Allgemeines Live-Blog ab dem 23. April 2014

23. April 2014

24. April

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Alte Staubscheiben aus alten Hubble-Bildern herausgekitzelt hat energische Bildverarbeitung mit einem neuen Verfahren, das sich Karhunen–Loève Image Projection oder KLIP nennt und auf Archivdaten der IR-Kamera NICMOS von 1999 bis 2006 angewendet wurde. Damals hatte man etliche Sterne mit IR-Exzess angeschaut aber keine Scheiben sichtbar machen können, mit dem neuen Algorithmus (unten ein Vergleich alt/neu in einem leichteren Fall) aber schon (oben zwei der neuen Erfolge). Damit sind nun 23 statt bisher 19 solche Debris Disks in gestreutem Sternlicht aufgelöst, wobei der Fall o.l. ziemlich gut der Sonne zur Zeit der Bildung der terrestrischen Planeten entspricht. Die KLIP-Methode steigert den koronographischen Kontrast um einen Faktor 50 gegenüber simpler Subtraktion der PSF. [22:05 MESZ]

Gute, weniger gute aber keine ganz schlechten Gaia-News

enthält der jüngste Status-Bericht von der Inbetriebnahme des Astrometrie-Satelliten der ESA: Während sich die Nutzlast wie der Satellit plangemäß benehmen, bleiben Probleme mit Streulicht und Vereisung, die zu Problemen bei den ganz schwachen Sternen führen könnten. Und Gaia selbst erscheint am Himmel unerwartet schwach, mit nur 21. statt 18. Größe, was seine – missionsrelevante – optische Ortsbestimmung erschwert. Auch Kanadas Beitrag zu Astro-H, einem japanischen Röntgensatelliten, der erklärte Missions-Erfolg der Van Allen Probes, der Amateur-Kampf um ISEE-3, der Eu:CROPIS-Satellit zur Landwirtschaft im LEO, vielleicht bald Sat-Bilder der Erde mit 25 cm Auflösung auf dem Markt – und die bevorstehenden Starts des letzten ATV und der nächsten Vega in Kourou. [21:35 MESZ]


23. April

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Komet C/2012 K1 (PANSTARRS) vorgestern in Farbe aufgenommen von Michael Jäger (L-4×300 Sec RGB 180/180/180 3×3 bin 8″/2.8 FLI 8300), auch schwarzweiß und gestern in Farbe sowie weitere Modellrechungen zu Siding Spring am Mars. Auch die Ergebnisse der Beobachtung der Bedeckung von Sternen durch Asteroiden, eine US-Feuerkugel, der Mars gestern (mehr), vorgestern (mehr und mehr) und am 20.4., der Jupiter am 22., 21. und 20. April, die experimentelle Nutzung von Hochspannungs-Leitungen für Weltraumwetter-Messungen, ein Pro-Am-Projekt verbunden mit Weltraumteleskopen, eine Auflistung beobachteter Reentries als UFO-Aufklärung, die Int’l Dark Sky Week – und russische “Pläne” für ein optisches 60-m-Teleskop … [23:45 MESZ]

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Der Dragon an der ISS während der heutigen EVA zum Ersetzen des kaputten Computer aufgenommen – der Ausstieg von 1:36 war die kürzeste ISS-EVA ohne vorzeitigen Abbruch aller Zeiten. Auch eine Bolden-Rede zum Mars-Flug nur mit der ARM als Zwischenschrit (mehr und ein Kommentar), ein französisches Ausweichmanöver im LEO, die HST-Instrumente WFPC2 & COSTAR im NASM, der 3000. Orbit von MESSENGER, doch keine Plattentektonik auf der Venus, der Status von und Kabel-Knoten auf Curiosity, die Reise von Opportunity, Updates zu Rosetta & Philae hier und hier – und ein offizieller ‘Nachruf’ auf die LADEE-Mission nach ihrem Crash auf den Mond. [21:30 MESZ. NACHTRÄGE: ein LADEE-Abschieds-Video, die HST-NASM-Ausstellung und mehr Links zur EVA]

Wieviele Asteroiden hätten Sie denn gern …?

22. April 2014

“Drei prominente US-Astronauten” wollen heute um 20:00 MESZ auf einer Pressekonferenz in Seattle “unveil a new video showing the surprising number of asteroid impacts on Earth during the last decade, and the even more surprising fact that we can prevent future asteroid impacts.” Es werde “data from the nuclear weapons test warning network, supplied by Peter Brown, Western University of Canada,” zu sehen geben, das “has detected 26 multi-kiloton explosions since 2001, all of which are due to asteroid impacts” – die seien damit “3-10 times more common than we previously thought.” Keiner dieser “Impakte” sei vorhergesagt gewesen, womit “the only thing preventing a catastrophe from a ‘city-killer’ sized asteroid is blind luck.” Wohingegen der von nämlichen Astronauten unterstützte “Sentinel”-Satellit eben diese Vorhersagen liefern könne. Markige Worte, in einem Werbetext für eine Werbeveranstaltung wohlgemerkt, die aber vielerorts – etwa hier, hier oder hier – sogleich als Fakt und sensationelle Entdeckung verbreitet wurden, zuweilen gleich mit dem erhofften Satelliten als Retter der Menschheit obendrauf.

Aber sind die Daten überhaupt neu – und ist ihre Interpretation als bislang ignorierte Attacke kosmischer “City-Killer” richtig, denen wir bisher nur durch pures Glück entgingen? Eine Spurensuche in der Fachliteratur zu den aktuellen Impaktraten auf der Erde schafft einige Klarheit. Visuelle oder fotografische Aufzeichnungen über dramatische Feuerkugeln am Himmel – im Stil des Airbursts von Chelyabinsk – reichen nicht, um die globale Rate in die Atmosphäre eindringender Asteroid(ch)en vernünftig abzuleiten: Benötigt werden Datensätze, die möglichst die ganze Erde bzw. den sie umgebenden Weltraum abdecken. Da gibt es im Prinzip drei Quellen: die bereits im Weltraum teleskopisch entdeckten Near Earth Objects, aus denen sich die Einschläge speisen, die Beobachtungen von deren Feuerkugeln durch militärische Frühwarnsatelliten (die eigentlich auf fremde Raketenstarts lauern) und die Messung der Schallwellen dieser Luftexplosionen durch ein weltweites Netz von Infraschallsensoren, die eigentlich auf fremde Nukleartests lauern. Die teleskopische Datenbasis der NEOs ist dank verstärkter Anstrengungen in den vergangenen 20 Jahren – getriggert durch den Shoemaker-Levy-Crash auf den Jupiter im Juli 1994 – inzwischen ziemlich gut, wobei im Bereich oberhalb von 1 km Durchmesser inzwischen rund 90% aller erdnahen Asteroiden entdeckt sind (von denen keiner auf Erdkurs ist)

Die Extrapolation aus den Ergebnissen der Asteroidensuche auf der Erde im sichtbaren Licht wird inzwischen auch durch entsprechende Suchen mit dem WISE-Satelliten im Infraroten gestützt: Die bislang angenommene mittlere Albedo der NEOs von 14% scheint zu passen. Bei den viel zahlreicheren kleineren NEOs ist der Grad der Vollständigkeit bei den direkten Suchprogrammen natürlich viel geringer, aber es hat sich ein konsistentes Bild der Impaktraten ableiten lassen, an dem sich die anderen Methoden messen lassen müssen. Die direkten Beobachtungen der Airbursts durch die Satelliten – die am direktesten Auskunft über Explosionsenergien und andere Parameter liefern – stehen dabei leider der Wissenschaft nicht systematisch zur Verfügung, doch konnten sie in der Vergangenheit insbesondere herangezogen werden, um die dritte Methode, Infraschall anhand dutzender Beobachungen derselben Boliden recht präzise zu eichen: Aus dem Muster der Druckwellen lässt sich nun auf die Explosionsenergie schließen, die in der Impaktologie traditionsgemäß in der äquivalenten Masse des Sprengstoffs TNT angegeben wird, in Kilo- oder Megatonnen.

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In den 1960-er und 1970-er Jahren betrieb das U.S. Air Force Technical Applications Center (AFTAC) ein Infraschall-Messnetz, dass speziell für die damals noch ‘populären’ Nukleartests in der Hochatmosphäre optimiert war und damit auch ideal für den Nachweis von NEO-Airbursts war: Die Grafik (oben Durchmesser in m, unten Energie in kt) zeigt eine neue Auswertung der AFTAC-Daten aus dem Jahre 2009, wobei sie als gelbe Dreiecke diversen anderen beiden Informationsquellen zur Impaktrate – teleskopisch, Frühwarnsatelliten, Mondkrater – gegenüber gestellt sind. Es überraschte, dass die AFTAC-Rate bei wenigen Meter großen Körpern von deren Gesetzmäßigkeit um höchstens einen Faktor 2 abwich, im Bereich 5 bis 20 Meter aber um einen Faktor von bis zu 10 darüber lag: Eine triftige Erklärung fiel den Infraschall-Forschern damals nicht ein, sie mahnten aber zur Vorsicht, weil die größte Abweichung durch genau ein einziges Ereignis, ein Megatonnen-Explosion 1963 zustande kommt, und genau für die gibt es im Gegensatz zu den anderen neun, die in die Auswertung eingingen, keinerlei unabhängige Bestätigung. Verwirft man diesen seltsamen Fall als Anomalie, passen die AFTAC-Daten wieder zu den anderen beiden Methoden.

