Archive for 23. Dezember 2011

Weitere größere Artikel (und neue Lovejoys)

23. Dezember 2011

Komet Lovejoy hat Sonnenpassage überlebt (wie die Montage von LASCO-C3-Bildern unten zeigt; der Komet kam von links) und nun einen langen Staubschweif ausgebildet: in der Mitte ein weiteres Bild von der ISS aus vom 22. und oben eine Aufnahme vom Morgen des 24. Dezember Ortszeit in Australien – ein brandaktuelles Bild von Vello Tabur, mit freundlicher Genehmigung.

Die ersten erdgroßen Exoplaneten! Bei einem sonnenähnlichen Stern, leider arg nach dran.

Gips auf dem Mars: Schlüsselentdeckung der Rover?

Kürzere Artikel

Dawn in der niedrigsten Vesta-Umlaufbahn angekommen, dem LAMO.

Ein drittes Ziel für Deep Impact? NEO-Encounter im Jahr 2020 denkbar.

Absturz von Fobos-Grunt im Januar nicht mehr zu verhindern.

Falsche Monde stören den Weihnachtsfrieden auf Geschenkpapier etc. …

Delhis alte Sternwarte: noch für Messungen gut

23. Dezember 2011

Es ist einer der faszinierendsten Orte auf diesem Planeten für Freunde der Astronomiegeschichte: fast genau im Zentrum der 11-Millionen-Metropole Delhi gelegen, in leidlich gutem Erhaltungszustand und größtenteils zugänglich und aus nächster Nähe zu inspizieren. Von den fünf riesigen Fernrohr- und sogar Metall-freien Sternwarten, die der Maharaja Jai Singh II. zwischen 1724 und 1734 errichten ließ, ist zwar das Exemplar in Jaipur am größten und bekanntesten – aber dessen Instrumente sind vor den Besuchern abgesperrt. Das als erstes gebaute Jantar Mantar in Delhi jedoch kann – nach Entrichten einer Eintrittsgebühr von derzeit Rp. 100 = EUR 1.40 für Ausländer oder Rp. 5 = EUR 0.08 für Einheimische – fast nach Belieben ‘benutzt’ werden, wie es dieser Blogger im Rahmen der Reise zur SoFi-Tagung mehrere Stunden lang getan hat (Panoramen [NACHTRAG: es geht noch krasser …] & Details oben); eine an der Kasse verkaufte Broschüre für Rp. 25 erwies sich dabei als recht guter Führer. Jai Singh misstraute nicht nur dem damals im Westen schon ein Jahrhundert etablierten Teleskop sondern auch den klassischen Winkelmessinstrumenten aus Messing: Stattdessen setzte er auf präzise konstruierte Monumentalbauten, um die gewünschte Messgenauigkeit zu erreichen.

Dass dies gelungen ist, haben in den letzten Jahren umfassende Forschungen und Experimente durch Mitarbeiter des Nehru-Planetariums in Delhi unter Leitung von dessen energischer Direktorin Rathnasree Nandivada (unten) gezeigt: So kann man – wie ein regelrechter Blindtest mit Studenten bewiesen hat – mit dem zentralen Instrument, der Riesensonnenuhr Samrat Yantra, die Zeit auf etwa eine Sekunde genau ablesen. Leider fehlen dort wie auch bei den meisten anderen Instrumenten inzwischen die Skalen, nur im Ram Yantra sind noch allerlei Messmarken erkennbar (s.a. oben die Aufnahme aus dem Planetarium, wo ein Horizontal-Koordinatensystem über ein Fulldome-Mosaik gelegt wurde) – und hier finden sogar wieder konkrete öffentliche Beobachtungen statt. Seit Jahrzehnten wird über eine Restauration der gesamten Anlage diskutiert, wie z.B. einem Paper von 1993 und Artikeln von 2000 (noch einer), 2007 und 2010 (noch einer) zu entnehmen ist. Gerade wird darüber gestritten, ob man die verlorenen Skalen durch besonders haltbare aus Marmor ersetzen sollte: Dagegen spricht, dass sich Schatten auf dem durchscheinenden Material weniger scharf als auf der vermutlich in der Vergangenheit verwendeten weißen Farbe abzeichnen. Zeitpläne für eine tatsächliche Wiederherstellung der faszinierenden astronomischen Instrumente, die architektonisch unerwartet modern wirken, waren einstweilen nicht in Erfahrung zu bringen …

Langer Lovejoy-Schweif – für den Süden & die ISS

23. Dezember 2011

Seit der Kreutz-Komet Lovejoy vor einer Woche das Perihel überlebte, hat er erst richtig aufgedreht! Die Koma ist bereits wieder dramatisch schwächer geworden und der Kern womöglich im Zerfall begriffen – aber Staub- wie Plasmaschweif können sich sehen lassen! Ersterer hat mindestens 15° Länge und eine Flächenhelligkeit, die mindestens der der Magellanschen Wolken entspricht: Auch gegen den Dämmerungshimmel setzt er sich gut durch, wie auf dem australischen Bild oben von V. Tabur vom Morgen des 22. Dezember (mit freundlicher Genehmigung). Weitere spektakuläre Bilder von der Südhalbkugel – nur dort steht der Schweif im richtigen Winkel – gibt es auch vom 23. Dezember aus Australien (Details; ein anderer Standort & Details; noch ein anderer Standort) und 22. Dezember aus Australien (Details; auch ein wolkiges Szenario, auch in Bewegung), Chile (Zeitraffer) und Brasilien. Und bereits am 21. Dezember – als Lovejoy für irdische Beobachter erst in der hellen Dämmerung hoch kam – war der Komet von der ISS aus ausgiebig fotografiert worden, wie im Video im Zeitraffer zu sehen (unten drei Bilder aus der Sequenz) und vom Fotografen im Interview erklärt.


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