Kosmologen lassen sich die Kalte Dunkle Materie nicht wegnehmen: Facetten einer Debatte

Vor einem Jahr wurde es hier schon einmal thematisiert: Gegen das in den vergangenen ~12 Jahren gewachsene Standard- oder Konkordanz-Modell der Kosmologie mit Dunkler Energie und Kalter Dunkler Materie als bei weitem dominanten Ingredienzien des Kosmos (daher auch die Kurzform LambdaCDM) stellen sich einige wenige Astrophysiker, die entweder ein grundsätzlich anderes Weltmodell vertreten oder im lokalen Universum so viele Probleme mit LambdaCDM sehen, dass sie dessen Erfolge im Rest des Kosmos für irrelevant halten. Ein Vertreter dieser Denkweise, Pavel Kroupa trat am 18. November bei einer öffentlichen Debatte an der Uni Bonn (oben) gegen Simon White an, der zunächst in einem rasanten Eröffnungsvortrag die Vorzüge von LambdaCDM preisen konnte: Egal wohin man im Kosmos schaut, immer passt nur dieses Weltmodell zu den Daten. Besonders krass ist dies bei den drei ersten akustischen Peaks des Powerspektrums der Kosmischen Hintergrundstrahlung vom WMAP-Satelliten, die massig nicht-baryonische Materie erzwingen. Aber auch das Strukturwachstum im sich entwickelnden Universum, die Massenprofile von Galaxienhaufen, die Halos von Galaxien: Immer passt’s. Fazit: Von 380’000 bis 13.7 Mrd. Jahren nach dem Urknall und auf Massenskalen von 10^7 bis 10^18 Sonnen gibt es “Beobachtungsbelege für eine unsichtbare Quelle von Schwerkraft”, die Kalte Dunkle Materie eben, bestehend aus bis jetzt noch hypothetischen WIMPs.

Die Kritik von Kroupa (Mitte) et al. bezieht sich weitgehend auf Probleme vom LambdaCDM in der lokalen Gruppe, was dank einer forschen Pressemitteilung eine Menge Echo in der Öffentlichkeit ausgelöst hat (z.B. hier, hier, hier und hier), während in Fachkreisen die Kritik beißend war (mehr, mehr und mehr). Auf der Skala von Galaxien mache LambdaCDM reihenweise falsche Voraussagen, während z.B. eine Modifikation der Newton’schen Schwerkraft im Sinne von MOND alles schön erklären könne. Beim großen Kosmos dagegen mußte Kroupa erhebliche Probleme eingestehen: Das Powerspektrum von WMAP kann z.B. nur erklärt werden, wenn man eine – nunmehr “Heiße” – Dunkle Materie in Gestalt eines hypothetischen sterilen Neutrinos mit 11 eV Masse einführt. (Als einen von mehreren Sidekicks hatte Kroupa übrigens einen der Autoren eines ebenfalls kontroversen Papers mitgebracht, das kurzerhand die WMAP-Powerspektren für fragwürdig erklärt, was seinerzeit ein Bisschen Aufsehen erregt hatte, etwa hier, hier oder hier.) Und ob solch ein Kosmos so schön die heute beobachteten großskaligen Strukturen hervorbringen kann, ist schlicht nicht bekannt, weil die Rechnungen dazu noch komplizierter als LambdaCDM sind – und keiner da ist, sie zu machen, weil MOND-Anhänger angeblich nirgends Arbeit bekämen.

Nach den beiden Eröffnungsvorträgen à 25 Minuten plus 5 Minuten direkte Nachfragen konnte das durch einige Werbung angelockte Publikum im zum Bersten gefüllten Hörsaal (Panorama) der eigentlichen Debatte lauschen (von der es übrigens aufgezeichneten Live-Blog und eine darauf basierende Zusammenfassung gibt): Kroupa konstatierte, dass “wir nicht wissen, was die Realität ist”, uns aber von LambdaCDM verabschieden müssten, weil es im lokalen Universum nicht passt – da sei es schlicht egal, dass es im großen Kosmos funktioniert. White konterte, dass es genau umgekehrt sei: Dass man Details unserer besonders komplexen Nachbarschaft noch nicht erklären könne, sei nicht weiter tragisch. (Dass es da noch einiges nachzubessern gibt, sehen auch andere prominente Autoren – aber bitteschön auf dem Boden des anderswo so erfolgreichen Standardmodells.) Kroupa musste eingestehen, dass MOND genau so “exotisch” wie LambdaCDM sei und ein davon regierter Kosmos gar “hässlicher” – und schwerer zu berechnen. Auch dass man jenseits galaktischer Skalen doch ein spekulatives Teilchen (jenes 11-eV-Sterilneutrino) braucht, stört den einstigen Vorteil der Einfachheit, aber damals brauchte MOND auch nur die flachen Rotationskurven der Galaxien zu erklären.

