Mit ‘amateurastronomie’ getaggte Artikel

Das ist inzwischen aus PANSTARRS geworden!

20. Mai 2013

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Diese Aufnahme von Michael Jäger aus der vergangenen Nacht – hier mal in der vollen Auflösung! – zeigt das “neue” Gesicht des Kometen C/2011 L4, durch dessen Bahnebene die Erde am 27. Mai stoßen wird: Die bekannte Syndyne aus 10-µm-Teilchen verwandelt sich mehr und mehr in einen spektakulären Gegenschweif, der sich in diesem Mosaik über 6° erstreckt. In einem größeren Fernrohr ist die ungewöhnliche Staubstruktur auch visuell gut zu sehen, wie dieser Blogger in der Nacht davor im Harz bestätigen konnte. Weitere PANSTARRS-Bilder vom 20. Mai, 19./20. Mai, 19. Mai, 18. Mai (mehr und mehr), 17. Mai und 16. Mai (mehr und mehr), Artikel über PANSTARRS & Lemmon hier und hier und über Lemmons Plasmaschweif und Bilder von Lemmon vom 17. Mai und 16. Mai (mehr), NEAT vom 19. Mai und McNaught vom 19. Mai und 13. Mai. Und ein angenehm zurückhaltender Artikel über sowie neue hochauflösende Beobachtungen (auch hier) von Komet ISON, der sich bald für ca. 3 Monate im Glanz der Sonne verstecken wird.

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Das Planeten-Dreieck 2013 kündigt sich bereits an

Hier ist der Merkur gestern Abend tief unterhalb der Venus knapp aufgetaucht (aus einer Aufnahme von Bernd Brinkmann aus dem Harz heraus gekitzelt), während sich der Venus “von oben” rasant der Jupiter nähert – bis alle drei vom 25. bis 27. Mai ein kompaktes Dreieck tief am Himmel bilden werden: Vorschauen und Sichtbarkeits-Analysen z.B. hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier.

Eine Protuberanz am 11. Mai in faszinierenden Amateur-Zeitraffer-Aufnahmen. Auch die Scheibe im weißen Licht am 17.Mai und 16. Mai – und Aurora-Hoffnungen, die sich kaum erfüllten. Sowie schon wieder ein neuer Transient bei Sgr A*, diesmal aber vermutlich eine bekannte Quelle.

Uranus und seine Ringe bedecken einen 9-mag.-Stern

am Morgen des 23. Mai, wobei der Sichtbarkeitsstreifen klein ist, “a small zone for the eastern mediterranean and south down to southern Africa. But the star is bright, the visual magnitude is 9m2, its I-Band magnitude even reaches 8m7. And Uranus has, due to its low temperature, very broad methane absorption bands. Using appropriate filters, the intensity loss for the occultation can reach 40% or more. Because its the brightest occultation since a lot of years, its an important opportunity to get data from the Uranian rings as well as of the atmosphere of Uranus.”

Amateurastronomische Splitter: viele Beschlüsse auf der Planetentagung / mögliche frühe Vorboten leuchtender Nachtwolken / ein paar Gedanken zu Aurora-Schall / die Übernahme von Meade durch Chinesen / und dieses Blog in der großen Vorstellungs-Serie – wo man auch dafür voten kann …

PANSTARRS näher per Flugzeug: So war’s da oben

17. März 2013

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Das Medien-Interesse war enorm an wohl ersten öffentlichen Kometen-Beobachtungs-Flug seit Halley 1986, und so wuselten gestern Nachmittag bereits beim Check-In im Flughafen Köln-Bonn ein halbes Dutzend Kamera- und Tonleute zweier TV-Teams um den Organisator Stefan Krause (u.) von Eclipse-Reisen und die rund 55 Passagiere – darunter viele Veteranen exotischer Astro-Reisen, mit edlen Kameras und sogar Stativen bepackt.

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Nach einem zünftigen rheinischen Buffet und detaillierten Instruktionen zum Ablauf des auf zwei Stunden angesetzten Zick-Zack-Fluges hob die gecharterte Boeing 737-700 der Air Berlin um 19:22 MEZ überpünktlich ab – der Pilot beschleunigte schon aus der Kurve von der Taxi- zur Runway heraus – und durchbrach bald die praktisch geschlossene Wolkendecke über NRW. Zunächst hatte die linke Seite nach kurzer Suche Blick auf den Kometen in der schwindenden nautischen Dämmerung, während die Maschine Kurs auf Bremen nahm: Für’s bloße Auge erschien er als Sternchen, in Feldstechern zeigte er bereits allerlei der von Fotos der letzten Tage her bekannten Schweifstrukturen. Nach einer knappen Viertelstunde Geradeausflug legte sich der Flieger plangemäß schwer in die Kurve und änderte das Heading binnen ein paar Minuten um 180°.

