Zwergplanet Pluto die Welt des Sonnensystems mit den rasantesten Veränderungen?

4. Februar 2010 von skyweek

Sieht man von Kometenkernen und kollidierenden Kleinplaneten einmal ab, dann ist der Zwergplanet Pluto – dessen Entdecker übrigens heute 104 geworden wäre – derjenige Körper im Sonnensystem, dessen Oberfläche sich am rasantesten verändert: Das zeigen insbesondere Hubble-Aufnahmen aus dem Zeitraum 1994 bis 2003, die erst jetzt allesamt ausgewertet sind und gemeinsam betrachtet werden können. Oben fünf Gesamtkarten von Pluto (Norden links) aus – von links – Photometrie aus den Jahren 1954-1990 und insbesondere den gegenseitigen Bedeckungen von Pluto und Charon, von 1994 von der Faint Object Camera auf dem Hubble Space Telescope im UV und Blauen und von 2002/3 mit dem High Resolution Channel der Advanced Camera for Surveys ebenfalls auf Hubble, im Blauen und Grünen.

Die Auswertung der ACS-Bilder hat sich hingezogen, denn der Planet ist auf jeder Aufnahme nur wenige Pixel groß (drei Bilder rechts), was bei der schon lange wieder ausgebauten FOC (links) mit ihrer extrem hohen Vergrößerung noch anders war. Die Zahlen geben jeweils den Zentralmeridian an; die Rotationsperiode Plutos ist zum Glück bekannt: So konnten die ganze ACS-Serie schließlich – Stichwort: Dithern – mit enormem Rechenaufwand zu einer Gesamtkarte mit doch beachtlicher Auflösung vereinigt werden, die mit derjenigen nach den FOC-Bildern wie auch der alten Karte aus den Mutual Events vergleichbar ist. Und daraus ließen sich wieder künstliche Plutos erzeugen:

Plutoansichten 2002/3 mit Zentralmeridian 90°, 180° und 270° und ungefähr echter Farbe: Die braune Grundfärbung kommt wohl durch Methan zustande, das vom UV-Licht der fernen Sonne zu komplexen, C-reichen Molekülen verarbeitet wird, der helle Fleck auf dem mittleren Bild ist CO2-Frost, den sich die Sonde New Horizons 2015 aus der Nähe ansehen wird. Wer weiß, wie sich der Zwergplanet bis dahin noch verändert haben wird. Von 1994 bis 2002 ist beispielsweise der Norden deutlich heller und der gesamte Planet röter geworden.

Bilder dieser Qualität wird es vor der Ankunft der Sonde nicht mehr geben: Zwar waren 2008 neue ACS-Aufnahmen geplant, aber kurz bevor es so weit war, fiel die Kamera aus – und der nötige Kanal HRC war nicht reparabel. Es gibt nur – nicht veröffentlichte – Bilder geringerer Schärfe der WFPC2, und ab diesem April werden mit der neuen WFC3 fünf Monate lang neue Aufnahmen gemacht: Auch sie werden nicht die Auflösung von ACS-HRC oder gar FOC erreichen, aber wenigstens weitere Farbveränderungen würden sich nachweisen lassen, hieß es gerade auf einer NASA-Telecon.

NASA und HST Press Releases, Pluto-Infos von Marc Buie, der die HST-Daten auswertete, und frühe Artikel von Discovery und Space.com. NACHTRÄGE: Artikel von Planetary Society, Universe Today, Bad Astronomy und Cosmic Log. NACHTRAG: Ein detailliertes Paper ist tags darauf erschienen, als freies PDF und – nur für AJ-Abonnenten – in HTML, Software inklusive! (Ein weiteres Paper – hier als freies PDF – befasst sich mit HST-Messungen von Plutos Lichtkurve.)

Chronik des Universums: Januar 2010

4. Februar 2010 von skyweek

Fr, 29. Januar: Der Mars Express hat 7777 Orbits absolviert und wird bald ganz nah an Phobos heran kommen – und Opportunity Concepcion erreicht, einen kleinen Krater.

Mi, 27. Januar: Jubiläum auf der ISS – 25. Serie deutsch-russischer Plasmaphysik-Experimente beginnt.

