2,4 Milliarden Euro pro Jahr mögen die Regierungen Europas für die Astronomie locker machen, fordert eine detaillierte „Roadmap“, die am 25. November gemeinsam von einem Großteil jener „funding agencies“ vorgelegt wurde, die national für die Verteilung der Gelder in der Grundlagenforschung zuständig sind. Angesichts wachsender Betriebskosten bestehender Teleskope und der enormen Kosten künftiger Projekte hatten sich diese Behörden 2005 in der Initiative ASTRONET zusammengetan und die anfangs mitunter widerwilligen Astronomen geradezu gezwungen, sich ihre eigenen Prioritäten klarzumachen. So geschieht dies z.B. in den USA schon seit einem halben Jahrhundert, und die resultierenden Decadal Reports geben den Ton an – und werden in der Regel auch in die Tat umgesetzt. Ob dies auch bei den kühnen Plänen der europäischen Roadmap der Fall sein wird, die die kommenden 20 Jahre abdeckt, wird sich freilich noch zeigen müssen, denn sie würden eine Etatsteigerung durch die Bank von 20% erfordern.
Ganz oben auf die Liste sind jedenfalls das Wunschprojekt der Europäischen Südsternwarte, ein optisches Teleskop Europas mit einem 42 Meter großen Spiegel für mindestens 800 Mio. Euro, dessen Bau schon 2010 beschlossen werden könnte, und das große Ziel der Radioastronomen aus aller Welt, der Square Kilometer Array, gekommen, der mit 1,5 Mrd. Euro Gesamtkosten nur als internationales Großprojekt realisiert werden kann. Auch mehrere „kleinere“ Teleskopanlagen haben es auf Spitzenplätze geschafft – und mehrere aufwändige Satellitenobservatorien und Planetenmissionen. Für die wäre die Europäische Weltraumbehörde zuständig, und hier gibt es sogar schon eine gute Nachricht: Der Ministerrat hat am 26. November dem Wissenschaftshaushalt der ESA ein jährliches Wachstum von 3,5% genehmigt, womit viele der Projekte machbar scheinen. (ESO Press Release #43 vom 25.11.2008 u.a.)