Archiv für die Kategorie ‘Irdische Teleskope’

Nachrichten aus der Astronomie kompakt

16. Mai 2013

IceCube sah 28 Neutrinos vielleicht kosmischen Ursprungs

Nachdem zunächst über zwei Neutrinos mit ~1 PeV Energie in dem riesigen Cherenkov-Detektor unter dem Südpol berichtet worden war, ohne dass ein astronomischer Ursprung bewiesen werden konnte (mehr, mehr und mehr), sind es nun gleich 28 Neutrinos hoher Energie, genauer gesagt über 30 TeV, die auf einer Tagung diskutiert wurden und aus dem Weltraum gekommen sein sollen: Ihre “properties are strongly inconsistent with what you would expect of atmospheric sources and are almost exactly what you would expect from an astrophysical source.” Bloss zu den konkreten Quellen lässt sich aufgrund der IceCube-Daten noch überhaupt nichts sagen. NACHTRAG: ein Nachzügler.

Warum Supersymmetrie eine schöne Erweiterung der Physik wäre, aber es wohl doch nicht ist – weniger wegen theoretischer Probleme als vielmehr des komplett ausgebliebenen Nachweises irgendwelcher SUSY-Partikel im LHC: “At this point, the theoretical hoops being jumped through to keep SUSY ‘viable’ (and yes, that belongs in air quotes) given our experimental null results are getting progressively more and more extravagant.”

Nur ~200’000 Sonnenmassen: Die masseärmste Galaxie

scheint Segue 2 zu sein, deren Geschwindigkeitsdispersion nach neuen Keck-Messungen extrem gering ist – doch ein Sternhaufen ist das blasse Objekt mit seinen 900 Sonnenleuchtkräften offensichtlich nicht, denn die Dispersion der Metallizitäten unter seinen Sternen ist groß. Auch Herschel-Beobachtungen von 1000 K heißem molekularem Gas nahe Sgr A* und GBT-Beobachtungen von neutralem Wasserstoff zwischen den Galaxien M 31 und M 33.

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Das soll das beste direkte Bild der Spiralstruktur der Milchstraße sein, die sich aus der “Innenperspektive” notorisch schlecht kartieren lässt: Die Richtungen und Entfernungen von etwa 2000 H-II-Regionen, 1300 Riesen-Molekülwolken und 800 Methanol-Masern wurden hier geplottet. Das Fitten von Spiralarmen sei dem Leser als Übung überlassen …

Karoo Array Telescope sieht Radioflares von Circinus X-1

Der südafrikanische “MeerKAT”-Test-Array KAT-7, Teil der Vorarbeiten für den Square Kilometre Array (SKA), hat seine ersten Beobachtungen gemacht: Radioflares vom Röntgen-Doppelstern Cir X-1, die jetzt wieder so stark wie zuletzt in den 1970-er Jahren sind. Auch Papers zu den Swift- und NuSTAR-Entdeckungen des Magnetars bei Sgr A*, der eine willkommene Abwechslung beim Warten auf die Ankunft der mysteriösen Wolke G2 ist.

Hubble sieht den Vorgänger der SN 2011dh wirklich nicht mehr: Sein Verschwinden (“Der umstrittene Vorgänger …”; auch hier und hier) aus der Galaxie M 51, nachdem die Supernova verblasste, weist den gelben Stern eindeutig als den explodierten Stern aus, obwohl es daran starke Zweifel gegeben hatte.

Spezielle Adaptive Optik löst Kugelsternhaufen auf

Ein künstlicher Laser-Stern für das 4.1-Meter-Teleskop SOAR in Chile, der in nur 10 km Höhe erzeugt wird und das Seeing der unteren Atmosphärenschichten zu beseitigen hilft, dafür aber mit einem Schlag gleich für ein 3 Bogenminuten großes Feld und im Sichtbaren, hat bei der Analyse des Zentrums eines Kugelhaufens wertvolle Dienste geleistet. Die “normale” Laser-AO im Infraroten ist wesentlich aufwändiger.

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Kalter Staub im Orion, gesehen vom Radioteleskop APEX und seiner Sub-mm-Kamera LABOCA, orange eingefärbt auf dieselbe Gegend im Optischen gelegt – oben rechts Ausläufer des Orion-Nebels.

Masse von Fomalhaut b zwischen Zwergplanet und Jupiter

Der Natur des mutmaßlichen Planeten des Sterns Fomalhaut, den nur Aufnahmen des HST im Sichtbaren zeigen, ist auch die detaillierte Auswertung all seiner Aufnahmen im Zusammenspiel mit Nicht-Sichtungen durch andere Teleskope nicht wirklich näher gekommen: Was das Weltraumteleskop sieht, kann nur Staub sein, aber was den schwerkraftmäßig zusammen hält, ist herzlich unklar. Für die erstaunliche Helligkeit im Optischen könnte aber eine nicht weit zurück liegende Passage durch Periapsis und/oder Bahnknoten des zentralen Objekts verantwortlich gewesen sein, die zu erhöhter Staubproduktion führte – indem sie zu verstärkten Kollisionen von mondartigen Gebilden im Orbit um das Objekt Anlass gab.

Ein 4 mag. heller 1 Sek. langer Impakt-Blitz auf dem Mond

ist am 17. März von einer NASA-Kamera aufgezeichnet worden: Er war 10-mal heller als jeder andere bisher auf der Mondoberfläche gefilmte und ging auf ein ca. 40 kg schweres und 30 bis 40 cm großes Meteoroid zurück, das mit 5 Tonnen TNT-Äquivalent-Energie explodierte – und dabei einen vielleicht 20 m großen Krater hinterlassen haben sollte, den der Lunar Reconnaissance Orbiter leicht finden können sollte. [NACHTRÄGE: das ganze in schriftlicher Form, die Homepage des NASA-Programms und früherer unabhängiger Erfolg]

“Sand” einer alten Supernova in Meteoriten gefunden: Die beiden Siliziumdioxid-Körnchen sind mit Sauerstoff-18 angereichert und stammen daher von einer Supernova des Typs II – womöglicher jener, die einst die Bildung des Sonnensysems getriggert haben soll.

