Archive for the ‘Öffentlichkeit’ Category

“Outer Space” in Bonn: die ersten Eindrücke

2. Oktober 2014

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Heute Abend wird in der Kunst- und Ausstellungshalle der BRD die neue Super-Show “Outer Space – Faszination Weltraum eröffnet, wobei die Vernissage – ungewöhnlich – eine öffentliche Veranstaltung ist, Anmeldung via FB genügt. Bereits auf dem Museumsplatz locken ein 1:5-Modell einer Ariane 5 und der bekannte Aufblas-Astronaut des EAC – unddieser Blogger hatte schon heute Mittag die Gelegenheit zu einer Vorbesichtigung der Ausstellung mit viel DLR-Unterstützung, während noch die letzten Schildchen geklebt wurden, passend mit Laser-Hilfe. Ein paar Impressionen aus den 12 Räumen, in denen sich wertvolle Weltraumartefakte und alte und neue Kunst begegnen; der Rundgang beginnt unten rechts:

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Begrüßt wird der Besucher – anfangs ist die Richtung vorgegeben, in der Mitte nicht mehr, am Ende wieder – vom größten Brocken des Meteoriten von Ensisheim vor Rubens’ Erschaffung der Milchstraße. Und nach dem 8. Dezember auch von der “Bundesbiene”, einer auf natürliche Weise verstorbenen Bewohnerin eines Bienenstocks auf dem Dach der Kunsthalle – die zur Zeit auf der ISS ‘haust’, dann aber von Alexander Gerst im Rahmen einer großen Party persönlich zurück gebracht werden wird.

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Verbeulte Spitze einer V2 vor alle 20 Minuten lautstark startender Soyuz mit der ISS-Expedition 38. In diesem Raum wird kurioserweise mehr über die Technik der V2 erzählt als derzeit im Museum in Peenemünde, aber die unmenschlichen Aspekte der Raketengeschichte bleiben natürlich auch in Bonn nicht unerwähnt.

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Diverse Raumanzüge mit Kurator und Ausstellungsleiter Stephan Andreae – und die Kapsel, mit der der Schimpanse Enos Ende 1961 als erster Primat von amerikanischem Boden aus in den Orbit gelangte – keine gute Erfahrung übrigens.

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Marsforschung im frühen 20. Jh. (oben, aus einer entlegenen französischen Sammlung) – und Zeichnungen von Antoniadi von 1896: Da sah auch er noch die Kanäle, zu deren Widerlegung erspäter maßgeblich beitrug.

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Das Highlight für Astrofans (ohne Platzangst): eine Kugel aus 4200 Holzstücken, in die 30’000 Glasfasern gesteckt sind – im Inneren schaffen sie einen bemerkenswert realistischen Sternenhimmel. Und zwar rund herum um den jeweils einen Besucher, hinter dem sich lichtdicht eine Klappe schließt! Ein außergewöhnliches Kunstwerk von Hiroyuki Masuyama aus dem Jahre 2010, eine Leighabe der Galerie Sfeir-Semler in Hamburg: Selbst Astronaut Reinhold Ewald sei “mit leuchtenden Augen” wieder heraus gekommen, hieß es auf der PK (unten).

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Ein prächtiger Himmelsglobus von – natürlich mal wieder – Willem Blaeu aus Amsterdam, aus dem Jahre 1616.

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Ein Spiegelkreis von Edward Throughton aus London, um 1795.

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Ein Passage-Instrument von John Bird, ebenfalls aus London, um 1750.

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Das erste Bonner Universitätsfernrohr von Carl Dietrich Münchow, aus der Wende 18./19. Jh.; im Hintergrund eine der vom Fotokünstler Thomas Ruff bearbeiteten Himmelsaufnahmen der ESO.

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Gänse auf Mondmission – oder so ähnlich. Sehr bizarr …

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Socken des deutschen Astronauten Reinhold Ewald von seinem Mir-Flug 1997.

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Heute persönlich anwesend: Galina Balaschowa, hier vor dem von ihr entworfenen Farbdesign für die sowjetische Raumfahrt.

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Der Star der Ausstellung: die aus der Tiefsee geborgene Liberty Bell 7, deren Innenleben trotz Jahrzehnten auf dem Meeresgrund noch erstaunlich gut erhalten ist.

