Jede Menge Spektren vom Herschel-Satelliten – und HIFI wird „repariert“

27. November 2009 von skyweek

Ein ganzer Schwung Spektren aus der Test- und frühen Beobachtungsphase aller drei Instrumente auf dem IR-Satelliten Herschel ist heute vorgezeigt worden, mit hunderten von Spektrallinien etwa aus der Hülle des (durchmessermäßig) größten bekannten Sterns VY CMa, aus dem Orionnebel, Starburst-Galaxien oder auch dem Kometen Garradd. Darunter sind auch die ersten Spektren von SPIREs Fourier Transform Spectrometer, das den gesamten Bereich 194-672 µm abdeckt, während PACS für kürzere Wellenlängen zuständig ist. Auch vom dritten Instrument HIFI waren ein paar Spektren ganz vom Beginn der Mission dabei – doch am 2. August war es schlagartig vorbei gewesen.

Erst ein knappes Vierteljahr später war das Malheur verstanden und ein Plan für die Wiederinbetriebnahme verabschiedet: Aufgrund eines unbekannten „Single Event Upsets“, vermutlich eines Einschlags eines kosmischen Strahlungsteilchens in einen Computerspeicher, hatte der Processor der Local Oscillator Control Unit (LCU) neu gebootet – und dabei war auch ein Schalter aktiviert worden, der die LCU gegen Spannungsabfälle schützen soll. Die Spannung war aber normal hoch, und so zuckte eine Spannungsspitze durch die Gleichstrom-Gleichstrom-Konverter der LCU, was eine Diode nicht überlebte. Zumindest ist dies das einzige plausible Szenario, das am Boden nachgespielt werden konnte.

Im Januar soll HIFI nun mit der redundanten Stromversorgung wieder hochgefahren werden – aber erst nachdem Softwareänderungen eine Wiederholung des Problems ausschließen können; insbesondere wird der fatale Schalter dauerhaft lahmgelegt, und es soll insgesamt weniger Spannungsspitzen geben. Dann kann HIFI endlich mit der jäh unterbrochenen Performance Verification weiter machen – der Ausfall hatte immerhin den anderen beiden Instrumenten mehr Zeit beschert, so dass sie mehrere Wochen früher als geplant fertig waren. Der zusammen mit Herschel gestartete Satellit Planck hat derweil schon die systematische Abtastung des Himmels mit seinen beiden Instrumenten begonnen, die auf 15 Monate angelegt ist – für Auswertung und saubere Publikation stehen weitere zwei Jahre zur Verfügung, so dass man die ultimative Karte der kosmischen Hintergrundstrahlung im Herbst 2012 erwarten darf.

ESA, STFC Releases, Herschel Blog, BBC 27., SRON News 19. 11., 26.10., Planck News 29., 17., Jaffe’s Blog 17.9.2009

Große Wissenschaftsorganisationen und -förderer „bekennen sich zum Dialog mit der Gesellschaft“

26. November 2009 von skyweek

Ein neues Statement von ‘Wissenschaft im Dialog’ zur Kommunikation und jede Menge Meldungen aus dem In- und Ausland der letzten 17 Tage im Blog zum Astronomiejahr!

Ein scharfes Foto einer Meteorspur und ihrer Hinterlassenschaften im Wind

26. November 2009 von skyweek

ist am 22. November einer Kamera der Sternwarte von Armagh in Nordirland gelungen, die eigentlich Sternhelligkeiten in der Nähe des Polarsterns überwacht: Am Ort der Feuerkugel – die auch von einer Allsky-Kamera und durch Radioechos beobachtet wurde – beträgt die Auflösung etwa 50 Meter. Da der Körper schon in einiger Höhe zerplatzte, dürfte es sich um ein (vielleicht Apfel-großes) Stück eines Kometen gehandelt haben. A propos Komet: Aus den Bildern der Halley Multicolor Camera von vor bald 1/4 Jahrhundert ist jetzt ein ganz neuer Anflugsfilm auf den Kometenkern erstellt worden (natürlich von einem Amateur), der mehr Oberflächendetails als frühere zeigt.

Raumfahrt-Nachrichten kompakt

26. November 2009 von skyweek

Die gesamte Erdoberfläche – aus 9500 Landsat-Bildern

„Absolut gratis“ und „zugänglich für jedermann“ ist ein gewaltiges Mosaik aus Farbbildern der Landsat-Satelliten (und auch ein paar anderer, um Lücken zu schließen) von 2004-7: Auflösung durchgängig 30 Meter, nirgends Wolken, und jeder Punkt festen Landes ist dabei. Früher hätte solch ein Datensatz mal 36 Mio.$ gekostet! (NASA Earth Observatory 18.11.2009)

Grünes Licht für CryoSat 2: Die Startkampagne für den 25.2.2010 hat begonnen. Nach GOCE, dessen Inbetriebnahme am 23.11. abgeschlossen war, und SMOS, der seine ersten Testbeobachtungen mit der MIRAS-Antenne gemacht hat, wird CryoSat 2 der dritte Earth Exoplorer der ESA – mit dem ersten Platz hat’s nicht geklappt, weil der erste CryoSat einer versagenden Rakete zum Opfer fiel. (ESA Releases 19., 20., 25. 11.2009)

