Allgemeines Live-Blog vom 16. bis 20. März 2014

16. März 2014

20. März

glimpse

Ein 360°-Panorama der Milchstraße aus zwei Millionen IR-Aufnahmen des Satelliten Spitzer – enstanden im Rahmen von GLIMPSE – ist jetzt vorgelegt worden: Das gigantische Bild “GLIMPSE360″ mit 20 Gigapixeln (hier ein winziger Ausschnitt), das sämtliche Sternentstehungsgebiete der Milchstraße zeigt, kann mit speziellen Viewern inspiziert, als Video geguckt oder als Monster-Files abgeholt werden. [23:55 MEZ - Ende]

Muntere Diskussionen über BICEP2s primordiale B-Moden

finden derzeit in der Kosmologie statt, sei es in Blogs mit guten Zusammenfassungen der verbliebenen Zweifel wie Konsequenzen, wenn alles wahr ist, hier, hier und hier, in einer High-End-FB-Gruppe, auf Kolloquien z.B. bei Stanford (Screenshots vom Webcast eins, zwei, drei, vier und fünf) oder in Garching oder in ersten Papers wie hier, hier und hier (letzteres mutmaßlich unabhängig und zumindest interessant, da ohne Polarisation auskommend). Es gibt auch Press Releases zur Vorhersage der B-Moden und der durch sie populären Inflations-Variante, Artikel zur erfolgreichen Geheimhaltung, der offenen Diskussion jetzt und neuen Review-Kultur (mehr und mehr) und der Nobelpreis-Frage, ein rasantes Erklär-Video, TV-Clips hier, hier und hier, ein Podcast, eine bemerkenswerte Frontpage aus Österreich, weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, Meta-Artikel hier und hier – und ein 25 Jahre alter Artikel mit manchem Deja-Vu. [22:30 MEZ. NACHTRÄGE: viele weitere Theorie-Papers der ersten Tage hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier - und in in dieses wurden flugs die BICEP2-Daten eingepasst]

yoshii

Ein völlig neuer Weg zu einer genauen Hubble-Konstanten?

Dieses Diagramm aus einem Paper aus drei Kontinenten trägt in Rot die Fluchtgeschwindigkeiten von 17 Galaxien in km/s gegen ihre Entfernungen in Mpc auf – wobei letztere mit Hilfe der Lichtlaufzeit zwischen deren Aktiven Galaktischen Zentren und dem Innenrand des Staubtorus’ darum herum ohne weitere Zwischenschritte ermittelt wurden. Die Idee ist, dass der Abstand Zentrum/Scheibe mit der Leuchtkraft des Zentrums steigt, dessen Strahlung bis zu einer bestimmten Distanz allen Staub zerstört. Beobachtet wurden dann über Jahre Helligkeitsschwankungen der Zentren und der IR-Strahlung der Staubtoren, für die die Zentrums-Strahlung verantwortlich ist – nachdem sie die Strecke bis zum Torusinnenrand zurück gelegt hat. Die scheinbare Leuchtkraft des Zentrums und die Zeitverzögerung bis zum IR-Echos werden gemessen, und schon kommen die Entfernungen heraus und über die bekannten Fluchtgeschwindigkeiten die Hubblekonstante: 73±3 km/s/Mpc, ein überraschend geringer statistischer Fehler. In Grün die Galaxien des H0 Key Projects, deren Entfernungen über Cepheiden bestimmt wurden: Die neue Technik reicht viel weiter und sollte sogar bei Quasaren in noch viel größeren Distanzen anwendbar sein. [21:25 MEZ]

Regulus (1m) wird von einem Kleinplaneten (12m) bedeckt

heute Nacht, aber das seltene Ereignis ist nur im Osten Nordamerikas zu sehen – und auch dort wohl nur an wenigen Orten, da die Wetterlage ausgesprochen schlecht ist. Es soll um 2:06 EDT = 7:06 MEZ passieren: wissenschaftliche Fragestellungen hier, hier und hier, weitere Webseiten hier, hier und hier, Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier und geplante Webcasts u.a. hier, hier und hier. [3:30 MEZ] Das Ereignis scheint ein totaler Reinfall geworden zu sein: alle Stationen clouded out und auch 10 Stunden später nichts auf der FB-Seite – das Wetter war offenbar flächendeckend miserabel (mehr). In einem Webcast gab es immerhin die Annäherung Erigones an Regulus zu sehen. [17:50 MEZ] Schlusswort von David Dunham: “I haven’t heard of any positive observations from anywhere, either. Although there were a few breaks here and there, apparently none at the right time in the right direction for anyone in or near the path in North America; the IR weather satellite image looked grim.” [21:15 MEZ]

gully

Ein neuer “Gully” ist auf dem Mars entstanden, irgendwann zwischen Nov. 2010 und Mai 2013: In welcher Jahreszeit es passierte (und was damit der wahrscheinlichste Mechanismus war), weiß man leider nicht. Auch der Status von Yutu (statisch), ein splittriges Problem auf dem Mond, Plattentektonik auf Europa, die Story von ISEE 3 (mehr), Messungen der van Allen Probes zu Strukturen in den Strahlungsgürteln (mehr, mehr, mehr), deutscher Kampf um SOFIA (mehr und Kommentare hier und hier), die Senior Review der NASA, Kontroversen um die Ariane-Zukunft (früher) – und der nächste Cygnus zur ISS. [3:00 MEZ. NACHTRÄGE: Der nächste Dragon mit 104 Sprites vorher, und die Lage bzgl. ISEE-3]


19. März

Die Sonnenfinsternis 2013 aus einem kleinen Flugzeug gefilmt – bei offener Tür: auch eine avionische Leistung, in 3 km Höhe über en Wolken Kenias. Auch ein Sonnenuntergang mit extremer Vergrößerung aus Australien (mit vielen grünen Segmenten), eine ungewöhnliche CME (mehr, mehr, mehr, mehr und mehr), Jupiter heute und am 13.3., der Mars voll Details heute, gestern & vorgestern, am 13.3. (dito) und 9.3., eine visuelle Beobachtung und Extrapolation von Komet C/2014 E2 (Jacques), ein möglicher Doppel-Impakt vor 458 Mio. Jahren, ein mehrfacher Meteoritenfall in Korea (mehr, mehr, mehr, mehr und mehr), die Erfahrungen mit dem 1. Dark Sky Reserve – und pretty pictures von ALMA. [23:55 MEZ. NACHTRAG: mehr Links zur CME]


18. März

lro

Ein gigantisches zoombares Bild-Mosaik der Nordpolar-Region des Mondes ist aus 10’581 Bildern des Lunar Reconnaissance Orbiters erstellt worden, 931’070 Pixel à 2 Meter Größe im Durchmesser – hier geht’s “rein”! Auch Hinweise auf aktuellen Venus-Vulkanismus vom Venus Express, der Status von Curiosity, Hinweise auf Wellen auf Titans Seen (mehr), große Fortschritte mit mit der Solar Probe, eine Inventur von Galaxien-Staub mit einer Durchmusterung von Herschel, Probleme mit WFIRST/AFTA, der Wert alter Satelliten-Daten der Erde, die Vorbereitungen von Sentinel-1 – und warum die Orion warten muss. [20:10 MEZ] Der Startvertrag für den Solar Orbiter wurde jetzt auch abgeschlossen. [23:20 MEZ NACHTRAG: ein Artikel dazu und mehr Links]


17. März

bicep2

Die Pressekonferenz zu den Ergebnissen von BICEP2 läuft

jetzt am CfA – und diesmal gibt es einen unabhängigen Webstream, der im Gegensatz zum offiziellen der Harvard-Universität (Gegenstand großen Web-Spotts) aber läuft! Einfach den Screenshot anklicken. [17:05 MEZ] Und noch ein funktionierendes Video: Andrei Linde erfährt von den BICEP-Zahlen. [17:10 MEZ. NACHTRAG: Artikel zum Video hier, hier und hier] Press Releases von CfA und Caltech und weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [17:30 MEZ. NACHTRÄGE: die Bekanntgabe der Resultate aus dem Publikum gefilmt, die nachfolgende Pressekonferenz, das Paper im ArXiv, die Zugriffe auf die Daten, mehr Press Releases hier, hier, hier, hier und hier, die Technik (mehr), einige Reaktionen (mehr), ein APOD, jede Menge weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier (früher), mehr Links, eine Wette Hawking vs. Turok (mehr), eine Frontpage, ein Video, ein Interview, der Twitter-Impakt, offene Fragen und Einschätzungen dort geäußert hier, hier, hier, hier und hier und Konsequenzen, wenn doch alles stimmt]

bicep

BICEP sieht ein starkes B-Mode-Signal, besser als 5 Sigma!