Auf die Frage (dieses Bloggers), was für eine potenzielle Entdeckung der kommenden Jahre ihn zum Umschwenken zu LambdaCDM bewegen würde, antwortete Kroupa nicht, während umgekehrt White das Standardmodell sofort fallen lassen würde, wenn eine andere, einfachere Theorie die Entwicklung des Kosmos genau so gut erklären würde. Aber die sei nirgends zu erkennen. Sollte allerdings nicht bald ein passender WIMP-Kandidat nachgewiesen werden, dann sei das ein Problem. Kroupa fürchtet dagegen umgekehrt, dass genau ein solcher Kandidat gefunden und sogleich zu dem Dunkle-Materie-Teilchen erklärt würde: Das würfe die Astrophysik um 30 Jahre zurück. Da allerdings mischte sich sogar der Moderator ein: So naiv seien die Physiker nun auch wieder nicht. Fazit der zweistündigen Nachmittagsunterhaltung auf hohem Niveau: LamdaCDM steht immer noch exzellent da, aber die von den Kritikern aufgezeigten Probleme – über deren Schwere man sich in der kurzen Zeit dann doch keine eigene Meinung bilden konnte – sollten schon angegangen werden. NACHTRAG: Kroupas Slides sind verfügbar geworden. NACHTRAG 2: Inzwischen gibt’s die Präsentationen und die Debatte als Podcasts, auch eine Mini-Fassung und einen Vortrag von der AG-Tagung zur Standardkosmologie – und einen weiteren Blog-Beitrag, der die Sicht dieses Beobachters teilt.

About these ads

Schlagwörter: , , , , , ,

12 Antworten to “Kosmologen lassen sich die Kalte Dunkle Materie nicht wegnehmen: Facetten einer Debatte”

  1. Joachim Blechle Says:

    Neue Kosmologie
    Die Zeit ist eigentlich noch lange nicht gekommen, um solche Gedanken offen auszusprechen. Ich will es trotzdem mal tun. Bei Wikipedia steht unter Kernspaltung: Nach Vermutungen von Enrico Fermi vertrat u.a. Ida Noddac die zutreffende Annahme der Spaltung des neugebildeten Kerns. Allerdings galten diese Vermutungen 1934 noch als unseriös.
    Anlass ist auch die von Gammastrahlen – Teleskop Fermi der NASA entdeckte Struktur im Zentrum der Milchstraße.
    Mir drängt sich auf, dass Galaxien aus Schwarzen Löchern heraus entstehen. Mit Erkenntnissen aus der Wissenschaft lässt sich der quantenphysikalische Prozess der Entstehung der Galaxien untersetzen. Diese Art der Entstehung erklärt vieles, was bisher nicht erklärbar war.
    Nun könnte man ja mal Simon White fragen, ob er es ernst meint mit seiner Aussage, das Standardmodell sofort fallen zu lassen, wenn eine andere, einfachere Theorie die Entwicklung des Kosmos genauso gut erklären würde.
    Mit freundlichen Grüßen
    Joachim Blechle

  2. Pavel Kroupa Says:

    Zur Aussage gegen Ende dieses Artikels,
    “Fazit der zweistündigen Nachmittagsunterhaltung auf hohem Niveau: LamdaCDM steht immer noch exzellent da,…”:

    Selbst das Geozentrische Weltbild ist nach wie vor eine exzellente Beschreibung der Bewegung der Planeten, weil nämlich beliebig viele Epizyklen hinzugenommen werden können – diese entsprechen einer reinen mathematischen Beschreibung ohne physikalischem Inhalt. Blos, es kommt heute kaum noch jemand auf die Idee zu argumentieren, dass das Geozentrische Weltbildt noch Gültigkeit hätte.

