Mit ‘lro’ getaggte Artikel

Knapp 40 Jahre nach der letzten Mondlandung …

6. Dezember 2012

… von Apollo 17 – Start am 7., Landung am 11., Rückstart am 14.12.1972 – erinnerte die NASA heute auf einer ziemlich unorganisierten Pressekonferenz im Morgengrauen an den wissenschaftlichen Output des primär ganz anders motivierten Apollo-Programms:

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Dies z.B. – so H. Schmitt – waren allein die Erkenntnisse, die sich aus der Apollo-11-Mission gewinnen ließen, auch wenn es danach keine Landungen mehr gegeben hätte.

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Auch gezeigt wurden gerade erst rekonstruierte und erstmals digitalisierte Daten der Dust, Thermal, & Radiation Engineering Measurements Packages, die den Output mehrerer Solarzellen mit der Zeit maßen – u.a. machten sich die Degradation der Zellen durch den Riesen-Sonnensturm von 1972 und Mondfinsternisse bemerkbar. [NACHTRAG: ein späterer NASA Release zur Daten-Rekonstruktion, unabhängig von der PK.]

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Und der Lunar Reconnaissance Orbiter durfte am Rande auch mitspielen, hier mit Topografie-Daten des Vulkan-Komplexes Compton-Belkovich, der sich als kollabierte Caldera nach dem Aufstieg einer Magmablase aus der Tiefe erweist, gefolgt von weiteren komplexen Prozessen. Zum ‘big picture’ des Mondes trug dieses unzusammenhängene Event weniger bei als die gestrige GRAIL-Präsentation, und irgendwelche Press Releases dazu gab es auch nicht …

Am 21. Februar war Sonnenfinsternis – für’s SDO

23. Februar 2012

Aus der Sicht des Solar Dynamics Observatory kam es beim letzten Neumond zu einer partiellen Sonnenfinsternis, oben in vielen Farben des AIA-Instruments animiert, darunter in Schwarzweiß vom HMI: mehr zu dem – keineswegs seltenen – Kuriosum hier, hier, hier, hier und hier. Und unten das besonders schnelle Wachstum einer Sonnenfleckengruppe vom 9.-11. Februar, ebenfalls vom HMI “gefilmt”.

Wechselspiel von Wasser und Eis in der MacKenzie Bay in der Antarktis, am 12. Februar gesehen vom Advanced Land Imager (ALI) auf dem Satelliten Earth Observing-1 (EO-1) der NASA – und als Kontrastprogramm eine globale Karte der Baum-Höhen aus Daten einer ganzen Reihe von Satelliten.

Eine neue Mond-Karte von Chinas Chang’e 2 im Vergleich mit derjenigen der Weitwinkelkamera des Lunar Reconnaissance Orbiter (unten) durch Phil Stooke: Sie scheint tatsächlich schärfer zu sein, auch wenn die andere Beleuchtung den direkten Vergleich erschwert – westliche Experten sind beeindruckt und sehen eine echte Ergänzung zum LRO. (Von den behaupteten 7 Metern Auflösung, die für eine Gesamtkarte des Mondes ein Rekord wären, kann in den bisher aufgetauchten Versionen allerdings keine Rede sein.) Vom LRO gibt’s derweil Hinweise auf ein Aufquellen des Mondes an einigen Stellen (Gräben sind aufgerissen), während er anderswo schrumpft: mehr dazu hier, hier, hier, hier und hier. Und es ist mal wieder eine Mondfälschung aufgeflogen: statt Gebäuden bei Chang’e 2 ein manipuliertes uraltes Lunar-Orbiter-Bild …

Sonnenaufgang auf Vesta am 18.12.2011, von Dawn aus dem Low Altitude Mapping Orbit aus 200 km Höhe gesehen: Feinstes topographisches Detail wie eine Kraterkette tritt hervor. Die ganzen Bilder vom Anflug auf Vesta sind kürzlich alle frei verfügbar geworden, und Fans haben schon die ersten Filme in schwarz-weiß und in Farbe produziert!

