Mit ‘Jupiter’ getaggte Artikel

Die Jupitermonde sind aus Eis: die faszinierende Geschichte einer verpassten Entdeckung

23. Februar 2013

Alles war schon in den 1840er Jahren da gewesen: die Massen der Jupitermonde, die Laplace auf 10 bis 25 Prozent genau aus ihren gegenseitigen Bahnstörungen berechnet und 1803 veröffentlicht hatte, und ihre Volumina, bestimmt aus den Durchmessern, die wiederum durch wiederholte Beobachtungen gegenseitiger Bedeckungen bis zu diesem Zeitpunkt ermittelt worden waren. Jetzt hätte bloß noch einer hin zu gehen brauchen, die ersten Zahlen durch die zweiten zu dividieren, was zu der Erkenntnis geführt hätte, dass die Dichte viel näher an der von Wassereis als der von Gestein liegt – und zusammen mit den hohen Albedos der Monde wäre der Schluss ein leichter gewesen, dass sie überwiegend aus Eis bestehen.

Aber genau das ist bis 1923 nicht passiert: Von 32:45 (bzw. 30:10) bis 42:40 (bzw. 46:40) erzählt in dieser Aufzeichnung eines Vortrags von vor drei Stunden der Vatikan-Astronom Guy Consolmagno von seinen Recherchen über die aus heutiger Perspektive unfassbaren Irrwege der Forschung. Entweder wurde gar nicht dividiert oder falsch (so in einem populärwissenschaftlichen Buch), und als man endlich die Dichten richtig auflistete, wurden sie völlig falsch interpretiert. Denn die Jupitermond-Beobachter des 19. Jh. hatten sich irrtümlich überzeugt, dass die Helligkeiten der Mond dramatischen Schwankungen unterlagen, was man sich wiederum durch extrem abgeflachte und taumelnde Objekte erklärte – deren geringe Dichte dann auf Gebilde aus Staub hinzuweisen schien.

Die Fehlbeobachtung der Helligkeitsschwankungen erklärt Consolmagno mit falsch angewandter visueller Photometrie, bei der die Mondhelligkeiten mit Jupiter im Gesichtsfeld – und kleinerer Pupille – mit weiter entfernten Sternen vor dunklem Hintergrund verglichen worden seien. Und auch der Astronom, der als erster klar die Eisnatur der Jupitermonde erkannte, beging gleich wieder einen schweren Fauxpas, indem er kurzerhand die Planeten Jupiter und Saturn auch gleich zu Eiskugeln machte. Für Consolmagno steckt in dieser wenig ruhmhaften länglichen Episode der Astronomiegeschichte eine tiefe Lehre für uns alle: Wir sehen meist nur, was wir sehen wollen, und werden dadurch an fundamentalen Einsichten gehindert. So wie ein hypothetischer intelligenter Thunfisch im Ozean des Jupitermonds Europas, der erst die Größe des Kosmos erkennt, wenn das Eis zerbricht …

Xmas-Konjunktion im “Goldenen Tor der Ekliptik”

25. Dezember 2012

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Die z.B. auf deutschen, englischen und spanischen Webseiten angepriesene Konstellation heute Abend war am Standort dieses Bloggers bei stundenlang klarem Himmel – NRW-Prognose des DWD noch von 12 Uhr: “In der Nacht zum 2. Weihnachtstag gibt es bei vielen Wolken weitere schauerartige Niederschläge” … – bestens zu verfolgen: erst Jupiter und Mond noch durch dünne Wolken (unten), dann Mond, Jupiter, Aldebaran (auch hier und hier) und auch noch die ISS (Mitte) und schließlich die Konjunktion im “Goldenen Tor” (oben), bei höherer Vergrößerung sogar mit ein paar Jupitermonden.

Zum 3. Mal: Amateure sehen Impakt auf Jupiter!