Während der Webcast des CfA eine Totalpleite ist, sind die wissenschaftlichen Daten problemlos vor 20 Minuten auf dieser Seite verfügbar geworden, darunter diese Schlüsselgrafik des Tensor/Skalar-Verhältnisses (r; y-Achse) gegen den Spektralindex (ns): r ist 0.20 +0.07/-0.05, wie dem Paper mit den Ergebnissen zu entnehmen ist. Das ist ein Nachweis mit mehr als 5 Sigma und – da zugleich die Abwesenheit nennenswerter systematischer Störeffekte konstatiert wird – tatsächlich ein Meilenstein der beobachtenden Kosmologie! [16:05 MEZ] Das große r bedeutet aber auch, dass sich Widersprüche zu anderen kosmologischen Messungen ergeben. Auch ein Info-Paket zur Entdeckung – und ein Foto von BICEP2 selbst. [16:25 MEZ] Ein Hangout zu den Ergebnissen, ein NASA Release und weitere Artikel – z.T. noch im Entstehen – hier, hier, hier, hier und hier. [16:45 MEZ]

Das einzige Fenster direkt bis fast an den Urknall heran

sind die sogenannten B-Moden der Polarisation der kosmischen Hintergrundstrahlung, deren Entdeckung oder Andeutung oder Nichtentdeckung durch ein Radioteleskop am Südpol heute Nachmittag MEZ verkündet werden wird: Um 15:45 MEZ werden die wissenschaftlichen Details präsentiert, um 16:30 gibt es schon einen unabhängigen Hangout dazu, und um 17:00 MEZ eine Pressekonferenz, für die bereits Bingo-Karten entworfen worden sind. Warum ein Nachweis nämlichen Polarisationsmusters bisher unerreichbare Informationen über Prozesse Sekundenbruchteile nach dem Urknall verspricht, kann man den zahlreichen ganz unten verlinkten Stories entnehmen, v.a. dem exzellenten Grundsatzartikel von 2001, oder späteren a hier, hier und hier. In der Inflations-Epoche des frisch entstandenen Alls wurden demnach Gravitationswellen produziert, weil während dieser rasanten Expansionsphase virtuelle Gravitonen zu realen wurden: Diese Wellen verformten das primordiale Plasma und damit auch die Oberfläche des Feuerballs, die die heutige Hintergrundstrahlung emittierte – und das auf eine eindeutig von anderen Effekten zu trennende Weise. Praktischerweise sollte in die primordialen Gravitationswellen mit den größten Wellenlängen die meiste Energie gegangen sein, und nur sie hinterlassen in der Polarisation der Hintergrundstrahlung ein charakteristisches Muster aus “Wirbeln”, das mathematisch gesprochen eine “Rotation” besitzt: Das sind jene primordialen B-Moden, nach denen – nicht nur – BICEP2 gesucht hat. Und wenn diesem der Nachweis nun gelungen sein sollte, dann müssen sie ziemlich stark sein, was den Bereich der erlaubten Inflations-Modelle stark einschränken würde: Deswegen ware das fraglos größte kosmologische Entdeckung in über 10 Jahren. [12:35 MEZ] Eine zweite Einladung zur CfA-PK klingt nach einem eindeutig positiven Befund! [13:40 MEZ] Und auch dies gibt sogleich eine Reaktion, während man am CfA schon Platz nimmt. [14:35 MEZ] Und noch ein Primer für den Tag. [15:10 MEZ] Die CfA-Webseite ist schon überlastet; der Titel des (Nicht-)Webcasts soll “First Direct Evidence of Cosmic Inflation” lauten. Und dieser Harvard-Stream scheint zu funktionieren. [15:35 MEZ]

mhn

Das Sternentstehungsgebiet NGC 2174 von Hubble im nahen Infraroten (1.1 bis 1.6 µm) mit der WFC3 aufgenommen. Auch mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und mehr zur bereits gemeldeten (“Voyager 1 …”, Kurz-Item) stärkeren Schrumpfung des Merkur – und eine deutsche Jubel-PM zu SOFIA, seltsam aus der Zeit gefallen … [11:30 MEZ. NACHTRÄGE: weiterer Press Release und Artikel zur Merkur-Schrumpfung - und vor 3 Jahren war MESSENGERs Orbit Insertion]


16. März

arecibo

Die Erdbeben-Schäden in Arecibo sind beseitigt, nachdem ein im Januar angeknackstes tragendes Seil des Fokus’ des Radioteleskops auf Puerto Rico geflickt worden ist: Nun wird wieder beobachtet. Auch Erinnerungen an den geomagnetischen Sturm vor 25 Jahren, Jupiter vorgestern, Komet Schwassmann-Wachmann im Ausbruch, eine Animation und Bilder hier, hier und hier von und Artikel hier, hier und hier zu Komet Jacques – und eine Korrelation von Finsternis-Düsternis und -Tiefe bei mehreren von Elmar Schmidt präzise photometrierten totalen Mondfinsternissen, gestern auf der 38. Würzburger Frühjahrstagung gesehen. [15:00 MEZ] Tagungs-Bericht. [19:45 MEZ] Ein Farbbild von Jacques, die Kometen LINEAR und 134P, Mars gestern, Jupiter am 6.3. und die Länge des GRFs – und die Sonnenaktivität. [23:55 MEZ]

proba

Das fast wolkenlose Westeuropa vor einer Woche aufgenommen vom Vegetations-Satelliten Proba V. Auch chinesische Gefühle für Yutu, ein Experiment für die ISS – und eine Verschiebung des 1. Orion-Testflugs auf Anfang Dezember (mehr, mehr und mehr Links) statt September/Oktober. [14:50 MEZ. NACHTRÄGE: was man von Yutu & Chang'e-3 alles nicht weiß]

So sieht ein kosmologisches Gerücht in vollster Blüte aus …

Am 17. März um 17:00 MEZ wird das Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics in Cambridge, Mass., eine “bedeutende Entdeckung” verkünden: Was das Rundschreiben vom 12. März ungewöhnlich machte, war das Fehlen jeglicher Hinweise auf das generelle Thema oder die beteiligten Wissenschaftler. Nach anfänglicher Verblüffung verbreitet sich inzwischen v.a. auf Physik-Blogs und wenigen ‘normalen’ Medien – siehe hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier – rasant das Gerücht, dass das Radioteleskop ‘Background Imaging of Cosmic Extragalactic Polarization’ (BICEP) am Südpol in der Polarisation der kosmischen Hintergrundstrahlung die Signatur (B-Moden) von Graviationswellen des Urknalls nachgewiesen haben könnte. Was in der Tat eine beachtliche Entdeckung wäre. Oder wird es nur neue Grenzen für diese primordialen B-Moden – nicht zu verwechseln mit einer anderen Sorte durch spätere Gravitationslinsen-Effekte, die schon gesehen wurde – geben? Oder geht es doch um etwas ganz anderes? Auf dieser Seite soll die Verkündigung ab 16:55 MEZ gestreamt werden … [2:30 MEZ. NACHTRAG: Noch mehr haben's hier, hier, hier und hier gehört - und ein alter Artikel zu B-Moden]

SOFIA ist wissenschaftlich wertlos, Opportunity wird abgeschaltet, Sonnensegler muss warten: was alles im NASA Budget Request steht