Di, 26. Januar: PROBA 2 als Sonnenforscher, SoFi inklusive.

Mo, 25. Januar: Dem CBAT steht offenbar ein Umzug bevor – bye bye, SAO?

Sa, 23. Januar: Ein führender Caltech-Kosmologe hat sich umgebracht; A. Lange war bei BOOMERANG (siehe Artikel 11) maßgeblich involviert.

Fr, 22. Januar: Der neue IR-Satellit WISE hat sein erstes NEO gefangen.

Do, 21. Januar: Wieder bewegt sich ein Sungrazer auf die Sonne zu, schwächer als der letzte.

Mi, 20. Januar: Wie zu erwarten, schweigt Phoenix Odyssey an.

Di, 19. Januar: Die ESA hat drei Finalisten für die nächsten Cosmic Visions-Missionen ausgewählt.

So, 17. Januar: Ein seltenes Bild – ein Raumfahrtchef als Pilger bei einem entlegenen Bergtempel.

Fr, 15. Januar: Die dicke Ring-SoFi wird vielerorts beobachtet.

Fr, 8. Januar: Die IAU zieht Bilanz des IYA 2009, 148 Länder machten mit.

Do, 7. Januar: Der 1. große Galileo-Auftrag geht nach Deutschland! Und das auf den Tag 400 Jahre, nachdem Galilei die Jupitermonde entdeckte …

Mi, 6. Januar: Das erste Bild des WISE-Satelliten liegt vor!

Leichte Vorwärtsbewegung Spirits beim jüngsten Fahrversuch …

Die Endeavour ist auf die Rampe gerollt.

Mo, 4. Januar: Die ersten fünf Planetenentdeckungen des Kepler-Satelliten.

Dreimaliger Hubble-Besucher wird stellvertretender Chef des Hubble-Instituts.

Ein neuer Blick auf Eta Carinae dank IR-AO und Koronograph NICI.

Frühere Kurzmeldungen gibt es hier

Comet Schwassmann-Wachmann 1 in biggest outburst in a decade?

3. Februar 2010 von skyweek

Ein Ausbruch von SW1, der jetzt 11. Größe hat, der Fall C/2010 A2 (LINEAR; Abb.), bei dem es sich um die Kollision zweier Hauptgürtelasteroiden gehandelt haben könnte, Mars in Opposition, noch mehr SoFi-Bilder, U Sco im Ausbruch, die Februar-Vorschau und noch mehr in Cosmos 4 U!

Kurswechsel bei der NASA – aufregende Reise ins Ungewisse

2. Februar 2010 von skyweek

„Obama hat den Aufbruch Amerikas zum Mond gestoppt und als Anti-Kennedy die Menschheit zum ewigen Verbleib auf der Erde verdammt.“ Derartige Sprüche waren viel zu hören gewesen, unter naiven Raumfahrtenthusiasten aber auch in der Presse, als Ende Januar ein dramatischer Kurswechsel der amerikanischen Raumfahrt immer klarer wurde. Doch nichts könnte weiter von der Realität entfernt sein: Die Rückkehr zum Mond, die vor sechs Jahren Obamas Amtsvorgänger Bush junior ausgerufen hatte (man beachte die kritischen Bemerkungen dieses Autors damals …), war schon vor Jahren und noch während dessen Amtszeit gescheitert. Obwohl bis heute rund 9 Milliarden Dollar in dieses Constellation genannte Programm gesteckt worden waren, lag die Entwicklung der Ares-Raketen und der anderen Hardware weit hinter dem Zeitplan, von technischen Problemen ganz zu schweigen.

Daran änderte auch der kurze Testflug einer rudimentären Ares letztes Jahr nichts. Insbesondere hatten es weder Bush noch der in Finanzdingen entscheidende US-Kongress seit 2004 für nötig gehalten, das Budget der NASA angemessen anzuheben: Apollo 2.0, wie Constellation gern genannt wurde, hatte von Anfang an keine Chance. Vergangenen Sommer dann zog ein vom neuen Präsidenten eingesetztes Komitee gewissermaßen die Notbremse: Schwarz auf Weiß konnte man im „Augustine-Report“ nachlesen, dass Constellation in der aktuellen Finanzlage nicht nur das einstige Zieljahr 2020 für die bemannte Rückkehr zum Mond verpassen würde. Vielmehr sei dies auch bis 2030 nicht zu schaffen, außer der NASA-Etat steige um gleich 3 Milliarden Dollar jedes Jahr. Ohne eine Budget-Erhöhung sei hingegen ein Verlassen des niedrigen Erdorbits de facto unmöglich.