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19:57 MEZ; 1 Sekunde belichtet bei Blende 3.4 und ISO 1600; 90 mm Kleinbild-Äquivalent-Brennweite, Ausschnitt

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19:57 MEZ, 1 Sekunde bei Blende 3.5 und ISO 1600; 116 mm, Ausschnitt

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19:58 MEZ, 1 Sekunde bei Blende 3.6 und ISO 800; 130 mm, Ausschnitt

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19:59 MEZ, 1 Sekunde bei Blende 3.8 und ISO 800; 170 mm, starker Ausschnitt

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20:10 MEZ, 2.5 Sekunden bei Blende 2.8 und ISO 1600; 25 mm, Ausschnitt

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20:11 MEZ, 2.5 Sekunden bei Blende 3.2 und ISO 800; 44 mm, Ausschnitt

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20:11 MEZ, 5 Sekunden bei Blende 3.0 und ISO 800; 32 mm, Ausschnitt

Der Blick durch den Feldstecher war definitiv der beste Weg, das Schauspiel zu genießen: Wie dieser Blogger auf der rechten Seite ab ca. 19:55 MEZ feststellen konnte, genügte die Qualität der – eigens besonders sorgfältig gereinigten – Scheiben vollauf für den förderlichen Einsatz eines 10×50-Feldstechers, der nicht nur viele Sterne bis zum Horizont sondern auch den gekrümmten Staubschweif und die helle innere Koma ähnlich gut wie auf den bisher besten Fotos von Mitte März oder auch der teleskopischen Zeichung eines Ausnahme-Beobachters zeigte. PANSTARRS stand da zwar theoretisch noch in der astronomischen Dämmerung, dank der Flughöhe aber bereits in einem tiefdunklen Bereich des Himmels. Die obigen Fotos mit einer simplen Bridge-Kamera (Panasonic DMC-FZ48) entsprechen ganz gut dem Eindruck für das bloße Auge, für das der Komet leicht – als etwas diffuses Sternchen knapp über dem Horizont – zu sehen war, der Schweif aber höchstens angedeutet blieb, während der Feldstecher wesentlich mehr Einzelheiten enthüllen konnte. (Und die die Fotografen mit dem besseren Equipment z.T. offenbar auch einfangen konnten – aber so gut wie Michael Jäger und Gerald Rhemann gleichzeitig in den Alpen?)

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20:38 MEZ, 10 Sekunden Belichtung bei Blende 2.8 und ISO 1600; 25 mm

Doch viel Zeit blieb nicht, rasch sank der Komet tiefer. Wiederum links konnte man ihn beim dritten Flugabschnitt den Kometen schon untergehen sehen – und rechts war beim letzten “Leg” schon nichts mehr von ihm zu finden: Da halfen auch die Kimmtiefe von über 3° und die Refraktion nicht mehr (die in 12 km Höhe nur noch 10′ Anhebung ["The Devil is in the details"] anstatt der 35′ auf Meereshöhe schafft). Dafür aber ein unerwartetes Phänomen, nämlich – etwas – getrübte Sicht durch den Mondschein auf die Wolken eigentlich tief unter uns und offenbar eine Art feinen Dunst darüber. Das war eine weitere Erkenntnis dieses ungewöhnlichen Flug-Experiments: Es muss noch nicht mal Halbmond sein, damit die himmlische Lichtverschmutzung schon markant stört, für z.B. eventuelle Polarlicht-Flüge eine wichtige Einschränkung.

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Nach exakt 2 Stunden waren der Flieger wieder in Köln und die Teilnehmer des PANSTARRS-Fluges um manche Erfahrung reicher. Viele weitere Bilder dieses Bloggers sind in diesem Album zu finden, und am 18. März wird es mehrere Berichte im ARD-Morgen- und Mittags-Magazin geben. Und vielleicht schon jetzt überall auf der Welt via Reuters TV. NACHTRAG: die geflogene Route, ein Link an edler Stelle, ein weiterer Bericht mit “tieferen” Kometen-Bildern, mehr Fotos hier, hier und hier, eine Mikro-Doku (ohne Komet) – und eine “Beobachtung” von uns.