15. März 2014

In einem 713 Seiten starken Dokument ist diese Woche nun auch der vollständige Haushaltsplan für die NASA ab diesem Oktober – wenn das Fiscal Year (FY) 2015 beginnt – vorgelegt worden, wie ihn sich das Weiße Haus vorstellt, daher “Budget Request” genannt. (An den Zahlen – und ganzen Bereichen – machen sich in den kommenden Monaten noch intensiv beide Häuser des Kongresses zu schaffen.) Und da ist noch einiges mehr an Details zu erfahren als bisher, viel mehr Details. Da gibt es so Aufregendes wie die Sanitary Sewer System Recapitalization (S. 604), oder man erfährt, dass 32% der Grundlagenforschung bei der NASA “high-risk, high-reward” ist (S. 696) oder diese jedes Jahr 48 Mio.$ für Public Relations ausgeben darf (S. 658) – aber für dieses Blog sicher interessanter z.B. auch dies:

  • Zur vorgesehenen Einmottung der fliegenden Sternwarte SOFIA ist zu lesen, dass v.a. die Verspätungen bei dem Projekt dessen wissenschaftlichen Wert stark gemindert hätten: “contributions to astronomical science will be significantly less than originally envisioned” (S. 39). Geplante Beobachtungen parallel mit dem Satelliten Spitzer sowie vor dem Start von Herschel hätten nämlich nicht stattfinden können, so dass SOFIA “will no longer provide the kind of scientific impact and synergies with other missions as once planned. Additionally, the James Webb Space Telescope, planned to launch in 2018, will provide data at mid-infrared wavelengths, partially mitigating the absence of SOFIA” (S. 195-202). Für das FY 2015 stehen 12.3 Mio.$ für die Stilllegung des Flugzeugs im Budget Request, für die Folgejahre dann gar nichts mehr, während bisherige Ausgaben NASA-seits von 1.1 Mrd.$ genannt werden – und jährliche Betriebskosten von ~80 Mio.$, wie sie sonst in der NASA-Astrophysik nur noch Hubble erfordert.

  • Für den Marsrover Opportunity, der gerade sein 10-jähriges Jubiläum auf der Oberfläche feierte, stehen bereits ab dem FY 2015 keinerlei Mittel mehr im Budget Request (S. 163), es droht also schon im Oktober die Zwangsabschaltung – eine Irritation, da sich der Rover eigentlich zusammen mit anderen Missionen in der Verlängerung erst noch einer Begutachtung stellen muss, und für diese, etwa Mars Odyssey und den Mars Reconnaissance Orbiter, stehen Finanzen im Budget Request, bis FY 2016 inklusive bzw. sogar unbegrenzt.

  • Für eine Mission zum Jupitermond Europa stehen gerade einmal 15 Mio.$ im Request für das FY 2015 – für fortgesetztes sogenanntes “pre-formulation work” (S. 173) – und dann nichts weiter für die Folgejahre: Das lässt bereits wieder Zweifel aufkommen, wie ernst die NASA dies eigentlich meint (und auch die Realisierbarkeit einer sinnvollen Mission für unter 1 Mrd.$ wird vielerorts bezweifelt). Dass überhaupt mal wieder über eine Europa-Mission nachgedacht wird, hatte der Kongress erzwungen.

  • Der Sonnensegler-Demonstrator Sunjammer (“Wie der große Sonnensegler …) wird auf unbestimmte Zeit verschoben (S. 336), bekommt aber gleichwohl im FY 2015 seine Flight Readiness Review und wird auf einen Start vorbereitet (S. 338) – doch das Projekt “is in the process of being re-phased and will be rescheduled upon identification of a new flight opportunity” (S. 355). “The project plans to identify a new ride-share partner, begin coordination of interfaces, and launch environments” (S. 363). Ursprünglich hatte der Sunjammer als größtes je im Orbit ausgesetztes Sonnensegel eine sekundäre Nutzlast auf jener Falcon 9 sein sollen, die 2015 das Deep Space Climate Observatory DSCOVR (S. 83) – den berühmten GoreSat – starten soll.

  • Dagegen hofft die NASA weiter, dass eine amerikanische Privatfirma bis 2017 bemannte Flüge in den Orbit schaffen und so den USA wieder eigenständigen Zugang zur ISS verschaffen wird, deren Weiterbetrieb bis mindestens 2024 inzwischen beschlossene Sache ist (S. 448). Gleichzeitig wird die Asteroid Redirect Mission für Orion & SLS voran getrieben, wobei der (unbemannte) Erstflug des SLS jetzt für das FY 2018 (S. 390) und der erste bemannte Orion-Flug für das FY 2021/22 vorgesehen ist (S. 386): Hier könnte der frühere Zeitplan langsam ins Rutschen kommen. Die ISS wie die ARM seien ohnehin nur Zwischenschritte auf dem Weg zum Mars, wird immer wieder betont (z.B. S. 461).

U.a. im Zusammenhang mit der Redirect Mission wird auch die Jagd auf NEOs verschärft (von denen ~96% derjenigen > 1 km und 10% derjenigen > 100 m schon gefunden sind): “In FY 2015 NASA will aggressively continue an expanded NEO observation effort that will increase the detection of NEOs of all sizes by increasing the observing time on ground-based telescopes such as Pan-STARRs and the Space Surveillance Telescope” (S. 128) – der Jahresetat soll dabei konstant bei 40 Mio$ gehalten werden (S. 3). Zum kompletten Haushalt auch eine Blog-Story des DLR-Chefs, der über SOFIAs Einmottungspläne ziemlich ungehalten ist (und gar die deutsch-amerikanischen Weltraumbeziehungen generell überdenken will), ein Press Release der Planetary Society (wie immer unzufrieden und “alarmiert”) und Artikel v.a. zu Opportunity und der Europa-Mission hier, hier, hier, hier und hier. Und zum Kenntnisstand davor noch Artikel v.a. zu SOFIA und Europa hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier.

Allgemeines Live-Blog vom 10. bis 14. März 2014

10. März 2014

14. März

yutu

Ein starkes Signal von Yutu kommt nun wieder vom Mond, hier von Amateurfunkern nachgewiesen, aber China meldet weiter Probleme, während Chang’e-3 einwandfrei zu arbeiten scheint. Auch frühere Updates der Funker hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier (Yutus Signal war zunächst merkwürdig gewesen), ein Video-Ausblick auf die nächsten Jahre und ein Amateur-Bildverarbeitungs-Aufruf anlässlich von zehn Jahren Cassini bei Saturn, weitere Vorbereitungen des Mars Express für Siding Spring, die nächste Discovery-Runde der NASA mit speziellen Regeln, der Status von LituanicaSAT-1, die Beine des Falcon – und eine Verschiebung des nächsten ISS-Starts desselben. [23:55 MEZ - Ende]

Der neue Komet heißt nun Jacques – 0.6-au-Perihel im Juni

C/2014 E2 (Jacques) ist er gerade im CBET #3828 getauft worden, nach dem Amateurentdecker Cristovao Jacques, der ihn auf CCD-Aufnahmen fand, die er zusammen mit E. Pimentel und J. Barros mit dem 0.45-m-f/2.9-Reflektor des SONEAR Observatory bei Oliveira in Brasilien aufgenommen hatte. Die ersten Parabel-Bahnelemente lassen ihn Ende Juni ein Perihel in 0.6 au Sonnenabstand erreichen, wobei ihn seine Bahn am Himmel bis dahin von den derzeitigen -37° auf +23° getragen haben sollte. Die Helligkeit des Kometen – weitere Bilder hier, hier, hier, hier und hier – könnte dann bis auf 6. Größe steigen, da sie schon jetzt bei 11. liegt. [16:10 MEZ] Weitere Bilder und Animationen hier, hier und hier und etwas Diskussion. [22:30 MEZ] Nach einer neueren Bahn erreicht der Komet sein Perihel erst Anfang Juli in 0.7 au Abstand – am deutschen Himmel wird er ab etwa Ende Juli im Fuhrmann brauchbar zu beobachten sein, 15° hoch bei Beginn der Morgendämmerung. In der ersten August-Woche werden es dann bis über 30° im Perseus, danach stört heller Mond. [23:50 MEZ]


