Archive for 14. Oktober 2009

Weltraumforschung kurz & bündig

14. Oktober 2009

Galaxien mit 7<z<8 sind extrem kompakt

Genau genommen sind diese Rekord-Rotverschiebungen von etlichen Galaxien auf ersten Aufnahmen der neuen Hubble-Kamera WFC3 nur photometrisch bestimmt und nicht spektrographisch abgesichert, gelten aber als sehr sicher – und diese Galaxien sind nur 700±300 parsec groß. Erst ab z~5 werden Galaxien dieses Typs (Lyman Break Galaxies) merklich größer. (Preprint 30.9.2009) NACHTRAG: Was das alles bedeuten soll. NACHTRAG 2: Drei weitere HUDF-Papers.

Ein schönes Beispiel von Ram Pressure Stripping hat Hubbles ACS bereits 2007 im Virgo-Haufen bei der Galaxie NGC 4522 dokumentiert: Im gestrippten Gas sind schon neu geformte Sternhaufen sichtbar. (ESA Hubble Release 30.9.2009)

Verbindung zwischen historischen LBV-Ausbrüchen und falschen Supernovae

Die Supernova 2009ip war ebenso wenig eine vernichtende Sternexplosion wie der Transient U2773-OT: Vielmehr handelte es sich offenbar um Helligkeitsausbrüche von Luminous Blue Variables wie Eta Carinae und “SN” 1954J, wie alte HST-Daten der Vorgängersterne zeigen, die sich als Überriesen erweisen. Auch die kuriosen Transients SN 2008S und N300-OT könnten dasselbe Phänomen gewesen sein, allerdings hinter viel Staub. (Preprint 27.9.2009)

Die Radiostrahlung von M 82 stieg 2008 stark an bei 5 GHz, offenbar im Zusammenhang mit der SN 2008iz – das wurde mit dem Radioteleskop in Urumqi in Xinjiang gemessen. (Preprint 30.9.2009)

Neue Hubble-Kamera sieht Zentralstern eines PN

Die WFC3 hat prompt den lang gesuchten Zentralstern des Planetarischen Nebels NGC 6302 gesichtet, der mit die höchste bekannte Ionisation aufweist. Dichte Staub- und Molekülwolken versperrten bislang die Sicht, aber nun ist klar, dass dort tatsächlich ein Stern mit 200’000 K Temperatur sitzt. (Preprint 28.9.2009) NACHTRAG: ein reichlich später Press Release dazu.

Die räumliche Orientierung des Dreifachsystems Algol ist mit dem optischen Interferometer CHARA vermessen worden. (Preprint 28.9.2009)

Auch Teleskope an ungünstigen Orten nützlich bei Exoplaneten-Verfolgung

Um einen Transit des Planeten des Sterns HD 80606 am 4. Juni möglichst komplett zu beobachten (siehe ISAN 80-5 zum seinem ersten erwischten Transit), waren Teleskope quer durch die USA im Einsatz – auch eines quasi auf Meereshöhe in Florida. Sechs Sternwarten konnten schließlich zusammen mehr als die halbe Lichtkurve des Durchgangs abdecken. (Univ. of Fla. PR 28.9.2009)

Die Atmosphäre des ersten “felsigen” Planeten hat kuriose Eigenschaften: Da könnte es sogar Steine regnen – “it is certainly amusing”. (Wash. Univ. St. Louis PR 29.9.2009)

Arecibo-Radar für NEO-Forschung, -Abwehr unerlässlich

Das Radioteleskop von Arecibo auf Puerto Rico, das ein Panel unbegreiflicherweise als nicht mehr finanzierenswert eingestuft hat, hat in seiner Rolle als Radaranlage zur Verfolgung und Charakterisierung erdnaher Asteroiden eine zentrale Bedeutung für dieses Forschungsfeld: Das ist eine der Aussagen des Interim Reports einer Studie zu Near-Earth Object Surveys and Hazard Mitigation Strategies des National Research Council – der dem Arecibo-Betreiber neuen Mut macht. (Kompletter Report, Cornell Press Release 29.9.2009, aktuelle Fotos 12.10.2009)

Der kleine Asteroid 2008 TC3 war “wie ein Walnuss-Rosinen-Brot” geformt, ergibt sich aus Photometrie jenes Himmelskörpers, der bald nach seiner Entdeckung als Feuerkugel unterging, und von dem später Meteoriten gefunden wurden (siehe ISAN 82-3). (Science News 7., SETI Inst. PR 8.10.2009 – mehr Artikel-Links hier)

Möglicher Zielkomet Wilson-Harrington charakterisiert: Sollte die ESA zur Realisierung der Marco-Polo-Mission zu einem Kleinkörper schreiten, dann wäre der Komet 107P/Wilson-Harrington alias Asteroid 4015 ein mögliches Ziel – dessen wichtigste Eigenschaften das Spitzer Space Telescope herausgefunden hat. (Preprint 1.10.2009)

Algen erholten sich nach dem KTB-Event rasant

Die Stratigraphen haben zwar aus der geologischen Zeitskala das Tertiär getilgt und lassen nun auf die Kreidezeit das Paläogen folgen, aber für den Rest der Welt ist es noch die “Kreide-Tertiär-Grenze” (die jetzt offiziell KPB heißt): jener Moment in der Erdgeschichte, als sich das letzte große Massensterben ereignete. Ob nun ein Asteroideneinschlag die Hauptursache war oder nicht (siehe Artikel 749 und Cosmic Mirror #323): Jetzt hat sich gezeigt, dass zumindest die Meeresalgen schon weniger als ein Jahrhundert später wieder ‘voll da’ waren. (Sepúlveda & al., Science 326 [2.10.2009] 129-132, auch Astrobiology 2.10.2009)

Dank der geringen Sonnenaktivität hat die Kosmische Strahlung ein Rekordniveau erreicht wie in der gesamten Raumfahrtära noch nicht – aber nur für den Satelliten ACE, der den Teilchen ausgesetzt ist; die Magnetosphäre der Erde wehrt sie verlässlich ab. (NASA Feature 28.9.2009)

Spectacular fireball over Netherlands this evening not the only one in recent days

14. Oktober 2009

Mehrere Aufsehen erregende Feuerkugeln in den vergangenen Tagen (darunter eine über den Niederlanden gestern Abend), Planeten-Spiele am Morgenhimmel, ein neuer La-Sagra-Komet und mehr aus den letzten 13 Tagen in Cosmos 4 U.


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