NACHTRAG 2: hier der fast 6-minütige Beitrag des WDR im ARD-MoMa am 18. März – und N24 hatte schon am 17. März auch was via Reuters, wo sich am 18. März auch die Deutsche Welle bediente, siehe unten. Und noch ein Meta-Artikel zur Kometen-Fliegerei. NACHTRAG 3: bessere Bilder von P. Oden mit einigem Schweifdetail! Und auch das offizielle Album ist (unten) um gute Kometenbilder ergänzt worden.

NACHTRAG 4: Ein anders geschnittener Beitrag des WDR-Teams lief am 18. März im MittagsMagazin – unten gibt’s ihn jetzt ganz offiziell auf YouTube! NACHTRAG 5: ein langer Bild-Bericht, in dem auch dieser Blogger mitspielt. Und eine englische Kurzfassung aus dem Reuters-Material – vom New Tang Dynasty TV von Falun Gong in den USA …

Kick-Off für ein “Weltraum-Teleskop für alle”

25. Januar 2013

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Der scheinbar verwegene Plan eines Weltraumteleskops für die deutsche Öffentlichkeit ist heute auf einem siebenstündigen Kick-Off-Workshop im Haus der Astronomie spürbar konkreter geworden: Der Einladung des Initiators Heiko Wilkens war ein breites Spektrum von Experten gefolgt, von Astronomie-Professoren über Didaktiker und Publizisten bis zu Vertretern der deutschen Raumfahrtindustrie und der Amateurfunk-Satellitenbauer der AMSAT-DL. Endgültige Spezifikationen für den Satelliten, dessen Bau und Start durch Sponsoren und dessen Betrieb durch die Benutzergemeinde – aber teilweise unterstützt durch weiteres Sponsoring – finanziert werden sollen, kamen bei dem Meeting natürlich noch nicht zustande, wohl aber ziemlich klare Rahmenbedingungen. So wird das Weltraumteleskop wohl “piggyback” beim Start einer anderen großen Nutzlast in den Orbit gelangen müssen, weil es das bereits für wenige Mio. Euro gibt (und schon die kleinste Exklusiv-Rakete ein Vielfaches kostet), und einen für derartige Zwecke bereits entwickelten “Bus” – also Satellitenkörper mit allen Subsystemen – verwenden müssen, weil ein speziell für sein Teleskop zugeschnittener unbezahlbar wäre.

Aus diesen harten Kriterien wird sich wiederum die maximal mögliche Größe des Teleskops ergeben, die wohl deutlich unter einem Meter liegt. Und daraus folgt dann wieder der Nutzen des Ganzen für die verschiedenen angepeilten Zielgruppen, die von der breiten Öffentlichkeit und Amateurastronomen über die Ausbildung an Schule und Hochschule bis zur Fachastronomie reichen. Letztere sieht vor allem im UV-Bereich von ca. 120 bis 300 nm eine reizvolle Nische auch schon für ein kleines Weltraumteleskop (ab 30 cm), da diese Wellenlängen astrophysikalisch viel zu bieten haben, aber nur oberhalb von 200 km zugänglich sind – und wenn es Hubble nicht mehr gibt, gar nicht mehr. Eine mögliche Lösung wäre die Aufteilung der Brennebene des Teleskops in einen zentralen CCD-Array für visuelles Imaging und daneben die Öffnung für einen UV-Spektrographen – für den es in der deutschen Astronomie gewichtige Vorbeiten gibt. Reizvoll erscheint auch, beim Bau des Satelliten nicht nur auf bewährte Komponenten zu setzen sondern auch Innovationen zu fördern: Die lässt sich die öffentliche Hand mitunter etwas kosten.

Eine Idee in dem Zusammenhang wäre z.B. ein kompakt gestartetes Teleskop, das erst in der Umlaufbahn ausklappt. Oder eine piezomechanische Feinnachführung der CCD. Denn die vielleicht größte Herausforderung für das Projekt wurde in Heidelberg bereits eingekreist: die Lageregelung, die so stabil sein muss, dass das Teleskop seine beugungsbegrenzte Abbildungsleistung im Orbit auch ausspielen kann. Über besagten Orbit übrigens wurde schon fast ein Beschluss herbei geführt: Eine hochelliptische Bahn hat den Vorteil, dass sie sich zwanglos aus dem geostationären Transferorbit der eigentlichen Nutzlast der Rakete – typischerweise ein Nachrichtensatellit auf dem Weg zum geostationären Orbit – ergibt, dass die Erde die meiste Zeit nur wenig Sicht auf’s Universum verdeckt, weil sich der Satellit überwiegend nahe des Apogäums aufhält, und dass besagte Erdferne mit langsamer Bewegung am Himmel den Datenempfang (man darf mit bis zu 1 GB/Orbit rechnen) mit einer großen Schüssel vereinfacht, die nur langsam nachgeführt werden müsste. Versehen mit einer Fülle von ‘action items’ trennte man sich schließlich in der Abenddämmerung, in der Gewissheit, dass dieses Jahr wesentliche Weichen gestellt werden dürften.