Der Bericht zeigte dann einige Szenarien auf, wie man stattdessen verfahren könnte – und Obama hat sich, nicht unerwartet, für die drastischste, riskanteste aber auch aufregendste Lösung entschieden. Das glücklose Constellation-Programm wird abgebrochen, was erst einmal weitere 2 ½ Milliarden Dollar kostet, um es ordentlich abzuwickeln. Für bemannte Raumfahrt bis in den Orbit nach dem Ende der Shuttle-Flüge noch in diesem Kalenderjahr oder spätestens 2011 sollen künftig allein kommerzielle Anbieter sorgen, die massiv gefördert werden (inklusive des geheimnisvollen “Blue Origins”-Projekts des Amazon-Gründers übrigens). Und umfangreiche Mittel werden auch in die jahrelang vernachlässigte Technologie-Forschung gesteckt, um den späteren Aufbruch ins Sonnensystem letztendlich viel rasanter angehen zu können als mit herkömmlicher Technik. Immer wieder ist vom “game-changing” Innovationen die Rede, die indes nie genauer benannt werden.

Zwar soll der Haushalt in den kommenden fünf Jahren um 6 Milliarden Euro auf zusammen rund 100 Mrd.$ wachsen und das Ausland verstärkt einbezogen werden, aber vieles bleibt auch nach einem Schwall von Dokumenten und gleich fünf Presse- und Telefonkonferenzen gestern und heute bedauerlich vage. Kann man technologische Durchbrüche einfach so erkaufen? Bekommt die US-Raumfahrtindustrie rasch überzeugende bemannte Transportvehikel hin? (Dafür spricht, dass schon lange sämtliche unbemannten Regierungsmissionen, z.T. Milliarden Dollar teuer, auf eingekauften Raketen starten.) Und zu welchen Zielen wird der nun eingeschlagene “flexible Weg” den Menschen jenseits des LEO – wo zunächst einmal der Betrieb der ISS bis mindestens 2020 verlängert wird – führen und wann? Noch ist auch der Widerstand der Constellation-Fans im Kongress ist erheblich: Wo die US-Raumfahrt in zehn, zwanzig Jahren stehen wird, ist völlig offen. Aber vielleicht haben wir gerade den Anbruch eines neuen Zeitalters erlebt.

Konkrete Auswirkungen des neuen Kurses für die nahe Zukunft beginnen sich jedenfalls abzuzeichnen. So scheint nun sicher, dass die NASA die eine Sonde, die Solar Probe Plus, ganz dicht an die Sonne heran schicken wird, es soll – für 3 Mrd.$ in den nächsten 5 Jahren! – weitere “Precursor”-Missionen im Sonnensystem geben, um irgendwann doch jemand dorthin schicken zu können (so ist etwa ein ferngesteuerter Mondrover mit Live-Videoübertragung geplant). Und die bislang 4 Mio.$, die die NASA alljährlich in die Jagd auf erdnahe Kleinplaneten (NEAs) investiert, werden um 16 Mio.$/Jahr aufgestockt. Laufende Suchprogramme mit Teleskopen auf der Erde werden damit ausgebaut, das existentiell bedrohte Radioteleskop von Arecibo unterstützt, das sich um Detailbeobachtungen verdient macht, und die Jagd speziell mit dem neuen WISE-Satelliten verschärft, der schon mehrere NEAs gefunden hat: Da wird wohl auch der fieseste Obama-Feind nichts dagegen haben können.

Jede Menge Links zum NASA-Budget und -Kurswechsel im grünen Kasten des Cosmic Mirror #334 – und Nat’l Academies und UMD Releases und Artikel von Centauri Dreams und The Space Review zu einer großen Asteroiden-Studie, die gerade erst vor wenigen Tagen viel mehr NASA-Einsatz bei der NEA-Jagd angemahnt hatte.

