Archiv für die Kategorie ‘Kurz & bündig’

Nachrichten aus der Astronomie kompakt

16. Mai 2013

IceCube sah 28 Neutrinos vielleicht kosmischen Ursprungs

Nachdem zunächst über zwei Neutrinos mit ~1 PeV Energie in dem riesigen Cherenkov-Detektor unter dem Südpol berichtet worden war, ohne dass ein astronomischer Ursprung bewiesen werden konnte (mehr, mehr und mehr), sind es nun gleich 28 Neutrinos hoher Energie, genauer gesagt über 30 TeV, die auf einer Tagung diskutiert wurden und aus dem Weltraum gekommen sein sollen: Ihre “properties are strongly inconsistent with what you would expect of atmospheric sources and are almost exactly what you would expect from an astrophysical source.” Bloss zu den konkreten Quellen lässt sich aufgrund der IceCube-Daten noch überhaupt nichts sagen. NACHTRAG: ein Nachzügler.

Warum Supersymmetrie eine schöne Erweiterung der Physik wäre, aber es wohl doch nicht ist – weniger wegen theoretischer Probleme als vielmehr des komplett ausgebliebenen Nachweises irgendwelcher SUSY-Partikel im LHC: “At this point, the theoretical hoops being jumped through to keep SUSY ‘viable’ (and yes, that belongs in air quotes) given our experimental null results are getting progressively more and more extravagant.”

Nur ~200’000 Sonnenmassen: Die masseärmste Galaxie

scheint Segue 2 zu sein, deren Geschwindigkeitsdispersion nach neuen Keck-Messungen extrem gering ist – doch ein Sternhaufen ist das blasse Objekt mit seinen 900 Sonnenleuchtkräften offensichtlich nicht, denn die Dispersion der Metallizitäten unter seinen Sternen ist groß. Auch Herschel-Beobachtungen von 1000 K heißem molekularem Gas nahe Sgr A* und GBT-Beobachtungen von neutralem Wasserstoff zwischen den Galaxien M 31 und M 33.

milch

Das soll das beste direkte Bild der Spiralstruktur der Milchstraße sein, die sich aus der “Innenperspektive” notorisch schlecht kartieren lässt: Die Richtungen und Entfernungen von etwa 2000 H-II-Regionen, 1300 Riesen-Molekülwolken und 800 Methanol-Masern wurden hier geplottet. Das Fitten von Spiralarmen sei dem Leser als Übung überlassen …

Karoo Array Telescope sieht Radioflares von Circinus X-1

Der südafrikanische “MeerKAT”-Test-Array KAT-7, Teil der Vorarbeiten für den Square Kilometre Array (SKA), hat seine ersten Beobachtungen gemacht: Radioflares vom Röntgen-Doppelstern Cir X-1, die jetzt wieder so stark wie zuletzt in den 1970-er Jahren sind. Auch Papers zu den Swift- und NuSTAR-Entdeckungen des Magnetars bei Sgr A*, der eine willkommene Abwechslung beim Warten auf die Ankunft der mysteriösen Wolke G2 ist.

Hubble sieht den Vorgänger der SN 2011dh wirklich nicht mehr: Sein Verschwinden (“Der umstrittene Vorgänger …”; auch hier und hier) aus der Galaxie M 51, nachdem die Supernova verblasste, weist den gelben Stern eindeutig als den explodierten Stern aus, obwohl es daran starke Zweifel gegeben hatte.

Spezielle Adaptive Optik löst Kugelsternhaufen auf

Ein künstlicher Laser-Stern für das 4.1-Meter-Teleskop SOAR in Chile, der in nur 10 km Höhe erzeugt wird und das Seeing der unteren Atmosphärenschichten zu beseitigen hilft, dafür aber mit einem Schlag gleich für ein 3 Bogenminuten großes Feld und im Sichtbaren, hat bei der Analyse des Zentrums eines Kugelhaufens wertvolle Dienste geleistet. Die “normale” Laser-AO im Infraroten ist wesentlich aufwändiger.

apex

Kalter Staub im Orion, gesehen vom Radioteleskop APEX und seiner Sub-mm-Kamera LABOCA, orange eingefärbt auf dieselbe Gegend im Optischen gelegt – oben rechts Ausläufer des Orion-Nebels.

Masse von Fomalhaut b zwischen Zwergplanet und Jupiter

Der Natur des mutmaßlichen Planeten des Sterns Fomalhaut, den nur Aufnahmen des HST im Sichtbaren zeigen, ist auch die detaillierte Auswertung all seiner Aufnahmen im Zusammenspiel mit Nicht-Sichtungen durch andere Teleskope nicht wirklich näher gekommen: Was das Weltraumteleskop sieht, kann nur Staub sein, aber was den schwerkraftmäßig zusammen hält, ist herzlich unklar. Für die erstaunliche Helligkeit im Optischen könnte aber eine nicht weit zurück liegende Passage durch Periapsis und/oder Bahnknoten des zentralen Objekts verantwortlich gewesen sein, die zu erhöhter Staubproduktion führte – indem sie zu verstärkten Kollisionen von mondartigen Gebilden im Orbit um das Objekt Anlass gab.

Ein 4 mag. heller 1 Sek. langer Impakt-Blitz auf dem Mond

ist am 17. März von einer NASA-Kamera aufgezeichnet worden: Er war 10-mal heller als jeder andere bisher auf der Mondoberfläche gefilmte und ging auf ein ca. 40 kg schweres und 30 bis 40 cm großes Meteoroid zurück, das mit 5 Tonnen TNT-Äquivalent-Energie explodierte – und dabei einen vielleicht 20 m großen Krater hinterlassen haben sollte, den der Lunar Reconnaissance Orbiter leicht finden können sollte. [NACHTRÄGE: das ganze in schriftlicher Form, die Homepage des NASA-Programms und früherer unabhängiger Erfolg]

“Sand” einer alten Supernova in Meteoriten gefunden: Die beiden Siliziumdioxid-Körnchen sind mit Sauerstoff-18 angereichert und stammen daher von einer Supernova des Typs II – womöglicher jener, die einst die Bildung des Sonnensysems getriggert haben soll.

Das tiefste Bild des Himmels hat Grenzgröße 31 bis 33

Das eXtreme Deep Field des HST ist jetzt auch formell publiziert worden: Zehn Jahre ACD- und WFC3-Aufnahmen des HUDF-Feldes liefern – mit erheblicher Mühe passgenau aufaddiert – eine Grenzgröße von 31 (5 Sigma) bis 33 Magnituden (1-Sigma-Nachweis der Quelle). Die vor allem bei kürzeren Wellenlängen – die das JWST nicht beobachten kann – sicher mindestens ein Jahrzehnt lang nicht überboten werden kann. Auch ein sehr tiefes Bild mit dem Very Large Array, das den größten Teil einer Radio-Hintergrund-Strahlung diskreten Galaxien zuschreiben konnte.

Kann man ein Spiegelteleskope aus einem rotierenden parabelförmigen Streifen bauen? Diese “grundlegendste Modifikation des Teleskop-Designs seit den Tagen von Galilei und Newton” – so der Erfinder – ermögliche die preiswerte Konstruktion großer Geräte, die ihre Bilder mit Methoden der Tomografie erzeugen. Eine – sehr simple – Labordemonstration des Prinzips ist ihm jedenfalls schon geglückt.

Nachrichten aus der Raumfahrt kompakt

4. April 2013

smc1

Ein Ausschnitt aus der Kleinen Magellanschen Wolke, kombiniert aus Chandra-, Hubble- und Spitzer-Bildern, die lila bzw. blau, grün und rot bzw. ebenfalls rot eingefärbt wurden, und auch in entsprechenden Press Releases hier, hier und hier beschrieben werden. Der glitzernde Sternhaufen in der Mitte ist NGC 602a, dessen Strahlung in der Umgebung das Gas vertrieben hat. Vor-Hauptreihen-Sterne darin sorgen für ein diffuses Röntgen-Glühen – und die Erkenntnis, dass junge “Sonnen” überall gleich sind.

