Archive for 7. Mai 2010

Nachrichten aus der Raumfahrt kompakt

7. Mai 2010

Test der Orion-Fluchtrakete ein voller Erfolg: In der White Sands Missile Range legte im gestrigen “Pad Abort 1″-Test das seit Jahren für die Orion-Kapsel entwickelte Startabbruchsystem einen perfekten Flug hin (Bilder hier, hier und hier und ein Video) – vielleicht wird es eines Tages bei einem kommerziellen Startsystem zum Einsatz kommen. Für die Orion jedenfalls nicht, die bestenfalls zu einer (unbemannt startenden) ISS-Rettungskapsel wird; s.u. (NASA Release, Spaceflight Now, Scientific American 6., Collect Space, Space Today 7.5.2010)

Vager Zeitplan, kleine Orion-Rolle für US-Raumfahrtpläne

Es bleibt bei der im Februar verkündeten neuen Richtung der bemannten US-Raumfahrt, allem – meist rein lokalpatriotisch motivierten – Geschrei vieler US-Politiker zum Trotz: Das haben ein Fact Sheet aus dem Weißen Haus vom 13. und eine Rede Obamas am Kennedy Space Center am 15. April klar gemacht. Neu sind nur ein paar ‘konkrete’ Deadlines, nach denen immer wieder gerufen worden war: 2015 soll nun über eine neue Schwerlastrakete entschieden werden, 2025 sollen mit ihr Flüge ins Planetensystem beginnen, mit einem Asteroiden als erstem Ziel, und ca. 2035 wird der Mars umkreist. Landungen dort folgen später, aber noch zu Lebzeiten Obamas, der 1961 geboren wurde. Während die Ares-Rakete weiterhin keinerlei Zukunft hat, könnte zumindest die Orion-Kapsel aus dem eingestellten Constellation-Programm zu einem Rettungsboot für die ISS entwickelt werden, die bis mindestens 2020 in Betrieb bleibt. Wie sich der Rückhalt für die neuen Weltraumpläne in der Politik in den folgenden Wochen entwickelt hat, darüber gehen die Einschätzungen weit auseinander … (Links zu zahlreichen Artikeln im Cosmic Mirror 336 im hellgrünen Kasten)

Die erste Falcon 9 startet vermutlich am 23. März: Die Selbstzerstörungsanlage der viel beachteten privaten Trägerrakete – selbst Obama schaute sich bei seinem KSC-Besuch die Startanlagen an – muss noch abgenommen werden, und mehrere andere Starts (u.a. der letzte der Atlantis am 14. Mai) haben Vorrang. Der Druck auf die Firma Space X ist enorm … (Space.com 7., Cosmic Log, AW&ST 4., Flame Trench 3.5., Orion 21., Spaceflight Now 16.4.2010; Mission Status Center)

Weiter Konfusion um Versagen der ersten indischen kryogenen Raketenstufe

Hat sie gar nicht gezündet oder nur für Sekunden, bevor eine Turbopumpe ausfiel, oder war alles o.k. aber Vernierdüsen versagten? Die ersten beiden Stufen des indischen Geo-synchronous Satellite Launch Vehicle (GSLV-D3) hatten am 15. April tadellos gearbeitet, doch kaum sollte die Cryogenic Upper Stage übernehmen, wich die Rakete – mit einem Nachrichtensatelliten aber ohne TAUVEX (“Israelisches Astro-Teleskop …”) – von der Flugbahn ab und musste zerstört werden. Mehrfach wurden die Erklärungen für das Versagen der Oberstufe – die Indien in 19 Jahren allein entwickelt hatte, nachdem die USA Russland gedrängt hatten, die komplexe Technologie nicht an Indien zu liefern – inzwischen geändert, eine formelle Untersuchung läuft und soll Mitte Juni einen Bericht vorlegen. Indien hat mit neuen Raketentypen fast immer erst einmal Pech gehabt, diesmal allerdings war im Vorfeld getestet worden wie selten zuvor. Doch die Bedingungen des Hochfahrens einer kryogenen Raketenstufe schon halb im Weltraum entziehen sich detailgetreuer Bodentests. Vielleicht in einem Jahr könnte die CUS erneut ausprobiert werden (und es starten vorher noch zwei GSLV mit russischen Oberstufen). Was aus TAUVEX wird, ist derweil unklarer denn je … (Frontline Mai, Business Line 24., Parallel Spirals, Parabolic Arc 19., Hindu, Orion 18., Space News, Hindu 17., Hindu, Novosti, Space Today 16., ISRO Press Release, BBC 15., Outlook 10., Hindu 9., Mangalorean 7.4.2010)

Noch vor Jahresende startet die erste Soyuz-Rakete in Französisch-Guyana, verspricht Arianespace: Zwei wurden letzten November angeliefert, und die routinemäßigen Überprüfungen an der ersten kommen gut voran. (Arianespace Soyuz/Vega Update 7.5.2010) NACHTRAG: Spaceflight Now zu den Vorbereitungen. NACHTRAG 2: Der Start soll nun offiziell im 4. Quartal 2010 stattfinden.