Das tiefste Bild des Himmels hat Grenzgröße 31 bis 33

Das eXtreme Deep Field des HST ist jetzt auch formell publiziert worden: Zehn Jahre ACD- und WFC3-Aufnahmen des HUDF-Feldes liefern – mit erheblicher Mühe passgenau aufaddiert – eine Grenzgröße von 31 (5 Sigma) bis 33 Magnituden (1-Sigma-Nachweis der Quelle). Die vor allem bei kürzeren Wellenlängen – die das JWST nicht beobachten kann – sicher mindestens ein Jahrzehnt lang nicht überboten werden kann. Auch ein sehr tiefes Bild mit dem Very Large Array, das den größten Teil einer Radio-Hintergrund-Strahlung diskreten Galaxien zuschreiben konnte.

Kann man ein Spiegelteleskope aus einem rotierenden parabelförmigen Streifen bauen? Diese “grundlegendste Modifikation des Teleskop-Designs seit den Tagen von Galilei und Newton” – so der Erfinder – ermögliche die preiswerte Konstruktion großer Geräte, die ihre Bilder mit Methoden der Tomografie erzeugen. Eine – sehr simple – Labordemonstration des Prinzips ist ihm jedenfalls schon geglückt.

Die Jupitermonde sind aus Eis: die faszinierende Geschichte einer verpassten Entdeckung

23. Februar 2013

Alles war schon in den 1840er Jahren da gewesen: die Massen der Jupitermonde, die Laplace auf 10 bis 25 Prozent genau aus ihren gegenseitigen Bahnstörungen berechnet und 1803 veröffentlicht hatte, und ihre Volumina, bestimmt aus den Durchmessern, die wiederum durch wiederholte Beobachtungen gegenseitiger Bedeckungen bis zu diesem Zeitpunkt ermittelt worden waren. Jetzt hätte bloß noch einer hin zu gehen brauchen, die ersten Zahlen durch die zweiten zu dividieren, was zu der Erkenntnis geführt hätte, dass die Dichte viel näher an der von Wassereis als der von Gestein liegt – und zusammen mit den hohen Albedos der Monde wäre der Schluss ein leichter gewesen, dass sie überwiegend aus Eis bestehen.

Aber genau das ist bis 1923 nicht passiert: Von 32:45 (bzw. 30:10) bis 42:40 (bzw. 46:40) erzählt in dieser Aufzeichnung eines Vortrags von vor drei Stunden der Vatikan-Astronom Guy Consolmagno von seinen Recherchen über die aus heutiger Perspektive unfassbaren Irrwege der Forschung. Entweder wurde gar nicht dividiert oder falsch (so in einem populärwissenschaftlichen Buch), und als man endlich die Dichten richtig auflistete, wurden sie völlig falsch interpretiert. Denn die Jupitermond-Beobachter des 19. Jh. hatten sich irrtümlich überzeugt, dass die Helligkeiten der Mond dramatischen Schwankungen unterlagen, was man sich wiederum durch extrem abgeflachte und taumelnde Objekte erklärte – deren geringe Dichte dann auf Gebilde aus Staub hinzuweisen schien.

Die Fehlbeobachtung der Helligkeitsschwankungen erklärt Consolmagno mit falsch angewandter visueller Photometrie, bei der die Mondhelligkeiten mit Jupiter im Gesichtsfeld – und kleinerer Pupille – mit weiter entfernten Sternen vor dunklem Hintergrund verglichen worden seien. Und auch der Astronom, der als erster klar die Eisnatur der Jupitermonde erkannte, beging gleich wieder einen schweren Fauxpas, indem er kurzerhand die Planeten Jupiter und Saturn auch gleich zu Eiskugeln machte. Für Consolmagno steckt in dieser wenig ruhmhaften länglichen Episode der Astronomiegeschichte eine tiefe Lehre für uns alle: Wir sehen meist nur, was wir sehen wollen, und werden dadurch an fundamentalen Einsichten gehindert. So wie ein hypothetischer intelligenter Thunfisch im Ozean des Jupitermonds Europas, der erst die Größe des Kosmos erkennt, wenn das Eis zerbricht …

Allgemeines Live-Blog vom 22. bis 23. Januar

22. Januar 2013

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Ein winziger Ausschnitt aus der Großen Magellanschen Wolke, genauer gesagt ihrem Sternentstehungsgebiet LHA 120-N 11 neben NGC 1769 (links), aus Sicht des Hubble Space Telescope: Die Bilddaten entstanden im Rahmen eines wissenschaftlichen Programms und wurden nun im Rahmen der “Hidden Treasures”-Aktion ‘geborgen’. [22:40 MEZ am 23. Januar - Ende]

Schon wieder eine Feuerkugel mit ca. -20m über den USA

Fünf Tage nach einer gleißend hellen Feuerkugel über dem Westen der USA (“Eine Feuerkugel über Kalifornien …”) hat sich über dem Osten der USA & Kanadas gestern morgen ein vergleichbares Schauspiel ereignet, “alle Farben des Regenbogens” sollen zu sehen gewesen sein … [22:35 MEZ]

apex

Staubwolken im Orion im sichtbaren und Nah-IR-Licht und Sub-mm-Bereich in einem wilden Mix aus der Digital Sky Survey (440 bis 800 nm) und Daten des Atacama Pathfinder Experiments (APEX; 870 µm), das die orange eingefärbten Schwaden beisteuert, wo im Optischen wenig zu sehen ist – wo’s lang geht, möge dieses Zoom-Video klarer machen. [20:10 MEZ]