Saturnmond Rhea vor Saturnmond Titan am 10.12.2011 von Cassini aufgenommen, aus 1.3 bzw. 2 Mio. km Entfernung. Über Cassinis Titanbeobachtungen sind gerade wieder jede Menge neue Papers erschienen, die sich v.a. mit zeitlichen Veränderungen befassen. Und ein weiteres Paper glaubt, das Äquatorgebirge von Iapetus erklären zu können.

Nachrichten vom und zum Mond kompakt

2. Februar 2012

First Light für die MoonKAMS auf den neuen Mondorbitern des GRAIL-Projekts der NASA, die am 31.12. und 1.1. problemlos in ihren vorläufigen Mondumlaufbahnen ankamen und inzwischen Ebb und Flow heißen: Hier hat die MoonKAM auf Ebb erste Impressionen der Mondrückseite eingefangen. Und zwar gleich ein ganzes Video [NACHTRAG: eine andere Version, vom Hersteller der Kamera]:

Noch sind Ebb und Flow damit beschäftigt, ihre endgültigen Orbits einzunehmen, damit – voraussichtlich um den 8. März – mit der präzisen Vermessung des Mondschwerefelds begonnen werden kann (siehe ISAN 144-4). Und kurz vor dem Erreichen des Mondes wurde überraschend auch bekannt, dass über den Juni hinaus eine Missionsverlängerung bis Jahresende angestrebt werden soll – falls es mit trickreichen Manövern gelingt, eine partielle MoFi zu überstehen!

Die beste topografische Karte des Mondes “Global Lunar DTM 100″ ist von den Kameraleuten des Lunar Reconnaissance Orbiter in Deutschland und in Arizona aus 70’000 Aufnahmen der Weitwinkelkamera WAC durch Stereoanalyse erstellt worden: Alle 100 Meter gibt es eine Höhenangabe.

Der Dynamo im Mondinneren war verblüffend lange in Aktion

und hat noch vor 3.7 Mrd. Jahren dafür gesorgt, dass das Mare-Basaltstück 10020 einem starken Magnetfeld ausgesetzt war, hat jetzt eine Untersuchung desselben gezeigt – und da andere Gesteinsproben auf einen Dynamo bereits vor 4.2 Mrd. Jahren hinweisen, muss er mindestens 500 Mio. Jahre lang “gelaufen” sein. Die Abkühlung des Mondinneren als Motor kann das keineswegs bewirkt haben, da sie viel schneller abgelaufen sein muss – aber auch andere Mechanismen für einen langlebigeren Monddynamo, die letztes Jahr vorgeschagen wurden (kontinuierliches Umrühren durch Wechselwirkung mit der Erde oder durch gelegentliche Impakte) reichen vermutlich nicht. Da hat also ein am 20. Juli 1969 während der ersten bemannten Mondlandung aufgelesener Stein nach 43 Jahren die Mondforschung in Aufruhr versetzt – wer braucht da noch eine republikanische Mondbasis … (Shea & al., Science 335 [27.1.2012] 453-6, Dwyer & al. und Le Bars & al., Nature 479 [10.11.2011] 212-8, Jault, ibid. 183-4; Universe Today 30., Welt der Physik 27., Space.com 26.1.2012; UCSC Release, New Scientist, BdW 9., Sky & Tel. 10.11.2011. Und SwRI Release 13.1.2012 zu LRO-Daten von LAMP, die für besonders haltbares Wassereis in kalten Kratern sprechen)

Bemühungen zum Schutz historischer Stätten & Relikte auf dem Mond nehmen Fahrt auf, je näher die ersten unbemannten Mondlandungen – auch privater Gruppen – rücken: Rechtlich bindend sind die No-Go-Zonen rund um Apollo 11 und Co. allerdings nicht, da nach internationalem Recht die USA kein noch so kleines Gebiet auf dem Mond für sich beanspruchen können. Auch wenn die Hardware – bis hin zu zurück gelassenen Mülltüten – Eigentum der USA bleibt. (New York Times 9.1.2012. Auch New Scientist 13.12.2011, New York Times 21., Spiegel 22.1.2012 [NACHTRAG: und BBC 20.2.2012] zur Suche nach verbummeltem Mond-Gestein und anderen außerirdischen Proben)