13. März

almost_x

Beinahe ein X-Flare am Sonnenrand hat sich vergangene Nacht ereignet (mehr, mehr und mehr), hier in 3 SDO-Wellenlängen. Auch erfolgreiche Sichtungen Jupiters am Taghimmel mit bloßem Auge durch diesen Blogger, der Doppelschatten dort vom 9.3. animiert (aus diesem Bericht) – und der Mars am 10.3. (dito) und am 9.3. sowie vom 3.-9.3. aus der Nähe vom MRO. [23:55 MEZ]

Ganz frisch: ein Komet 11. Größe, noch ohne einen Namen

Das erste bekannt gewordene Bild der Neuendeckung von SONEAR lässt keine Fragen offen: ein Komet mit etwa 11.5 mag. im Centaurus. Von dem hören wir sicher noch mehr. Auch C/2012 K1 (PANSTARRS) am 11.3. und an mehreren Tagen, LINEAR am 12.3. und 10.3. und Jäger am 6.3. – und ein systematisches Experiment hat gezeigt, dass Citizen Science für die Mondforschung geeignet ist. [23:50 MEZ. NACHTRAG: ein Video dazu]


12. März

Wie man auf der ISS die Bildung von Planeten simuliert, mittels möglichst langsamen Kollisions-Experimenten. Auch das Projekt MERCCURI (Microbial Ecology Research Combining Citizen and University Researchers on the International Space Station) mit crowdgesourceten Bakterien für die ISS, die Rückkehr der Expedition 38 (mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und mehr Links) – und Visionäres von Ulrich Walter … auf der ITB. [23:25 MEZ]

Venus_glory

Falschfarbenbild einer Glorie in der Venusatmosphäre aus Venus-Express-UV-, visuell und NIR-Bildern von 2011: Das Flugpassagieren bestens bekannte Phänomen lässt auf Wolkenteilchen von 1.2 µm schließen (mehr und mehr). Auch der Mars Reconnaissance Orbiter im Safe Mode (mehr und mehr Links [NACHTRAG: und schon wieder draußen]), ein angedachter Mars-Helikopter für 2020, noch kein Downlink von Yutu nach dem erneuten Sonnenaufgang für Chang’e-3, die nächste Mond-Mission Chinas schon dieses Jahr, ein Bahnmanöver von LADEE am 22.3., das die Bahn auf 20 km senken wird, bevor es ab dem 1. Apri nur noch 2-3 km sein sollen, Beobachtungen des Weltraumswetters durch die van Allen Probes – und ein Interview zu Keplers K2-Mission; die Entscheidung fällt ~ Ende Mai. [22:35 MEZ]

Wie die Milchstraße von anderen großen Galaxien in einer Scheibe umringt wird, verdeutlicht diese Animation aufgrund neuer Distanz- und Leuchtkraft-Messungen im “Lokalen Volumen” (mehr und mehr): Das Local Sheet ist um 8° gegen den Local Cluster geneigt, und 12 Riesengalaxien umzingeln die Local Group aus v.a. Milchstraße und M 31 regelrecht. Auch die Messung eines Sterns mit ~1300 Sonnendurchmessern mit dem VLT per optischer Interferometrie (mehr, mehr, mehr, mehr und mehr), der Teil eines exotischen Doppelsystems ist. [20:45 MEZ]

UK investiert Millionen in Forschung wie SKA und PLATO

Insgesamt 290 Millionen Pfund (ca. 350 Mio. Euro) wird die britische Regierung in drei Großprojekte der Grundlagenforschung investieren, darunter “größte Mikroskop und Teleskop”: 165 Mio. Pfund sind für die European Spallation Source vorgesehen und 125 Mio. für den Square Kilometer Array und PLATO. Für das Riesen-Radioteleskop ist das eine wichtige Finanzspritze, und für den Exoplaneten-Satelliten ein entscheidender Beitrag zur Nutzlast, den bei der ESA ja immer die einzelnen Nationen zum gemeinsam zwangsweise finanzierten Satelliten beisteuern müssen. [20:15 MEZ. NACHTRAG: weitere Press Releases zu SKA hier und hier]


11. März

gabon

Das war die Sonnenkorona vom 3. November 2013 in voll(st)er Pracht mit mehreren Massenauswürfen in Aktion: jetzt prozessiert von – natürlich – Miloslav Druckmüller aus Aufnahmen von Constantinos Emmanoulidis aus dem Gabun. Auch eine neue Nova Cephei (mehr), der Rosetta-Zielkomet jetzt aktiv (mehr, mehr, mehr, mehr und mehr), Komet Lovejoy gestern mit Hintergrund, ein Preis für Software zur Asteroiden-Jagd, der Mars am 9.3. und 8.3., der Jupiter mit Doppelschatten am 9.3. (unten) und am 5.3., die Planet Hunters auf einem Citizen-Science-Workshop in Taiwan, klare Worte der IAU gegen den Mars-Krater-’Verkauf’ – und Folgen von Lichtverschmutzung … für den Regenwald vermittels bestimmter Fledermäuse. [23:55 MEZ]


10. März

cosmos

Premiere des neuen ‘Cosmos’: Astro à la N24, fast forward

Der Hype im Vorfeld war kaum mehr auszuhalten gewesen vor der Austrahlung der ersten Episode von ‘Cosmos: A Spacetime Odyssey’ in der vergangenen Stunde, einer ebenfalls 13-teiligen Neuauflage des 1980-er Wissenschafts-TV-Meilensteins, ‘Cosmos: A Personal Voyage’. Besagte Person damals war natürlich Carl Sagan, diesmal ist es der New Yorker Planetariums-Direktor Neil Tyson, der gefühlt 95% der Zeit im Bild zu sehen ist und auch schon mal die teuren Spezialeffekte verdeckt. Die unterscheiden sich allerdings wenig von der typischen Astro-Doku-Ware, mit der N24 und Co. gerne ihre Sendezeit füllen (wobei historische Aspekte kurioserweise durch Billig-Animation dargestellt werden), und auch didaktisch war in der ersten Episode kaum ein roter Faden zu erkennen: einmal den ganzen Kosmos in 60 Minuten, von denen allerdings ein unangenehm großer Anteil an Werbepausen geht. Diesmal läuft’s nämlich in einem kommerziellen US-Network, während der originale ‘Cosmos’ noch eine Produktion des öffentlichen Fernsehens war.

Und vor allem den unschlagbaren Vorteil genoss, etwas völlig Neues und Alleinstehendes zu sein, während sich der neue ‘Cosmos’ gegen Konkurrenz auf allen Kanälen durchsetzen muss, was er mit einem Special-Effects-Feuerwerk, bombastischer Musik und einer Tyson-Personality-Show versucht, die kaum Erinnernswertes hinterlässt. Ausser in raren Momenten, wo tatsächlich etwas Authentisches passiert: Ganz am Schluss der ersten Episode zeigt Tyson einen Terminkalender Sagans von 1975, in dem sein Name steht – der 17-jährige durfte damals das Labor des damals schon Medien-bekannten Planetenforschers besuchen, in dessen sehr große Fußstapfen zu treten er sich nun bemüht. Ein paar Vorab-Reviews von der und Artikel zur Serie hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [3:20 MEZ] Weitere Gedanken dieses Bloggers und andere Reviews hier und hier. [19:55 MEZ] Warum Giordano Bruno eine schlechte Wahl war (mehr), warum die Visuals nicht authentisch rüber kamen, wie Sagan einen der Macher geistig befreite, weitere Reviews hier, hier, hier, hier und hier und Volkes Stimme. [23:55 MEZ. NACHTRÄGE: mehr Wortmeldungen hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier]

metis

Die Form des Kleinplaneten (9) Metis gut erfasst haben zahlreiche Amateurastronomen in Europa, als er am 7. März einen ziemlich hellen Stern bedeckte (mehr und mehr): Aus den bislang eingegangenen oft positiven Meldungen ergeben sich die obigen Sehnen – und eine andere Sternbedeckung durch Metis lieferte 2008 noch viel mehr, als der Asteroid im Raum anders orientiert war. Auch eine Feuerkugel über Kanada nebst Aurora (mehr und mehr und andere Aurora), die Kometen C/2013 V1 (Boattini) und C/2012 X1 (LINEAR) Anfang März, Orbital-Berechnungen für Siding Spring, kein “Planet X” in WISEs Daten (mehr, mehr und mehr), Jupiter mit Schatten am 6.3., Mars am 6.3. (dito) und am 5.3., eine Sternbedeckung durch den Mond am 8.3., Ergebnisse der SoFi 2013, Amateurbeobachtungen des Planeten von WASP 43, das am schnellsten nahende Objekt des ganzen Universums, mal wieder Gülpen in der Zeitung, die Aufzeichung eines Events am Griffith Obs. zu Ehren von John Dobson – und eine Astrofoto-Ausstellung in Delhi am Jantar Mantar. [1:40 MEZ]