Ein Teleskop im Orbit. Für Amateurastronomen. Unter deutscher Federführung. Wie war das?!

28. Oktober 2012

Neu ist die Idee ja nicht: Schon vor 30 Jahren träumten amerikanische Amateurastronomen von einem Amateur Space Telescope im Orbit (AST; siehe auch hier und hier, “Independent Space Research Group” und Referenz 18), und zwanzig Jahre später war ein International Space Station Amateur Telescope (ISS-AT; siehe auch hier und hier und vermutlich auch hier, “There were a couple of things …”) in Planung – beide Projekte verschwanden nach anfänglichem Enthusiasmus sang- und klanglos wieder. Aber jetzt ist die Idee erneut aufgetaucht, diesmal sogar primär ‘made in Germany’: Auf der 31. Bochumer Herbsttagung der Amateurastronomen präsentierte Heiko Wilkens (u.) gestern dem verblüfften Publikum eine Art Business Plan für ein 80-cm-Teleskop im Erdorbit, dessen 80 bis 130 Mio. Euro Kosten Sponsoren aufbringen und zu dessen Betriebskosten zusätzlich auch die Nutzer pay per view beitragen sollen, mit einigen hundert Euro pro Stunde.

Eine bislang hinter den Kulissen operierende Planungsgruppe, zu der insbesondere die Amateur-Optik-Spezialisten Richard Berry und Harrie Rutten und der Astronaut Gerhard Thiele gehören, hat offenbar bereits einige bedeutende Organisationen zumindest ideell ins Boot holen können und ist in Sachen Sponsorensuche diesmal guten Mutes: Als entscheidend wird eine Ausweitung der Zielgruppe für das orbitale Gerät weit über die Amateurastronomie gesehen, was bei den gescheiterten früheren Projekten nicht gelang. So beginnt nun – und der BoHeTa-Auftritt war ein nicht unwichtiger Schritt dabei – eine öffentliche Werbekampagne bei allen möglichen potentiellen Nutzern, auch im Bildungs- und Wissenschaftsbereich (die Projekt-Webseite ist bislang allerdings noch rudimentär). Und es darf nahezu beliebig ‘out of the box’ gedacht werden: Sollte z.B. ein gewisser Getränkehersteller, der letztens in die Schlagzeilen kam, etwas springen lassen, dann – so Wilkens (im Bild links) zu diesem Blog – könnte man den Satelliten natürlich problemlos wie eine seiner Dosen anstreichen … NACHTRAG: ein weiterer BoHeTa-Bericht – die hier und hier erwähnte Astrium-Initiative ist wohl eine andere, ähnliche Idee?

Zum 3. Mal: Amateure sehen Impakt auf Jupiter!

11. September 2012

George Hall

Gestern um 11:35:30 UTC ist es wieder passiert: Amateurastronomen – diesmal Zeitzonen-bedingt in den USA – beobachteten und filmten den offensichtlichen Impakt eines Kleinkörpers auf den Gasplaneten Jupiter. Derartiges war bereits am 3. Juni und 20. August 2010 gelungen, wobei jedes Mal keine später erkennbaren Hinterlassenschaften des Impaktors in den Wolken zu erkennen waren – im Gegensatz zum Impakt vom 19. Juli 2009, bei dem zwar der eigentliche Einschlag nicht gesehen wurde, dafür aber eine markante Wolke (wie auch weitere 15 Jahre früher bei den Einschlägen der Fragmente von des Kometen Shoemaker-Levy 9). Von dem Ereignis des 10. September 2012 gab es zunächst einen visuellen Beobachtungsbericht aus Wisconsin (“a bright white two second long explosion just inside Jupiter’s eastern limb”), gefolgt vom obigen zeitgleichen Video-Einzelbild aus Texas: erste Artikel auch hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, teilweise mit Angaben zu Transit-Zeitpunkten der Impaktstelle. NACHTRAG: Im texanischen Video dauert der Blitz mehrere Frames lang. NACHTRAG 2: Etliche Beobachter melden nichts Verdächtiges an der Impakt-Stelle, wie 2010; weitere Artikel hier, hier (auch wider den “Jupiter schützt die Erde”-Mythos), hier und hier (glaubt den Mythos). NACHTRAG 3: Nach einem Tag schon die erste Wissenschaft: Der Impaktor war keine 10 Meter groß und verursachte lediglich einen Boliden, vergleichbar mit dem Fall vom Juni 2010. NACHTRAG 4: Auch die besten Amateurbilder zeigen – erwartungsgemäß – nichts. NACHTRAG 5: Im Original-Thread zweifelt der visuelle Beobachter neuerdings, dass das Video ‘seinen’ Blitz zeigt – oops!? Ansonsten geht aber jeder davon aus, dass es so war – und auch die Zeitpunkte passen (nach neuerlicher Analyse) gut zusammen.

