Archiv für die Kategorie ‘Öffentlichkeit’

Vor ca. 60 Jahren: Disney hilft der US-Raumfahrt

14. April 2014

WALT DISNEY AND DR. WERNER VON BRAUN, 1954

Es war im Jahre 1954, als Walt Disney (l.) und andere Funktionäre seines Unterhaltungskonzerns das Redstone Arsenal in Alabama aufsuchten, um sich mit dem kommenden Leiter der Guided Missile Development Operation Division der Army Ballistic Missile Agency Wernher von Braum zu treffen (Versionen des Fotos datieren es mal auf den 13. April und mal 1. Januar 1954). Die Interessen beider Seiten harmonierten bestens, wie der offiziellen Historie der Kollaboration zu entnehmen ist: Disney wollte im Rahmen einer TV-Serie seinen neuen Themepark Disneyland bewerben und benötigte neues Material im Zusammenhang mit dessen “Tomorrowland”, von Braun wollte die Öffentlichkeit seiner neuen Heimat für die bemannte Raumfahrt begeistern wie er es bereits seit 1952 mit einer Zeitschriften-Serie tat.

 

 

Das Ergebnis waren drei große Dokumentationen, weitsichtig bereits in Farbe produziert, obwohl es noch gar kein reguläres Farbfernsehen gab: Man in Space, der am 9. März 1955 Premiere hatte, Man and the Moon im selben Jahr und schließlich Mars and Beyond 1957 – vor allem diese aufwändigste Produktion von allen besticht noch heute durch ihre langen und technisch brillianten Animationssequenzen, auch zur Geschichte des Lebens auf der Erde. Dass die drei Filme die US-Politik direkt beeinflusst hätten, ist zwar umstritten (“In the mid-1950s …”), aber die eigentliche Zielgruppe war angetan – drei weitere angedachte Filme kamen gleichwohl nie zustande.

“Licht auf dem Mars” nicht leicht zu verwerfen

8. April 2014

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Vergangene Nacht ging die ‘Entdeckung’ durch die UFO-Szene, dann wurde sie ohne weitere Recherchen von einer namhaften Zeitung verbreitet, in der man sonst Breaking News aus der texanischen Weltraumszene findet – und dann wurde sie, etwa hier, hier oder hier, kurzerhand als Treffer eines Teilchens der Kosmischen Strahlung in einem Kamera-Chip des Marsrovers Curiosity abgetan. Das würde zwar erklären, warum das ominöse “Licht auf dem Mars” am 3. April nur von der rechten Navcam gesehen wurde (oben sowie unten in der Totale), nicht jedoch exakt zeitgleich von der linken (Mitte), wie auch in diesem Paar oder diesem Blinken deutlich zu sehen. Aber das war nicht die einzige theoretisch denkbare Erklärung, wie dieser Blogger auf Twitter mit diversen Cosmic-Ray-Akzeptierern hier, hier und hier u.a. diskutierte: Spiegelnd an einer glatten Oberfläche reflektiertes Sonnenlicht würde auch nur eine der beiden Kameras erreichen. Und die NASA ist derselben Meinung, wie bald darauf in diesem Artikel zu erfahren war: Nach Ansicht eines Kamera-Experten des JPL ist tatsächlich echtes Licht auf den Kamera-Chip gefallen, bloss von woher ist noch nicht klar.

Da hat es nämlich auch am 2. April einen hellen Fleck auf einer Curiosity-Aufnahme gegeben, ebenfalls scheinbar auf einer Anhöhe sitzend, und auch den sah nur eine – und zwar ebenfalls die rechte – Navcam. Zwei Erklärungen bietet das JPL an: eine Reflektion an des Lichts der tief stehenden Sonne an der glänzenden Oberfläche eines fernen Steins (also was dieser Blogger mehr als Advocatus Diaboli vorgeschlagen hatte) – oder Lichteinfall in die Kamera, was bei anderen auf Curiosity schon beobachtet wurde. Die Lektion jedenfalls: bei unerwarteten Beobachtungen skeptisch bleiben – aber nicht gleich die erste beste Erklärung zur endgültigen Wahrheit erklären. Sondern systematisch der Sache auf den Grund gehen: So wurde auch der vermeintlich von einem Fallschirmspringer gefilmte Meteorit widerlegt (den übrigens mehrere der o.g. Curiosity-Debunker seinerzeit für echt erklärt hatten …) – den die Norweger heute formell zurück gezogen haben, nicht ohne sich bei den vielen Aufklärern zu bedanken. NACHTRÄGE: In einem knappen späteren Press Release hält das JPL sowohl einen Lichtreflex an einem Stein als auch Kosmische Strahlung für denkbar – und verrät, dass man “nahezu jede Woche” helle Punkte auf Curiosity-Bildern sieht, die eins von beidem sind. Während hier eifrig diskutiert wird. Und o.g. JPLer nun doch Kosmische Strahlung in Erwägung zieht.