11. September 2012

George Hall

Gestern um 11:35:30 UTC ist es wieder passiert: Amateurastronomen – diesmal Zeitzonen-bedingt in den USA – beobachteten und filmten den offensichtlichen Impakt eines Kleinkörpers auf den Gasplaneten Jupiter. Derartiges war bereits am 3. Juni und 20. August 2010 gelungen, wobei jedes Mal keine später erkennbaren Hinterlassenschaften des Impaktors in den Wolken zu erkennen waren – im Gegensatz zum Impakt vom 19. Juli 2009, bei dem zwar der eigentliche Einschlag nicht gesehen wurde, dafür aber eine markante Wolke (wie auch weitere 15 Jahre früher bei den Einschlägen der Fragmente von des Kometen Shoemaker-Levy 9). Von dem Ereignis des 10. September 2012 gab es zunächst einen visuellen Beobachtungsbericht aus Wisconsin (“a bright white two second long explosion just inside Jupiter’s eastern limb”), gefolgt vom obigen zeitgleichen Video-Einzelbild aus Texas: erste Artikel auch hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, teilweise mit Angaben zu Transit-Zeitpunkten der Impaktstelle. NACHTRAG: Im texanischen Video dauert der Blitz mehrere Frames lang. NACHTRAG 2: Etliche Beobachter melden nichts Verdächtiges an der Impakt-Stelle, wie 2010; weitere Artikel hier, hier (auch wider den “Jupiter schützt die Erde”-Mythos), hier und hier (glaubt den Mythos). NACHTRAG 3: Nach einem Tag schon die erste Wissenschaft: Der Impaktor war keine 10 Meter groß und verursachte lediglich einen Boliden, vergleichbar mit dem Fall vom Juni 2010. NACHTRAG 4: Auch die besten Amateurbilder zeigen – erwartungsgemäß – nichts. NACHTRAG 5: Im Original-Thread zweifelt der visuelle Beobachter neuerdings, dass das Video ‘seinen’ Blitz zeigt – oops!? Ansonsten geht aber jeder davon aus, dass es so war – und auch die Zeitpunkte passen (nach neuerlicher Analyse) gut zusammen.

Das war die Jupiter-Bedeckung durch den Mond!

15. Juli 2012

Die Jupiterbedeckung durch den Mond heute Morgen war zwar vielerorts clouded out, aber die Gemeinschaft der Sternfreunde Europas hat sie gewissermaßen als vieläugiges Wesen mehr als ausreichend im Blick gehabt: Schon in der ersten Stunde waren erste Videos und Bilder auf diversen Kanälen zu sehen – und in den folgenden neun Stunden sind es noch erheblich mehr geworden! Neben den sieben tollen Videos von Eis- und Austritt oben (in dieser Playlist gibt’s noch mehr) sind besonders die Bildseiten hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier sowie Photos aus Rhodos (ich wusste es, wir hätten da bleiben sollen …) hier, hier und hier und aus Deutschland hier, hier, hier, hier und hier zu erwähnen. Zumindest in der Nähe des Jupiter wurde der Mond in Paris, Bonn, Stuttgart, Cumbria (UK) und Namur (Belgien) erwischt sowie zuvor über dem Dandi March Memorial (Gyarah Murti, Delhi) – und inzwischen ist er schon auf halbem Weg zwischen Jupiter & Venus angekommen.

Schock für Europas Weltraum-Astronomen: ESA-Exekutive gibt Mission zum Jupiter den Vorzug