Deutsche Amateurfunker hören alte NASA-Kometensonde

Letzten Monat war bekannt geworden, dass die NASA keine technischen Möglichkeiten mehr hat, mit der alten Raumsonde ISEE-3 alias ICE Kontakt aufzunehmen, wenn sie dieses Jahr in die Nähe der Erde zurückkehrt – die Frage stellte sich aber, ob High-End-Amateurfunker eine Chance haben könnten. Sie haben, und sie haben sie genutzt: Mit der 20-Meter-Schüssel des Instituts für Umwelt- und Zukunftsforschung in Bochum ist es Spezialisten von AMSAT-DL gelungen, ICE zu empfangen! Stellt sich nun die Frage, was man damit anfangen kann: “In light of the recent observations and the available facilities in Bochum, additional studies about the economic feasibility to add a suitable uplink are being done.” Amateurfunker übernehmen die Kontrolle einer uralten Raumsonde, die deren Erbauer schon lange aufgegeben hat, das wär’ mal was … Auch zahlreiche weitere optische Beobachtungen von Gaia, die PlanetLabs-Satelliten vs. Skybox Imaging, Orbit-Säuberung per Laserstrahl in Australien – und zum ersten Mal ist ein Japaner ISS-Kommandant geworden. [1:15 MEZ. NACHTRAG: mehr Links dazu und mehr zu ISEE-3]

Das Semikolon der Inquisition – wieder gefunden

9. März 2014

semikolon

Am 24. Februar 1616 begann eine lange Talfahrt des gerade aufkommenden heliozentrischen Weltbildes in Europa: Eine von der Inquisition eingesetzte Theologen-Komission lieferte eine Beurteilung der kopernikanischen Weltsicht ab, die keine Fragen offen ließ. “Omnes dixerunt dictam propositionem esse stultam et absurdam in Philosophia; et formaliter haereticam, quatenus contradicit expresse sententiis sacrae scripturae in multis locis,” steht auf dem unscheinbaren Zettel (im vatikanischen Geheim-Archiv und oben) über die Sonne als ruhendes Zentrum des Kosmos zu lesen, also “alle sagen, dass diese Behauptung wissenschaftlich töricht und absurd ist, und formell ketzerisch, da sie den Worten der heiligen Schrift an vielen Stellen eindeutig widerspricht”, und das gleiche gelte für die sich bewegenden und drehende Erde. Kurioserweise ist dieser Schlüsselsatz aber in den vergangenen vier Jahrhunderten häufig mit falscher Interpunktion wiedergegeben worden – die die Begründung der angeblichen Dummheit des Heliozentrismus auf bedeutsame Weise verzerrt.

Zwar waren die Regeln für die Zeichensetzung damals nicht wirklich festgeschrieben, aber ein Semikolon zwischen zwei Satzteilen meinte unzweifelhaft eine klare logische Trennung. Und just das im Original klar erkennbare Semikolon nach ‘Philosophia’ – was damals für die weltliche Wissenschaft generell stand – ist erstaunlich oft “vergessen” worden. Dann liest sich der Satz aber so, als beginne die Begründung für die Verdammung des kopernikanischen Weltbildes (die am 5. März prompt dazu führte, dass De Revolutionibus in der originalen Fassung, 73 Jahre lang unbehelligt, auf dem Index landete, und schließlich in den Galilei-Prozess von 1633 mündete) erst mit ‘quatenus’ und sei mithin allein im Widerspruch zu Sätzen in der Bibel zu verorten. Doch in der korrekten Version wird klar, dass es primär wissenschaftliche Probleme waren, die zu der Ablehnung führten, und zusätzlich noch theologische. Und genau jene damals weithin gesehenen wissenschaftlichen Probleme hatte dem Heliozentrismus ausgerechnet die Einführung des Fernrohres in die Astronomie beschert! Dieses hatte zwar mit dem Nachweis der Venus-Phasen das ptolemäische System, bei dem sich alles um die Erde drehte, sehr eindeutig erledigt und u.a. mit dem unebenen Erdmond und den Jupitermonden als einer Art ‘zweitem Sonnensystem’ das wohlgeordnete aristotelische Weltbild zumindest kräftig erschüttert.

Doch alle teleskopischen Beobachtungsdaten der ersten Jahre (und genau besehen sogar des ganzen ersten Jahrhunderts) ab 1609 waren mit hybriden Weltmodellen – mit der Erde im Zentrum aber den meisten Planeten im Orbit um die Sonne – genau so gut verträglich wie mit einem reinen heliozentrischen. Und ein hybrides Modell wie das bekannteste von Tycho erklärte einiges sogar besser: insbesondere die vermeintlich im Fernrohr sichtbaren Sterndurchmesser! Die waren in Wirklichkeit nichts weiter als Beugungsscheibchen, aber das konnte damals keiner wissen. Korrekt war dagegen die Beobachtung, dass kein einziger Stern für die verfügbaren Teleskope eine jährliche Parallaxe zeigte: Zusammen mit den vermeintlichen Durchmesser bedeutete das, dass die Sterne im kopernikanischen System extrem weit entfernt und verglichen mit der Sonne dramatisch groß sein mussten – im tychonischen Bild dagegen saßen sie in harmloser Größe auf einer nicht weit entfernten Sphäre. Ausgerechnet die Kopernikaner mussten sich auf göttliche Allmacht berufen, um die fernen Riesensterne zu begründen, währed letztere aus rein wissenschaftlicher Sicht – wie sie etwa Simon Marius vertrat – klar für einen tychonischen Kosmos sprachen. Es ist schwer zu sagen, ob die Gutachter der Inquisition so konkret physikalisch gedacht haben – aber das nun wieder sicher an seinen Platz gerückte Semikolon hinter ‘Philosophia’ deutet in diese Richtung.

albategnius

Der Mondkrater, der übertrieben groß Galileis Siderius Nuncius dominieren dürfte, ist gestern überraschend durch diesen Blogger “wieder entdeckt” worden – passenderweise während eines Seminars über Galilei, wo er gerade nämliche Illustration gezeigt hatte. Ein Schnappschuss in der Abenddämmerung, wenige Stunden nach dem 1. Viertel, zeigte bereits auf dem Kameradisplay einen bei dieser harten Beleuchtung verblüffend dominanten Mondkrater direkt am Terminator etwas südlich der Mitte, der sogleich an Nuncius-Illustrationen wie diese erinnerte. Es handelt sich um den 129 km großen Albategnius – der tatsächlich meist für Galileis Vorbild gehalten wird und auf den dieser wohl besonderen Wert gelegt hatte (Fig. 15-18) und ihn daher übertrieben groß (S. 42-43) darstellen ließ.

Hatte Galilei geheime Kenntnisse von theoretischer Optik?