SOFIA ist wissenschaftlich wertlos, Opportunity wird abgeschaltet, Sonnensegler muss warten: was alles im NASA Budget Request steht

15. März 2014

In einem 713 Seiten starken Dokument ist diese Woche nun auch der vollständige Haushaltsplan für die NASA ab diesem Oktober – wenn das Fiscal Year (FY) 2015 beginnt – vorgelegt worden, wie ihn sich das Weiße Haus vorstellt, daher “Budget Request” genannt. (An den Zahlen – und ganzen Bereichen – machen sich in den kommenden Monaten noch intensiv beide Häuser des Kongresses zu schaffen.) Und da ist noch einiges mehr an Details zu erfahren als bisher, viel mehr Details. Da gibt es so Aufregendes wie die Sanitary Sewer System Recapitalization (S. 604), oder man erfährt, dass 32% der Grundlagenforschung bei der NASA “high-risk, high-reward” ist (S. 696) oder diese jedes Jahr 48 Mio.$ für Public Relations ausgeben darf (S. 658) – aber für dieses Blog sicher interessanter z.B. auch dies:

  • Zur vorgesehenen Einmottung der fliegenden Sternwarte SOFIA ist zu lesen, dass v.a. die Verspätungen bei dem Projekt dessen wissenschaftlichen Wert stark gemindert hätten: “contributions to astronomical science will be significantly less than originally envisioned” (S. 39). Geplante Beobachtungen parallel mit dem Satelliten Spitzer sowie vor dem Start von Herschel hätten nämlich nicht stattfinden können, so dass SOFIA “will no longer provide the kind of scientific impact and synergies with other missions as once planned. Additionally, the James Webb Space Telescope, planned to launch in 2018, will provide data at mid-infrared wavelengths, partially mitigating the absence of SOFIA” (S. 195-202). Für das FY 2015 stehen 12.3 Mio.$ für die Stilllegung des Flugzeugs im Budget Request, für die Folgejahre dann gar nichts mehr, während bisherige Ausgaben NASA-seits von 1.1 Mrd.$ genannt werden – und jährliche Betriebskosten von ~80 Mio.$, wie sie sonst in der NASA-Astrophysik nur noch Hubble erfordert.

  • Für den Marsrover Opportunity, der gerade sein 10-jähriges Jubiläum auf der Oberfläche feierte, stehen bereits ab dem FY 2015 keinerlei Mittel mehr im Budget Request (S. 163), es droht also schon im Oktober die Zwangsabschaltung – eine Irritation, da sich der Rover eigentlich zusammen mit anderen Missionen in der Verlängerung erst noch einer Begutachtung stellen muss, und für diese, etwa Mars Odyssey und den Mars Reconnaissance Orbiter, stehen Finanzen im Budget Request, bis FY 2016 inklusive bzw. sogar unbegrenzt.

  • Für eine Mission zum Jupitermond Europa stehen gerade einmal 15 Mio.$ im Request für das FY 2015 – für fortgesetztes sogenanntes “pre-formulation work” (S. 173) – und dann nichts weiter für die Folgejahre: Das lässt bereits wieder Zweifel aufkommen, wie ernst die NASA dies eigentlich meint (und auch die Realisierbarkeit einer sinnvollen Mission für unter 1 Mrd.$ wird vielerorts bezweifelt). Dass überhaupt mal wieder über eine Europa-Mission nachgedacht wird, hatte der Kongress erzwungen.

  • Der Sonnensegler-Demonstrator Sunjammer (“Wie der große Sonnensegler …) wird auf unbestimmte Zeit verschoben (S. 336), bekommt aber gleichwohl im FY 2015 seine Flight Readiness Review und wird auf einen Start vorbereitet (S. 338) – doch das Projekt “is in the process of being re-phased and will be rescheduled upon identification of a new flight opportunity” (S. 355). “The project plans to identify a new ride-share partner, begin coordination of interfaces, and launch environments” (S. 363). Ursprünglich hatte der Sunjammer als größtes je im Orbit ausgesetztes Sonnensegel eine sekundäre Nutzlast auf jener Falcon 9 sein sollen, die 2015 das Deep Space Climate Observatory DSCOVR (S. 83) – den berühmten GoreSat – starten soll.

  • Dagegen hofft die NASA weiter, dass eine amerikanische Privatfirma bis 2017 bemannte Flüge in den Orbit schaffen und so den USA wieder eigenständigen Zugang zur ISS verschaffen wird, deren Weiterbetrieb bis mindestens 2024 inzwischen beschlossene Sache ist (S. 448). Gleichzeitig wird die Asteroid Redirect Mission für Orion & SLS voran getrieben, wobei der (unbemannte) Erstflug des SLS jetzt für das FY 2018 (S. 390) und der erste bemannte Orion-Flug für das FY 2021/22 vorgesehen ist (S. 386): Hier könnte der frühere Zeitplan langsam ins Rutschen kommen. Die ISS wie die ARM seien ohnehin nur Zwischenschritte auf dem Weg zum Mars, wird immer wieder betont (z.B. S. 461).

U.a. im Zusammenhang mit der Redirect Mission wird auch die Jagd auf NEOs verschärft (von denen ~96% derjenigen > 1 km und 10% derjenigen > 100 m schon gefunden sind): “In FY 2015 NASA will aggressively continue an expanded NEO observation effort that will increase the detection of NEOs of all sizes by increasing the observing time on ground-based telescopes such as Pan-STARRs and the Space Surveillance Telescope” (S. 128) – der Jahresetat soll dabei konstant bei 40 Mio$ gehalten werden (S. 3). Zum kompletten Haushalt auch eine Blog-Story des DLR-Chefs, der über SOFIAs Einmottungspläne ziemlich ungehalten ist (und gar die deutsch-amerikanischen Weltraumbeziehungen generell überdenken will), ein Press Release der Planetary Society (wie immer unzufrieden und “alarmiert”) und Artikel v.a. zu Opportunity und der Europa-Mission hier, hier, hier, hier und hier. Und zum Kenntnisstand davor noch Artikel v.a. zu SOFIA und Europa hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier.

Zwei Asteroiden-Erdbesuche heute und morgen

5. März 2014

sorgen mal wieder für Aufsehen, auch wenn beide frisch entdeckten Himmelskörper nur klein sind, die Erde weit verfehlen und am Himmel sehr schwach bleiben werden. 2014 DX110 steht derzeit mit 15. Größe in der Giraffe und damit über 60° hoch am deutschen Himmel: Wenn um Mitternacht der Mond untergeht, wird er noch 30° hoch (in der Cassiopeia) stehen, aber schon auf 16.5 mag. gefallen. Die größte Erdnähe des etwa 30 m großen Brocken ist gegen 22:00 MEZ mit etwa 340’000 km: ein Bild, noch eins, eine Menge Fotometrie, aus der sich diese Lichtkurve und diese Perioden ergeben, warum es keine Radar-Beobachtungen gibt, eine Live-Sendung jetzt und Artikel hier, hier, hier, hier, hier und hier. [NACHTRÄGE: Aufzeichnungen der Webcasts vom Virtual Telescope Project (Asteroid ab 10:20) und Slooh (Asteroid von 13:15; Screenshot).]

2014 EC wurde erst heute entdeckt, der Bahnbogen ist entsprechend winzig und die Ungenauigkeit der Bahn groß – trotzdem hat man ihn sogleich auf die Risk-Liste gesetzt, was man hinterfragen kann (mehr). In der kommenden Nacht sollte 2014 EC im Leo mit 18. bis 17. Größe im Leo bis zu 50° hoch steigen, die Erdnähe morgen Abend gegen 22:30 MEZ in 60’000 km und mit 13.-14. Größe bleibt leider unbeobachtbar, da er dann durch Vel, Car, Vol, Hyi und Hor zieht (in den Stunden davor kommt er mit ähnlicher Helligkeit keine 10° über den Horizont): eine weitere geplante Live-Sendung und ein Artikel [NACHTRÄGE: eine späte NASA-Notiz und ein weiterer Artikel; der Webcast war clouded out] – und gleich noch ein dritter erdnaher Asteroid, der in der kommenden Nacht nahe kommt [NACHTRAG: Der heißt jetzt 2014 EF, auch ein Artikel].

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Ein Raketenstart in ein Polarlicht vorgestern in Alaska (mehr und mehr). Auch ein neuer US-Bolide (mehr), die erstaunlich stabile Bahn des Mondes von Hector (mehr), die Kometen Siding Spring heute, C/2012 K1 (PANSTARRS) am 2.3., 1.3. (dito) und 27.2., Lovejoy am 1.3. und 28.2. und LINEAR am 1.3., Original-Videos von BBC-Sendungen der Giotto-Encounter mit Grigg-Skjellerup 1992 und Halley 1986, der Mars am 2.3., auch mit Phobos & Deimos, der Jupiter am 4.3., 26.2. und 15.2. – und die Sonnenflecken-Gruppe (1)1990 bei ihrer 3. Runde (mehr).

Die frühe Lichtkurve der SN 2014J war extrem steil

und knickte dann ab: Das hat die Analyse zweier Serien Prediscovery-Aufnahmen ergeben, wobei dies womöglich sogar der Regelfall bei Ia-Supernovae ist – “a little weird” (mehr [NACHTRAG: und mehr]) ist sie damit eher nicht. Auch Beobachtungen mit SOFIA (mehr) und kein Vorgänger auf Tautenburg-Bildern, die SN 2014L in Messier 99, neue Fragen zur Natur der Ia-SNe, eine mögliche Zwergnova im Orion, das neue Instrument MUSE am VLT, Radioastronomie für den islamischen Kalender, das größte selbstgebaute Planetarium, mal wieder ein indischer Artikel über Amateur-Astrofotografen, ein neuer IAU Outreach Newsletter – und warum man keine Marskrater ‘kaufen’ kann und warum das gut ist.

