Archive for März 2011

Weitere größere Artikel

18. März 2011

Maunder-Minimum kündigte sich schon länger an, denn die Maxima davor wurden immer schwächer.

Jüngster »erwachsener« Galaxienhaufen aufgespürt, mit Rotverschiebung 2.07 – alles schon dran.

Großer Asteroidenbesuch im November vom 400-m-Brocken 2005 YU55.

Kleinere Artikel

Ein Brauner Zwerg mit nur 30°C Oberflächentemperatur? Noch ist die Entfernung nicht bewiesen!

Planet von Beta Pictoris auch im Nah-IR zu sehen bei 2 statt bisher 4 µm.

STEREO-Satelliten auch als Sternfotometer zu gebrauchen – für fast eine Million helle(re) Sterne!

Einschuss perfekt gelungen: Wir haben einen Orbiter um den Planeten Merkur!!!

18. März 2011

Vor 1 1/2 Stunden ist der Einschuss der Raumsonde MESSENGER in eine Umlaufbahn um den Merkur (“MESSENGER …”) allen Indizien nach mit absoluter Perfektion geglückt – begleitet von einem lebhaften gut zweistündigen Webcast aus dem zuständigen Applied Physics Lab der Johns Hopkins University und begeisterter Anteilnahme auf Twitter. Kurioserweise feierte man dort die Meilensteine der Orbit Insertion in Spacecraft Event Time, d.h. die Triebwerkszündung von 1:45-2:00 MEZ, während man am APL – wie in der interplanetaren Raumfahrt üblich – die 9 Minuten Signallaufzeit addierte und Ereignisse erst in Earth Received Time zur Kenntnis nahm. Was ja auch Sinn macht: Als der Dopplereffekt auf das Funkträgersignal (Plot ganz oben) jene Marke passierte, ab der ein gebundener Orbit erreicht sein musste, wurde zum ersten Mal heftig applaudiert (2. Bild: die “zwei Mikes” mit dem Kommentar), und als der Burn korrekt geendet hatte, wurde auch in der Mission Control gefeiert (Mitte). Der Kontrollraum leerte sich danach verblüffend schnell (4. Bild), aber nochmal richtig applaudiert werden konnte keine Stunde nach dem Einschuss (unten), als MESSENGER wieder mit hoher Datenrate funkte – aus einer offenbar perfekten Umlaufbahn und ohne jede Störung während des Burns oder danach. (Da hat dann auch der Chef gratuliert.) Die Sonne, der Merkur, die Venus, die Erde, ihr Mond und mehrere Lagrangepunkte, der Mars, mehrere Asteroiden, der Jupiter und der Saturn haben oder hatten damit künstliche Satelliten: eigentlich nicht schlecht für ein halbes Jahrhundert Raumfahrt …

If you know your full moon you will note it is bigger than often on March 19!

17. März 2011

Warum die Anti-Perihelvollmond-“Aufklärung” falsch ist und man am 19. März mit dem bloßen Auge sehr wohl sehen können wird, dass der Vollmond besonders groß ist, dazu viel Sonnenaktivitätlichkeiten, viele Bilder von Merkur am Abend beim Jupiter und manches mehr im neuen Cosmos 4 U!

Deep Sky, multispektral: neun aktuelle Ansichten

16. März 2011

Der Bugschock des Sterns Ampha Cam im Infraroten, ein Vermächtnis des seit einem Monat schlummernden Satelliten WISE: Der starke Sternwind des mit 700 bis 4000 km/s durch den Raum rasenden Überriesen prallt auf das interstellare Medium, wo Gas und Staub zusammen gedrückt und aufgeheizt werden – leuchten sieht man’s aber nur im IR.

Der Protoplanetarische Nebel PK166-06 alias CRL 618 alias AFGL 618 (auch Westbrook Nebula) aus Hubble-Sicht: Der Stern in der Mitte ist noch nicht zum Weißen Zwerg geworden, und daher strahlt der Nebel auch nur schwach.

Ein Ausschnitt aus dem Tarantel-Nebel mit der ACS des HST: Supernovae der jüngeren Vergangenheit haben in diesem Sternentstehungsgebiet in der LMC jene Gas- und Staubfilamente produziert, deren angebliche Ähnlichkeit mit Spinnenbeinen ihm einst den Namen gab.

Wilde Strukturen im Sternentstehungsgebiet NGC 6729 haben junge Sterne geschaffen, die man selbst auf dieser VLT-Aufnahme gar nicht sehen kann, weil sie noch in Staubwolken stecken: Nur durch durch die leuchtenden Herbig-Haro-Objekte, die ihre Ausströmungen verursachen, machen sie sich bemerkbar.