Kepler beobachtet Gravitationslinsen-Wirkung eines Sterns

Und zwar eines Weißen Zwergs im Orbit um einen Roten Zwerg, dessen Durchmesser viel größer ist: Die Helligkeitabnahme im Transit ist entsprechend minimal – und sogar noch geringer als “klassisch” zu erwarten. Die Erklärung ist eine Lichtverstärkung des Roten Zwergs durch die Gravitationslinsen-Wirkung des Weißen Zwergs (vom Durchmesser der Erde aber der Masse der Sonne), die auf diese Weise – auch der Satellit GALEX war beteiligt – in diesem System KOI-256 erstmals nachgewiesen wurde. Derweil wachsen die Sorgen um Keplers gestörtes Drallrad: Für den Fall eines Ausfalls werden bereits Pläne geschmiedet, aber mit der Suche nach ‘fremden Erden’ – der eigentlichen Aufgabe Keplers – wäre es dann vorbei.


Das Solar Dynamics Observatory führt ein Tänzchen auf, regelmäßig, um die Instrumente zu eichen: Dann steht die Sonne kurzzeitig Kopf – so wie gestern und hier in diversen Wellenlängen zu sehen.

Hubble fand die fernste Typ-Ia-Supernovae, mit z=1.9

Diese Rotverschiebung platziert die Supernova UDS10Wil 3.5 Mrd. Jahre nach dem Urknall bzw. in eine Zeit vor etwas über 10 Mrd. Jahren: Das macht die in auch in Press Releases hier, hier, hier, hier und hier gefeierte Sternexplosion zu einem weiteren wichtigen Messpunkt für die Historie der kosmischen Expansion. Ihre Helligkeit passt jedenfalls schon mal zur Standardkosmologie – und ein vom CANDELS+CLASH Supernova Project, dem auch diese Entdeckung gelang, insgesamt festgestellter starker Rückgang der Ia-SN-Rate passt zum Szenario verschmelzender Weißer Zwerge [NACHTRAG: noch eine Einschätzung].

smc3

Der Saturnmond Enceladus vorgestern von Cassini aufgenommen, aus 830’500 km Distanz: Über den Rand ragt eine auch im rückgestreuten Licht verblüffend helle Fontäne, die da aus den “Tigerstreifen” schießt – viel Action im äußeren Sonnensystem.

Die Integration des Mars-Orbiters MAVEN schreitet voran

Gerade wurde in “Mars Atmosphere and Volatile EvolutioN” das Neutral Gas and Ion Mass Spectrometer (NGIMS) eingebaut, das die Zusammensetzung der oberen Marsatmosphäre erforschen soll. Damit sitzen alle Instrumente auf MAVEN: Es folgen Umwelt-Tests und dann der Start der NASA-Mission am 18. November. Unterdessen hat die Störung des laufenden Mars-Sonden-Betriebs durch die Sonnen-Konjunktion des Planeten begonnen: Die Rover dürfen z.B. nicht mehr fahren; für Curiosity ist es die erste Konjunktion. Und wie weit es bis zum Mars eigentlich ist, demonstriert ein cleveres Java-Programm: Mit “v” geht’s los …

smc4

Mit Raketen den leuchtenden Nachtwolken auf der Spur war die NASA im Oktober 2011 mit den beiden CHAMPS-Raketen, die im norwegischen Andøya starteten: Die Abkürzung steht für “Charge and Mass of Meteoric Smoke Particles” und ist Programm. Bei den Flügen in die extrem hohen Eiswolken hinein konnte tatsächlich im Prinzip genug Meteoritenstaub festgestellt werden, rund 20’000 Partikel pro Kubikzentimeter, um ihre Kondensation zu erklären – mit nur 0.4 bis 1.2 nm Durchmesser sind sie allerdings eigentlich zu klein, doch ihre elektrische Ladung hilft offenbar. Jetzt können die Modelle für den ziemlich komplexen NLC-Prozess verfeinert werden. Auch Artikel zu Denkmalschutz mit Satelliten, z.B. in Krisenregionen, dem 30. Jubiläum der TDRS-Satelliten (der erste startete mit dem Space Shuttle Challenger) und dem Roll-Out der ersten Antares-Rakete am 6. April, die zwischen dem 17. und 19.4. starten soll.

Nachrichten aus der Asteroidenwelt kompakt

13. September 2012

Ein Rockvideo über einen ziemlich dicken Rock, von der NASA ‘komponiert’ anlässlich der Abreise von Dawn in der Nacht zum 5. September: auch die letzten Bildprodukte – und das Citizen Science-Projekt Vesta Mappers, das bizarrerweise den einzigen Zugang zu weiteren Vesta-Bildern bietet, weil die Rohbilder der Mission nicht sofort öffentlich wie bei den Marsrovern oder Cassini sind und es überdies wegen Streit um Vestas Koordinatensystem Verzögerungen bei der Archivierung gibt …

Start des kanadischen Asteroidenjägers Anfang Dezember?

Vier Jahre verspätet könnte auf dem nächsten indischen PSLV u.a. auch der kleine NEOSSat (Ende des Artikels) starten, nachdem diese Rakete am 9.9. gut funktioniert hat, dem 100. indischen Weltraumstart übrigens. Der NEOSSat soll die Hälfte der Zeit nach erdnahen Asteroiden suchen und den Rest der Zeit – in militärischem Auftrag – Raumschrott und Satelliten im Erdorbit. (SpaceRef Canada 5.9.2012)

Eine Asteroidenkamera auf einem geostationären Satelliten mitfliegen lassen möchte die NASA: Vorschläge – bitte unter 50 Mio.$ – dürfen nun eingereicht werden, gestartet wird vielleicht schon 2016. Billiger als ein Extrasatellit wäre das allemal; das Ziel ist die Katalogisierung von Asteroiden auf besonders erdähnlichen Bahnen bis 30 m Durchmesser – vielleicht darunter ein leichtes Astronautenziel. (Spaceflight Now 28.8.2012)

Der NEA 2008 EV5 könnte ein günstiges Zielobjekt sein

für eine robotische Sample Return Mission oder auch einen bemannten Besuch, weil er mit besonders wenig “Delta-V” zu erreichen wäre: Grund für eingehende Untersuchungen von der Erde aus. Viel gab dabei sein Spekztrum nicht her, und auch die Albedo konnte nur sehr vage auf 5 bis 20 % eingegrenzt werden. Am besten passt das Spektrum zu kohligen Chondriten des Typs CI wie dem Orgueil-Meteoriten: Dann läge die Albedo eher nahe dem unteren Ende des Bereichs. (Reddy & al., Preprint 6.9.2012)

Schüler – weltweit – dürfen das Ziel von OSIRIS-REx taufen, das bisher nur (101955) 1999 RQ36 heißt: Man darf höchstens 18 Jahre alt sein, muss den Namen gut begründen und sich bis zum 2.12. melden. Die Entscheidung über den Namen für das Asteroidenziels der ersten US-Sample Return Mission (ISAN 137-5) liegt natürlich bei der IAU; wurde der Gewinner-Name mehrfach vorgeschlagen, gewinnt die beste Begründung. (Planetary Society, NASA Releases 4.9.2012)

Radiation Belt Storm Probes in ihren Orbits

30. August 2012

Nach mehreren Verzögerungen hat heute die Atlas V pünktlich die beiden RBSP-Satelliten auf ihre Umlaufbahnen gebracht: Ihre Mission durch die Van-Allen-Gürtel soll nun mindestens 2 Jahre dauern. Auch tolle Bilder vom Nachtstart und Artikel von Sky & Tel., AP und SPON (wegen schlechter Internetverbindung in einem Dolomiten-Dorf heute mal nur kurze Updates).

Dawn verlässt den Vesta-Orbit am 5. September: ab zu Ceres

Nach der überaus erfolgreichen Untersuchung des Kleinplaneten Vesta und zuletzt Ärger mit dem Ionenantrieb soll die NASA-Sonde Dawn nun in der Nacht zum 5. September den Einflussbereich des Asteroiden verlassen und Kurs auf den Zwergplaneten Ceres nehmen.

Curiosity ist erstmals auf ‘großer Fahrt’ und hat Kurs auf Glenelg genommen: Der erste Drive war 16 m lang, Probleme gab es keine. Auch Artikel von BBC und Universe Today.

