Archive for 13. Januar 2012

Live-Blog zum Wiedereintritt von Fobos-Grunt

13. Januar 2012

Eine ‘typische’ (unabhängige) Abschätzung des Reentry-Zeitpunkts, von der Aerospace Corporation: 18:52 MEZ ±19 Min. – ein ‘amtliches’ Schlusswort der internationalen Raumfahrtagenturen gibt es nicht.

Das wird wohl erst mal nix mit dem großen Durchblick

Die ESA hat heute die zunehmend lächerlich gewordene Ankündigung, “shortly” würden Erkenntnisse zum Verbleib von Fobos-Grunt bekannt gegeben werden, von der Space Situational Awareness-Frontpage verschwinden lassen, und auf Anfrage hieß es lediglich: “We’re still waiting. As soon as I get anything, so will you!” Also gelegentlich mal auf dieser Seite – wie auch bei SeeSat und dem entsprechenden NSF-Forum – vorbei schauen, ob sich noch was getan hat. Einziges Kuriosum heute war ein überraschender BBC-Radiobeitrag (gleich am Anfang der heutigen Sendung, die auch hier komplett herunter geladen werden kann), in dem ein Mitarbeiter glaubt, den Reentry in Australien selber gesehen zu haben – mehr als unwahrscheinlich, da der letzte Orbit deutlich östlich an Australien vorbei führte. Aber angesichts des Schweigens aller, die etwas wissen könnten, kann man inzwischen ungebremst alles und jedes behaupten … Ansonsten gingen in Russland die Spekulationen über die Ursache des Versagens der Sonde in der Parkbahn munter weiter, wobei der Verdacht zunehmend auf menschliches Versagen gelenkt wird (auch in China aufgegriffen) – zumal es in der russischen Raumfahrt insgesamt an Qualitätskontrolle mangelt. Der Schaden jetzt wird jedenfalls mit 5 Mrd. Rubeln = 123 Mio. Euro beziffert. [23:50 MEZ am 19. Januar - Ende]

Reentry + 3: Das war ein Tag zum Däumchendrehen …

… für alle, die auf neue Entwicklungen in Sachen Fobos-Grunts Verbleib warten. Das 2 1/2 Tage alte Versprechen der ESA, dass ein “update on Phobos-Grunt reentry from ESA’s Space Debris Office, including an analysis on the reentry time and location, will be available shortly”, ist wieder nicht eingelöst worden, denn das “ESA spacedebris team continues waiting for inputs”, welcher Art auch immer die jetzt noch sein mögen. Und das ansonsten in Sachen letzte Worte zu Wiedereintritten maßgebliche USSTRACOM benimmt sich immer sonderbarer und lässt Informationen verschwinden, statt sich um Transparenz zu bemühen. Derweil hat sich das in Russland gestreute Gerücht vom bösen US-Radar, das die arme Sonde in der Parkbahn ruiniert habe, um den Globus verbreitet – fundierte Gegendarstellungen wie z.B. auch hier, hier oder hier zu finden, dagegen leider weniger … [23:10 MEZ am 18. Januar]

Immer noch kein abschließendes Urteil zum Verbleib

von Fobos-Grunt haben die Raumfahrtagenturen der Welt, die am ESOC in Darmstadt um eine gemeinsame Analyse der – spärlichen und/oder widersprüchlichen – letzten Informationen zur Bahn des Satelliten ringen, auch mehr als zwei Tage danach gefunden: Auf dieser Webseite würde es erscheinen. Dass es überhaupt eine Unsicherheit gibt (siehe z.B. auch hier oder hier), ist inzwischen wenigstens ein paar Medien – etwa hier oder hier – aufgegangen. Aber die Fobos-Grunt-Debatte wurde heute eh’ zunächst von der neuesten Verschwörungstheorie aus Russland dominiert, nach der ein US-Radar auf Kwajalein die Sonde gestört und ihre Fehlfunktion kurz nach Erreichen der Parkbahn ausgelöst habe (auch hier, hier oder hier erwähnt). Russische Experten halten das für Blödsinn, dito amerikanische, und in der Tat war der angeblich damals angepeilte Asteroid 2005 YU55 gar nicht über dem Horizont besagter Antenne, als es passiert sein soll. Vielmehr gibt jetzt Hinweise aus der Untersuchungs-Komission, dass in Wirklichkeit Programmier- und dann Kommando-Fehler zu dem Desaster geführt haben. [23:35 MEZ am 17. Januar]