So war’s auf Deutschlands erstem Polarlicht-Flug

3. März 2014

 

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Keine alltägliche Flugroute hat in der Nacht vom 1. zum 2. März der Flug AB 1000 zurückgelegt, knapp 5000 km in 6 1/4 Stunden von Köln zu den Shetlands und Färöer und wieder zurück, mit mehreren Strecken entlang des Breitengrads und wieder zurück bei den beiden Inselgruppen: Das war der erste Polarlicht-Beobachtungsflug aus Deutschland, organisiert von Polarlicht-Reisen mit Air Partner und Air Berlin – und es gab einiges zu sehen. Oben ein Video von Wilfried Bongartz, auf der linken Seite, Aurora ab 1:35, Fotos auch hier und hier, und unten ein Video von Peter Oden auf der rechten Seite, Aurora ab 7:07, Fotos auch hier und hier; es gibt auch ein großes Bilder-Album des Autors, eine Diskussion des Fluges und ein Album von Bongartz und Oden mit weiteren Einzelbildern.

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Beim Check-In und am Gate; Stefan Krause brieft die Passagiere der komplett ausgebuchten Boeing 737-800 – noch sieht die geomagnetische Datenlage nicht besonders vielversprechend aus, aber immerhin hat das interplanetare Magnetfeld (obere Kurve) gerade nach Süden gedreht: Das steigert die Reaktionsfreude des Erdmagnetfelds schon für kleinste interplanetare Trigger …

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22:59 MEZ

Auf der Reise zu einem “fiktiven Punkt” … Oden mit der Fernsteuerung der auf einem Stativ hinter dem Fenster und einem schwarzen Tuch montierten Weitwinkel-Kamera und einem Notebook mit dem Live-Bild; inzwischen ist die Kabinenbeleuchtung weitestmöglich gedimmt. Und auf seiner rechten Seite ist auf dem Flug nach NO bereits das Polarlichtoval knapp über dem Horizont erschienen: Das ist schon mal beruhigend – und führt zu der spontanen Entscheidung, den eigentlich gleich bis zu den Färöer geplanten Flug bei den Shetlands zu unterbrechen und nordwestlich von ihnen je einmal west- und ostwärts zu fliegen.

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23:09 MEZ, 13 Sekunden bei ISO 1600

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23:10 MEZ, 13 Sekunden bei ISO 1600

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23:11 MEZ, 13 Sekunden bei ISO 1600

Just beim Drehen von der Ost-West- zu der die West-Ost-Strecke flammt das Polarlicht plötzlich hell auf, und die linke Flugzeugseite, wo auch der Autor sitzt, kommt gerade noch in den Genuss des abklingenden Substurms mit besonders hellen Stellen (im ersten Bild überbelichtet!) und Beamern senkrecht nach oben. Die hellsten Sterne sind immer Deneb und ganz rechts Vega.

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23:18 MEZ, 10 Sekunden bei ISO 1600

Alle Aufnahmen hier sind mit der seit 2011 und zuletzt Ende Januar in Norwegen eingesetzten Bridge-Kamera mit maximalem Weitwinkelzoom, das 25 mm Kleinbild entspricht, und offener Blende 2.8 entstanden, wobei das Bildfeld aber meist etwas beschnitten ist, um Reflexe in der Scheibe weg zu lassen.

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0:08 MEZ, 15 Sekunden bei ISO 1600

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0:33 MEZ, 20 Sekunden bei ISO 1600

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0:59 MEZ

Nach dem überraschenden Einstieg ging die Reise zu den Färöer, eigentlich Føroyar, weiter, auf 62°N 7°W: Etliche Male wurde jetzt west- und ostwärts geflogen, während leider das Polarlicht arg die Kraft verlassen hatte: Mehr und mehr Passagiere knubbelten sich schließlich um Odens Live-Display, das deutlich mehr Strukturen im Aurora-Band offenbarte als der Blick aus dem Fenster.

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1:05 MEZ, 20 Sekunden bei ISO 1600

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1:09 MEZ, 13 Sekunden bei ISO 1600

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1:12 MEZ, 15 Sekunden bei ISO 1600

Auf dem Weg zurück nach Köln – zwar war die Boeing randvoll getankt, aber irgendwann muss halt Schluss sein – wird ein Bogen nach Südosten geschlagen, so dass der Blick von der linken Seite auf das östliche Ende des Aurorabogens fällt: die gleiche geometrische Situation wie auf den Bildern 1, 3, 4, 7 und 8 von Sommarøy, nur 8° weiter südlich, weil das Auroraoval im Nordwesten Europas deutlich weiter nach Süden kommt als im Nordosten. Und siehe da: Die Aurora nimmt noch einmal mächtig Fahrt auf!

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1:15 MEZ, 15 Sekunden bei ISO 1600

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1:19 MEZ, 13 Sekunden bei ISO 1600

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1:20 MEZ, 13 Sekunden bei ISO 800

Zu erkennen insbesonders an der extrem hellen Stelle im mittleren Bild und den reduzierten Belichtungen. Alle Aufnahmen entstanden übrigens freihändig mit dem Objektiv an die Scheibe gepresst – leider manchmal zu energisch, was die unscharfen Sterne erklärt. Sollte man mit den Objektiven von Bridgekameras eben nicht machen: wieder was gelernt …

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1:31 MEZ, 10 Sekunden bei ISO 1600

Danach verblasst das Polarlicht erneut, aber es bleibt als diffuser Schimmer sichtbar, mit helleren Strukturen dicht über dem Horizont, die schließlich dahinter verschwinden. Diesmal stimmt auch der Fokus – und man beachte den Schatten des Winglets auf der Tragfläche im Licht der Aurora!