Nachrichten aus dem Sonnensystem kompakt

22. August 2012

Ein kleiner Bruder von Komet Schwassmann-Wachmann 1

ist offenbar P/2010 TO20 LINEAR-Grauer: Wie Komet 29P befindet sich dieser Himmelskörper nahezu auf einer Kreisbahn um die Sonne, mit einer gro0en Halbachse von 5.6 (29P: 6.0) und Periheldistanz von 5.1 AU, und ist – so weit dass die bisher nur sporadischen Beobachtungen anzeigen – immer wieder mal aktiv. Allerdings ist der Kern von LINEAR-Grauer erheblich kleiner (höchstens 5 gegenüber ~50 km bei 29P), und im Gegensatz zu 29P, dessen häufige Ausbrüche von CO-Sublimation angetrieben werden, wird die anhaltende Aktivität von P/2010 TO20 offenbar von Wasser aufrecht erhalten. Bemerkenswert ist die extrem instabile Bahn des neuen Kometen, den man zuerst für einen Jupiter-Trojaner gehalten hatte: Er muss noch vor wenigen Jahrzehnten bis Jahrhunderten eine Centauren-Bahn gehabt haben. Beide Kometen sind damit Beispiele für relativ unprozessierte Ex-Centauren aus größeren Tiefen des Sonnensystems. (Lacerda, Preprint 2.8.2012)

Ein Amateurastronom hat den Kometen Hale-Bopp beobachtet – und zwar jetzt! Drei Stacks aus jeweils 14 anderen Aufnahmen mit einem 40-cm-SCT am 7. August zeigen klar ein sich in die ‘richtige’ Richtung bewegendes punktförmiges Objekt 22. Größe: gut 15 Jahre, nachdem Hale-Bopp mit seinem hellen Staubschweif die letzte große Kometen-Show für die Nordhemisphäre abgeliefert hatte. (Herald, Comets Mailing List 7.8.2012)

Russischer Quasi-Kristall stammt aus dem Weltraum

Bei Quasikristallen wiederholt sich die Gitterstruktur nicht streng periodisch, aber sie teilen andere Eigenschaften mit echten Kristallen – inklusive ihrer Stabilität, womit sich die Mineralogen erst kürzlich angefreundet haben. Im Labor lassen sie sich inzwischen leicht herstellen, wofür es 2011 den Chemie-Nobelpreis gab, aber nur ein einziger Fall aus der Natur ist bisher bekannt, der unter abenteuerlichen Umständen aus der Sowjetunion geschmuggelt worden war. Und nun ist bei einer Expedition ins Fundgebiet auf der Kamtschatka-Halbinsel heraus gefunden worden, dass dieser “Icosahedrit” in einem kohligen Chondriten aus dem Weltraum angereist und vor 4.5 Mrd. Jahren unter Schockbedingungen mit rapider Abkühlung entstanden war. (Steinhardt & Bindi, Reports on Progress in Physics, IOP Release, Nature, Reuters, New Scientist Blogs 10., Spiegel 11., Discovery 21.8.2012)

Der 30. Meteoriten-Krater auf kanadischem Boden scheint auf der Insel Victoria in der Arktis entdeckt worden zu sein, rund 25 km groß und zwischen 130 und 350 Mio. Jahre alt. Auf der ganzen Erde gibt es nur etwa 160 allgemein anerkannten Impaktkrater. (University of Saskatchewan Release 7.8.2012. Auch Australian Geographic 1.8.2012 zum Krater-Reichtum Australiens – und Univ. of Leicester Release 7.8.2012 zu einer Studie, nach der die “Armageddon”-Technik zur Asteroiden-Spaltung um zahlreiche Größenordungen zu energieaufwändig wäre …)

Die “Arsen-Bakterien”? Gibt es einfach nicht: Akte zu!

Schon unmittelbar nach einer spektakulären NASA-Pressekonferenz im Dezember 2010 mit Bakterien, die angeblich ihren Stoffwechsel unter Zwang statt mit Phosphor auch mit Arsen betreiben konnten, waren starke Zweifel an der Forschungsarbeit aufgekommen, die von Woche zu Woche lauter wurden. Erst zerpflückten die Kritiker das Manuskript, das Science offenbar vorschnell akzeptiert hatte (siehe die unzähligen Links jeweils am Ende des Cosmic Mirror #346 und der Ausgaben davor), dann wurden die Experimente mit den GFAJ-1-Bakterien aus dem Mono Lake wiederholt. Mit dem – inzwischen erwarteten – Ergebnis, dass die Bakterien zwar außerordentlich Arsen-resistent sind aber eingehen, wenn man ihnen allen Phosphor weg nimmt, und dass sie das Arsen auch nicht an seiner Statt in ihre DNS einbauen. Akte zu: Alles Leben auf diesem Planeten funktioniert nur auf die eine bekannte Weise … (Erb & al. / Reaves & al., Science 337 [27.7.2012] 467-73; Space Today, Strassler 10., Tweet 26.7.2012) NACHTRAG: Die fraglichen Bakterien sind übrigens richtig scharf auf Phosphor – und dass sie es auch unter Extrembedingungen herausfiltern können, ist eine per se interessante Entdeckung. Hat bloss nichts mit Aliens zu tun …

Nachrichten aus der Raumfahrt kompakt

26. Juli 2012

Curiosity’s erste Bilder nach Minuten – oder Stunden

Von zahlreichen Faktoren – eine gelungene Landung vorausgesetzt natürlich – hängt es ab, wann die ersten Aufnahmen des Mars Science Laboratory “Curiosity” von der Marsoberfläche die Erde erreichen: Im glücklichsten Fall fängt der alte Orbiter Mars Odyssey schon Minuten nach der Landung (7:31 MESZ Earth Received Time am 6. August) ein 128 Pixel breites Thumbnail einer der Hazcams – die den entsprechenden Kameras auf den Mars Exploration Rovern entsprechen – ein, die mit ihrer Fischaugenoptik immerhin einen gewissen Überblick verspricht. Die nächste Möglichkeit wäre eine 1024 Pixel breite Version des Bildes gegen 10:00 MESZ, mit mehr dann gegen Abend MESZ. Vielleicht gibt’s schon eine Bilderflut wie nach den Landungen von Spirit und Opportunity (siehe Artikel 813 und 830), vielleicht dauert’s wesentlich länger: Versprochen wird gar nichts. Immerhin hat der letztens angeschlagene Odyssey eine wichtige Bahnkorrektur geschafft, so dass zumindest der Überflug über die Landestelle während der Endphase von Entry, Descent & Landung (im Detail hier, hier und hier diskutiert) gesichert zu sein scheint – eine Zeitlang sah es so aus, als könnte sich selbst die Nachricht über die glückliche Ankunft am Boden um Minuten bis Stunden verzögern. (JPL Release 24., Planetary Society Blog 23., Space Today 17., JPL Release, Science@NASA 16., LA Times 14., Odyssey Status 13.7.2012)

New-Horizons-Planer besorgt über mondreiche Pluto-Umgebung: Die anhaltenden Entdeckungen neuer kleiner Brocken rund um den Zwergplaneten (siehe ISAN 167-5) sprechen für einen großen Impakt, der ihn mit zahlreichen Einzeltrümmern – die meisten unter der Nachweisgrenze selbst Hubbles – und womöglich sogar einem Ringsystem versorgt hat. Die große Frage ist nun: In welchem Abstand soll am Zwergplaneten vorbei geschossen werden, um gleichzeitig das Risiko zu mini- und die wissenschaftliche Ausbeute zu maximieren. Da die wissenschaftlichen Daten des Flyby erst danach langsam zur Erde geschickt werden können, ist eine Kamikaze-Lösung definitiv zu vermeiden … (Planetary Society Blog 16.7.2012) Diese lange Reise wird übrigens neuerdings auch für Messungen im interplanetaren Raum während der langen ‘Winterschlafs’-Intervalle genutzt: SDC, SWAP und PEPSSI dürfen mitmachen. (New Horizons Headline 9.7.2012. Und ESA Release 28.2., DLF 3.7.2012 zur Startverschiebung der Merkurmission BepiColombo auf 2015)

