Archive for 20. April 2012

Nordkorea vor dem nächsten Startversuch?

20. April 2012

Nur eine Woche nach der großen Unha-Pleite verdichten sich die Anzeichen, dass es Nordkorea womöglich bald noch einmal versuchen wird: Damals sind offenbar zwei weitgehend identische Raketen zum Startgelände gebracht worden, die Ursache des Versagens am 13. April hat man angeblich schon heraus gefunden – und es soll gar ein auf fünf Jahre angelegtes Raumfahrtprogramm geben. Wie man sich selbst das Versagen der Unha 3 erklärt, ist nicht bekannt, aber westliche Beobachter gehen – anhand von Informationshäppchen, die ihnen diverse Geheimdienste steckten – inzwischen meist davon aus, dass noch während des Brennens der ersten Stufe die Nutzlastverkleidung aufriss und die dritte Stufe auseinander brach. Davon zeugte offenbar ein heller Blitz nahe der Spitze der Rakete, von dem schon ganz früh die Rede gewesen war, und es soll etwa 81 Sekunden nach dem Start passiert sein. Das wäre entgegen einigen Berichten allerdings erst deutlich nach der maximalen Belastung (Max Q) gewesen, die bevorzugt zu Vibrationen und strukturellem Versagen unzureichend konstruierter Raketen führt.

In dem vermuteten Szenario – auf dem die neue Simulation oben basiert – brannte die erste Stufe nach dem Disaster jedenfalls noch weitere 40 Sekunden weiter und setzte ihre planmäßige Bahn fort, bis zu ihrem regulären Brennschluss 120 Sekunden nach dem Abheben. Da in der längst zerstörten 3. Stufe aber vermutlich die Steuerung für den gesamten Flug saß, erging anschließend das Kommando zum Abtrennen und Zünden der zweiten nicht, und das Paar stürzte Minuten später ins Meer, bereits zu einem Trümmerregen zerfallen. Wo genau die Reste nieder gingen, darüber widersprechen sich die offiziell von verschiedenen (nichtnordkoreanischen) Seiten genannten Koordinaten nach wie vor: Raumfahrtexperten geben meist der südkoreanischen Interpretation den Vorzug, wonach man es praktisch mit der geplanten Trajektorie der 1. Stufe zu tun hatte, was zu einem Impakt bei 124°O 36°N geführt haben sollte. Die Marine des Landes hat die Suche nach Raketenresten gleichwohl ergebnislos wieder einstellen müssen, auch weil das Meer in der vermuteten Absturzregion zu schlammig war.

Gestern hat sich dann die nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA wieder zu Wort gemeldet: Inmitten endloser wüster Beschimpfungen der – reichlich vorhandenen – Kritiker Nordkoreas erfuhr der Leser immerhin, dass die Untersuchung des Unha-3-Unfalls bereits abgeschlossen sei. Konkrete Ankündigungen, was als Nächstes kommen solle, folgten zwar nicht, aber die kuriose Zeitung Choson Sinbo in Japan – die als Sprachrohr Pyongyangs gilt – hatte zuvor von einem Fünfjahrplan gesprochen, der die Entwicklung einer noch größeren Rakete und gar geostationärer Satelliten vorsehe. Und in Südkorea hieß es heute (basierend auf US-Geheimdienst-Informationen) wiederum, dass um den 23. März zwei offenbar identische Raketen zum Startgelände gebracht worden seien, von denen ja erst eine gestartet ist. Hinweise auf konkrete Startvorbereitungen der zweiten scheint es aber nicht zu geben. Analyse von Global Security; Jonathan’s Space Report, Russia Today, Telegraph, CNN, SpacePorts 20., KCNA, NordkoreaTech 19., Flight Global, AP 18., BBC 17., Yonhap, AFP, LiveScience, Star Tribune 16., All Things Nuclear, AmericaSpace 15.4.2012. NACHTRAG: Obergs Erinnerungen

Bilder einer Überführung – die Fortsetzung

20. April 2012

Erst letzte Nacht und heute sind unzählige weitere spektakuläre Aufnahmen des Überführungsfluges der Discovery am 17. April über das JSC veröffentlicht worden: oben sieben Impressionen von Orbiter & Shuttle Carrier Aircraft über dem oder nahe des Kennedy Space Center im Morgenlicht, darunter die gestrige ‘Begegnung’ der Discovery (rechts) mit der bereits aus dem NASM-Hangar am Flughafen Dulles gerollten Enterprise und ganz unten die Montage dieses Test-Fluggeräts auf dem SCA heute im Morgengrauen. Dazu ein NASA Press Release und Artikel und viele weitere Bilder hier, hier, hier, hier und hier. Und hier wächst schon wieder eine Bildersammlung zum Transfer der Enterprise nach New York City – der wegen erwarteten schlechten Wetters nicht wie geplant am 23. April beginnen kann. Bis Juni sollte die Enterprise so oder so am Flughafen JFK bleiben, bevor es mit einem Schiff zum Intrepid Sea, Air & Space Museum auf dem Hudson River geht, sicher auch wieder ein pittoresker Vorgäng. Aber Shuttles auf Schiffen kennen wir ja schon …

Envisat schweigt beharrlich – sieht aber gut aus

20. April 2012

CNES

Fraunhofer FHR

EADS Astrium

So sehen der neue französische Erdbeobachter Pléiades 1A (oben; er hatte auch schon Spot 5 im Visier) und das deutsche Weltraumradar TIRA (Mitte) den großen ESA-Erdbeobachtungssatelliten Envisat (unten; Artikel 425) – der seit dem 8. April auf einmal nicht mehr mit der Erde spricht. Die ‘Fernbeobachtung’ des wertvollen Satelliten, der gerade sein 10. Start-Jubiläum feiern konnte, hat keinerlei erkennbare Anomalien zu Tage gefördert, es ist noch alles dran, die Bahn ist stabil, die Orientierung im Raum allerdings unerwartet. Eine Hypothese ist eine Störung in der Stromversorgung, in deren Folge ein Safe Mode nicht korrekt eingenommen worden ist. Die Bemühungen um Kontaktaufnahme gehen zwar weiter, aber es ist “clear that the chances to recover the satellite control are slim, keeping in mind that the Envisat satellite has already doubled its expected operations lifetime.” Auf seiner hohen Bahn dürfte der Riesensatellit jedenfalls noch 100 bis 150 Jahre verbleiben. ESA Release, BBC, KosmoLogs 20., Envisat Update 19., New Scientist, Space.com 16., Spiegel 14., Nature, BBC, Space News, KosmoLogs 13., ESA Release, Spaceflight Now, Space News, Daily Mail, Spiegel 12., Envisat News 10.4.2012. NACHTRAG: weitere Envisat-Ansichten von Pléiades 1A aus unterschiedlichen Blickwinkeln


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