    Und genau das ist eines der schwerwiegendsten Probleme des heutigen Weltbildes. Um die Beobachtungsdaten (Hintergrundstrahlung, grossräumige Materieverteilung, usw.) in Übereinstimmung mit Einsteins’ Feldgleichungen zu bringen, _muss_ postuliert werden, das nicht-standard Physik existiert, welche die Struktur und Entwicklung des Universums zu mehr als 95 Prozent dominieren. Hier ist Inflation, Kalte Dunkle Materie, Dunkle Energie, und die neuerdings diskutierte Dunkle Kraft gemeint. Das Universum besteht also fast ausschliesslich aus unbekannter Physik.

    Dieses sind sehr ernsthafte Probleme. Hinzu kommt. dass die Hypothese der kosmologisch relevanten Kalten Dunklen Materie (KDM) _grundsätzlich nicht_ falsifiziert werden kann, wie ich im Vortrag sagte, weil immer eine Wechselwirkung postuliert werden, kann, welche die KDM Teilchen selbst mit den neuesten Experimenten undetektierbar macht – dieser KDM-Lösungsansatz ist also sehr unbefriedigend, insbesondere, weil die zuerst erwarteten Teilchen schon längst ausgeschlossen sind, und man mittlererweilen in einem Parameterraum sucht, der schon längst nicht mehr der favorisierte ist. Die postulierten Eigenschaften der KDM Teilchen ändern sich also ständig, und zwar so, dass die ständig ausserhalb der Detektionsgrenze der neuesten (und teuren) Apparaturen liegen. Dunkle Energie und Inflation sind physikalisch nicht verstanden, und sie stellen lediglich mathematische Ansätze dar. Diese Probleme hatte ich im Vortrag dargestellt, aber ein Zuhörer muss da schon genau aufpassen, um dieses mitzubekommen.

    Wenn man nun von solchen fundamentalen Problemen absieht (“Inflation”, “Dunkle Energie” und “KDM” werden ja schon längst als “Standardphysik” dargestellt), dann kann mann das Standard Modell der Kosmologie dadurch testen, in dem man die strengen Vorhersagen der Theorie genau dort überprüft, wo die Kalte Dunkle Materie _eindeutig_ in grossen Mengen dynamisch messbar vorhanden sein _muss_. Dynamisch messbar bedeutet. dass sich Sterne oder Gas zu schnell bewegen, so dass unsichtbare Materie (die KDM eben) vorhanden sein muss. Und hier haben wir nun im Lokalen Volumen exzellente moderne Daten für hunderte von Galaxien, und zudem über deren Anordnung im Raum.

    Und das ist mein Anliegen, dass nämlich _jeder_ einzelne Test, den man sich überlegen kann, zu der Falsifizierung der Theorie führt. Es ist ja nicht sp, dass ich (oder ein paar andere verrückte Wissenschaftler) Kalte Dunkle Materie “nicht mögen” – sie stellt ein sinnvolles Postulat dar, weil Einstein’s ART damit erhalten beibt. Als Wisenschaftler habe ich dieses Postulat über mehr als ein Jahrzehnt anhand immer besserer Daten getestet.

    Da muss man schon noch richtig Arbeiten, in der Hinsicht, dass es immer um statistische Aussagen geht: z.B. wie Häufig würde man gewisse Eigenschaften von Galaxien erwarten, wenn das Standard Modell als Gültig angenommen wird. Und diese Erwartungen müssen dann entsprechend mit den Daten verglichen werden. Es geht hier also nicht darum, ob irgendeine Galaxie “mal nicht stimmt”, sondern um allgemeine robuste Eigenschaften des Modells. Dieses haben wir in einer jüngst erschienen wissenschaftlichen Arbeit getan (Kroupa et al., 2010, Astronomy & Astrophysics, DOI: 10.1051/0004-6361/201014892). Und hier stellt sich nun einmal heraus, dass alle Aussagen der Theorie, die getestet werden, eben falsch sind, und dieses haben wir mit Signifikanzkriterien dargestellt.