Das Sternentstehungsgebiet Sh2-284 im IR, ein anderes Bild aus dem WISE-Archiv: Mitten drin sitzt der Sternhaufen Dolidze 25, und die starke Strahlung der jungen Sterne dort verursacht im Gasnebel dieselben “Elefantenrüssel”-Erosionsstrukturen wie man sie z.B. auch aus dem Adlernebel kennt.

Die Starburst-Galaxie Messier 82 mal ganz anders: eine Kombination aus Chandra-Röntgendaten (blau), Nah-IR-Bildern von Hubble (grün; Sterne) und Mittel-IR-Daten des Subaru-Teleskops (rot) – damit ist klar, dass der berühmte Superwind dieser Galaxie nicht auf einen bestimmten Sternhaufen sondern eine ganze Reihe verteilter Quellen zurück geht.

Noch ein multispektrales Galaxien-Komposit, von der Zentralregion von NGC 4151: Hier trugen Chandra (blau), sichtbares Licht (gelb) und Radiostrahlung (rot) bei; der aktive Kern hat wohl mit einem Ausbruch – der Mechanismus ist nicht offensichtlich – für die Röntgenstrahlung gesorgt.

Ein Spitzer-Bild von Messier 63 im Infraroten von 3.6 bis 24 µm – keine besonderen Vorkommnisse, nur ein Pretty Picture …

NGC 247 mit dem 2.2-m-Teleskop der ESO: nach neuer Analyse der Cepheiden in der Galaxie nur 11 Mio. Lichtjahre entfernt und damit eine der nächst gelegenen Galaxien am Südhimmel.

Nachrichten aus der Raumfahrt kompakt

15. März 2011

Zwei geheimnisvolle Starts (Delta 4, Atlas 5) gelungen – Glory auf Taurus XL verloren

Ohne Probleme gelangten am 12. März ein geheimer Satellit des National Reconnaissance Office – NROL-27 alias Gryphon – auf einer Delta 4 (oben) und am 5. März das zweite Exemplar des mysteriösen Minishuttles X-37B auf einer Atlas 5 (Mitte) in den Orbit, doch der Glory der NASA (“Start des Klimasatelliten …”) ging beim erneuten Fehlstart einer Taurus XL am 4. März (unten) verloren. Bereits der letzte Start dieser Rakete vor 2 Jahren hatte einen NASA-Klimaforscher vernichtet (Kurzmeldung unten), als sich – genau wie jetzt wieder – die Nutzlastverkleidung nicht löste und Rakete samt Satellit in antarktische Gewässer stürzten. Der Mechanismus des Verkleidungsabwurfs war daraufhin durch den seither dreimal bewährten der Minotaur-4-Rakete ersetzt worden; dass sich das Versagen nun wiederholte, war ein totaler Schock für die Firma Orbital Sciences, die der NASA sowohl die Rakete wie den Satelliten geliefert hatte: NASA Release 9., Nature 7. Space Today 4.3.2011; viele weitere Links im Cosmic Mirror #341.

Auch diesmal kann wieder nur spekuliert werden, was an Bord des 2. X-37B ist, der ca. 270 Tage im Orbit bleiben soll: Verraten hat die USAF lediglich, dass man diesmal gezielt bei stärkerem Wind landen will, um diese Technik weiter zu testen. Beobachter tippen, dass an Bord Sensor-Technologie für künftige Aufklärungssatelliten getestet werden soll (für Aggressiveres wäre der Shuttle weder groß noch wendig genug); der Verdacht, dass ein Programm ein weitgehend zweckfreier Selbstläufer sei steht aber weiter im Raum. Wann der 1. Shuttle zum 2. Mal starten soll – was erst seine Wiederverwendbarkeit beweisen wird – scheint noch nicht fest zu stehen: Boeing, USAF Releases, Start-Bilder (mehr), Spaceflight Now, Space.com (später), TIME, LA Times, Universe Today, Space Today (früher), Tagesschau, Welt. Zum Start des Gryphon – spektakulär bei Sonnenuntergang; Amateurbilder hier, hier, hier, hier und hier und Videos hier und hier – gab es offiziell nur heiße Luft, man mutmaßt aber, dass es sich um einen leistungsfähigen Kommunikationssatelliten für Aufklärungsdaten handelt: Universe Today, Space Today, Eureka.