Neues Mosaiksteinchen in Sachen Heizung der Korona

Die Bilder der Sonnenkorona mit 0.2″ Auflösung des Hi-C-Raketenflugs vom letzten Juli sind jetzt ausgewertet: Sie stützen offenbar die Vermutung, dass das ‘Abwickeln’ magnetischer “Verflechtungen” und ihre Rekonnektion die besonders heißen Zonen der Sonnenkorona erzeugen (während für die Normalkorona eher Wellenphänomene verantwortlich seien). Während der 5 Minuten langen Beobachtungen mit Hi-C konnte zweimal beobachtet werden, wie in entsprechenden Zonen genügend Energie für ihre Heizung dissipiert wurde. Dass dies der generelle Prozess in der aktiven Korona ist, konnte in der Kürze der Zeit allerdings nicht bewiesen werden: Wie gerade auf einer noch laufenden NASA-Telecon erzählt wurde, wäre ein HiC-artiges Teleskop auf einem Satelliten wünschenswert … [19:35 MEZ. NACHTRAG: Press Releases auch von UCLan, LockMart und NASA]

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Eine Riesen-Protuberanz hängt gerade am Südrand der Sonne, hier vom SDO bei 30 nm Wellenlänge vor 20 Minuten aufgenommen – und so sah es 75 Minuten früher aus. [5:05 MEZ] Und noch ein Bild. [5:30 MEZ] Und hier die Protuberanz in Bewegung, Show schon vorbei. [6:40 MEZ]

ExoMars-Vertrag zwischen ESA & Russland ausgehandelt!

Einen Press Release war’s der ESA bisher nicht wert, aber RIA Novosti, Voice of Russia und Xinhua melden übereinstimmend, dass die Chefs von ESA und Roskosmos, Dordain und Popovkin, gestern den Vertragstext über die gemeinsamen ExoMars-Missionen 2016 und 2018 fertig gestellt haben. Unterzeichnet werden soll das Abkommen am 15. März in Paris, direkt nach seiner Absegnung durch den ESA-Rat. [4:10 MEZ]

supertiger

Dieser Antarktis-Ballon hat den Langzeitrekord gebrochen! Bereits seit 45 Tagen – im Bild der Start am 9.12.2012 – ist der Super-TIGER im polaren Vortex unterwegs, und ein Ende der Mission zur Messung Kosmischer Strahlung ist noch nicht in Sicht. Der alte Rekord von 2004/5 hatte bei 42 Tagen gelegen (siehe Cosmic Mirror #287 Kurzmeldung), der Super-TIGER wird auch auf Blogger und Facebook dokumentiert. [1:45 MEZ. NACHTRAG: späterer Wallops Release. NACHTRAG 2: Am Ende blieb er 55 Tage oben, bis das He abgelassen wurde]

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Das war “DSI”: viele wilde Ideen aber (noch) kein Geld

Hundert Minuten dauerte die erste Pressekonferenz [NACHTRÄGE: komplette Aufzeichnung und eine neue Version des Promo-Videos daraus; die alte wurde entfernt] der “Deep Space Industries“, und schon bald ahnte das Publikum: Im Gegensatz zu “Planetary Resources” sind hier offenbar noch kaum nennenswerte Finanzen gesammelt worden, um die weitreichenden Pläne auch in die Tat um zu setzen. Wie es da gelingen soll, schon 2015 die ersten “Firefly”-Sonden (von denen gleich mehrere zusammen auf einer Rakete starten sollen) an Near Earth Asteroids vorbei fliegen zu lassen und bereits 2016 mit “Dragonfly” (Grafik in der Mitte; man sieht eine Heritage aus der CubeSat-Welt) gar eine Sample Return Mission zu beginnen, steht wahrlich in den Sternen. Ein wahres Wort sprach der Chairman of the Board R. Tumlinson allerdings auf der PK: Während ihrer Dauer hätte so mancher auf dem Planeten mehr Zinsen auf sein Vermögen bekommen als ein “Firefly” kosten würde – diese Leute müsste man halt nur irgendwie anlocken (und erste Investoren gibt es angeblich schon). Die ersten Einnahmen erhoffen sich die DSI (die einen Börsengang erwägen, wenn “Dragonfly” beladen auf dem Rückweg ist) jedenfalls aus dem Verkauf von Asteroiden-Beobachtunges-Daten an die Regierung. Und wenn dann erst der Abbau von NEAs beginnt, sind den Gewinnen keine Grenzen gesetzt, wenn im Weltraum mit den gewonnenen Rohstoffen die tollsten Sachen gebaut – oder sie an andere Kunden im All verkauft – werden … [21:00 MEZ am 22. Januar. NACHTRÄGE: weitere PK-Berichte hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier]

Betel

Ein Bugschock vor Betelgeuse im interstellaren Medium ist auf dieser Herschel-Aufnahme bei 70-160 µm zu sehen – und 9 Bogenminuten in Flugrichtung lauert offenbar eine interstellare Staubwand: Mit der wird der staubige Schock in etwa 5000 Jahren und der Stern 12’500 Jahre danach zusammenstoßen. Wenn dieser nicht bis dahin schon zur Supernova geworden ist. [18:45 MEZ]

Russen sind raus: Indien baut seinen Mond-Lander selber

Nachdem Russland sein mehrteiliges neues Mondprogramm erneut umstrukturiert hat, werden auch in Indien die Karten für Chandrayaan-2 neu gemischt: Den Lander wird man nun selber bauen, mit 2 Instrumenten auf einem von ihm rollenden Rover, während der Orbiter derer 5 tragen soll. Vor gut 5 Jahren war eigentlich beschlossen worden, dass Russlands den Lander für Chandrayaan-2 beisteuert, aber die Pleite mit Fobos-Grunt hat auf beiden Seiten zu einem Neubeginn geführt. Und der asiatische Wettlauf zur Mondoberfläche hat wieder drei Teilnehmer, mit China und seinem Rover Chang’e 3 als klarem Favoriten mit Start noch dieses Jahr. Russlands Luna-Glob 1 und Chandrayaan-2 sind derzeit beide für 2015 geplant. [18:25 MEZ]

2013 Inaguration Parade

Als Curiosity vor dem Weißen Haus vorfuhr … eine dramatische Perspektive von der Inaugurations-Parade (siehe ganz unten) – auf der leider der winkende POTUS durch einen Querbalken verdeckt und auch in voller Auflösung nicht klar zu identifizieren ist. Ob es wohl einen ‘Money Shot’ von schräg unten mit deutlich erkennbarem Präsidenten und ebenso eindeutigen Curiosity-Details im Vordergrund gibt? Na ja, auf diesem anderen NASA-Bild ist Obama immerhin gut zu sehen, und er applaudiert dem Marsrover sogar. [1:40 MEZ. NACHTRAG: ein Video dazu]