    Die Aussagen, gegen ende dieses Blogs, dass ich keine Antwort auf die “Frage dieses Bloggers” gegeben hätte, möchte ich gerne korrekt darstellen: die Hypothese der Standard Kosmologie kann ja soziologisch nicht falsifiziert werden, weil nämlich jedesmal, wenn sie versagt in Anbetracht neuer Daten, _fast_immer_ ausgesagt wird, dass die Theorie in solchen Fällen nicht getestet werden kann. So lehnt es z.B. dieser Blogger ab, die Tests, welche wir gemacht haben (Kroupa et al.2010), zu akzeptieren, und er beruft sich lediglich auf die Aussagen der Anhänger der Standard Theorie, und scheint auch blind daran zu glauben, dass die “Standard-Physik” der Inflation, Dunklen Energie und Dunklen Materie, unsere Welt exzellent beschreiben. Auffälligerweise fragt er auch nicht, warum Simon White diese Probleme nicht addressiert hat.

    Die Frage, welche Beobachtungsdaten das StandardModell retten könnten, ist einfach nicht mehr relevant. Ich dachte, ich hätte dieses im Vortrag deutlich gemacht. Es wäre so, als würde man mich fragen, welche Beobachtungsdaten mich dazu bewegen würden, das Geozentrische Weltbild zu akzpetieren.

    Also Antwortete ich auf seine Frage mit der provokativen Hypothese: Angenommen es würde ein neues Teilchen entdeckt werden: Das Problem wäre dann aber, dass die Entdeckung eines Teilchens auf keine Weise die oben angesprochenen Probleme im Lokalen Volumen eliminieren würde. Es gibt keine physikalisch bekannten Prozesse, welche die Probleme auf den Skalen des Lokalen Volumens lösen können. Genau deswegen wird eben die Existenz einer völlig unbekannten “Dunklen Kraft” postuliert, welche dieses dann irgendwie bewerkstelligen soll. Wenn man diesen Weg nicht gehen möchte, weil es sich ja doch nur um die Addition eines weiteren Epizyklus handelt, dann ist die einzige verbleibende streng-logische Deduktion, dass es kein Kalte Dunkle Materie Teilchen geben kann. Das gefundene Teilchen würde also kosmologisch nicht relevant sein, aber, es würde mindestens 30 Jahre dauern, bis sich nach sehr vielen Doktorarbeiten herausstellt, dass selbst die Dunkle Kraft keine Lösung bringt, und das Standard Modell entweder entgütlig verworfen wird, oder aber eine weitere Dunkle Unbekannte ins Spiel gebracht wird. Die astronomischen Erkenntnisse sind heute aber schon so weit fortgeschritten, dass dieser kostspielige Umweg von ca 30 Jahren gar nicht erst begangen werden muss: die KDM kann es nicht geben.

  3. skyweek Says:

    @Kroupa: Als Augenzeuge der Geburt der heutigen Konkordanz-Kosmologie LCDM (auf der AAS-Tagung im Januar 1998) habe ich in den vergangenen 12 Jahren die stetig wachsende Zahl von unabhängigen Belegen auf großen Skalen wie auch erfolgreiche Vorhersagen (CMB-Powerspektrum) verfolgen dürfen: Daher stimme ich dem auch oben zitierten Fazit von E. Siegel bzgl. der lokalen Einwände zu: “‘Your Theory Doesn’t Do Everything!’ And That’s Okay.” White argumentiert genau so und schrieb mir inzwischen in einer privaten Mail, er bedaure, das in Bonn nicht noch stärker zum Ausdruck gebracht zu haben. Der Hauptpunkt ist die Komplexität der Galaxien in der Lokalen Gruppe, die wir ja zum Teil immer noch neu entdecken: Es sei einfach vermessen, von LCDM zu verlangen, hier auch noch alles konkret vorauszusagen.

    Eine Falsifizierung von LCDM konnte ich jedenfalls weder bei Ihrem noch Sanders’ Vortrag Tags darauf erkennen, nur eine Alternative, die in einem kleinen Teil des Raumes zu funktionieren scheint aber über den Rest keine überprüfbare Aussage machen kann. Die Falsifikation des geozentrischen bzw. hybriden tychonischen Weltbilds (der Weg war lange nicht so geradlinig wie oft dargestellt) erfolgte parallel durch eindeutige Beobachtungen, die nicht mehr durch bloße Verfeinerungen des alten Weltbildes zu fitten waren (konkret: Aberration des Sternlichts im 18., Sternparallaxen im 19. Jh.), und eine überzeugende Theorie, die Newton’sche Gravitation (spätes 17. Jh.), die Keplers empirische Gesetze ebenso zwanglos erklärt wie Beobachtungen in vielen anderen Bereichen der Physik. Von beidem sind MOND et al. nicht nur meines Erachtens noch Lichtjahre entfernt.