Meeressatellit QuikScat nach zehn Jahren ausgefallen

Seit dem 23.11. bewegt sich die Radarantenne des US-Satelliten nicht mehr, mit der er einen 1800 km breiten Meeresstreifen überstreichen und durch die Rückstreuung Windrichtung und -geschwindigkeit bestimmen konnte – dieses Verfahren erwies sich bald als so nützlich, dass es auch in die operative Wettervorhersage einbezogen wurde, v.a. für die Hurrican-Beobachtung. Eigentlich waren die Mission nur auf 2 und die Antennenmechanik auf 5 Jahre ausgelegt, so dass der Ausfall der letzteren nicht überraschend kommt. Sollte die Antenne starr bleiben, kann der ansonsten intakte Satellit vielleicht noch für andere Aufgaben eingesetzt werden; die Meteorologen aber müssen sich andere Datenquellen suchen. (JPL Release 23., Spaceflight Now, Sun Sentinel 24.11.2009)

GRACE-Satellit hilft bei Bestimmung der Meerwasser-Menge: Kurzzeitige Schwankungen in der räumlichen Verteilung der Ozeanwassermassen sind aus Messungen des Erdschwerefeldes des Satellitenpaares (siehe Artikel 447) und andere Daten ermittelt worden, was u.a. für bessere Klimamodelle wichtig ist. (Uni Bonn PM 11., NASA Earth Observatory, BBC 12.11.2009)

Neue Hinweise auf einen früheren Ozean auf dem Mars

Diesmal ist es eine halbautomatische Analyse von Flussbetten auf dem Mars, die für häufige Regenfälle in ferner Vergangenheit sprechen soll – und dafür, dass es damals auch einen (und zwar genau einen) substantiellen Ozean gab, während der Rest des Planeten eher wüstenhaft war. Das Netz der Flüsse ähnelt nun dem irdischen stärker als bisher. (Northern Illinois University Press Release 23.11.2009)

Neue Software soll den MRO schützen, bevor er aus seinem Safe Mode aufgeweckt wird: Der – riskante – Update des Flashspeichers soll verhindern, dass der Marsorbiter bei einer Verkettung unglücklicher Umstände auf einmal glaubt, er sei noch auf der Erde … Wann der MRO die wissenschaftliche Arbeit wieder aufnehmen darf, ist noch völlig unklar. (JPL Release 24.11.2009)

Kaum zu glauben: Die „Mars-Bakterien“ sind wieder da. Oder?

Begleitet von abstrusen Schlagzeilen wird in areophilen Kreisen eine dicke Arbeit gefeiert, nach der die winzigen Magnetitkristalle im Marsmeteoriten ALH 84001 – das letzte verbliebene mögliche Indiz für Spuren vergangenen Lebens in dem Brocken – allein biologisch erklärt werden können. Neue Mikroskope hätten alle alternativen Erklärungen, wie sie sich schon vor 10 Jahren durchgesetzt hatten (siehe z.B. Artikel 171), vom Tisch gefegt. Unter den Autoren des Papers sind allerdings viele, die auch auf demjenigen Paper gestanden hatten, das den ALH-Wirbel 1996 ausgelöst hatte, und die danach immer mehr in die Defensive geraten waren. Da ist kaum zu erwarten, dass das Pendel in Sachen Marsbakterien nun plötzlich in die andere Richtung schwingt … (Spaceflight Now 24., IO9 25., Cumbrian Sky 26.11.2009) NACHTRAG: Ein Chemiker liest das Paper.

Keine „Fly-By-Anomalie“ bei Rosettas letztem Erdbesuch: Die Kometensonde folgte perfekt den Kepler’schen Gesetzen, wie auch beim 2. Flyby, während es beim 1. zu einer ungeklärten – winzigen – Abweichung gekommen war. Das finden die Auswerter nun irgendwie unbefriedigend. (Rosetta Blog 23.11.2009)

Eine größere Rolle der EU in der europäischen Raumfahrt

schwebt wohl EC-Präsident M. Barroso vor, der den Weltraum zu einer seiner Prioritäten seiner 2. Amtszeit machen will. Während Europa insgesamt rund 6 Mrd. Euro im Jahr für Raumfahrt ausgibt, beträgt der direkte EU-Anteil nur 700 Mio. Euro: Das soll ab nächstem Jahr anders werden, v.a. wenn sich in der 2. Jahreshälfte ein großer Weltraumgipfel in Brüssel die Weichen stellt. Bis dahin wird man auch wissen, wohin die US-Raumfahrt steuert und dann ggf. eigene Beiträge definieren können – an einigen Explorations-relevanten Technologien wird bereits gearbeitet. (AW&ST 2.+16.11.2009 S. 30/53)

Wichtigste Bodenstation für die Galileo-Satelliten eingeweiht: Im Guiana Space Centre bei Kourou entsteht die umfassendste der zahlreichen Bodenstationen für die Kontrolle der 30 europäischen Navigationssatelliten. (ESA Release 20.11.2009)

Braucht das Vereinigte Königreiche eine eigene Raumfahrtbehörde?

Während das Science & Technology Facilities Council im Prinzip eine Umwandlung des British National Space Center (BNSC) in eine richtige Weltraumagentur befürwortet, ist das ebenfalls im BNSC involvierte Natural Environment Research Council dagegen und würde eine Earth Observation Partnership bevorzugen. (AW&ST 19.+26.11.2009 S. 32/23)

DLR liefert Nasenkappe für EXPERT-Weltraumkapsel aus, eine europäische Testplattform für Wiedereintrittstechnologie (European eXPErimental Reentry Testbed), die im Auftrag der ESA Daten bei der Rückkehr in die Erdatmosphäre sammeln wird. Im Herbst 2010 soll sie mit einer russischen Volna-Trägerrakete von einem U-Boot im Pazifik aus starten, einen suborbitalen Flug absolvieren. (DLR PM 19.11.2009)

Planung für bemannten Asteroidenflug läuft längst

Während noch gar nicht ausgemacht ist, dass die NASA-Raumfahrt künftig dem „flexible path“ folgen wird, laufen längst Studien, wie man mit Orion-Kapsel zu einem erdnahen Asteroiden fliegen könnte: LockMart hatte dazu mit der Studie „Plymouth Rock“ bereits Vorarbeit geleistet. Solch eine Reise – realistisch im Zeitraum 2020-25? – gilt als Mittelweg zwischen Mond (war’n wir schon) und Mars (weit weg): Sie würde etwa 1/2 Jahr dauern. (Space.com 23.11.2009) NACHTRAG: Auch die Huntsville Times hat davon gehört.