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Heute kümmert sich um die weltweite Nukleartest-Überwachung die Comprehensive Test-Ban Treaty Organization (CTBTO), deren globales Netzwerk von Mikrobarometern nunmehr für unterirdische Explosionen optimiert ist aber ebenso wie das des AFTAC gleichermaßen kosmische Airbursts über der gesamten Erde erfasst: Mittels CTBTO-Daten konnte beispielsweise die Explosionsenergie im Falle von Chelyabinsk rasch auf rund 500 Kilotonnen (und der Durchmesser des Impaktors damit auf knapp 20 Meter) eingegrenzt werden. Die Auswertung (Brown & al., Nature 503 [14.11.2013] 238-241) der CTBTO-Airbursts von 1994 bis Mitte 2013 (rote Dreiecke in der Grafik; Skalen wie oben) wie auch der verfügbaren Satellitendaten aus diesem Zeitraum (schwarze Kreise) deckt sich mit der AFTAC-Analyse: nur wenig über den teleskopischen NEO-Zahlen im Meter-Bereich, aber bei 15 bis 30 Metern – also der Chelyabinsk-Klasse – um eine Größenordnung mehr Ereignisse. Und natürlich auch wieder der Fluch der kleinen Zahl: Die größte Abweichung nach oben geht auf einzelne besonders große Airbursts zurück, jetzt Chelyabinsk und zwei andere Airbursts mit mehr als 30 Kilotonnen. “Rate” heißt dann einfach: ein Ereignis im betrachteten Zeitraum. Das ist statistisch gewagt – was natürlich erst recht für die Feststellung gilt, Chelyabinsk wie auch das viel stärkere Tunguska-Ereignis von 1908 seien jeweils ziemlich unwahrscheinlich gewesen, weshalb man über eine deutlich größere Zahl von Ereignissen und gar eine zusätzliche Asteroiden-Population nachdenken solle.

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Wie kann das alles zusammen passen? In einer derzeit laufenden Reihe von Online-Seminaren zum NEO-Komplex der NASA auf hohem Niveau hat sich am 28. März 2014 der Altmeister der Asteroiden-Statistik Alan Harris mit den Impaktraten auseinander gesetzt: Er gibt zu, dass gerade im Größenbereich Chelyabinsk bis Tunguska die Unsicherheiten der NEO- und damit Impaktor-Population am größten sind. Die Vollständigkeit der Suchprogramme ist hier gering, die Zahl der tatsächlich beobachteten Airbursts gleichzeitig minimal. Sowohl bei den großen und extrem seltenen Impakten (Vollständigkeit durch Suchprogramme de facto erreicht) wie den kleinen und häufigen Airburst-Ereignissen (genügend CTBTO- und Satelliten-Fälle) ist die Statistik dagegen gut: Im obigen Diagramm (oben Energe in Mt, unten Durchmesser in km, links kumulative Anzahl für > H, rechts Impakt-Intervall in Jahren) hat Harris daher eine neue Gerade (blau) durch diese beiden “Anker” gelegt – und vermutet, dass die tatsächliche NEO/Impakt-Zahl nirgends um mehr als einen Faktor 3 davon abweicht. Wobei die Unsicherheit ungefähr bei Tunguska am größten ist, es gerade dort (50-m-Klasse, 10 Mt Energie) aus den Suchprogrammen aber auch Argumente für eine Unterschreitung der Geraden gibt.

Auf eine Frage dieses Blogs zum Sachstand und der ominösen Pressekonferenz meinte Harris letzte Woche: “The bottom line is that the bolide data, in the range where most of the detections occur and statistics are good implies a rate about 3 times higher than I derive from survey detections, well within the range of uncertainty of the survey data, and in fact about where I think the real number lies” – nämlich in seiner revidierten Grafik. “At larger size, the bolide data becomes less certain because of very few events, while the survey data become more robust in the size range where we have hundreds to thousands of discovered bodies. Extrapolating the bolide data beyond the range of observations is a bit of a fool’s errand. The Brown et al. paper is very good, except for the rather bold extrapolation beyond the range where they actually know anything. The press conference coming up is a sales pitch, ‘full of sound and fury, signifying nothing” – ein böses Zitat aus ‘Macbeth’ übrigens. Und warum die Brownsche Infraschall-Extrapolation – auf der die Pressekonferenz, die hier gestreamt wird, wohl im Wesentlichen basiert – keinen Sinn ergibt, hat Harris in einer weiteren Mail klar gemacht: “extrapolating out to ‘Tunguska’ size leads to a very un-physical ‘kink’ in the population to match up with the survey estimates in the range where we are quite certain that they are close to correct.”


NACHTRAG: Ein Press Release zur PK kam schon 5 Stunden vorher raus. Die einzigen konkreten Zahlen: “Between 2000 and 2013, this network detected 26 explosions on Earth ranging in energy from 1 to 600 kilotons – all caused not by nuclear explosions, but rather by asteroid impacts. [...] While most of these asteroids exploded too high in the atmosphere to do serious damage on the ground, the evidence is important in estimating the frequency of a potential ‘city-killer-size’ asteroid. The Earth is continuously colliding with fragments of asteroids, the largest in recent times exploding over Tunguska, Siberia, in 1908 with an energy impact of 5-15 megatons. More recently, we witnessed the 600-kiloton impact in Chelyabinsk, Russia, in 2013, and asteroid impacts greater than 20 kilotons occurred in South Sulawesi, Indonesia, in 2009, in the Southern Ocean in 2004, and in the Mediterranean Sea in 2002.” Konkrete Berechnungen in Sachen ‘city killer’ kommen nicht vor – dieser Blogger hat dagegen mal eben einen Fall nur grob alle 25’000 Jahre abgeschätzt, während man hier nicht so recht weiß, was das alles bedeuten soll.

NACHTRAG 2: hier ist die angekündigte “Visualisierung” der 26 Airbursts. Und der Off-Text wie auch diese dürre FAQ-Liste erwähnen die Hochrechnung eines ‘city killers’ irgendwo auf dem Planeten einmal alle hundert Jahre: genau die Zahl, auf die dieser Blogger auch gerade gekommen war! Also ein tatsächlicher Treffer in Jahrzehntausenden – und deswegen muss sofort ein teurer Spezialsatellit gebaut werden …? Muss er sicher nicht, sagt z.B. dieser Veteran der NEO-Jagd. NACHTRAG 3: Oder ein anderer Astronom ganz am Ende dieses Artikels, der sonst leider nicht tiefer recherchiert ist – dito hier und hier (während nach einer ‘Ermahnung’ hier am Ende immerhin die Harris-Slides angetackert wurden). Die PK beginnt übrigens erst um 20:30 MESZ. NACHTRAG 4: Alan Harris stimmt den Berechnungen dieses Bloggers zu und präzisiert seine eigenen Zahlen bzw. der Impaktfolgen.

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NACHTRAG 5: Die Statements auf der PK [NACH-NACHTRAG: komplette Aufzeichnung] – hier Tom Jones und Ed Lu – brachten keine weiteren Erkenntnisse, wie auch die Artikel hier, hier und hier. In Q&A weigert sich Lu, die “Millionen” $ konkret zu beziffern, die man von den für Sentinel benötigten 250 Mio.$ schon eingesammelt hat (aber 2018 als Starttermin steht weiter im Raum, und er soll mindestens 6 1/2 Jahre arbeiten). Das Risiko durch die von dem Satelliten zu entdeckenden Klein-NEOs konkret zu quantifizieren oder mit anderen zu vergleichen, ist in den ingesamt 70 Minuten PK nicht einmal Thema … NACHTRAG 6: … aber dafür hat man ja A. Harris, der hier detailliert erklärt, wo das tatsächliche Restrisiko der NEOs für die Erde liegt: “The bottom line is that, even with surveys 90% complete, the main risk remains the large objects. So even though a ‘globally catastrophic’ event is expected only a couple times in a million years, the frequency with which a small impact (Tunguska size) will ‘come to your town’ and destroy it is even less.” Was man in mehr oder weniger verwirrten Artikeln wie hier, hier, hier, hier, hier, hier oder hier (der dort so überraschte Alan Harris ist übrigens ein anderer NEO-Mann) leider nicht liest. Das experimentelle Last-Minute-Warnsystem ATLAS macht übrigens Fortschritte. NACHTRAG 7: ein Artikel, der es am Ende auf den Punkt bringt, hier wankt schon der vermeintliche Kronzeuge – und in einer 2. FAQ muss B612 zugeben, dass eben keine Schwärme von “City-Killern” im Anflug sind …

Allgemeines Live-Blog vom 19. bis 21. April 2014

19. April 2014

21. April

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Das ist aus Komet C/2012 K1 (PANSTARRS) geworden