Und die nächsten Asteroiden-Abbauer steigen in den Ring

Nur ein Dreivierteljahr nach dem Auftauchen von “Planetary Resources” – die erstmal ein ganz kleines Weltraumteleskop bauen, im Video oben vorgestellt – hat für heute ein Mitbewerber im vermeintlich lukrativen Markt des Asteroiden-Bergbaus zu einer PK eingeladen: “The world’s first fleet of commercial asteroid-prospecting spacecraft will be announced at 10 a.m. Tuesday, Jan. 22, at the Santa Monica Museum of Flying by a new company”, tönen die “Deep Space Industries”. Die wollen bereits ihr Raumschiff – in einem Video – präsentieren sowie “a breakthrough process for manufacturing in space. Deep Space is pursuing an aggressive schedule and plans on prospecting, harvesting, and processing asteroids for use in space and to benefit Earth.” Dem Ganzen soll man ab 19:00 MEZ auf diesem Kanal folgen können (vor Ort ist’s aber besser: “Coffee and doughnuts will be served”); Vorberichte gibt’s u.a. hier, hier und hier. [1:15 MEZ]

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Die NASA zeigt Präsenz bei Obamas zweiter Inauguration während der Parade danach gestern Abend: Ein Modell von Curiosity (ganz oben in einem TV-Still vom Moment der Passage vor Obama und Biden) und eine Orionkapsel waren dabei, dazu bedeutendes Mars-Personal und 8 Astronauten. Die NASA war auch 1969 (ein Bild des Floats), 1973, 1977 (sehr bescheiden …) und 2009 (ganz am Ende) dabei gewesen; diesmal war die Teilnahme an der Parade nur eine von vielen Aktionen rund um die Inauguration, die auch eine kleine Starparty in Arlington umfassten. [0:25 MEZ]

Na endlich: mehr von Chang’e 2 bei Toutatis!

20. Januar 2013

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Das – nach der aberwitzigen Curiosity-Landung auf dem Mars – größte interplanetare Ereignis des vergangenen Jahres war fraglos der Besuch der chinesischen Raumsonde Chang’e 2 am Asteroiden Toutatis, während dieser seinerseits der Erde nahe kam – aber die seltsame Informationspolitik Chinas beraubte die beachtliche Leistung leider des internationalen Ruhmes, der ihr gebührt hätte. Einen Monat später sind endlich neue Details bekannt geworden: in einem Vortrag von Chunlai Li, dem “Executive Chief Mission Designer”, auf dem 8. Meeting der NASA Small Bodies Assessment Group am 15. Januar. Gezeigt wurden nunmehr 11 Bilder des Asteroiden [NACHTRAG: aus einem langen Film mit hunderten] – mit der kleinen technischen Kamera zur Kontrolle der Solarzellen – nach der größten Annäherung aus geschätzten 38 bis 685 km Distanz (oben); die Entfernungen wurden aus der Größe des Asteroiden auf dem Chip ermittelt und dürften noch etwas revidiert werden. [NACHTRAG: Aber wie sie jetzt sind, bestätigt eine Analyse einen extrem nahen Vorbeiflug.]

Die schärfsten Aufnahmen zeigen den Asteroiden nur teilweise, weil der Rest von den besagten Solarzellen abgedeckt wird: die erste (2. Bild) entstand am 13. Dezember um 8:30:00 UTC aus ca. 40 km Abstand und hat etwa 4.6 m Auflösung. [NACHTRAG: Hier (unten) wurde es mit anderen der Bilder verschmolzen.] Die Bilder 3 und 4 (letzteres das erste mit dem kompletten Asteroiden, aus 85-90 km Abstand) entstanden um 8:30:03 und 8:30:04 UTC. Li war zu dem Meeting gekommen, um internationale Partner für die Auswertung der Flyby-Daten zu suchen: Man könnte zusammen mit den Radar-Daten das ultimative 3D-Modell bauen, die Features auf der Oberfläche und deren Albedo und Farbe – die Kamera lieferte RGB-Bilder! – analysieren, die Schwerkraft und das Rotationsverhalten von Toutatis modellieren und Vergleiche mit Hayabusas Ziel Itokawa und NEARs Ziel Eros anstellen. (Auf besagtem SBAG-Meeting wurden u.a. auch erste Planungen zu Komet ISON vorgestellt: von großen Sternwarten, vielleicht von einem Ballon – auch als Demo desselben – und aus dem Weltraum.)

Asteroid auf langperiodischer Kometenbahn entdeckt

Für einige Aufregung hat unter Small-Bodies-Fans die Entdeckung von 2013 AS105 gesorgt, ein Körper ohne kometare Aktivität – aber auf der Bahn eines langperiodischen Kometen, der freilich nie der Sonne nahekommt. Inzwischen konnte ein Link mit 2010 AO137 hergestellt und die Bahn wesentlich präziser bestimmt werden: Sie hat demnach eine Periode von 65 Jahren, eine Periheldistanz von 5.75 au und eine Apheldistanz von 26.6 au! Das Perihel war schon, und die Sonnendistanz ist bereits wieder auf knapp 7 AU angestiegen und die Helligkeit auf 20 mag. gefallen.

Noch ein Asteroid auf einer Kometenbahn – die in die Nähe der Erde führt – ist der ganz frisch entdeckte 2013 BC18, dessen Ellipse nach der ersten Analyse komplett innerhalb der von 2013 AS105 liegt: Periode 4.9 Jahre, Periheldistanz 0.6 au, Apheldistanz 5.1 au. Interessant die Nähe dieser Bahn zur Erdbahn (der Asteroid ist ein PHA), die zu einem Meteorschauer mit einem Maximum Anfang Januar führen könnte – denn 2013 BC18 ist gewiss ein (z.Z.) inaktiver Kometenkern, der aber früher was verloren haben könnte.

Ein Supernovarest, der wie eine Seekuh aussieht?