Europäischer GPS-Overlay fertig: EGNOS für Flughäfen

Das European Geostationary Navigation Overlay System ist nach 15 Jahren Entwicklung seit dem 2. März zertifiziert und damit reif für die Anwendung im Luftverkehr, der kritischsten aller möglichen Nutzungen von Satellitennavigation: Gut 40 über Europa verteilte ortsfeste Empfänger bekommen ständig ihre vermeintliche Position durch das amerikanische GPS-System geliefert, ermitteln die Fehler und verteilen diese Information über drei geostationäre Satelliten. Wer also gleichzeitig GPS nutzt und diesen Zusatzservice empfängt, dessen jährlicher Betrieb rund 110 Mio. Euro kostet (Finanzierung nach 2013 noch unklar!), kann seine Position im 3D-Raum mit absoluter Genauigkeit angeben. (Space News 3.3.2011)

Zumindest die erste Phase der GPS-Konkurrenz Galileo ist nun sicher finanziert: Damit können die ersten 18 (“Galileo-NavSats …”) – bereits im Bau befindlichen – Satelliten gestartet werden, und es bleiben noch Reserven für Unvorhergesehenes. Die Komplettierung des Systems auf 30 Satelliten dürfte indes vor 2014 kaum anzugehen sein. (Space News 3.3.2011)

Die erste Buchung wissenschaftlicher Flüge auf bemannten Suborbitalraumschiffen

hat das Southwest Research Institute vorgenommen: Mit dem SpaceShipTwo (“Zoff …”) von Virgin Galactic soll es bis in mindestens 100 km Höhe gehen und mit dem Lynx Mark 1 von XCOR immerhin noch 60 km hoch (was zwar kein Weltraum aber immer noch ziemlich hoch ist). Materialwissenschaft unter µg – zum Verhalten von Asteroiden-Regolith – und medizinische Selbstversuche sind ebenso geplant wie der Wiederflug des astronomischen UV-Teleskops SWUIS (Southwest Ultraviolet Imaging System), das 1997 auf dem Space Shuttle Discovery im Orbit war. In der US-Wissenschaft besteht generell ein großes Interesse an der Nutzung (“Suborbital-Raumschiffe …”) der kommerziellen Suborbitalschiffe: Sie stellen eine Nische zwischen Parabelflügen und der ISS dar, auf die nur sehr schwer zu kommen ist. Noch unklar ist, wie viel Training die Wissenschaftler, die die Experimente in den 5 Minuten µg betreuen, benötigen werden – und ob sie sich auch in der Schwerelosigkeit amüsieren dürfen oder fest angeschnallt werden … (Virgin Galactic Press Release 28.2., Space Today 1., The Space Review 14.3.2011)

China verfolgt offenbar Pläne für eine große Raumstation: Der dieses Jahr startenden Ministation Tiangong-1 (“In rund einem Jahr …”), die erst unbemannt Shenzhou 8 und dann zwei Besatzungen aufsuchen werden, sollen 2013 eine größere und 2015 eine noch größere Station folgen – und im Zeitraum 2020-22 wird dann eine 60-Tonnen-Station aufgebaut, die 10 Jahre halten soll. Und etwas Sinnvolles damit anfangen wollen die Chinesen angeblich auch. (Space.com 7.3.2011)

Neue Chance für DSCOVR als Weltraumwetterwächter?

Im NASA-Budget-Entwurf für 2011 steht es jedenfalls drin: Der einst von Al Gore (“Der „GoreSat“ …”) als kurioser Erdbeobachter, der immer auf die Tagseite schaut, initiierte Satellit, der politischen Ränkespielen zum Opfer fiel und seit 7 Jahren eingelagert ist, wird demnach mit Detektoren für solare Teilchen erweitert und soll im Lagrangepunkt 1 den uralten Advanced Composition Explorer ablösen, der seine Nennlebensdauer schon um 12(!) Jahre überschritten hat. Mit einem Start Ende 2013 käme er gerade recht zum Sonnenmaximum. (Spaceflight Now 21.2.2011) NACHTRAG: ein langer Artikel zur Odyssee des Satelliten. NACHTRAG 2: weitere Entwicklungen.