Ring of Fire in the Land of the Coconut

1. Februar 2010 von skyweek

Der komplette Reisebericht aus Indien zur Ringförmigen SoFi am 15. Januar mit 9 Seiten und fast 300 Bildern ist fertig und beginnt hier; Eilige können direkt zum Tag der Finsternis oder den hochauflösenden Bildern – ohne Filter! – springen, wo auch zu weiteren spektakulären Bildern aus Varkala verlinkt wird.

Das “Vermächtnis” des IYA wird ein bisschen klarer

Wo man erfahren kann, welche Projekte weiter gehen – und wie das International Year of Astronomy auch einen Monat nach seinem kalendarischen Ende immer noch für jede Menge Meldungen oder Meldenswertes sorgt: ein dicker Beitrag im IYA-Blog über die vergangenen 30 Tage.

Raumfahrt-Nachrichten kompakt

31. Januar 2010 von skyweek

Das beste Bild des Saturnmonds Prometheus ist Cassini vor vier Tagen geglückt, aus 36′000 km Entfernung im sichtbaren Licht – und aus Rohbildern wie diesem kann noch weit mehr herausgeholt werden, erst recht aber aus den finalen Bildprodukten, die mit gewissem Zeitverzug allgemein zugänglich werden. (Auch interessant: was Prometheus mit den Saturnringen anstellt.)

Enceladus nur 1 bis 10 Prozent der Zeit aktiv?

Wahrscheinlich haben wir großes Glück, dass wir die starke Geysir-Tätigkeit des Saturnmonds gerade jetzt erleben dürfen: Nach einem neuen Modell seines Innenlebens (basierend auf der Konvektion der Erdkruste, auf Enceladus-Verhältnisse skaliert) ist er jeweils 100 Mio. bis 2 Mrd. Jahre völlig inaktiv, dann hat sich genug Wärme aufgestaut, dass es 10 Mio. Jahre lang zu heftigem Gasaustritt und Neubildung der Oberfläche kommt. Dieses Szenario – bei dem noch viele Details fehlen – würde die derzeit verblüffend große Wärmefreisetzung wie auch das junge Alter der Geysir-Gegend erklären. (UCSC, JPL Releases 11., Scientific American 10.1.2010) NACHTRAG: Da ist ja noch einer aufgewacht …

Hayabusa kommt der Erde immer näher und ist nach seiner erneuten Wiederauferstehung (“Cleverer Rettungsplan …”) tatsächlich weiter auf Kurs. Nach gemischten Erfahrunen in der interplanetaren Raumfahrt (insbesondere Nozomis missglücktem Marsbesuch) halten sich die Japaner allerdings über die genauen Zeitpläne – und Chancen – für eine Landung der (nur vielleicht gefüllten) Probenkapsel in Australien bedeckt. (Status- und Activities-Seiten, JAXA Release 14., Spaceflight Now 11.1.2010, Planetary Society Blog 17.12.2009)

Drei Finalisten für die M-Klasse-Missionen von Cosmic Vision stehen fest

Die ESA wird – zumindest in der ersten Runde – keine Sample Return von einem Asteroiden (Marco Polo) durchführen und auch auf die Geophysikmission Cross-Scale verzichten: Diese zwei der sechs Kandidaten (“Nächste Auswahlrunde …”) haben sich bei näherer Betrachtung als zu teuer erwiesen. Damit bleiben das Dunkelenergie-Observatorium Euclid, der Solar Orbiter (mit der NASA) und der Exoplanetenjäger Plato im Rennen (wobei aber nur 2 davon gebaut werden können), und außer der Reihe dürfte auch das IR-Observatorium SPICA zusammen mit Japan realisiert werden – man geht davon aus, dass das Science Programme Committee diese Auswahl am 18.2. bestätigen wird. (Space News 19., BBC 20.1.2010)

Die NASA will bis zu 50-mal schneller mit ihren Raumsonden kommunizieren können, mittels neuer Ka-Band-Sender, vor allem aber Laser-Kommunikation: Bis zu einem Gigabit pro Sekunde von Mond oder Mars könnte es dann geben. Der Mondorbiter LADEE, Start Ende 2011, wird letzteres schon mal ausprobieren. (Space.com 22.1.2010)