Auf einer tiefen Aufnahme von Michael Jäger aus dieser Nacht – 8″/2.8 FLI 8300 3×240 sec 2×2 bin – sieht man klar den kurzen hellen Staub- und den langen schwachen Gasschweif, ebenso auf einer britischen Aufnahme aus der Nacht zuvor. Auch der Komet in Farbe am 17.4. und Jacques gestern (beides ebenfalls Jäger) und am 17.4. – und Polarlicht über Schottland und den Hebriden heute Nacht (mehr); weiter südlich tut sich noch nichts (bis auf vage Meldungen), trotz gewisser Hoffnungen im Vorfeld. [4:05 MESZ] Immerhin fotografisches Polarlicht auf Husum – und das obige Kometenbild auch in Farbe. [11:55 MESZ] Bessere Aurora als in Norddeutschland gab es natürlich in Südschweden oder auf der Isle of Skye in Schottland (mehr). [14:15 MESZ - Ende]

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Was da auf dem Mars so alles rum steht, im Krater Gale: ein Borg-Würfel und ein Eiffel-Turm … auf einer Curiosity-Aufnahme vom 604. Sol. Auch die Wiederbelebung einer alten Hypothese zur Entstehung der Äquatorwulst von Japetus, was LADEE vor dem Crash (mehr Links) über den Mond lernen konnte – und zehn Jahre CubeSats, allmählich auch für Sinnvolles. [0:55 MESZ]


20. April

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Heute wird der Dragon eingefangen: Derzeit ist er noch 90 m von der ISS entfernt; Updates hier. Gleich geht erstmal die Sonne unter. [12:00 MESZ] Finsterer Hold in 30 m Abstand. [12:20 MESZ]

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Ein Foto von einem ISS-Astronauten nach dem problemlosen Einfang; weitere Artikel auch hier, hier und hier. [19:30 MESZ]

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Inzwischen ist der Transporter auch angedockt. [19:55 MESZ] Videos von Einfang und Andocken (kurz) und Artikel hier, hier und hier. [20:05 MESZ] Die Klappe wird aber erst am Montag aufgemacht. [21:00 MESZ. NACHTRÄGE: mehr detailreiche Bilder des Einfangs von der Crew, JPL (mehr), ESA und NASA (mehr und mehr) Releases, Artikel hier, hier und hier und mehr Links]

Und mal wieder eine schöne Feuerkugel mit Dashcams aufgenommen, wie meist in Russland, diesmal in Murmansk: Artikel hier (Lyriden-Spekulation), hier, hier, hier und hier. Auch Komet PANSTARRS gestern und am 17.4., der Mars gestern, Jupiter und Saturn vorgestern, die mögliche Erd-Ankunft der CME vom vorgestrigen M7-Flare heute Abend (mehr, mehr und mehr) – und britische Vorfreude auf das E-ELT. [1:10 MESZ] Die Feuerkugel wurde auch in Finnland nachgewiesen. [11:30 MESZ. NACHTRÄGE: ein Infraschall-Signal in Norwegen, ein Video aus Finnland (nur mit einer Aufhellung des Himmels) und Artikel hier und hier]


19. April

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Das 1. Doppelsternsystem mit eingebauter Gravitationslinse

ist in den Daten des Kepler-Satelliten entdeckt worden: KOI-3278 besteht aus einem sonnenähnlichen Stern, den ein Weißer Zwerg umkreist – und jedes Mal, wenn letzterer vor der Scheibe des ersteren her zieht, wird das Gesamtlicht des Systems geringfügig mehr, weil der kompakte Zwerg als Linse wirkt und etwas des Lichts des anderen Sterns in unsere Richtung bündelt (links: Summe aus 16 Lichtkurven). Verschwindet der lichtschwache Weiße Zwerg dagegen hinter dem normalen Stern, geht das Gesamtlicht leicht zurück (rechts, ebenfalls 16 Lichtkurven; die Zeitmarken sind Fünfteltage). Die Masse des Weißen Zwergs lässt sich durch den Linseneffekt – der vor 41 Jahren vorausgesagt wurde aber nun erst mit der Präzision von Satelliten-Fotometrie nachgewiesen werden konnte – sehr genau zu 0.63 Sonnenmassen bestimmen: auch Artikel hier, hier und hier. [23:50 MESZ. NACHTRAG: Nach der Anmerkung eines Lesers der Hinweis, dass bereits - wie hier auch seinerzeit berichtet ("Kepler beobachtet Gravitationslinsen-Wirkung eines Sterns") - ein interner Gravitationslinsen-Effekt bei einem anderen Kepler-Doppelsystem beobachtet wurde. Allerdings bewirkt dessen magere Lichtverstärkung im Falle von KOI-256 nur, dass der Transiteffekt des dortigen Weißen Zwergs etwas reduziert wird (Abb. 7), von einem Helligkeitsanstieg während des Transits wie nun bei KOI-3278 gefunden ist das aber weit entfernt, was auch für mehrere andere ähnlich gelagerte Fälle (Zitate 10-14 des neuen Papers) gilt]

Die Mondfinsternis mal ganz anders – in einem Zeitraffer-Fischaugen-Video aus Alaska mit reichlich Polarlichtern dabei. Auch eine präzise Lichtkurve aus Hawaii und eine Serien-Montage der MoFi, ein Aurora-Konzert, die Kometen PANSTARRS und Jacques vorgestern (dito) sowie 209P/LINEAR, der im Mai Meteore regnen lassen könnte, Fossilien-Einschluss in Impakt-Glass (mehr und mehr) – und der Mars gestern und vorgestern hier, hier, hier, hier und hier. [2:30 MESZ]

Ein Sonnenflare der Stärke M7.3 vielleicht mit Folgen

für die Erde hat sich gestern ereignet, in einer der derzeit recht vielen Fleckengruppen: mehr erste Erkenntnisse und Bilder hier, hier, hier, hier und hier – und warum man noch nicht sagen kann, was für geomagnetische Folgen er vielleicht haben wird. Auch eine internationale Dark-Sky-Woche ab dem 20. April, neue Wege der ‘Bürgerbeteiligung’ bei der Exoplaneten-Forschung, das neue Exoplaneten-Instrument NESSI, die mögliche Schließung des Lick Observatory – und die Sternwarte Bergedorf aus der Luft mit einem Quadcopter und Fischauge gefilmt. [1:00 MESZ]

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Fünf Ansichten von jenseits der Milchstraße: von oben eine 14-Stunden-Hubble-Aufnahme des Galaxienhaufens CLASS B1608+656 und seiner Umgebung mit Objekten in sehr unterschiedlicher Entfernung inklusive zweier Gravitationslinsen, der via Weak Lensing neu ‘gewogene’ Galaxienhaufen ACT-CL J0102-4915 alias El Gordo in einer Hubble+Röntgen-Darstellung (mehr, mehr und mehr) und die Galaxien NGC 5793, NGC 1316 & 1317 und NGC 1084 auf Hubble- bzw. MPG/ESO 2.2-m-Aufnahmen. [1:00 MESZ]

LADEE schon zum frühestmöglichen Zeitpunkt abgestürzt

Das stand wohl ein Mondberg im Weg: Bereits in der Nacht vom 17. zum 17. April ist der Mondorbiter LADEE auf die Oberfläche geknallt. In den kommenden Monaten sollen der Absturzort genauer berechnet und Beobachtungen der Stelle durch den LRO geplant werden: auch Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. Auch etwas mehr zum Status von Yutu, bei dem die Elektrik streikt, neue Abenteuer für Opportunity, wie die NASA die ARM als Schritt zum Mars sieht, das Stacking der MMS-Satelliten – und ein UV-Instrument für GOES-R. [1:00 MESZ]

Dragon im Orbit – und am Himmel über Europa

18. April 2014

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Pünktlich ist heute im 2. Anlauf die Falcon 9 mit dem gut gefüllten Dragon für die ISS in Cape Canaveral weggekommen (mehr, mehr und mehr), nachdem sich Wettersorgen verflüchtigt hatten: der Start (auch im Video und aus einiger Entfernung), das brennende Triebwerk der 2. Stufe, das Aussetzen des Dragon aus Sicht der Oberstufe (was man da sieht und hier und hier weitere Zeitschritte) und das Entfalten der Solarzellen aus Sicht des Dragon. Dank der jetzt stärkeren Rakete erreichte dieser ein höheres Perigäum als bisher. Und bei einem Überflug über Europa nur 20 Minuten nach dem Start wurde er von mehreren Teilen begleitet, wie eine Strichspur-Aufnahme aus England und Berichte aus den Niederlanden und aus Deutschland zeigen.

Alle 5 CubeSats an Bord der Dragon-Oberstufe sind bereits ausgesetzt, danach sollte sie bei Australien verglühen, ein Novum für Falcon-Missionen. Ob der Versuch, mit der ersten Stufe eine sanfte Wasserung zu üben (mehr und mehr) gelungen ist, darüber wird man vielleicht in einer Pressekonferenz in einer Viertelstunde erfahren. Auch eine DLR-Studie zur kommerziellen ISS-Versorgung – und im Juni soll doch tatsächlich die erste Angara-Rakete einen Teststart absolvieren. NACHTRAG: Die PK verzögert sich was, aber es gibt Kunde, dass der Reentry-Burn der 1. Stufe gut verlaufen ist und sie sich in 8.5 km Höhe noch ordentlich verhielt – man wartet auf Beobachtungsdaten von der Landestelle. Auch eine Langzeitaufnahme des Starts.

