Nachrichten aus der Astronomie kompakt

IceCube sah 28 Neutrinos vielleicht kosmischen Ursprungs

Nachdem zunächst über zwei Neutrinos mit ~1 PeV Energie in dem riesigen Cherenkov-Detektor unter dem Südpol berichtet worden war, ohne dass ein astronomischer Ursprung bewiesen werden konnte (mehr, mehr und mehr), sind es nun gleich 28 Neutrinos hoher Energie, genauer gesagt über 30 TeV, die auf einer Tagung diskutiert wurden und aus dem Weltraum gekommen sein sollen: Ihre “properties are strongly inconsistent with what you would expect of atmospheric sources and are almost exactly what you would expect from an astrophysical source.” Bloss zu den konkreten Quellen lässt sich aufgrund der IceCube-Daten noch überhaupt nichts sagen. NACHTRAG: ein Nachzügler.

Warum Supersymmetrie eine schöne Erweiterung der Physik wäre, aber es wohl doch nicht ist – weniger wegen theoretischer Probleme als vielmehr des komplett ausgebliebenen Nachweises irgendwelcher SUSY-Partikel im LHC: “At this point, the theoretical hoops being jumped through to keep SUSY ‘viable’ (and yes, that belongs in air quotes) given our experimental null results are getting progressively more and more extravagant.”

Nur ~200’000 Sonnenmassen: Die masseärmste Galaxie

scheint Segue 2 zu sein, deren Geschwindigkeitsdispersion nach neuen Keck-Messungen extrem gering ist – doch ein Sternhaufen ist das blasse Objekt mit seinen 900 Sonnenleuchtkräften offensichtlich nicht, denn die Dispersion der Metallizitäten unter seinen Sternen ist groß. Auch Herschel-Beobachtungen von 1000 K heißem molekularem Gas nahe Sgr A* und GBT-Beobachtungen von neutralem Wasserstoff zwischen den Galaxien M 31 und M 33.

milch

Das soll das beste direkte Bild der Spiralstruktur der Milchstraße sein, die sich aus der “Innenperspektive” notorisch schlecht kartieren lässt: Die Richtungen und Entfernungen von etwa 2000 H-II-Regionen, 1300 Riesen-Molekülwolken und 800 Methanol-Masern wurden hier geplottet. Das Fitten von Spiralarmen sei dem Leser als Übung überlassen …

Karoo Array Telescope sieht Radioflares von Circinus X-1

Der südafrikanische “MeerKAT”-Test-Array KAT-7, Teil der Vorarbeiten für den Square Kilometre Array (SKA), hat seine ersten Beobachtungen gemacht: Radioflares vom Röntgen-Doppelstern Cir X-1, die jetzt wieder so stark wie zuletzt in den 1970-er Jahren sind. Auch Papers zu den Swift- und NuSTAR-Entdeckungen des Magnetars bei Sgr A*, der eine willkommene Abwechslung beim Warten auf die Ankunft der mysteriösen Wolke G2 ist.

Hubble sieht den Vorgänger der SN 2011dh wirklich nicht mehr: Sein Verschwinden (“Der umstrittene Vorgänger …”; auch hier und hier) aus der Galaxie M 51, nachdem die Supernova verblasste, weist den gelben Stern eindeutig als den explodierten Stern aus, obwohl es daran starke Zweifel gegeben hatte.

Spezielle Adaptive Optik löst Kugelsternhaufen auf

Ein künstlicher Laser-Stern für das 4.1-Meter-Teleskop SOAR in Chile, der in nur 10 km Höhe erzeugt wird und das Seeing der unteren Atmosphärenschichten zu beseitigen hilft, dafür aber mit einem Schlag gleich für ein 3 Bogenminuten großes Feld und im Sichtbaren, hat bei der Analyse des Zentrums eines Kugelhaufens wertvolle Dienste geleistet. Die “normale” Laser-AO im Infraroten ist wesentlich aufwändiger.

apex

Kalter Staub im Orion, gesehen vom Radioteleskop APEX und seiner Sub-mm-Kamera LABOCA, orange eingefärbt auf dieselbe Gegend im Optischen gelegt – oben rechts Ausläufer des Orion-Nebels.