Die Spiegelsegmente des JWST beginnen umfangreiche Kältetests

Bis 2011 werden alle 18 Segmente, die einmal den Hauptspiegel des superteuren IR-Teleskops (“Die Gesamtkosten des JWST …”) bilden sollen, am MSFC extremer Kälte ausgesetzt – ihre Herstellung hat bereits vor 6 Jahren begonnen. (NASA Release 7.1.2010)

Lichtreflexe verraten Wasserflächen, auf der Erde und anderswo: Was beim Titan klappte, geht natürlich auch bei der Erde, wie die Raumsonde EPOXI vergangenen März sehen konnte – und mit (futuristischen) Weltraumteleskopen sollte es mit demselben Trick auch gelingen, grobe Aussagen über die Oberflächeneigenschaften von Exoplaneten zu treffen. (NASA Release 5., BdW 7.1.2010)

Drei wichtige Aufträge für das operationelle Galileo-System

hat die Europäische Komission vergeben: Die ersten 14 (von 32) Satelliten, die das europäische Navigationssystem aufbauen werden, darf überraschend die deutsche Firma OHB bauen und nicht der einst siegessichere Mega-Konzern EADS. Von den 566 Mio. Euro gehen zwar 236 Mio. an den britischen Subkontraktor SSTL; montiert wird aber in Bremen. Ebenfalls wurde Arianespace (keine Mitbewerber) mit dem Start der Satelliten in ab Oktober 2012 Kourou beauftragt (397 Mio. Euro) und ThalesAleniaSpace mit System-Support (85 Mio. Euro). Wer die folgenden 18 Satelliten bauen darf, bleibt offen: Erneut dürfen sich OHB und EADS im Wettbewerb; durch dieses ‘double sourcing’ sollen weitere Verzögerungen (“Navigationssystem Galileo …”) vermieden werden, falls einer der beiden Probleme haben sollte. Die ersten Galileo-Dienste sollen Anfang 2014 zur Verfügung stehen. (EU, SSTL Releases, Spaceflight Now, BBC, Space News, Tagesschau 7., Space Today 8.1.2010)

Überzeugende Schwerkraftkarten des GOCE-Satelliten wurden auf dem AGU-Herbstmeeting präsentiert: Obwohl der Satellit (“GOCE bei der Arbeit …”) da erst 47 Tage gemessen hatte, sollen sie besser als alles bisher dagewesene sein. Und dank der ungewöhnlich niedrigen Sonnenaktivität dürfte sich GOCE weit länger auf seiner niedrigen Bahn halten als gedacht. (BBC 24.12.2009)

Deutscher Satellit “Heinrich Hertz” soll Comsat-Technologien testen

Vorbereitungen laufen für einen kleinen deutschen Satelliten, der verschiedene neuartige Systeme für Nachrichtensatelliten testen soll – denn die Hersteller solcher Satelliten selbst stehen jedweder Innovation erst einmal skeptisch gegenüber. Neben den Experimenten soll der Satellit aber auch eine kommerzielle Telekommunikations-Nutzlast tragen, und deren Lieferant und das DLR wollen sich die Startkosten teilen. (Space News 22.1.2010)

Ein Datenrelaissatelliten-System auch für die ESA – nach dem Vorbild des amerikanischen TDRSS (“Der erste Daten-Relais-Satellit …”), bereits 2008 im Prinzip beschlossen, soll dieses Jahr konkret werden: Auf zwei kommerziellen und mindestens einem speziellen Satelliten im GEO werden die Transponder untergebracht; GMES wird der erste Kunde. (Spaceflight Now 22.1.2010)

In rund einem Jahr beginnt der Bau einer chinesischen Raumstation

Ende 2010 oder Anfang 2011 soll nach allmählich klarer werdenden Plänen mit Tiangong-1 (“Himmlischer Palast”) die erste Komponente einer chinesischen bemannten Raumstation in den Orbit gelangen, gefolgt von Ankoppelübungen mit der unbemannten Shenzhou 8 und der ersten Dreier-Besatzung mit Shenzhou 9. Lange kann sie nicht bleiben, da Tiangong-1 noch sehr klein ist und es auch an Vorräten fehlen wird, aber später sollen mindestens zwei Module dazu kommen. Und Fernziel bleibt eine große eigene Raumstation, von der aus es möglicherweise in den 2020-ern weiter zum Mond gehen soll. (Universe Today, Space Daily 20.1., CCTV 29.12.2010. Und Spaceflight Now 28.12.2009 zur chinesischen Raumfahrtplanung insgesamt sowie Xinhua 29.12.2009 zu einem angedachten Satelliten zur Erforschung der Dunklen Materie)