Warum es immer noch keine klaren Erkenntnisse gibt

Eine seit Stunden angekündigte Erklärung des ESA Space Debris Office zu Absturzzeit und -ort von Fobos-Grunt lässt weiter auf sich warten, und eine Mitteilung von Roskosmos vor ein paar Stunden bleibt auch vage und spricht von einem Intervall von 18:40 bis 19:10 MEZ, in dem immerhin die “Militär”-Zeit von 18:45 MEZ liegen würde. Die Gründe für die Verwirrung – die schön dieser russische TV-Bericht von heute morgen (in Englisch) widerspiegelt – sind zum einen das Fehlen direkter Sensoren in der kritischen Region, was auch schon beim Ende des UARS ein Problem war, und zum anderen merkwürdige Trends der Bahnelemente kurz vor dem Ende: Entweder waren ausgerechnet die letzten schlecht, oder aber der Satellit hat sich gedreht, und der Luftwiderstand änderte sich deutlich. Vermutlich hängt das Zaudern der ESA mit demselben Problem – wie gewichte ich die einzelnen Elementsätze? – zusammen. Über eigene Erkenntnisse verfügt sie jedenfalls nicht, wie in diesem Artikel am Rande erwähnt wird. Ansonsten gab’s noch ein verrücktes Gerücht über einen Fobos-Fall in Australien, an dem aber sicher nichts dran war – und noch vereinzelte Artikel, die die Konfusion um den Absturzort zugeben, hier und hier und immer noch welche, die stur auf der allerersten Spekulation des russischen Militärs beharren, hier, hier und hier … [17:25 MEZ am 16. Januar]

5 Stunden danach: Offenbar rieten alle, die sprachen, nur

in Sachen Zeitpunkt und Ort des Wiedereintritts. Dieses Bild formt sich allmählich aus den Formulierungen, die da aus Russland gekommen: So hatte der Militärsprecher mit den – allzu kritiklos von vielen übernommenen – “18:45 MEZ” nicht etwa gesagt, man habe den Absturz zu diesem Zeitpunkt beobachtet, vielmehr “sollte sich der Fall nach berechneten Daten [um diese Zeit] ereignet haben”, wie auch immer diese Berechnungen abliefen. Und die zuweilen zitierten “Ballistiker” mit ihren 18:59 MEZ als bester Zeit hatten auch nichts anderes als mathematische Modelle, aber 1/4 Stunde macht eben schon eine Menge aus, was den Ort eines Reentry betrifft! Und wie man soeben hört, setzt sich die Erkenntnis, dass man gar nichts weiß, jetzt auch in den russischen Medien durch!

Die unschärfer gewordenen Aussagen des US-Militärs in Sachen Fobos-Grunt wiederum waren zumindest keine Überraschung, auch wenn der Grund der Formatsänderung nicht genannt wird; ob es intern wohl genauere Kenntnis über den Verbleib speziell dieses Satelliten gibt, darüber wird in der Szene derzeit angeregt wie faktenfrei diskutiert … Ansonsten noch auf Halde: Artikel zur Rolle von TIRA bei den Radarbeobachtungen, ein Nachruf auf LIFE der Planetary Society, verdient scharfe Kritik am absurden Umgang vieler Medien mit den Reentry-Prognosen (besonders krass an diesem und diesem russischen Beispiel aber auch bei vermeintlichen Fachpublikationen wie Aviation Week oder Space.com zu beobachten) und ein paar weitere Prä-Reentry-Artikel hier, hier oder hier. Und dieses Blog wurde lobend erwähnt sowohl von skeptischer wie nicht so skeptischer Seite … [23:59 MEZ am 15. Januar]