Ein Amateur entdeckte kürzlich diesen Nebel …

25. Juli 2011

… und das Gemini-Nord-Teleskop hat ihn kurz darauf schon in H-Alpha & [O III] abgelichtet: Der Planetarische Nebel “Kronberger 61″ oder Kn 61 ist deswegen besonders interessant, weil er in jenem 105 Quadratgrad großen Himmelsfeld sitzt, das der planetenjagende Satellit Kepler ständig fotografiert. Die Entdeckung war den “Deep Sky Hunters” gelungen, einer internationalen Gruppe von Amateurastronomen, die digitale Himmelsdurchmusterungen nach unbekannten Deep-Sky-Objekten durchforsten und immer wieder fündig werden (Kronberger et al., interstellarum Sonderheft 1/2011 “Entdeckungen” 39-45): Planetarische Nebel sind abseits der Milchstraße, auf die sich die großen Suchprogramme beschränkten, noch etliche zu entdecken. Spektren mit mittelgroßen Profiteleskopen bestätigen dann die Natur der Funde als Planetarische Nebel, zuletzt wieder in 15 Fällen.

Darunter war auch Kn 61, dessen Zentralstern nun permanent von Kepler überwacht wird (wie auch die anderen 5 bisher in seinem Feld aufgespürten Planetarischen): Variiert seine Helligkeit? Und wenn ja, ist das ein Anzeichen für ein Doppelsystem (das durch einseitige Heizung durch den Begleiter, gegenseitige Bedeckungen oder die Gezeiten-Verformung eines Sterns durch den anderen für Veränderlichkeit sorgen kann)? Binärsysteme – oder auch Sterne mit großen Planeten – sind eine der Möglichkeiten, die oft stark symmetrischen Strukturen in Planetarischen Nebeln zu erklären, und womöglich sind sie sogar entscheidend, dass überhaupt ein Planetarischer Nebel entsteht, wenn ein massearmer Stern aufgegeben hat. Zur Statistik wird nun das halbe Dutzend Kepler-Planetarische beitragen, von denen es ohne den Einsatz der Amateure viel weniger geben würde.

Das war die MoFi: erst Google – dann Gucken!

15. Juni 2011

Trotz für Mitteleuropa “fragwürdiger” Geometrie und Wettersorgen ist die totale Mondfinsternis heute Abend ein erstaunlicher Erfolg geworden: Die ersten Phasen bis zum Ende der Totalität waren perfekt in Webcasts zu verfolgen, und danach riss der Himmel auch noch für eine Weile über dem Standort des Bloggers auf! Von zahlreichen angekündigten Webcasts funktionierte nur der von SLOOH und Google organisierte mit Bildern aus Zypern und Dubai die gesamte Zeit – viele andere waren ausgefallen oder clouded out oder technisch schlecht. Aus dem Google-Webcast, den ein Hollywood-Studio zwecks Werbung für einen SF-Film mit Mondbezug gesponsort hatte, die Bilder (von oben) von 20:51 MESZ (Dubai) und 21:20, 21:50 und 22:25 MESZ (Zypern; mit sehr roter Umbra und ein paar Hintergrundsternen – ein Bild nahe der Mitte der Totalität gibt es hier von 22:16 MESZ), gefolgt von einem Livebild aus Barcelona von 23:06 MESZ.

