Archive for 8. Mai 2012

Nachrichten quer durch’s Universum kompakt

8. Mai 2012

“Late Heavy Bombardement” noch bis vor 2.5 Gyr?

Vor 4.1 bis 3.8 Mrd. Jahren schlugen wesentlich mehr große Körper auf Erde, Mond und andere Bewohner des frühen Sonnensystems auf: Dieses “Late Heavy Bombardement” wird weitgehend (aber nicht von jedem) für real gehalten, und es lässt sich im Rahmen des “Nice-Modells” mit Wanderungen der jungen Riesenplaneten gut verstehen, die insbesondere den Asteroidengürtel kräftig durcheinander brachten und seine heutige Innengrenze von 2.1 AU erklären. Und nun mehren sich die Hinweise, dass das LHB nicht schlagartig vorbei war, sondern nur langsam abnahm, bis erst vor etwa 2.5 Mrd. Jahre der heutige Ruhezustand des Sonnensystems eingekehrt war. Dafür sprechen v.a. globale Schichten aus Mikrosphärulen, die nach großen Impakten aus den resultierenden Feuerbällen auskondensieren: Die einschlagenden Asteroiden waren zwischen 6 und 70 km groß, hat man jetzt aus den Eigenschaften der Sphärulen-Betten geschlossen. Und gleichzeitig machen Simulationsrechnungen plausibel, dass diese Impaktoren aus einem inneren Teil des Asteroidengürtels zwischen 1.7 und 2.1 AU Sonnenabstand kamen, dem die Planetenwanderungen besonders übel mitspielten und der heute praktisch entleert ist. Das nur langsame Abebben des LHB über weitere 1.3 Mrd. Jahre mit weiteren rund 15 Mega-Impakten sollte das damals gerade entstehende Leben auf der Erde “profund beeinflusst” haben. (Johnson & Melosh / Bottke & al. / Kyte, Nature 485 [3.5.2012] 75-81 / 44-5; IO9 27., Pro Physik 26., Science News, Space.com 25.4.2012)

Magnetische Rekonnektion im Magnetschweif der Venus hat überraschenderweise der Venus Express – ja, den gibt’s noch! – festgestellt: Eigentlich hatte man gedacht, dass dieses Phänomen, bei dem auch Teilchen auf Energie gebracht werden können, nur bei Planeten auftritt, die eigene Magnetfelder besitzen. Aber auch ein dicker, feldloser Planet wie die Venus stellt ein Hindernis für den Sonnen wird dar, der sich um es herum drapiert – und dann kann es offenbar dieselben magnetischen Kurzschlüsse geben. (Zhang & al. / Slavin, Science 336 [4.5.2012] 567-70 / 548-9; Xinhua 8., ESA Release, AAAS PR, Space.com 5.4.2012)

Der solare Nebel war eine gute Fabrik für Organisches

Die Bestrahlung von Eisteilchen, die auf ihren Bahnen kurz aus dem dichten solaren Nebel heraus kamen und dort von UV-Photonen der Sonne getroffen wurden, war ein extrem produktiver Prozess, um das junge Sonnensystem mit einem Vorrat an komplexer organischer (und geradezu präbiotischer) Chemie aus zu statten: Das zeigen Simulationsrechnungen in Kombination mit Laborversuchen. Letztere hatten schon länger vorgeführt, dass durch Bestrahlung aufregendere Verbindungen entstehen als der solare Nebel aus seiner Mokekülwolke mit bekommen hat – nun ist auch plausibel, dass diese Prozesse tatsächlich in der Natur abgelaufen sind: Die kurzen Ausflüge der eisigen Teilchen ins Sonnenlicht reichen bereits, um die entscheidenden chemischen Prozesse ein zu leiten. (Ciesla & Sandford / Nuth & Johnson, Science 336 [27.4.2012] 452-4 / 424-5; Science News 21., Wiss. Aktuell 2.4., U. Chicago News 30., Space.com 29.3.2012)

Sternensturz in ein Schwarzes Loch im Detail verfolgt

Jedenfalls ist dies die weithin akzeptierte Erklärung für ein langes ultraviolett-optisches Aufglühen im Zentrum einer namenlosen Galaxie mit z=0.17, das unabhängig das Teleskop PanSTARRS und der Satellit GALEX im Mai bzw. Juni 2010 entdeckt hatten und das bis Ende 2011 andauerte: Hier scheint der Helium-reiche Kern eines ehemaligen Roten Riesens, der bereits (wohl durch die Nähe zum mutmaßlichen SL) seine Hülle verlor, von den Gezeitenkräften eines Schwarzen Lochs von rund 2 Mio. Sonnenmassen zerrissen worden sein. Was davon kommt, wenn das Perinigricon der Bahn nur 6 Schwarzschild-Radien beträgt! Solcherlei SL-Stürze kommen pro Galaxie nur etwa einmal alle 10’000 Jahre vor: Die detaillierten Beobachtungen waren ein Glücksfall, vor allem den fleißigen Himmelsdurchmusterungen zu verdanken. PanSTARRS sollte noch häufiger fündig werden. (Gezari & al. / Lodato, Nature Advance Publications 10990 / 11191; GALEX, CfA, NASA, JHU, JPL Releases 2.5.2012)

Die Initial Mass Function aller Galaxien war nicht dieselbe, vielmehr bildeten sich in alten massereichen elliptischen Galaxien proportional gesehen mehr massearme Sterne: Dieses verblüffende Resultat – bisher nahm man für Galaxien jeder Art dieselbe IMF an – basiert auf trickreichen Untersuchungen an 260 ‘frühen’ Galaxien und könnte, so korrekt, einige Konsequenzen haben. Verstanden ist es jedenfalls überhaupt nicht: Warum sollten sich Sterne bei der ‘Entscheidung’ für ihre Massenverteilung früher an den globalen Eigenschaften ihrer Galaxie orientiert haben, während ihnen ihre lokale Umgebung egal ist? (Cappellari & al. / Bastian, Nature 484 [26.4.2012] 485-8 / 462-3; Pro Physik 25.4., Science Daily 1.5.2012)


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