Nicht dass plötzlich ein gewaltiger Komet am Himmel gestrahlt hätte, wie man mitunter in der Presse lesen konnte: Das Drama dessen, was sich seit dem 24. Oktober im Sternbild Perseus abspielt, erschließt sich erst, wenn man die Geschichte dahinter kennt. Denn an der Stelle, wo an jenem Tag binnen Stunden ein extrem kompaktes Scheibchen mit der Gesamthelligkeit eines Sterns der 2. Größe aufgetaucht war, leicht für das bloße Auge als scheinbarer neuer Stern zu erkennen, war zuvor ein unscheinbarer Komet von weniger als 17. Größe gewesen, der selbst in größten Amateurteleskopen nichts Besonderes war. Ein Helligkeitssprung um 15 astronomische Größen, einem schon in der Antike eingeführten logarithmischen Maß für die scheinbare Helligkeit eines Himmelskörpers, entspricht einem Helligkeitssprung um einen Faktor von ziemlich genau einer Million, da 5 Größenklassen als Faktor 100 definiert sind: Zwar neigen viele Kometen zu gelegentlichen Helligkeitsausbrüchen, aber solch ein Sprung ist einmalig in den Annalen der Astronomie.
Besser noch: 17P/Holmes hat seine neugewonnene Helligkeit bis in den Dezember hinein gehalten, während freilich sein Durchmesser von anfänglichen Bogenminuten auf inzwischen ein volles Grad angeschwollen ist. Die Helligkeit verteilt sich daher auf eine immer größere Fläche: Der in den ersten Tagen noch wie ein Stern erscheinende Komet wurde bald zu einem leuchtenden Scheibchen, das an dunklem Himmel Anfang Dezember immer noch beeindrucken konnte. Und in der Realität bereits den zweifachen Durchmesser der Sonne erreicht hatte, freilich mit extrem geringer Dichte: Die riesige Kometenkoma besteht aus weit voneinander entfernten Staubteilchen, während die Quelle der ganzen Show, der Kern, nur höchstens 4 Kilometer groß ist.
Die Amplitude des Ausbruchs um 15 Größenklassen ist zwar rekordverdächtig– aber etwas Besonderes für Komet Holmes sind derartige Ausbrüche nicht: Seine Entdeckung 1892 verdankte er nämlich genau einem solchen Phänomen, weshalb sich auch der weitere Verlauf des aktuellen Ausbruchs schon am ersten Tag erstaunlich präzise voraussagen ließ. Die Koma wird demnach immer weiter expandieren, bis sie sich irgendwann doch im Himmelshintergrund verliert, während die Gesamthelligkeit nur langsam nachlässt – und vielleicht gibt es nach etwa zwei Monaten noch einen zweiten Ausbruch: Damals wiederholte sich die ursprüngliche Eruption nahezu identisch, und Doppelausbrüche scheinen bei derartigen Kometen geradezu die Norm zu sein. Der erste Ausbruch des Jahres 2007 jedenfalls scheint ziemlich genau um 0 Uhr Weltzeit am 24. Oktober begonnen zu haben: Nachdem der Komet zuletzt noch am Morgen des 23. Oktober mit 17. Größe gemessen worden war, war die Helligkeit seiner Zentralregion nun plötzlich 9 Größenklassen heller – und stieg mit 0,5 Größenklassen pro Stunde weiter.
Damit schlug die Stunde der visuellen Beobachter, die der das ganze Jahr über nicht über 16 Größenklassen gestiegene Komet bis dato wenig interessiert hatte: Um 12:00 Uhr wurde die Gesamthelligkeit auf 4,0geschätzt, und bis zum Abend kletterte sie auf 2,8m. Fragt sich nur noch, was den gewaltigen Ausbruch des Kometen ausgelöst hat: Das Problem treibt die Wissenschaft schon seit vielen Jahrzehnten um, und ein klassischer Übersichtsartikel von 1990 nennt eine Menge Ideen, denen neue Spekulationen folgten. Eine Hypothese geht direkt auf die Giotto-Bilder des Kerns vom Halleyschen Kometen zurück: Nur wenige Prozent seiner Kernoberfläche waren aktiv. Wenn also irgendetwas die aktive Fläche erheblich vergrößert, zum Beispiel durch den Kollaps eines Hohlraums, wird der Komet drastisch heller. Ob dieses Modell allerdings einen Anstieg um eine Million erklären kann, ist nicht klar.