Da es keinerlei Schriften Galileo Galileis gibt, die auf eine theoretische Durchdringung jener Teleskope schließen lassen, mit denen er ab 1609 eine Reihe bahnbrechender Entdeckungen machte (s.o.), wird allgemein angenommen, dass er in Sachen Optik lediglich ein geschickter Tüftler war. Doch zwei israelische Wissenschaftshistoriker widersprechen neuerdings diesem Eindruck: In Zik & Hon, “Magnification: how to turn a spyglass into an astronomical telescope”, Arch. Hist. Exact. Sci. 66 [2012] 439-64 und “Galileo’s Knowledge of Optics and the Functioning of the Telescope – Revised von vor 5 Tagen können sie zwar auch keine geheimen Tagebücher Galileis vorlegen, spekulieren aber durchaus plausibel über Berechnungen des Physikers bevor er seine astronomischen Teleskope herstellte. Diese seien ihren niederländischen Vorgängern – die tatsächlich durch Kombination existierender Brillengläser plus geschickten Einsatz einer Objektivblende gebaut werden konnten – derartig überlegen, dass Galilei die optischen Parameter der Linsen mit ihren oft ungewohnten Brennweiten geplant haben müsse. Die Theorie dazu könne er durch Kombination der optischen Erkenntnisse della Portas – dessen De refractione optices parte von 1593 er nachweislich besaß – und Einsichten bei der Entwicklung des Sectors zu Eigenschaften von Winkeln entwickelt haben, doch konkrete Spuren gibt es nicht.

Weitere größere Artikel

7. März 2014

Frühe Lichtkurve der Supernova 2014J zeigt markanten Knick am Ausbruchstag.

Erster Polarlicht-Beobachtungsflug aus Deutschland bekommt Substurm über den Shetlands.

Kürzere Artikel

Mond bedeckte erst Venus, dann Saturn, am Morgen des 22. bzw. 26. Februar.

Astronomen helfen Gaia durch Fotometrie während Dreh-Manövern.

Sonnenähnliche Sterne mit bedenklichen Superflares: Kann – und will – das die Sonne auch?

Fand Kepler wirklich 715 neue Exoplaneten auf einen Streich? Auf die Definitionen kommt es an …

Die NASA will die fliegende Sternwarte SOFIA einmotten – was man schon weiß.

Hubble beobachtet Hauptgürtel-Komet im Zerfall

6. März 2014

r3a

Bereits bei der Entdeckung des unscheinbaren Kometen C/2013 R3 (CATALINA-PANSTARRS) war aufgefallen, dass dieser Bewohner des Asteroiden-Hauptgürtels nicht gesund und sein Kern im Zerfall begriffen war: Diesem Prozess hat danach das Hubble Space Telescope mehrfach zugeschaut, und jetzt gibt es eine Analyse des Prozesses. Danach handelte es sich um einen felsigen Körper, der sich selbst zerstörte (mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und mehr), vielleicht weil er durch den YORP-Effekt in zu schnelle Rotation geriet. Aus der Raumfahrt zu den kleinen Körper noch der Status von Rosetta (die Raumsonde ist durchgecheckt, jetzt kommt die Nutzlast dran) und Dawn (zwar Probleme mit Drallrädern, aber keine Gefahr für den Ceres-Besuch) – und weitere Erkenntnisse über Bennu, den Ziel-Asteroiden von OSIRIS-REx.

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LRO sieht alles: Das ist die Spur von Yutu auf dem Mond!

Eine neue Aufnahme der Landestelle von Chang’e-3 (blauer Pfeil) vom 17. Februar durch den Lunar Reconnaissance Orbiter der NASA zeigt die Position, wo die Reise des ausgesetzten Rovers Yutu zu ihrem mutmaßlichen Ende gekommen ist (gelber Pfeil), denn auch im Januar stand er schon da; der weiße Pfeil zeigt, wo der LRO den Rover im Dezember vorgefunden hatte. Was man aus den Bildern lernen kann, ein China-eigener Update (mehr, mehr, mehr, mehr und mehr Links) sowie Pläne für Chang’e-5. Und der Abschluss der Primärmission von LADEE, ein israelischer Kandidat für den Google Lunar X-Prize, eine neue Mars-Karte aus Viking(!)-Daten, warum der Mars Express Angst vor Siding Spring hat, der Status von Opportunity, Curiosity und MOM, die Vorbereitungen von ExoMars und anhaltende Mars-Hoffnungen Chinas – und der 100. Titan-Vorbeiflug Cassinis heute (mehr und mehr).

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Eine Spiralgalaxie erleidet Ram Pressure Stripping auf dieser Hubble-Aufnahme von ESO 137-001: Die Reise durch das Zentrum des Galaxienhaufens Abell 3627 bekommt ihr nicht gut. Auch Press Releases hier und hier zum 5. Jahrestag des Starts von Kepler (und dessen erhoffte Wiedergeburt), wie Astronomen erfolgreich die Drehmanöver Gaias beobachtet haben (eine mutmaßliche aktuelle Sichtung, die bereits verifiziert ist [NACHTRAG: und hier animiert]) – und die Erwartung, dass Indiens Sonnenforschungs-Satellit Aditya vor 2020 startet.

A quasar located about 6 billion light years from Earth.

Chandra und XMM messen QSOs SMBH-Rotation bei z=0.66

Röntgenstrahlung aus nur 3 Schwarzschild-Radien Abstand vom mutmaßlichen supermassiven Schwarzen Loch im fernen Quasar RX J1131-1231 deutet auf dessen extreme Rotationsrate hin (mehr, mehr, mehr und mehr sowie das Prinzip), denn sonst könnte sich die Akkretionsscheibe so nah daran gar nicht halten. Die Messungen durch die Satelliten Chandra und XMM waren überhaupt nur möglich, weil eine freundlicherweise genau in der Sichtlinie stehende massereiche elliptische Galaxie die Strahlung des fernen Quasars – Lichtlaufzeit 6 Mrd. Jahre – verstärkt. Dabei wird er gleichzeitig zu einem hübschen Einstein-Ring: Das Bild ist ein Komposit aus einer optischen Aufnahme Hubbles und der Chandra-Daten in Rosa.

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Interessante Wind-Effekte auf der Meeresoberfläche südlich der Kanarischen Inseln zeigt eine Aufnahme des MODIS-Instruments auf dem Satelliten Terra. Auch THEMIS-Messungen eines Magnetosphären-Effekts, der die Erde gegen Weltraumwetter schützen kann, NASA-Experimente zur robotischen Betankung, die mühsame Suche nach dem SkyCube nach dem Aussetzen aus der ISS, der kommende Massenstart der Sprite-Satelliten, zwei unheimliche Orbital-Begegnungen des ZACUBE-1 (mehr und mehr), die amerikanisch-russischen Beziehungen jetzt (mehr und mehr Links), warum eine SLS-Orion-Reise zum Mars 2021 nicht passieren wird – und ein Interview mit Chinas Ober-Weltraumforscher über gemeinsame Pläne mit der ESA und anderen.

Zwei Asteroiden-Erdbesuche heute und morgen

5. März 2014

sorgen mal wieder für Aufsehen, auch wenn beide frisch entdeckten Himmelskörper nur klein sind, die Erde weit verfehlen und am Himmel sehr schwach bleiben werden. 2014 DX110 steht derzeit mit 15. Größe in der Giraffe und damit über 60° hoch am deutschen Himmel: Wenn um Mitternacht der Mond untergeht, wird er noch 30° hoch (in der Cassiopeia) stehen, aber schon auf 16.5 mag. gefallen. Die größte Erdnähe des etwa 30 m großen Brocken ist gegen 22:00 MEZ mit etwa 340’000 km: ein Bild, noch eins, eine Menge Fotometrie, aus der sich diese Lichtkurve und diese Perioden ergeben, warum es keine Radar-Beobachtungen gibt, eine Live-Sendung jetzt und Artikel hier, hier, hier, hier, hier und hier. [NACHTRÄGE: Aufzeichnungen der Webcasts vom Virtual Telescope Project (Asteroid ab 10:20) und Slooh (Asteroid von 13:15; Screenshot).]