19. Januar 2013

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Erinnert der Supernovarest W50 (oben in Blau ein Radiobild vom VLA, auf in Rot Sternen und Staub im IR von WISE) an einen ausruhenden Florida-Manati (Florida manatee, Trichechus manatus latirostris; Foto von Tracy Colson)? Na ja, irgendwie schon – und dewegen wird das Astro-Bild heute auf dem Florida Manatee Festival enthüllt und der SNR “Manatee Nebula” getauft [NACHTRAG: wie es zu der Aktion gekommen ist].

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Der gesamte Cygnus Loop auf einem Bild-Mosaik des 90-cm-WIYN-Teleskops mit im Original 24’000 Pixeln Kantenlänge, die 3° am Himmel entsprechen – die rund 1 GB große Datei in voller Auflösung gibt’s hier. Die 3 x 3 engbandigen Bilder mit der NOAO-Kamera Mosaic 1 waren bereits vor 10 Jahren gemacht worden, aber damals gab es noch gar nicht die Rechner, um daraus ein Gesamtmosaik des Supernovarests zu erstellen …

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Ein Herschel/XMM-Bild des Supernovarests W44 bei 70 – 250 µm Wellenlänge bzw. 1.2 – 8 keV Energie (blau eingefärbt): Im Röntgenlicht verrät sich mehrere Mio. Grad heißes Gas im Inneren der Schale, die schon stark mit dem interstellaren Medium wechselwirkt.

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Auch ein Stück Supernovarest: der Pencil Nebula NGC 2736 – der hellste Teil des großen Vela-SNR – auf einer Aufnahme des 2.2-m-Teleskops auf La Silla. Auch bekannt als Herschel’s Ray, da John Herschel den Nebel 1835 in Südafrika visuell entdeckte.

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Der Helix-Nebel im kombinierter GALEX-/Spitzer-/WISE-Sicht: Die Falschfarbendarstellung umfasst Wellenlängen von 150 nm bis 24 µm – und der Planetarische Nebel NGC 7293 sieht in allen Farben ungefähr gleich aus, was bei Deep-Sky-Objekten kaum je der Fall ist.

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Der Planetarische Nebel NGC 7354 aus Hubble-Sicht: Zwei verschachtelte Schalen, Knoten und Jets sind zu erkennen. Hinter der ganzen Symmetrie steckt vermutlich ein Begleiter des Zentralsterns, auf den aber noch kein direkter Hinweis gefunden wurde.

Wie Dünen Krater auf Titan verschwinden lassen

17. Januar 2013

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Cassini-Radar-Bilder des “frischen” Kraters Sinlap (links) und des weitgehend erodierten Soi – beide etwa 80 km groß – demonstrieren, wie sich die Oberfläche des Saturnmonds Titan immer wieder verjüngt. Die halbe Titanoberfläche hat das Radar über die Jahre mit hoher Auflösung abgetastet und doch nur 60 Einschlagskrater gefunden, während die anderen Saturnmonde von Krater übersät sind: Driftende Sanddünen, von der dichten Atmosphäre geschoben, füllen sie rasch auf, bis sie nicht mehr zu erkennen sind.

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Ein Rohbild der Saturn-Wolken vom 24. Dezember 2012 durch die Cassini-Filter CB2 und CL2 aus 710’000 km Entfernung – mehr Wettergeschehen als man diesem Planeten oft zuschreibt.

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Vom Winde verweht: ein Impaktkrater auf dem Mars, den inzwischen Sanddünen fast unkenntlich gemacht haben, auf einem HiRISE-Bild des Mars Reconnaissance Orbiter.

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Reull Vallis auf dem Mars in künstlicher Schrägsicht, berechnet aus Bildern des – nun schon über 9 Jahre um den Planeten kreisenden – Mars Express von 2012: Dieses Tal, vermutlich von Wasser geschaffen, schlängelt sich fast 1500 km über die Oberfläche.

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Drei Einschlagskrater auf dem (Erd-)Mond, dicht nebeneinander und 125 bis 180 m groß; mit der Sonne ‘im Rücken’ des Lunar Reconnaissance Orbiter treten die Ejekta deutlich hervor. Die drei sind wohl innerhalb von Minuten entstanden. Der LRO wurde kürzlich auch für ein Laser-Kommunikations-Experiment – das erste interplanetare? – benutzt, bei dem ein Bild von der Erde zum LOLA-Detektor geblitzt wurde.

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Soyuz TMA-07M nähert sich der ISS am 21. Dezember, von derselben aus aufgenommen unter einem zunehmenden Mond.

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Eine ISS-Aufnahme, die erst Rätsel aufgab und sogar Erdfoto-Experten verwirrte: Wieso ist die Raumstation so hell, während gleichzeitig – im Original jedenfalls – zahlreiche Sterne am Himmel über Nordafrika zu sehen sind? Die Lösung ist der Vollmond an diesem Tag, der ein unerwartet sanftes Licht auf die Module wirft.

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Die griechische Insel Rhodos aus der ISS aufgenommen vor ein paar Tagen.

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Vulkane im Morgenlicht aus schräger ISS-Perspektive aufgenommen in Kamtschatka, im Rahmen intensiver russischer Erdbeobachtungen von der Raumstation aus. Der linke der Vulkane ist der z.Z. aktive Tobalchik.

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Nochmal Kamtschatka-Vulkanismus, aber jetzt im IR von Satelliten IO9: Ein Lavastrom des besagten Tolbachik am 1. Dezember, nachdem er zum ersten Mal in 36 Jahren wieder aktiv geworden war.

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Und noch ein Blick von unten nach oben: Strichspuren über ALMA, dem großen Radiointerferometer in Chile, das dieses Jahr fertig werden soll, mit dann 66 Antennenschüsseln – 54 mit 12 m und 12 mit 7 m Durchmesser.