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1:44 MEZ, 15 Sekunden bei ISO 1600

Sekunden von dem Wiedereinschalten der Kabinenbeleuchtung und 1 1/2 Stunden vor der Landung in Köln das letzte Bild: immer noch Aurora am Himmel. Gut drei Stunden war sie permanent zu sehen gewesen, in zig verschiedenen – mitunter auch sehr subtilen und nur fotografisch klar zu erkennenden – Spielarten. Und dank der Flughöhe und perfekten Transparenz unter ungewöhnlicher Geometrie bis in rund 1000 km Entfernung.

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Der Stackplot nordeuropäischer Magnetometer – von 9:00 MEZ am 1. bis 9:00 MEZ am 2. März – zeigt, dass pünktlich zum Flug doch einiges in Unordnung geraten war, etwa ab 23:30 MEZ: Auch die weniger aktive Phase nach Mitternacht und die erneute Zunahme nach 1:00 MEZ sind zu erkennen. Insgesamt ist die Erfahrung Aurora aus dem Flugzeug mit dem Erlebnis in der Wildnis oder auch an Deck eines Schiffes nicht zu vergleichen: Es fehlt der “All-Sky-Effekt”, der bei einem ordentlichen Substurm die Aurora über den ganzen Himmel huschen lässt. Dafür birgt die Kombination des Naturereignisses mit der High-Tech-Umgebung eines modernen Passagierflugzeugs und von High-End-Kameras mit Live-Display einen ganz eigenen Reiz. Von der Wettergarantie über dem Großteil der Troposphäre und flexibler Routenanpassung natürlich ganz zu schweigen … NACHTRAG: noch ein Artikel.

Vermutlich die stärkste Europa-Aurora des Zyklus

27. Februar 2014

findet diese Nacht statt: Die Sichtungen reichen bis nach Mitteleuropa und sind die Auswirkung eines geomagnetischen Sturms der Stärke G2, den der koronanale Massenauswurf nach dem X4.9-Flare vor drei Tagen bei seinem streifenden Erd-Treffer heute Nachmittag ausgelöst hat. Meldungen und Berichte aus (Nord-)Deutschland sammeln sich hier in rascher Folge an (oben eine Animation von Willem R, entstanden 70 km SÖ von Hamburg), ausgewählte Bilder der ersten Stunden des Ausbruchs von anderswo, v.a. den britischen Inseln (wo sich viele nicht an so viel Action am Himmel erinnern können), hat es hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier – und die BBC berichtet auch schon.

NACHTRAG: die geomagnetischen Daten bis Mitternacht MEZ, ein Bild aus Seth (Schleswig-Holstein), weitere Bilder aus dem U.K. hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier – und Hoffnung auch in Nordamerika. NACHTRAG 2: die deutschen Sichtungen bis etwa Mitternacht, der Bildbericht eines Beobachters, Bilder aus Island, Norwegen und den Niederlanden hier und hier und mehr aus dem U.K. hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. NACHTRAG 3: die Aurora auch in Australien, aus Deutschland dies und ein wolkiges Video sowie einiges mehr hier und das Polarlicht-Archiv und aus dem U.K. immer noch mehr Bilder hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier – und noch allerlei mehr, während der geomagnetiche Sturm bereits abebbt. NACHTRAG 4: eine schnelle Analyse der Aurora, ein Storify von Tweets und weitere Bilder hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier.

NACHTRAG 5: das beste bisher bekannt gewordene deutsche Zeitraffervideo, in Kiel aufgenommen, auch hier als Nr. 5 oder langsamer, ein weiteres Video, zahlreiche Bilderlinks bereits im Polarlicht-Archiv und weitere Bilder der Nacht hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier.

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NACHTRAG 6: das Südlicht am 27. Februar aus der ISS – und ein leider verbreiteter Fake sowie Artikel hier (mehr), hier und hier. Und der offensichtliche Grund, warum so viele Beobachtungen zustande kamen. NACHTRAG 7: weitere schöne Bilder aus und bei Kiel hier und hier, eine neue Version des deutschen wolkigen Videos, ein sehr buntes schottisches Album, ein weniger buntes, ein buntes irisches, ein britisches von 51°N, ein ziemlich wolkiges nord-britisches und ein ein All-Sky aus den Niederlanden, ein Bericht aus Manchester sowie weitere Artikel hier, hier, hier, hier (Bilder) und hier.

