Archive for 7. März 2010

Nachrichten aus der Raumfahrt kompakt

7. März 2010

Nur ein Sonnensatellit kann die Jupiter/Merkur-Konjunktion verfolgen, die sich gerade bei sehr geringer Elongation abspielt – hier ein SOHO-LASCO-C3-Bild von heute, 15:42 MEZ. Erst zum Monatsende wird der Merkur am Abendhimmel, später dann der Jupiter am Morgenhimmel wieder auftauchen. NACHTRAG: Falsch gedacht – gerade meldet sich ein Extrem-Astrofotograf aus dem Ruhrgebiet mit der erfolgreichen Ablichtung des Planetenpaares heute Mittag am Taghimmel …

Die nächste Mission zur Venus startet am 18. Mai

Dieses Datum hat jetzt die japanische Raumfahrtbehörde JAXA für ihren Satelliten AKATSUKI (“Japanischer Venusorbiter …”) alias Venus Climate Orbiter alias PLANET-C bekannt gegeben. Und weil die H-IIA noch eine Menge Kraft übrig hat, werden auch gleich noch mit IKAROS ein Demonstrator für einen Sonnensegler mitgenommen – wie ihn dieses Jahr auch noch die NASA (“Doch ein Wiederflug …”) und die Planetary Society starten wollen – sowie vier andere Kleinsatelliten. (JAXA Release 3.3.2010; auch neue JAXA-eigene Interviews zu den Missionen Akatsuki und Ikaros) NACHTRÄGE: Prompt wird mehr über Ikaros (und das LightSail) geschrieben. Und Akatsuki wurde vorgezeigt, kurz bevor es zum Startgelände ging.

Neue Aufnahmen des kleinen Saturnmonds Helene sind Cassini zwar gelungen, doch etwas stimmte mit dem Pointing nicht ganz – manchmal ist der Mond nur teilweise zu sehen. (Planetary Society Blog 5.3.2010; auch frühere Bilder und eine Helene-Sichtung 2009 mit Amateur-Mitteln) NACHTRAG: warum Helene Ärger machte.

Neuester US-Wettersatellit im Orbit, wieder mit Röntgenteleskop

Auch der neueste Geostationary Operational Environmental Satellite, GOES-P, den in der Nacht vom 4. zum 5. März eine Delta 4 in den Orbit brachte, ist wieder mit einem Solar X-ray Imager (SXI) ausgestattet: schon das dritte dieser Röntgenteleskope zur Überwachung der Sonne und ihrer Ausbrüche. Am 13. März soll GOES-P seinen endgültigen Orbit erreicht haben und wird dann GOES-15 genannt – und dann, nach ausgiebigen Tests, erstmal in Reserve gehalten, falls einer der anderen GOES Probleme macht. (NASA Release, noch einer, Spaceflight Now, Universe Today 4., Space Today 5.3.2010. Bilder vom Start – der überraschend in die Nacht rutschte – gibt’s hier, hier und hier und von der Rampe hier) NACHTRAG: Mit Erreichen des Zielorbits hat die Umbenennung in GOES-15 stattgefunden.

Testspiegel für das Webb-Teleskop ‘unter Weltraumbedingungen’ poliert: Erfolgreich ist jetzt ein Spiegelsegment der Art wie die 18 für den Hauptspiegel des James Webb Space Telescope auf seine korrekte Form poliert worden, die es unter simulierten eisigen Weltraumbedingungen unter Beweis stellen konnte – ein weiterer Meilenstein für das hochkomplexe Projekt (“Meilensteine”). Um einen Skandal wie bei Hubble zu vermeiden, wird jedes Segment vier unterschiedlichen Tests unterworfen werden … (NASA Release 2.3.2010)

Prototyp italienischen Weltraumflugzeugs vor Ballon-Abwurf

Vielleicht noch diesen Monat wird ein Ballon in 24 km Höhe das experimentelle Fluggerät “Pollux” ausklinken, das dann mit bis zu Mach 1.2 allerlei Manöver durchführen soll, bis sich in 5 km Höhe ein Fallschirm öffnet: 500 Sensoren messen dabei, wie es einem Weltraumflugzeug bei der Rückkehr aus dem Orbit ergehen würde. (Space.com 1.3.2010. Der Triebwerkstest der ersten Falcon 9 am Cape scheint derweil für morgen geplant zu sein) NACHTRAG: noch ein Artikel zur Falcon – deren Test aber verschoben wurde.