    Meine Frage steht also weiter im Raum, meinetwegen abgeschwächt: Was müsste – am Himmel oder im irdischen Labor – gefunden werden, damit Sie LCDM als zumindestens vergleichbar diskurswürdig wie eine MOND-artige Hypothese akzeptieren würden? Für ähnlich “exotisch” haben Sie ja fairerweise beide Ansätze erklärt. Ich stimme Ihnen übrigens auch in etwas anderem zu: Es wäre sehr wünschenswert, wenn aus den kosmologischen Beobachtungen konkretere Forderungen an die physikalischen Eigenschaften des CDM-Teilchens herausgearbeitet würden! Dann könnte man bei einer Entdeckung in Untergrundlabors oder im LHC leichter entscheiden, ob es das nun ist oder nicht (oder ob man womöglich mit mehreren verschiedenen DM-Teilchen arbeiten muss; Baryonen gibt’s schließlich auch mehr als eine Sorte).

  4. skyweek Says:

    @Blechle: Na, da fragen Sie ihn doch – seine Homepage nebst Kontaktdaten habe ich ja oben verlinkt. Allerdings erwähnte White in der Diskussion, dass er fast täglich Post mit exotischen Alternativ-Kosmologien auf den Tisch bekommt: Da muss die (kleine!) Community schon sehr genau abwägen, in was sie Gehirnschmalz bzw. (teure!) Computer-Zeit investiert. In der Regel sind es konkrete Beobachtungsdaten, die zu so etwas zwingen: Als Lambda im Januar 1998 ‘über uns’ kam, wollte die eigentlich keiner haben; auch mit CDM allein kam die Strukturbildung des Kosmos ganz gut hin. Ich selbst hatte übrigens 1996 einen führenden Strukturbildungs-Simulierer gefragt, warum er’s nicht auch mal mit Lambda versuche (ist schließlich eine Integrationskonstante der Einstein’schen Feldgleichungen, die nicht zwingend Null zu sein brauchte), und die Antwort war so was wie: Die Rechenzeit haben wir nicht, und das braucht auch keiner. Na ja, mit Lambda klappte es dann noch besser. Das z.B. müssten Sie (und die MOND-Männer natürlich irgendwann auch, ist ja erst 27 Jahre alt, deren Idee) toppen können.

  5. Dreimal Galaxien, von nah bis (ganz) fern « Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    [...] die in insgesamt 135 Bilder verformt werden. Die rekonstruierte Dichtekarte der DM (noch Zweifel …?) ist hier der in der Analyse verwendeten Aufnahme der ACS des HST (auf der man etliche der [...]

  6. Und wo steckt sie nun, die Dunkle Materie …? « Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    [...] Argumente für Kalte Dunkle Materie als bedeutendem Bestandteil des Universums sind das eine – aber ein mehr oder weniger [...]

  7. Himmelslichter Says:

    Anmerkungen zur Dunkle-Materie-Debatte: Pawel Kroupa vs. Simon White…

    Außergewöhnliches trug sich zu, am 18. November in Bonn: Simon White und Pawel Kroupa stritten über die Kosmologie – eine Debatte zwischen Astrophysikern für und wider die Dunkle Materie. Was hat man nicht alles gelesen …

  8. ariana Says:

    Zunächst etwas, was mit Wissenschaft nicht direkt etwas zu tun hat: Herr Fischer ist offensichtlich davon überzeugt, daß das LCDM-Modell richtig ist und bringt dies in seinem Blog auch klar zum Ausdruck. Diese Meinung zu haben ist sicher sein gutes Recht, und ebenso ist es sein gutes Recht, wenn er seinen Blog aus dieser Perspektive schreibt. Den Ton, den er dabei anschlägt, stört mich allerdings teilweise etwas. Insbesondere bezeichnet er die von Prof. Kroupa zu der Debatte eingeladenen Wissenschaftler als “Sidekicks”. Das ist ausgesprochen abwertend, wenn man bedenkt, daß er dabei vermutlich um Prof. Hensler, Prof. Sanders und Prof. Shanks meint; also die Leute die Prof. Kroupa am Ende seines Talks als seine Gäste vorstellte. Jeder von diesen Gästen ist aber selbst ein etablierter Wissenschaftler, und damit sicher kein “Sidekick”. Natürlich unterstützen diese Leute Prof. Kroupa während der Debatte, und es liegt auch nahe, das er sie deswegen eingeladen hat. Kann man dies Prof. Kroupa zum Vorwurf machen? Ich denke nicht. Prof. Kroupa gibt ja offen zu, daß er kein Experte für Kosmologie oder alternative Gravitationstheorien ist. (Man beachte, daß er das auch nicht sein muß um die Probleme beim LCDM-Modell zu erkennen, denn er vergleicht ja lediglich Beobachtungen mit Vorhersagen des LCDM-Modells.) Andererseits war davon auszugehen, das ihm insbesondere zu alternativen Gravitationstheorien auch Fragen gestellt werden würden. Wenn er da immer hätte sagen müssen “Das müssten sie einen Experten fragen, aber von denen ist heute leider keiner hier”, dann wäre das sicher für alle Anwesenden sehr unbefriedigend gewesen.

    Doch nun zur Wissenschaft. Herr Fischer schreibt, daß nur das LCDM-Modell das Universum auf großen Skalen gut beschreiben kann. Meiner Meinung nach ist das aber so nicht richtig. Das LCDM-Modell ist lediglich das am besten ausgearbeitete Modell. Und auch in diesem Modell gibt es eine Reihe von Annahmen. Neben dunkler Materie braucht man zumindest noch die dunkle Energie und eine rasante Ausdehnung des frühen Universums; die sogennante Inflation. Nichts von all dem ist verstanden und von Beobachtungen gestützte Evidenz dafür gibt es nur aus der Kosmologie. Warscheinlich ist genau das ein Grund dafuer, war warum Prof. White mehr E-mails mit alternativen Theorien bekommt, als er beantworten kann oder will.

    Es ist natürlich schön, wenn die Supernovadaten, der Mikrowellenhintergrund und Simulationen der Strukturbildung im Universum alle mit ein und demselben Menge an dunkler Energie im Universum konsistent sind. Ein Beweis für die Richtigkeit des LCDM-Modells ist das aber nicht; es bedeutet nur daß das LCDM-Modell diesen Test besteht, während es bei anderen Tests durchaus
    versagen kann. Versagen tut das LCDM-Modell tatsächlich auf der Größenskala von Galaxien, wie Prof. Kroupa in seinem Vortrag zeigte. Nun ist das LCDM-Modell aber zunächst auch auf diesen Skalen mit dem Anspruch aufgetreten, die Beobachtungen erklären zu können. Und das auch völlig zurecht, denn das Verhalten kalter dunkler Materie ist ziemlich genau festgelegt, selbst wenn man die Teilchen selbst nicht kennt. Genau deshalb macht es ja zunächst einmal Sinn, dass man auch das Verhalten kalter dunkler Materie auf Galaxienskalen simuliert – aber man muss auch Konsequenzen daraus ziehen, wenn das Universum sich auf solchen Skalen anscheinend anders verhält. Und hier gibt es große Unterschiede, je nachdem, wen man fragt:

    - Von Freunden der LCDM-Hypothese hört man häufig: “In Galaxien gibt es ja nicht nur dunkle Materie, sondern auch noch eine Menge Baryonen. Deshalb sind Galaxien sehr kompliziert, und durch unser Modell (noch) nicht im Detail zu beschreiben”. Man beachte allerdings, dass gerade einige Zwerg-Galaxien oft als von dunkler Materie dominiert angesehen worden sind – Baryonen eignen sich in diesem Fall also nicht als Entschuldigung dafür, warum es auch hier zu Widersprüchen zwischen Theorie und Beobachtungen kommt. (Also die widersprüche, die Prof. Kroupa am LCDM-Modell zweifeln lassen.)

