Archive for 9. Dezember 2010

Nachrichten aus der Astronomie kompakt

9. Dezember 2010

Erstes Westerbork-Teleskop mit neuer “Weitwinkel-Radiokamera” APERTIF getestet

Schon 40 Jahre ist das niederländische Radiointerferometer WSRT alt, aber dank einer neuen “Weitwinkel-Radiokamera” spielt es bald wieder ganz vorne mit: APERTIF, an einem der Teleskope installiert, hat das durch die gleichzeitige Beobachtung zweier weit am Himmel voneinander entfernter Pulsare demonstriert. (ASTRON Press Release 22.11.2010)

Das LCOGT-Teleskopnetzwerk wird weiter ausgebaut: Z.Z. besteht es aus den beiden Faulkes-Teleskopen mit je 2 m Öffnung, zu denen sich aber noch 12 1-m- und 20 40-cm-Teleskope gesellen werden. Der gesamten Astronomie für zeitvariable Phänomene – und insbesondere der Exoplanetenforschung – eröffnen sich damit neue Perspektiven. (Shporer & al., Preprint 29.11.2010)

China will auf dem “Dome A” in der Antarktis zwei Teleskope bauen, das Kunlun Dark Universe Telescope mit 2.5 m Öffnung und ein Sub-mm-Teleskop mit 5 m Durchmesser – so sieht es ein 5-Jahr-Plan ab 2011 vor. China testet schon seit 2008 die atmosphärischen Bedingungen auf diesem entlegenen Platz des Planeten, der extrem trockene Luft und gutes Seeing verspricht – wenn man das Teleskop auf einen mindestens 14 m hohen Sockel setzt. (Science 3.9.2010 S. 1136)

Zwei Galaxien mit spektroskopisch gemessenen Rotverschiebungen jenseits von 7

sind bei einer Spektroskopie-Kampagne mit dem VLT entdeckt worden: Auffällige Emission bei 974 bzw. 986 nm kann nichts anderes als die Lyman-Alpha-Linie sein. Ein Rekord für die spektroskopisch gemessene Rotverschiebung von Galaxien ist dies angesichts eines Objekts mit z=8,56 (ISAN 122-6) indes nicht. (Vanzella & al., Preprint 24.11.2010)

Seltenes Paar aus Braunem und Weißem Zwerg

Paare aus Braunen Zwergen und Hauptreihensternen gibt es zuweilen, aber LSPM 1459+0857AB ist offenbar das, was nach Jahrmilliarden davon übrig bleibt: Zwar ist der Abstand der beiden mit rund 1/4 Lichtjahr groß, aber sie gehören offenbar zusammen. Das eröffnet eine neue Möglichkeit, Aussagen über Eigenschaften des Braunen Zwergs vom Spektraltyp T4.5±0.5 zu treffen, denn der Weiße Zwerg liefert ein Alter des Paares von mindestens 4.8 Mrd. Jahren. (Day-Jones & al., Preprint 17.8., JACH, Gemini Releases 23.11.2010)

Entwicklungsrechnungen von Cepheiden überschätzen deren Massen, vermutlich weil Sternwindverluste nicht berücksichtigt werden, während die aus den Pulsationen berechneten Massen korrekt sind: Das hat die erste Massenbestimmung eines Cepheiden auf 1% genau (dank eines Bedeckungspaares in der LMC) erwiesen. (Pietrzynski & al., Nature 468 [25.11.2010] 542-4; ESO Release 24., Ars Technica 26.11.2010)

“Unerklärliche” superhelle Supernova 2009dc

Sie hat gewisse Ähnlichkeit mit den SNe 2003fg, 2006gz und 2007if, die alle zur möglichen Klasse besonders heller “Super-Chandrasekhar-Supernovae” gezählt werden, aber “kein Modell ist in der Lage, alle ihre Eigenschaften zu erklären”: Die SN 2009dc sah aus wie eine gewöhnliche Supernova des Typs Ia, war aber absolut wesentlich heller. Immerhin zeichnen sich Trends ab: Solche superhellen Supernovae gibt es v.a. in Galaxien geringer Masse und Metallizität, was irgendwie eine Rolle zu spielen scheint. (Taubenberger & al., Preprint 25.11.2010. Und als Kontrastprogramm eine besonders schwache Supernova vom Kernkollaps eines massearmen Progenitors)

Spuren eines großen Impakts noch nach Jahrmilliarden in Sedimenten nachweisbar

Mikrostrukturen in Quarz-, Zirkon- und Monazit-Körnern zeugen auch heute noch von einem gewaltigen Impakt in Südafrika, dessen Krater bis auf den Vredefort-Dome weitgehend erodiert ist. Aber die Schockspuren in den Mineralien haben alle Erosion, Transportprozesse und Sedimentation überstanden. (Astrobiology 22.11.2010)

Ungebundene Asteroidenpaare entstehen durch Spaltung schnell rotierender Vorgänger, legt die Statistik der Rotationsraten von 35 Kleinplaneten nahe: Der größere der beiden Asteroiden auf ähnlichen Bahnen (die sich auf einen gemeinsamen Ursprung zurückrechnen lassen) rotierte jeweils fast so schnell, dass es ihn zerreisst. (Pravec & al., Nature 466 [26.8.2010] 1085-8; Univ. of CO, Berkeley Releases 25., ESO Release 26., Welt der Physik 27.8.2010; Tel Aviv. Univ. page)


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