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Schock für Europas Weltraum-Astronomen: ESA-Exekutive gibt Mission zum Jupiter den Vorzug

18. April 2012

Noch handelt es sich bei dem ‘geleakten’ Papier nur um die Empfehlung der Exekutive des Science & Robotic Exploration Directorate (SRE) der ESA an deren Science Programme Committee (SPC), das erst am 2. Mai endgültig entscheiden wird, aber die Richtungsvorgabe ist klar: Als erste ganz große Mission L1 des wissenschaftlichen Langzeitplans “Cosmic Vision” sollt Ihr zum Jupiter fliegen und mit JUICE (JUpiter ICy moons Explorer) insbesondere den Mond Ganymed erforschen – während sich der Röntgensatellit ATHENA (vormals IXO) und der Gravitationswellen-Detektor NGO (vormals LISA) wegen höherer Kosten und größerer technischer Hürden doch bitte bei der nächsten Runde erneut bewerben mögen. Da der SRE-Direktor u.a. auf Empfehlungen des Space Science Advisory Committee (SSAC) der ESA baute und das SPC fast immer tut, was das SSAC sagt, gilt die Auswahl von JUICE als praktisch sicher – auch wenn binnen Stunden schon eine Petition pro ATHENA ins Leben gerufen wurde.

Der ganze Auswahlprozess für L1 war schwer durcheinander geraten, nachdem vorgesehene internationale Partner aus allen drei in die Endrunde gelangten Projekten ausgestiegen waren, insbesondere die bei allen drei wesentliche NASA: Artikel vom letzten Februar (“Erste Riesenforschungsmission …”), März (“NASA zu verwirrt …”) und April hatten das schon geschildert. Im Laufe des Jahres 2011 waren dann alle drei Vorschläge in kurzer Zeit und mit großem Einsatz den neuen Umständen einer alleinigen ESA-Mission angepasst und technisch deutlich vereinfacht worden, während sie trotzdem gleichzeitig wissenschaftlich relevant blieben. Damit die Arbeit für die ‘Verlierer’ nicht umsonst war, wird ihnen von SSAC wie SRE wärmstens nahe gelegt, sich beim Call für L2 im kommenden Jahr wieder zu bewerben – wieviel Geld für diese Mission allerdings zur Verfügung stehen wird, entscheidet erst der ESA-Ministerrat Ende dieses Jahres.

Wie auch immer das SPC in zwei Wochen befindet: Gestartet werden soll L1 in zehn Jahren. Und wenn es wirklich JUICE wird, dann würde der solarbetriebene Orbiter im Januar 2030(!) in eine Jupiter-Umlaufbahn einschwenken und schließlich 2033 in einem Orbit um Ganymed enden. Ganymed? Eigentlich sollte die Mission als ESJM-Laplace gemeinsam mit der NASA durchgeführt werden, die sich dabei um den für die meisten wohl interessanteren Mond Europa gekümmert hätte, aber auch dieses Projekt war durch den Ausstieg der USA an die Wand gefahren worden. Das seither modifizierte JUICE-Konzept umfasst immerhin nun auch ein paar der Aufgaben des NASA-Teils, die allerdings überwiegend während lediglich zweier Europa-Flybys erledigt werden müssten. Nach gegenwärtiger Planung würde die ESA 830 Millionen Euro in den Orbiter investieren, während die einzelnen Mitgliedsstaaten zusätzlich etwa 241 Millionen in die Nutzlast stecken sollen – und die NASA eingeladen ist, für bis zu 68 Millionen weitere Instrumente zu liefern. Mehr zur jetzigen Vorentscheidung auch hier, hier, hier, hier und hier.


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