Indischer Sonnenforschungs-Satellit mit Mehrfach-Aufgabe: Aditya-1 soll 2013 gestartet werden und zum einen die Befindlichkeit der Sonne während bzw. nach dem tiefen Aktivitätsminimum ergründen. Aber es soll auch erforscht werden, wie sich Raumflugkörper im Sonnenschein aufheizen, denn da hat Indien noch Nachholbedarf: Der Mondorbiter Chandrayaan-1 fiel wegen Überhitzung vorzeitig aus, und von dem für 2015 angekündigten Einstieg in die bemannte Raumfahrt will man dieses Problem im Griff haben. (DNA 25.1.2010)

Alle Teile der ersten Falcon 9 sind am Cape angekommen

Und da im Oktober 2009 sowie am 2.1.2010 auch Testzündungen der ersten bzw. zweiten Stufe dieser u.U. wichtigen Rakete (“Der erste kommerzielle Transporter zur ISS”) erfolgreich waren, darf in den kommenden Monaten – theoretisch ab dem 3. März – mit dem Start gerechnet werden. Wenn er gelingt, folgen drei Demonstrationsflüge zusammen mit der Dragon-Kapsel, der die NASA dann die Erlaubnis zum Besuch der ISS erteilen würde. (Spaceflight Now 29., 5., Space Today 6., Int’l Space Fellowship, Orlando Sentinel Blog, Nature Blog 5.1.2010)

Indischer Riesenbooster-Test geglückt: Der Feststoffbooster S200, nach den Shuttle-Boostern und denen der Ariane 5 der drittstärkste der Welt, hat am 24. Januar tadellos 130 Sekunden lang gebrannt, womit das GSLV-Mk. III (“Im Januar …”) auf Kurs für einen Erstflug Ende 2011 bleibt. Der Start des GSLV-D3 ist derweil auf März gerutscht. (ISRO Release 24., Hindu, DNA, Domain B 25., Hindu 23., 1.1.2010. Und Express Buzz 1.1.2010 zur – rosigen – Lage der indischen Raumfahrt insgesamt) NACHTRAG: Jetzt heißt es April.

ISS-Astronaut twittert Erdbilder aus dem Orbit

30. Januar 2010 von skyweek

Seit kurzem ist die International Space Station direkt ans Internet angeschlossen, was es der Besatzung u.a. auch erlaubt, direkt zu twittern. Soichi Noguchi macht davon nun auf besonders sinnvolle Weise Gebrauch: Via TwitPic schickt er beeindruckende Bilder der Erde aus der Umlaufbahn quasi live an seine Fans, deren es v.a. in Japan einige gibt – hier z.B. von Tokyo bei Nacht, aber auch von leuchtenden Nachtwolken über der Antarktis oder der Golden Gate Bridge. Na, da ist ja die bemannte Raumfahrt, deren geplantes Schicksal in den USA wir Montag-Abend mit dem NASA-Etat erfahren werden, ja doch zu was gut …

Befreiungsversuche Spirits aufgegeben – aber wirklich für immer?

27. Januar 2010 von skyweek

Es hatte sich schon seit einigen Wochen abgezeichnet: Vor dem nahenden Winter würde Spirit seiner Sandfalle nicht entkommen können. Seit gestern nun steht fest: Der letzte große Befreiungsversuch wird eingestellt und alles daran gesetzt, den betagten Marsrover winterfest zu machen, so daß er künftig als stationärer Lander arbeiten kann. Oder etwa doch nicht? “NASA has designated the once-roving scientific explorer a stationary science platform,” heißt es in der Erklärung der NASA, die bei einer Telecon erläutert wurde, doch einer der Rover-”Fahrer”, Scott Maxwell, sieht die Lage anders: “If Spirit feels up to it, we might even get properly back on the road again next year,” wenn der Winter überstanden und die stationäre Forschung erledigt ist. Zwar ist Spirit nach dem Ausfall von zwei seiner 6 Räder (und ein drittes macht auch Ärger) in keinem guten Zustand mehr, aber gerade in den letzten Tagen war der Rover doch merklich vorangekommen – manche hätten es wohl gerne noch weiter versucht.

