“Iron Sky”: Der abseitigste Science-Fiction-Film

in 120 Jahren Kinogeschichte ist diese Woche in Deutschland und vier weiteren Ländern angelaufen – hier der aktuelle Trailer, die ersten 4 1/2 Minuten und der allererste Teaser vom Frühjahr 2008 [in dieser Kopie falsch mit "2012" betitelt], mit dem die Jagd nach zum Schluß rund 7.5 Mio. Euro Produktionskosten in Cannes eröffnet worden war. Das Filmchen konnte man damals noch für einen schrägen Gag halten (wie es auch dieser Blogger tat), aber zwei Jahre später hatte die Realisierung tatsächlich begonnen, mit ungewöhnlich intensiver Einbindung einer Fangemeinde, die auch 1/10 der Kosten “crowd-fundete”. Über das Ergebnis wird seit der Premiere auf der Berlinale diesen Februar mehr als genug geschrieben (hier, hier und hier nur drei treffende Besprechungen): Am meisten überzeugt die monumentale Steampunk-Optik von Nazi-Mondbasis und -Weltraumtechnik, die irgendwo zwischen “Metropolis”, “Sky Captain and the World of Tomorrow” und den unterirdischen Welten von “The Matrix” zuhause ist, und die Eleganz der “Star Wars”-gleichen Raumschlachten.

Das überraschend holprige Skript verschenkt indes manch angerissene Möglichkeit und ist bei aller Verrücktheit der Grundidee, vielen liebevollen Details und teilweise auch zündenden Pointen letztlich reichlich konventionell angelegt. Der generelle Plot – die Idee einer Nazi-Basis auf dem Mond ist übrigens schon 1947 erstmals in der SF-Literatur aufgetaucht und die “Reichsflugscheibe” ein beständiger Mythos – wurde dabei irgendwo zwischen “Independence Day” und “Mars Attacks” angesiedelt (die auch als Inspiration zugegeben werden), mit einem gehörigen Schuss “Dr. Strangelove or: How I Learned to Stop Worrying and Love the Bomb”. Und auch wenn letzterer Film auf praktisch gleiche Weise endet (in weit logischerer Konsequenz allerdings), kann “Iron Sky” dem Kubrik-Klassiker als Polit-Satire leider nicht entfernt das Wasser reichen. Aber vielleicht gibt es ja noch eine zweite Chance: Ganz am Ende des langen Abspanns (in dem praktisch jedem lebenden Finnen für irgendeinen Beitrag gedankt wird) erscheint nämlich unvermittelt der Mars nebst einem Raumschiff im Bild …

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Eine Antwort to ““Iron Sky”: Der abseitigste Science-Fiction-Film”

  1. Alles “Crowd” … sourcing, funding und überhaupt | Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    [...] in Berlin diese Woche: Vorträge über Crowdsourcing in der Astronomie und das Crowdfunding von “Iron Sky” (für eine Prequel-TV-Serie und ein Sequel-Film in Planung sind) und eine Diskussionsrunde über [...]

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