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NACHTRAG 2: Auf der PK sagt Elon Musk, die Daten bis jetzt zeigen, dass die Roll-Rate der Raketenstufe dank stärkerer Thruster auf Null reduziert werden konnte, dem aerodynamischen Drehmoment zum Trotz – das ist schon mal gut im Hinblick auf eine kontrollierte Landung (wobei mit einer Bergung der Stufe diesmal aber noch nicht wirklich gerechnet wird, wohl aber noch dieses Jahr). Man wartet auf die Telemetrie der Stufe, die ein Flugzeug aufgezeichnet haben müsste, nachdem sie für die Antennen am Cape unter dem Horizont verschwand. Und es hat sich beim Aufstieg auch gezeigt, dass die kuriosen Raketenbeine (Abb.) – mit denen eines Tages an Land gelandet werden soll – keine negativen Auswirkungen hatten.

NACHTRAG 3: der komplette Flug im Video, auch der Start von ganz nah (die “Beine” sind gut zu sehen) und weit weg, ein NASA Release, die Sprites im Orbit aber noch nicht freigelassen, Artikel zur PK und zum Start hier, hier, hier und hier – und weitere mehr oder weniger überzeugende Strichspuren von Dragon & Co. am Himmel, ein längerer Bericht und undeutliche Fernrohr-Bilder sowie ein wenig ergiebiges Video. NACHTRAG 4: Die 1. Stufe ist offenbar doch ‘weich’ gelandet, und es gab sogar bis 8 Sekunden nach der Wasserung noch Signale. Ein Bergungsversuch – in schwerer See – läuft! Derweil haben sich PhoneSAT 2.5 und KickSAT gemeldet. Und der Start ganz aus der Nähe gefilmt sowie weitere detailreiche Fotos, noch eins, Artikel hier, hier, hier, hier und hier und mehr Links. NACHTRAG 5: Beobachtungen inkl. Video sowie Strichspuren von ISS & Dragon 24 Stunden später und weitere Artikel zur ‘Landung’ der 1. Stufe hier, hier und hier sowie zum Flug insgesamt; zu den Bergungsversuchen indes tagelang keine Updates mehr.

Allgemeines Live-Blog vom 15. bis 17. April 2014

15. April 2014

17. April

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Warum Kepler-186f nicht der “erdähnlichste Exoplanet” ist

Die drei Grafiken des Planetary Habitability Laboratory (oben und unten) und aus der Originalarbeit sortieren den gefeierten Exoplaneten Kepler-186f (siehe 16:45 MESZ) ins Gesamtbild ein: oben ist er ‘Periodensystem’ der terrestrischen Exoplaneten tatsächlich der erste “warme Terraner” unter den bestätigten Planeten, in der Mitte sieht man ihn gut aufgehoben aber eher außen in seiner habitablen Zone (grau) im Vergleich zum Sonnen- und einem anderen prominenten Exoplaneten-Systemen – aber unten kommt er nur auf den 17. Platz in Sachen “Erdähnlichkeit”. Hauptgrund ist die geringe Einstrahlung von nur einem Drittel derjenigen, die die Erde trifft: Mit deren Atmosphäre wäre gar kein flüssiges Wasser möglich, nur mit einer dichteren. Aber ob Kepler-186f überhaupt eine besitzt ist genau so wenig bekannt wie seine Masse, Dichte und Zusammensetzung: Ein messbares Signal in der Radialgeschwindigkeit produziert er nicht, und von einem Planeten-Kandidaten zum Planeten hat ihn nur eine mehrstufige Validierung erhoben, die inbesondere auf der Multiplizität des Systems basiert aber auch die energische – und negative – Suche nach nahen Begleitern des Sterns einschloss, die ein Planetensignal vortäuschen könnten. Gerade bei Exoplaneten mit etwas mehr als einem Erddurchmesser gibt es einen großen Bereich möglicher Massen und damit Dichten, so dass konkrete Aussagen über die Natur des Planeten Mangelware sind. Immerhin beweist er, dass M-Zwerge – die häufigsten Sterne der Milchstraße – potenziell habitable Planeten besitzen können. Und dieser würde immerhin 1/6 der irdischen Einstrahlung im für Photosynthese relevanten Spektralbereich erhalten: Es gibt “auf der Erde Pflanzen, die damit ziemlich glücklich wären”, hieß es in der Telecon heute. Auch deren Visuals und das Paper, ein Artikel aus 1. Hand, Press Releases hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, Science@NASA und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [22:15 MESZ] Weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [23:35 MESZ] Und um Mitternacht ein SETI-Hangout zum Planeten. [23:55 MESZ - Ende]

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Das Sternentstehungsgebiet Gum 41 mit dem 2.2-m-Teleskop von MPG & ESO und seinem Wide Field Imager aufgenommen. Auch präzisere Erkenntnisse über die Exinktion von Sternlicht in der Umgebung von O-Sternen, wie Weiße Zwerge schmutzig werden, Sternbeben massereiche Sterne durchleuchten, wie die kleinsten Pulsar-Glitches funktionieren, wie Vega-artige Debris-Disks überleben, wieso es nur acht Planeten gibt und wie heiße Jupiters Sterne jung halten. [19:30 MESZ]

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Der Mars-Rover Opportunity vor und nach der Reinigung seiner Solarzellen durch viel Wind von Januar bis März. Auch die NASA-Planung in Richtung bemannter Mars-Flug, mit der Asteroid Redirect Mission als Zwischenschritt, kaum vor 2025 – und der Zustand von LADEE nach der Mondfinsternis und kurz vor dem Mond-Crash am 20. oder 21. April (der aber u.U. auch schon früher kommen kann) und was die Mission gebracht hat. [19:00 MESZ]

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Der Komet Jacques gestern um 21:10 MESZ auf einer Aufnahme von Michael Jäger mit 10″/3.8 FLI 8300 L2x210sec UV/IR green 400, blue 400 red 300 sec. Auch eine Sternbedeckung durch die Venus aus Australien, der Mars am 13.4. leicht animiert, Sonnenflecken von heute, helle Flecken auf der Sonne, die ins Innere weisen, ungewöhnliche Bilder der SoFi 2013 – und die MoFi 2014 ganz am Ende der Sichtzone. [18:45 MESZ. NACHTRAG: ein anderes Video der Sternbedeckung durch die Venus]

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Ein Planet von Erd-Größe mitten in einer habitablen Zone

ist Kepler-186f, der 5. und äußerste bekannte Planet seines Sterns: Eigentlich sollte das erst in einer Telefonkonferenz um 20:00 MESZ verkündet werden, aber das Embargo wurde bereits zahlreiche Male gebrochen, v.a. in der Schweiz und in den Niederlanden aber auch anderswo. Und eine echte Neuigkeit ist es ohnehin nicht, da über die Entdeckung bereits Anfang März auf einer Tagung und in deren dicken Book of Abstracts auf S. 17 berichtet wurde. Ohne Benutzung des Originalpapers oder mehrerer Pressemitteilungen unter Embargo darf man also getrost schon jetzt verraten, dass mit Kepler-186f der erste Exoplanet von ungefährem einem – genau: 1.11±0.14 – Erddurchmesser mitten in der HZ eines anderen Sterns (allerdings keines sonnenähnlichen sondern eines M-Zwergs mit nur 0.47 Sonnendurchmessern) dingfest gemacht wurde, auch wenn er nur 1/3 der Leuchtkraft abbekommt wie die Erde von der Sonne. Bisher enthielt der Katalog der potenziell habitablen Exoplaneten nur 7 erdgroße Kepler-Kandidaten (sowie einen von deutlich unter einem Erddurchmesser) und 20 bestätigte Supererden nebst 61 weiteren Kandidaten, nun also die erste anderweitig abgesicherte quasi “zweite Erde” darin: In der Grafik aus der März-Veröffentlichung bleibt Kepler-186f seinen ganzen Orbit mitten selbst in einer konservativ berechneten (hellgrünen) HZ. Außer der NASA-Telecon um 20:00 MESZ gibt es auch noch einen Hangout des SETI Institute um Mitternacht. [16:45 MESZ]

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Ein Radar-Blick von Sentinel-1A auf die antarktische Halbinsel am 13. April mit 80 km breitem Streifen: die ersten Daten für Copernicus, das große europäische Umwelt-Überwachungs-Programm. Auch der gestrige Start von EgyptSat-2, ebenfalls ein Umweltsatellit, auf einer Soyuz-U, die Verfügbarkeit der Höhenkarte der Welt von TerraSAR & TandemX gegen Bares, der nun für Freitag geplante Dragon-Start (um 21:25 MESZ), die Übernahme der historischen Startrampe 39A durch Space X (mehr Links) – und wie A. Gerst den Deutschen verkauft wird. [0:50 MESZ]


16. April

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Relativzahl um 150: Die Sonne zeigt sich auch mal aktiv

Fast wie in alten Tagen gibt sich derzeit die Sonnenaktivität im weißen Licht, für den SDO heute Morgen (oben) ebenso wie für kleines Gerät am Nachmittag. Und am Abend gab’s einen M-Flare. Auch der Mars vorgestern hier, hier und hier, der Edgar Wilson Award für Amateur-Kometen 2013, weitere Fortschritte (mehr und mehr) bei der Feuerkugel-Erfassung durch jedermann in den USA, angebliche Mikro-Ichnofossilien in Impaktglas aus dem Nördlinger Ries, speckle-interferometrische Untersuchungen an Doppelsternen – und ein Paper, ein Press Release und ein Video zur automatischen Klassifizierung kosmischer Röntgenquellen. [23:40 MESZ]

Wiederinbetriebnahme von Rosetta nähert sich dem Ende

Die langwierige Prozedur des Recommissionings der Rosetta-Instrumente sollte Ende April abgeschlossen sein: u.a. wurde kürzlich der Staubanalysator COSIMA getestet (über den dieser Blogger einst mehrere Pressetexte verfasste; das andere Staub-Instrument MIDAS war zuerst erwacht), und die Kamera CIVA auf Philae fotografierte Rosettas Solarzellen. Auch die Geschichte der Umplanung der Mission zu einem anderen Kometen, der aktuelle Zustand und die Aktivitäten von Curiosity – und eine Diskussion über die mögliche Reaktivierung der Sonde ISEE-3. [23:20 MESZ]


15. April

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Und das war die erste totale Mondfinsternis des Jahres!