Die dritte Generation der Meteosats ist gesichert, nachdem die Statthalter-Regierung Belgiens als letzte die Mittel für Meteosat Third Generation (“Meteosats der 3. …”) freigegeben hat – damit wird es Euro-Wettersatelliten auch die nächsten 30 Jahre geben. Und zwar sechs MTG-Satelliten, die ab 2018 starten sollen, Kostenpunkt rund 3.4 Mrd. Euro. (Eumetsat Release, BBC 25.2.2011. Und Chosun Ilbo 10.3.2011 über den Beinahe-Zusammenstoß u.a. eines koreanischen Wettersatelliten mit einem im GEO herumirrenden russischen Satelliten)

Die ersten kalibrierten Messungen der UV-Strahlung der Sonne durch den Satelliten PROBA-2

und sein LYRA-Instrument liegen nun vor: Es misst mindestens 20-mal pro Sekunde die Irradianz in vier Wellenlängen und ist damit ein ideales Frühstwarnsystem für Flares und Ähnliches. Die Kamera SWAP auf demselben ESA-Satelliten (“Proba-2 …”) – der auch noch diverse Technologie- und weitere wissenschaftliche Experimente trägt – kann dann nachschauen, wo auf der Sonnenscheibe die zusätzliche UV-Strahlung her kommt. (ESA Release 10.3.2011. Und eine DLR PM 15.3.2011 zur zeitweiligen Übernahme der Kontrolle des PRISMA-Satellitenpärchens durch das DLR [NACHTRAG: DLR Blog dazu] – ab Sommer sind wieder die Schweden dran)

GOCE hat das beste Geoid aller Zeiten bestimmt und am 2. März das erste Jahr seiner Vermessung des Schwerefelds der Erde abgeschlossen – die Verlängerung der Mission bis Ende 2012 ist bereits beschlossen, um die Daten noch weiter zu verbessern. (ESA Release 4.3.2011)

Vier Finalisten für die dritte Mittelklasse-Mission der Cosmic Vision

der ESA (M3) sind aus 47 eingegangenen Vorschlägen ausgewählt worden: ein Exoplaneten-Spektrograph, ein großflächiger Röntgensatellit, eine Sample Return von einem Asteroiden und ein Satellit für fundamentalphysikalische Experimente. Der Gewinner darf auf einen Start im Zeitraum 2020-22 hoffen, nach M1 und M2 in den Jahren 2017-18: Noch dieses Jahr werden die beiden Glücklichen aus den drei Kandidaten (“Drei Finalisten …”) Euclid, PLATO und Solar Orbiter ausgewählt. (ESA Release 25., BBC 26.2.2011. Und Space News 25.2., New Scientist 2., Space News 11.3.2011 zu neuem – diesmal technischem – Ärger mit dem JWST, dessen Detektoren aus unerfindlichen Gründen rapide vergammeln und u.U. für 30 Mio.$ ersetzt werden müssen)

Der nächste große US-Astrosatellit WFIRST kann frühestens 2025 starten, weil die enormen Kosten- und Terminüberschreitungen beim JWST den Astro-Etat massiv belasten. Am liebsten würden die Amerikaner doch noch bei Euclid einsteigen, aber der Zug scheint abgefahren. Ein Szenario steht aber noch im Raum: Fällt Euclid bei der M2/M3-Wahl durch, dann könnte die Mission eines Dunkelenergie-Forschers vielleicht separat als 50:50-Partnerschaft mit der NASA gerettet werden – die sonst in der Weltraumastronomie ähnlich ins Hintertreffen zu geraten droht wie es die US-Teilchenphysiker gegenüber dem CERN bereits sind … (Science 4.3.2011 S. 1121)

Voyager 1 dreht sich auf Kommando im Raum

Inzwischen im Heliosheath am Rande des Sonnensystems angekommen, hat sich die 33 Jahre alte Raumsonde am 7. März planmäßig gedreht, um den Anströmwinkel eines Messgeräts für den Sonnenwind zu ändern – es misst seit einer Weile die Geschwindigkeit Null (siehe ISAN 126-10), und das bedeutet vermutlich, dass der solare Teilchenstrom hier aufgehalten wird und zur Seite abknickt. Die Analyse der Daten wird dauern, und auch weitere Pirouetten Voyagers sind geplant – ein Manöver, das (bis auf einen Vortest) seit 21 Jahren nicht mehr durchgeführt wurde, damals zur Aufnahme des Portraits des Sonnensystems. (JPL Release, Universe Today 8.3.2011)

Der Saturnmond Enceladus hat eine noch viel stärkere innere Wärmequelle als bisher gedacht, 15.8 GW, haben IR-Messungen Cassinis am Südpol (wo die ‘Tigerstreifen’ einen Blick ins Innere erlauben) gezeigt – und eine offensichtliche Ursache gibt es nicht! Vielleicht verändern sich die orbitalen Verhältnisse von Enceladus und Dione in einer Weise, dass die Gezeitenheizung zeitweise stark erhöht ist, und wir haben gerade Glück (“Enceladus nur …”)? Jedenfalls ist nun noch wahrscheinlicher, dass es im Enceladus-Inneren flüssiges Wasser gibt, was den kleinen Mond astrobiologisch noch interessanter macht. (JPL Release 7.3.2011)

MESSENGER vor dem Eintritt in den Merkur-Orbit!