Es geschah vor 65 Jahren: Mysterium um die Luft-Aufnahmen des letzten “Finsterniskometen”

26. Dezember 2013

Wie dieses Jahr, so war auch 65 Jahre zuvor Anfang November eine kurze Totale Sonnenfinsternis über Ostafrika zu sehen – aber viel berühmter wurde der Komet 1948 V1, der während der Totalität am 1.11.1948 in nur 2° Abstand und etwa -2 mag. hell neben der Korona erschien: Weil ihn dabei viele gleichzeitig entdeckten, wurde er einfach “Eclipse Comet” getauft, das letzte Mal übrigens, dass ein Komet keinen richtigen Namen nach Entdeckern oder Sternwarten etc. erhalten hat. Und 1948 V1 (damals noch als 1984 l und später 1948 XI katalogisiert) blieb auch der letzte Komet, der zum ersten Mal während einer Sonnenfinsternis gesichtet wurde – doch wie steht es um Fotos, die Korona & Komet zusammen zeigen? Gary Kronk schreibt in seiner epochalen Cometography 4 311 dass “numerous photographs of the eclipse were taken, which, despite the short exposures, plainly showed the comet.”

Da verwundert es schon, dass eine Google-Suche nach nämlichen Fotos nicht ein einziges zutage fördert, und auch energisches Forschen in der Literatur nur eine einzige angebliche Aufnahme in einem tschechischen Paper von 1999. Die Bildunterschrift dort behauptet, das Bild habe R. d’E. Atkinson in Nairobi gemacht, während wiederum bei Kronk zu lesen ist: “Some of the best photographs were taken by a team of astronomers from the Royal Observatory (Greenwich, England) that had set up in Mombasa (Kenya)” – wo die Finsternis aber überhaupt nicht total war! Die nämliche britische Expedition unter Leitung von des Astronomen Robert d’Escourt Atkinson war tatsächlich gezielt in Mombasa deutlich außerhalb der Umbra geblieben, um die umschwenkende Sonnensichel mit Filmkameras aufzunehmen, was zur verbesserten Bahnbestimmung des Mondes dienen sollte, wie einem Vorbericht in Sky & Telescope VIII (December 1948) 38, einem riesigen Paper zu den Ergebnissen – Teile eins, zwei und drei – sowie diesem langen Interview zu entnehmen ist!

Atkinson beschrieb sein kenianisches Abenteuer, das auch die Begegnung mit 16 Löwen gleichzeitig umfasste, bereits am 24. November 1948 auf einem Ordinary General Meeting der British Astronomical Association, dessen Protokoll im Journal of the BAA 59 #2 (January 1949) 57 zu finden ist: Er war “conscious of a great sense of self-denial, in that although he had travelled about 10,000 miles he had deliberately gone where he would just fail to see the total phase of the eclipse” – und den Kometen natürlich auch, denn er erlebte nur eine 98%ige Sonnenfinsternis. Es irren also Kronk wie der Tscheche wie auch P. Poitevin, bei dem Atkinson den Kometen ebenfalls in Nairobi fotografierte, wobei sein “picture can be seen in many publications”. Aber auch davon kann nach dem Stand der Recherche keine Rede sein: Zwar gibt es viele Fotos des ‘Finsterniskometen’, der zu den hellsten des 20. Jh. zählte, z.B. in Sky & Telescope 68 #4 (October 1984) 378, aber sie entstanden alle in den Wochen nach der SoFi.

Wie Atkinson zu dem unverdienten Ruf des SoFi-Kometen-Fotografen gekommen ist, lässt sich jedoch leicht nachvollziehen: Er war der erste, der tatsächlich Fotos von Sonne und Komet ausmaß! Und wie er an diese kam, beschrieb er auf dem BAA-Meeting und ist auch in aktuellen Comet Notes in The Observatory sowie Sky & Telescope VIII (January 1949) 59 zu finden: SoFi & Komet waren aus einem Flugzeug der Royal Air Force – Kenia war damals und noch für 15 Jahre britische Kolonie – heraus fotografiert worden, aus 13’000 Fuss Höhe, mit 200 mm Brennweite, Blende 5.6 und 1/300 Sekunde Belichtungszeit. Drei solche Negative konnte Atkinson ausmessen und Abstand und Position des Kometen relativ zur Sonne bestimmen, was bei der frühen Bahnbestimmung half, und zum Meeting nach London hatte er offenbar auch Abzüge mitgebracht – doch dann verliert sich die Spur der Bilder.

Aber wie war Atkinson überhaupt an die Negative gekommen? Auch das erzählte er in London: Zunächst hatte er von der Kometenentdeckung während der Finsternis nur aus der Presse erfahren und es nicht geglaubt, dann aber in Nairobi bei einem britischen Amateurastronomen gewohnt – und der hatte ihn mit den SoFi/Kometen-Beobachtern aus der Luft zusammen gebracht! Der Komet war auf vier Negativen der nicht nur in diesem Bericht namenlosen “R.A.F. officers” zu erkennen, und Position und Schweif stimmten mit den visuellen Berichten anderer überein. Drei Bilder waren kurz belichtet und wie erwähnt astrometrisch leidlich auszuwerten (Atkinson klagte vor der BAA, die technischen Daten der Kamera nur ungenügend zu kennen), das vierte mit einer anderen (Hand-)Kamera länger belichtet worden und zeigte mehr Schweif – ist dies womöglich das in dem tschechischen Paper 51 Jahre später reproduzierte? Und wieso und in wessen Auftrag war die SoFi überhaupt aus der Luft beobachtet worden?