18. April 2012

Noch handelt es sich bei dem ‘geleakten’ Papier nur um die Empfehlung der Exekutive des Science & Robotic Exploration Directorate (SRE) der ESA an deren Science Programme Committee (SPC), das erst am 2. Mai endgültig entscheiden wird, aber die Richtungsvorgabe ist klar: Als erste ganz große Mission L1 des wissenschaftlichen Langzeitplans “Cosmic Vision” sollt Ihr zum Jupiter fliegen und mit JUICE (JUpiter ICy moons Explorer) insbesondere den Mond Ganymed erforschen – während sich der Röntgensatellit ATHENA (vormals IXO) und der Gravitationswellen-Detektor NGO (vormals LISA) wegen höherer Kosten und größerer technischer Hürden doch bitte bei der nächsten Runde erneut bewerben mögen. Da der SRE-Direktor u.a. auf Empfehlungen des Space Science Advisory Committee (SSAC) der ESA baute und das SPC fast immer tut, was das SSAC sagt, gilt die Auswahl von JUICE als praktisch sicher – auch wenn binnen Stunden schon eine Petition pro ATHENA ins Leben gerufen wurde.

Der ganze Auswahlprozess für L1 war schwer durcheinander geraten, nachdem vorgesehene internationale Partner aus allen drei in die Endrunde gelangten Projekten ausgestiegen waren, insbesondere die bei allen drei wesentliche NASA: Artikel vom letzten Februar (“Erste Riesenforschungsmission …”), März (“NASA zu verwirrt …”) und April hatten das schon geschildert. Im Laufe des Jahres 2011 waren dann alle drei Vorschläge in kurzer Zeit und mit großem Einsatz den neuen Umständen einer alleinigen ESA-Mission angepasst und technisch deutlich vereinfacht worden, während sie trotzdem gleichzeitig wissenschaftlich relevant blieben. Damit die Arbeit für die ‘Verlierer’ nicht umsonst war, wird ihnen von SSAC wie SRE wärmstens nahe gelegt, sich beim Call für L2 im kommenden Jahr wieder zu bewerben – wieviel Geld für diese Mission allerdings zur Verfügung stehen wird, entscheidet erst der ESA-Ministerrat Ende dieses Jahres.

Wie auch immer das SPC in zwei Wochen befindet: Gestartet werden soll L1 in zehn Jahren. Und wenn es wirklich JUICE wird, dann würde der solarbetriebene Orbiter im Januar 2030(!) in eine Jupiter-Umlaufbahn einschwenken und schließlich 2033 in einem Orbit um Ganymed enden. Ganymed? Eigentlich sollte die Mission als ESJM-Laplace gemeinsam mit der NASA durchgeführt werden, die sich dabei um den für die meisten wohl interessanteren Mond Europa gekümmert hätte, aber auch dieses Projekt war durch den Ausstieg der USA an die Wand gefahren worden. Das seither modifizierte JUICE-Konzept umfasst immerhin nun auch ein paar der Aufgaben des NASA-Teils, die allerdings überwiegend während lediglich zweier Europa-Flybys erledigt werden müssten. Nach gegenwärtiger Planung würde die ESA 830 Millionen Euro in den Orbiter investieren, während die einzelnen Mitgliedsstaaten zusätzlich etwa 241 Millionen in die Nutzlast stecken sollen – und die NASA eingeladen ist, für bis zu 68 Millionen weitere Instrumente zu liefern. Mehr zur jetzigen Vorentscheidung auch hier, hier, hier, hier und hier.

Das himmlische Abend-Trio: wie es weiter ging …

29. März 2012

… mit der Konstellation von Mond, Venus & Jupiter zeigen die Bilder des Bloggers oben vom 26. März (3 x sowie hier und hier), 27. März (alles aus Bonn-Endenich, am Astronomischen Institut; auf dem Heimweg wurde dieser pelzige Zeitgenosse erspäht) und 28. März (wieder Königswinter), eine Sammlung von mehreren Tagen (auch hier) und ausgewählte Bilder vom 27. März aus dem U.K. und den Philippinen, vom 26. März aus Deutschland (mehr, mehr und mehr), Österreich (mehr), Indien, den Philippinen, Australien und nochmal Deutschland, aber am Taghimmel (mehr), vom 25. März aus Kanada, dem UK, Deutschland (mehr), Österreich (mehr, mehr und tiefer) und vom 24. März aus Österreich. Und in Australien wurde die Venus für eine Leuchtkugel gehalten …

Planet conjunction of the year now – and another ‘Lovejoy’ approaching?