Kepler weniger redundant: ein Drallrad ausgefallen

Noch leidet die Wissenschaft des Exoplaneten-Jägers nicht, aber mit dem Ausfall eines seiner vier Reaction Wheels am 14. Juli hat der NASA-Satellit Kepler an Redundanz eingebüsst: Mit weniger als drei Rädern geht es nicht. Daher bemüht man sich, das Drallrad #2 wieder fit zu bekommen: Anderenfalls steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Kepler seine Messreihen nicht ordentlich zuende bringen kann und der Entdeckung erdähnlicher Planeten auf erdähnlichen Bahnen um sonnenähnliche Sterne verlustig geht. Die Ausbeute insgesamt kann sich immerhin schon sehen lassen: Weitere 500 Planeten-Kandidaten zusätzlich zu den 2300 schon publizierten sollen diese Woche bekannt gegeben werden. (Mission Manager Update, New Scientist 24.7.2012)

Radioastron ist jetzt operationell: Ein Jahr nach dem Start des Satelliten für Radio-Interferometrie (“Die ersten Fringes …”) sind Interferenzstreifen in allen vier Spektralbändern (P, L, C und K) gemessen worden, und die astronomischen Beobachtungen sind angelaufen. Die Daten von Spektr-R im Weltraum und den irdischen Teleskopen werden meistens im Astro Space Center in Moskau zusammengeführt aber auch am MPIfR in Bonn mit dem Software-Korrelator DiFX. (NRAO eNews 20., MPIfR, MPG PMn 3.7., ASTRON Release21.3.2012. Und ESA Release 2.7.2012 zu Antennentests bei Gaia)

Indiens erster Astronomiesatellit soll nun 2013 starten – und der AstroSat (“Ein britisches Instrument …”) wird als erstes Multi-Wellenlängen-Observatorium angepriesen: Dieselben Quellen sollen gleichzeitig im Optischen, UV und Röntgenbereich betrachtet werden. Eine fünfjährige Verzögerung des Starts hat die Kosten des Projekts allerdings auf 40 Mio. Euro getrieben, Rakete allerdings inklusive. Die Lebensdauer des AstroSat soll 5 Jahre betragen. (NewsTrack India 16.7.2012. Und Guardian 5.7.2012 zur “Small Mission”-Ideen bei der ESA)

Kann der “GoreSat” DSCOVR womöglich 2014 starten?

Der unglückliche kleine Erdsatellit, der in die Mühlen der Politik geriet und immer wieder nicht starten durfte, hat angeblich genügend Rückhalt im US-Kongress gewinnen können, dass das ‘Deep Space Climate Observatory’ nun doch startklar gemacht werden könnte: 85 Mio.$ würde das kosten, zzgl. einer Rakete. Die Rolle des Satelliten wäre jetzt primär nicht als Erdbeobachter permanent über der Tagseite sondern als Weltraum-Wetter-Wächter (“Neue Chance …”), der die Aufgaben des alternden Advanced Composition Explorer übernehmen könnte: Auf dem ruhen jedes Mal alle Augen, wenn wieder eine CME von der Sonne anrollt. Aber die einst von Al Gore erträumte Kamera, die ständig die ‘blaue Murmel’ zeigt, wäre auch an Bord; im Prinzip könnte 2014 gestartet werden. (Orlando Sentinel 9.7.2012. Auch NASA Release 6.7.2012 zu High Rate Data von NPP Suomi und JAXA Releases 4., 2.7.2012 zu Orbit und ersten Daten des Shizuku-Satelliten alias GCOM-W1)

Wettersatellit MSG-3 an EUMETSAT übergeben: Der am 5. Juli gestartete 3. europäische Wettersatellit der 2. Generation war 11 Tage später so weit – die komplette Inbetriebnahme dauert allerdings noch 1/2 Jahr. Dafür hat sich der Start des 2. polaren europäischen Satelliten MetOp-B auf inzwischen September verschoben. (ESA Release 16.7., Space Today 29., ESA Release, AW&ST 27.4.2012. Und ESA Release 3.7.2012 zu weniger Interferenz für SMOS)

Fünf kleinere Satelliten auf einer Soyuz FG-Rakete

sind am 22. Juli in Baikonur gestartet: Auf sonnensynchronen Bahnen abgesetzt wurden die russischen Fernerkundungssatelliten MKA-PN1 und Canopus-B, der weißrussische Erdbeobacher BKA, der deutsche Technologiedemonstrator TET-1, der der erste deutsche Kleinsatellit des OOV-Programms (On-Orbit-Verification) des DLR, und exactView-1, ein Satellit des Automatic Identification System (AIS) für die kanadische Firma exactEarth, die Schiffe auf den Ozeanen verfolgt. Die fünf Satelliten landeten auf unterschiedlichen Bahnen in einer Höhe von etwa 510 krn und einer Bahnneigung von 97°: Um diesen Soyuz-Start hatte es lange Gerangel mit Kasachstan gegeben, weil wegen der ungewöhnlichen Flugbahn Raketenstufen in andere Landesteile fallen würden. (PM des DLR, SSTL Press Release, Space Today, Der Orion, Spiegel 22.7.2012)

Renaissance für die Delta II mit gleich 3 Startaufträgen der NASA: Die schon fast abgeschriebene Rakete soll von 2014 bis 2016 die Satelliten Soil Moisture Active Passive (SMAP), Orbiting Carbon Observatory-2 (OCO-2) und Joint Polar Satellite System-1 (JPSS-1) starten. Die Delta II ist 151-mal gestartet (davon 50-mal für die NASA) und hat nur ein einziges Mal versagt – und die letzten 96-mal nicht mehr. Den Ozeanografiesatelliten Jason 3 vertraut die NASA allerdings einer Falcon 9 an. (JPL Release, Spaceflight Now 16., Reuters, Space Today 19.7.2012)

Geheime Fracht einer Atlas V offenbar enttarnt

Was da am 20. Juni in den Weltraum (“Und mal wieder ein fetziges Startvideo …”) gebracht worden war, haben Amateur-Satellitenbeobachter als Daten-Relais-Satelliten für die eigentlichen Aufklärungs-Satelliten der NRO identifiziert. Denn der relativ helle Satellit wurde geostationär über dem Atlantik geortet: Damit dürfte er zum Satellite Data System der Behörde gehören. (Spaceflight Now 17.7.2012)

“New European Launch Service” soll Europa konkurrenzfähig halten, für Regierungs- wie private Starts gleichermaßen: Derzeit läuft’s mit Ariane, Soyuz und Vega ganz gut, aber das Marktumfeld entwickelt sich weiter – vor allem vor SpaceX und deren billigen Falcon-Raketen hat die ESA mächtig Respekt. (AW&ST 27.3., ESA Release 25., Space News 13.7.2012) Mit einer “Clean Space”-Initiative läßt die ESA Methoden zur Reinhaltung des erdnahen Weltraums zu entwickeln – und der Umwelt-Impakt der europäischen Weltraumaktivitäten soll generell verringert werden. (ESA Release 10.7.2012)

Weltraumstarts aus der Luft mit Virgin ab 2016

verspricht die Firma unter dem Label “LauncherOne”, nachdem man bereits seit 2009 mit der Idee gespielt hat: Das Trägerflugzeug WhiteKnightTwo soll dazu eine Zwei-Stufen-Rakete ausklinken. Bis zu 225 kg in den Orbit für 10 Mio.$ werden versprochen, und eine Anzahl Kunden sollen schon reserviert haben, die Asteroiden-Bergleute inklusive, die gleich reihenweise Arkyd-100-Satelliten zum NEAs-Suchen starten wollen. Für das suborbitale SpaceShipTwo sollen derweil schon 529 zahlende Passagiere angeheuert haben – und man spricht jetzt von 2013 für den Beginn der Flüge. Bisher hat das SS2 allerdings noch nicht einmal das Triebwerk gezündet und nur einen Gleittest nach dem anderen absolviert. (Virgin Release 10., Virgin Blog, Parabolic Arc, BBC, Hollywood Reporter, New Space Journal, Spaceflight Now, Space Today 11., New Space Journal, MarketWatch 12., New Scientist 13.7.2012)

Großbritannien würde seinen Luftraum für Weltraumflugzeuge öffnen, um Projekte wie “Skylon” (“Grünes Licht für die nächste Phase …”) zu ermöglichen – solcherlei Vehikel, die als Flugzeug starten und als Rakete weiter fliegen würden, kommen in den heutigen Regularien nicht vor. Das entscheidende SABRE-Triebwerk macht angeblich bedeutende Fortschritte … (BBC, SEN, Science Journalism Tracker 11.7.2012)