Allgemeines Live-Blog vom 16. Januar 2013

16. Januar 2013

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Und wieder ist ein Stückchen vom JWST fertig geworden

Diesmal ist es das aft-optics subsystem (AOS) des James Webb Space Telescope, das dafür sorgt, dass das Licht vom Sekundärspiegel des eigentlichen Teleskops den wissenschaftlichen Instrumenten des Mega-Satelliten zugeführt wird: Alle Performance-Tests sind abgeschlossen. Auf der AAS-Tagung letzte Woche (“Dem James Webb Space Telescope …”) war Optimismus verbreitet worden, dass es mit dem Finanz- und Zeitplan des Monster-Satelliten diesmal klappt – aber die Auswirkungen auf andere Missionen sind erheblich. [23:50 MEZ - Ende]

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Ein Modell des BEAM, die stellvertretende NASA-Chefin und Herr Bigelow höchstselbst (den nicht nur normale Raumfahrt interessiert, s.a. hier, hier und hier) bei der heutigen Präsentation des Aufblas-Moduls für die ISS (s.u.) – auch Artikel zur Vorgeschichte BEAMs, den anderen Aufblas-Satelliten der Firma und ähnlichen NASA-Ideen schon 1959. [22:10 MEZ] Mehr zum Hintergrund des Bigelow-NASA-Deals in diesem Bericht von der PK: Die 18 Mio. NASA-$$ decken die Kosten der Firma nicht im Mindesten, der es eher darum geht, einen Fuß in die Tür zu bekommen – und für eine große eigene aufgeblasene Raumstation zu üben. [23:15 MEZ]

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atv2

ESA und NASA gemeinsam zu fernen Welten? Während zumindest für einen (unbemannten Test-)Flug der NASA-Orion ein entscheidender ESA-Beitrag vereinbart wurde (siehe unten) und eine eventuelle weitere Zusammenarbeit buchstäblich in den Sternen steht, haben die Künstler beider Raumfahrtagenturen schon mal klar gemacht, wo’s lang geht: Bei der ESA (oben) strahlen das ATV 2.0 und seine Solarzellen im hellen Glanz, während die Orion weitgehend verdeckt ist, bei der NASA (unten) dominiert die Orion, die das ATV 2.0 im Schatten liegen lässt – und die Oberstufe des SLS sitzt auch noch auffällig dahinter … [21:35 MEZ]

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Ganz schön aufgeblasen: das “Bigelow Expandable Activity Module” (BEAM), das 2015 für zwei Jahre an der ISS angebracht werden soll – als Demonstrator für solcherlei Aufblas-Raumstations-Module und wie sie es im Weltraum aushalten. Bizarrerweise bezahlt die NASA der Firma, die auch selber mit Aufblas-Satelliten experimentiert (siehe Artikel C25), 17.8 Mio.$ für ihr – per Dragon – anzulieferndes 4 x 3 Meter großes Modul, dabei hatte sie das Konzept ursprünglich von der NASA lizensiert. [21:05 MEZ]

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ESA jetzt im “critical path” der Orion-Kapsel der NASA

Auf einer gemeinsamen PK von NASA und ESA [NACHTRAG: Aufzeichnung] wird gerade der Einstieg der ESA beim Flug EM-1 des Orion-Systems gefeiert: Gemäß diesem Plan liefert die ESA auf der Basis ihres ISS-Frachters ATV (dessen letzte beide Exemplare diesen April und 2014 starten) das Service Module für diesen zweiten Flug der Orion, der – z.Z. für Ende 2017 geplant – der erste der neuen Riesenrakete SLS sein und unbemannt um den Mond herum führen wird. Die ESA ist damit – zumindest vorübergehend – “in the critical path”: Das Vertrauen hatte man sich durch die gute Zusammenarbeit bei der ISS erworben. Bleiben Ersatzteile übrig, kann die NASA diese auch für EM-2 verwenden, ansonsten ist der ESA-Einstieg in die bemannte US-Raumfahrt nach gegenwärtiger Beschlusslage schon wieder vorbei (auch wenn T. Reiter auf der PK von einem “start of extended cooperation” sprach): Das Antriebssystem für EM-1 ist die “in kind”-Zahlung der ESA für ihren Anteil an den Betriebskosten der ISS bis 2020. Bei ersten Testflug der Orion in ca. 20 Monaten ist noch keine ESA-Hardware dabei. [18:20 MEZ. NACHTRÄGE: ein detailliertes Video über EM-1 auf Vimeo & Youtube - und eine PM der ESA, nicht erwähnt, dass es nur um EM-1 geht]

I

Dieser 9.25″-Schmidt-Cassegrain wurde jetzt hinter einem ISS-Fenster installiert, wie diesem beiläufigen Orbit-Tweet zu entnehmen ist – allerdings schaut das Teleskop nicht in den Himmel sondern auf die Erde: Das ISS SERVIR Environmental Research and Visualization System (ISERV) soll die automatische Erdbeobachtung von der ISS aus erproben, speziell als “DisasterCam” für den Einsatz bei Naturkatastrophen als Beitrag für SERVIR. Das Bildfeld misst dank eines Fokalreduktors mit einer EOS 7D etwa 13 x 9 km, die Auflösung entspricht mit ca. 3 m einer Kuh. ISERV (das Bild hier entstand [NACHTRAG: mit einem ähnlichen Gerät] noch auf der Erde) war bereits letzten Sommer angekommen und nun gestern hinter der Window Observational Research Facility (WORF) – NASA-Speak für “extra gutes Fenster” – installiert worden. [5:25 MEZ. NACHTRÄGE: das Teleskop wird 'unboxed' und schwebt in der ISS, auch erwähnt im gestrigen Tages-Video von 2:30-3:45, unten im heutiges Tages-Bericht und in einem späteren Artikel]

wambel

Das Feuer von Siding Spring brennt immer noch …

… auf dieser Aufnahme aus Reiseflughöhe, die die Feuerwehr verbreitet hat: Gerade startete das 4. Live-Blog von A. Bauer mit der Kunde, dass im Inneren der Kuppeln von AAT (“So sieht der Bau des Anglo-Australian Telescope jetzt aus”) und UK Schmidt zwar viel Schmutz aber keine offensichtlichen Schäden an den Instrumenten selbst vorgefunden wurden – die Feuerschutz-Maßnahmen der letzten Jahre haben sich bewährt. Und die ATNF berichtet von einer Inspektion des Mopra-Radioteleskops, bei der auch dieses und dieses Bild entstanden. [1:10 MEZ. NACHTRAG: Physics World fasst zusammen - und Bauers fünfter Blog]