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Ein Sternensucher mit Nokturnal von Doppelmayr & Puschner aus Nürnberg von 1730.

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“The Still Expanding Universe” von Björn Dahlem aus dem Jahre 2013 – so beeinflusst die moderne Kosmologie die moderne Kunst!

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“Star Projector” von Oliver van den Berg, 2005: made from Birkenholz.

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Ein Kunstwerk – Acryl auf Masonit – von Ken Grimes von 2011, dessen kompletter Titel praktischerweise gleich drauf steht. Die darin gestellte Frage beantwortete der anwesende Pressesprecher des Teleskopbetreibers … nicht.

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SF-Movie-Props satt: z.B. eine Enterprise aus Star Trek: Generations, der Prototyp von Gigers Chest Burster aus Aliens und die beiden Roboter aus den Star Wars-Filmen.

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Ein Viking-5C-Haupttriebwerk einer Ariane 4.

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Ein Kometensucher von Jesse Ramsden aus London, um 1780.

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Der letzte von drei den zwölf Haupträumen zugeordneten Kunsträumen: die Installation “The Men Who Flew Into Space” von Ilya Kabakow.

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Und das allerletzte Exponat vor dem Ausgang: die “Big Crunch Clock” von Gianni Motti, die seit 1999 die letzten 5 Mrd. Jahre des Lebens der Sonne herunterzählt.

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Auf einer PK am Vormittag hatten Kunsthallen-Chef Wolfs, eine Sprecherin des DLR, die Kuratoren Claudia Dichter & Stephan Andreae und der Ausstellungsarchitekt das Konzept des “Outer Space” – siehe auch Interviews hier, hier und hier – in Anwesenheit der gefeierten Balaschowa (u.) diskutiert: Derartige “Hybrid”-Ausstellungen von Wissenschaft, Technik und Kunst gibt es schon seit 95 Jahren (die allererste Dada-Schau 1919 war so angelegt), und hier werde die “transdisziplinäre” Faszination für den Kosmos als “anthropologische Konstante” gezeigt. Vier Jahre dauerten die Vorbereitungen, manches war verblüffend leicht zu bekommen (die Liberty Bell wurde den Kuratoren schon 20 Minuten nach ihrem Eintreffen in der Kansas Cosmosphere angeboten), anderes nicht. Am Ende sei ein “feines Gespinst aus Assoziationslinien” zwischen Kunst und Wissenschaft (Dichter) enstanden – das nun bis zum 22. Februar bestaunt werden kann, umrahmt von allerlei eher Kunst-orientierten Veranstaltungen und ein paar ‘Satelliten’, etwa einer kleinen Foto-Ausstellung im Kunstmuseum nebenan. Zu entdecken gibt es eine Menge, und Kunst- wie Astronomie- wie Raumfahrtfans werden gewiss auf ihre Kosten kommen. NACHTRÄGE: ein paar Bilder auch vom Abend, ein weiteres Exponat mit Sonnenfinsternis, mehr Artikel zur Eröffnung hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier und andere Bilder-Galerien nachher hier, hier, hier und hier und vorher.

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OSIRIS vs. NavCam: der Komet C-G aus 1000 km!

2. August 2014

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Da fürchtete man schon, am Wochenende gäbe es zwei Tage lang keine neuen Rosetta-Bilder – und dann das: erst ein NavCam-Bild von gestern aus 1026 km Entfernung (Mitte: Originalbild, um Faktor 2 vergrößert, unten: von der ESA bearbeitete Version, beide um 150° gedreht), dann ein OSIRIS-Bild aus ca. 1000 km (oben)! Es ist nicht mehr “Voll-Chury” wie an den vorangegangenen Tagen, so dass es endlich etwas Schatten gibt und die Topographie hervor zu treten beginnt. Beide Bilder haben Artefakte, das OSIRIS-Bild z.B. einen großen schwarzen Fleck. Von Hand ‘bereinigte’ Versionen beider Bilder gibt es hier – und hier ein kleines Video aus Frankreich, das die Ansicht des Kerns aus der ersten Parkbahn Rosettas zeigt. Die plötzlichen Bildveröffentlichungen haben wir vielleicht einem erneuten OSIRIS-Bilder-Leak zu verdanken: Gestern hatte der PI eines anderen Rosetta-Experiments ein bis dahin unveröffentlichtes Bild als Gag gezwitschert, den Tweet aber schnell wieder verschwinden lassen … Auch eine NavCam-Animation bis zum 31. Juli und Artikel hier, hier und hier.

NACHTRAG zum schwarzen Fleck auf dem OSIRIS-Bild von Colin Snodgrass in einer geschlossenen Facebook-Gruppe für Rosetta-Spezialisten: “The black dot is a single bad pixel, but it gets expanded a bit due to the smoothing algorithm that makes the real features easier to see. It is just bad luck that one of the bad pixels fell on the comet here (there are a handful out of the 4 million in the NAC CCD). Remember, this image is a relatively small region of the CCD still, where the comet has been chopped out (as the rest of it is just black in the short exposure time used for the nucleus). By next week, when the comet will fill the full NAC 2k x 2k, you won’t even be able to notice the few bad pixels. Und da sage noch einer, man bekomme auf Facebook keine nützlichen Dinge erzählt! Auch ein Science@NASA, die letzten beiden Rosetta-Burns im Anflug – CATP und CATI – und weitere Artikel hier, hier und hier.

Noch ~2000 km bis Churyumov-Gerasimenko …

28. Juli 2014

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Das ist das neueste Gestalt-Modell des Kerns des Rosetta-Zielkometen, basierend auf OSIRIS-Aufnahmen vom 14. bis 24. Juli: Auf seiner Basis werden jetzt – dem Vernehmen nach: emsigst – der weitere Missonsverlauf und insbesondere die Landung von Philae geplant. Bis Ende August – dann wird der Abstand nur noch 50 km sein – sollen 5 Kandidaten für Landestellen benannt werden, Mitte September ein führender feststehen: Dann soll die Bahnhöhe nur noch 30 km und die Auflösung auf der Oberfläche 55 cm betragen. Die Landung bleibt für den 11. November geplant.

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Mittlerweile gibt es auch die nächsten drei Navcam-Bilder, vom 25. (oben, aus 3150 km, Pixel interpoliert), 26. (Blickwinkel wie 27.) und 27. (unten, aus 2540 km Distanz, ebenfalls interpoliert) Juli: auch letzteres und alle drei sanft bearbeitet von den Cracks im UMSF-Forum und reichlich heftig hier. Und natürlich hätte man gern mehr Material zum Arbeiten, aber so isses besser als nix.

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Die Galaxien-Kollision 2MASX J06094582-2140234 auf einer Hubble-Aufnahme (mit WFC3 und ACS): Beide haben einander schon kräftig verformt, aber ob sie am Ende auch verschmelzen werden, ist nicht klar. Auch ein neuer niedrigerer Orbit von MESSENGER, während der Venus Express wieder eine hohe Bahn hat, offenbar wieder voller Kontakt mit Foton-M4, auch wenn die Bahn noch nicht angehoben wurde (mehr, mehr, mehr, mehr, mehr [NACHTRAG: und mehr und mehr] und mehr Links) – und 50 Folien eines Vortrags über die Bemühungen um ISEE-3 auf einer Tagung gerade; auch der Vortrag selbst soll noch online gehen.

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Die Überreste des Vredefort-Riesenimpaktkraters aus der ISS gesehen: Von der einst 300 km messenden Struktur sind nach 2 Mrd. Jahren nur noch Reste eines der zentralen Ringe erkennbar, die sich nach dem Einschlag erhoben. Auch die Freigabe des letzten ATV für den Start (sowie die Ladung und Artikel hier, hier und hier), eine NASA-Statistik zur Nutzung der ISS, die aber die Frage nach dem wissenschaftlichen Impakt nicht beantwortet, erneute Hoffnung auf den Delta-Start nun heute Nacht nach vier Absagen in Folge – und kommerzielle Satelliten-Bilder der Grenze von Ukraine und Russland, mit denen die USA Raketen-Abschüsse von Russland über dieselbe beweisen wollen (mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und mehr). Eine ähnliche Vorgehensweise wie einst in der Kuba-Krise, nur dass man diesmal die ‘Aufklärungs’-Bilder von Digital Globe gekauft hat – vielleicht um noch bessere eigene Aufnahmen nicht teilen zu müssen.

