artikel 265, 686 und C59) mit CDM und Dunkler Energie und einer MOND-artigen Welt zu unterscheiden – und vielleicht hat auch bald man eines der zahlreichen Untergrundexperimente Erfolg, das direkt nach Kandidaten für die CDM sucht. Schon jetzt aber kann man festhalten, dass abweichende (aber physikalisch noch irgendwie vertretbare) Meinungen in der Mainstream-Forschung eben nicht unterdrückt werden: Die Flut provokativer Veröffentlichungen aus der MOND-Ecke in normalen Fachzeitschriften ist ein beredtes Beispiel.

Ferreira & Starkman, Science 326 [6.11.2009] 812-5, Ars Technica, Scientific American, Space.com 5., Centauri Dreams 4.11., Blanchet & Combes, Preprint 27., Starts with a Bang 27., 8. und 6., Spiegel, BdW 1.10.2009, Gentile & al., Nature 461 [1.10.2009] 627-8, Uni Bonn PM, New Scientist, Spektrum, STV 30.9., Milgrom, Preprint 26.8.2009

Raumfahrt-Nachrichten kompakt

15. November 2009 von skyweek

Nächster Flug zur ISS mit Ersatzteilen – und Larven von Schmetterlingen …

Keine Probleme beim Countdown und „ideale“ Wetteraussichten: Noch sieht es so aus, als könnte die Atlantis morgen um 20:28 MEZ zur ISS aufbrechen. An Bord sind bei STS-129 jede Menge Ersatzteile für die Raumstation, z.T. auf Vorrat: Bald wird es keinen Schwerlasttransport nach oben mehr geben. Und es gibt zwei Habitate für zwei verschiedene Schmetterlingsarten: Die Larven sollen sich unter µg entwickeln, während gleichzeitig in zahlreichen Schulklassen in den USA Parallelversuche laufen. (STS-129 Updates; CU Boulder PR 10., Spaceflight Now, Space.com 14.11.)

Die ISS als automatischer Erdbeobachter: Mit dem japanischen Transporter HTV-1 trafen im September auch die beiden US-Experimente HICO und RAIDS ein, die seither von der Exposed Facility des JEM aus mit Hyperspektral-Sensoren Küstenstreifen bzw. die Thermo- und Ionosphäre beobachten. (NASA Feature 13.11.2009)

Hayabusa hat ein weiteres Ionentriebwerk verloren

Der angeschlagenen japanischen Asteroidensonde, die vielleicht mit ein wenig Bodenproben von Itokawa im Prinzip auf dem Rückweg zur Erde ist (siehe Artikel B50, B53 und B99), bleibt auch nichts erspart: Zwei ihrer vier Ionentriebwerke sind schon länger defekt, ein drittes wegen Störungen abgeschaltet – und am 4.11. hat es auch das vierte erwischt, Thruster D. Eigentlich hätte das Triebwerk noch bis nächsten März brennen müssen, jetzt wird an einer Alternativstrategie für die Rückkehr zur Erde getüftelt, wofür man den gestörten Thruster C reaktivieren muss – doch noch nicht nicht einmal klar, ob er allein stark genug wäre, um Hayabusa zur Erde zu lenken. (JAXA Release, Spaceflight Now 9., Planetary Society Blog 11.11.2009)

Die Asteroidensonde Dawn ist endgültig im Hauptgürtel angekommen: Seit dem 13. November ist die NASA-Sonde aus Artikel C74 permanenter Bestandteil des Asteroidengürtels, in dem sie sich schon einmal 40 Tage lang aufgehalten hatte. Noch knapp 2 Jahre bis zum ersten Ziel, Vesta. (JPL Feature 13.11.2009)

Suborbital-Raumschiffe auch für die Weltraumforschung interessant?

