Ein 1-Meter-Komet zerplatzte über Kalifornien

Eine spektakuläre Feuerkugel vor 10 Tagen (“Eine Feuerkugel über Kalifornien ungefähr -20. Größe”) ging nach einer ersten Auswertung auf den Frontalzusammenstoß der Erde mit einem vielleicht 1 m großen Kometenkern zurück: Nur so sei die enorme Eintrittsgeschwindigkeit von 72±6 km/s zu erklären, die sich aus Daten eines Video-Kamera-Netzes ergibt. Bereits in 146 km Höhe hatte der Meteor zu leuchten begonnen, ein Rekord für diese Kameras, und den Boden hat sicher nichts erreicht.

Die “schnellsten” Meteoriten, die je eingesammelt wurden, waren dagegen 77 Bruchstücke, die eine andere Feuerkugel über Kalifornien im April 2012 hatte fallen lassen und die dank der Auswertung von Wetterradar sehr schnell eingesammelt wurden (bisher 943 Gramm): Ein 2 bis 4 m großer Asteroid aus dem Hauptgürtel – vielleicht aus der Eulalia-Familie – war mit 28.6 km/s in die Atmosphäre eingetreten, strahlte in ca. 55 km am hellsten und explodierte in 48 km Höhe mit einer Äquivalentenergie von grob 4 kt TNT. Die Meteoriten identifizieren ihn als kohligen Chondriten des Typs CM, aber mit einer sehr diversen Mineralogie, die auf eine komplexe Vorgeschichte hinweist (Jenniskens & al., Science 338 [21.12.2012] 1583-7; Ames = SETI Inst., AMNH, UC Davis Releases, CT-Scan-Video, Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier).

2010A2

Immer noch Partikel in der Bahn von P/2010 A2 (LINEAR)

zeigt diese Keck-Aufnahme dieses “Aktiven Asteroiden” im Roten vom 14. Oktober 2012, 3 1/2 Jahre nach der plötzlichen Staubfreisetzung von seiner Oberfläche (siehe ISAN 122-7) – was auch immer deren Mechanismus war; die Deutungen reichen von einer Asteroidenkollision über einen von seiner eigenen Rotation zerrissenen Asteroiden bis zu einem aktiv gewordenen “Hauptgürtelkometen”. Der Strahlungsdruck der Sonne hat nur noch die größten Teilchen > 3 mm zurück gelassen, aus denen sich die freigesetzte Masse auf 500’000 Tonnen abschätzen lässt, ~1/10 des Körpers (“n”) selbst. Nennenswert zum Zodiakalstaub tragen dergleichen Ereignisse nicht bei.

Warum Kometen in der Sonnenkorona im EUV leuchten – erst war es der Komet C/2011 N3 (SOHO; siehe ISAN 155-7), dann C/2011 W3 (Lovejoy) gewesen, die der Satellit SDO überraschenderweise in extremer Sonnennähe im Extremen UV leuchten sah – scheint inzwischen verstanden zu sein: Die Sonnenhitze lässt rasant Moleküle sublimieren, die dann von der Strahlung gleich photodissoziiert und ionisiert werden. Vor allem Sauerstoff- und Eisenatome sorgen dann für die intensive Emission, die sich sogar gegen die Sonnenkorona durchsetzen kann, wo diese Linien normalerweise nicht vorkommen.

Opportunity hat ihr zehntes Jahr auf dem Mars begonnen

(denn die Landung – siehe Artikel 830 – war vor 9 Jahren gewesen): Der unverwüstliche Rover ist inzwischen 35.5 km weit gekommen und immer noch in guter Gesundheit, auch wenn die Garantie schon 2004 abgelaufen war … Derzeit beschäftigt sich Opportunity mit Aufschlüssen am Rande des 22-km-Kraters Endeavour, die aus einer feuchteren Epoche stammen könnten, mit weniger saurem Wasser als bei den bisherigen Entdeckungen des Rovers.

Curiositys erster nächtlicher Einsatz der Armkamera MAHLI ist am 22. Januar absolviert worden: Nur beleuchtet von Rover-eigenen LED-Lampen lässt sich gezielt Mineralogie betreiben, indem von Weißlicht auf UV umgeschaltet wird. Unterdessen mehren sich nach der Analyse von Aufnahmen des MRO die Indizien, dass der Ziel-Berg Curiositys Aeolis Mons nur ein Riesenhaufen im Gale-Krater angewehten Staubes ist und nicht etwa die erhofften Sedimente eines ehemaligen Sees – vielleicht ist das Gesamtbild aber auch komplizierter (Science 21.12.2012 S. 1522).

Einstieg der NASA bei Euclid-Mission der ESA perfekt

Während die europäische Weltraumbehörde den Satelliten und seine Instrumente baut, wird die NASA gemäß einem MoU 20 Detektoren für das infrarote liefern, wofür sich im Gegenzug 40 weitere US-Astronomen zu den 1000 überwiegend europäischen im Euclid Consortium gesellen dürfen. Der Start des Satelliten ist nun für das Jahr 2020 geplant, während WFIRST der NASA kaum vor 2025 hoch kommen dürfte. [NACHTRAG: U. Penn Release zu Beiträgen]

Der NEOSSat ist in Indien angekommen, wo der kleine Asteroiden- und Raumschrott-Jäger als eine von mehreren Sekundärnutzlasten des nächsten PSLV starten soll – was laut Auskunft eines Beobachters der dortigen Raumfahrt-Szene nunmehr am 18. Februar passieren soll [NACHTRAG: ein kanadisch-patriotisches Werbe-Video mit wenig technischen Details].

Erkenntnisse über die erste Stufe von Nordkoreas Unha 3

dank ihrer Bergung durch Südkorea nach dem Satellitenstart im Dezember sind publik geworden: Danach hat sie vier Vernier-Düsen zur Stabilisierung des Fluges, und es konnten einzelne Elektronik-Teile als kommerzielle Produkte aus dem Ausland identifiziert werden – aber ob Nordkorea insgesamt nennenswerte Hilfe aus dem Ausland hatte, ist weiter unklar (weitere Meldungen, Bilder und Diskussionen hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier). Südkorea hat derweil seinen nächsten Startversuch für den 30. Januar angesetzt.

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3 Antworten to “Ein 1-Meter-Komet zerplatzte über Kalifornien”

  1. Allgemeines Live-Blog ab dem 1. April 2013 | Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    [...] dem ca. 8. und 25. April geht wohl gar nichts mehr. Auch ein Bericht über ein Paper zu der bereits im Dez. 2012 gemeldeten (“Curiositys erster nächtlicher Einsatz …”) Erkenntnis aus MRO-Bildern, dass es [...]

  2. Allgemeines Live-Blog ab dem 7. Mai 2013 | Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    [...] wurde schon hier (“Curiositys erster nächtlicher Einsatz …”) und hier (“Die Kommunikation mit dem Mars [...]

  3. So lang ist der aktive Asteroid 2010 A2 geworden | Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] ist der “Staubschweif” des aktiv gewordenen Asteroiden 2010 A2, drastisch länger als leztes Jahr mit Keck (“Immer noch Partikel in der Bahn …”) nachgewiesen: Rund eine Million Kilometer […]

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