2014 EC wurde erst heute entdeckt, der Bahnbogen ist entsprechend winzig und die Ungenauigkeit der Bahn groß – trotzdem hat man ihn sogleich auf die Risk-Liste gesetzt, was man hinterfragen kann (mehr). In der kommenden Nacht sollte 2014 EC im Leo mit 18. bis 17. Größe im Leo bis zu 50° hoch steigen, die Erdnähe morgen Abend gegen 22:30 MEZ in 60’000 km und mit 13.-14. Größe bleibt leider unbeobachtbar, da er dann durch Vel, Car, Vol, Hyi und Hor zieht (in den Stunden davor kommt er mit ähnlicher Helligkeit keine 10° über den Horizont): eine weitere geplante Live-Sendung und ein Artikel [NACHTRÄGE: eine späte NASA-Notiz und ein weiterer Artikel; der Webcast war clouded out] – und gleich noch ein dritter erdnaher Asteroid, der in der kommenden Nacht nahe kommt [NACHTRAG: Der heißt jetzt 2014 EF, auch ein Artikel].

aurocket

Ein Raketenstart in ein Polarlicht vorgestern in Alaska (mehr und mehr). Auch ein neuer US-Bolide (mehr), die erstaunlich stabile Bahn des Mondes von Hector (mehr), die Kometen Siding Spring heute, C/2012 K1 (PANSTARRS) am 2.3., 1.3. (dito) und 27.2., Lovejoy am 1.3. und 28.2. und LINEAR am 1.3., Original-Videos von BBC-Sendungen der Giotto-Encounter mit Grigg-Skjellerup 1992 und Halley 1986, der Mars am 2.3., auch mit Phobos & Deimos, der Jupiter am 4.3., 26.2. und 15.2. – und die Sonnenflecken-Gruppe (1)1990 bei ihrer 3. Runde (mehr).

Die frühe Lichtkurve der SN 2014J war extrem steil

und knickte dann ab: Das hat die Analyse zweier Serien Prediscovery-Aufnahmen ergeben, wobei dies womöglich sogar der Regelfall bei Ia-Supernovae ist – “a little weird” (mehr [NACHTRAG: und mehr]) ist sie damit eher nicht. Auch Beobachtungen mit SOFIA (mehr) und kein Vorgänger auf Tautenburg-Bildern, die SN 2014L in Messier 99, neue Fragen zur Natur der Ia-SNe, eine mögliche Zwergnova im Orion, das neue Instrument MUSE am VLT, Radioastronomie für den islamischen Kalender, das größte selbstgebaute Planetarium, mal wieder ein indischer Artikel über Amateur-Astrofotografen, ein neuer IAU Outreach Newsletter – und warum man keine Marskrater ‘kaufen’ kann und warum das gut ist.

Live-Blog zum NASA Budget Request für FY2015

4. März 2014

Die Begründung ist da: SOFIAs Betriebskosten sind zu hoch!

In einem Fact Sheet steht zu lesen, dass der Budget Request: “Proposes placing SOFIA into storage due to its high operating cost and budget constraints, but funds about 35 missions currently preparing for launch, and sustains nearly 60 operating missions.” Und in den Mission Directorates Fact Sheets heißt es: “Savings from SOFIA can have a larger impact supporting other science missions.” Die für das Science Mission Directorate geforderten 4.97 Mrd.$ unterstützten immerhin “over ninety space missions – About 35 missions currently preparing for launch and nearly 60 operating missions.” Im neuerdings üblichen Propaganda-Video zum Budget-Rollout kommt die SOFIA-Krise nicht vor … [19:40 MEZ] … aber gerade auf einem Meeting des SSB der NAS: Erst wurde der gute Zustand SOFIAs betont, dann konstatiert, dass der Flieger leider nicht mehr ins Astrophysik-Budget passt. Und mit dem DLR wird nun eine Arbeitsgruppe eingerichtet, um über die Zukunft zu beraten. Das detaillierten Budget-Dokument gibt’s übrigens erst am 10. März – und die Budget-Telecon beginnt jetzt hier. [20:05 MEZ] Boldens Statement dort, was er später noch zu SOFIA sagte, Artikel zur SOFIA-Krise und allgemein hier, hier, hier, hier und hier – und ein Congressman will mehr Planeten. [21:20 MEZ] Die NASA teilt mir mit, es werde bereits mit dem DLR und anderen an einer SOFIA-Lösung gearbeitet. [22:10 MEZ] Das DLR wurde Ende letzter Woche informiert; weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier und hier. [23:55 MEZ - Ende. NACHTRAG: mehr Soundbites von Bolden zu SOFIA hier und hier, Artikel zu SOFIA u.a. hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier (mehr), hier, hier, hier, hier und hier, allerlei Reaktionen auf den Budget Request und mehr Links]

Die Schlüssel-Aussagen aus den NASA-”Budget Highlights”

sind aus dieser 30-Seiten-Präsentation neben viel heißer Luft, dass der Budget Request: “Aligns NASA’s activities to send humans to an asteroid by 2025 and Mars in the 2030s” / “Extends the life of the International Space Station (ISS) until at least 2024, which is essential to achieving the goals of sending humans to deep space destinations” / “Advances NASA’s first-ever mission to identify, capture and redirect an asteroid” / “Funds pre-formulation work for a potential mission to Jupiter’s moon, Europa” / “Supports pre-formulation of WFIRST/AFTA”. Und: “Seeks to work with current partner Germany and potential partners to identify a path forward for SOFIA with greatly reduced NASA funding. Unless partners are able to support the U.S. portion of SOFIA costs, NASA will place the aircraft into storage by FY 2015.” Da haben wir’s also: Wenn die “Partner” – derzeit nur das DLR – nicht einspringen, wird SOFIA bereits diesen Herbst eingemottet! [19:05 MEZ]

Weißes Haus: NASA-Mittel für SOFIA “scharf reduzieren”

Um 19:00 MEZ sollen alle Dokumente zum NASA Budget Request für das Fiskaljahr 2015 auf dieser Webseite erscheinen, und um 20:00 Uhr gibt es eine Telecon dazu, aber bereits jetzt liegt eine Kurzfassung vom OMB des Weißen Hauses vor. 17.5 Mrd.$ sollen demnach gefordert werden, und explizit wird “reducing funding for lower priority programs, such as the Stratospheric Observatory for Infrared Astronomy”, genannt! Und mit der gemeinsam mit Deutschland gebauten und betriebenen Sternwarte – die offenbar jede politische Unterstützung von oben verloren hat – endet auch das kurze Dokument: “For example, the Budget sharply reduces funds for the Stratospheric Observatory for Infrared Astronomy in order to fund higher priority science missions.” Konkrete Zahlen sind in dem separaten Dokument “Cuts, Consolidations and Savings” auf Seite 4 zu finden: Von den derzeit 84 Mio.$ soll der Jahresetat bereits im FY 2015 auf 12 Mio.$ zurück gefahren werden! Ausblicke auf den Haushalts-Entwurf gab es zuvor bereits hier und hier: Der Fall SOFIA war nicht geleakt. [18:05 MEZ]

So war’s auf Deutschlands erstem Polarlicht-Flug

3. März 2014

 

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Keine alltägliche Flugroute hat in der Nacht vom 1. zum 2. März der Flug AB 1000 zurückgelegt, knapp 5000 km in 6 1/4 Stunden von Köln zu den Shetlands und Färöer und wieder zurück, mit mehreren Strecken entlang des Breitengrads und wieder zurück bei den beiden Inselgruppen: Das war der erste Polarlicht-Beobachtungsflug aus Deutschland, organisiert von Polarlicht-Reisen mit Air Partner und Air Berlin – und es gab einiges zu sehen. Oben ein Video von Wilfried Bongartz, auf der linken Seite, Aurora ab 1:35, Fotos auch hier und hier, und unten ein Video von Peter Oden auf der rechten Seite, Aurora ab 7:07, Fotos auch hier und hier; es gibt auch ein großes Bilder-Album des Autors, eine Diskussion des Fluges und ein Album von Bongartz und Oden mit weiteren Einzelbildern.