Impressionen vom Austritt des Mondes aus dem Kernschatten aus Los Angeles (oben und unten) und Arizona. Beide Übertragungen laufen noch. Auch Serien der 1. Partialität aus der Karibik, aus Florida und aus Venezuela. [10:30 MESZ] Der Kernschatten soll eher dunkel ausgefallen sein. Und ein Bild mit Spica & Mars – während dem LRO wohl nichts passiert ist. [10:45 MESZ] Und dieser Aussage kann man sich nur anschließen: Der Idioten-Ausdruck durchgeknallter Weltuntergangs-Spinner (s.u.) hat leider in Medien und unter Amateurastronomen rege Verbreitung gefunden – schämt Euch! [10:55 MESZ] Und die Totalität aus Australien in der Abenddämmerung. [11:00 MESZ] In San Pedro de Atacama in Chile gibt X. Jubier der Totalität einen – hellen – Danjon-Wert von 4. [11:15 MESZ] Die Arizona-Bilder als Serie montiert – und eine Bildersammlung. [11:25 MESZ] Der LRO kam gut durch, plus weitere Bilder aus Chile. [11:40 MESZ] Neben dem LRO hat auch LADEE die MoFi überstanden! Auch Bilderalben aus San Diego und Australien, ein Weitwinkel- und ein Extrem-Weitwinkel-Blick (Detail), noch mehr Bilder, 3 1/2 Stunden Aufzeichnung eines Webcasts, mäßig erhellende Artikel hier und hier – und ein ‘public viewing’ in Bonn. [17:25 MESZ] Mehr MoFi aus Australien (dito und dito), dem Yoshua Tree NP und Illinois, ein hektisches Zeitraffer-Video und weitere Bildergalerien hier, hier und – na ja – hier. [23:55 MESZ. NACHTRÄGE: Serien aus Tucson und Texas, die MoFi über The Dish in Australien und eine Weitwinkel-Ansicht und mehr aus Chile]

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Die Mitte der Totalität der Mofi ist erreicht! Und eine Kamera auf dem Mt. Lemmon in Arizona liefert jede Minute ein neues scharfes Bild – auch ein Webcast vom Griffith Observatory aus Los Angeles, CA, liefert ein Live-Bild, trotz Cirren-Problemen – das z.Z. auch NASA TV und ein NASA-Webcast übernehmen. [9:55 MESZ] Ein Tele-, ein mittel-großes und ein Weitwinkel-Bild. [10:10 MESZ]

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Das Ende – der Totalität – ist nahe: Im inzwischen wieder klaren Griffith-Webcast wie im (anders orientierten) Arizona-Bilder-Feed wird es an einem Mondrand schon wieder deutlich heller. [10:15 MESZ]

78 Minuten totale Mondfinsternis – für Europa nur virtuell

Nachdem der Dragon-Start zur ISS wegen eines Helium-Lecks auf frühestens den 18.4. verschoben werden musste (mehr, mehr mehr, mehr und mehr Links), steht derlei bei der totalen Mondfinsternis heute Vormittag nicht zu befürchten: Von 9:07 bis 10:25 MESZ ist Totalität angesagt, von 7:58 bis 11:33 MESZ dauert die partielle Phase. Was zur Folge hat, dass die MoFi ganz nur in den Amerikas und im Pazifik zu sehen ist aber in Europa gar nicht: Da helfen nur die von der NASA oder hier, hier oder hier sowie in einigen der Artikel der letzten Wochen und Tage wie hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier oder hier angekündigten Webcasts, die man der Wetterlage nach auch im Osten der USA gebrauchen könnte. Leider gibt es heute wohl kein schönes Himmelsschauspiel mehr ohne zugehörigen Schwachsinn, der aber hier, hier, hier, hier und hier erledigt wird. [1:00 MESZ]

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Entsteht hier gerade ein neuer Saturnmond? Diese Cassini-Aufnahme einer 1200 km langen Störung am Außenrand des A-Rings von vor exakt einem Jahr kann jedenfalls so interpretiert werden, dass sie ein nur ~1 km großer und daher unsichtbarer verursacht hat. Auch der Verzicht auf eine Kurskorrektur der Mars Orbiter Mission, ein erfolgreicher Test des Lander-Abstoßsystems von Philae – und ein Crowdfunding-Versuch, auf dass doch noch mit ISEE-3 kommuniziert werden kann. [1:00 MESZ. NACHTRÄGE: ein QMUL Release, Artikel hier & hier und mehr Links zum Saturn-Ding]

April-Alpha-Capricorniden? Wenn, dann extrem selten da

Die “detection a new meteor shower radiating from near the star alpha Cap between 2014 Apr. 7d16h59m and 7d19h33m UT” hatte das Electronic Telegram No. 3853 des IAU-CBAT am 12. April gemeldet, “first noticed by SonotaCo Video Meteor Network member Masayuki Shimoda” – wobei die Double-Station-Beobachtungen allerdings gerade einmal 15 Meteore (von 73) dem angeblichen neuen Radianten R.A. = 304.0±3.4°, Decl. = -12.6±1.6° (equinox 2000.0) zuschreiben konnten und an den Tagen davor und danach nicht einen (von 171 Meteoren). Da von dort zu dem Zeitpunkt 2011 und 2012 nie etwas gekommen sei, müsse es sich um einen nur periodisch auftretenden Meteorstrom handeln. In der Tat findet sich, wie gerade bekannt wurde, auch im Radianten-Katalog des IMO-Netzes von 1999 bis 2012 “keine Spur” von Aktivität, dito beim Kamera-Netzwerk EDMONT: “Wir können also bestätigen, dass es sich vermutlich um ein one-time-Event handelt”, so Sirko Molau. [1:00 MESZ]

Vor ca. 60 Jahren: Disney hilft der US-Raumfahrt

14. April 2014

WALT DISNEY AND DR. WERNER VON BRAUN, 1954

Es war im Jahre 1954, als Walt Disney (l.) und andere Funktionäre seines Unterhaltungskonzerns das Redstone Arsenal in Alabama aufsuchten, um sich mit dem kommenden Leiter der Guided Missile Development Operation Division der Army Ballistic Missile Agency Wernher von Braum zu treffen (Versionen des Fotos datieren es mal auf den 13. April und mal 1. Januar 1954). Die Interessen beider Seiten harmonierten bestens, wie der offiziellen Historie der Kollaboration zu entnehmen ist: Disney wollte im Rahmen einer TV-Serie seinen neuen Themepark Disneyland bewerben und benötigte neues Material im Zusammenhang mit dessen “Tomorrowland”, von Braun wollte die Öffentlichkeit seiner neuen Heimat für die bemannte Raumfahrt begeistern wie er es bereits seit 1952 mit einer Zeitschriften-Serie tat.

 

 

Das Ergebnis waren drei große Dokumentationen, weitsichtig bereits in Farbe produziert, obwohl es noch gar kein reguläres Farbfernsehen gab: Man in Space, der am 9. März 1955 Premiere hatte, Man and the Moon im selben Jahr und schließlich Mars and Beyond 1957 – vor allem diese aufwändigste Produktion von allen besticht noch heute durch ihre langen und technisch brillianten Animationssequenzen, auch zur Geschichte des Lebens auf der Erde. Dass die drei Filme die US-Politik direkt beeinflusst hätten, ist zwar umstritten (“In the mid-1950s …”), aber die eigentliche Zielgruppe war angetan – drei weitere angedachte Filme kamen gleichwohl nie zustande.