Die ESA hat Node 3 „Tranquility“ an die NASA übergeben, das letzte große Stück Euro-Hardware für die ISS: Die Lieferung war 1997 im Rahmen eines groß angelegten Tauschhandels beschlossen worden, geliefert werden soll per Shuttle im Februar 2010, inklusive der Aussichts-Cupola. (ESA Release 21.11.2009. Auch Spaceflight Now 21.11. zu den neuen Gyros für die ISS und Wired 18.11.2009 über den ersten bloggenden ISS-Kosmonauten)

Vorsichtige Annäherung USA – China in der Raumfahrt

„The United States and China look forward to expanding discussions on space science cooperation and starting a dialogue on human space flight and space exploration, based on the principles of transparency, reciprocity and mutual benefit,“ heißt es in einem U.S.-China Joint Statement vom 17.11. anlässlich von Obamas China-Besuch: „Both sides welcome reciprocal visits of the NASA Administrator and the appropriate Chinese counterpart in 2010.“ Wohin die Reise allerdings gehen wird, ist noch sehr unklar – insbesondere, ob Chinas lange gehegter Wunsch nach Zugang zur ISS in Erfüllung gehen kann. Auch der Augustine-Bericht hatte „signifikantes Potenzial“ Chinas bei einer Partnerschaft gesehen. (CNET, Space News 17., Space Today 18., Discovery 19.11.2009 sowie AW&ST 2.11.2009 S. 27))

Iran will einen Nachrichtensatelliten starten – Ende 2011, auf einer eigenen Rakete: Dieser Plan wird auch deswegen vorangetrieben, weil Italien wie Russland den Start des Satelliten verweigert haben. Und dass die eigenen Raketen orbitfähig sind, hatte der Iran bereits diesen Februar bewiesen, als ein Testsatellit 2 Monate im Orbit blieb. (MSNBC 20.11.2009)

Zivil-Kosmonaut und Raketenentwickler gestorben

Im Weltraum war Konstantin Feoktistov nur einmal gewesen, 1964 mit Voskhod 1, der ersten Kapsel für mehr als einen Passagier – aber er war der ersten Raketenwissenschaftler überhaupt, der sein Produkt auch persönlich testete. Und wie nur wenige war er kein Militär und auch kein Mitglied der KPdSU, doch seiner Karriere schadete das nicht: Noch bis 1990 war Feoktistov Chefentwickler bei Energia und an zahlreichen sowjetischen Raumfahrtprojekten der SU beteiligt gewesen. Am 21. November starb er mit 83. (CollectSpace, BBC 22., New York Times, Nature Blog 23., Space Today 24.11.2009)

Russischer Kosmonaut beklagt zielloses Programm: Mikhail Tyurin wurmt insbesondere, dass es immer noch keinen Soyuz-Nachfolger gibt, ja man sich noch nicht einmal über die grundlegende Technologie (Landung als Shuttle oder am Fallschirm) einig sei. (MSNBC 20.11.2009)

Cassini kann es nicht lassen: täglich neue dramatische Bilder

25. November 2009 von skyweek

Jeden Tag werden derzeit neue dramatische Bilder aus dem Saturnsystem veröffentlicht: vorgestern und heute verrückte Schwerkraft- und Lichteffekte in den Ringen und gestern eine Animation von Saturns Polarlichtern.

Hier hat der 86-km-Mond Prometheus nicht nur bemerkenswerte Muster im F-Ring (links) produziert, sondern wirft – nur eine Woche nach dem Äquinoktium im August – auch seinen Schatten schräg über den A-Ring.

Die nur 8 km große Daphnis (der helle Punkt) hat hier ein Wellenmuster im A-Ring an der Keeler-Lücke erzeugt, das schon im Juni vorgestellt worden war – aber nur eine Woche vor der Äquinoktium sind die Schatten der „Wellenberge“ noch viel länger.

Und dies ist eins von 472 Bildern aus einem Film, der die Entwicklung der Polarlichter Saturns (im sichtbaren Licht aber in Falschfarben dargestellt) über 81 Tage verfolgt – mit 1200 km über den Wolken sind sie die höchsten des Sonnensystems (weil hier Wasserstoff zum Leuchten angeregt wird, der leichter als die bei irdischen Polarlichtern leuchtenden Gase ist).