Weitere größere Artikel

18. Juli 2014

Komet Jacques mit 5.–6. Größe am Morgenhimmel in den nächsten Wochen – auch erste deutsche Bilder von heute und gestern.

Beobachtungsaufruf: EE Cephei verfinstert sich bald, eine Art Mini-Ausgabe von Epsilon Aurigae – auch ein AAVSO Alert.

Discern a supermoon’s large size with the eye? An observer says yes – nämlich dieser Blogger.

Vollständige Himmelsüberwachung: »Evryscope« verspricht 16. Größe auf 9000 Quadratgrad im Minutentakt.

Sieben Zwerggalaxien bei M 101 entdeckt – mit dem Dragonfly Array aus Teleobjektiven.

Fernseh-Interview

Die Expansion des Universums: Interview mit Nobelpreisträger Brian Schmidt (15 Minuten) – auch hier und hier.

Kleinere Artikel

Die fernsten Sterne der Milchstraße: bis zu 900’000 Lichtjahre – auch ein Paper mit allen Kandidaten und ein Artikel.

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Comment on the ESA Statement on Rosetta image releases, inzwischen auch daselbst freigeschaltet (und mehrfach von anderen gelobt); zur Problematik auch ein Riesen-Rant (auch hier), ein Storify (auch hier) und eine Erwähnung hier.

Mehrere populäre Exoplaneten nur Illusion! Nämlich Gliese 581 d und g: Press Releases hier, hier und hier, Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier und mehr Links.

Eine Soyuz startet – eine andere kommt zurück

10. Juli 2014

 

Heute Abend MESZ ist in Französisch-Guyana die 8. Soyuz für Arianespace gestartet – und sieben Stunden zuvor ist über Australien die Oberstufe [NACHTRAG: und zwar diese hier] einer vorgestern in Russland gestarteten Soyuz (“Start einer Soyuz …”) verglüht, wie die Videos oben so wie hier und hier zeigen: Der Zusammenhang von Reentry und Rakete wird auch vom US-Militär bestätigt. Auf einem der von der Soyuz auch gestarteten Kleinsatelliten ist übrigens ein Prototyp eines IR-Sensors, mit dem einmal NEOs untersucht werden könnten. Die Soyuz in Französisch-Guyana trug eine Fregat mit vier Satelliten für die O3b-Konstellation: Die Fregat-Operationen dauern noch an. [NACHTRAG: Und sind zu einem guten Ende gekommen. NACHTRAG 2: Arianespace freut sich auch. NACHTRAG 3: ein O3B Release, Artikel hier und hier und mehr Links]

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Rosettas Zielkomet nimmt allmählich Form an, auf drei OSIRIS-Aufnahmen vom 4. Juli aus 37’000 km Distanz – Abstand jeweils 4 Stunden (bei einer Rotationsperiode von 12.4 Stunden); der Kern füllt bereits ~30 Pixel à ~700 m aus; mehr hier, hier, hier und hier.

Der Venus Express fliegt jetzt tiefer als jemals zuvor

durch die Venusatmosphäre, was ihm die heisste Woche des Aerobrakings beschert, das bald endet und heute auch in diesem ESA-Hangout besprochen wurde. Derweil wächst dank der Mission z.B. das Verständnis der Superrotation der Venus-Atmosphäre über klare Wellenmuster. Und eine weitere ESA-Mission ins innere Sonnensystem macht Fortschritte: Der Start von BepiColombo 2016 zum Merkur scheint gesichert. Unermüdlich macht derweil der Mars Express der ESA weiter: Heute gab’s von ESA wie DLR mal wieder ein frisches Bild, in den üblichen multiplen Darstellungen.

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Eine aktuelle Aufnahme von Baikonur aus der ISS aufgenommen – auch ein Video über das High Definition Earth Viewing-System mit vier TV-Kameras (“Dieses Bild wurde …”): Dabei wird auch explizit die Anwendung Columbus Eye der Uni Bonn erwähnt, die auch hier, hier und hier beschrieben ist. Derweil hat sich A. Gerst mit Seifenblasen befasst, vielleicht nicht nur PR. Und die NASA hat eine weitere Bodenstation des Near Earth Network.