Allgemeines Live-Blog vom 9. bis 13. April 2014

9. April 2014

13. April

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Ferner Kometen-Staubschweif von Magnetfeld geformt

Da lernt und lehrt man seit Jahrzehnten, dass der Sonnenwind den Plasmaschweif eines Kometen formt und der Strahlungsdruck der Sonne den Staubschweif – aber ausgerechnet beim berühmten Kometen Hale-Bopp scheint das anders gewesen zu sein, wenn auch erst ein Jahrzehnt nach seiner Sonnennähe! IR-Bilder des Spitzer Space Telescope zeigten auch 2005 und 2008 noch einen Staubschweif, als der Komet schon 22 bzw. 27 au von der Sonne entfernt war – und ihre Vermessung hat jetzt ergeben, dass nicht das Spiel von Schwerkraft und Strahlungsdruck für dessen Form verantwortlich war, sondern die Lorentzkraft des interplanetaren Magnetfelds auf die vom Sonnenwind elektrisch aufgeladenen Staubteilchen (oben der 2005-er Schweif mit diversen Lorentz-Modellen). Dieser Effekt tritt erst in sehr großem Sonnenabstand in Erscheinung; die 2008-er Hale-Bopp-Bilder dokumentieren immerhin die sonnenfernste Kometenaktivität überhaupt.

In anderen Kometen-News P/2010 V1 (Ikeya-Murakami) als Mini-Holmes-artiger Ausbruch interpretiert und die aktuellen Kometen Jacques heute und am 9.4., PANSTARRS gestern und vorgestern, LINEAR vorgestern (mit einem Disconnection Event) und am 8.4. (mit Schweif-Strahlen) und Lovejoy vorgestern. Und ansonsten Venus bei Neptun heute, der Mars gestern, vorgestern (dito, dito und dito), am 10. April (dito und dito), am 9.4. (dito) und aus Australien, der Saturn vorgestern, ein Vesta-Webcast, die nächste Sternbedeckung durch Chariklo, Juwelen aus Mars-Meteoriten als Event (mehr und mehr), die ISS vor dem Mond, die Standort-Suche für den Cherenkov Telescope Array (mehr und mehr), eine Nacht auf dem Kitt Peak, eine angebliche Zunahme und atmosphärische Beziehungen von NLCs [NACHTRAG: erst Tage später Letzteres auch als Text] – und im Komplex von Lichtverschmutzung interessant leuchtende Straßen in NL und Hass auf LED-Laternen in D. [22:30 MESZ - Ende]


12. April

Ungeplante ISS-EVA soll defekten Backup-Rechner ersetzen

Der Ausfall eines Back-Up-Computers außen auf der Raumstation, der wohl hinüber ist, erzwingt einen ungeplanten Ausstieg, um den Rechner zu ersetzen, aber die Startvorbereitungen für den nächsten Dragon am 14.4. um 22:58 MESZ laufen vorerst weiter: Artikel hier, hier, hier, hier und hier, mehr Links und Diskussion – und wenn der Dragon denn fliegt, dann hat er u.a. dies, dies und dies dabei. Auch der ISS-Führerschein für, noch ein Interview mit und eine Umfrage mit Bezug zu A. Gerst, ein kommendes Zwillings-Experiment auf und ein wunderlicher Kirschbaum (mehr) von der ISS, doch kaum Probleme mit DMSP-19, was Curiosity so treibt, ein Aufruf von Cassini, die letzte Missionsphase zu taufen – und LADEE flog bereits 3 km tief über der Mondoberfläche! [21:20 MESZ. NACHTRAG: Das allerletzte Bahnmanöver wurde jetzt durchgeführt. Und Details zu den ISS-Problemen: Um 18:00 MESZ wird man erfahren, ob der Dragon fliegt. NACHTRAG 2: Der Dragon darf am 14.4. starten, während die ISS-EVA zur Reparatur frühestens eine Woche später kommt. NACHTRAG 3: Zum Start des Dragon und seiner Nutzlast ein NASA Release, Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier und mehr Links]


11. April

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Gestriger Start einer Atlas V mit einer geheimen Nutzlast des NRO, dafür aber schön anzuschauen: eine Kurzfassung des ULA-Webcasts, aus dem obiges Bild ein Screenshot ist; echte Bilder hat’s hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier sowie einen ULA Release und Artikel hier, hier, hier und hier. Und der erste israelische Start in 4 Jahren (mehr und mehr, eine Video-Collage und mehr Links), weitere Details zum Zwischenfall mit Sentinel 1, ein neues Bild vom Mars Express, ein Video von einem Fallschirm-Test für künftige Marslandungen, war man über den Status von Change’e-3 & Yutu weiß, eine Großspende für einen Bewerber zum GLXP, der Beginn der Montage von OSIRIS-REx, ein Instrument auf Philae vor dem Erwachen, Fortschritte bei der Asteroid Redirect Mission und dem SLS – und Pilze auf der ISS. [0:55 MESZ] Mehr Artikel hier, hier und hier und mehr Links zur Atlas und ein Nachzügler zu OSIRIS. [13:45 MESZ. NACHTRAG: geht auch noch später]


10. April

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Astrometrie mit Hubble auf 40 Mikrobogensekunden genau

ist mit einem cleveren Trick möglich, der jetzt tatsächlich ausprobiert worden ist: Während der Belichtung der Zielsterne (links: um den Cepheiden SY Aurigae; Digital Sky Survey) mit der Kamera WFC3 wird das Teleskop gleichmäßig gedreht, so dass sie über tausende Pixel verschmiert werden (Mitte; rechts ein Ausschitt). Dadurch lassen sich die relativen Positionen der Sterne in einer Dimension auf ein tausendstel Pixel genau bestimmen, was 40 µas entspricht und in den Präzisionsbereich von Very Long Baseline Interferometry – die natürlich nur bei radiohellen Quellen funktioniert – und dem Satelliten Gaia vorstößt, der allerdings nur schwache Sterne astrometrieren können wird. Die neue Betriebsart von Hubble stößt genau in eine wichtige Lücke: Mit ihr werden sich die Parallaxen von Cepheiden – die ja gerade durch ihre Helligkeit hervorstechen – in der Milchstraße bis in 5 kpc Entfernung ermitteln und ihr Perioden-Helligkeits-Gesetz noch besser eichen lassen. Und das verspricht wiederum, zusammen mit anderen Daten, eine Hubble-Konstante auf 1% genau – was wiederum wesentlich ist, um der physikalischen Natur der Dunklen Energie auf die Schliche zu kommen. Und all das, weil Hubble einmal nicht mit seinen Fine Guidance Sensors supergenau ausgerichtet wird, sondern Sternstrichspuren gucken darf. [23:25 MESZ]

A supernova remnant about 24,000 light years from Earth.

Der Supernovarest G352.7-0.1 von Röntgen bis Radio: Es handelt sich um einen Mixed-Morphology SNR, der bei seiner Expansion viel interstellares Material – 45 Sonnenmassen – aufgefegt hat, dessen Röntgenemission aber trotzdem von den originalen Ejekta der Explosion vor ~2200 Jahren dominiert wird. Auch ein Stern, der neben einer Supernova überlebte, die den SNR DEM L241 hinterließ, der Zentralstern des Stingray Nebula, neue Untersuchungen an “Sakurais Objekt” in schneller Entwicklung – und eine Methode zur Vorhersage, wieviele neue Sterne sich in einer Molekülwolke bilden werden. [22:55 MESZ]

Eine ernsthafte Alternativ-Deutung für die BICEP2-Daten

der Polarisation der Kosmischen Hintergrundstrahlung (siehe ISAN 209-5) könnte dieses Paper anbieten, eines von unzähligen, die sich bereits mit den Daten und ihrer Interpretation auseinander setzen: Danach wäre das Curl-Muster der Polarisation ein bislang übersehener Vordergrund-Effekt durch Emission alter Supernova-Reste. Diese Hypothese lässt sich testen, sobald von Planck entsprechende Messungen bei verschiedenen Wellenlängen vorliegen. Auch weitere Artikel zum BICEP2-Komplex hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [21:55 MESZ]


9. April

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Der außergewöhnlich kugelsymmetrische Planetarische Nebel Abell 33 auf einem FORS-Bild des VLT – leider durch einen Vordergrundstern ‘verziert’. Auch die erfolgreiche Reparatur in Arecibo nach dem Erdbeben, die Kometen PANSTARRS gestern und Lovejoy vorgestern, ein Riesen-Impakt vor 3.3 Mrd. Jahren, ein neuer Platz für eine sächsische Tunguska-Ausstellung im Sauerland, wo auch gerade eine neue Mond-Ausstellung eröffnet – und der opponierende Mars gestern (dito) und auch früher. [23:55 MESZ]

Alle 4 Instrumente sind nun ins “Herz” des JWST eingebaut

Mit der Integration des Near-Infrared Spectrographs am 24. März und kurz zuvor der Near Infrared Camera in das Integrated Science Instrument Module sind nun alle vier Nutzlasten für den großen IR-Satelliten der NASA installiert. Nach ausgiebiegen Tests wird dieses ISIM Ende 2015 mit der Optik vereinigt; der Start bleibt weiter für 2018 geplant: Press Releases hier, hier und hier. Auch Cassini-Erkenntnisse über das Saturn-Hexagon, die Mars Orbiter Mission auf halbem Weg zum Ziel, die Aktivitäten von Curiosity, die sauberen Solarzellen von Opportunity, neue Erkenntnisse über Gusev, wo einst Spirit fuhr (doch in einem Ex-See?), noch keine neuen Signale von Change-3 oder Yutu, das baldige Ende von LADEE, der weitere Verlauf von Rosettas Mission, ein Kollisions-Vermeidungs-Manöver für Sentinel 1 kaum nach Erreichen des Orbits, ein neuer Progress auf dem Weg zur ISS (Ankunft gegen 23:20 MESZ) – und das Ergebnis einer Weltraum-Auktion. [22:30 MESZ] Schon um 23:14 MESZ hat der Progress angedockt: Bilder vom Anflug hier, hier und hier. [23:20 MESZ] Und ein NASA-FB-Posting und ein Artikel zur Ankunft – plus eine Beobachtung am Himmel. [23:30 MESZ. NACHTRÄGE: weitere Artikel hier und hier und mehr Links]