In der Nacht vom 17. zum 18. März wird die NASA-Sonde MESSENGER, die bereits dreimal am Merkur vorbei flog, von 1:45 bis 2:00 MEZ ihr Triebwerk zünden, 31% des Treibstoffvorrats verbrennen und die Geschwindigkeit um 862 m/s verringern: Schon während des Manövers sollte dessen genereller Erfolg zu bemerken sein, und gegen 3:00 MEZ wird feststehen, ob der Zielorbit (“MESSENGER keine 100 Tage …”) erreicht wurde. Nur sehr vorsichtig werden dann in der neuen permanent heißen Umgebung die wissenschaftlichen Instrumente wieder in Betrieb genommen, mit dem Beginn regulärer Beobachtungen am 4. April: Bilder aus dem Orbit wird es z.B. noch zwei Wochen lang keine geben. Und auch danach wird nur ein ausgewähltes Bild pro Tag gezeigt: Im Gegensatz zu etwa Cassini wird das Projekt den ständigen Fluss der Rohbilder unter Verschluss halten, so dass der Rest der Welt sie erst nach Monaten über das zentrale Archiv zu Gesicht bekommen wird. (JHU APL Release, Visuals, U. Colorado PR, Science@NASA, Planetary Society Blog, New Scientist 15., UA News 11.3.2011)

Dawn nähert sich dem Asteroiden Vesta mit nur noch 700 m/s, und die Geschwindigkeit sinkt jeden Tag, den das Ionentriebwerk eingeschaltet (“Asteroidensonde …”) ist, um 7 m/s: Im Juli wird die erste Umlaufbahn in 2400 km Höhe erreicht, später geht es auf 660 und schließlich sogar 200 km hinunter, bevor die Reise im Juli 2012 in Richtung Zwergplanet Ceres fortgesetzt wird. Schon jetzt ist Vesta übrigens am Dawn’schen Himmel das nach der Sonne hellste Objekt. Um dessen systematische Kartierung zu trainieren (80% der Oberfläche liegen im Licht), ist schon mal das bestmögliche 3D-Modell aus Hubble- und erdgebundenen Bildern (siehe ISAN 121-9) erstellt worden. (Dawn Journal 27.2., JPL Release, DLR PM 10.3.2011. Und das Planetary Society Blog 7.2.2011 über den Vesta-Körper mit seinem großen Krater)

Die Folgen des japanischen Riesenbebens aus dem Weltraum

13. März 2011

zu sehen, ist nicht immer überzeugend: Es sind vor allem die Auswirkungen des gewaltigen Tsunamis, die sich durch Vorher/Nachher-Vergleiche zeigen wie hier einem Paar der Rapid-Eye-Satelliten. Andere Bildpaare wurden bereits vom Satelliten IKONOS [NACHTRAG: (auch als Animation), von DigitalGlobe] und vom NASA-Satelliten Terra veröffentlicht; klassische Luftbilder zeigen das Ausmaß der Zerstörungen allerdings viel deutlicher. Auch dieses große Beben hatte wieder globale geophysikalische Effekte. NACHTRAG: weitere Berechnungen zu Effekten auf Tageslänge und Erdachse. NACHTRAG 2: Das Beben ließ den ganzen Planeten schwingen, Periode 6.5 min.

Verformungen Neuseelands nach dem Beben vom 21. Februar hat hier der japanische Advanced Land Observing Satellite vermessen: Wie sich aus der interferometrischen Verarbeitung von Radardaten – differential interferometric SAR – vom Januar und Februar ergibt, wurde die Erdkruste um bis zu 40 cm deformiert.

Auch der Hawaii-Vulkan Kilauea hat sich verformt, im Zusammenhang mit einem Ausbruch seit dem 5. März: Diesmal stammen die interferometrischen Radardaten von den italienischen COSMO-SkyMed-Satelliten.

Patagonische Gletscherseen haben verschiedene Farben, zeigt ein Echtfarbbild des Moderate Resolution Imaging Spectroradiometer auf dem Terra-Satelliten: Unterschiedliches Gestein wurde von den Gletschern abgeschliffen, das dann als Sediment in den Seen landete.