Die Entwicklung der Sonnen-Aktivitätregion 1654, während sie vom 7. bis 14. Januar über die Sonnenscheibe – Anblick am 15. Januar – zog: lückenlos dokumentiert vom Solar Dynamics Observatory. Die Gruppe war zwar groß, hat aber wohl kaum nennenswerte Effekte auf der Erde produzieren können. [0:10 MEZ. NACHTRAG: die zugehörigen Korona-Loops vom 9.-15. Januar]

Die nächste russische Mondmission startet nicht vor 2015

Auf dieses Jahr ist nach Berichten hier, hier und hier der Start von Luna-Glob (“Mond-Globus”) gerutscht, der ersten von vier angedachten Missionen zur Errichtung einer “robotischen Mondbasis”. Der Lander soll eine 120-kg-Nutzlast zur Oberfläche bringen, auch astrophysikalische. Und gestartet werden soll von einem neuen Weltraumbahnhof in der östlichen Amur-Region: Baikonur adé. [0:10 MEZ. NACHTRAG: Dieser Artikel beschreibt zwei weitere russische Mondmissionen 2016 und 2017 - und kündigt "2030 – 2040 eine breite Erschließung des Mondes" an ...]

Schicksal von 2012 DA14 in hundert Jahren unbestimmt

Dank neuer Astrometrie der letzten Tage ist die Bahn dieses Asteroiden, der am 15. Februar dicht an der Erde vorbeifliegen wird, inzwischen auf 100 km genau bekannt: 27’700 km wird der Minimalabstand von der Erdoberfläche betragen. Doch ob es in der Zukunft möglicherweise zu einer Kollision kommen kann, ist auch mit der neuen, stark verbesserten Bahn (vor der neuen Astrometrie lag die Ungenauigkeit der Erddistanz 2012 noch bei 8000 km!) nicht klar, wie aktuelle Abfragen der beiden führenden Vorhersage-Systeme Sentinel (ein Impakt 2110 möglich, Wahrscheinlichkeit 1:7.7 Mrd.) und NeoDyS (drei Impakte 2096, 2097 und 2100 möglich, Wahrscheinlichkeit bis zu 1:4 Mio.) zeigen. Die Ursache der Widersprüche ist zum einen mathematischer Art, zum anderen trägt ein enger Erdvorbeiflug 2046 zu einer – im himmelsmechanischen Sinne – chaotischen Entwicklung danach bei. [0:10 MEZ]

Die globale Erwärmung setzt sich unvermindert fort

2012 war global gesehen das neunt-wärmste Jahr seit 1880, bis auf 1998 lagen die neun wärmsten Jahr des 132-Jahres-Zeitraums mit zuverlässigen Daten alle nach 2000, und 2005 und 2010 waren die heißesten Jahre überhaupt: Also hat es das Goddard Institute for Space Studies (GISS) der NASA gestern vorgerechnet. Seit 1880 ist die globale Mitteltemperatur um 0.8°C gestiegen, und 2012 lag um 0.6°C über der Referenz (1951-1980) für Vergleiche, die danach nur ein einziges Mal überhaupt – 1976 – unterboten wurde. Ein Zusammenhang der (von jährlichen Schwankungen abgesehen) ständig steigenden Erdtemperatur mit der Zunahme der Treibhausgase – so ist der CO2-Gehalt der Atmosphäre von 285 ppm 1880 auf inzwischen gut 390 ppm gestiegen – steht längst außer Frage. [0:10 MEZ. NACHTRAG: warum es keinen 'Stillstand' seit 1998 gibt]

Live-Blog zur Lage des Siding Spring Observatory

13. Januar 2013

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“Kein Teleskop hat wohl größeren Schaden genommen”

So lautete um 22:40 MEZ = 8:40 Ortszeit das erste Fazit der Australian National University (auch hier und hier erwähnt): “The Observatory has survived with some damage and some loss of buildings. An initial assessment indicates that five buildings have been severely affected or damaged, including the Lodge used to accommodate visiting researchers and a number of cottages and sheds. A fire has been extinguished at the Visitors Centre this morning. We expect the Visitor Centre has been severely damaged. An initial visual assessment indicated that no telescopes appear to have received major damage, but the impact of the fire on the instruments will not be known until later today.” Oben ein weiteres Feuerwehr-Bild vom Morgen, mit intakten Kuppeln in verbrannter Landschaft. [23:35 MEZ - Ende. NACHTRAG: Das SSO ist erst mal 2 Wochen dicht, um Schäden zu sichten und zu beseitigen, und die Teleskope liegen bis auf Weiteres still, sind aber laut Bauers Blog nach erstem Augenschein o.k. (und auch das Mopra-Radioteleskop); alles Zerstörte war komplett versichert]

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Die niedergebrannte Besucher-”Lodge” der Sternwarte auf einem aktuellen Luftbild der Feuerwehr: neben dem Besucherzentrum und ein paar Wohngebäuden wohl das einzige sichere Opfer des Waldbrandes – weitere Fotos vom Morgen danach in einem FB-Album der Feuerwehr! Man hat allerdings noch nichts vom Schicksal des Mopra-Radioteleskops gehört. [23:05 MEZ = 9:05 Ortszeit]

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Die HATS-Gebäude stehen noch am Morgen danach; laut einer – finnischen – Quelle ist v.a. das Besucherzentrum des SSO betroffen. [21:05 MEZ] Das Feuer selbst ist jedenfalls etwas weniger gefährlich geworden. [21:25 MEZ] Ein weitwinkligeres Webcam-Bild von Faulkes Süd zeigt auch keine Schäden. [21:30 MEZ] Und die Feuerwehr vor Ort. [22:05 MEZ] Und weitere Morgen-Fotos hier und hier und neue Updates hier. [22:35 MEZ]