Keine Angaben zu Impaktzeitpunkt und -ort vom US-Militär

gibt es bislang, im Gegensatz zu den UARS-, ROSAT- oder auch Soyuz-Weihnachts-Oberstufen-Fällen: In der jüngsten Nachricht steht lediglich zu lesen, dass es im letzten prognostizierten Fenster passiert sei, das da 17:59 bis 18:47 MEZ gelautet hatte – die vom russischen Militär behauptete Zeit von 18:45 MEZ (bei der es sich laut Russen-Experte Jim Oberg freilich auch nur um “another self-serving ‘safe in the Pacific’ allegation aimed at Western anxieties” handeln könnte …) läge noch haarscharf darin. Aus der diffusen Datenlage schließen Beobachter jedenfalls bereits, dass es wohl keine direkten Beobachtungen des Reentry welcher Art (und von wem) auch immer gäbe. Die hier näher ausgeführte alternative russische Analyse basiert jedenfalls sicher auch nur auf – womöglich nicht mal den aktuellsten – Bahnelementen. Vielleicht kommt ja noch was Genaueres von USSTRATCOM – oder auch eine offiziell(er)e Stellungnahme aus Russland, wo man eventuell genauere Daten zum Verhalten des eigenen Satelliten hat. Roskosmos hat jedenfalls seit der letzten Nachricht vor dem Reentry (siehe 18:25 MEZ) nichts mehr gesagt und verbreitet sich stattdessen über die ISS. Die ist wenigstens noch oben … [22:15 MEZ]

Wunderbar: Komplette Konfusion in Russland ausgebrochen

Inzwischen hat sich Novosti eine zweite Meinung eingeholt (in Englisch und Deutsch scheint’s nur die alte Fassung zu geben) – und diese “Quelle aus der russischen Industrie” sieht den Impakt von Fobos-Grund nicht weit der chilenischen sondern vielmehr vor der brasilianischen Küste im Atlantik. Oder womöglich in Brasilien, wie sich aus den Koordinaten ergeben würde? Eine Karte hier (Webseite könnte bald wieder revidiert werden …) gibt jedenfalls einen Punkt mitten auf dem Kontinent an. Und – for what it’s worth – die letzte Berechnung von H. Zimmer aufgrund der Bahnelemente spricht auch für einen späteren Reentry über NO-Brasilien … [20:15 MEZ]

Angeblicher Absturz von Fobos-Grunt um 18:45 MEZ – eine echte Beobachtung nur nur eine (Post-)Prognose?

Die plötzliche Behauptung russischer Militärs, der Satellit sei bereits vor dem Beginn des letzten von Roskosmos berechneten Reentry-Fensters vor der chilenischen Küste in den Pazifik gefallen, die jetzt überall verbreitet wird, beantwortet die entscheidende Frage nicht: Hat man tatsächlich Beobachtungen, die darauf hinweisen – oder handelt es sich vielmehr um eine weitere Prognose aufgrund allerletzter Bahnbeobachtungen (u.U. deutlich) früher? Schon bei den Reentries von UARS und ROSAT wurde offiziell nie verraten, worauf die finale Angabe des Absturzortes basierte – man wird sehen, ob sich just in Russland entsprechende Glasnost einstellen wird … [19:25, ergänzt 19:40 MEZ]

Wir sind in der Mitte des “russischen Fensters”, das Roskmosmos nicht mehr aktualisiert hat: Berichte über einen Reentry über Südamerika gibt es bisher nicht. Kurioserweise lag die letzte Prognose von USSTRATCOM bereits knapp vor dem Russen-Fenster, wonach Fobos-Grunt bereits im Pazifik liegen müsste – und dieser Meinung hat sich Russland in dem letzten Minuten angeblich angeschlossen, aufgrund welcher Einsichten auch immer. Die übliche Konfusion also … [19:08 MEZ]

Zwischen 18:50 & 19:34 MEZ, glaubt Roskosmos, passiert’s

Zu guter Letzt scheint’s die zeitnächsten Infos zum unmittelbar bevorstehenden Ende von Fobos-Grund doch noch vom ‘Verursacher’ zu geben, in einer Flut russischsprachiger Pressemitteilungen, die dankenswerterweise von der deutschen Fraunhofer-Gesellschaft per Twitter ausgewertet werden: Hier sind die letzte Mitteilung (samt einer neuen Karte mit wiederum geschrumpfter Zone) und der entsprechende Tweet, während’s bei Anatoly Zak das Ganze auf Englisch zusammengefasst gibt. [18:25 MEZ]

Roskosmos hat sich offenbar auf diese Reentry-Zone ‘festgelegt’ und erwartet das Ende in den nächsten 2 Stunden, wie dieser gerade publizierten Karte zu entnehmen ist: Südamerika, ein bisschen Südeuropa und viel Asien wären demnach ‘in der Zone’. [17:55, präzisiert 18:15 MEZ]

Das Ende ist nahe: nur noch 1-2 Stunden bis zum Crash?