Die junge Mondsichel vor ein paar Tagen über der Erde, aufgenommen von der ISS aus – bei solchen Anblicken wird auch der abgeklärte Raumfahrer zum Astrofotografen …

Ein superscharfes Mosaik der Rückseite des Mondes aus 15’000 Aufnahmen der WAC auf dem Lunar Reconnaissance Orbiter – dank des oft schrägen Lichteinfalls tritt die Topografie und Morphologie besser hervor als auf bisher verfügbaren Mondmosaiken.

Ein bemerkenswerter Doppelkrater auf dem Mars ist dem Mars Reconnaissance Orbiter vor die HiRISE-Linse gekommen: Hier ist offenbar ein Körper aus zwei nur locker zusammen hängenden Brocken – vielleicht wie Komet Hartley 2 – eingeschlagen, die sich allerdings kurz vor dem Aufprall getrennt hatten.

Noch ein kurioser Marskrater, außergewöhnlich lang und vom Mars Express erfasst: Hier scheint eine ganze Kette von Körpern eingeschlagen zu sein, unter einem sehr schrägen Winkel.

Jede Menge schmale Gullies auf dem Mars, nur 1 bis 10 m breit, dominieren dieses HiRISE-Bild eines Abhangs – jedenfalls entsprechen diese Minikanäle der Geologen-Definition für das englische Wort “Gully”, während die berühmteren breiten “Mars-Gullies” eher “Ravine” alias Tobel genannt werden müssten.

Drei ganz verschieden große Saturnmonde sind auf diesem Cassini-Bild vom 15. Januar zu entdecken: der dicke Titan (5150 km), Enceladus (504 km; ganz rechts, knapp unter den Ringen) und Pandora (81 km) ganz links hinter dem F-Ring.

Eine bemerkenswerte Sonnenprotuberanz am 7. März, erwischt vom SDO – seither hat es auch wieder einen X-Flare gegeben, mit Aurora-Effekten im hohen Norden.

LHC wird wieder hoch gefahren – und erste Negativ-Resultate in Sachen Supersymmetrie und Higgs-Teilchen

12. März 2011

Seit dem 19. Februar kreisen nach der Winter-Wartungspause wieder Protonen im Large Hadron Collider, der sich ohne nennenswerte Probleme wieder in Betrieb nehmen ließ, und ab Mitte März sollen sie auch wieder kollidieren: Da nun die “Leuchtkraft” von Anfang an viel höher ist als während deren vorsichtiger Steigerung das Jahr 2010 hindurch, werden 2011 rund 100-mal mehr Kollisionsdaten – und damit viel aussagekräftigere Statistik – erwartet. Trotzdem waren auch schon die 2010-er Daten neben der Bestätigung des Standardmodells der Teilchenphysik bereits für Tests zumindest bestimmter Ideen in Sachen Supersymmetrie und Higgs-Mechanismus gut genug: Beide verliefen negativ. Doch das bedeutet noch nicht viel: Bei der – weithin als besonders sinnige und “schöne” Erweiterung des Standardmodells angesehenen – Supersymmetrie können CMS und ATLAS bislang nur die Variante CMSSM + mSUGRA ausschließen, beim Higgs gilt das nur für eine spekulative Erweiterung der Teilchenfamilienzahl von 3 auf 4 und einen bestimmten Massenbereich.

Wenn der LHC weiter so gut läuft, sollte sich Supersymmetrie der einen oder anderen Art aber im Laufe des Jahres blicken lassen – wenn dies jedoch auch bis Ende 2012 (wenn der LHC für umfangreiche Upgrades ein Jahr lang still gelegt wird) immer noch nicht der Fall sein sollte, dann sieht es womöglich schlecht aus. Dito in Sachen Higgs (oder Higgse), aber da würde so mancher Physiker sogar eine eindeutige Nicht-Detektion für interessanter als einen Nachweis halten, weil das der Teilchenphysik erst recht neuen Schub verleihen würde. Symmetry Breaking 10., Interactions 7., Starts with a Bang 4., Symmetry Breaking, New Scientist Blog, Nature OpEd 2.3., CERN Bulletin, Nature, BBC 28., Symmetry Breaking 25., New Scientist Blog 24., Physics World, Science 2.0 22., Reuters 21., Paper vom Scopel & al., Physics World Blog, Cosmic Log 20., Cosmic Variance 17.2.2011. NACHTRAG: Nun kollidieren sie wieder, die Protonenstrahlen! Und neue Higgs-Limits vom Tevatron – ist das Teilchen eher leicht?

Nachweis der Dunklen Materie nahe – oder gar schon im Kasten?