Schon Mitte Februar jedoch wird die Sonne so flach auf Spirits Solarzellen scheinen, daß der Strom für weitere Fahrversuche nicht mehr reichen wird. Daher wird bereits seit Mitte Januar durch spezielle Fahr- bzw. Wühlmanöver daran gearbeitet, die Solarzellen etwas der Sonne entgegen zu drehen: Derzeit ist der Rover um 9° nach Süden gekippt, waagerecht oder etwas gen Norden wäre besser. Auch im besten Fall ist allerdings zu erwarten, daß die Leistung der Solarzellen – die fast komplett in die Heizung der Roversysteme investiert werden wird – im März oder April so weit zurückgeht, dass Spirit in einen “stable fault mode” gerät und sich u.U. bis zu einem halben Jahr lang kaum oder gar nicht mehr meldet. Die Temperatur an Bord (dank radioaktiver Heizelemente immer noch höher als draußen) dürfte nachts bis auf -45°C sinken: Ein fabrikneuer Marsrover müsste das aushalten, aber nach 6 Jahren auf dem Mars mit fortwährenden starken Temperaturschwankungen sieht das vielleicht anders aus.

Falls Spirit sich nach dem Winter wieder erholt, steht schon ein neues wissenschaftliches Programm für den stationären Lander bereit: Insbesondere soll seine Position im Raum lange Zeit sechs Monate lang penibel über die Laufzeit der Funksignale vermessen werden. So lassen sich die Lage der Marsachse und vor allem ihre leichten Schwankungen bestimmen, woraus sich wiederum schließen lassen sollte, ob der Mars (wie allgemein erwartet) einen festen Kern besitzt oder aber doch einen flüssigen, der es trotzdem nicht schafft, ein Magnetfeld zu erzeugen. Ähnliche Messungen mit dem Mars Pathfinder schienen bereits 1997 den festen Kern bewiesen zu haben, aber das wurde nun auf der Telecon indirekt bestritten: Erst die intensive Verfolgung Spirits über einen deutlich längeren Zeitraum verspräche klare Erkenntnisse.

Während der Rover schon mal da sitzt, kann er auch verfolgen, wie Atmosphäre und Oberfläche miteinander wechselwirken und Veränderungen des Marsbodens mit der Zeit verfolgen, auch mit seinem Mikroskop. Zum Glück ist Spirit sein Unfall ja in einer besonders interessanten Region widerfahren: Der helle Boden unter der trügerisch festen Kruste ist außerordentlich reich an Sulfaten, die einst von Fumarolen hinterlassen worden sein dürften. Auch wenn sich Spirit nicht mehr befreien kann: Gelegentlich ein wenig den Ort verlagern, um neue Bodenstellen in Reichweite zu bekommen, sollte er schon schaffen – und sollte er dabei “versehentlich” aus der Grube hüpfen, wäre es auch recht; bloss auf große Fahrt wird er mit nur noch 3 bis 4 Rändern (während die anderen klemmen und sich nicht etwa frei drehen) auch dann kaum mehr gehen. Ob der stationäre Betrieb übrigens Geld sparen wird, konnte auf der Telecon keiner sagen; beide Rover in Fahrt zu halten, kostete jedenfalls bisher 20 Mio.$ im Jahr.

Space.com, AW&ST, Space Today, KosmoLogs, LichtEcho, Welt der Physik 27., Planetary Society Blog, Sky & Tel., BBC, LA Times, Scientific American, Cosmic Log, Nature Blog, SpaceWriter, MarsPages 26., New York Times 25., Space News 24.1.2010. Auch ein JPL-Release zu den Untersuchungen Opportunitys am von einem Impakt aus der Tiefe hochgerissenen Felsen Marquette Island – diesem Rover geht es weiter prächtig, und er hat am 12. Januar seine Weiterfahrt angetreten.