Das weitere Testprogramm für das Space Ship Two sieht den ersten Abwurf vom Trägerflugzeug White Knight Two im 3. Quartal dieses Jahr vor, gefolgt vom ersten Düsenflug noch vor Jahresende und vielen weiteren Tests 2011. Die ersten Weltraumtouristen dürfen vielleicht schon Ende 2011 an Bord, eher aber erst 2012 oder 2013 – da hält man sich bei ‘Virgin Galactic’ noch sehr bedeckt. Finanziell steht man jedenfalls – dank vieler ‘Anzahlungen’ und eines arabischen Investors – gut da und plant den Bau von gleich sechs SS2-Schiffen. (The Space Review 1., SpaceNews, Reuters, AP 3., The National 4.3.2010)

Das Bild des Wassers auf dem Mond wird immer komplizierter

7. März 2010

Noch vor einem Jahr wurde das Thema kaum ernstgenommen, angesichts allenfalls schemenhafter Indizien, aber das hat sich dank einer Flut von Entdeckungen der aktuellen Generation von Mondmissionen schlagartig geändert – und schon wieder gibt es neue Erkenntnisse, die das Gesamtbild immer komplizierter erscheinen lassen.

  • Ein weiteres Instrument auf dem Lunar Reconnaissance Orbiter sorgt für Verwirrung, denn der Neutronendetektor LEND registriert die Signatur von Wassereis nur aus einem Bruchteil von schattigen Polkratern (darunter immerhin jenem Cabeus, wo LCROSS eine Wasserdampfwolke aufsteigen ließ), während andererseits auch in gut besonnten Mondregionen Eis vorzukommen scheint. Wenn sich das bestätigen sollte, haben wir einen wesentlichen Prozess des Mond-Wasser-Kreislaufs – Eisablagerung in größerer Menge nur in polaren Kältefallen – überhaupt nicht verstanden, doch es gibt auch gewisse Zweifel an den Messungen selbst. (Nature Blog 2.3.2010, New Scientist 22.12.2009)

  • In rund 40 – korrekt schattigen – Kratern in der Nähe des Mond-Nordpols hat das Radar Mini-SAR auf Chandrayaan-1 Hinweise auf Wassereis gefunden: Das streut nämlich dank vieler interner Reflexionen zirkular polarisierte Strahlung mit derselben Drehrichtung zurück, während normaler Boden die Richtung umdreht. Den Eis-Effekt kann zwar auch besonders rauher Boden nachahmen, der bei einem Impakt zu erwarten ist, aber die Mini-SAR-Daten zeigen, dass der Effekt auf die glatten Böden der 2 bis 15 km großen Krater beschränkt ist. Und es gibt ihn auch nur in permanent schattigen Kratern. Hochgerechnet mindestens 600 Mio. Tonnen Wassereis dürfte das Radar damit nachgewiesen haben, in grobem quantitativem Einklang mit alten Neutronendaten des Lunar Prospector. (NASA Feature, Air Space Mag Blog 1., ISRO Release, Tagesschau 2., Scientific American, Times of India, Space Today, Science Blogs 3.3.2010)

  • In der Ejektawolke nach dem LCROSS-Impakt (“Wassereis …”) sind neben Wasserdampf inzwischen sicher SO2, CH3OH und H2C4 nachgewiesen worden. Eine klare Antwort auf den Ursprung des Wassers in Cabeus (“Das Wassereis …”) und seiner Beimischungen wird aber offenbar weiter gesucht: Angesichts der Vielfalt der Daten scheint es nun möglich, dass das Wasser auf dem Mond mehrere verschiedene Quellen haben könnte. (Sky & Tel. 2.3.2010)

Die Anlieferung des Mondwassers durch Kometen oder bzw. Bildung mit Hilfe des Sonnenwinds, der Transport der Moleküle von einem Ort zum anderen und ihre langfristige Ablagerung sind ein ganz frisches Thema für die Planetenforschung geworden – während sich Inder und Amerikaner gerade noch um die Priorität streiten, wer als erster was klar nachgewiesen hat: Für die indische Presse sind diese ‘lunar water politics’ bereits ein Thema … (Times of India 3.3.2010) NACHTRÄGE: Science@NASA und Discovery zur Herkunft des ‘Moon water’.