LightSail hat endlich – kostenlose – Fluggelegenheit: 2016

Lange war es schon still um das 2009 wiedergeborene Projekt eines Sonnenseglers der privaten Planetary Society: Zwar hatte man bald eine prinzipielle Start-Chance bei der NASA (“Nächster Sonnensegler auf Start-Shortlist …”), doch mit dem Angebot konnte man nichts Rechtes anfangen. Stattdessen hat man nun, wie vergangene Nacht bei einem feierlichen Event verkündet wurde, auf einer Falcon Heavy angeheuert, die es noch gar nicht gibt, bei deren Start des STP-2-Satelliten für die U.S. Air Force im Jahre 2016. Das LightSail ist dabei der Untermieter eines anderen Satelliten, Prox-1, der Operationen zweier Satelliten in enger Nachbarschaft ausprobieren soll: Der Tripel-CubeSat LightSail dient dabei zunächst als Target (was ihm einen kostenlosen Mitflug beschert) – und wird dann zu seiner eigentlichen Mission entlassen, die er in 720 km Höhe durchführen kann: Sonnensegeln im Strahlungsdruck der Sonne. Praktischerweise hat Prox-1 ihm noch beim Entfalten des Segels zuschauen. Ein zweites Flugmodell des LightSail wird eventuell bereits 2015 im Rahmen des alten NASA-Deals fliegen können, allerdings nur in eine viel tiefere Umlaufbahn, wo es nur eine Woche oder so überlebt und auch nur den Entfaltungsmechanismus, nicht aber das Sonnensegeln, ausprobieren kann: Artikel hier (früher), hier, hier und hier. Auf dem nächtlichen Event wurde übrigens auch das “Lunar Flashlight”-Konzept der NASA angesprochen, aber wie es um die Realisierung steht, ist nicht zu ergründen.

Droplets of star formation and two merging galaxies in SDSS J153

Das ist mal eine verwegene kosmische Konstellation, die Hubble hier im Galaxienhaufen SDSS J1531+3414 eingefangen hat: Die beiden zentralen dominanten elliptischen Galaxien verschmelzen gerade – und dabei ist erstaunlicherweise eine 30 Kiloparsec lange Kette aus 19 Riesenhaufen voll blauer Sterne entstanden. Und außen drum gibt’s tolle Arcs von Hintergrundgalaxien, die das Schwerefeld des Galaxienhaufens verbogen hat: Press Releases auch hier, hier und hier und ein Artikel – plus Chandra/Spitzer-Beobachtungen an den “abnormen Armen” der Galaxie Messier 106.

ISEE-3 trotz Triebwerks-Versagens noch nicht aufgegeben

Klar ist – nach den Anstrengungen vorgestern und gestern (“Und wieder wird mit dem Antrieb von ISEE-3 gearbeitet”) – nur, dass die Triebwerke der Uralt-Raumsonde einfach nicht mehr wollen und dass daran nicht nur ein klemmendes Ventil Schuld ist: Vielmehr fehlt jenes Stickstoff-Gas, das den Treibstoff in die Brennkammern zu treiben hat. Dass es zunächst gelungen war, durch ein paar Düsenstöße die Rotation des Satelliten neu einzustellen und dann auch mit der großen Bahnkorrektur zu beginnen, war wohl letzten Stickstoffresten im System zu verdanken – aber die sind nun … weg? Interessanterweise erging gerade ein Ruf an die Welt, mal über das Lösungsverhalten von Stickstoff in Hydrazin über Jahrzehnte hinweg nachzudenken: Man hat noch vage Hoffnungen, ihn in diesem Fall durch Heizen wieder heraus treiben und die Bahnkorrektur zu einem Verbleib in Erdnähe hin doch noch retten zu können. Aber längst wird auch der Plan B propagiert: So lange es geht, mit ISEE-3 auf der alten Bahn noch Kontakt halten und wenigstens etwas Wissenschaft zu produzieren. Ob eilige Nachrufe wie hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier oder hier verfrüht waren, wird sich noch zeigen müssen – populär gewesen sind die Bemühungen um das TCM des Satelliten jedenfalls.

