Nachrichten aus dem Sonnensystem kompakt

Ein kleiner Bruder von Komet Schwassmann-Wachmann 1

ist offenbar P/2010 TO20 LINEAR-Grauer: Wie Komet 29P befindet sich dieser Himmelskörper nahezu auf einer Kreisbahn um die Sonne, mit einer gro0en Halbachse von 5.6 (29P: 6.0) und Periheldistanz von 5.1 AU, und ist – so weit dass die bisher nur sporadischen Beobachtungen anzeigen – immer wieder mal aktiv. Allerdings ist der Kern von LINEAR-Grauer erheblich kleiner (höchstens 5 gegenüber ~50 km bei 29P), und im Gegensatz zu 29P, dessen häufige Ausbrüche von CO-Sublimation angetrieben werden, wird die anhaltende Aktivität von P/2010 TO20 offenbar von Wasser aufrecht erhalten. Bemerkenswert ist die extrem instabile Bahn des neuen Kometen, den man zuerst für einen Jupiter-Trojaner gehalten hatte: Er muss noch vor wenigen Jahrzehnten bis Jahrhunderten eine Centauren-Bahn gehabt haben. Beide Kometen sind damit Beispiele für relativ unprozessierte Ex-Centauren aus größeren Tiefen des Sonnensystems. (Lacerda, Preprint 2.8.2012)

Ein Amateurastronom hat den Kometen Hale-Bopp beobachtet – und zwar jetzt! Drei Stacks aus jeweils 14 anderen Aufnahmen mit einem 40-cm-SCT am 7. August zeigen klar ein sich in die ‘richtige’ Richtung bewegendes punktförmiges Objekt 22. Größe: gut 15 Jahre, nachdem Hale-Bopp mit seinem hellen Staubschweif die letzte große Kometen-Show für die Nordhemisphäre abgeliefert hatte. (Herald, Comets Mailing List 7.8.2012)

Russischer Quasi-Kristall stammt aus dem Weltraum

Bei Quasikristallen wiederholt sich die Gitterstruktur nicht streng periodisch, aber sie teilen andere Eigenschaften mit echten Kristallen – inklusive ihrer Stabilität, womit sich die Mineralogen erst kürzlich angefreundet haben. Im Labor lassen sie sich inzwischen leicht herstellen, wofür es 2011 den Chemie-Nobelpreis gab, aber nur ein einziger Fall aus der Natur ist bisher bekannt, der unter abenteuerlichen Umständen aus der Sowjetunion geschmuggelt worden war. Und nun ist bei einer Expedition ins Fundgebiet auf der Kamtschatka-Halbinsel heraus gefunden worden, dass dieser “Icosahedrit” in einem kohligen Chondriten aus dem Weltraum angereist und vor 4.5 Mrd. Jahren unter Schockbedingungen mit rapider Abkühlung entstanden war. (Steinhardt & Bindi, Reports on Progress in Physics, IOP Release, Nature, Reuters, New Scientist Blogs 10., Spiegel 11., Discovery 21.8.2012)

Der 30. Meteoriten-Krater auf kanadischem Boden scheint auf der Insel Victoria in der Arktis entdeckt worden zu sein, rund 25 km groß und zwischen 130 und 350 Mio. Jahre alt. Auf der ganzen Erde gibt es nur etwa 160 allgemein anerkannten Impaktkrater. (University of Saskatchewan Release 7.8.2012. Auch Australian Geographic 1.8.2012 zum Krater-Reichtum Australiens – und Univ. of Leicester Release 7.8.2012 zu einer Studie, nach der die “Armageddon”-Technik zur Asteroiden-Spaltung um zahlreiche Größenordungen zu energieaufwändig wäre …)

Die “Arsen-Bakterien”? Gibt es einfach nicht: Akte zu!

Schon unmittelbar nach einer spektakulären NASA-Pressekonferenz im Dezember 2010 mit Bakterien, die angeblich ihren Stoffwechsel unter Zwang statt mit Phosphor auch mit Arsen betreiben konnten, waren starke Zweifel an der Forschungsarbeit aufgekommen, die von Woche zu Woche lauter wurden. Erst zerpflückten die Kritiker das Manuskript, das Science offenbar vorschnell akzeptiert hatte (siehe die unzähligen Links jeweils am Ende des Cosmic Mirror #346 und der Ausgaben davor), dann wurden die Experimente mit den GFAJ-1-Bakterien aus dem Mono Lake wiederholt. Mit dem – inzwischen erwarteten – Ergebnis, dass die Bakterien zwar außerordentlich Arsen-resistent sind aber eingehen, wenn man ihnen allen Phosphor weg nimmt, und dass sie das Arsen auch nicht an seiner Statt in ihre DNS einbauen. Akte zu: Alles Leben auf diesem Planeten funktioniert nur auf die eine bekannte Weise … (Erb & al. / Reaves & al., Science 337 [27.7.2012] 467-73; Space Today, Strassler 10., Tweet 26.7.2012) NACHTRAG: Die fraglichen Bakterien sind übrigens richtig scharf auf Phosphor – und dass sie es auch unter Extrembedingungen herausfiltern können, ist eine per se interessante Entdeckung. Hat bloss nichts mit Aliens zu tun …

3 Antworten to “Nachrichten aus dem Sonnensystem kompakt

  1. Catio Says:

    “Alles Leben auf diesem Planeten funktioniert nur auf die eine bekannte Weise”

    Zählt das auch dazu?

    http://www.helmholtz-hzi.de/de/aktuelles/news/ansicht/article/complete/eisennieten_in_den_zellbausteinen/

  2. skyweek Says:

    Sorry, da war ich zu knapp gewesen! Der Schluss-Satz aus dem Paper von Reaves et al. lautet: “The end result is that the fundamental biopolymers conserved across all forms of life remain, in terms of chemical backbone, invariant.” Mit anderen Worten: Für eine “zweite Biosphäre”, von der die Mono-Lake-Forscher (und viele Kollegen) träumen, gibt es weiterhin Null Indizien.

  3. Catio Says:

    Danke. Ich kam nur drauf, weil vor einiger Zeit Martin Bäker sich auf Scienceblogs Gedanken darüber gemacht hatte, warum es bei Wirbeltieren nur Hydroxyapatit gibt und keine Metalle benutzt werden. Daraufhin fand ein Kommentator später in der Diskussion den ungewöhnlichen “Eisennieteneinzeller”.
    Nun ja, eine zweite Biosphäre wäre auch wirklich spannend gewesen.

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