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Die Sternwarte vor 15 Minuten aufgenommen von einer Webcam des Faulkes-Süd-Teleskops, dem es gut gehen soll, im Morgengrauen. Der erste Eindruck nach dem Bild scheint erfreulich; man hatte u.a. Spezialfarbe verwendet, die feuerfest sein sollte. [20:30 MEZ = 6:30 Ortszeit] Und Amanda Bauer live-bloggt wieder, noch ohne neue Erkenntnisse. [20:35 MEZ] Laut einem Feuerwehr-Chef sind die Teleskope o.k., aber es wurden einige Gebäude zerstört. [20:40 MEZ]

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Zustand Australiens größter Sternwarte nach Waldbrand noch unklar; Anglo-Australian Telescope steht noch

Heute haben die australischen Waldbrände auch das Siding Spring Observatory im Warrumbungle National Park in New South Wales überrannt – und wie stark das Dutzend Teleskope dort und die Infrastruktur Schaden genommen haben, ist derzeit noch unklar; alles Personal wurde jedenfalls rechtzeitig evakuiert. Informationsquellen sind bislang die Bilder von Webcams wie das obige vom HAT-South Telescope Network von vor 6 Stunden (kein Link; die Feuerwehr bittet, auf die Webcam-Server nicht zuzugreifen) oder Zeitraffer vom Faulkes-Süd-Teleskop (oben, auch hier) oder vom Radioteleskop Mopra in denselben Bergen, ein viel zitierter Live-Blog von Amanda Bauer und ein Status-Bericht von Robert McNaught, dazu sporadische australische Zeitungsartikel wie dieser, dieser, dieser, dieser oder dieser. Definitiv o.k. scheint das große Anglo-Australian Telescope zu sein (unten ein Luftbild der Feuerwehr kurz vor Eintreffen der Front), aus dessen Kuppel es seither Messwerte gibt, die bei nur 20°C liegen, ein Astronom hat aus der Ferne gesehen, dass mindestens fünf der Kuppeln noch stehen, und die Feuerwehr vor Ort bestätigt ebenfalls das Überleben des AAT(-Kuppelbaus). Das Disaster auf dem Mt. Stromlo vor fast exakt 10 Jahren (siehe Artikel 593) hat sich heute hoffentlich nicht wiederholt … [18:30 MEZ = 4:30 morgens Ortszeit]

AAS 221: das genialste Astro-Bild dieser Tagung

9. Januar 2013

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Oder möchte das jemand bezweifeln? :-) Mit dieser Aufnahme aus dem Außenbereich des Orionnebels wird auf der gleich beginnenden 9. PK der 221. AAS-Tagung die Leistungsfähigkeit des Gemini Multi-Conjugate Adaptive Optics System (GeMS) (“Premiere …”) zusammen mit dem Gemini South AO Imager (GSAOI) demonstriert werden. Bei der MCAO wird die Luftunruhe mit Hilfe von 5 künstlichen Laser-Sternen dreidimensional erfasst und kann dann über eine großes Gesichtsfeld ausgeglichen werden: Als die Daten für dieses nahinfrarote Bild am 28. Dezember 2012 entstanden, war das natürliche Seeing 0.8 bis 1.1 Bogensekunden – und nach der Korrektur nur noch 0.084 bis 0.103 Bogensekunden. Und das in einem Gesichtsfeld von 85 Bogensekunden Durchmesser. In falschfarbigem Blau erscheinen hier überschallschnelle “Geschosse” aus einem Sternentstehungsgebiet links unten außerhalb des Gesichtsfelds, weshalb dieser Teil des Orionnebels zuweilen “Orion Bullet Region” genannt wird.

AAS 221: allerlei Strukturen in der Milchstraße

9. Januar 2013

waren gestern Thema der 5. Pressekonferenz der 221. AAS-Tagung (komplette Aufzeichung). Das gab es zu sehen:

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Der erste “Knochen” der Milchstraße – denen auch gleich die eigene URL “MilkyWayBones” gewidmet wird – ist diese 300 Lichtjahre lange und nur 1-2 Lichtjahre dicke Faser aus Staub und Gas, die auf dieser Spitzer-Aufnahme dunkel erscheint. Die Struktur könnte zu einem regelrechten ‘Skelett’ der Galaxis gehören.

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“Radio-dunkle Wolken” in der Milchstraße im Kontinuum sind ein überraschendes Phänomen, durchdringt doch Radiostrahlung normalerweise alles und erscheint hell. Doch in den radio-dunklen Wolken fehlt tatsächlich Emission: Es sind dichte Molekülwolken, die in heißes Gas eingebettet sind – das kann emittieren, sie nicht.

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So sieht die fliegende Sternwarte SOFIA den Quintuple Cluster und die Umgebung dieser links zu erkennenden heißen Sterne, die vor 4-6 Mio. Jahren bei einem Starburst 35 pc vom Milchstraßen-Zentrum entfernt entstanden: Die Sterne machen sich im Infraroten – Kamera FORCAST, 20 – 37 µm Wellenlänge – durch Staubhüllen bemerkbar, die die aufheizen; man erkennt aber auch noch viel anderes Interstellares.

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Eine massereiche Molekülwolke, die kaum Sterne machen will, obwohl sie die 25-fache Dichte von Orion A hat, ist G0.253+0.016 in der Nähe des Milchstraßenzentrums: Wie neue Untersuchungen ergeben haben, fehlt es ihr an besonders dichten Kernen, das Gas bewegt sich zu stark, und vermutlich kollidieren hier gerade mehrere Wolken. [NACHTRAG: ein später Press Release dazu.]

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Der Ring um das Galaktische Zentrum aus SOFIAs Sicht bei 20 bis 37 µm Wellenlänge: Der – schräg von der Seite gesehene – Circumnuclear Ring ist hier deutlich zu erkennen (darin sitzt ein Radioastronomen schon seit Jahrzehnten bekanntes “Y” aus Gas, das wohl auf dem Weg in die Zentralmaschine Sgr A* ist). Mit FORCASTs Auflösung scheinen periodische und horizontale Strukturen im CNR sichtbar zu werden, die Rückschlüsse auf Prozesse in der Nähe von Sgr A* geben könnten – über deren Natur wurde auf der PK aber nicht mal spekuliert.


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