Der von Atkinson besuchte Amateurastronom und seine Wahlheimat Nairobi könnten der Schlüssel zu der ganzen Geschichte sein. Der Mann hieß Herbert Kay “Pop” Binks und muss nach allen auffindbaren Quellen eine bemerkenswerte Persönlichkeit gewesen sein: unter anderem Profi-Fotograf mit speziellem Interesse an Luftbild-Aufnahmen und Astronomie, der auch gerne astronomischen Expeditionen half (eine Anekdote auf S. 293). Und in einem Vorort von Nairobi befand sich mit der R.A.F.-Basis Eastleigh – heute Moi Air Base – die Zentrale der gesamten britischen Militärluftfahrt für Ostafrika. Die sich, wie einer kenianischen Chronik zu entnehmen ist, in jenen relativ friedlichen Jahren vor allem mit intensiver fotografischer Kartierung Afrikas aus der Luft beschäftigte! Flugzeuge mit passenden Kameras gab es also und viel Erfahrung – und nebenan in Nairobi einen Experten für Luftbildfotografie, der Kontakte zur R.A.F. pflegte und gleichzeitig Astrofan war.

So weit die mit vertretbarem Aufwand im Internet recherchierbaren Fakten (mit dankenswerter Unterstützung durch Sheridan Williams, Randall Rosenfeld, Mike Frost, Jay Pasachoff und Rick Fienberg). Und nun eine kühne Spekulation: Könnte es sein, dass Binks einige Piloten-Freunde in Eastleigh dazu anstiftete, bei einem Luftbildflug “zufällig” nach oben in Richtung dunkle Sonne zu fotografieren? Und dass diese dann nicht namentlich genannt werden wollten, weil sie auf gar keiner offiziellen Mission gewesen waren (auch wenn Atkinson einen der Beteiligten als Air Commodore bezeichnet, ein mittlerer Dienstrang)? Leider starben Binks – der wenig Astronomisches publiziert zu haben scheint – 1971 und Atkinson (von den über den Finsterniskometen bis auf die Astrometrie nichts zu finden war) 1982, wobei sein wissenschaftlicher Nachlass in Indiana blieb, wohin er 1964 gegangen war: Die Suche nach den Hintergründen des Finsternisfluges und die Jagd nach den Negativen, guten Abzügen oder wenigstens ordentlichen Reproduktionen mit klarer Provenienz geht weiter …

AGU 2013: Chelyabinsk aus Videos rekonstruiert

12. Dezember 2013

Zum Abschluss der AGU-Fall-Meeting-2013-Session zum Chelyabinsker Airburst (“Und die AGU-Tagung geht weiter …) präsentierte J. Borovicka – in Ergänzung zu einem kürzlich erschienenen Paper (zu dem es bereits hier [Kurzmeldung unter "Ein Asteroid zerstört sich ..."] einige Links gab) – eine detaillierte Analyse des Ereignisses auf der Basis dutzender Videos.

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Diese Höhen in Kilometern entsprechen z.B. bestimmten Punkten der Spur, die noch lange am Himmel hing, 2-3 km Durchmesser entwickelte und rund 600 km^3 Volumen besaß: Insgesamt konnte der Bolide – Anfangsdurchmesser 19 m, Anfangsmasse 12’000 Tonnen – von 95.1 bis 12.6 km Höhe verfolgt werden, wobei die Anfangsgeschwindigkeit 19.0±0.1 km/s betrug und der Winkel zur Erdoberfläche von 18.5° auf 17° abnahm. In etwa 70 km Höhe begann der Bolide massiv Staub (von nahe seiner Oberfläche) zu verlieren, in 45 km Höhe begann er zu fragmentieren, und in 39 bis 30 km Höhe verlor er 95% seiner Masse.

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In 29 km Höhe bestand der Ex-Asteroid nur noch aus 10 bis 20 Brocken von 1 bis 3 m Größe von jeweils rund 10 Tonnen Masse, die in 26 bis 22 km Höhe weiter zerbrachen: Obwohl allesamt nur durch puren Zufall entstanden, waren die Videos gut genug, um die Bahnen einzelber Fragmente durch die Atmosphäre zu verfolgen – inklusive einer Endmasse von 1/2 Tonne, deren berechnetes Bahnende tatsächlich mit dem Chebarkul-See übereinstimmt, aus dem sie Monate später gefischt (“Ist das die Hauptmasse …”) wurde.

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Die Schockwelle, die den Boden traf und dort Schäden anrichtete, ging nicht von einem Explosionspunkt sondern einem langen Zylinder aus, bevor die Fragmentation erfolgt war: Das hat sich im Detail zurück verfolgen lassen. Spätere, schwächere Schocks gingen von einzelnen Fragmentationsereignissen aus – wäre der Asteroid in einem Stück weiter durch die tiefere Atmosphäre geflogen, wären die Schäden größer gewesen. Da dank der Videos die Bahn des Chelyabinsker Asteroiden im Weltraum ziemlich gut bekannt ist, fand sich mit dem Asteroiden Nr. 86039 ein viel versprechender Mutterkörper. Mit dem dürfte vor weniger als 100’000 Jahren ein anderer Asteroid zusammengestoßen sein: Das Ergebnis waren neben dem Chelyabinsker Brocken noch etliche weitere Trümmer der 10-Meter-Klasse – vielleicht die Erklärung für eine erhöhe Impaktrate von sehr kleinen Asteroiden, auf die gewisse Daten hinweisen.