Die erste orbitale Pressekonferenz von Alex Gerst

5. Juni 2014

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Eine Bildqualität wie gleich aus einem Büro nebenan, mit nur ganz leichten Störungen, und ein Ton wie aus dem Studio: Der erste TV-Auftritt des 11. deutschen Astronauten Alexander Gerst eine Woche nach Start und Ankunft auf der ISS für die Presse im European Astronaut Centre in Köln geriet so perfekt, dass es manchem schon fast zu wenig nach Weltraumabenteuer aussah – hätte sich Gerst nicht zuweilen lässig im Raum gedreht.

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In den 19 heute Nachtmittag zur Verfügung stehenden Minuten ließ das EAC nur Fernsehanstalten, große Radiosender und die Lokalpresse je eine Frage stellen: Man erfuhr etwa (im Original [NACHTRAG: bessere Version] bzw. mit englischem VO), dass Gerst noch immer ständig Neues lernt und deswegen gar keine Zeit für Heimweh habe, während er zehn Stunden am Tag beschäftigt sei.

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Die frechste Frage kam natürlich aus Kindermund: Ob er sich denn mit den anderen fünf vertrage, und wohin er flüchten könne, wenn es mal Streit gäbe. Nein, sagt Gerst, man verstehe sich blendend und habe viel Spaß miteinander – und notfalls könne er ja in der Schlafkoje die Tür zu machen.

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Was in den nächsten 5 Monaten bis zu Gersts Rückkehr am 10. November noch an PR-Events geplant sei, konnte der EAC-Sprecher übrigens heute nicht beantworten. Hier noch ein Zeitraffer-Film, Bildergalerien hier und hier und Amateurfilme hier (nett geschnitten), hier, hier, hier und hier aus Baikonur rund um den Start sowie Jubel hier, hier und hier über orbitale Bilder-Tweets (wobei der Absender nicht immer auch der Fotograf ist).

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Auch eine Sichtung im EAC: ein Modell der Orion-Kapsel der NASA mit ESA-Antriebsteil. Beim ersten echten Modell der Kapsel, noch ohne es, wurde übrigens gerade der Hitzeschild installiert – und der Testflug ist weiterhin für diesen Dezember geplant.

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Und auch das steht in einer Ecke im EAC-Foyer: eine Mondbasis aus dem 3D-Drucker … Wie es mit der bemannten amerikanischen Raumfahrt weiter gehen solle, hat just gestern mal wieder ein Papier des NRC empfohlen, das zwar dem NASA-Fernziel Mars zustimmt, den derzeitigen Weg dahin aber für zu zögerlich erklärt: eine Video-Zusammenfassung, die erste Reaktion der NASA, Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier und mehr Links.

Rosetta hat auch ihren zweiten großen Burn absolviert

Erneut hat die Kometensonde gestern die Bahn weiter der des Kometen angepasst, das zweite derartige Manöver auf der langen Reise zu Komet 67P. Auch der Status von Dawn, der tatsächliche Bau von OSIRIS-REx, die aktuellen Aussichten vom Mars-Rover Opportunity am Pillinger Point, Erkenntnisse über Titan von Cassini, der Hitzeschild des Solar Orbiter, der immer noch gelegentlich sendende Sonnensegler IKAROS und der Status des LightSail, eine Flut von CubeSats (wobei sich einer von vieren, die Studenten bauen, nie meldet …), ein neuer Space-Fence-Vertrag (mehr, mehr, mehr und mehr Links) – und mysteriös taumelnde tote Satelliten.

Auf dem Satelliten Swift ist eins der Instrumente ausgefallen, aber auch ohne das XRT kann er noch GRBs detektieren. Auch die ersten Spektren von Gaia (mehr Grafiken) und seine Abdeckung des Himmels, die ersten Exoplaneten-Kandidaten (mehr und mehr) der neuen Kepler-Mission, die noch ein paar Jahre laufen könnte, die unsichere Zukunft des IR-Satelliten Spitzer, ein Weltraum-Laser für IceSat 2, die freie Daten-Politik von Copernicus – und Forschungs-Nutzlasten für das SpaceShipTwo von NASA und APL.