In Sachen Saturn sorgt überdies noch ein Paper für Aufsehen, in dem anhand der – direkt von Cassini gemessenen – Atmosphärenchemie des Titan auf die Zusammensetzung seiner Seen geschlossen wird, über die es keine direkten Daten gibt. Das Gebräu könnte dank Ethin (Trivialname Acetylen; Anteil ~1%) überraschend ‘nahrhaft’ sein, für sehr spezielle Mikroorganismen, deren Existenz natürlich hochspekulativ ist …

Im LHC kollidieren schon die Protonen, noch mit geringer Energie und Teilchenzahl

24. November 2009 von skyweek

Heute vor 50 Jahren hat das – noch immer verwendete! – Protonen-Synchrotron am CERN zum ersten Mal Protonen beschleunigt. Und gestern wurden im LHC die ersten Proton-Proton-Kollisionen der entgegengesetzt umlaufenden Strahlen registriert, nachdem die Inbetriebnahme am Wochenende überraschend glatt gelungen war. Nachdem der Gleichlauf der Strahlen sichergestellt war, ließ man sie in den vier riesigen Detektoren kollidieren, erst ATLAS und CMS, dann ALICE und LHCb. Dass es dabei überhaupt zu einer nennenswerten Zahl von Zusammenstößen kam, ist erstaunlich, sind doch drastisch weniger Protonen unterwegs als später im Regelbetrieb und auch nicht so gut „gezielt“. Die CERN-Forscher staunen selbst, dass sie in so kurzer Zeit schon so weit gekommen sind, und es ist bereits von „serious data taking in a few days time“ die Rede. Die Injektionsenergie der Strahlen liegt derzeit bei jeweils 450 GeV: Bis Weihnachten soll das auf 1.2 TeV gesteigert werden, und dann sollten auch schon eine Menge Kollisionsereignisse im Kasten sein. Mehr von Symmetry Breaking, Cosmic Variance, Ars Technica, Physics World, New York Times, New Scientist, BBC, Telegraph, CNN, Discovery, Universe Today, Nature Blog, AP, Reuters, Tracker, Spiegel, ScienceBlogs.

Chronik des Universums: erste November-Hälfte 2009

23. November 2009 von skyweek

Fr, 13. November: So sieht die Andromeda-Galaxie von oben aus.

Do, 12. November: China startet einen geheimnisvollen Forschungssatelliten.

Poisk erreicht die USS.

Mi, 11. November: Die Startvorbereitungen für WISE laufen – am 7.12. soll der IR-Satellit starten.

Di, 10. November: Eine Soyuz startet das Poisk-Modul zur ISS.

Die ‘liebestolle’ Astronautin ist zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt worden.

Mo, 9. November: Ein LRO-Bild der Landestelle von Apollo 11 aus 50 km Höhe zeigt weitere Details.

Eine ungewöhnliche Schrägsicht auf Gewitterwolken aus dem Orbit.

Sa, 7. November: Die ersten zwei Soyuz-Raketen sind auf dem Weg nach Kourou.

Fr, 6. November: Die ESA hat SSTL mit dem Bau eines Mondorbiters beauftragt, den aber im Wesentlichen Studenten konstruieren sollen.

Do, 5. November: Deutsche Schüler sind Ko-Autoren eines Papers über kataklysmische Sterne – sie beobachteten mit MONET in Texas.

Mi, 4. November: Das SUNRISE-Teleskop lieferte spektakuläre Aufnahmen der Sonnenoberfläche.

Di, 3. November: Ein spektakuläres Bild von Enceladus und seinen Fontänen ist Cassini beim Fly-By gelungen.

Mo, 2. November: In Plesetsk startet SMOS, zusammen mit Proba-2.

So, 1. November: Das erste japanische HTV verglüht samt Müll von der ISS.

Frühere Kurzmeldungen gibt es hier

Weltraumforschung kompakt

22. November 2009 von skyweek

Das „Virtual Observatory“ produziert mehr und mehr Wissenschaft

Unter dem Begriff VO wird seit sieben Jahren an einem Standard gearbeitet, der den gemeinsamen Zugriff auf astronomische Datenarchive ganz unterschiedlicher Art erleichtert, auf dass die Zusammenführung neue Erkenntnisse liefern möge. Das geschieht offensichtlich: Die Zahl wissenschaftlicher Publikationen, die auf dem VO basiert, steigt steil an. Dabei werden ebenso exotische Himmelsobjekte aufgespürt wie gewaltige Meta-Kataloge bestimmter Objektklassen generiert – und auch kleine Projekte können zum großen Ganzen beitragen, wenn sie VO-gerecht publiziert werden. (Hatziminaoglou, Preprint 10.11.2009. Auch Borne, Preprint 3.11.2009 zum Data Mining in der Astronomie)

Eigenbewegungskatalog mit der „Carte du Ciel“ erstellt: Die große fotografische Himmelsdurchmusterung ab 1887 gilt zwar weithin als Schuß in den Ofen – aber beim Ausmessen einiger der alten Platten von 1080 Quadratgrad ist zusammen mit Sternpositionen von heute ein Katalog mit 560′000 Eigenbewegungen herausgekommen, der den Hipparcos-Katalog zumindest in diesem Aspekt bis zur Grenzgröße 15 mag. erweitert. (Vicente & al., Preprint 16.11.2009)

„Hauptgürtel-Kometen“ alles Verwandte des Asteroiden (24) Themis?

Die Bahndynamik der drei zuweilen Komet spielenden Eisasteroiden 7968 Elst-Pizzaro, 118401 und P/2005 U1 weist sie als mutmaßliche Bruchstücke des ebenfalls eisbedeckten Asteroiden (24) Themis aus – jedenfalls kann ausgeschlossen werden, dass sie ursprünglich aus der Kometenzone weit draußen im Sonnensystem stammen. In der Nähe der Themis-Familie könnte es mithin noch mehr Main Belt Comets (MBCs) geben. (Haghighipour, Preprints 29.10., 21.11. 2009) NACHTRAG: ein Artikel zum 2. Paper.

Ständige Zunahme der Astronomischen Einheit bleibt mysteriös: Die beobachtete Zunahme des mittleren Abstands der Erde von der Sonne von 15 Metern pro Jahrhundert kann im Gegensatz zu früheren Vermutungen wohl nicht auf einen Gezeiteneffekt zwischen Sonne und Planetensystem zurückgeführt werden. (Itoh, Preprint 4.11.2009)

Irreguläre (Jupiter-)Monde aus Binär-Asteroiden herausgerissen?