Und noch kurz gemeldet

Das Ende des Shuttle-Programms ist jetzt markiert: Eine Gedenkplatte am KSC wurde an genau der Stelle angebracht, wo die Atlantis nach STS-135 vor einem Jahr zum Stehen kam. (CollectSpace 5.7.2012) Das Space Launch System hat eine kombinierte System Requirements Review und System Definition Review passiert und kann damit in die preliminary design phase eintreten: Der erste Testflug bleibt für 2017 geplant. (NASA Release 25.7.2012)

Der Galileo-Testsatellit GIOVE-B wird still gelegt und in einen Graveyard-Orbit verfrachtet: Das Galileo In-Orbit Validation Experiment war wichtig für die Demonstration der Technologien für die europäischen Navigationssatelliten. Da die ersten beiden operationellen Galileos, die letztes Jahr starteten (“Der erste Start …”) bestens funktionieren, werden die GIOVEs – der erste wurde schon 2009 in den Ruhestand geschickt und jetzt von der ESA aufgegeben – nicht mehr benötigt. (ESA Release 24., SSTL Release 5., ESA Release 3.7.2012)

Ist die “Pioneer Anomaly” jetzt bitte endgültig tot …? Nachdem der winzige Bahneffekt der Raumsonden schon unzählige Male begraben (“Pioneer-”Anomalie” noch besser ad acta gelegt”) wurde, hat sich abermals bestätigt, dass es die anisotrope Wärmeabstrahlung und nichts weiter ist, das hinter dem ein Jahrzehnt lang künstlich am Leben erhaltenen ‘Mysterium’ steckt. (Turyshev & al., Preprint 11., Physics World 16., Planetary Society Blog 19.4., NASA, JPL Releases, Science Blogs 17., Universe Today, LA Times, Centauri Dreams, KosmoLogs, Spiegel 18., Focus 20., New York Times, Discovery 23.7.2012)

Nachrichten quer durch’s Universum kompakt

8. Mai 2012

“Late Heavy Bombardement” noch bis vor 2.5 Gyr?

Vor 4.1 bis 3.8 Mrd. Jahren schlugen wesentlich mehr große Körper auf Erde, Mond und andere Bewohner des frühen Sonnensystems auf: Dieses “Late Heavy Bombardement” wird weitgehend (aber nicht von jedem) für real gehalten, und es lässt sich im Rahmen des “Nice-Modells” mit Wanderungen der jungen Riesenplaneten gut verstehen, die insbesondere den Asteroidengürtel kräftig durcheinander brachten und seine heutige Innengrenze von 2.1 AU erklären. Und nun mehren sich die Hinweise, dass das LHB nicht schlagartig vorbei war, sondern nur langsam abnahm, bis erst vor etwa 2.5 Mrd. Jahre der heutige Ruhezustand des Sonnensystems eingekehrt war. Dafür sprechen v.a. globale Schichten aus Mikrosphärulen, die nach großen Impakten aus den resultierenden Feuerbällen auskondensieren: Die einschlagenden Asteroiden waren zwischen 6 und 70 km groß, hat man jetzt aus den Eigenschaften der Sphärulen-Betten geschlossen. Und gleichzeitig machen Simulationsrechnungen plausibel, dass diese Impaktoren aus einem inneren Teil des Asteroidengürtels zwischen 1.7 und 2.1 AU Sonnenabstand kamen, dem die Planetenwanderungen besonders übel mitspielten und der heute praktisch entleert ist. Das nur langsame Abebben des LHB über weitere 1.3 Mrd. Jahre mit weiteren rund 15 Mega-Impakten sollte das damals gerade entstehende Leben auf der Erde “profund beeinflusst” haben. (Johnson & Melosh / Bottke & al. / Kyte, Nature 485 [3.5.2012] 75-81 / 44-5; IO9 27., Pro Physik 26., Science News, Space.com 25.4.2012)

Magnetische Rekonnektion im Magnetschweif der Venus hat überraschenderweise der Venus Express – ja, den gibt’s noch! – festgestellt: Eigentlich hatte man gedacht, dass dieses Phänomen, bei dem auch Teilchen auf Energie gebracht werden können, nur bei Planeten auftritt, die eigene Magnetfelder besitzen. Aber auch ein dicker, feldloser Planet wie die Venus stellt ein Hindernis für den Sonnen wird dar, der sich um es herum drapiert – und dann kann es offenbar dieselben magnetischen Kurzschlüsse geben. (Zhang & al. / Slavin, Science 336 [4.5.2012] 567-70 / 548-9; Xinhua 8., ESA Release, AAAS PR, Space.com 5.4.2012)

Der solare Nebel war eine gute Fabrik für Organisches

Die Bestrahlung von Eisteilchen, die auf ihren Bahnen kurz aus dem dichten solaren Nebel heraus kamen und dort von UV-Photonen der Sonne getroffen wurden, war ein extrem produktiver Prozess, um das junge Sonnensystem mit einem Vorrat an komplexer organischer (und geradezu präbiotischer) Chemie aus zu statten: Das zeigen Simulationsrechnungen in Kombination mit Laborversuchen. Letztere hatten schon länger vorgeführt, dass durch Bestrahlung aufregendere Verbindungen entstehen als der solare Nebel aus seiner Mokekülwolke mit bekommen hat – nun ist auch plausibel, dass diese Prozesse tatsächlich in der Natur abgelaufen sind: Die kurzen Ausflüge der eisigen Teilchen ins Sonnenlicht reichen bereits, um die entscheidenden chemischen Prozesse ein zu leiten. (Ciesla & Sandford / Nuth & Johnson, Science 336 [27.4.2012] 452-4 / 424-5; Science News 21., Wiss. Aktuell 2.4., U. Chicago News 30., Space.com 29.3.2012)

Sternensturz in ein Schwarzes Loch im Detail verfolgt

Jedenfalls ist dies die weithin akzeptierte Erklärung für ein langes ultraviolett-optisches Aufglühen im Zentrum einer namenlosen Galaxie mit z=0.17, das unabhängig das Teleskop PanSTARRS und der Satellit GALEX im Mai bzw. Juni 2010 entdeckt hatten und das bis Ende 2011 andauerte: Hier scheint der Helium-reiche Kern eines ehemaligen Roten Riesens, der bereits (wohl durch die Nähe zum mutmaßlichen SL) seine Hülle verlor, von den Gezeitenkräften eines Schwarzen Lochs von rund 2 Mio. Sonnenmassen zerrissen worden sein. Was davon kommt, wenn das Perinigricon der Bahn nur 6 Schwarzschild-Radien beträgt! Solcherlei SL-Stürze kommen pro Galaxie nur etwa einmal alle 10’000 Jahre vor: Die detaillierten Beobachtungen waren ein Glücksfall, vor allem den fleißigen Himmelsdurchmusterungen zu verdanken. PanSTARRS sollte noch häufiger fündig werden. (Gezari & al. / Lodato, Nature Advance Publications 10990 / 11191; GALEX, CfA, NASA, JHU, JPL Releases 2.5.2012)

Die Initial Mass Function aller Galaxien war nicht dieselbe, vielmehr bildeten sich in alten massereichen elliptischen Galaxien proportional gesehen mehr massearme Sterne: Dieses verblüffende Resultat – bisher nahm man für Galaxien jeder Art dieselbe IMF an – basiert auf trickreichen Untersuchungen an 260 ‘frühen’ Galaxien und könnte, so korrekt, einige Konsequenzen haben. Verstanden ist es jedenfalls überhaupt nicht: Warum sollten sich Sterne bei der ‘Entscheidung’ für ihre Massenverteilung früher an den globalen Eigenschaften ihrer Galaxie orientiert haben, während ihnen ihre lokale Umgebung egal ist? (Cappellari & al. / Bastian, Nature 484 [26.4.2012] 485-8 / 462-3; Pro Physik 25.4., Science Daily 1.5.2012)

Nachrichten aus der Kometenwelt kompakt

10. März 2012

Komet Lovejoy zu Besuch bei der Sonne letzten Dezember auf einem hoch prozessierten Bild des SDO-Satelliten, das auch feine Koronastrukturen heraus kitzelt: Die Wechselwirkung von Sonnenkorona, -hitze und Komet(enschweif) gilt es nun zu ergründen. Ein Paper zum Überleben des Kometen in dieser Situation ist gerade erschienen.