Fünf Jahre ist es her, dass das SpaceShipOne den X Prize gewann (siehe Artikel 955), und am 7. Dezember soll endlich der Nachfolger SpaceShipTwo präsentiert werden, während die Mitbewerber um den Kuchen des Suborbitaltourismus zwar viele Worte machen aber wenig Hardware vorzuweisen haben. (Was insbesondere für ein bizarres „Angebot“ einer österreichischen Supermarktkette gilt.) Über die Jahre ist aber auch das Interesse unter Weltraumforschern am Mitflug von Experimenten auf den Hüpfern von SS2 und Co. gewachsen, und es hat bereits mehrere Tagungen gegeben: Neben µg-Experimenten, die mit 3-4 Minuten länger als bei Parabelflügen dauern und häufiger möglich wären als auf eigens gekauften Höhenforschungsraketen, sind auch Untersuchungen der Erdatmosphäre beim Durchstoßen und hektische Astronomie nahe des Gipfelpunktes denkbar – schon ist von einem „Bedarf“ von 1000 Flügen im Jahr die Rede. Im Gegensatz zu Raketen könnten die Forscher auch mal mitfliegen. Und die erhofften tausende von zahlenden Passagieren sind wiederum für die Weltraummedizin interessant: Es werden viele „Normalos“ dabei sein, die sich nie für einen ‘richtigen’ Raumflug qualifiziert hätten … (Ankündigung der nächsten Tagung, Universe Today 12.11., Cosmic Log 22., SpaceRef 3.10. und Cosmic Log 21.8.2009 zur Wissenschaft, AstroEngine 25., FlightGlobal, Scientific American 15., The Space Review und Tracker 5.10.2009 zum SS2, A. Boyle 22.10.2009 zu einem geheimnisumwitterten Mitbewerber und eine Werbeseite, Spiegel, J. Foust 22., Wiener Zeitung, ScienceBlogs 21.10. und PersonalSpaceFlight 31.7.2009 zum fragwürdigen Angebot eines anderen)

Virgin Galactic will auch Satellitenstarts anbieten – und zwar mit demselben Trägerflugzeug, das für das SpaceShipTwo entwickelt wurde. Das würde für „LauncherOne“ eine kleine Rakete im Stil der bewährten Pegasus in der Luft starten, wobei die Kosten aber geringer sein sollen – und das Ganze ab 2013 oder 14. (BBC Blog 10., FlightGlobal 5.11., Spiegel 13.10.2009)

100 kg Wasser – und mehr – in der Impaktwolke von LCROSS nachgewiesen

13. November 2009 von skyweek

lcross-plume

Jetzt sind sie sicher: In der 10 bis 12 km breiten Wolke, die die LCROSS-Centaur beim Impakt auf dem Mond produzierte (oben eine neu verarbeitete Aufnahme), haben zwei Spektrometer auf dem Shepherding Spacecraft ungefähr 100 kg – oder 12 Eimer voll – Wasser nachgewiesen. Für das NIR-Spektrometer macht es sich durch markante Absorptionsfeatures bemerkbar (die beiden gelben Streifen unten), während das UV/Vis-Spektrometer Emission von OH sah: Das macht die Sonnenstrahlung rasch aus Wassermolekülen. Das IR-Spektrum zeigt aber noch jede Menge weitere Absorption durch andere Chemie: Die rote Kurve ist ein Schwarzkörperspektrum für warmen Staub minus nur Wasserabsorption. Die LCROSS-Auswerter haben es bereits geschafft, auch die zusätzlichen Features zu „fitten“, wollten aber auf einer NASA-Pressekonferenz in der vergangenen Stunde nicht verraten, mit was: Das wollen sie erst sagen, wenn sie genau so sicher sind wie jetzt mit dem Wasser-Nachweis.

lcross-irspec

Die 100 kg sind wahrscheinlich nur eine Untergrenze der Wassermenge in der Ejektawolke, aber schon dieser Wert lässt sich nicht allein durch adsorbierte Moleküle erklären: Da muss richtiges Eis im Boden des Kraters Cabeus gewesen sein, nicht unbedingt ein gefrorener See sondern eher Eiskörnchen, in den Boden gemischt. Und der Boden ist im Schnitt feuchter als die trockensten Wüsten der Erde, die Atacama zum Beispiel! In welcher Form das Mondeis genau vorliegt, sollte die Hinzunahme der Daten anderer Instrumente auf dem Shepherding Spacecraft zeigen: Die sind perfekt „komplementär“ zu den Messungen der Spektrometer; ob sie auch ein klares Wassersignal enthalten, wird aber noch nicht verraten. Der Impakt war jedenfalls für Beobachtungen von der LCROSS-Sonde aus optimiert, während die Beobachter auf der Erde deutlich schlechtere Karten hatten als es vielleicht bei Cabeus A der Fall gewesen wäre.