Wie die Gasplaneten zu ihren Monden auf „falschen“ Umlaufbahnen gelangt sind, ist eines der Mysterien der aktuellen Planetenforschung: Ein Szenario, bei dem ein Doppelasteroid beim Vorbeiflug am Jupiter durch Gezeitenkräfte zerrissen wird, scheint besser als viele Alternativen zu funktionieren. (Philpott & al., Preprint 6.11.2009)

Eine spezielle Klasse von Objekten im Saturnsystem scheinen Aegaeon, Anthe und Methone zu sein, die mit Mimas sowie Strukturen im G-Ring in Verbindung stehen. (Hedman & al., Preprint 1.11.2009. Auch ein Preprint 12.11.2009 zur Architektur der Cassini-Teilung)

Das Verständnis der großen Ausbrüche von Eta Carinae

im 19. Jahrhundert kommt auf verschiedenen Wegen weiter voran: Radioastronomen haben Variabilität der Sub-mm-Emission gefunden, die auf kalten Staub und damit (noch nicht so lange) vergangene gewaltige Massenauswürfe hindeutet – und hydrodynamische Simulationen bekommen langsam den großen und kleinen „Homunculus“ in den Griff, Nebel, die bei den Ausbrüchen entstanden. (Gomez & al., Preprint 1., González & al., Preprint 10.11.2009) NACHTRAG: noch ein aktueller Review zum Verhalten Eta Cars. NACHTRAG 2: und einer zum Treiben des Sterns jetzt.

Ein Stern aus der Andromeda-Galaxie rast mit 780 km/s in unsere Richtung, was B030D die höchste gemessene negative Sterngeschwindigkeit verleiht – wahrscheinlich ist seine Mitgliedschaft im Andromeda Giant Stream die Ursache. (Caldwell & al., Preprint 16.11.2009)

155-Tages-Periodizität der Sonne in Aurora-Daten aus dem 18. Jahrhundert

Vor 25 Jahren stießen Rieger & al. auf eine 154-Tages-Periode beim Auftreten harter Sonnenflares – jetzt ist vermutlich dieselbe Periode in zwei neu entdeckten Polarlichtsammlungen aus dem späten 18. Jahrhundert aus dem UK und Spanien wiedergefunden worden, v.a. aus dem Sonnenzyklus Nr. 3. (Vaquero & al. Preprint 13.11.2009)

VLBA verfolgt tausende SiO-Maser in „Source I“ im Orionnebel: Die 3-D-Bewegungen dieser Quellen verraten direkt rotierende Akkretionsscheiben und Ausflüsse in diesem Sternentstehungsgebiet – und stützen die Vermutung, dass Magnetfelder ihre Hand im Spiel haben. (CfA Press Release 16.11.2009)

„Wandernde Sterne“ rund um Galaxien könnten bei der Wechselwirkung mit kleinen Satellitengalaxien produziert werden: Sie würden auf weit ausholende Bahnen gelangen aber an die Galaxie gebunden bleiben. Nur durch Nova- oder Supernova-Explosionen würden sie wohl auf sich aufmerksam machen. (Teyssier & al., Preprint 4.11.2009)

Nicht alle Ia-Supernovae sind absolut gleich hell

Das weiß man schon länger, und es werden auch immer neue Zusammenhänge zwischen Sternpopulationen und Sternexplosionen dieses Typs darin erkannt: So treten die schwächsten (und schnellsten) Ia-SNe offenbar nur in Galaxien mit mehr als 10^10 Sonnenmassen auf und mithin in Sternpopulationen, die älter und metallreicher sind. Vielleicht kann man das Alter einer Galaxien benutzen, um die Helligkeit einer Ia-SN darin noch besser zu ‘korrigieren’, zur Steigerung ihres Nutzens für die Kosmologie? (Neil & al., Preprint 3.11.2009)

RRATs und Pulsare sind enge Verwandte, hat eine Suche in Pulsararchiven ergeben: Ein Neutronenstern kann demnach zwischen den Zuständen Pulsar mit regelmäßigen Pulsen und „rotating radio transient“ (siehe hier, „Schüler entdeckte …“) mit isolierten Pulsen, die aber sehr ähnlich aussehen, hin und her wechseln. (Burke-Spolaor & Bailes, Preprint 9.11.2009)

Neue Entfernungsbestimmungen zu Andromeda und Centaurus A

Während die 744±33 kpc (2.4±0.1 Mio. Lichtjahre) bei der Andromeda-Galaxie speziell auf Bedeckungsveränderlichen basieren (aber mit vielen anderen Methoden d’accord gehen), sind die 3.8±0.1 Mpc (12.3±0.3 Mio. LJ) von NGC 5128 alias Cen A die Synthese aus etlichen Verfahren. (Vilardell & al., Preprint 17., Harris & al., Preprint 16.11.2009)

Der fernste kurze Gamma-Ray Burst ist derzeit GRB 090426 mit z=2.6: Die Dauer war zwar typisch für diese GRB-Klasse, spektrale und Energie-Eigenschaften sprechen würden aber eher zu den langen GRBs passen. (Antonelli & al., Preprint 31.10.2009)