13. März 2012

Die Venus-Jupiter-Konjunktion ist jetzt am engsten (Kanaren-Video oben, darunter ein aus Zeichnungen animierter Jupiter), die Natur des SWAN-Kometen im Sonnenanflug bleibt mysteriös und die Fleckengruppe 1429 (Entwicklung unten) sorgt immer noch für Unruhe: Zu diesen und noch einigen Themen mehr jede Menge Links im neuen Cosmos 4 U!

Juno auf dem Weg zum Jupiter – alles “nominal”

5. August 2011

Juno hat die Erde verlassen: Nach dem verspäteten, dann aber Bilderbuchstart der Atlas-Centaur-Juno-Kombination – wüst weitwinklige Amateurvideos hier, hier und hier, Fotos hier, hier, hier, hier, hier und hier und Fotostrecken [NACHTRAG: hier!], hier, hier, hier und hier – hat die Centaur auch ihren zweiten Burn absolviert und Juno auf seine (oder ihre? Schließlich handelt es sich um das römische Äquivalent der Jupiter-Gattin Hera …) interplanetare Reise geschickt. Die Startmannschaft “gave us a great ride”, freute sich eine Juno-Managerin später auf einer Pressekonferenz. Auch das kritische Entfalten der Solarzellen ist exakt “nominal” verlaufen: “We are stable, we are spinning, we are power-positive!” Der Weg führt zunächst bis zur Marsbahn, dann am 9. Oktober 2013 zurück zur Erde, mit deren Schwerkraft noch einmal Schwung geholt (und die für ein paar Testbeobachtungen benutzt) wird, bis der Jupiter am 4. Juli 2016 erreicht ist. Dieser wird – ein knappes Erdjahr lang, genau zwischen zwei Sonnenkonjunktionen – auf 33 elliptischen polaren Orbits à 11 Tage umrundet, die bis auf 5000 km an die Wolken heranführen, ein Rekord.

Die acht Instrumente mit ihren 29 Sensoren werden sich um viele Aspekte des Innenlebens Jupiters kümmern, die allen anderen Jupiter-Besuchern weitgehend entgangen sind: die innere Struktur (gibt es einen ausgeprägten Kern), die Strömungen unter den sichtbaren Wolken, die grundlegende Chemie der Atmosphäre, die Funktion des starken Magnetfelds und der Polarlichter. Für die entsprechenden Instrumente ideal – und auch leichter als 3-Achs-Stabilisierung zu realisieren – wird Juno dreimal pro Minute rotieren, so dass sie permanent durch den Raum geschwenkt werden. Nur “zum Spaß” ist auch eine simple optische Kamera – geborgt aus dem Marsprogramm – dabei, deren Daten roh und sofort der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden: mit dem expliziten Auftrag, sich um die Bildverarbeitung zu kümmern! Direkte Beiträge zum Forschungsprogramm Junos, das tiefschürfenden Fragen über den Ursprung des Planetensystems (von dem der Jupiter massenmäßig nach der Sonne das meiste abbekommen hat) nachgeht, leisten diese Bilder nicht, und die Kamera ist auch nur für die Strahlenbelastung von 7 Orbits ausgelegt.