In den kommenden 5 bis 10 Jahren wird auf einem oder mehreren Wegen ein überzeugender Nachweis von Teilchen der Dunklen Materie gelungen sein, davon gehen heute viele Teilchenphysiker aus – und ein paar sind sich sogar (fast) sicher, schon ein mehr oder weniger überzeugendes positives Signal gefunden zu haben. Allerdings ist das Forschungsgebiet von ungewöhnlicher Aggression der kleinen Forschungsgruppen untereinander gekennzeichnet, und des einen Entdeckung ist meist des anderen Selbsttäuschung. Auch wirft man sich gerne gegenseitig vor, nicht alle Fakten auf den Tisch zu legen, so dass die statistische Bewertung behaupteter Effekte mitunter Geschmackssache bleibt; eine kontroverse Metaanalyse sieht z.B. jetzt bei gleich drei Detektionsexperimenten Verdächtiges. Auch die Schwelle, ab der man von einem klaren Nachweis eines DM-Teilchen sprechen kann, ist kontrovers: Manchen würde es genügen, wenn zwei direkte Detektionsexperimente (also Messgeräte für Exotisches tief im Untergrund) parallel ein Auf und Ab der Rate – im Einklang mit dem Erdorbit um die Sonne – sehen würden, andere verlangen zusätzlich die Erzeugung des Teilchens in einem Beschleuniger. (Science 4.3.2011 S. 1132-3. Auch Cosmic Variance, Physics Today Blog und Starts with a Bang zu der Falschmeldung, die DM sei widerlegt worden, und Astrobites zu ihrer Beobachtung per Microlensing)

Radioaktivitätsproblem beim direkten Detektor XENON100: Eines der wichtigsten Untergrundexperimente zum direkten Nachweis durchzischender DM-Teilchen wird empfindlich von zerfallendem Krypton-85 gestört, das sich in den 161 kg flüssigem Xenon befindet – zwar lassen sich die Zerfallsereignisse aufgrund ihrer Signatur heraus filtern, aber leider nur mit 99.5%iger Sicherheit. Will sagen: Jedes 200. vermeintliche DM-Teilchen ist ein falsches positives, und das ist bei der geringen zu erwartenden Detektionsrate ein Problem, an dem nun emsig gearbeitet wird. (Nature 25.2.2011)

Ab in den Hangar: Discovery am Ende der Reise

11. März 2011

Auf Wiedersehen im National Air & Space Museum und seinem Steven F. Udvar-Hazy Center am Washington Dulles International Airport? Wenn die Smithsonian Institution einen Sponsor findet, der die 28 Mio.$ für ihre Reinigung und ausstellungsgerechte Aufbereitung stellt, dann wird der erste außer Dienst gestellte Space Shuttle Orbiter vermutlich dort die “Enterprise” ersetzen. Am 12. April – dem 30. Jahrestag des 1. Shuttle- und 50. des 1. Raumflugs – soll NASA-Chef Bolden bekannt geben, wer die drei Orbiter erhalten soll; Bewerber gibt es reichlich, diverse NASA-Zentren wie das KSC, wo alle Shuttles starteten, und das JSC, das alle bemannten US-Missionen kontrollierte, inklusive. Ein Video und viele Bilder vom Ende der letzten Mission der Discovery, auch hier, hier und hier sowie Artikel hier, hier, hier, hier und hier. Und soeben hat der Roll-Out von Endeavour für Mission STS-134 begonnen – vermutlich die vorletzte. NACHTRAG: Operation erfolgreich abgeschlossen; gestartet werden soll am 19. April – und Giffords will zuschauen, wie ihr Mann in den Orbit fliegt!

Neuer 10-Jahr-Plan für die US-Planetenforschung: große Missionen notfalls zugunsten der Vielfalt verschieben – vielleicht für immer

9. März 2011

Sonst ist er das Gesicht der Mars Exploration Rover und Gegenstand allgemeiner Verehrung in der Planeten-Szene – aber vorletzte Nacht hatte der Cornell-Professor Steven W. Squyres (Bild: aus einem Webcast) ein ganz anderes Publikum: über 1000 Planetenforscher überwiegend aus den USA, denen er im Rahmen der 42. Lunar & Planetary Sciences Conference in Texas erzählen musste, was für Prioritäten die “Decadal Survey” des National Research Council der USA für die Jahre 2013 bis 2022 für ihr Forschungsgebiet ausgeguckt hatte. Die Prioritäten der Missionen wurden nach erwartetem wissenschaftlichem Ertrag pro Dollar, Ausgewogenheit, technoligischer Ausgereiftheit, zur Verfügung stehenden Flugbahnen im Sonnensysten und den Wünschen der Forschergemeinde festgelegt, so Squyres, und das Panel habe unter sich einen starken Konsens gefunden, wie es voran gehen soll – während diejenigen, deren dabei Lieblingsprojekte zu kurz gekommen sind, natürlich den ganzen Prozess verdammen …