Ungewöhnlicher Komet im Anflug auf die Sonne

Entdeckt wurde der noch nummern- und namenlose Komet von Vladimir Bezugly auf UV-Bildern des SWAN-Instruments auf dem Satelliten SOHO (nach dem er auch benannt werden dürfte): Das hat zwar im Lauf der Jahre schon manchen Kometen gesichtet, aber noch nie einen Sonnenkratzer der Kreutz-Gruppe. Doch genau so einer scheint der neue Fund zu sein, von dem es keinerlei Beobachtungen vom Boden aus gibt (und der für’s untrainierte Auge auch bei SWAN kaum zu sehen ist). Das würde für einen Kometen schwächer als Lovejoy sprechen, doch letzterer war bei SWAN nicht zu sehen – ist der Neue etwa doch größer? Hier wäre schon mal eine vage Ephemeride für die Erde: Die Elongation schrumpft nun rapide bis zum Perihel am 16. März; zuvor sollte sich der Komet auch den LASCO-Koronographen zeigen.

Komet Garradd zeigt weiterhin mehrere Schweife, wobei inzwischen der Gas- und der Gegenschweif das Bild dominieren, aber etwas vom regulären Staubschweif ist auch noch zu sehen: Bilder vom 3. bis 6. März, 5. März, 3. März, 2. März, 1. März, 29. Februar, 26. Februar (mit gespaltenem Plasmaschweif; mehr) und 24. Februar (wo der BU-Dichter das mit dem extrem aufgefächerten Staubschweif nicht begriffen hat). Und ganz neu: C/2012 E1 (Hill) – sehr sonnenfernes Perihel schon letzten Juni.

Nachrichten aus der Raumfahrt kompakt

23. Februar 2012

Gibt es bereits wieder NASA-ESA-Gespräche zum Mars?

Nach der Radikalreform des US-Marsprogramms nach MAVEN und dem Ende der alten ExoMars-Kollaboration mit ESA tut sich angeblich schon wieder was: “We have resumed talks with our partners in ESA in an effort to develop concepts for future Mars missions”, erzählte der NASA-Chef in einem Gastartikel am 20. Februar – aber gleichzeitig kommt aus Russland die Kunde, dass im März der Einstieg von Roskosmos bei ExoMars bekannt gegeben werden dürfte. Und zwei parallele Marsprogramme dürfte sich die ESA kaum leisten können. (Novosti via Roskosmos Facebook 22., Space News 20., LA Times 17.2.2022. Auch Times of India, Asian Scientist 17.2.2012 über indische Visionen von einer Mission zur Venus im Jahr 2015 und ESA Release 10., National Geographic 14., ABC 15.2.2012 zu Überraschungen mit der Venus-Rotation, auf die Venus-Express-IR-Bilder hindeuten)

NASA-Studien für Flüge zu Enceladus und Uranus dürfen trotz der viel beklagten Einschnitte bei der Planetenforschung im neuen Haushalts-Request ausgerechnet jetzt beginnen – denn entsprechende Vorarbeiten für eine große Jupiter/Europa-Mission sind inzwischen fertig, wenn auch prompt ad acta gelegt worden. Und für weitere Studien hypothetischer künftiger Flagship-Reisen ins äußere Sonnensystem, die der eigentlich maßgeblich sein sollende neue 10-Jahres-Plan für die US-Planetenforschung vorsieht, ist ein bisschen Geld da … (CSM 15.2.2012. Auch Space News 20., Huffington Post 22.2.2012 mit klagenden Gastartikeln)

Das letzte Jahr für den IR-Satelliten Herschel

hat offenbar begonnen: Weniger als 100 kg supraflüssiges Helium sind noch in den Tanks, nach 2 3/4 Jahren Infrarotbeobachtungen – zwischen 11 und 14 Monate sollten noch möglich sein, womit die Vorgabe 3 1/2 Jahre locker erreicht werden dürfte. Kurioserweise wird die verbliebene Messzeit zur Hälfte von amerikanisch geführten Teams genutzt werden, obwohl die USA nur 6% zu den Missionskosten beisteuerten – aber im Gegensatz etwa zu Hubble, wo dies eine Rolle spielt, kam es bei der Beurteilung von Beobachtungsanträgen für Herschel nur auf deren Qualität an. (BBC 18.2.2012. Und Symmetry Magazine Februar 2012 mit Lob für die offene Datenpolitik des Gamma-Satelliten Fermi, die der Wissenschaft insgesamt sehr dienlich ist)

Der UV-Satellit GALEX ist still gelegt worden, nachdem die NASA-Mission (deren Primärmission schon 2007 abgeschlossen war) bei einer relativen Begutachtung 2010 nur auf den 8. von 11 Plätzen gekommen war – aber jetzt gibt es Verhandlungen, dass Caltech den Satelliten zwecks Weiterbetriebs geschenkt bekommen könnte. So etwas gab es noch nie in der NASA-Geschichte. U.a. könnte bei einer fortgesetzten Mission mutiger zu grellen Quellen hin geschwenkt und die Himmelsdurchmusterung vervollständigt werden. (GALEX Feature 7., Spaceflight Now 10., Sky & Telescope 16.2.2012)

Der Röntgensatellit NuSTAR startet frühestens am 21. März, da “the launch vehicle team an additional week to complete necessary engineering reviews” benötigt – woran es genau hapert, wird nicht verraten. Die Pegasus-Rakete ist bisher 40-mal geflogen, der NuSTAR-Start wird der 25. Einsatz der XL-Version. (NASA Release 17., Spaceflight Now 18.2.2012. Und NASA Release 17.2.2012 zum 5. Jahrestag des Starts der 5 THEMIS-Satelliten)

Die Zukunft des Landsat-Programms ist weiterhin unklar

Diese Serie von Erdbeobachtungssatelliten gibt es seit 40 Jahren, und die Nutzergemeinde ist im Lauf der Jahrzehnte gewaltig gewachsen: Sie war es auch, die das Programm überhaupt am Leben erhalten hat. Nun ist zwar für Januar 2013 der Start von Landsat 8 alias Landsat Data Continuity Mission (LDCM) geplant, in der Nachfolge der in Ehren gealterten Landsat 5 und 7, die seit 1984(!) und 1999 im Einsatz sind – aber seine Nachfolge-Planung gerät zwischen NASA, NOAA, USGS und Politik zunehmend unter die Räder: Für die Vorbereitung von Landsat 9 sind gerade einmal 250’000 Dollar eingeplant … (Space Policy Online 16.2.2012. Und JPL Release 21.2.2012 zur Terra-Beobachtungen einer um 3-4 m/Jahr sinkenden mittleren Wolkenhöhe der Erde)

Der Start des neuen Orbiting Carbon Observatory verschiebt sich auf frühestens Mitte 2014: Der erste OCO war 2009 bei dem Fehlstart einer Taurus XL verloren gegangen, und nachdem dieselbe Rakete auch Glory in den Ozean schickte, hat die NASA nun diese Rakete für OCO-2 ausgeschlossen. (Spaceflight Now 10.2.2012. Und ESA Release 6.2.2012 zur Messung von Meeresströmungen mut dem Cryosat 2 der ESA)

Schon Ende 2013 könnte die erste Orion-Kapsel fliegen

Das erste Orion “multi-purpose crew vehicle”, derzeit in Louisiana im Bau, wird im Mai nach Florida verfrachtet, wo der Testflug auf einer Delta 4-Heavy – frühestens im Oktober 2013, vielleicht auch erst Anfang 2014 – dann bald rund um die Uhr vorbereitet wird. Die Kapsel soll auf eine bis zu 7400 km hohe Bahn geschossen werden, um einen realistisch rasanten Wiedereintritt nach einer Tiefraummission (Mond oder Asteroid) durch zu spielen. Mit derselben Kapsel wird dann später ein Startabbruch simuliert, der sie u.U. ramponieren wird. 2017 soll dann ein anderes Exemplar der Orion mit dem ersten Space Launch System (SLS) auf einen unbemannten Flug um den Mond geschickt werden, bevor dies 2021 mit einer Besatzung wiederholt wird (Apollo 8.1 sozusagen, 53 Jahre später …) – an diesem furchtbar lang gestreckten Zeitplan hat sich bisher nichts geändert, und der Sinn der teuren und späten Schwerlastrakete SLS bleibt weiter heftig umstritten. Nach ihren beiden Starts 2017 und 2021 soll sie jedenfalls neue Booster bekommen, um die Kongress-seits geforderten 130 metrischen Tonnen Nutzlast überhaupt zu schaffen – wie das gehen soll, weiß offenbar noch niemand so recht. Auch um den Ausbau der Orion zu einem vollwertigen interplanetaren Vehikel muss sich die NASA wohl alleine kümmern: Frankreich und Italien haben sich dagegen ausgesprochen, dass die ESA dafür – als Gegenleistung für den ISS-Zugang – etwas auf der Basis des ATV beisteuert. (Spaceflight Now 21., AW&ST, Parabolic Arc 17., Aviation Week 16., Parabolic Arc 15.2.2012. Und Space.com 10., Science Journalism Tracker 14.2.2012 zu vagen NASA-Ideen einer Raumstation im L2-Punkt “hinter” dem Mond)

