Posts Tagged ‘ESOC’

Bilderbuchstart für CryoSat 2 im ersten Anlauf

8. April 2010

Solch einer Art von Raketenstart eines Forschungssatelliten hatten wohl nur wenigsten schon einmal beigewohnt, die heute bei der Launch Party im europäischen Kontrollzentrum ESOC in Darmstadt der Reise des Eisdickenerkunders CryoSat 2 – dessen Mission die ESA hier in zahlreichen Artikeln in Deutsch beschreibt – in den Orbit beiwohnten: Statt einer Rakete auf einer Startrampe zeigte das Livebild aus dem kasachischen Baikonur lediglich ein Loch im Boden inklusive einer offenen Klappe. In diesem Silo steckten eine Dnepr-Rakete, abgeleitet von der Interkontinentalrakete SS 18, und gut verpackt der CryoSat – so groß, dass die Klappe offen bleiben musste. Aus diesem Silo wurde die Dnepr pünktlich um 15:57 MESZ herauskatapultiert, und erst in der Luft zündete ihre erste Stufe (Bild), dann zischte die Rakete schnell davon. An Telekameras fehlt es wohl in Baikonur, und so wurden die weiteren Phasen des erfrischend kurzen Raketenfluges nur per Computergrafik angezeigt.

Alle ‘Väter’ des Projekts waren in Darmstadt versammelt und konnten die folgenden 16 Minuten nur warten – aber dann ging alles ganz schnell: Abtrennung des Satelliten von der Oberstufe und Empfang der ersten Signale in Kenia, zelebriert mit einer Lightshow im auf Eishöhle getrimmten ESOC-Saal. Strahlende Gesichter überall, umso mehr als der erste CryoSat bei einem Fehlstart 2005 verloren gegangen war. Jetzt konnte gefeiert werden, und vor allem CryoSats Principal Investigator Duncan Wingham dürfte heute ein ganzer Eisberg vom Herzen gefallen sein. Auch in den zwei Stunden vor dem Start war immer alles im grünen Bereich gewesen, auf die Bedeutung der CryoSat’schen Eismessungen im Rahmen der globalen Erwärmung und des steigenden Meeresspiegels wiesen Vorträge hin, und einer bloggte live: erst hier, dann hier, und ein anderer bloggte hier. Auch Pressemitteilungen in Deutsch von ESA und DLR zum Start, ein Video davon, Standbilder daraus und ein Blog aus Baikonur – zahlreiche weitere Links zur Mission und dem Start im Cosmic Mirror #336!

Raumfahrt-Nachrichten kompakt

13. November 2009

Rosetta holte sich Schwung an der Erde

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3.6 km/s zusätzliche Geschwindigkeit hat sich die Kometensonde Rosetta vor ein paar Stunden bei ihrem letzten Vorbeiflug an der Erde abgeholt: Erwartungsgemäß gab es keine Zwischenfälle technischer oder himmelsmechanischer Art, und der rein geometrische Moment verstrich im Kontrollzentrum ESOC in Darmstadt ohne rechte Emotionen (Screenshot aus dem Webcast). Während des Closest Approach bestand Funkkontakt über die Bodenstation in Australien, dann folgte eine kurze geplante Funkstille, bevor Maspalomas um 9:05 den künftigen Kometenorbiter um 9:05 am richtigen Ort wiederfand. Weitere Bilder soll es heute Nachmittag geben – und das nächste Highlight wird am 10. Juli 2010 der Vorbeiflug am Asteroiden Lutetia. (ESA Release, auch einer mit Rosetta am Himmel in Bewegung – und die Visuals eines Medienbriefings unmittelbar vor dem Swingby)

Nächster Flug “Ares I-X prime” statt “Ares I-Y”?

Selbst für Fans der Ares-Rakete kam ihre Auszeichnung als “Best Invention of 2009″ durch das TIME Magazine überraschend, dabei ist die Zukunft des möglichen Shuttle-Nachfolgers unklarer denn je. Selbst wenn das Programm in der geplanten Form weitergeführt werden sollte (und es werden offenbar bereits zahlreiche Alternativen erwogen), so wird es wohl den ‘kompletteren’ Teststart “I-Y” nicht geben, der frühestens 2014 möglich wäre und dann eh zu spät käme. Stattdessen wird jetzt über “Ares I-X prime” nachgedacht, mit einer 5-teiligen 1. Stufe und einem echten Abort-System: Das Versagen der 2. Stufe und die Rettung der Orion-Kapsel würden dann in großer Höhe simuliert, und auch der problematische Fallschirm der 1. Stufe könnte erneut getestet werden. (Constellation Blog 3., Aerospace Daily 4., Orlando Sentinel [auch zum ‘flexible path’], TIME, Huntsville Times Blog, Universe Today 12.11.2009)

USAF kümmert sich verstärkt um mögliche Satelliten-Kollisionen

Nachdem der Zusammenstoß zwischen einem operationellen Iridium-Satelliten und einem inaktiven russischen am 10. Februar die US-Weltraumüberwachung “kalt erwischt” hatte, wurde die Technik zur Bahnverfolgung wichtiger Satelliten ausgebaut: Die Bahnen von 800 aktiven Satelloten werden inzwischen genau im Blick behalten und bedrohliche Annäherungen vorausgesagt; bald sollen es 1300 sein. (Reuters 3., Nature Blog 5.11.2009) NACHTRAG: Sorgen – und Action – auch in China!

Gestörter GPS-Satellit gefährdet Konstellation nicht: 30 operationelle Satelliten hat das Global Positioning System derzeit, nur 24 werden benötigt – dass der im März gestartete GPS 2R-20 noch unter Signalstörungen leidet und erst nächstes Jahr zur Verfügung stehen dürfte, ist also kein großes Problem. Nächster GPS-Start ist im Juni 2010. (Spaceflight Now 2.11.2009. Auch Space.com über die Rolle von Quasaren für das GPS – und ein IYA-Event im Zusammenhang mit diesem ICRF2)

Preise für “Lunar Lander” und “Space Elevator” zuerkannt

Nach manchen Fehlschlägen sind jetzt kurz nacheinander mehrere Preise im Rahmen der Centennial Challenges der NASA vergeben worden: Die 2 Mio.$ der Vertical Lander Challenge and Lunar Lander Challenge sind damit komplett ausgegeben, und bei der Beam Power Challenge hat zum ersten Mal überhaupt ein “Vehikel” die Anforderungen erfüllt. Während diese Protoprotoprototypen eines Weltraumfahrstuhls eher Science Fiction sind, glauben die beiden Gewinner der simulierten Mondlandung, ihre Erfahrungen bei anderen “New Space”-Projekten einbringen zu können. Mehr ausgegeben als am Ende gewonnen haben allerdings alle – aber dafür war das Interesse unter den amerikanischen Weltraumfans erheblich. (NASA Release 2., X Prize Releases 2. , 5. 11., New Scientist 30.10., Cosmic Log 2., Space Today 3., Discovery 5. und Aviation Week, The Space Review 9.11.2009 zur “Mondlandung” und NASA Release 9., Nature Blog 5., Luna C/I, New Scientist 6. und Space Today 11.11.2009 zum “Fahrstuhl”)

Der letzte “Große Alte Mann” der Raumfahrt ist tot

Und im Westen kannten ihn nur noch wenige, denn seit 1955 lebte und wirkte Qian Xuesen in der VR China, nachdem ihn die USA während der Kommunistenjagd im Kalten Krieg erst eingesperrt und dann aus dem Land gejagt hatten. Ein fataler Fehler, denn der 20 Jahre früher in die USA gekommene Qian (alte Transkription: Tsien) hatte dort maßgeblich am Aufbau des Jet Propulsion Laboratory mitgewirkt und war neben van Karman einer der Raketenpioniere des Landes gewesen. Kaum wieder in China angekommen, gab man ihm große Freiräume, und Qian begann rasch mit dem Aufbau einer Raketen- und Luftfahrtindustrie, die schließlich 1970 die chinesische Raumfahrt ermöglichte. Welch bizarrer Lauf der Geschichte: Im Auftrag der US-Regierung hatte er einst Wernher von Braun verhört, nachdem dieser in die USA übergelaufen war. Am 31. Oktober starb Qian Xuesen, der nie dorthin zurückgekehrt war aber gelegentlich alte Freunde vom JPL empfing, mit 98 Jahren in Beijing. (Nachrufe von Xinhua, LA Times, Spaceflight Now, New York Times, Nature Blog, Asian Week, Aerospace Daily und KosmoLogs sowie Wikipedia)

Fehlschlag des 1. südkoreanischen Raketenstarts weitgehend aufgeklärt: Ein Versagen der Nutzlastverkleidung führte am 25. August zum Versagen des KSLV-1 alias Naro; letzte Details bleiben aber offen. Nächster Versuch vermutlich in der 1. Jahrshälfte 2010. (Korea Herald 6.11.2009)


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