Aber auch so gibt es faszinierende Daten über Gas, das hoch über den Mond aufstieg, vielleicht sogar ein bisschen Staub. Die Auswertung ist allerdings sehr mühsam, und vor nächstem Frühjahr sollte man mit keinen klaren Antworten rechnen. Der heutige Bericht ist natürlich nur der Anfang und nicht das Ende der LCROSS-Analysen: Was ist das andere Material in der Wolke? Wo ist das Wasser hergekommen? (Die Spekulationen reichen von Kometen über den Sonnenwind bis zu Gigantischen Molekülwolken, durch die das Sonnensystem mal zog.) Und wieviel gibt es auf dem Mond insgesamt? Das lässt sich heute noch nur schwer hochrechnen, aber die LCROSS-Forscher haben zumindest keinen Zweifel, dass man das Cabeus-Eis schmelzen und trinken könnte. Ein NASA Press Release und ein weiterer mit Bildern, plus die LCROSS-Wasser-Seiten. NACHTRAG: ein paar detailreichere Artikel von Sky & Tel., Planetary Society, Spaceflight Now, Space.com und Universe Today – und The Launchpad denkt schon weiter …

Raumfahrt-Nachrichten kompakt

13. November 2009 von skyweek

Die Speichen der Saturnringe, wie sie noch keiner sah

spokes

Die hier schon öfters thematierte Kantenstellung der Saturnringe dieses Jahr hat auch eine neue Perspektive auf das mindestens seit Voyager-Zeiten bekannte Phänomen der Ringspeichen eröffnet: In diesem Bild erscheinen die Ringe am 22. September- einen Monat nach der Tag&Nacht-Gleiche – noch dunkel, der darüber schwebende Staub aber hell.

Bedroht Adaptive Optik US-Aufklärungssatelliten?

Die Betreiber der Flotte mehr oder weniger geheimer US-Satelliten zur Erdbeobachtung mit Superkameras verlangen von Astronomen, die per Laser künstliche Sterne am Himmel erzeugen, immer mehr Einschränkungen, was zunehmend böses Blut erzeugt – wie gefährdet die Orbitkameras überhaupt sind, lässt sich leider nicht sagen, weil ihre Spezifikationen geheim sind. Derweil ist ein einfach zu realisierendes System vorgeschlagen worden, das Flugzeuge vor AO-Lasern schützen kann: Die entsprechenden Sternwarten könnten mit bestimmten Funkanlagen die Transponder der Flieger ansprechen und den Laser nur dann abschalten, wenn direkte Gefahr besteht. Versuchsweise hat sich solch eine Anlage schon bewährt. (New Scientist 13.10.2009 zum ersten und Preprint 29.10., arXiv Blog 2., SarahAskew 3.11.2009 zum 2. Problem)

Rosettas Erdvorbeiflug präziser als erhofft?

Nach einer ersten Analyse hat Rosetta den angepeilten erdnächsten Punkt nur um etwas mehr als 1.1 km und der Zeitpunkt des Perigäums um weniger als 1/100 Sekunde verfehlt, was besser als die Spezifikation wäre. Auch liegen bereits detaillierte Messungen der Strahlungsgürtel der Erde in verschiedenen Energiebereichen durch das SREM-Instrument auf Rosetta vor. (ESA Blog: dieser und dieser Eintrag) NACHTRAG: Bilder der Navigationskamera nach dem Flyby.

Die Erde bei Nacht aus Sicht der OSIRIS-Kamera auf Rosetta

13. November 2009 von skyweek

rosetta-usESA ©2009 MPS for OSIRIS Team MPS/UPD/LAM/IAA/RSSD/INTA/UPM/DASP/IDA

Jetzt kommen sie herein, die ersten Rosetta-Bilder der Erde noch vor der größten Annäherung: oben eine 10-sec-Aufnahme der USA von OSIRIS im Telemodus (einige Städte sind unter Wolken und erscheinen daher diffus) heute morgen, unten Südamerika und die Antarktis im „Gegenlicht“ gestern abend mit derselben Kamera.

rosetta-crescentESA ©2009 MPS for OSIRIS Team MPS/UPD/LAM/IAA/RSSD/INTA/UPM/DASP/IDA