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Beim Check-In und am Gate; Stefan Krause brieft die Passagiere der komplett ausgebuchten Boeing 737-800 – noch sieht die geomagnetische Datenlage nicht besonders vielversprechend aus, aber immerhin hat das interplanetare Magnetfeld (obere Kurve) gerade nach Süden gedreht: Das steigert die Reaktionsfreude des Erdmagnetfelds schon für kleinste interplanetare Trigger …

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22:59 MEZ

Auf der Reise zu einem “fiktiven Punkt” … Oden mit der Fernsteuerung der auf einem Stativ hinter dem Fenster und einem schwarzen Tuch montierten Weitwinkel-Kamera und einem Notebook mit dem Live-Bild; inzwischen ist die Kabinenbeleuchtung weitestmöglich gedimmt. Und auf seiner rechten Seite ist auf dem Flug nach NO bereits das Polarlichtoval knapp über dem Horizont erschienen: Das ist schon mal beruhigend – und führt zu der spontanen Entscheidung, den eigentlich gleich bis zu den Färöer geplanten Flug bei den Shetlands zu unterbrechen und nordwestlich von ihnen je einmal west- und ostwärts zu fliegen.

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23:09 MEZ, 13 Sekunden bei ISO 1600

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23:10 MEZ, 13 Sekunden bei ISO 1600

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23:11 MEZ, 13 Sekunden bei ISO 1600

Just beim Drehen von der Ost-West- zu der die West-Ost-Strecke flammt das Polarlicht plötzlich hell auf, und die linke Flugzeugseite, wo auch der Autor sitzt, kommt gerade noch in den Genuss des abklingenden Substurms mit besonders hellen Stellen (im ersten Bild überbelichtet!) und Beamern senkrecht nach oben. Die hellsten Sterne sind immer Deneb und ganz rechts Vega.

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23:18 MEZ, 10 Sekunden bei ISO 1600

Alle Aufnahmen hier sind mit der seit 2011 und zuletzt Ende Januar in Norwegen eingesetzten Bridge-Kamera mit maximalem Weitwinkelzoom, das 25 mm Kleinbild entspricht, und offener Blende 2.8 entstanden, wobei das Bildfeld aber meist etwas beschnitten ist, um Reflexe in der Scheibe weg zu lassen.

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0:08 MEZ, 15 Sekunden bei ISO 1600

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0:33 MEZ, 20 Sekunden bei ISO 1600

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0:59 MEZ

Nach dem überraschenden Einstieg ging die Reise zu den Färöer, eigentlich Føroyar, weiter, auf 62°N 7°W: Etliche Male wurde jetzt west- und ostwärts geflogen, während leider das Polarlicht arg die Kraft verlassen hatte: Mehr und mehr Passagiere knubbelten sich schließlich um Odens Live-Display, das deutlich mehr Strukturen im Aurora-Band offenbarte als der Blick aus dem Fenster.

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1:05 MEZ, 20 Sekunden bei ISO 1600

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1:09 MEZ, 13 Sekunden bei ISO 1600

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1:12 MEZ, 15 Sekunden bei ISO 1600

Auf dem Weg zurück nach Köln – zwar war die Boeing randvoll getankt, aber irgendwann muss halt Schluss sein – wird ein Bogen nach Südosten geschlagen, so dass der Blick von der linken Seite auf das östliche Ende des Aurorabogens fällt: die gleiche geometrische Situation wie auf den Bildern 1, 3, 4, 7 und 8 von Sommarøy, nur 8° weiter südlich, weil das Auroraoval im Nordwesten Europas deutlich weiter nach Süden kommt als im Nordosten. Und siehe da: Die Aurora nimmt noch einmal mächtig Fahrt auf!

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1:15 MEZ, 15 Sekunden bei ISO 1600

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1:19 MEZ, 13 Sekunden bei ISO 1600

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1:20 MEZ, 13 Sekunden bei ISO 800

Zu erkennen insbesonders an der extrem hellen Stelle im mittleren Bild und den reduzierten Belichtungen. Alle Aufnahmen entstanden übrigens freihändig mit dem Objektiv an die Scheibe gepresst – leider manchmal zu energisch, was die unscharfen Sterne erklärt. Sollte man mit den Objektiven von Bridgekameras eben nicht machen: wieder was gelernt …

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1:31 MEZ, 10 Sekunden bei ISO 1600

Danach verblasst das Polarlicht erneut, aber es bleibt als diffuser Schimmer sichtbar, mit helleren Strukturen dicht über dem Horizont, die schließlich dahinter verschwinden. Diesmal stimmt auch der Fokus – und man beachte den Schatten des Winglets auf der Tragfläche im Licht der Aurora!

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1:44 MEZ, 15 Sekunden bei ISO 1600

Sekunden von dem Wiedereinschalten der Kabinenbeleuchtung und 1 1/2 Stunden vor der Landung in Köln das letzte Bild: immer noch Aurora am Himmel. Gut drei Stunden war sie permanent zu sehen gewesen, in zig verschiedenen – mitunter auch sehr subtilen und nur fotografisch klar zu erkennenden – Spielarten. Und dank der Flughöhe und perfekten Transparenz unter ungewöhnlicher Geometrie bis in rund 1000 km Entfernung.

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mkstackplot

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Der Stackplot nordeuropäischer Magnetometer – von 9:00 MEZ am 1. bis 9:00 MEZ am 2. März – zeigt, dass pünktlich zum Flug doch einiges in Unordnung geraten war, etwa ab 23:30 MEZ: Auch die weniger aktive Phase nach Mitternacht und die erneute Zunahme nach 1:00 MEZ sind zu erkennen. Insgesamt ist die Erfahrung Aurora aus dem Flugzeug mit dem Erlebnis in der Wildnis oder auch an Deck eines Schiffes nicht zu vergleichen: Es fehlt der “All-Sky-Effekt”, der bei einem ordentlichen Substurm die Aurora über den ganzen Himmel huschen lässt. Dafür birgt die Kombination des Naturereignisses mit der High-Tech-Umgebung eines modernen Passagierflugzeugs und von High-End-Kameras mit Live-Display einen ganz eigenen Reiz. Von der Wettergarantie über dem Großteil der Troposphäre und flexibler Routenanpassung natürlich ganz zu schweigen … NACHTRAG: noch ein Artikel.

‘Global Precipitation Measurement’ gestartet

28. Februar 2014

Global Precipitation Measurement (GPM) Mission

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Der japanisch-amerikanische Niederschlags-Forscher GPM Core Observatory ist in der vergangenen Nacht in Japan auf einer H-IIA gestartet, die betagte Tropical Rainfall Measurement Mission (TRMM) von 1997 abzulösen: NASA, JAXA und JPL Releases, eine Langzeit-Belichtung, ein Video, ein weiteres Standbild daraus, ein Live-Blog mit mehr Bildern, Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, Vorschauen hier, hier und hier und mehr Links. Und auf derselben Rakete war auch der Space Tethered Autonomous Robotic Satellite-2 mit einem Experiment zur Raumschrott-Bekämpfung (mehr, mehr und mehr) mit einem stromführenen Seil.

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Ein Blick über den Aufschluss “Junda” auf den Aeolis Mons

mit Curiositys Navcam am 19. Februar (Sol 548 der MSL-Mission): Dieses geschichtete Gestein war den Planern schon aus dem Orbit aufgefallen, da kann man ja mal gucken. Auch weitere Sorgen um den Mars Express wegen des Kometen, ein erfolgreicher Relais-Test mit MAVEN, der russische Beitrag zu JUICE, die dritte Nacht von Yutu und Chang’e-3, die erste Kometen-Entdeckung des wieder erweckten WISE-Satelliten, die Höhepunkte von 10 Jahren Rosetta, die Helligkeit von Gaia während der Drehmanöver mit dem Satelliten, mal wieder SoFis für das SDO – und die laufenden Startvorbereitungen für Sentinel-1A in Kourou.

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nano-m

nano-u

Die letzten der vielen Nanosatelliten haben die ISS verlassen, und nach dem Abschluss dieser Operation wird nun das Ende der Expedition 38 am 10. März vorbereitet. Unten noch mehr ISS-Polarlicht nebst Venus, auch neue µg-Möglichkeiten für die ISS, wie es Menschen daselbst ergeht, Erinnerungen an den SuitSat, Fortschritte bei den kommerziellen ISS-Zubringern – und eine kuriose Erde-Venus-Mars-Erde-Flugbahn, die 2021-23 möglich wäre und ein kurioses Hearing verursacht hat: Statements hier und hier, Artikel hier, hier und hier und Testimony hier und hier. NACHTRAG: ein weiteres Statement und Artikel hier und hier.


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