Aber von der JunoCam werden die ersten unverzerrten Bilder der Pole Jupiters erwartet, was Planeten-Meteorologen durchaus interessieren wird: Beim Saturn gab es da eine Menge zu sehen. Die andere Besonderheit Junos ist die Stromversorgung: Zum ersten Mal ist eine Raumsonde im äußeren Sonnensystem ohne Nuklearbatterien unterwegs und wird alleine von 3 Solarzellen à 2 x 9 Metern – Spannweite: 20 Meter! – versorgt. Dank technischen Fortschritten können sie selbst am Jupiter mit nur 1/25 der Sonnenstrahlung der Erde noch 400 Watt zur Verfügung stellen. Nicht neu ist dagegen das Ende Junos: Eine Verlängerung der 1.107-Mrd.$-Mission (das Budget wurde eingehalten!) ist nicht vorgesehen, stattdessen wird der Orbiter am Schluss – so lange er noch sicher unter Kontrolle ist – am 16. Oktober 2017 in den Jupiter gelenkt, damit er nicht irgendwann auf Europa prallt. Auch sein Vorgänger Galileo wurde entsprechend entsorgt. JPL, NASA Releases, Bolden Statement, NASA Spaceflight, Planetary Society Blog, Physics World, Wired, Space.com, Scientific American, Spiegel und Tagesschau – mehr Links beim Artikel im Cosmic Mirror #343!

Juno schon mal im Erdorbit angekommen!

5. August 2011

Derzeit kreist der Jupiterorbiter Juno auf seiner Centaur-Oberstufe noch um die Erde, aber von 19:06 bis 19:15 wird der Motor ein zweites Mal brennen und das Duo aus dem Orbit in die Tiefen des Planetensystems kicken. Hier 11 Screenshots aus dem NASA TV (live und Replays). Der Start hatte sich durch kleinere aber hartnäckige technische Probleme sowie Boote, die in die Verbotszone eingedrungen waren, immer wieder verschoben, von 17:34 auf schließlich 18:25 MESZ: eine aktualisierte Timeline. Zu sehen sind der Start der Atlas V 551, der Abwurf von Boostern und Nutzlastverkleidung und die Trennung der Centaur von der ersten Stufe. Einen ausführlichen Bericht gibt’s, wenn Juno die Erde endgültig hinter sich gelassen hat; im Cosmic Mirror #343 gibt’s aber Links zu zahlreichen Artikeln.

Nachrichten aus der Astronomie kompakt

18. Juli 2011

Ein aktuelles ISS-Astronauten-Foto der Shoemaker-Impaktstruktur (früher Teague-Struktur) in Westaustralien, die vermutlich 1.6 Milliarden Jahre alt und immer noch ganz gut zu erkennen ist; Durchmesser etwa 30 km.

Atmosphärenforschung … mit Totalen Mondfinsternissen?

Gleich zwei Papers haben sich vergangenen Monat mit der Analyse des Lichts beschäftigt, das bei Totalen Mondfinsternissen im Kernschatten der Erde landet: überwiegend hinein gebrochen von der Linsenwirkung der Atmosphäre aber u.U. auch gestreut von Partikeln, die darin schweben. Letzteres ist nach Spektren der MoFi vom 16.8.2008 aus La Palma überraschend stark der Fall gewesen: Hier könnte der Ausbruch des Vulkans Kasatochi eine Rolle gespielt haben, dessen Aerosole diffuses Sonnenlicht in die Umbra streuten, das bei Wellenlängen < 600 nm sogar dominierte und die Farbe der Umbra insgesamt beeinflusste. Und aus dunklen Anomalien in der Umbra der MoFi vom 15.6.2011, die in Russland fotometriert wurden, soll sich – nunmehr allein durch Dreck im Lichtweg bei der atmosphärischen Lichtbrechung – auf besonders starke Luftverschmutzung über dem Osten Chinas schließen lassen. Eindeutig ist das aber nicht … (Muñoz & al., Preprint 15., Ugolnikov & al., Preprint 30.6., Sky & Tel. 15.7.2011)

Laser-Leitstern-Tests für die ESO … an einer bayerischen Volkssternwarte! Ein neues kompaktes Lasersystem, mit dem künstliche Sterne für neue Adaptive Optik am Very Large Telescope und sogar E-ELT erzeugt werden sollen, wird derzeit an der VSW in Ottobeuren getestet, wo der 20-Watt-Laser auf einem 60-cm-Teleskop sitzt: Dessen CCD-Kamera beurteilt dann die Qualität der “Sterne”. (ESO Announcement 22.6., AVSO Monatsübersicht Juni/Juli 2011)