Konfusion um den nächsten Shenzhou-Flug machte sich Mitte Februar breit: Erst hieß es überraschend, auch er werde so wie der von Tiangong 8 unbemannt sein, dann war wieder von drei Yuhangyuan an Bord die Erde. Mit einem bemannten Flug war nach dem scheinbar rundum erfolgreichen Test (“Progress an ISS …”) mit Shenzhou 8 letztes Jahr (“Shenzhou 8 hat …”) auch allgemein gerechnet worden. Aber es war angeblich doch zu Problemen mit der Schleuse zwischen Kapsel und Station gekommen – deutet das Nachrichtenchaos womöglich auf verschiedene Fraktionen im Shenzhou-Programm hin? (CRI 15., People Daily, Space Daily 16., Xinhua 17., Space Daily 18., Space Today 19.2.2012)

Deutscher Einstieg bei der Vega-Rakete möglich

Nachdem sie nun im Einsatz ist, erwärmt sich das DLR für die neue europäische Kleinrakete: Womöglich wird Deutschland eine neue Oberstufe für die Vega entwickeln, die die derzeitige ukrainische ablösen könnte. Auf der nächsten Tagung des ESA-Ministerrats im November soll darüber befunden werden – alle Teile der Vega würden dann in ESA-Ländern entstehen. Von den Entwicklungskosten der Rakete hatten Italien 58% und Frankreich 25% getragen. Unterdessen ist mit einigen der neun Satelliten des Erstflugs – die dafür alle nichts zu bezahlen brauchten – stabiler Funkkontakt hergestellt worden, mit anderen weniger … (Jonathan’s Space Report 18., ESA Release, Spaceflight Now [mehr Bilder] 14., Arianespace, ASI Releases, Spaceflight Now, Romania Insider, AFP, Science Insider, Universe Today, Space Today, Raumfahrer, Eureka 13.2.2012. Und ESA Release 9.2.2012 zum Rockot-Startvertrag für zwei GMES-Satelliten)

Französisch-deutscher Streit um die Zukunft der Ariane 5 soll nun von Arbeitsgruppen beigelegt werden: Klar ist nur, dass die laufenden Kosten des europäischen Arbeitspferds zu hoch sind – jedes Jahr muss die ESA 120 Mio. Euro zuschießen, damit Arianespace nicht in die Roten Zahlen rutscht. Während man in Deutschland auf Verbesserungen der Ariane 5 – Stichwort: Midlife Evolution – setzt, möchte Frankreich gleich einen kompletten Nachfolger, der modular aufgebaut wäre und so auch gleich die Soyuz überflüssig machen würde. (Space News 9., Aviation Week 15.2.2012. Und Space News 9.2. zu Zoff um die nächsten europäischen polaren Wettersatelliten EPS-SG)

Und noch kurz gemeldet

Fünftes ATV nach belgischem Kosmologen benannt: Das letzte Automated Transfer Vehicle, das die ESA zur ISS schicken wird, ist wie seine Vorgänger nach einem “großen europäischen Visionär” getauft worden, auf Jules Verne, Johannes Kepler, Edoardo Amaldi und Albert Einstein folgt Georges Lemaître, der 1927 – zwei Jahre vor Hubble, der in der Pressemitteilung der ESA nicht mal erwähnt wird – die Expansion des Kosmos entdeckte; siehe ISAN 150-4. (ESA Release 16.2.2012)

Die erste Antares-Rakete startet frühestens im Juni und die erste Cygnus-Kapsel mit ihr im dritten sowie die erste Cygnus zur ISS im vierten Quartal 2012: Die neuerlichen Verzögerungen bei diesem Programm zur kommerziellen Versorgung der Raumstation hängen offiziell mit der schleppenden Vorbereitung der Startanlagen im Mid-Atlantic Regional Spaceport (MARS) auf Wallops Island, Virginia, zusammen. (Space Today 23.2.2012)

Weltraumschrott per Laser erfassen ist möglich, wurde im Januar an der Laserstation Graz im Prinzip demonstriert: Bis zu einer systematischen Überwachung des Erdorbits mit dieser Technik – geschweigedenn einer systematischen Entfernung einzelner Trümmer – ist es aber noch ein weiter Weg. (PM des DLR 6.2.2012)

Ein Schweizer Satellit soll den Erdorbit aufräumen – na ja, demonstrieren, dass das – für ausgewählten Schrott – geht, indem sich ein Kleinsatellit quallenartig anklammert und zusammen mit dem Müll in die Atmosphäre gesteuert wird. In drei bis fünf Jahren könnte dieser “CleanSpace One” erstmals demonstriert werden, aus rechtlichen Gründen an ebenfalls Schweizer Mini-Satelliten. (EPFL News, AP, New Scientist Blog, Science Journalism Tracker 15., LA Times 17., New York Times 18.2.2012)

Wo entsteht der erste “Weltraumbahnhof in Europa für suborbitale bemannte Flüge? Nach Schweden bringt sich jetzt sich jetzt auch Schottland als Standort ins Gespräch – schließlich glauben manche Experten, im Jahr 2020 würden schon 20’000 pro Jahr abheben. Allerdings dauert es immer noch bis 2013 oder 2014, bis Virgin Galactic und XCOR überhaupt ihre ersten zahlenden Passagiere für Minuten in den Weltraum bringen dürften. (BBC 14.2.2012)

Nachrichten aus dem Sonnensystem kompakt

6. Februar 2012

Komet Garradd zu Besuch am Kugelsternhaufen Messier 92 am 3. Februar: Wie hier Rolando Ligustri (mit einem Remote-Teleskop) haben zahlreiche Amateurastronomen diese kuriose Konstellation festgehalten, so auch hier, hier, hier, hier und hier. Visuell macht der Komet leider weit weniger her.

Das verrückteste Feuerkugel-Video aller Zeiten? Entstanden ist es am 1. Februar in Austin, Texas, während eines Konzerts (auch vergrößert & in Zeitlupe sowie das ganze Stück), als ein viel beachteter und auch gefilmter Bolide über den Himmel zog: weitere Videos u.a. hier, hier, hier und hier.

Drei aktuelle Bilder der HiRISE-Kamera auf dem Mars Reconnaissance Orbiter, wo allein die Sammlung ausgewählter Szenen bereits 21’000 Bilder umfasst. Oben der Boden des Kraters Toro, wo hydrothermale Effekte zu neuen Mineralien geführt haben: In der Falschfarbendarstellung deuten wärmere Töne auf so entstandene Tone etc. hin. In der Mitte Dünen, die in Noachis Terra in einem Einschlagskrater ‘gefangen’ sind: wichtig für die Geschichte der Sedimentbildung auf dem Mars. Und unten Erosion im Krater Pasteur, auch wieder durch die Winde des Mars.

Nur noch der Rand eines namenlosen Marskraters schaut hier aus einem Lavafeld heraus, auf einem Bild des THEMIS-Instruments auf Mars Odssey.

Windverwehungen in der Großen Syrte auf dem Mars in einer Darstellung von Daten der HRSC auf dem Mars Express: Dem Bildmosaik ist farblich codiert das Höhenprofil überlagert. Die starke Verkraterung zeigt an, dass diese Gegend über 3 Mrd. Jahre alt ist.