Raumfahrt-Nachrichten kompakt

13. November 2009 von skyweek

Rosetta holte sich Schwung an der Erde

rosetta-ca-w

3.6 km/s zusätzliche Geschwindigkeit hat sich die Kometensonde Rosetta vor ein paar Stunden bei ihrem letzten Vorbeiflug an der Erde abgeholt: Erwartungsgemäß gab es keine Zwischenfälle technischer oder himmelsmechanischer Art, und der rein geometrische Moment verstrich im Kontrollzentrum ESOC in Darmstadt ohne rechte Emotionen (Screenshot aus dem Webcast). Während des Closest Approach bestand Funkkontakt über die Bodenstation in Australien, dann folgte eine kurze geplante Funkstille, bevor Maspalomas um 9:05 den künftigen Kometenorbiter um 9:05 am richtigen Ort wiederfand. Weitere Bilder soll es heute Nachmittag geben – und das nächste Highlight wird am 10. Juli 2010 der Vorbeiflug am Asteroiden Lutetia. (ESA Release, auch einer mit Rosetta am Himmel in Bewegung – und die Visuals eines Medienbriefings unmittelbar vor dem Swingby)

Nächster Flug „Ares I-X prime“ statt „Ares I-Y“?

Selbst für Fans der Ares-Rakete kam ihre Auszeichnung als „Best Invention of 2009″ durch das TIME Magazine überraschend, dabei ist die Zukunft des möglichen Shuttle-Nachfolgers unklarer denn je. Selbst wenn das Programm in der geplanten Form weitergeführt werden sollte (und es werden offenbar bereits zahlreiche Alternativen erwogen), so wird es wohl den ‘kompletteren’ Teststart „I-Y“ nicht geben, der frühestens 2014 möglich wäre und dann eh zu spät käme. Stattdessen wird jetzt über „Ares I-X prime“ nachgedacht, mit einer 5-teiligen 1. Stufe und einem echten Abort-System: Das Versagen der 2. Stufe und die Rettung der Orion-Kapsel würden dann in großer Höhe simuliert, und auch der problematische Fallschirm der 1. Stufe könnte erneut getestet werden. (Constellation Blog 3., Aerospace Daily 4., Orlando Sentinel [auch zum 'flexible path'], TIME, Huntsville Times Blog, Universe Today 12.11.2009)

USAF kümmert sich verstärkt um mögliche Satelliten-Kollisionen

Nachdem der Zusammenstoß zwischen einem operationellen Iridium-Satelliten und einem inaktiven russischen am 10. Februar die US-Weltraumüberwachung „kalt erwischt“ hatte, wurde die Technik zur Bahnverfolgung wichtiger Satelliten ausgebaut: Die Bahnen von 800 aktiven Satelloten werden inzwischen genau im Blick behalten und bedrohliche Annäherungen vorausgesagt; bald sollen es 1300 sein. (Reuters 3., Nature Blog 5.11.2009)

Gestörter GPS-Satellit gefährdet Konstellation nicht: 30 operationelle Satelliten hat das Global Positioning System derzeit, nur 24 werden benötigt – dass der im März gestartete GPS 2R-20 noch unter Signalstörungen leidet und erst nächstes Jahr zur Verfügung stehen dürfte, ist also kein großes Problem. Nächster GPS-Start ist im Juni 2010. (Spaceflight Now 2.11.2009. Auch Space.com über die Rolle von Quasaren für das GPS – und ein IYA-Event im Zusammenhang mit diesem ICRF2)

Preise für „Lunar Lander“ und „Space Elevator“ zuerkannt

Nach manchen Fehlschlägen sind jetzt kurz nacheinander mehrere Preise im Rahmen der Centennial Challenges der NASA vergeben worden: Die 2 Mio.$ der Vertical Lander Challenge and Lunar Lander Challenge sind damit komplett ausgegeben, und bei der Beam Power Challenge hat zum ersten Mal überhaupt ein „Vehikel“ die Anforderungen erfüllt. Während diese Protoprotoprototypen eines Weltraumfahrstuhls eher Science Fiction sind, glauben die beiden Gewinner der simulierten Mondlandung, ihre Erfahrungen bei anderen „New Space“-Projekten einbringen zu können. Mehr ausgegeben als am Ende gewonnen haben allerdings alle – aber dafür war das Interesse unter den amerikanischen Weltraumfans erheblich. (NASA Release 2., X Prize Releases 2. , 5. 11., New Scientist 30.10., Cosmic Log 2., Space Today 3., Discovery 5. und Aviation Week, The Space Review 9.11.2009 zur „Mondlandung“ und NASA Release 9., Nature Blog 5., Luna C/I, New Scientist 6. und Space Today 11.11.2009 zum „Fahrstuhl“)