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Den Planeten von Beta Pictoris in nur 60 Sekunden aufnehmen konnte der neue Gemini Planet Imager (“So sieht der Gemini Planet Imager …) schon bei seinen ersten Tests Ende 2013, es ist der fette isolierte Punkt auf 5 Uhr: Das Instrument ist für den Nachweis schwacher Punktquellen neben hellen in jeder Weise optimiert und schafft 10-mal höheren Konstrast als andere Systeme. Beta Pic b sehen zwar inzwischen einige Teleskope wie neulich erst Magellan erstmals bei < 1 µm, aber keins so leicht; die Bahn des Planeten ist nun besser denn je bekannt. Sie hat eine große Halbachse von 9 au und eine Periode von 20 Jahren; den größten Winkelabstand vom Stern hat der Planet (s.a. ISAN 112-7) gerade hinter sich. Mit dem GPI sollen nun ab diesem Jahr 600 nahe Sterne auf Planeten abgesucht werden. [2:05 MESZ]

Wird Jacques im Juli zu einem Kometen der 1.-3. Größe?

In den letzten Tagen wurde die brasilianische Amateurentdeckung C/2014 E2 (Jacques; ein Bild von gestern) auf etwa 10.0 mag. oder sogar etwas heller geschätzt – und gemäß einer Standardformel für die Helligkeit sollten es bis zum Maximum Anfang Juli noch 9 Größenklassen mehr als jetzt werden: Wenn der Komet durchhält, sollte es durchaus für’s bloße Auge reichen. Für Mitteleuropa steht der Komet derzeit mit dem Ende der Dämmerung keine 20° hoch, und die Sichtbedingungen verschlechtern sich im Mai bis zur Unsichtbarkeit. Aber Mitte Juli sollte Jacques wieder erscheinen, dann am Morgenhimmel 10° hoch und im Idealfall noch mit 2. Größe – und Anfang August mit vielleicht noch 3. Größe sogar 20° und mehr hoch, bevor die Dämmerung beginnt. Im weiteren Verlauf des August ist Jacques dann die ganze Nacht zu sehen, während er zwischen Abend- und Morgendämmerung von 30° auf 70° steigt und noch 5. Größe haben könnte. Auch ein gestriger LONEOS mit langem Plasmaschweif – und der Mars in Opposition scharf aufgenommen gestern (dito), vorgestern (auch ein Rohvideo plus Summenbild) und am 4. April. [1:25 MESZ]

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Dünen auf dem Saturnmond Titan von Cassinis Radar im letzten Juli aufgenommen: mechanisch bestimmten irdischen Sanddünen durchausähnlich, chemisch freilich überhaupt nicht. Auch ein möglicher neuer Saturn-Mond im Ringsystem, ein kurioses Panorama aus aktuellen Curiosity-Bildern, ein per HiWish bestelltes MRO-Bild, die kommende MoFi auch für den LRO, der Rover Yutu vor dem nächsten Mondtag – und PMn von DWD und DLR zum neuen Copernicus-Programm mit den Sentinel-Satelliten. [1:05 MESZ]

Grissoms versunkene / geborgene Kapsel kommt nach Bonn

So viel Drama umgibt nur wenige Vehikel in der Geschichte der bemannten Raumfahrt: 1961 trug sie Gus Grissom als 2. Amerikaner – suborbital – in den Weltraum, versank dann unter nie geklärten Umständen im Meer (während der Passagier zwar gerettet wurde aber 1967 in Apollo 1 starb), um 1999 aufwändig geborgen zu werden. Seither befindet sich die “Liberty Bell 7″ in einem Museum in Kansas – und kürzlich ist es der Bundeskunsthalle gelungen, sie als Ausstellungsstück für eine große und (was die Exponate betrifft) ziemlich geheimnisvolle Weltraum-Ausstellung ab diesem Oktober an Land zu ziehen: Zusammen mit weiteren seltenen Stücken aus Kansas wird sie im August ihre Reise nach Bonn per Schiff antreten. [1:00 MESZ]

“Licht auf dem Mars” nicht leicht zu verwerfen

8. April 2014

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Vergangene Nacht ging die ‘Entdeckung’ durch die UFO-Szene, dann wurde sie ohne weitere Recherchen von einer namhaften Zeitung verbreitet, in der man sonst Breaking News aus der texanischen Weltraumszene findet – und dann wurde sie, etwa hier, hier oder hier, kurzerhand als Treffer eines Teilchens der Kosmischen Strahlung in einem Kamera-Chip des Marsrovers Curiosity abgetan. Das würde zwar erklären, warum das ominöse “Licht auf dem Mars” am 3. April nur von der rechten Navcam gesehen wurde (oben sowie unten in der Totale), nicht jedoch exakt zeitgleich von der linken (Mitte), wie auch in diesem Paar oder diesem Blinken deutlich zu sehen. Aber das war nicht die einzige theoretisch denkbare Erklärung, wie dieser Blogger auf Twitter mit diversen Cosmic-Ray-Akzeptierern hier, hier und hier u.a. diskutierte: Spiegelnd an einer glatten Oberfläche reflektiertes Sonnenlicht würde auch nur eine der beiden Kameras erreichen. Und die NASA ist derselben Meinung, wie bald darauf in diesem Artikel zu erfahren war: Nach Ansicht eines Kamera-Experten des JPL ist tatsächlich echtes Licht auf den Kamera-Chip gefallen, bloss von woher ist noch nicht klar.

Da hat es nämlich auch am 2. April einen hellen Fleck auf einer Curiosity-Aufnahme gegeben, ebenfalls scheinbar auf einer Anhöhe sitzend, und auch den sah nur eine – und zwar ebenfalls die rechte – Navcam. Zwei Erklärungen bietet das JPL an: eine Reflektion an des Lichts der tief stehenden Sonne an der glänzenden Oberfläche eines fernen Steins (also was dieser Blogger mehr als Advocatus Diaboli vorgeschlagen hatte) – oder Lichteinfall in die Kamera, was bei anderen auf Curiosity schon beobachtet wurde. Die Lektion jedenfalls: bei unerwarteten Beobachtungen skeptisch bleiben – aber nicht gleich die erste beste Erklärung zur endgültigen Wahrheit erklären. Sondern systematisch der Sache auf den Grund gehen: So wurde auch der vermeintlich von einem Fallschirmspringer gefilmte Meteorit widerlegt (den übrigens mehrere der o.g. Curiosity-Debunker seinerzeit für echt erklärt hatten …) – den die Norweger heute formell zurück gezogen haben, nicht ohne sich bei den vielen Aufklärern zu bedanken. NACHTRÄGE: In einem knappen späteren Press Release hält das JPL sowohl einen Lichtreflex an einem Stein als auch Kosmische Strahlung für denkbar – und verrät, dass man “nahezu jede Woche” helle Punkte auf Curiosity-Bildern sieht, die eins von beidem sind. Während hier eifrig diskutiert wird. Und o.g. JPLer nun doch Kosmische Strahlung in Erwägung zieht.

Allgemeines Live-Blog vom 5. bis 7. April 2014

5. April 2014

7. April

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Eine Feuerkugel über den ALMA-Radioteleskopen in Chile, aufgenommen während mehrwöchiger Ultra-HighDef-Dreharbeiten. Derweil ist die norwegische Fallschirmspringer-Meteoriten-Story praktisch tot, nachdem sich deren Kronzeuge der Stein-kam-aus-dem-Schirm-Erklärung (s.a. hier, hier und hier) de facto angeschlossen hat: Man glaubt gar nicht, was alles in Fallschirmen stecken kann … Und der 5000. NEO-Fund der CSS, bald ‘bending metal’ bei Deep Space Industries (“Letter from the Chair”), die kühne Prognose eines Kometen-Profis, Jacques könnte der Komet des Jahres werden, C/2012 K1 (PANSTARRS) gestern (dito & dito) und am 4.4., die indische ISON-Kampagne, der Mars dieses Jahr in Opposition und vorgestern, Polarlicht bei einem Transatlantikflug bewegt und still, die Nova Cygni etwas heller und im UV, die SN 2014ai, Astronomischer Tourismus in Indien (größer), Links zu Outreach-Material – und Vorboten des IYL. [23:55 MESZ - Ende]

Fand Cassini “schmutziges Geheimnis der Planetenringe”?