Bis auf unter eine Stunde sind die angegebenen Fehlergrenzen der heutigen Prognosen aus diversen Quellen – Tabellen hier und hier – bereits geschrumpft, und sie konzentrieren sich auf den Zeitraum 18:30 MEZ ±1.5 Stunden: Diese Grafik hebt den entsprechenden Groundtrack von Fobos-Grunt hervor. Wo der Satellit gerade ist – berechnet aus den letzten bekannten Bahnelementen, nicht Beobachtungen in Echtzeit – wird hier live dargestellt. Vielleicht Zeit, sich mit diesem Artikel zu beschäftigen: Halten Sie Ihre Haustiere fest … [17:20 MEZ]

Die ‘gemeinsame’ Prognose hat sich den ganzen Samstag nicht verändert, nur der angegebene Unsicherheitsbereich für den Absturzzeitpunkt – zentriert auf heute 18:15-19:45 MEZ, mit wenigen Ausreißern mit späteren Zentralzeiten – ist auf wenige Stunden geschrumpft: Aktuelle Tabellen gibt es hier und hier. Neben Roskosmos-eigenen Zahlen – die in obiger Grafik umgesetzt sind – ist auch eine Prognose der internationalen AG bei der ESA aufgetaucht, die ebenfalls in den ‘populären’ Bereich fällt. Aussagen über das Einschlagsgebiet (wie sie leider weiter durch die Medien geistern) sind natürlich weiterhin unseriös: Das wird sich erst heute Nachmittag allmählich ändern! [0:50 MEZ]

Prognosen bleiben durchweg auf Sonntagabend zentriert

Während sich die eigentlich für die Koordination des Reentry zuständige ESA (siehe 13. Januar, 0:01 MEZ) noch gar nicht wieder zu Wort gemeldet hat, gibt es eine neue Prognose von USSTRATCOM, die da 15. Januar, 18:34 MEZ ±9.5 Stunden lautet. (Neuerdings wird das übrigens als Intervall ohne Nennung der Zentralzeit und -koordinaten angegeben, da dies in den Medien grundsätzlich missverstanden zu werden scheint, also 9:04 bis 4:04 am 16.) Dies deckt sich mit den bereits erwähnten zahlreichen unabhängigen Berechnungen im Verlaufe des 13. Januar, die von 17:19 MEZ ±9 Stunden bis 18:52 MEZ ±14 Stunden reichen, letzteres die Analyse von Aerospace. Um unzählige Standardabweichungen vom Feld ab weicht einzig CelesTrack, wo man den Absturz erst am Morgen des 17.(!) Januar erwartet: Diese Webseite wird automatisch generiert, und man kann sich des Eindrucks kaum erwehren, dass die Software ein wenig davon gelaufen ist (CelesTrack war zu keiner weiteren Stellungnahme bereit). Aller Wahrscheinlichkeit nach wird der Reentry also zwischen den Vormittagen des 15. und 16. Januar stattfinden, d.h. auf irgendeinem dieser Tracks. Weitere allgemeine Artikel – ohne weitere konkrete Zahlen – noch hier, hier und hier. [0:10 MEZ am 14. Januar]

Robert Christy, www.zarya.info

Wenn Fobos-Grunt am 15. Januar um 18:30 MEZ ±1.5 Stunden fällt (und die meisten Analysten konzentrieren sich hier ± einige Stunden [Erläuterung], von Außenseitern abgesehen), dann wäre dies der Streifen, in dem es passieren könnte (blau = Bahn in der Nacht; Quelle durch Anklicken). Dies kann man als wahrscheinlich aber keineswegs garantiert betrachten: Leichte Veränderungen der Erdatmosphäre und/oder Fluglage des Satelliten können durchaus noch zu einem früheren oder späteren Crash führen. Auch ein Vor-Nachruf auf das LIFE-Experiment an Bord (mehr), ein BBC-Video, ein alter Space Review-Artikel zur Rechtslage – und The Colbert Report zum Reentry … [20:35 MEZ am 13. Januar]