Seen auf dem Mars auch noch vor 3 Milliarden Jahren?

Das Marszeitalter des Hesperian galt bislang als wenig attraktiv, schien der Planet doch da bereits eine gefrorene Wüste geworden zu sein – aber jetzt sind auf Bildern des Mars Reconnaissance Orbiter Spuren mehrerer 20 km großer Seen aus dieser Ära vor “nur” 3 Mrd. Jahren entdeckt worden, verbunden durch Abflusskanäle wie in irdischen Thermokarst-Landschaften: Die Auszählung von über 35′000 Impaktkratern soll eine eindeutige Datierung liefern. Offenbar hat der Mars auch im Hesperian noch Zeiträume unbekannter Länge erlebt, in denen – nach starkem Vulkanismus, Impakten oder Achsverlagerungen – eine dichte Atmosphäre flüssiges Wasser ermöglichte. (Imperial College Release, BBC 4., Physics World, Ars Technica, Spiegel 6.1.2010. Auch ein JPL Release zu einem MRO-Special von Icarus und ein NASA Release, das Planetary Society Blog und CosmicLog zum neuen HiWish-Angebot des Projekts)

Kein Lebenszeichen des Phoenix hat Mars Odyssey bei insgesamt 30 Überflügen des polaren NASA-Landers vom 18.-21. Januar empfangen, der nach einer kurzen aber heftigen Mission verstummte und einfror (“Bilder von Phoenix …”). Im Februar und März, wenn noch etwas mehr Sonne auf die Landestelle fällt, wird wieder gelauscht, aber die Hoffnung ist praktisch null. (Space Today 22.1.2010)

Zahllose Links zum dicksten Sonnenring des Jahrtausends

24. Januar 2010 von skyweek

S.P.A.C.E.

(hier eine Sequenz der Baily’s Beads bei der Ringförmigen SoFi am 15. Januar am Nordrand der Annularitätszone in Varkala, Kerala, Indien) sowie andere Himmels-Highlights seit Jahresbeginn sind bei Cosmos 4 U zu finden sowie ein detaillierter Artikel hier!

Weitere größere Artikel

Das tiefste Bild des Universums, das Hubble Ultra Deep Field 2009 (HUDF09).

Funktionsweise von Epsilon Aurigae jetzt verstanden? Spitzer-Spektrum gibt Hinweise.

Wie die Galaxie Arp 192 ihren Stachel verlor Es war nur eine Asteroidenspur …

Sonnenaktivität im Aufwind: Zahl der fleckenfreien Tage schrumpft.

First Light für den neuen IR-Satelliten WISE – bald beginnt die Durchmusterung.

Doppelstern mit Materiefluss zwischen Scheiben direkt abgebildet bei SR 24.

Einsamer Nachweis eines kleinen Körpers im Kuiper-Gürtel mit Hubbles FGS.

Kürzere Artikel

Halo der Milchstraße abgeplattet – und um 90° gekippt.

»Erdähnlichster Exoplanet« CoRoT-7b ursprünglich viel größer? Massenverlust in Sternnähe modelliert.

Dunkle Energie bereits in der Lokalen Gruppe nachzuweisen? Radialgeschwindigkeiten sollen’s zeigen.

Kleiner Kreutz-Komet in die Sonne gestürzt, Anfang Januar.

Hellstes Objekt im Kuiper-Gürtel seit fünf Jahren entdeckt, 2009 YE7.

Bahnneigung eines Exoplaneten verändert sich schnell, bei TrES-2.

Was vom Astronomie-Jahr bleiben wird, verspricht die IAU.

Bizarre Bilder vom Mars: wenn Dünen auftauen

7. Januar 2010 von skyweek

Im Winter bildet sich über einem großen Dünenfeld in den hohen Nordbreiten des Mars eine CO2-Eisschicht, die im Frühjahr sublimiert: Dabei gerät der Sand oft ins Rutschen und bildet dunkle Spuren, während gleichzeitig Staub aufgewirbelt wird: Diese HiRISE-Aufnahme ist zwar nicht neu, aber heute erst publiziert worden; zu sehen hier zwei Ausschnitte. NACHTRAG: Mit einiger Verzögerung wird das Bild u.a. hier, hier und hier aufgegriffen.