Und dann wurde der Blogger alarmiert, dass der Mond ganz direkt zu sehen war: Es folgen drei eigene Aufnahmen ca. 10-15 Minuten nach Totalitätsende; im Feldstecher war die rote Umbra noch prächtig neben der rasch wachsenden gelben Penumbra zu sehen, ein faszinierender dreidimensionaler Eindruck in gerade einmal 9° Höhe. Abschließend noch ein Bild aus einem rumänischen Webcast von 23:24 MESZ; eine Reihe weitere europäische Übertragungen begannen jetzt auch, aber kaum eine der SLOOH-Qualität ebenbürtig. Serien von Standbildern der MoFi sind bereits aus Australien, Südafrika, Irland und dem Rest der Welt eingetroffen, während eines der Bilder dieses Bloggers auch bei der VdS erschienen und bei SpaceWeather eingereicht ist. NACHTRAG: Das Bild ist auch in dieser Sammlung zu finden, die sogar zu diesem Artikel hier verlinkt.

Nachrichten von irdischen Teleskopen kompakt

16. April 2011

Eine Aufnahme des Wide Field Imager am MPG/ESO 2.2-m auf La Silla von NGC 3582, Teil der Sternentstehungsregion RCW 57: Die geschwungenen Bögen sind überwiegend alte Supernovareste, Hinterlassenschaften massereicher Sterne, die es schon wieder hinter sich haben.

Amateurastronomen haben immer noch großen Anteil an Supernova-Entdeckungen: 15% im Jahre 2010!

Trotz mehrerer automatischer Suchprogramme der Profi-Astronomie stehen die – Handvoll – Amateurastronomen immer noch bestens da, die intensiv und mit ausgeklügelten Strategien nach Supernovae in anderen Galaxien suchen: Von den 538 SN-Entdeckungen des Jahres 2010 gingen immerhin 82 auf ihr Konto! Lediglich die Catalina Real-Time Transient Survey (189 Funde) und die Palomar Transient Factory (88) waren erfolgreicher. Bei spektroskopisch bestätigten Supernovae liegen die Amateure mit 69 Fällen sogar auf dem 2. Platz, zwischen PTF (88) und CRTS (67): Insgesamt ‘gewinnen’ aber zunehmend die Riesendurchmusterungen großer Himmelsfelder, während das Absuchen Galaxie für Galaxie auf die hinteren Plätze rutscht. (Gal-Yam & Mazzali, Preprint 26.3.2011. Und Djorgovski & al., Preprint 24.2.2011 zur Arbeitsweise der CRTS)

Eine neue Transient Objects Confirmation Page am CBAT wurde im Januar eingerichtet, die nun nicht mehr von Hand (wie die alten “Unconfirmed Objects”) sondern automatisch aktualisiert wird, sobald ein – registrierter – Astronom eine Entdeckung meldet. Bei der TOCP-Seite geht es ausschließlich um unbewegliche Quellen, also nichts im Sonnensystem. (CBET #2629 10.1.2011. Und CfA Release 11.1. und IfA Release 24.2.2011 zu Pan-STARRS-Endeckungen im Kuiper Belt bzw. bei Near Earth Asteroids)

BigBOSS quasi genehmigt: 500 Nächte an 4-m-Teleskop für die größte Karte des Universums

Der Vorschlag der BigBOSS Collaboration, 500 Nächte am 4-m-Mayall-Teleskop auf dem Kitt Peak für eine gewaltige Himmelsdurchmusterung mit einem speziellen Instrument zu nutzen, ist beim Betreiber des Teleskops auf Wohlwollen gestoßen: Tausende von Objekten sollen gleichzeitig spektroskopiert werden, um einen 3D-Katalog von 50 Mio. Objekten zu erstellen, mit 10-mal mehr Volumen als beim BOSS-Projekt der SDSS III (siehe ISAN 128-7). Aus dem sollen sich dann die Expansionsgeschichte des Kosmos und wesentliche kosmologische Größen genau ableiten lassen. (LBL Release 1.2.2011. Und Symmetry Breaking 16.4.2011 zur Dark Energy Camera)

Ein superpräziser Spektrograph für die Exoplanetenjagd auf der Nordhalbkugel wird HARPS-N, ein Klon von HARPS am 3.5-m-Teleskop auf La Silla: Am 1.4.2012 soll das Instrument am ebenfalls 3.5 m großen Telescopio Nazionale Galileo auf La Palma – seinerseits ein Klon des NTT auf La Silla – den Betrieb aufnehmen. (ROE Release 12.2.2011. Und die Planetary Society 1.4.2011 zur Alternative FINDS Exo-Earths)