Bodenlose Inkompetenz in Sachen Satelliten-Reentries

offenbaren kurz vor dem Ende von Fobos-Grunt mal wieder die Medien der Welt (und offenbar auch einige “Experten” der russischen Weltraumbehörde): nichts gelernt aus den Erfahrungen mit UARS und ROSAT vor wenigen Monaten – oder in über 50 Jahren Raumfahrtgeschichte darüber, wie schnell sich ein Satellit im LEO bewegt. Wenn die Vorraussagen für den Zeitpunkt des Absturzes noch um viele Stunden ungenau sind, dann kann der Ort irgendwo auf dem Planeten sein, entlang zwar eines schmalen Bandes, das sich aber immer noch mehrfach um den Globus wickelt. Die Angabe von Koordinaten oder auch nur konkreten Kontinenten oder Ozeanen zwei Tage vor einem Reentry ist einfach Blödsinn – so wie etwa in diesem völlig verwirrten AFP-Artikel oder dieser kühnen Tagesschau-Story, die konkret Argentinien auf’s Korn nimmt [NACHTRAG: Auch der DLF fiel auf diesen Unfug rein]. Umgekehrt bleibt die britische Weltraumagentur in dieser Mitteilung unnötig vage: Die meisten Bahnanalytiker haben sich heute auf den Nachmittag oder Abend des 15. Januar “geeinigt” (Erläuterungen), wobei die allerneueste Prognose von Harro Zimmer – in dieser Tabelle schon drin – übrigens 18:05 MEZ ±3 Stunden lautet. Andere aktuelle Artikel – ohne nennenswerte Neuigkeiten, woher auch – hat’s derweil hier, hier, hier, hier, hier und hier. [18:05 MEZ]

Absturz am Sonntag oder Montag (15. oder 16. Januar)

Der Trend der Prognosen für den Zeitpunkt des unvermeidlichen Reentry von Fobos-Grunt – hier ein Radarbild der TIRA-Antenmne bei Bonn – verläuft bereits seit ungefähr Weihnachten fast horizontal und deutet auf Mitte Januar hin; seither sind nur die Fehlerbalken langsam kleiner geworden. Je nach Gefühl oder auch aus politischen Gründen werden diese von verschiedenen Bahnrechnern nach wie vor unterschiedlich groß angegeben. Am weitesten vor wagte sich in den letzten Stunden Harro Zimmer mit dem 15. Januar 13:00 MEZ ±3 Stunden als Termin des Crashs. Ebenfalls wenige Stunden alt sind eine Analyse von CelesTrack, die auf den 15. Januar 23:51 MEZ kommt, ±~20 Stunden, und der neueste “TIP” von USSTRATCOM mit dem 15. Januar 18:09 MEZ ±14.5 Stunden. Die Bahnverfolger von Fraunhofer (u.a. Betreiber von TIRA) hatten früher am 12. Januar auf den 16. Januar 1:00 MEZ ±15 Stunden und die Experten von Aerospace auf den 15. Januar 18:57 MEZ ±20 Stunden getippt und Ted Molczan einen Tag zuvor auf den 16. Januar 19:00 MEZ ±29 Stunden (während man da in Russland nicht genauer als “14. bis 16. Januar” werden wollte, konkret 15. Januar 10:18 MEZ ±36 Stunden).

Da bleibt also immer noch eine Menge Spielraum, und der Einschlagsbereich auf der Erde kann in keinster Weise jetzt schon abgeschätzt werden: Die Absurdität dieses Artikels aus Russland erschließt sich von selbst. Interessanterweise hat der Fobos-Grunt-Besitzer Roskosmos die Koordination des Reentry an die ESA übertragen: Beim ESOC in Darmstadt sollen aus der Radarüberwachung der Flugbahn durch das amerikanische und russische Militär sowie durch TIRA und eine französische Radaranlage die letzten Orbits und die Absturzprognose errechnet werden; wie man es schon von den Reentries von UARS und ROSAT kennt, wird es erst wenige Stunden vor dem Ende möglich sein, Entwarnungen bzw. Warnungen für bestimmte Gebiete zu geben. (Vielleicht haben ja Amateurbeobachter Glück, die letzten Orbits visuell zu verfolgen, was die unabhängigen Analysen – die sonst wieder nur von den offiziellen Radar-Bahnelementen abhängen – verbessern könnte.) Man geht inzwischen allgemein davon aus, dass die ~11 Tonnen Hydrazin-Treibstoff bereits in großer Höhe verbrennen werden, nachdem die relativ zerbrechlichen Tanks schnell platzen sollten, und dass danach Fobos-Grunt wegen seiner vergleichsweise geringen Trockenmasse von 2.5 Tonnen keine größere Gefahr mehr darstellt. [0:01 MEZ]


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