Weak Lensing bestätigt – mal wieder – die Standard-Kosmologie

Diesmal ist es eine tiefschürfende Analyse des HST-Beitrags zur COSMOS Survey, die aus den geringfügigigen Deformierungen der Bilder ferner Galaxien durch das Schwerefeld von näher stehenden das Lambda-CDM-Bild unterstützt und dabei ganz unabhängig die beschleunigte Expansion des Universums bestätigt. Was zugleich zeigt, dass eine auf Weak Lensing abzielende Raumfahrtmission zur Messung der Dunklen Energie wünschenswert wäre, z.B. die angedachte Fusion von JDEM und Euclid. (Schrabback & al., Preprint 2.11.2009)

Kosmologische Daten liefern Obergrenze für die Neutrino-Masse: Höchstens 0.2 eV kann sie nach den neuesten Messungen der Parameter des o.g. Lambda-CDM-Modells betragen – und künftige Daten sollten bald eine noch viel schärfere Grenze liefern. (Sekiguchi & al., Preprint 5.11.2009)

Raumfahrt-Nachrichten kompakt

21. November 2009 von skyweek

Die Geysire von Enceladus, wie sie noch keiner sah

Rohbilder: CICLOPS / Mosaik: Cumbrian Sky / Weiterverarbeitung: Skyweek 2.0

Beim heutigen Vorbeiflug der Raumsonde Cassini an Enceladus „E8″ sind Bilder entstanden, die selbst erfahrene Kenner der Mission schockierten: Zum ersten Mal sieht man die berühmten Geysire direkt aus der Oberfläche des Saturnmonds herausbrechen (oben), und auch von dieser selbst gibt es faszinierende Nahaufnahmen (unten). Aus Bildpaaren haben Cassini-Fans auch schon erste 3D-Bilder von Geysiren wie Topografie gebastelt. (Cumbrian Sky, Planetary Society Blog, Universe Today 21.11.2009) NACHTRAG: ein JPL Release. NACHTRAG 2: ein neues Mosaik der Oberfläche sowie eine künstlerische Umsetzung des Bildes oben aus Amateurhand. NACHTRAG 3: ein besseres Plume-Mosaik (obiges scheint auch seitenverkehrt zu sein) – und eine Animation aus Cassini-Sicht!

CICLOPS

Scharenweise Mondgestein von den Apollo-Missionen verschwunden

Das Mondgestein, das bei den Apollo-Missionen in großer Menge bei der NASA landete, ist nicht nur wissenschaftlichen Untersuchungen zugeführt worden: 368 Mondsteine hat die amerikanische Bundesregierung als ihr alleiniger Besitzer diversen Bundesstaaten und auch vielen anderen Ländern geschenkt. Vierzig Jahre später ist ein Großteil dieser Geschenke nicht mehr auffindbar: Nur von drei Dutzend weiß man genau, wo sie sind – während man z.B. gerade auf Hawaii ebenso emsig wie vergebens nach gleich fünf Mondgeschenken sucht … (Honolulu Advertiser 23.10.2009)

„Höhle“ auf dem (Erd-)Mond nicht unbedingt wohnfreundlich: Vor einem Monat hatte die Entdeckung einer offenbar eingestürzten Decke eines Lavakanals auf Bildern des japanischen Orbiters Kaguya für Aufregung gesorgt, schien dies doch geradezu eine Einladung für künftige Siedler zu sein. Aber der Enthusiasmus ist schnell abgekühlt: Solcherlei Löcher auf dem Mond scheinen extrem rar zu sein, wer weiß, wieviel Schutt in der alten Röhre liegt – und in der Nähe der feuchten Polregionen, in die es die Siedlungsplaner zieht, gibt es eh’ nur Hochländer und keine vulkanischen Hinterlassenschaften. (Planetary Society Blog 20., New Scientist 22., Lunar Networks 28.10.2009)

Cleverer Rettungsplan für die Hayabusa-Sonde

Nur zwei Wochen nach dem jüngsten schweren Rückschlag für die japanischen Asteroidenmission hat die clevere Flugkontrolle schon einen Plan, wie die ziemlich kaputte und vielleicht mit etwas Itokawa-Staub gefüllte Sonde es doch noch zur Erde schaffen kann: Es werden gleichzeitig die Ionenquelle des Triebwerks B (dessen Neutralisator kaputt ist) und der Neutralisator von Triebwerk A (das wegen Instabilität nie benutzt wurde) eingesetzt. Damit sollte eine Rückkehr im Juni 2010 weiter möglich bleiben. (JAXA Release, Planetary Society Blog 19., New Scientist 20.11.2009)

Die ESA ist mit einer viel teureren Merkur-Mission einverstanden: Das Science Programme Committee hat sich damit abgefunden, für BepiColombo fast 1 Mrd. Euro auszugeben – aber dafür wäre die Mission (die auch einen japanischen Magnetosphären-Orbiter einschließt) auch dramatisch leistungsfähiger als der MESSENGER der NASA. Den nennen die ESA-Funktionäre eine ‘Vorspeise’, BepiColombo sei dagegen erst das ‘Festmahl’. Auch wenn er erst 2014 startet … (BBC 18.11.2009)

Verdiente Hubble-Instrumente im Museum gelandet

Die bei der Shuttle-Mission im Mai ausgebaute Wide Field and Planetary Camera 2 (WFPC2), das langjährige Arbeitspferd des Hubble Space Telescope, und das Corrective Optics Space Telescope Axial Replacement (COSTAR), das den anderen Instrumenten der 1. Generation trotz falsch geschliffenen Hauptspiegels scharfe Sicht ermöglichte, nun aber nicht mehr gebraucht wird, weil alle späteren Instrumente eigene Korrekturoptiken haben, sind jetzt im National Air & Space Museum in Washington, D.C., zu sehen. Allerdings nur bis Mitte Dezember: Dann gehen beide „auf Tour“ in Südkalifornien, um schließlich im März 2010 endgültig wieder im NASM zu landen, dann als Teil einer neuen permanenten Ausstellung im berühmtesten L&R-Museum des Planeten. (JPL Release 18., CollectSpace 19., BBC 20.11.2009)

Start von WISE auf den 9. Dezember gerutscht, frühestens: Der IR-Satellit auf einer Delta II soll auf die Auswertung eines Delta-IV-Starts kurz davor warten. Das Potenzial des Wide-field Infrared Survey Explorer für alle Arten von Astronomie wird derweil hinreichend beworben. (ELV Status, NASA Release, Pasadena Star News 17., Centauri Dreams 13., JPL Feature 11.11., Science@NASA 15.9., JPL Release 17.8.2009) NACHTRAG: ein Media Advisory zum Start.