“Founding Board” für den Square Kilometer Array gegründet – und Deutschlands BMBF ist dabei

Forschungsorganisationen aus neun Ländern – darunter Deutschland – haben am 2. April das sog. Founding Board für den SKA (“Wie die erste Phase …”) gegründet und einen Letter of Intent verfasst, in dem sie sich zur gemeinsamen Suche nach den geschätzten 1.5 Mrd. Euro verpflichten, die das Rieseninterferometer kosten soll. Das Project Office kommt an’s Jodrell Bank Observatory in England, das Science Office nach Bonn, und man hofft, in den kommenden 6 Monaten weitere Länder ins Board zu holen. Dessen Aufgabe, so M. Kramer vom MPIfR zu diesem Blog (pers. Mitt. 4.4.2011), ist “die Kreation einer neuen legalen Organisation”: Sie “bereitet den Bau vor und leitet diesen ein.” U.a. hat sich nun “Deutschland bereit erklärt, an dem Board teilzunehmen, um an den Beratungen mitwirken zu können.

Es besteht die Erwartung (aber das ist so noch nicht beschlossen!), dass Deutschland auch als Partner in der neuen Organisation dabei ist. Aber das hängt von verschiedenen Faktoren an. Selbst wenn es dazu kommt, ist das nicht gleichbedeutend mit einer Zusage vom BMBF, sich am Bau zu beteiligen. Damit ist also kein Geld bisher reserviert. [...] Dennoch ist der Vorgang am Samstag an sich sehr positiv, da nun das SKA von einem Projekt in einer ernsthafte Organisation überführt werden kann, die dann auch in der Lage ist, wichtige Entscheidungen wie die des Standorts zu treffen.” 2012 soll nun entschieden werden, ob der SKA in’s südliche Afrika oder Australien/Neuseeland kommt, 2016 ist Baubeginn und 2024 Fertigstellung. (SKA, STFC Releases, MPIfR PM, BBC 2., Economist 5.4.2011. Auch die Lusaka Times und Nature News zur südafrikanischen und News.com.au und The Star zur australischen Bewerbung – und die südafrikanische Times zu beiden)

Das CfA erhält eine ALMA-Prototyp-Antenne und wird sie – in Zusammenarbeit mit Taiwan – vermutlich in Grönland auf der Summit Station aufstellen: Nach allerlei Kontroversen erhielt das bekannte amerikanische Astronomieinstitut nun unter drei Bewerbern den Zuschlag für die 12-m-Schüssel, die die Firma Vertex geliefert hatte. Zusammen mit anderen Sub-mm-Observatorien, etwa auf Hawaii, soll dann VLBI betrieben werden. (CfA Release 4.4., Nature Blog 25., Nature News 1.2.2011. Und ASTRON Releases zu den ersten multinationalen Beobachtungen mit LOFAR und Messungen mit mehreren Beams gleichzeitig bei einem SKA-Demonstrator sowie eine PM des MPIfR zu Pulsar-Beobachtungen mit LOFAR)

Erste Gedanken zur Sichtbarkeit von Elenin

1. Januar 2011

Zu den möglichen Himmels-Highlights 2011 gehört der Komet C/2010 X1 (Elenin), dessen Bahn nach der Entdeckung durch einen russischen Amateur zwei Wochen lang unklar geblieben war. Erst seit dem 24. Dezember 2010 (ganz unten!) scheint sicher (“Neue Bahn …”), dass der noch sehr schwache Komet erst Anfang September 2011 ein sonnennahes Perihel und damit wohl auch eine schöne Helligkeit erreichen wird – vermutlich ausreichend für’s bloße Auge. Hier eine erste Sichtbarkeitsanalyse für den neuen Kometen aufgrund des Bahnbogens 10.-24.12.2010 mit JPL HORIZONS für Bonn berechnet:

  • Im September keine Sichtbarkeit; der Komet geht trotz 30° Elongation kurz nach der Sonne unter. Größte Helligkeit theoretisch um den 23. September zu erwarten (Effekt aus schon wieder gewachsenem Sonnen- aber stark schrumpfendem Erdabstand), bei 15° bis 10° Elongation.

  • 29. September: Minimale Elongation, ca. 2° – Elenin sollte allerdings eine schöne Show für SOHOs Koronographen bieten. Der Phasenwinkel beträgt fast 180°: Das könnte eine staubige Koma zusätzlich aufhellen.