Der letzte „Große Alte Mann“ der Raumfahrt ist tot

Und im Westen kannten ihn nur noch wenige, denn seit 1955 lebte und wirkte Qian Xuesen in der VR China, nachdem ihn die USA während der Kommunistenjagd im Kalten Krieg erst eingesperrt und dann aus dem Land gejagt hatten. Ein fataler Fehler, denn der 20 Jahre früher in die USA gekommene Qian (alte Transkription: Tsien) hatte dort maßgeblich am Aufbau des Jet Propulsion Laboratory mitgewirkt und war neben van Karman einer der Raketenpioniere des Landes gewesen. Kaum wieder in China angekommen, gab man ihm große Freiräume, und Qian begann rasch mit dem Aufbau einer Raketen- und Luftfahrtindustrie, die schließlich 1970 die chinesische Raumfahrt ermöglichte. Welch bizarrer Lauf der Geschichte: Im Auftrag der US-Regierung hatte er einst Wernher von Braun verhört, nachdem dieser in die USA übergelaufen war. Am 31. Oktober starb Qian Xuesen, der nie dorthin zurückgekehrt war aber gelegentlich alte Freunde vom JPL empfing, mit 98 Jahren in Beijing. (Nachrufe von Xinhua, LA Times, Spaceflight Now, New York Times, Nature Blog, Asian Week, Aerospace Daily und KosmoLogs sowie Wikipedia)

Fehlschlag des 1. südkoreanischen Raketenstarts weitgehend aufgeklärt: Ein Versagen der Nutzlastverkleidung führte am 25. August zum Versagen des KSLV-1 alias Naro; letzte Details bleiben aber offen. Nächster Versuch vermutlich in der 1. Jahrshälfte 2010. (Korea Herald 6.11.2009)

„Bittersüße“ Telecon: Spirits Befreiungs-Versuch ab Montag

12. November 2009 von skyweek

spirit_view

Am Montag wird der Marsrover Spirit die ersten Kommandos bekommen, und sich aus der Misere zu befreien, in der er seit April steckt: Der Boden sah so aus wie immer, aber plötzlich war der Rover durch die harte Kruste (duricrust) eingebrochen, und im weichen Material darunter fanden seine Räder einfach keinen Halt mehr. Umfangreiche Experimente in einem Sandkasten haben klar gemacht, dass Spirit in einer sehr schwierigen Situation steckt, bei der ein spitzer Stein unter dem Boden auch nicht gerade hilft, war auf einer Telecon heute abend zu hören, die als „bittersüß“ anmoderiert wurde – da fürchteten die ersten Zuhörer schon, die NASA habe aufgegeben.

Aber nein: Am kommenden Montag werden die ersten Kommandos zu Spirit geschickt, um zu versuchen, auf dem gleichen Weg wieder heraus zu kommen, wie der Rover (rückwärts wie immer seit eines der 5 Räder kaputt ist) hineingefahren ist. Man wird jeweils einen Tag die Räder drehen lassen und dann den – vermutlich nur minimalen – Fortschritt ausgiebig analysieren. Nach mehreren solcher Zyklen wird dann beurteilt, ob es so weiter gehen kann. Eine Weiterfahrt in der ursprünglichen Richtung erschien jedenfalls noch viel weniger vielversprechend, da Spirit dann hätte bergauf fahren müssen. Auch wenn alles unternommen werden soll, um aus dem Loch herauszukommen (mindestens bis Februar soll das versucht werden, dann gibt es einen großen Review der Lage): Zumindest ist der Rover an einer besonders interessanten Stelle stecken geblieben, genau einer lokalen geologischen Grenze nämlich.

Der aus dem Boden aufgewühlte grobe Sand („Ulysses“ im Bild der Front-Hazcam) ist der sulfatreichste, auf den irgendein Rover stieß; weiter rechts sieht es ganz anders aus. Und ein technisches Problem scheint zumindest gelöst zu sein: Das Flash Memory funktioniert wieder. Falls also am Ende gar nichts mehr geht: Als ortsfeste Wetterstation wäre Spirit immer noch nützlich. NACHTRAG: ein NASA Press Release anlässlich der Telecon – von einer „high probability“, dass die Befreiung fehlschlägt, war da aber nicht so explizit die Rede gewesen; dieser Artikel gibt den „spirit“ m.E. besser wieder. Auch: ein langer Artikel zu Spirits Lage vor der Telecon. NACHTRAG 2: weitere detaillierte Zusammenfassungen der Telecon hier, hier und hier. NACHTRAG 3: noch ein langer und ein mittellanger Artikel.