Weitere größere Artikel und viele weitere Links

23. Mai 2014

Kommt jetzt ein unbekannter Meteorschauer? Zu den möglichen “Camelopardaliden” von Komet 209P/LINEAR auch ein Live-Blog des SETI Inst. (das auch in die Luft geht), das einzige Paper (und Blogartikel vom 22. Mai, 21. Mai und 13. Mai eines der Autoren), weitere Berechnungen von Asher, Maslov (auch für 1901-2100) und Vaubaillon, die globale Sichtbarkeit, spekulative frühe Meteore (weitere Kandidaten hier [22. Mai] und hier), Wirbel von der NASA (mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und mehr) und S&T, Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, aus längenmäßig besonders ungünstigen Ländern hier, hier und hier und in vielen Sprachen hier, hier, hier, hier und hier – sowie eine polnische Expedition nach Kanada mit coolem Logo.

Warum einmal, wenn’s auch doppelt geht? Zwei öffentliche Sonnenbeobachtungen in Bonn am 16. Mai.

Jupiters »Großer Roter Fleck« schrumpft immer schneller: hier noch ein Hubble-Hangout dazu, auch weitere Links.

Субботник bei der VSB: Alles muss raus … beim letzten großen Ausmisten bei der VSW Bonn am 17. Mai.

Ein zweites Universum im Großcomputer mit der Illustris-Simulation – weitere Artikel hier und hier.

Dämmerungs-”Forschung” mit Jupiter und Merkur – wann sich das schwierige Paar am 18. Mai am besten ablichten ließ.

Wird Deutschland seinen elften Astronauten feiern? Public Viewings zum “Blue Dot”-Start gibt’s jedenfalls einige.

Kürzere Artikel

Kleinplanet spielt plötzlich Komet – inzwischen ist er auch offiziell so katalogisiert.

Supernova 14. Größe in Messier 106 – inzwischen heißt sie SN 2014bc: das Entdeckungs-Bild, weitere Beobachtungen hier, hier und hier und Artikel hier und hier.

Ein Stern, der zusammen mit der Sonne entstand? Zurückgerechnete Bahn und Chemie passen bei diesem einen Kandidaten jedenfalls – weitere Artikel hier und hier.

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Zweite Chance für Exoplanetenjäger Kepler mit der K2-Mission: auch ein detailliertes Paper und technische Hinweise für Beobachter.

interstellarum Sternstunde wieder live vom ATT

10. Mai 2014

Nach 2011 und 2013 gibt es auch heute wieder eine Live-Sendung von der großen Astronomie-Messe ATT in Essen: von 13:00 bis 16:30 MESZ kann sie hier verfolgt werden, nun auch wieder mit Feedback-Möglichkeit per Chat. NACHTRAG: Das waren schon mal die Sendungen von 13:15 (mit MallinCam, AstroKids, Nimax und SkyWatcher), 14:00 (mit Sky in Motion, Archenhold, is als App und BACHES) und 15:00 (Universe2go, Anamorfose, Bresser und Vixen).

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NACHTRAG 2: ein paar Impressionen vom ATT, Dreharbeiten vorab (Anamorfose und Shattercones) und den Live-Sendungen (MallinCam, Sky in Motion, Universe2go und Albireo) von Susanne Hüttemeister und diesem Blogger – hier gibt’s gleich 40 Bilder in höherer Auflösung! NACHTRAG 3: weitere Bilder von Stefan Gotthold und ein – wie immer katastrophenreicher – Bericht vom ATT aus dem Hause Holl

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NACHTRAG 4: ein Gruppenbild mit einigen der Beteiligten von Daniel Bockshecker – und ein Video von anderen ATT-Besuchern. NACHTRAG 5: die Aufzeichnung der Sendung um 16:00, mit Albireo, Sahara Sky, einem ATT-Fazit und Shattercones aus dem Nördlinger Ries. NACHTRAG 6: ein gaaanz langer Artikel von Gotthold mit spezieller Betonung der TV-Produktion. NACHTRAG 7: und noch ein langer und ein kurzer ATT-Artikel, auch jeweils mit Erwähnung der Sendungen. NACHTRAG 8: Artikel aus Regionalmedien zur Messe an sich hier und hier (nebst wütiger Reaktion) – und aus den Niederlanden über uns.

“Die ehrgeizigste Simulation des Universums”

8. Mai 2014

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bis jetzt ist soeben publiziert worden: Dem Illustris-Projekt, das mehrere Jahre gedauert hatte und Ende 2013 fertig war, gelang eine Kombination von hoher räumlicher Auflösung, betrachtetem Volumen – immer noch nur ein kleiner Ausschnitt des ganzen Kosmos, aber ein repräsentativer – und vor allem auch physikalischer Treue, wie es sie noch nie gegeben hat.