Die Laser-Retroreflektoren auf dem Mond werden immer schlechter, offenbar die Wirkung von – elektrostatisch angehobenem und herumgeblasenem – Mondstaub: Entweder zerkratzt er die von Apollo-Astronauten und Lunochod-Rovern zurückgelassenen Katzenaugen oder er legt sich nur drauf. So oder so verändert er die thermischen Eigenschaften der Spiegel, die jeweils bei Vollmond – aber nicht während der Totalität einer MoFi – besonders schlecht die irdischen Laserblitze zurückwerfen. Das erschwert zumindest für kleinere Laserteleskope die Vermessung der Mondbahn, was für die Suche nach subtilen relativistischen Effekten immer noch interessant ist. Und dient als Warnung für die Planer futuristischer optischer Sternwarten auf der Mondoberfläche. (Murphy & al., Preprint 3.3.; New Scientist 15., Lunar Networks 16.2., Science Blogs 5.3.2010)

Lava-Tunnel auf dem Mond bleiben in den Schlagzeilen

Während die Kamera LROC des Lunar Reconnaissance Orbiters neue Bilder der bekannten “Marius-Hills-Grube” geliefert hat, wo offenbar ein unterirdischer Lavakanal eingebrochen ist, gibt es von der Terrain Mapping Camera auf Chandrayaan-1 ein Bild aus dem Oceanus Procellarum, wo eine Mondrille streckenweise unterirdisch zu verlaufen scheint. Schon wird in der indischen Presse spekuliert, dass man doch in solch einem Mond-Tunnel gut einen Rover parken könnte … (The Hindu 9.2., LROC Featured Image 1., Parallel Spirals 3.3.2010) NACHTRAG: lunare Lavaröhren als Habitate für Mondbewohner.

Noch eine Chandrayaan-1-Entdeckung: eine “neue Art Mondgestein”, das von Magnesium-Spinel dominiert wird – das soll nicht zu gängigen Modellen der Entwicklung der Mondkruste passen. (The Hindu 9.2.2010)

Der Bau von Chandrayaan-2 beginnt dieses Jahr

Bei der 2. indischen Mondmission – deren Start für das 1. Quartal 2013 angepeilt wird – geht es um das Absetzen von zwei Mondrovern, die jeweils bis zu einem halben Jahr durchhalten sollen. Dafür wird die Zahl der mitgeführten Instrumente deutlich kleiner als bei Chandrayaan-1 mit seinen 11 ausfallen. Und Bewerber aus dem Ausland haben diesmal entsprechend weniger Chancen. (The Hindu 2., DNA 27., Sify 28.1.2010)

Chang’e-2 soll bis zu 1 Meter Auflösung erreichen: Zwar wird als Bildauflösung der Kamera des 2. chinesischen Mondorbiters – der noch dieses Jahr starten soll – 7 Meter angegeben, aber im Tiefflug könnte sie bis auf einen Meter steigen. Derweil hat China verkündet, die Technologie seit bald bereit für eine Mondlandung, und auch wenn es explizit keine konkret Pläne für eine bemannte solche gibt (die US-Politiker so gerne beschwören), so dürfen die Ingenieure des Landes zumindest schon mal über eine Mega-Rakete im Stil der Saturn V nachdenken. (People’s Daily 12.1., 8.2., AW&ST 5.3.2010) NACHTRAG: “Um 2013″ soll Chang’e 3 starten, mit Lander & Rover. NACHTRAG 2: Und über ein Labor für Mondgestein wird auch schon nachgedacht.


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