  • 3. Oktober: Die Elongation steigt wieder über 10° auf der anderen Seite der Sonne, und der Komet erscheint nun – jeden Tag deutlich besser – in der Morgendämmerung, immer noch quasi im Gegenlicht.

  • 8. und 9. Oktober: Elenin kann kurz an dunklem (Morgen-)Himmel gesehen werden, im Leo gegen 6:00 MESZ in den Minuten zwischen dem Untergang des fast vollen Mondes und dem Beginn der astronomischen Dämmerung.

  • Ab 10. Oktober: Der Komet steht jeden Morgen höher am Himmel, aber der Mond stört zu jeder Zeit (Vollmond am 12.10.).

  • 18. Oktober: Erdnähe Elenins! Der Komet steht in der 2. Nachthälfte bis 50° hoch am Himmel im Cnc – aber abnehmender Mond in nur 40° Abstand (und am 19.10. gar nur 20°).

  • Nacht 20./21. Oktober: Gegen Mitternacht steht Elenin kurz vor Mondaufgang schon 13° hoch.

  • Letztes Oktober-Drittel: Ideale Beobachtungsbedingungen, mit dem Kometen die ganze Nacht an dunklem Himmel (Neumond am 26.10.). Elenin in Gem geht abends auf, steht gegen 22:00-23:00 MESZ schon 10° hoch und erreicht bis zum Morgen rund 70°.

  • Anfang November: Der Komet ist weiter die ganze Nacht sichtbar, verblasst aber zusehends, und abends stört auch der Mond wieder; mondlose Fenster gibt es wieder ab Monatsmitte.

Aussagen zur Helligkeit sind zu diesem frühen Zeitpunkt natürlich noch sehr gewagt, aber “vierte Größe” könnte es schon werden. Das Zusammenfallen des besten Sichtfensters mit der Erdnähe mag allerdings auch bedeuten, dass sich das Trauerspiel mit dem Kometen Hartley vom letzten Herbst wiederholen und die Sichtbarkeit in extremer Weise von der Himmelshelligleit abhängen könnte, weil sich das nicht wenige Licht über eine große Komafläche verteilen muss.

Großteleskope sehen das Revival des SEB!

25. November 2010

Seit zwei Wochen kehrt das South Equatorial Belt des Jupiter nach monatelanger Absenz mit Macht zurück, wie Bildern und Artikeln, die hier (4. Absatz) und hier (1. Absatz) verlinkt sind, sowie späteren Berichten hier, hier und hier (mit einem nur 24 Stunden alten Bild; 3. Absatz) zu entnehmen ist. Immer waren aber “nur” Amateur-Bilder zu sehen – seit ein paar Stunden gibt’s auch die ersten (nicht ganz aktuellen) von drei Großteleskopen:

18. November, Gemini-North, 1.7 bis 4.7 µm, wobei Rot der längsten Wellenlänge zugeordnet wurde (im Ausschnitt die Ausbruchsregion als plane Karte): Hier sieht man thermische Emission aus der Tiefe der Wolken. Die dichte hohe Schicht aus Ammoniakeis, die sich über das SEB gelegt und es zum Verschwinden gebracht hatte, beginnt sich hier zu da aufzulösen, was die komplette “Wiederbelebung” des SEB einleiten dürfte.

16. November, IRTF, 1.6 bis 4.9 µm: Oben rechts der erste Ausbruch, daneben einer zweiter. Zwischen beiden ist die Atmosphäre relativ klar: Die weißen Wolken sind extreme Konvektionsphänomene, bei denen Gas durch die Ammoniakwolken nach oben geschossen kam – hier sinkt es vermutlich wieder zurück.

11. November, Keck, 1.2 bis 1.7 µm: Die erste der weißen Konvektionswolken, nur zwei Tage nach ihrer ersten Sichtung durch Christopher Go – wieder einmal waren es Amateurastronomen, die als erste eine wichtige Veränderungen auf dem Jupiter sahen und die Fachwelt alarmierten. Die nun ein SEB Revival mit einem Instrumentarium verfolgen kann, vom dem sie beim letzten Mal 1993 (Sanchez-Lavega & Gomez, Icarus 121 [1996] 1-17 und Sanchez-Lavega & al., ibid. 18-29) nicht mal träumen konnte. Was natürlich auch für die beteiligten Amateure gilt, deren Bilder z.B. hier (inklusive häufiger Auswertungen) und hier fast live zu sehen sind.


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