Das modernste Planetarium der Welt … steht jetzt in Bochum

7. Mai 2010

Plangemäß hat das Planetarium in Wolfsburg am 4. Mai einen großen Bruder bekommen, der sich bis auf weiteres “modernstes Planetarium der Welt” nennen darf: In Bochum teilen sich die 20-Meter-Kuppel nun ein Sternenprojektor des Typs Universarium IX – immer noch der modernste – und acht VELVET-Projektoren, die in Säulen am Rand versteckt (hier ein Exklusiv-Blick in eine hinein) am Universarium vorbei bewegte Video-Bilder aller Art auf die Kuppel bringen. Mit perfektem Edge-Blending, d.h. die Grenzen der acht Bildfelder sind einfach nicht wahrzunehmen, eine Seltenheit bei derartigen Full-Dome-Systemen. Vor allem aber lassen die VELVETs den Himmel zwischen den unübertroffen scharfen und hellen Universarium-Sternen schwarz, jedenfalls so lange nicht sie selbst durch zu große helle Flächen die Kuppel insgesamt aufzuhellen beginnen: Bochum hat nun das erste Großplanetarium der Welt, wo beide Technologien zusammen spielen.

Eine weitere Besonderheit in Bochum ist, dass gleich in der ersten Woche mit sieben Programmen gestartet wird, von denen fünf in den vergangenen Monaten komplett im eigenen Haus entstanden sind. Vor allem das erste Hauptprogramm “Faszinierendes Weltall” bietet bei einer flotten Reise durch den gesamten Kosmos immer wieder ‘Immersions’-Erlebnisse, die vor der neuen Technik schlicht unerreichbar waren – vor allem megapixelige Himmelsbilder von modernen Sternwarten oder Weltraumteleskopen entfalten eine ungeahnte Wirkung. Das “neue” PlaBo ist ein wesentlicher Beitrag der Stadt Bochum zur Kulturhauptstadt RUHR.2010. Und die nicht ganz billige VELVET-Technik – wie das enorme Kontrastverhältnis gelingt, ist weiter Firmengeheimnis, und selbst das Projektionsobjektiv soll dank exotischer Linsenoberflächen praktisch unkopierbar sein – verkauft sich bereits ganz gut: Als nächstes Großplanetarium ist Berlin an der Reihe und soll am 1. Oktober eröffnen.

Da qualmt er wieder: Sind wir nun klüger?

7. Mai 2010

Nach einer Woche relativer Ruhe Ende April hat der Eyjafjallajökull in der ersten Maiwoche wieder mit explosiven Ascheneruptionen begonnen, eingefangen hier am 6. Mai vom MODIS-Instrument auf dem NASA-Satelliten Terra (eingerahmt von normalen Wolken; dasselbe Bild von Envisat). Die isländische Aktivität hat gleichermaßen das Wissen über das Wesen vulkanischer Asche vorangebracht wie Lücken in der Überwachung wie beim Verständnis eventueller Konsequenzen auf diversen Ebenen offenbart – siehe frühere Zusammenfassungen vom 19. April und 26. April (letztes Kapitel). Die direkt sichtbaren Effekte am Himmel rund um die Sonne waren in Mitteleuropa nicht besonders auffällig, während frühe LIDAR-Daten einiges mehr zeigten.

Viel zu lernen gab es v.a. in der Luft (die Ergebnisse eines DLR-Fluges über Island) und aus dem All (oder gleich parallel: vor 2 Jahren). Viel diskutiert werden nun Modelle der Aschen-Ausbreitung und Grenzwerte für den Luftverkehr – aber wir wissen jetzt wenigstens genau, woraus die Asche eigentlich besteht. Und ein spezieller Satellitensensor wäre künftig auch hilfreich. NACHTRAG: ein MODIS-Bild vom 7.5., ein Bericht aus der Nähe des Vulkans am 17.4. – und ein detaillierter Blog-Artikel zu Messungen und Konsequenzen. NACHTRAG 2: und noch ein klares MODIS-Bild und eine Lage-Beurteilung vom 10. Mai. NACHTRAG 3: und ein sehr klares Envisat-Bild vom 11. Mai nebst MODIS-Gegenstück (und neuem Lagebericht)!


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