Unter den ganz großen Projekten – die bei der abzusehenden Knappheit des NASA-Haushalts der kommenden Jahre aber um u.U. viele Jahre verschoben werden sollten, um kleineren Missionen Raum zu lassen – hat die Decadal Survey den “Mars Astrobiology Explorer Cacher” (MAX-C) auf den 1. Platz gesetzt: zur Suche nach Lebensspuren auf dem Mars und dem Sammeln von Bodenproben, die eine spätere Mission abholen würde. MAX-C solle aber nur realisiert werden, wenn die Kosten für die NASA unter 2.5 Mrd.$ blieben, was als unwahrscheinlich gilt: NASA und ESA sind daher aufgefordert, die Mission zu vereinfachen. Auf Platz zwei steht der Jupiter Europa Orbiter (JEO), der mit 4.7 Mrd.$ – die Kosten wurden jeweils von unabhängiger Seite abgeschätzt – derart teuer kommt, dass ihn sich die NASA nur leisten sollte, wenn das Planetenbudget kräftig steigt. Überraschend auf Platz 3 der Mega-Missionen finden sich ein Uranus Orbiter and Probe – eigentlich gilt der Neptun ja als interessanter, aber der Uranus ist näher. Auch hier gilt: Realisieren nur, wenn die Kosten nicht wesentlich über die z.Z. projektierten 2.7 Mrd.$ steigen.

Bei den mittelgroßen Missionen fordert die Decadal Survey nach den drei ersten Missionen der New Frontiers-Serie (New Horizons unterwegs, Juno vor dem Start, 3. vor der Auswahl) noch zwei weitere im betrachteten Zeitraum: Sieben Ideen dafür werden auch genannt (Kometenkern-Probe zur Erde, Sonde zu Io, Netzwerk auf dem Mond etc.), aber die Auswahl möge unabhängige Peer Review treffen. Dito bei den “kleinen” Missionen der Discovery-Serie, die sich sehr bewährt habe und weiterhin einen ausgewogen Mix aus Projekten haben möge. Der 400-Seiten-Report, ein Nat’l Academies Press Release, die Aufgabenstellung, eine Zusammenfassung, das Executive Summary, Reaktionen von Planetary Society und AAS, Berichte von Nature, Science Insider, AGU Blog, Spaceflight Now, PBS, New Scientist, Huntsville Times, Space Politics, Wired, BBC, Space.com, Reuters, Planetary Society Blog und Space Today und Vorabberichte von Cosmic Log, Space Review, Arctic, Space Policy Online und Space News (mehr).

9 Bilder, 4 Videos: Abschied von der Discovery

8. März 2011

Ein kleines (audio-)visuelles Tribut für die Raumfähre Discovery alias OV-103 an ihrem voraussichtlich letzten Tag im Orbit … von oben: die ISS, wie sie jetzt aussieht, gesehen von der Discovery aus nach ihrem gestrigen Abdocken. Ein emotionales Video der NASA mit dem letzten Start der Discovery zur Mission STS-133 aus zig verschiedenen Kameraperspektiven, Optiken auf dem Shuttle selbst inklusive. Eine Detailaufnahme der ISS (ebenfalls nach dem Abdocken). Der komplette Flug des Amateur-Beobachtungsballons “Robonaut 1″ im Zeitraffer. Eine der EVAs während STS-133, mit der Discovery im Hintergrund. Und vier Bilder der sich entfernenden Discovery (abwechselnd TV-Stills und DSLR-Aufnahmen) und ein Video des Fly-Around.

Dann die Discovery links, gefolgt von der ISS, knapp sechs Stunden später, vom Blogger aufgenommen (was auch vor der Sonne und dem Mond, in den Niederlanden und den USA gelang). Ein Tribut für die Discovery, den deren Besatzung gerade geschickt hat. Und noch einmal die Discovery über Deutschland heute abend – während ihr gerade ein großer Water Dump einen gewaltigen (im Feldstecher gut sichtbaren) gekrümmten Schweif verschaffte, den auch Bilder aus Venedig als diffuses Leuchten um die Discovery zeigen, die etwa 1/2 Minute vor der ISS her flog. Auch interessant: was aus den Orbitern wird, was die Astronauten über den Shuttle denken und weitere Bilder von STS-133. NACHTRAG: kuriose Nahaufnahmen des Water Dumps vom 8. März aus NL … NACHTRAG 2: … und ein tolles Video!


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