Grünes Licht für eine zweite Hayabusa-Asteroidenmission

hat jetzt die japanische Regierung gegeben, was bisher nur mit Vorbehalten der Fall gewesen war: Angestrebt wird weiterhin ein Start schon 2014, um 1999 JU3 erreichen und die Bodenprobe Ende 2020 auf der Erde haben zu können, mit einer zweiten Chance 2015 – aber dann gäbe es ein Jahrzehnt lang keine Route mehr. Die Gesamtkosten werden auf umgerechnet über 200 Mio.$ geschätzt, weshalb es Besorgnis erreigt, dass im Haushalt ab diesem April erst 39 Mio.$ für Hayabusa 2 vorgesehen sind. Viele Lektionen sind bei der ersten Hayabusa-Mission gelernt worden, bei der so ziemlich alles schief ging, was möglich war, und am Ende trotzdem ein bisschen Asteroidenstaub zur Erde kam – der jetzt auch fremden Laboratorien zur Verfügung gestellt wird. (Centauri Dreams 6., UCF Release 1.2., New Scientist, Universe Today 31., Spaceflight Now 29.1.2012. Und ein JAXA Special zu den Ergebnissen von Hayabusa)

Akatsuki schaffte eine Bahnänderung mit dem Reaction Control System der angeschlagenen japanischen Venus-Sonde, das im November 3x gezündet wurde (“Kritisches Bahnmanöver …”): Damit bleibt es weiterhin im Prinzip möglich, die Sonde doch noch in einen Venus-Orbit zu befördern. Aber ob der Schub reichen wird, ist immer noch nicht klar, und auch das bevorzugte Szenario scheint sich öfters zu ändern: Statt November 2015 ist jetzt von Juni 2016 die Rede – und die Sorge bleibt auch, dass die Systeme Akatsukis bis dahin schon arg gelitten haben könnten. (Planetary Society Blog 31.1.2012, Spaceflight Now 21.11.2011)

Deep Impact wahrt Chance auf zweite Extended Mission

Mit einer 140-Sekunden-Zündung seines Triebwerks hat das ehemalige Mutterschiff von Deep Impact am 24. November im Prinzip Kurs auf den Asteroiden 2002 GT genommen, an dem die dann schon sehr alte Sonde im Januar 2020 vorbei fliegen könnte. Noch ist diese Missionsverlängerung aber nicht genehmigt worden: Sollte es dazu kommen, folgt diesen Oktober ein weiteres Manöver. Mit dem fast leeren Tank könnte DI kein anderes derzeit bekanntes Ziel erreichen und dort noch etwas Sinnvolles machen. (DI Status Report 1., Spaceflight Now 17.12.2011)

Dawn darf länger im Low Altitude Mapping Orbit um Vesta bleiben als ursprünglich geplant, nämlich bis Ende März: Das hat die NASA entschieden, nachdem das Projekt nicht einen einzigen der für Notfälle in Reserve gehaltenen 40 Missionstage verwenden musste. (Dawn Journal 30.12.2011, 27.1.2012. Und JPL Release 25.1.2012 zur Möglichkeit von Wassereis unter den Vesta-Polen, die sich aus Dawn-basierten Modellen zum jährlichen Temperaturgang ergibt – das GRaND-Instrument könnte es aus dem LAMO nachweisen)

Flüssiges Wasser in ‘Linsen’ dicht unter Europas Oberfläche

Die Lösung des seit der Galileo-Mission schwelenden Streits, ob der – indirekt aber glaubhaft erschlossene – Ozean im Inneren des Jupitermonds Europa unter wenig (ein paar km) oder viel (die Mehrheitsmeinung, 20±10 km) Eis verborgen ist, könnte sein, dass … beides gleichzeitig der Fall ist! Das wäre bei einem neuen Szenario für die Entstehung der “Chaos”-Regionen so, wo linsenförmige Seen aus flüssigem Wasser in etwa 3 Kilometern Tiefe für die Entstehung dieser Landschaftsform entscheidend sind, während der Großteil des Wassers in der Tiefe bleiben darf. Das Modell basiert auf trickreichen Analogieschlüssen mit entfernt verwandt erscheinenden Vorgängen im irdischen Eis: ein neuer Ansatz in der Planetologie, der über den bisher gepflegten direkten Vergleich von Landschaften auf verschiedenen Planeten durch simples Anschauen deutlich hinaus geht. (Schmidt & al., Nature 479 [24.11.2011] 502-5; auch Keszthelyi, ibid. 485, JHU, Univ. of TX, NASA Releases, Science@NASA, Galileo’s Pendulum 16., Planetary Society Blog, Sky & Tel., Space Today, BdW 17.11.2011)

Die ersten Radarbeobachtungen des Saturnmonds Enceladus hat Cassini am 6. November durchgeführt, die ersten derartigen Messungen an einem Eismond mittlerer Größe – leiden lagen die berühmten Tigerstreifen, wo die Fontänen Enceladus’ austreten, nicht im abgetasteten Streifen, und die Analyse der Echos hat erst begonnen. (JPL Release, Planetary Society Blog 1.12.2011. Auch JPL Release 12.1.2012 zur Problemen mit Cassinis Ultra-stable Oscillator, Schneider & al., Nature 481 [5.1.2012] 58-61, Caltech Release 4., BdW 5.1.2012 zu einem neuen detaillierten Klima-Modell für und ESA, JPL Releases 23., New Scientist 27.1.2012 zu regionalen Unterschieden bei den Dünen auf Titan)

Und noch kurz gemeldet

Eine größere Kurskorrektur der Jupitersonde Juno ist am 1. Februar erfolgt – die erste von einem Dutzend bis zur Ankunft 2016. (JPL Release 2.2.2012)

Eine Instrumentenheizung auf Voyager 1 ist abgeschaltet worden, um den Weiterbetrieb der 1977(!) gestarteten Sonde am Rande des Sonnensystems bis 2025 zu ermöglichen: Das UV-Spektrometer ist eh’ schon extrem kalt, dann wird es das wohl auch noch abkönnen. (Mission Status Report 17.1.2012)

New Horizons ist jetzt näher am Zwergplaneten Pluto als jede andere Raumsonde – 2143 Tage bis zum 2.12.2011 hat das gedauert. Den alten Rekord hatte Voyager 1 im Januar 1986 mit 1.58 Mrd. km aufgestellt. (JHU APL Release 2., Science@NASA 3.12.2011)

Keine Lösung der Plutonium-Krise für künftige Planetensonden ist auch drei Jahre nach einem Papier in Sicht, das auf das baldige Ende der Pu-238-Vorräte hinwies: Die genauen Restvorräte in den USA sind zwar geheim, dürften aber gerade mal für eine weitere große Mission – “Flagship Mission” – in die Tiefen des Sonnensystems reichen. (The Space Review 26.9., Space.com 22., Universe Today 29.11.2011)

Eine gemeinsame russisch-europäische Jupiter-Mission soll eine von fünf vagen Möglichkeiten für gemeinsame Projekte sein, die zwischen Roskosmos und ESA besprochen wurden, heißt es in einer diffusen Agenturmeldung – die auch eine Landung(!) auf dem Jupitermond Ganymed erwähnt. Andere konkrete Quellen dazu: Fehlanzeige. (Novosti 20.12.2011 – naja, bei der Agentur glauben ja auch an Nazi-Uboote am Südpol [letzte 5 §§] …)

Sorgt der Sonnenwind für Merkurs schwaches Magnetfeld? Das besagt ein neues Dynamo-Modell, bei dem das Planeteninnere eigentlich ein Feld von Erdstärke erzeugen sollte, durch die Wirkung der vom Sonnenwind produzierten Magnetosphäre aber daran gehindert wird – es macht konkrete Vorhersagen, die MESSENGER und BepiColombo testen können sollten. (Heyner & al., Science 334 [23.12.2011] 1690-3; MPG PM, BdW 22., TU Braunschweig PM 23.12.2011)

TU Berlin unterstützt deutsche Amateur-Mond-Fahrer: Dem deutschen Google-Lunar-X-PRIZE-Team “Part-Time Scientists” wird von deren Fachgebiet Planetengeodäsie am Institut für Geodäsie und Geoinformationstechnik unter die Arme gegriffen. (PTS PM 20.12.2011. Auch YouTube 29., GLXP Blog 31.12.2011 mit weiteren CCC-Vorträgen)


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