Der erste Nachweis seismischer Wellen im Planeten Jupiter

scheint vor über sechs Jahren mit dem “Fourier-Tachometer” SYMPA auf Teneriffa gelungen zu sein, aber erst jetzt hat man sich getraut, ein Paper einzureichen – zu oft war der Versuch in den Jahrzehnten davor gescheitert, vor allem weil der Planet so rasend schnell rotiert. Doch die Radialgeschwindigkeitsmessungen deuten nun auf klare globale Schwingungsmoden des Jupiter hin, zwischen 0.8 und 2.1 mHz und mit der maximalen Amplitude bei 1.2 mHz. Alle Eigenschaften der globalen Moden passen bislang genau zu den theoretischen Erwartungen; bei den Jupiter-Oppositionen 2012/13 soll ein verbessertes SYMPA tiefschürfendere Einsichten in sein Innenleben liefern – und auch bei den anderen Gasplaneten sollte es funktionieren. (Gaulme & al., Preprint 19.6.2011. Und UA News 29.6., Nature News 7., Sky & Tel. 11.7.2011 zur Neubestimmung der Neptun-Rotation anhand alter Hubble-Bilder)

Magnetosonische Wellen in der Sonnenkorona direkt abgebildet haben die AIA-Kameras auf dem Solar Dynamics Observatory: als bogenförmige Wellenzüge mit 1-5 Prozent Intesitätsvariationen und ~200 Sekunden Lebensdauer: Sie entstehen am Ort von Sonnenflares und bewegen sich mit einer Phasengeschwindigkeit von rund 2200 km/s bis zu 400’000 km weit. Danach landet ihre Energie wohl in der Heizung der Korona, zu der sie aber, da sie ausschließlich im Zusammenhang mit Flares auftreten, keinen bedeutenden Beitrag leisten können. (Liu & al., Preprint, Astronomy Now 16., Lockheed Martin Press Release 15.6.2011)

Enormer Neutronenstern-Ausbruch: 10’000x röntgenheller

wurde IGR J18410-0535 vier Stunden lang, während Teile eines Materieklumpens, den ein Überriesen-Begleitstern abgesondert hatte, auf ihn stürzte und Millionen Grad Temperatur erreichten – dabei sollte XMM-Newton das “supergiant fast X-ray transient”-System eigentlich im Ruhezustand untersuchen. Ohne den 10 km großen Neutronenstern im Weg wäre die Gaswolke wohl sang und klanglos davon geflogen.(Bozzo & al., Preprint 30.6.2011; ESA Release 28., Sky & Tel. 30.6.2011. Auch Manchester & Hobbs, Preprint 26.6.2011, mit dem größten je beobachteten Glitch eines Pulsars und ein NASA Release 29.6.2011 zu einem anderen kuriosen Doppelsystem, das ‘auf Bestellung’ einen Doppel-Gamma-Flare erzeugte)

Ein neuer Fall von einem Gamma-ray Burst mit Supernova dazu ist GRB 091127 / SN 2009 nz – das Spektrum der Supernova ist zwar ziemlich verrauscht, ähnelt aber dem anderer Supernovae, die mit GRBs zusammen hängen: Auch sie ist wieder vom Typ Ic. Damit war ein kosmologischer GRB (Rotverschiebung 0.49) das Ergebnis der Explosion eines massereichen Sterns, die als solche keine ungewöhnliche Energie besaß. (Berger & al., Preprint 15., astrobites 27.6.2011. Und Reid & al., Preprint 18., Physics World 28.6., New Scientist 2.7.2011 zu einer trigonometrischen Entfernungs- und damit neuen Massenbestimmung von Cygnus X-1)