Scharfe Bilder fremder Erden kein Problem – aber von ihren Bewohnern …

Den nächsten paar Generationen von Weltraumteleskopen wird es wohl gelingen, nicht nur erdähnliche Planeten anderer sonnenähnlicher Sterne zu entdecken, abzubilden und sogar räumlich aufzulösen (inklusive Exowäldern und Exosavannen) – und vielleicht wird dabei auch spektroskopisch der Nachweis gelingen, dass auf diesen Welten Leben die Umwelt verändert. Doch danach beginnt ein Jahrtausend des Frustes, sagen eine Anzahl prominenter Planetenforscher in einem ungewöhnlichen Paper voraus: Denn um sich die Aliens auch anzugucken, wären entweder völlig utopische Weltraumteleskope erforderlich (die Arbeit rechnet tatsächlich vor, welch ein absurdes Teleskop man bräuchte, um einem 10-Meter-Tier mit 1 m Auflösung dabei zuzugucken, wie es über einen hypothetischen Planeten von Alpha Centauri kriecht!) oder aber eine Reise zu den nämlichen Planeten, was aber nur mit mindestens ebenso utopischen Antrieben zu schaffen sei. (Schneider & al., Preprint 6.10.2009)

Was hingegen das nächste Jahrzehnt bringen könnte oder sollte, beschreibt ein anderes Paper: Die „zugänglichsten“ Exoplaneten, die Leben tragen könnten, sind demnach Super-Erden (also Felsplaneten mit ein paar Erdmassen) in Orbits um M-Sterne, die in den habitablen Zonen kreisen. Man kann sie finden (wobei die Mission TESS sehr helfen würde), und bereits das JWST könnte viel über sie herausfinden. Allerdings ist es leicht möglich, dass sich die Umweltbedingungen dieser Welten doch sehr von unserer unterscheiden – doch fremde Erden in einer Nähe zu finden, dass man sie überhaupt erforschen kann, ist weitaus schwieriger. (Deming & Seager, Nature 462 [19.11.2009] 301-6. Auch Papers zu den – nur etwas futuristischeren – Projekten TPF/Coronagraph und ATLAST und zur allgemeinen Lage und Artikel zum Starshade-Vorschlag und dem möglichen Einsatz von Dunkel-Energie-Missionen zur Exoplanetenjagd)

Kosmische Kuriosa kompakt

20. November 2009 von skyweek

Inbetriebnahme des LHC in diesen Stunden

Während sich Physiker und (durchweg) Nichtphysiker noch ein wenig darüber streiten, ob mit dem Large Hadron Collider unwägbare Gefahren für Genf, die Erde oder das Universum verbunden sind, wird der Teilchenbeschleuniger in diesen Stunden wieder hochgefahren, 14 Monate nach der schweren Panne kurz nach dem ersten Start – das konnte auch ein Kurzschluss in einem über der Erde gelegenen System nicht verhindern, den ein von einem Vogel verlorenes Stück Baguette ausgelöst haben soll. Soeben ist der Strahl einmal ganz herum gelangt, nun wird es auch in der Gegenrichtung ausprobiert. Laufende Updates liefert der Twitter-Feed des CERN.

Schon nächste oder übernächste Woche könnte es die ersten Teilchenkollisionen geben (zu denen es 2008 erst gar nicht gekommen war): zunächst noch mit viel geringerer Energie als sie längst der große US-Konkurrent Tevatron schafft, aber die riesigen Detektoren rund um den Ring werden dann endlich etwas zum Detektieren haben. Und bereits im Januar könnte der LHC am Tevatron vorbeiziehen. (Cosmic Variance, Boston Globe, Discovery, Nature Blog, Tracker, BBC, Physics World 20., BBC, Telegraph 19., AP 17., Cosmic Log 13., eSkeptic 11., Cosmic Variance 8., Twisted Physics 6.11.2009) NACHTRÄGE: CERN, LBL Releases, BBC, AP, New York Times, Scientific American, Discovery, Tagesschau, BR, KosmoLogs, FAZ, WissensLogs, Welt der Physik (mit Twitter-Protokoll) zum Erfolg.

Auch Gewitterwolken funktionieren offenbar als Teilchenbeschleuniger: Wie schon andere Satelliten vor ihm, sieht Fermi „Terrestrial Gamma Flashes“, insbesondere mit einer Energie von 511 keV – da werden wohl Positronen und Elektronen annihiliert. Aber auch ein Mechanismus, bei dem die Wolken Elektronen beschleunigen, die dann mit Luftmolekülen kollidieren und Gammablitze erzeugen, ist denkbar. (Symmetry Magazine 6.11.2009) NACHTRAG: Hat’s noch wer mitbekommen … NACHTRAG 2: … aber es berichten nicht genug?