Lovejoys Diskonnektionen – und ISON gesichtet?

6. Dezember 2013

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Während der weiter helle Komet Lovejoy mit seinem schnell veränderlichen Plasmaschweif – Bilder von heute (mehr, Details, mehr, mehr und weitwinklig), gestern (mehr sowie oben von M. Jäger) und vorgestern sowie von Subaru – für Aufsehen sorgt, Disconnection Events inklusive, wird von heute eine mögliche Feldstecher-Sichtung der Ex-ISON-Wolke berichtet, nach der andere vergeblich suchten. Auf aufaddierten STEREO-HI-1A-Bildern vom 2. Dezember hatte sie noch so ausgesehen, bzw. so in Heat. Nichts Nennenswertes zu erfahren war dagegen heute leider von einem weiteren ISON-Workshop, wo man lieber im eigenen Saft schmoren wollte als – bis auf vage Andeutungen zu Beginn und Häppchen hier und da – die aufregenden ‘rohen’ wissenschaftlichen Ergebnisse zu ISON mit der Öffentlichkeit zu teilen: ein archaisches Verständnis von Wissenschaft und erst recht unangemessen bei einem aktuellen Ereignis, für das das Publikum monatelang angefixt wurde. (Überhaupt war es um die zeitnahe Kommunikation von ISON-Ergebnissen der Profi-Astronomie – die angeblich mehr Daten als von irgendeinem Kometen vorher eingefahren hat – verblüffend schlecht bestellt, da halfen auch die paar Notizen hier nichts.)

Dem Abfeiern der Beiträge von Amateurastronomen, deren Beobachtungen zuweilen sogar die Planung von Profi-Beobachtungen beeinflussten, durfte die Welt noch lauschen und den wiederholten Ruf nach noch mehr Bildern vernehmen, mit denen die Wechselwirkung des ISONschen Plasmaschweifs mit dem Sonnenwind untersucht werden könnte. Aber wie aus Daten Erkenntnisse werden, soll offenbar keiner miterleben dürfen, die “Bürger-Forschung” sich wohl tunlichst auf untertänige Daten-Zuträgerdienste beschränken. Immerhin konnte man noch den allgemeinen Eindruck mitnehmen, dass ISON ein eher gasreicher und staubarmer Komet war und sein Kern zwar nach Unterschreiten der 1-au-Grenze erheblich variabler in seiner Aktivität wurde aber bis Tage oder gar Stunden vor dem Perihel in einem Stück blieb, er sich dort jedoch rasant auflöste: Auch eine weitere Analyse des Staubschweifs nach dem Perihel hat ergeben, dass es danach zu keiner weiteren Staubfreisetzung mehr kam (die zu einem Fächer näher zur Flugrichtung hin geführt hätte). Auch die Voraussage eines Meteorsturms auf dem Mars durch den Kometen Siding Spring nächstes Jahr, ein detailreicher Peach-Jupiter vom 1.12., eine verwirrende Visualisierung der Umpolung der Sonne, Hinweise auf Riesen-Konvektionszellen und schöne Bögen in der Korona.

Weitere größere Artikel – und ISONs Schicksal

6. Dezember 2013

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Letztes Sichtfenster auf (Ex-)Komet ISON vielleicht in den nächsten Tagen – oben das aktuellste verfügbare STEREO-Ahead-Bild von vorgestern Morgen, diesmal in Differenzdarstellung; auch das entsprechende verstärkte Direktbild aus diesem Verzeichnis, ein ziemlich deutliches Direktbild von ein paar Stunden früher, ein Summenbild vom 1. Dezember, dito in Falschfarben, das Programm eines kleinen Meetings heute, das ab 14:30 MEZ hier gestreamt wird, weitere NASA-Pläne wg. ISON und mehr oder weniger erhellende Artikel hier, hier, hier, hier und hier.

Asiens doppelter Aufbruch ins Sonnensystem mit MOM und Chang’e-3, dessen 3. Bahnkorrektur unnötig war und der wie geplant vor wenigen Stunden in eine Mond-Umlaufbahn eingetreten ist.

ESO bekommt Besucherzentrum und Planetarium – geschenkt. Und weitere neue Gebäude im Garchiger HQ wurden gerade fertig.

Kürzere Artikel

Lichtkurve der hellsten Nova aller Zeiten, der Nova Aquilae 1918, bis heute rekonstruiert.

Komet Garradds geheimnisvolle Gasproduktion, bei der CO völlig andere Wege als H2O ging.

Astronomisches Lehrmaterial – mit Qualitätssiegel durch astroEDU.


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