Mit solch drastischen Worten bedenkt Burns (Nature 508 [3.4.2014] 48-49) die nicht erfolgte Entdeckung vieler sogenannter Schäferhundmonde durch die Raumsonde Cassini in den bald zehn Jahren, in denen sie immer wieder Saturnringe im Detail aufnehmen konnte: Weder im filigran strukturierten C-Ring wie der Cassini-Teilung waren dabei neue sogenannte Schäferhund-Monde zu entdecken, die nach der Sichtweise seit den Voyager-Vorbeiflügen maßgeblich für die Entstehung und Stabilisierung dünner Ringstrukturen im Sonnensystem verantwortlich sind und dementsprechend auch für die Ringe des Zentauren Chariklo (“Hinweise auf zwei Ringe des Zentauren …”) postuliert wurden. Konkret gesehen wurden derartige Schäferhunde bisher nur bei Saturns F-Ring, der Encke-Teilung seines A-Rings und beim Epsilon-Ring des Uranus – aber anderswo im Saturnring eben nicht, und da die Massen solcher Begleitmonde ähnlich der des zu ‘behütenden’ Ringmaterials sein müssen, hätte sie Cassini eigentlich sehen müssen. Burns spricht vage von “fehlender Physik” bei der vollständigen Beschreibung der planetaren Ringsysteme – und hofft, dass gerade kleine und einfache Ringe wie nun bei Chariklo gefunden den Weg weisen könnten. [22:25 MESZ]

Die postulierte Super-Erde in der inneren Oort-Wolke kann es nicht geben, stellt ein italienischer Gravitations-Spezialist in einem knappen Paper fest: Die könnte vielleicht die Bahnverteilung von Sedna, 2012 VP113 & Co. erklären (s.a. ISAN 210-6), würde aber auch zu abnormen Periheldrehungen einiger Planeten führen – und die gibt es nicht. Schon jetzt kann man sagen, dass jedweder Planet mit 2 Erdmassen mindestens 500 au und jeder mit 15 Erdmassen mindestens 1000 au weit weg sein müsste. Und Astrometrie von New Horizons im Kuipergürtel verspricht noch viel schärfere Limits. [22:15 MESZ]


6. April

Jede Menge “Rocketcams” verfolgten den Sentinel-Start von der Rakete aus – ein Zusammenschnitt der ungewöhnlich guten Bilder in einem 5-Minuten-Video. Auch pretty pictures vom Start selbst, Asteroidensuche in Spitzer-Daten mit dem Moving Object Search Tool – und jede Menge Energie und schöne Aussichten aber weiter finanzielle Bedrängnis für den Rover Opportunity, der seit bald 10 1/4 Jahren auf dem Mars unterwegs ist. [23:55 MESZ]

Eine neuartige Datierung der Anfänge von Erde und Mond

schlagen Jacobsen & al. (Nature 508 [3.4.2014] 84-7) vor, unter der Annahme der populären Vorstellung, dass die Erde am Ende ihrer Akkretion von mehreren Mars-großen Brocken und danach noch etwas Kleinkram getroffen wurde (Chambers, ibid. 51-2): Sie sind bei umfangreichen Simulationsrechnungen auf eine deutliche inverse Korrelation zwischen dem Zeitpunkt des letzten Mega-Einschlags und der Menge der Restakkretion danach gestoßen. Der letzte große Einschlag schuf nicht nur nach allgemeiner Auffassung den Mond sondern ließ auch sämtliche siderophilen (eisenliebenden) Metalle wie Iridium und Platin im Erdkern verschwinden: Was wir heute an der Oberfläche finden, verdanken wir eben jener späteren Akkretion. Eingesetzt in die per Modellrechnung gefundene Korrelation ergibt sich, dass die Mondentstehung 100±40 Mio. Jahre nach der Entstehung des Sonnensystems vor 4.567 Mrd. Jahren – was sich aus der radioaktiven Datierung von Meteoriten ergibt – erfolgt sein sollte, auf jedenfall aber frühestens 40 Mio. Jahre danach: auch eine PM aus Bayreuth, ein SwRI PR und Artikel hier und hier. [23:45 MESZ]


5. April

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So fuhr der Mars-Rover Curiosity durch die “Dingo Gap”: Ausnehmend klare Reifenspuren im Sand hat hier die Kamera auf dem MRO abgelichtet. Auch der aktuelle Status des Rovers (mehr), ein kurioses Bild von Opportunity, die Auswahl der Landestelle für ExoMars (mehr und mehr), alte vulkanische Explosionen auf dem Merkur, das baldige Missionsende von LADEE am 21. April (mehr, mehr, mehr, mehr und mehr), wie sich die ESA die Oberfläche eines Kometen vorstellt, Fortschritte bei Gaia, die Bewertung der NASA-Astrophysik-Missionen [NACHTRAG: mehr Details zu dieser periodischen Senior Review], Indiens Astrosat für 2015, die DZZ-HR-Mission, die ersten Erdbilder von UrtheCast – und das amerikanisch-russische Verhältnis in der Raumfahrt. [23:55 MESZ]

Schwerefeld untermauert Ozean im Inneren von Enceladus

Dass es im Inneren des Saturnmonds flüssiges Wasser geben muss, um seine südpolaren Fontänen zu erklären, ist seit vier Jahren praktisch sicher (“Die überzeugendsten Indizien für flüssiges Wasser im Inneren von Enceladus”), und nun hat Cassini auch einen relativ direkten Hinweis geliefert: Das Schwerefeld des 500-km-Mondes lässt sich am besten erklären, wenn es in der südlichen Polregionen eine etwa 10 km dicke Schicht flüssigen Wassers gibt, unter 30 bis 40 km Krusteneis allerdings (Iess & al., Science 344 [4.4.2014] 78-80). Leider kann Cassini nur entweder Beobachtungen mit seinen Instrumenten machen oder über den Dopplereffekt am Funkträger höhere Schwerefeld-Komponenten vermessen, so dass nur 3 der 19 engen Enceladus-Besuche für letzteres benutzt werden konnten. Bis zum Ende der Mission in 3 Jahren wird es keine zusätzlichen Möglichkeiten geben (Kerr, ibid. 17), und da auch eine Sondenmission zu Enceladus utopisch erscheint, sind leider nun Jahrzehnte lang keine neuen Erkenntnisse über den Enceladus-Ozean zu erwarten: auch Press Releases hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [23:45 MESZ]

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Bilder von Sentinel-1 im Orbit gibt es reichlich: sein Aussetzen von der Fregat-Oberstufe aus gefilmt – und das Entfalten der Sonnensegel von ihm selbst aufgenommen. Auch Starts einer Atlas V mit DMSP-19 (ein Video und ein Bild, Artikel hier, hier, hier und hier und mehr Links) und eines PSLV mit IRNSS-1B (Artikel hier, hier, hier und hier) – und bald kann auch wieder am Cape gestartet werden. [3:45 MESZ] Mehr Links dazu sowie zum Starterfolg des PSLV. [22:15 MESZ. NACHTRAG: Ärger mit DMSP-19]

Konkurrenz kurz vor Widerlegung von Alpha Cen’s Planet

Seit der lautstarken Verkündigung der ESO (“Intermezzo: Planet mit einer Erdmasse ganz nahe bei Alpha Centauri B gefunden …”) wartet man auf das Urteil einer amerikanischen Gruppe, die ebenfalls energische Messungen der Radialgeschwindigkeit des Sterns vornimmt – in ihrem neuesten Zwischenbericht ist weiter kein Signal zu finden, und bald wird man wissen, wo der Planet doch nur Einbildung war. Auch der Mars am 4.4. und am 3.4., die Kometen LONEOS am 4.4., PANSTARRS am 4.4. (dito) und 3.4. und Jacques am 2.4. (dito), angeblich mehr kleine Impakte, wachsende Zweifel (mehr, eine Abwägung und ein Witzchen) an der Story mit Fallschirmspringer & ‘Meteorit’ (die die FAZ locker schluckt), ein Knall in Stendal, eine LOFAR-Station für Hamburg [NACHTRAG: auch eine PM aus Bielefeld - gibt's wirklich - dazu], die ESO sprengt im Juni einen Berg für das E-ELT – und eine leider unvollständige Liste der größten Amateurteleskope. [3:20 MESZ]

Weitere größere Artikel

4. April 2014

pano-treptow-sw

Trip to Treptow: zu Besuch bei Archenhold, mit frisch gestrichenem Riesenrefraktor und Astro-Geschichts-Ausstellung.

Himmel bewegt Bonner auch am Montag: eine noch junge Veranstaltungsreihe der VSW brilliert mit Zeitraffer-Videos.

sednoids

80 AE: der Himmelskörper mit dem fernsten Perihel, die “zweite Sedna” 2013 VP113 – hier im Kontext des Kuiper-Gürtels.

Bilder-Galerien

Festakt von Zeiss aus multiplem planetarischem Anlass in Bochum, u.a. anlässlich von 100 Jahren Planetariums-Idee.

Impressionen vom 33. AKM-Seminar in Dessau vom 21.-23. März 2014.

First German aurora observing flight out of and back to Cologne on March 1/2, 2014.

Kleinere Artikel

feuerkugel-sw

Feuerkugel über Zentraleuropa: hier ein Bild der Allsky-Wetterkamera der Sternwarte in Welzheim bei Stuttgart, von Uwe Lemmer zur Verfügung gestellt.

Schwache klassische Novae im Skorpion und Schwan keine großen Leuchten.

Hinweise auf zwei Ringe um den größten Zentauren Chariklo.

Rettung für SOFIA? Interessenten bitte ganz schnell melden …

Mars-Komet Siding Spring: Beobachtungskampagne wie bei ISON.


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