    - Gerade in letzter Zeit wird in diesen Kreisen anscheinend auch die folgende Aussage beliebt: “Jede physikalische Theorie hat einen gewissen Anwendungs- und Gültigkeitsbereich. Und Galaxien liegen ausserhalb dieses Bereiches (siehe: http://scienceblogs.com/startswithabang/2010/06/your_theory_doesnt_do_everythi.php).” Im Grunde habe ich weiter oben ja schon etwas dazu gesagt.

    - Oder es werden neue Kräfte eingeführt, die nur zwischen den Teilchen der dunklen Materie wirken. Effektiv wird damit ein neuer Freiheitsgrad einführt, wodurch man das LCDM-Modell besser an die Beobachtungen anpassen kann. Allerdings tauchen dann im LCDM-Modell (unter anderem) hypothetische Teilchen mit hypothetischen Wechselwirkungen auf, und da darf man sich schon fragen, in welcher Weise das LCDM-Modell anderen Modellen überlegen sein soll.

    - Und es gibt natürlich auch solche, die aufgrund der Probleme des LCDM-Modells nach Alternativen dazu suchen. Die meisten (wenn nicht alle) der bisher vorgeschlagenen Alternativen werden falsch sein. Um die Spreu vom Weizen zu trennen, müssen diese Alternativen ausgearbeitet und getestet werden, so wie man es mit dem LCDM-Modell macht.

    Ich bin überzeugt davon, dass wir bei der Suche nach dem besten Modell für das Universum noch am Anfang, und nicht am Ende stehen. Das LCDM-Modell ist dabei das (bisher) am besten ausgearbeitete und am besten gestestete Modell, aber dadurch wird es noch nicht zum richtigen Modell.

  9. skyweek Says:

    “Das LCDM-Modell ist dabei das (bisher) am besten ausgearbeitete und am besten gestestete Modell, aber dadurch wird es noch nicht zum richtigen Modell.” Genau so wenig ist es aber “zu 100% falsifiziert”, wie Kroupa sagt, nur weil es einiges – noch – nicht erklären kann. Als zufälliger Augenzeuge seiner ‘Geburt’ in Washington im Januar 1998 habe ich sein Aufwachsen mit Spannung verfolgt: Volljährig ist es mit 13 ja noch nicht, aber für einen Teenager ganz schön robust … (Die Spitze mit den ‘Sidekicks’ bezog sich nur auf den Stil, die streitlustige ‘Verstärkung’ unangekündigt im Publikum zu platzieren; einmal musste der Diskussionsleiter ja auch eingreifen.)

  10. matti Says:

    Der Vergleich mit den Epizyklen und der DM ist nicht nur gut, er stimmt sogar. Es handelt sich, bei beiden Berechnungen, um den falschen Drehpunkt.
    Wenn man den visuellen Drehpunkt vom gravitativen Drehpunkt unterscheidet, dann ist man schon fast bei der Lösung des Problems.
    Bei den Epizyklen war der visuelle Drehpunkt, die Erde, das Zentrum der Berechnung. Das ist falsch. Richtig ist das gravitative Zentrum, die Sonne, als Zentrum für die Berechnung zu nehmen.
    Bei der DM ist der visuelle Drehpunkt, das Zentrum der Galaxie, das Zentrum der Berechnung. Das ist falsch. Richtig ist das gravitative Zentrum, das man aus der Summe der Kräfte und Richtungen der Einzelmassen bildet, als Zentrum für die Berechnung zu nehmen.
    Googlen unter “Dunkle Materie Epizyklen”, dort finden sich auch Berechnungen , die auch in unserem Planetensystem leicht eine DM ausrechnen lassen, wenn man über das falsche Drehzentrum rechnet.

  11. Ein neuartiger Nachweis Dunkler Materie in Galaxien « Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    [...] Zwar wissen wir dadurch immer noch nicht, woraus die DM eigentlich besteht, aber angesichts der Evidenz im großen Kosmos für sie ist ein neuartiger Nachweis ihrer Existenz im Inneren von Galaxien ein wichtiger [...]

  12. Physik-Nobelpreis für die Dunkle Energie! « Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    [...] für die Preisvergabe war, wie das Nobelkomitee gerade auf seiner PK betonte: zusammen mit der Dunklen Energie bildet sie die Basis der modernen Kosmologie. Und war gab’s nix für Vera Rubin, die als [...]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ photo

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 247 Followern an

%d Bloggern gefällt das: