Mit ‘impakt’ getaggte Artikel

Zum 3. Mal: Amateure sehen Impakt auf Jupiter!

11. September 2012

George Hall

Gestern um 11:35:30 UTC ist es wieder passiert: Amateurastronomen – diesmal Zeitzonen-bedingt in den USA – beobachteten und filmten den offensichtlichen Impakt eines Kleinkörpers auf den Gasplaneten Jupiter. Derartiges war bereits am 3. Juni und 20. August 2010 gelungen, wobei jedes Mal keine später erkennbaren Hinterlassenschaften des Impaktors in den Wolken zu erkennen waren – im Gegensatz zum Impakt vom 19. Juli 2009, bei dem zwar der eigentliche Einschlag nicht gesehen wurde, dafür aber eine markante Wolke (wie auch weitere 15 Jahre früher bei den Einschlägen der Fragmente von des Kometen Shoemaker-Levy 9). Von dem Ereignis des 10. September 2012 gab es zunächst einen visuellen Beobachtungsbericht aus Wisconsin (“a bright white two second long explosion just inside Jupiter’s eastern limb”), gefolgt vom obigen zeitgleichen Video-Einzelbild aus Texas: erste Artikel auch hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, teilweise mit Angaben zu Transit-Zeitpunkten der Impaktstelle. NACHTRAG: Im texanischen Video dauert der Blitz mehrere Frames lang. NACHTRAG 2: Etliche Beobachter melden nichts Verdächtiges an der Impakt-Stelle, wie 2010; weitere Artikel hier, hier (auch wider den “Jupiter schützt die Erde”-Mythos), hier und hier (glaubt den Mythos). NACHTRAG 3: Nach einem Tag schon die erste Wissenschaft: Der Impaktor war keine 10 Meter groß und verursachte lediglich einen Boliden, vergleichbar mit dem Fall vom Juni 2010. NACHTRAG 4: Auch die besten Amateurbilder zeigen – erwartungsgemäß – nichts. NACHTRAG 5: Im Original-Thread zweifelt der visuelle Beobachter neuerdings, dass das Video ‘seinen’ Blitz zeigt – oops!? Ansonsten geht aber jeder davon aus, dass es so war – und auch die Zeitpunkte passen (nach neuerlicher Analyse) gut zusammen.

“Melancholia” oder: ein Film über den Schrecken des Jakobsstabs …

18. Oktober 2011

Er wollte an Hand des nahenden und unausweichlichen Weltuntergangs vorführen, dass Depressive damit besser klarkommen (was ihm sein Psychiater erzählt hatte), und zur Herbeiführung desselben sollte es die Kollision der Erde mit einem anderen Himmelskörper sein (worauf ihn einschlägige Webseiten gebracht hatten): So ist es zu Lars von Triers “Melancholia” gekommen, der nur wenig mit den Impakt-Klassikern “Meteor”, “Armageddon” oder “Deep Impact” zu tun hat. Trotz des üppigen Settings bei Schloss Tjolöholms ist es – nachdem die Hochzeitsgäste des ersten Teils, Bräutigam inklusive, und zuletzt auch noch der Butler entschwunden sind – ein Kammerspiel mit nur mehr vier Personen, die in den letzten Stunden keinerlei Kontakt mehr mit der Aussenwelt haben (wozu auch ein Stromausfall beiträgt). Der Schlossbesitzer, gespielt von von Ex-Jack-Bauer Kiefer Sutherland, ist zugleich Amateurastronom und Besitzer eines dicken Refraktors (einer bekannten Marke mit “B”), durch den öfters der ominöse Planet Melancholia beäugt wird, der da – offenbar aus dem interstellaren Raum gekommen – nun auf einer arg seltsamen Bahn durch das Sonnensystem zieht und bereits problemlos an Merkur und Venus vorbei gekommen ist. Die amtlichen Astronomen sagen eine nahe Passage auch an der Erde voraus, eine alternative Webseite – die nur Sekundenbruchteile aufblitzt – hingegen eine wunderliche Schleifenbahn, die zunächst an der Erde vorbei, dann aber doch direkt auf sie zu führt.

Zwar hat von Trier mit der Astronomie ansonsten nicht viel am Hut, aber eine Abwandlung eines klassischen astronomischen Instruments spielt doch eine geradezu handlungstreibende Rolle: Aus Draht basteln Sutherland und sein Sohn eine Variante des Jakobsstabs zur Winkelmessung am Himmel. Und die zeitliche Variation des Durchmessers Melancholias ist es, die mit der die Vier zunächst die Annäherung und anschließende erneute Entfernung des Planeten nachweisen – und dann seine Rückkehr: Die alternativen Himmelsmechaniker hatten Recht. Das weiß der Zuschauer natürlich längst, da der Film mit dem Ende der Erde (die von der mehrfach größeren Melancholia einfach absorbiert wird) und den eher moderaten geophysikalischen Effekten kurz davor beginnt – etwa als ein schwarzes Pferd vor einem Polarlicht kollabiert. Dasselbe Szenario bildet dann auch das überwältigende Ende des Films, jetzt aus der finalen Perspektive der letzten Drei (Sutherland, wirklich kein Jack Bauer mehr, hat sich bereits das Leben genommen), wobei dann auch mysteriöse Details der Anfangssequenz ihre Erklärung finden: Man kann über die gut zwei Stunden davor sagen, was man will, aber diese letzten Minuten und vor allem Sekunden stellen – unterstützt durch das Vorspiel von Wagners “Tristan und Isolde” – an emotionaler Wucht alle anderen Impakt- und sonstigen Weltuntergangs-Klassiker bei weitem in den Schatten. Homepage, Press Kit (Cannes), IMDB-Seite und ein paar Kritiken hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier.

Stardust: Nahaufnahmen sind da – und der Krater?

15. Februar 2011

In der vergangenen Stunde sind Stardusts Bilder der größten Annäherung an den Kern von Tempel 1 in der Sammlung erschienen – detailreicher als viele erwartet hatten: eine beeindruckende Animation der ersten 30 Bilder (und gleich noch eine). Die Sonde ist also “auf der richtigen Seite” des Kerns vorbei geflogen, aber wo ist nun der Krater, den vor 5 1/2 Jahren der Impaktor von Deep Impact schlug? Zur relativen Orientierung hilft z.B. diese Montage; dass dies Auswurfmaterial aus dem Krater sei, hat sich bereits als Irrtum herausgestellt. Auch im Deep-Impact-Team sehen sie nichts Offensichtliches. In 2 1/2 Stunden wissen wir vielleicht schon mehr: Die Pressekonferenz ist soeben für 21:30 MEZ angesetzt worden.

Na endlich: Stardust hat Tempel 1 gefunden!

27. Januar 2011

Fraglos ein ziemlich hässliches Kometenfoto – aber ein hoch willkommenes: Am 18. und 19. Januar hat die Sonde Stardust auf dem Weg zu Tempel 1 (“Nicht zuviel erwarten …”) zum ersten Mal den Kometen erwischt, aus 26 bzw. 25 Mio. km Entfernung. Der Abstand sinkt jeden Tag um 950’000 km.

Die 2009-er Post-Impakt-Wolke auf dem Jupiter, gesehen am 20. und 22. Juli und 16. August bei 2.1 µm mit der Infrared Telescope Facility der NASA (oben & unten) bzw. bei 9.7 µm mit Gemini North: Eine neue Analyse des Ereignisses kommt zu demselben Schluss wie frühere Papers (s.a. hier im 2. Absatz), dass am 19. Juli 2009 ein Asteroid “von der Größe der Titanic” und kein Komet auf die Atmosphäre des Gasriesen traf.

Das erste Erdbild der “EarthKAM” an neuem Platz auf der ISS: Die Digitalkamera auf der Raumstation, die von Schülern ferngesteuert wird, sitzt nun hinter einem besonders guten Nadir-Fenster, der Window Observational Research Facility (WORF), die erstmals benutzt werden kann. Die Aufnahme vom 17. Januar (Ausschnitt) zeigt das kanadische British Columbia, knapp nördlich von Vancouver Island.

Impact flash on Jupiter seen – but no traces detected yet

5. Juni 2010

Anthony Wesley (hochgradig prozessiertes Summenbild aus dem Video)

Jede Menge weitere Links zum neuen Einschlag auf dem Jupiter, der offenbar diesmal spurlos verlaufen ist, sowie zur Venus-Bedeckung durch den Mond im Mai, dem sich rapide entwickelnden Plasmaschweif von Komet C/2009 R1 (McNaught) und vielen anderen Himmelsevents der letzten drei Wochen in einem besonders dicken Cosmos 4 U!

Hat Anthony Wesley soeben einen Einschlagsblitz auf dem Jupiter aufgenommen?!

3. Juni 2010

Anthony Wesley (Einzelbild aus seinem Video, Morgen des 4. Juni Aussie-Zeit)

Bei jedem anderen (Amateur-)Astronomen würde man es wohl als Artefakt ad acta legen – aber es ist der Australier Anthony Wesley, der soeben meldet, er habe gegen 22:30 MESZ einen Impaktblitz auf dem Jupiter aufgezeichnet: Mehrere Sekunden sei er sichtbar gewesen und sehr hell. Eben jener Wesley war es gewesen, der im July 2009 als erster die Hinterlassenschaften eines frischen Impakts gesichtet und die Fachwelt alarmiert hatte, von ihm stammen einige der besten frühen Bilder von Jupiter ohne SEB, und ein Jupiter von ihm wurde von der NASA neben ein First-Light-Bild SOFIAs gestellt: Harren wir seiner detaillierteren Berichte vom neuen Ereignis, wenn’s denn eins war.

Offensichtliche dunkle Spuren auf der Atmosphäre hinterließ es jedenfalls nicht, ganz anders als der Fall vom letzten Jahr, der gerade auch in zwei Papers ausgiebig diskutiert wird (eins mit bodengebundenen Daten, ein Press Release und ein Artikel dazu, und eins mit Hubble-Beobachtungen, ein Press Release, noch einer, ein Artikel und noch einer sowie ein Artikel zu beiden Papers) – aber das hatten wir ja längst in ISAN 111-5 Ende Mai … NACHTRAG: In diesem Forum wird berichtet, dass der andere berühmte Jupiter-Beobachter C. Go im selben geographischen Längenbereich den Impakt zu exakt derselben Zeit ebenfalls gesehen habe! NACHTRAG 2: Er hat – hier ist sein Video! NACHTRAG 3: eine Website von Wesley, auch mit seinem Video.

Kosmische Kuriosa kompakt

1. Dezember 2009

LHC schon jetzt energiereichster Teilchenbeschleuniger der Erde! Und es gibt das erste Paper zu den Kollisionen …

Nach der flotten Inbetriebnahme und den überraschend frühen Teilchenkollisionen – über die bereits eine erste Forschungsarbeit geschrieben und eingereicht wurde! – hat der Large Hadron Collider schon wieder einen Meilenstein passiert: Am Abend des 29.11. brach er den Energierekord von 0.98 TeV pro Strahl, den das Tevatron seit 2001 gehalten hatte, und in der Nacht waren 1.18 TeV in beiden umlaufenden Protonenstrahlen erreicht. Ab kommender Woche bis zum 17. Dezember sind Kollisionen bei dieser Energie aber höherer Strahlintensität geplant, um den LHC-Forschern etwas vor der Weihnachtspause zu bieten. Und die erste “richtige” Physik wird für das erste Quartal 2010 versprochen, mit je 3.5 TeV/Strahl, und später im Jahr könnten es dann 5 und 2011 schließlich 7 TeV/Strahl werden: das (vermutete) Territorium von Higgs & Co. (CERN und STCF Releases, Ars Technica, New Scientist, Nature Blog, Tagesschau, Discovery, Spiegel, AP, BBC, Scientific American, Telegraph, Physics World, LiveScience, Cosmic Diary, Bad Astronomy und Tracker zum Rekord, Cosmic Variance zum Unterschied Energie & Leistung, Discovery zum LHC an sich und das erste Paper, auch hier erwähnt) NACHTRAG: Der Press Release zum 1. Paper dauerte länger, auch dieser Artikel …

Großes japanisches Neutrino-Experiment läuft: Bei T2K = Tokai to Kamioka “sendet” ein Synchrotron und der Kamioka-Detektor fängt die Neutrinos ein, um Oszillationseffekte unter kontrollierten Bedingungen zu beobachten. (STCF Release, Physics World, Nature Blog 24.11.2009) NACHTRAG: ein Queen Mary Press Release. Unterdessen wurde dem India-based Neutrino Observatory (INO) die Baugenehmigung in den Nilgiri-Hügeln von Tamil Nadu aus Tierschutzgründen verweigert; jetzt wird möglicherweise bei Suruliyar im selben Bundesstaat gebaut. (Nature News 24., Daily India 25.11.2009)

“Dunkle Strömung” ferner Galaxienhaufen offenbar bestätigt – Effekt eines … Paralleluniversums?

Eine neue Analyse der des kinematischen Sunyaev-Zeldovich-Effekts in der kosmischen Hintergrundstrundstrahlung durch rund 1400 röntgenselektierte Galaxienhaufen scheint zu bestätigen, dass es bis in 800 Mpc Entfernung eine Art geordnete Strömungsbewegung der Haufen mit rund 1000 km/s gibt – die im Rahmen der Standardkosmologie keinerlei Sinn macht. Das neue Paper spekuliert nicht über die Ursache dieses “Dark Flow”, aber ein kurioser Erklärungsversuch sieht dahin den Effekt eines Paralleluniversums, der sich kurz nach dem Urknall auswirkte … (Kashlinsky & al., Preprint 27.10., New Scientist 16., World of Weird Things 19., Cosmos Magazine 24., Science Blogs 25.11.2009) NACHTRAG: noch ein Artikel, mit ‘historischen’ Links zu einem früheren Kashlinsky-Paper. NACHTRAG 2: noch ein später Artikel. NACHTRAG 3: Das Paper ist erschienen, was wieder neue Artikel zur Folge hat – und sogar einen NASA Release

40’000 verschiedene “Universen” mit den Eigenschaften des einen sind in einer aufwändigen Computersimulation erzeugt worden, um ein besseres Gefühl für unsere kosmische ‘Nachbarschaft’ zu erlangen: Jede dieser Karten zeigt ein mögliches Universum, das mit den Daten kompatibel ist, und Strukturen, die in allen Karten vorkommen, sind glaubwürdiger als solche, die sich nur in wenigen Karten finden. (MPI für Astrophysik PM 27.11.2009)

Jetzt sehen sie auch noch “Bakterien” in anderen Marsmeteoriten

Ohne viel Aufhebens hat die NASA jetzt das neue Paper zum Marsmeteoriten ALH 84001 online gestellt, in dem ein Zusammenhang zwischen Magnetitkristallen und solchen irdischer Bakterien nahegelegt (aber natürlich nichts bewiesen) wird. Dazu gibt’s gleich noch ein Paper mit Mikroaufnahmen anderer Marsmeteoriten, in denen dieselben Forscher “biomorphe” Gestalten wähnen … (Papers & Bilder; JSC Release, NASA Watch, Discovery [mit ersten Magnetit-Zweifeln] 30.11., Cumbrian Sky [wundert sich über das geringe Echo], Martian Chronicles [bester Kommentar bisher] 1.12.2009) NACHTRAG (Anfang 2011): Die einzige – und negative – Reaktion auf das Magnetit-Paper scheint diese von der LPSC 2010 zu sein.

Klima-Anomalien der Erde durch geringe Trigger, starke Feedbacks in den letzten 1500 Jahren: Die Klimaabweichung im Mittelalter (hier viel wärmer, dort aber kälter) wie auch die kleine Eiszeit dürften nach einer neuen Analyse zahlreicher “Proxy”-Daten sowie Modellrechnungen auf relativ geringe Auslöser – Vulkanismus bzw. dessen Ausbleiben, etwas mehr oder weniger Sonnenleuchtkraft – zurückgegangen sein, die durch Rückkopplungen verstärkt wurden. (Mann & al., Science 326 [27.11.2009] 1256-60; BBC 26., TelePolis 27.11.2009)

Dung-Pilz soll beweisen: Mammuts und Co. nicht Opfer eines Impakts

Dass es vor rund 12’900 Jahren in Nordamerika einen kosmischen Impakt mit Folgen für Flora, Fauna und frühe Menschen gegeben hat, ist ohnehin höchst umstritten – und nun legt die Zeitentwicklung eines speziellen Pilzes, der im Dung großer Landtiere lebt, deren Aussterben schon lange vor diesem Zeitpunkt nahe. Neben dem angeblichen Impakt werden werden auch ein Habitatwandel und zumindest die bis jetzt wegen ihrer Waffen verdächtige Clovis-Kultur “entlastet”, der Grund des Aussterbens der Mammuts und 33 anderer Großtiergenera bleibt freilich unklar. Und dann ist da noch (mindestens) ein Museumsmastodon, das neuerdings auf nur 10’000 Jahre Alter datiert wird – alles reichlich verwirrend … (Gill & al., Science 326 [20.11.2009] 1100-3; Ars Techica 20.10., Univ. of Wisconsin Press Release, New York Times, New Scientist 19., Ars Technica, LA Times, Nature Blog 20., TechnoPolis 22., Sky & Tel. 23.11.2009) NACHTRAG: Auch die Indizien für einen Impakt lösen sich auf … NACHTRAG 2: … während die Ursache des Aussterbens unklar bleibt.

Spekulationen über einen Riesenimpakt bei Indien und eine Rolle der “Shiva-Struktur” beim Sauriersterben machten kürzlich – wieder einmal – die Runde, dabei ist in keinster Weise etabliert, dass es sich bei dem über 500 km großen Unterwasserbecken vor der Küste überhaupt und eine Multiring-Impaktstruktur handelt. Wenn ja, dann wäre ein 40-km-Asteroid verantwortlich gewesen; die meisten Geologen sehen das nicht, v.a. weil die Struktur ziemlich länglich ist. (Chatterjee, Abstract, Texas Tech Univ. PR 15., Space.com 18., Discovery 19., Worldwide Meteor News 20., New Scientist Blog 23.10.2009. Und gleich noch ‘ne Dino-Theorie, mit Biogiften …)

Royal Society stellt 60 bahnbrechende Papers online

Seit 1665 hat die britische Royal Society über 60’000 wissenschaftliche Arbeiten publiziert – und zur Feier ihres 350. Geburtstags nächstes Jahr hat sie jetzt 60 besonders bedeutende online zugänglich gemacht, leider nur durch ein grafisch ziemlich überfrachtetes Portal. Unter den – oft ganz kurzen – Papers auch etliche astronomische, etwa von 1715 (SoFi in England), 1769 (Venustransit), 1794 (C. Herschel findet Komet), 1805 (W. Herschel und die Bewegung der Sonne), 1850 (Beobachtungen mit dem Leviathan), 1898 (Temperatur der Korona), 1920 (SoFi 1919 & Einstein), 1970 (Schwarze Löcher) und 1991 (Sonnenflares): ganz schon viele SoFis … (“Trailblazing”-Portal, Royal Society Press Release, BBC, Nature Blog 30.11.2009)

Sah Brueghel der Ältere ein Kepler’sches Teleskop – schon um 1618? Der Niederländer hat vermutlich als erster überhaupt ein Teleskop in einem Gemälde verewigt, zwischen 1608 und 1612, das seiner simplen Bauweise nach klar ein “holländisches” bzw. Galilei’sches ist – doch in einem anderen Bild von 1617 oder 1618 ist ein viel komplexeres Gerät zu sehen, das an den Kepler’schen Typ erinnert. Der wurde zwar bereits 1611 beschrieben aber nach heutigem Wissen erst 1630 tatsächlich gebaut. Muss die Geschichte umgeschrieben werden – oder wird das Gemälde überinterpretiert? Teleskopexperten verweisen darauf, dass auch Galileische Fernrohre entsprechend dicke Okulare haben konnten. (Selvelli & Molaro, Preprint 21.7., Molaro & Selvelli, Preprint 19.8., We are all in the Gutter 28.9., arXiv Blog 2., Rudd, HASTRO 4., Scientific American 5., Twisted Physics 13., FlavorWire 20.10.2009)

Mini-Asteroid explodierte über Indonesien – viele Daten

23. Oktober 2009

indometeor

Das ist die Rauchspur, die ein Asteroid von 5 bis 10 Metern Durchmesser hinterließ, nachdem er am 8. Oktober über Indonesien explodiert war (kontrastgesteigertes Videostandbild) – mit einer Energie, die bis zu 50 Kilotonnen TNT entspricht. Nicht nur gab es Augenzeugen (es war 11:00 Uhr Ortszeit, 3:00 UTC), auch nicht weniger als 11 Infraschall-Detektoren der Comprehensive Nuclear-Test-Ban Treaty Organization registrierten den gewaltigen Airburst. Zu solchen Explosionen kommt es auf den ganzen Globus bezogen nur alle ca. 2 bis 12 Jahre, es war also schon ein ungewöhnlicher Vorgang. Erst ab 25 m Durchmesser können Asteroiden mit typischer Zusammensetzung und Geschwindigkeit bis zum Boden durchschlagen. NACHTRAG: Sky & Tel. mit Links zu mehr Seiten über derartige Airbursts. NACHTRAG 2: Nach fast 1 Woche noch einer aufgewacht … NACHTRAG 3: … und eine Reaktion in Indonesien selbst.

Hat LCROSS Wasser gefunden? Am 17. November wissen wir’s

22. Oktober 2009

plume

Auf einer Session des Annual Meeting of the Lunar Exploration Analysis Group am 17. November wird der Chefwissenschaftler von LCROSS wohl zum ersten Mal verkünden, ob der Impakt vor knapp zwei Wochen Wasserdampf freigesetzt hat oder nicht: Das erklärte er rund 30 Mondfans – darunter diesem Blogger – während einer spannenden Videokonferenz in der vergangenen Stunde, wo er schon wesentlich mehr zu bieten hatte als auf der viel kritisierten Ames-Pressekonferenz Stunden nach dem Impakt. Dieser habe ihm “data more rich than I honestly expected” beschert: Sie reichen vom Impaktblitz (durch die Hitze, die die Kompression von Centaur und Boden verursachte) voller Emissions- und Absorptionslinien über die bei mehreren Wellenlängen gesehenen Staubwolke bis zu Nahaufnahmen des frischen 28-Meter-Kraters mit zum Schluss 2 Metern Auflösung – da sei sogar strukturelles Detail zu sehen.

Versteht man inzwischen, warum die Staubwolke so unauffällig geriet? Bei Simulationsrechnungen und Experimenten im Vorfeld der Mission habe man große Unsicherheiten festgestellt, so Colaprete, da kam bei verschiedenen Monte-Carlo-Läufen schon mal ein um einen Faktor 10 unterschiedliches Ergebnis heraus. Seine Vermutung: Die Centaur wurde wie eine Blechdose zusammengepresst, die überdies auf einen “fluffy” Boden stieß, der sich ebenfalls gut komprimieren ließ – wie bei einem Stoßdämpfer. Und in einer solchen Situation, das hatten die Experimente schon vorher gezeigt, entsteht ein flacher Ejekta-Vorhang, der zu den Seiten davonsprüht. In der Tat haben LCROSS’ Kameras ein 6-8 km breite Staubwolke gesehen (Abb.: kontrastverstärktes Summenbild), die indes nicht jene 2 km hoch kam, die nötig gewesen wären, um sie von der Erde aus sehen zu können.

Aber diese “plume” ist ja nicht alles: Messungen des LAMP-Instruments auf dem LRO deuten an, dass aus dem Krater auch eine mindestens 15 km hohe Gaswolke aufgestiegen ist, mit 500-800 m/s – und die hat sich vermutlich in Spektren eines irdischen Teleskops (welches, sagte er nicht) bemerkbar gemacht! Das sei sogar vorteilhafter als wenn viel Staub hoch hinauf gestiegen sei: Ohne Staub ist das Signal/Rausch-Verhältnis der Gasspektren besser. Der LRO hat die letzten Tage den Rand des Mondes im Auge behalten, um Veränderungen der Exosphäre zu verfolgen, aber der Mond hat sich nun wieder so weit gedreht, dass bald neuerliche Blicke auf den Centaur-Krater möglich sind. Nach den ersten wissenschaftlichen Vorträgen auf der LEAG wird es detaillierte Analysen im Dezember auf dem AGU Fall Meeting und bald auch schon die ersten schriftlichen Papers geben. Und in 6 Monaten gehen alle LCROSS-Daten ans Planetary Data System: Dann kann sich jeder damit auseinandersetzen.

Warum der LCROSS-Crash so unauffällig blieb

18. Oktober 2009

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Inzwischen gibt es eine ganze Reihe Beobachtungen der Effekte, die der Einschlag der LCROSS-Centaur auf dem Mond auslöste (hier z.B. eine Bildserie der Kamera MIR1 mit der thermischen Signatur des Impaktblitzes; Auflösung 1 km/Pixel), aber insgesamt blieben sie weit hinter den geschürten Erwartungen zurück. Insbesondere blieb die Wolke aufgewirbelten Staubes extrem unauffällig und konnte erst nach einer Woche mit brutaler Bildverarbeitung sichtbar gemacht werden – doch im Nachhinein haben es viele im Projekt immer schon gewusst, dass dies ein mögliches Ergebnis sein konnte. Auf einer Planetenforscherkonferenz im März etwa hatte der Projekt-PI gegenüber Fachkollegen die großen Unsicherheiten bei der Vorhersage der Impakteffekte betont, und zuweilen wurde auch in Vorberichten auf die Unwägbarkeiten hingewiesen, wenn sich dies auch eher auf das Treffen isolierter Eisfelder und weniger die sichtbaren Effekte des Crashs bezog.

Jetzt nennt Impaktforscher E. Asphaugh das Modellieren der Vorgänge die “größte Herausforderung” überhaupt, mit der er bisher konfrontiert war. Denn die Centaur war zwar massereich aber ein Zylinder (man rechnet sonst mit kugelförmigen Impaktoren) und hohl (sonst: homogen), und die physische Beschaffenheit der permanent schattigen Zielregion kannte man auch nicht. Offenbar sind die Raketenstufe und/oder poröser Mondboden beim Aufprall wie ein Stoßdämpfer kollabiert: Wenig kinetische Energie wurde auf das Bodenmaterial übertragen, das dann nicht hoch genug geschleudert wurde, um aus irdischer Perspektive gesehen zu werden. Andererseits sollte ein breiter aber flacher Krater entstanden sein, was sich am Ende sogar als Vorteil erweisen könnte: Schließlich vermutet man Mondeis, so es denn existiert, vor allen in den obersten 70 cm des Bodens. Irgendein Nachweis von H2O oder OH nach dem Impakt steht allerdings weiter aus.

Allerlei LCROSS-Bilder und -Daten vom Impakt und Artikel von New Scientist, LA Times und Spiegel sowie Science vom 16.10.2009 S. 353 (das Asphaug-Zitat gab es bereits hier).


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