Kosmische Erkenntnisse aus Daten von Pioneer 10 und 11

lassen sich auch nach 40 Jahren noch gewinnen, denn die ersten beiden Raumsonden, die in die Tiefen des Sonnensystems geschickt wurden, waren mit sehr guten Imaging Polarimetern ausgestattet, die die Helligkeit des Himmels rund um die Sonden maßen: Aus diesen Daten wurde nun – anhand von Katalogen – das Licht aller Sterne der Milchstraße abgezogen bzw. wegmodelliert, und es bleibt immer noch etwas übrig. Für dieses Restlicht sorgt zum einen Staub in der Milchstraße, der Sternlicht diffus streut (bekannt durch seine IR-Emission; die Verteilung korreliert mit dieser Pioneer-Komponente), und zum anderen die Gesamtheit aller Galaxien, deren integriertes Licht man berechnen kann. Mehr ist nicht: Andere Populationen wie ‘erste Sterne’ können ausgeschlossen werden. (Matsuoka & al., Preprint 9.7.2011)

Extrem harte Gamma-Strahlung aus dem Kugelsternhaufen Terzan 5 gibt ein Rätsel auf: Sie wurde – von den H.E.S.S.-Cherenkov-Teleskopen in Namibia – zum ersten Mal überhaupt bei einem Kugelhaufen gesehen und kommt aus einer länglichen Quelle, die nicht mit dem Haufenzentrum zusammen fällt! Die Wahrscheinlichkeit, dass HESS J1747-248 und Terzan 5 einander nur zufällig so nahe sind, beträgt nur 1:10’000: Die Tatsache, dass in gerade diesem Haufen mehr Millisekunden-Pulsare als irgendwo sonst bekannt sind, hat wohl etwas zu bedeuten – aber einen plausiblen Mechanismus für die H.E.S.S.-Strahlung sehen deren Entdecker erst einmal nicht … (H.E.S.S. Collab., Preprint 24., MPK Press Release 22.6.2011)

Bei z~6-8: Zentralmaschinen & Galaxien wuchsen parallel

Kein Röntgenteleskop kann die Emission der zentralen Maschinen, mutmaßlich Supermassive Schwarze Löcher, von Galaxien mit extremen Rotverschiebungen individuell wahrnehmen – aber man kann ja Röntgenbilder von hunderten Galaxien aufaddieren, deren Positionen man aus optischen Aufnahmen kennt. So geschehen mit Chandra-Aufnahmen von 197 Galaxien – macht eine Gesamtbelichtungszeit von 23 Jahren! – mit Rotverschiebungen um 6, und tatsächlich taucht dann ein signifikantes Röntgensignal auf, zu dem jede einzelne Galaxie weniger als 5 Photonen beiträgt. Aus dem Signal schließen seine Nachweiser, dass sich die Supermassiven SL und Galaxien die gesamte kosmische Geschichte hindurch parallel entwickelt haben, wobei erstere aber anfangs in kalten Gaswolken verborgen blieben und auch wenig zur Reionisation des Alls beitragen konnten. (Treister & al., Nature 474 [16.6.2011] 356-8, Vikhlinin, ibid. 293-4; Yale, Rutgers, Hawaii Press Releases 15., DLF, Spiegel 16.6.2011)

Auch Galaxien im fernen Kosmos können “wach” sein oder “schlafen”, d.h. – genau wie man es in unserer Nachbarschaft kennt – entweder aktiv Sterne bilden oder nicht: Mindestens 85% der kosmischen Geschichte gab es diese Zweiteilung. Damals war der Anteil der sternbildenden (und dadurch blauer erscheinenden) Galaxien höher als heute, und es gibt so gut wie keine Übergangsformen: DIe Sternentstehung kommt offenbar ziemlich plötzlich zum Erliegen bzw. sackt auf 1/50 ab. (Yale Release 20.6.2011. Auch ein JPL Release 30.6.2011 zum stetigen Wachstum von Galaxien im frühen Kosmos – Verschmelzungen spielten gemäß Spitzer-Beobachtungen keine dominante Rolle)


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