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Im Gegensatz zu früheren Groß-Simulationen des Kosmos spielen diesmal nicht nur die – für die Ausbildung großräumiger Strukturen dominante – Dunkle Materie sondern auch die Baryonen mit, aus denen in der hydrodynamischen Rechnung “echte” Galaxien entstehen. Und auch die chemische Entwicklung des Gases wird berücksichtigt.

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Die sind so realistisch geraten, dass man sie problemlos in das klassische Hubble-Diagramm der Galaxien-Typen einsortieren kann. (Und auch simulierte Ansichten von Hubble Deep Fields mit Galaxien in einem früheren Entwicklungsstadium sind vom Original kaum zu unterscheiden.)

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Und auf den ganz großen Skalen wird der Kosmos genau so gut getroffen: hier – dargestellt für den massereichsten entstandenen Galaxienhaufen – die Dichteverteilung der Dunklen Materie in Blau und die Geschwindigkeit des Gases in rötlich. Besonders interessant sind allerdings jene Detailaspekte, bei denen sich Simulation und kosmische Wirklichkeit noch widerprechen, v.a. bei der Entwicklung kleiner Galaxien: Hier locken neue Einsichten. Viele weitere Visuals gibt es hier zu bestaunen, auch in Bewegung – das Video hier fasst eine Reihe Visualisierungen zusammen:

Die enorm umfangreichen Rechnungen liefen auf Rechnern in Frankreich, Deutschland und den USA und benutzten ein “moving, unstructured mesh”, ein Mittelding aus smoothed particle hydrodynamics und adaptive mesh refinement: Die Simulation begann 12 Mio. Jahre nach dem Urknall und verfolgte 12 Milliarden Auflösungselemente 13 Mrd. Jahre lang, in einem 107 Mpc großen Kubus, in dem am Ende 41’416 Galaxien entstanden waren. In die Simulation kann man mit diesem Zoom-Tool eintauchen – auch ein Press Release, eine Pressemitteilung und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. NACHTRÄGE: Das erste Illustris-Paper als Preprint, ein weiterer Press Release, ein Mini-Vortrag, weitere Artikel hier, hier, hier und hier und mehr Links.

Kosmische Begegnung: PANSTARRS bei Messier 51

2. Mai 2014

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Mit freundlicher Genehmigung von Rolando Ligustri die Begegnung des Kometen C/2012 K1 mit der Spiralgalaxie heute remote mit einem 106-mm-Refraktor und einer FLI ProLine PL11002M in New Mexico! [NACHTRÄGE: nur die Luminanz ganz tief - und ein weiteres Bild mit selbem Gerät von wem anders.] Auch die Konjunktion in kleiner, Aufnahmen etlicher weiterer Kometen, der Abschluss der Wiederinbetriebnahme der Instrumente von und ein skandinavischer Info-Truck über Rosetta – und Protest gegen Panikmache mit NEOs, zwar nicht so detailliert wie hier und mit einem Denkfehler, aber trotzdem ein erfreulicher Kontrapunkt.

Mal ein Zeitraffer-Video ganz anderer Art als die üblichen aus finsteren Gegenden – hier hat einer (aus Taiwan) Ansichten aus 30 europäischen Ländern, darunter oft Großstädten, in Bewegung gesetzt, mit immer noch reichlich Astro-Content. Plus ein “Supernova”-Video ungewöhnlicher Art, wobei die Lyrics moderat astro-angehaucht sind und auch das ganze Album so heißt.

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Die australische Partiell-SoFi mal ganz anders: im Radio

Nämlich bei 145 MHz Frequenz mit dem Murchison Widefield Array aufgenommen, einem Radio-Interferometer in West-Australien, dessen Themenfeld von Sonnenforschung bis zur Kosmologie reicht und das als Vorgänger des SKA gilt. Was man manchmal auch schon über Europas LOFAR sagt, das immer größer geworden ist. NACHTRAG: auch noch ein paar kurzwelligere Bilder der SoFi aus Adelaide hier und – bei Sonnenuntergang – hier.


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