Auf der Jagd nach Dunkler Materie – am Himmel und im Labor

Während sie manche am liebsten loswerden wollen, glauben andere, direkte Spuren der Dunklen Materie bereits in astronomischen Daten gefunden zu haben. Oder sind überzeugt, die vermuteten Teilchen bald mit Detektoren auf der Erde einfangen zu können, seien es laufende oder vorgeschlagene (etwa mit Richtungsempfindlichkeit). Der Fermi-Satellit sieht Gammastrahlung aus Richtung des Galaktischen Zentrums, die darauf zurückgehen könnte, dass bestimmte DM-Teilchen mit normaler Materie annihilieren – die Daten könnten aber auch ‘konventionell’ erklärt werden. (Diese Studie sorgte auch für Wirbel, weil die Autoren ‘von auswärts’ Fermi-Daten analysierten, die die Fermi-Forscher selber noch gar nicht ausgewertet hatten.)

Derweil suchen eine ganze Reihe Experimente – meist unterirdisch – nach speziellen Kandidaten für die Dunkle Materie, namentlich Neutralinos und Axions, wobei die letzteren weniger populär aber womöglich physikalisch vielversprechender sind. Versuche, die umstrittene angebliche Detektion Dunkler Materie durch das Experiment DAMA unabhängig nachzuprüfen, hakt allerdings an der mangelnden Verfügbarkeit von zentnerweise hochreinem Natriumjodid. (Goodenough & Hooper, Preprint 11., Nature 5.11. 23, Scientific American 3.11., Physics World 29., Sky&Tel., Cosmic Variance 28., Nature News 2009.1018 19.10.2009 zu Fermi, Irastorza, Preprint 15., Ahlen & al., Preprint 1.11.2009 zu den Labors) NACHTRAG: mehr zu den Fermi-Daten.

Neues Untergrundlabor DUSEL wird weiter gefördert: Die NSF investiert 29 Mio.$ in Detailstudien für das tiefste Untergrundlabor überhaupt, das Deep Underground Science and Engineering Laboratory in South Dakota – der Bau könnte um 2013 beginnen. Derweil laufen im Baikalsee Experimente, um durchs Wasser schießende Neutrinos über akustische Effekte nachzuweisen. (Berkeley Press Release 15., Aynutdinov & al. Preprint 5.10.2009)

Das Vereinigte Königreich steigt aus dem Gemini-Projekt aus

Das scheint nun so gut wie sicher zu sein: Man will die 4 Mio. Pfund im Jahr Anteil an den Betriebskosten der beiden 8-m-Teleskope auf Hawaii und in Chile sparen. Bisher wurden 35 Mio. investiert, und das UK hat einen Anteil von 23% an dem Projekt. (Physics World 19.11.2009)

Meilenstein für das ALMA-Interferometer: Zum ersten Mal konnten zwei der Radioantennen am chilenischen Standort kohärent zusammengeschaltet werden. Da musste dann auch eine beteiligte deutsche Firma zur Feder, äh, Tastatur greifen und auf die besondere Rolle Nordrheinwestfalens bei ALMA verweisen … (ALMA News, Jodrell Bank Release, ThyssenKrupp PM 19.11.2009) NACHTRAG: ALMA Announcements und der NRAO Newsletter zu den First Fringes.

50 Jahre (modernes) SETI – 25 Jahre SETI Institute

Zwar haben sie immer noch keine Funk- oder sonstigen Signale fremder Zivilisationen vorzuweisen, aber wenigstens konnten die Fans der Search for Extraterrestrial Intelligence dieser Tage zwei runde Jubiläen begehen: Am 19. September 1959 veröffentlichte Nature ein Paper mit dem Titel „Searching for Interstellar Communication“, das dank renommierter Autoren die Radiosuche nach Aliens gewissermaßen legitimierte (während Frank Drake bereits heimlich auf der Suche war). Und am 20. November 1984 wurde das SETI Institute in Kalifornien eröffnet, das sich nach dem Wegbrechen staatlicher Förderung auf anderen Wegen um die systematische Suche und auch verwandte Forschungsgebiete kümmert, übrigens bis hin zur Meteorbeobachtung. Daher war dieser Blogger auch 2007 dort zu Gast, im Rahmen der Aurigiden-Kampagne. (Nature 17.9. 345-6 und 316, New York Times 6.10., Welt der Physik 16., Wired 20.11.2009) NACHTRAG: Wow – oder auch nicht … und was wir senden sollten.

Der ‘Preprint-Server’ soll ein interaktives Medium werden

Kaum eine Forschungsarbeit aus der Physik (und der Astrophysik allemal) landet nicht früher oder später im „Arxiv“, einer offen zugänglichen Sammlung von schon rund 600′000 Forschungsarbeiten – manche referiert und publiziert, andere nie. Jetzt investiert die National Science Foundation 883′000$ in einen Ausbau der bislang reinen Paper-Sammlung in ein System, das die Kommunikation über die Arbeiten anheizen und diese auch selber auf neuen Wegen erfassen und zugänglich machen soll. Selbst die „Genealogie“ wissenschaftlicher Gedanken soll automatisch ergründet werden … (Cornell Press Release 17.11.2009)

Was war die „beste“ Astronomie des vergangenen Jahrzehnts? Geht man nur von den Zitaten durch andere Arbeiten aus, dann liegt die Kartierung der kosmischen Mikrowellen-Hintergrundstrahlung durch den Satelliten WMAP klar an der Spitze. Unterdessen hat der besorgte Neuseeländer auf die „fundamentalen Entdeckungen“ der Astronomie auf seinen Rängen 26-51 nach der Zeit sortiert – und wieder geht es nach 1980 steil bergab … (We are all in the Gutter 17., Cosmic Diary 19.11.2009)