Raumfahrt-Nachrichten kompakt

12. November 2009 von skyweek

Morgen früh letzter Erd-Flyby von Rosetta

rosetta-earthESA ©2009 MPS for OSIRIS Team MPS/UPD/LAM/IAA/RSSD/INTA/UPM/DASP/IDA

Um 8:46 MEZ wird die ESA-Kometensonde am 13. November in 2481 km Höhe an der Erde vorbeifliegen, um ein letztes Mal die Bahn zu ändern und für das Rendezvous mit Komet Churyumov-Gerasimenko 2014 bereit zu sein. Zugleich kann der Besuch bei Erde (hier ein Bild von heute Mittag!) und Mond auch wieder zur Kalibration der Sondeninstrumente – und für eine ganze Reihe wissenschaftlicher Beobachtungen – genutzt werden. Und während des Flyby soll auch wieder gecheckt werden, ob es zu einer wunderlichen – und winzigen – Bahnabweichung kommt, die bei einigen früheren Sonden-Flybys an der Erde aufgetreten sein soll. (ESA Blog, u.a. mit Rosetta von der Erde und dem Mond von Rosetta, ESA Releases vom 12., 10. und 2. November und Artikel von KosmoLogs und RedShift)

proba2
So sieht der Star-Tracker auf Proba-2 den Himmel, dem kleinen ESA-Technologie-Satelliten, der am 2. November zusammen mit SMOS gestartet wurde: Bei der Mission – die früher als SMOS betriebsbereit sein sollte – werden 17 fortschrittliche Weltraumtechnologien getestet. Außerdem sind zwei belgische Instrumente zur Sonnen- und zwei tschechische zur Plasma-Physik an Bord. (ESA Releases vom 11., 3. und 2. November, eine DLR-PM und ein Orion-Artikel)

Erste Ergebnisse aus der Fontäne von Enceladus

enceladus

Zwar ist Cassini der Oberfläche des Saturnmonds Enceladus schon mal näher gekommen als am 2. November (25 statt nun 100 km), aber noch nie ging es so tief in eine der Fontänen des aktiven Körpers hinein. Nach ersten Ergebnissen des VIMS-Instruments war sie mindestens 1000 km hoch aber nur halb so dicht wie erwartet, und sie wurde heller, je größer der Phasenwinkel wurde (wie in der optischen Aufnahme oben). Bereits am 20. November gibt’s den nächsten Enceladus-Vorbeiflug, in 1000 km Höhe und mehr Fotos – und im April 2010 wird Cassini (so die Mission erneut verlängert wird) wieder auf 100 km herankommen. Dann würde es speziell um die präzise Vermessung des Schwerefeldes und damit das Innenleben des Mondes gehen. (JPL Blog 5., JPL Release 3.11., NASA Blog 30.10.2009 und Artikel von Spaceflight Now und Discovery)

Sonnensegler-Demo: Planetary Society versucht es erneut, dank 1-Mio.$-Spende

10. November 2009 von skyweek

lightsail

Zweimal schon hat die private Planetary Society versucht, den Demonstrator für ein Sonnensegel zu starten, und beide Male versagte die russische Billigrakete (Artikel 301 und A76) – dann tat sich wieder eine neue Option auf – und jetzt lässt sie eine anonyme Spende von 1 Mio.$ Wirklichkeit werden: Das erste LightSail kann vielleicht schon Ende 2010 abheben! Allerdings ist die Finanzierung (Gesamtkosten: 1.8 Mio.$, alles privat) noch nicht komplett – und Japan könnte dem LightSail 1 mit seinem Projekt Ikaros bereits im Mai 2010 den Rang ablaufen. Dem 32 Quadratmeter großen LightSail 1 (Abb.), das aus zwei gekoppelten CubeSats schlüpft (ein dritter trägt die Elektronik) und in über 800 km Höhe erst einmal das Prinzip testen soll, sollen später zwei ambitioniertere Flüge folgen. Für seinen Start gibt es „several candidate American and Russian launch possibilities“ als Co-Passagier – aber ganz sicher keine Volna mehr …

Planetary Society Press Release, Blog und Details und Artikel von Spaceflight Now, New York Times, Space.com, AP, Reuters und Universe Today. NACHTRAG: der New Scientist über’s Sonnensegeln.