Masse von Fomalhaut b zwischen Zwergplanet und Jupiter

Der Natur des mutmaßlichen Planeten des Sterns Fomalhaut, den nur Aufnahmen des HST im Sichtbaren zeigen, ist auch die detaillierte Auswertung all seiner Aufnahmen im Zusammenspiel mit Nicht-Sichtungen durch andere Teleskope nicht wirklich näher gekommen: Was das Weltraumteleskop sieht, kann nur Staub sein, aber was den schwerkraftmäßig zusammen hält, ist herzlich unklar. Für die erstaunliche Helligkeit im Optischen könnte aber eine nicht weit zurück liegende Passage durch Periapsis und/oder Bahnknoten des zentralen Objekts verantwortlich gewesen sein, die zu erhöhter Staubproduktion führte – indem sie zu verstärkten Kollisionen von mondartigen Gebilden im Orbit um das Objekt Anlass gab.

Ein 4 mag. heller 1 Sek. langer Impakt-Blitz auf dem Mond

ist am 17. März von einer NASA-Kamera aufgezeichnet worden: Er war 10-mal heller als jeder andere bisher auf der Mondoberfläche gefilmte und ging auf ein ca. 40 kg schweres und 30 bis 40 cm großes Meteoroid zurück, das mit 5 Tonnen TNT-Äquivalent-Energie explodierte – und dabei einen vielleicht 20 m großen Krater hinterlassen haben sollte, den der Lunar Reconnaissance Orbiter leicht finden können sollte. [NACHTRÄGE: das ganze in schriftlicher Form, die Homepage des NASA-Programms und früherer unabhängiger Erfolg]

“Sand” einer alten Supernova in Meteoriten gefunden: Die beiden Siliziumdioxid-Körnchen sind mit Sauerstoff-18 angereichert und stammen daher von einer Supernova des Typs II – womöglicher jener, die einst die Bildung des Sonnensysems getriggert haben soll.

Das tiefste Bild des Himmels hat Grenzgröße 31 bis 33

Das eXtreme Deep Field des HST ist jetzt auch formell publiziert worden: Zehn Jahre ACD- und WFC3-Aufnahmen des HUDF-Feldes liefern – mit erheblicher Mühe passgenau aufaddiert – eine Grenzgröße von 31 (5 Sigma) bis 33 Magnituden (1-Sigma-Nachweis der Quelle). Die vor allem bei kürzeren Wellenlängen – die das JWST nicht beobachten kann – sicher mindestens ein Jahrzehnt lang nicht überboten werden kann. Auch ein sehr tiefes Bild mit dem Very Large Array, das den größten Teil einer Radio-Hintergrund-Strahlung diskreten Galaxien zuschreiben konnte.

Kann man ein Spiegelteleskope aus einem rotierenden parabelförmigen Streifen bauen? Diese “grundlegendste Modifikation des Teleskop-Designs seit den Tagen von Galilei und Newton” – so der Erfinder – ermögliche die preiswerte Konstruktion großer Geräte, die ihre Bilder mit Methoden der Tomografie erzeugen. Eine – sehr simple – Labordemonstration des Prinzips ist ihm jedenfalls schon geglückt.

3 Antworten to “Nachrichten aus der Astronomie kompakt

  1. Allgemeines Live-Blog vom 23. bis 27. 11. 2013 | Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] weitere gefolgt, deren Eigenschaften deutlich gegen einen atmosphärischen Ursprung sprechen, wie bereits im Mai berichtet worden war. Die 28 Signale mit 30 bis 1200 TeV Energie – die beiden früheren Kandidaten bleiben […]

  2. Der Mondblitz 4. Größe schlug 18-Meter-Krater! | Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] Vorhersage nach dem Ereignis (“Ein 4 mag. heller 1 Sek. langer Impakt-Blitz auf dem Mond”) am 17. März hat perfekt […]

  3. Daniels Dies & Das | Auf der AG-Tagung 2014 in Bamberg: letzter Tag Says:

    […] zwei dieser sechs Blazare die beiden ersten PeV-Neutrinos “Ernie” und “Bert” von IceCUBE abgefeuert? Matthias Kadler und Co. haben […]

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