Chandrayaan-2 hat ein Massenproblem bei der Nutzlast

Die stammt zwar diesmal – im Gegensatz zu Chandrayaan-1 – nur aus Indien und hat keine ausländischen Zugaben mehr, aber die Planer tun sich nun schwer, die 5 Instrumente auf dem Orbiter und 2 auf dem Rover leicht genug hin zu bekommen. Auch ist der Starttermin unklar: Eigentlich sollte es 2013 los gehen, aber die Probleme mit der großen Rakete GSLV werden wohl zu einer Verschiebung um etwa ein Jahr führen. (DNA India 27.12.2011. Auch Prakasam & al., Current Science 102 [10.1.2012] 105-9 zu Messungen seismischer Effekte beim Start von Chandrayaan 1. Und Spaceflight Now 9.1.2012 zu den chinesischen Absichten, Chang’e 3 weiterhin 2013 zu starten) NACHTRAG: Weitere Verzögerungen von Chandrayaan 2 scheint die Krise der russischen Planetenforschung zu bewirken: Start nicht vor 2016?

Vollmond-Perseiden auch sonst eher schwach

13. August 2011

Der volle Mond störte die visuelle Beobachtung der Perseiden 2011 gewaltig, die heute Morgen UTC ihr Maximum erreichen sollten: In der wissenschaftlichen Analyse ist die deutlich reduzierte Grenzgröße und Meteorzahl natürlich heraus korrigiert. Trotzdem scheint der Peak (Stand: 22:30 MESZ, aufgrund von knapp 5000 Meteoren) nur etwa eine Zenitstundenrate von schlappen 60 (oder in kürzeren Intervallen 80) erreicht zu haben, kein Vergleich zu 2010 mit ZHRmax um 90 oder gar 2009 mit 170 und gleich drei Maxima. Mit dem Einlaufen weiterer amerikanischer Beobachtungsreihen mag sich das Bild noch verändern; zur Illustration hier schon mal ein Allsky-Bild einer NASA-Videokamera aus Tennessee, ein kurioses freihändiges Bildverstärker-Video aus Japan und ein Perseid über Hawaii, eingefangen von einer Webcam des CFHT. Auch schön: hunderte Perseiden aus mehr als einer Woche aufaddiert, ein Bild von heute aus China, eine Video-Standbild-Diaschau von gestern und diverse Allsky-Bilder vom 9./10. August.

Der Ätna qualmt sich eins auf dieser Aufnahme des Satelliten Terra von gestern morgen – die Aktivität des sizilianischen Vulkans dauert schon mehrere Wochen an.

Ein ziemlich frischer Impaktkrater im Oceanus Procellarum ist vom LRO entdeckt worden, in der Nähe von Reiner Gamma: Die erstarrte Impaktschmelze bildet einen regelrechten ‘See’. Unten das Ejekta-Feld.

Das erste Ziel von Opportunity nach Erreichen des großen Endeavour ist der Minikrater Odyssey auf dem Cape York an Endeavours Rand, hier am 9. August aufgenommen. NACHTRAG: Heute wurde der Rand Odysseys erreicht … NACHTRAG 2: … um den nun im Gegenuhrzeigersinn herum gefahren wird, an zahlreichen Steinen vorbei … NACHTRAG 3: … die es hier in bunt und in 3D zu sehen gibt.

Allerlei Nachrichten vom Mond kompakt

30. Juni 2011

Der Zentralberg des Kraters Tycho vom LRO am 10. Juni im Schrägblick – um 65° – im Morgenlicht aufgenommen.

192 TB des Lunar Reconnaissance Orbiter abgeheftet

Die Primärmission des LRO – im Auftrag der NASA-Abteilung für bemannte Raumfahrt – ist nun formell abgeschlossen: Die dabei gesammelten mehr als 192 Terabyte Monddaten, die natürlich auch jenseits der einstweilen gestrichenen neuen bemannten Aktivitäten einen Wert haben, wurden nun in das Planetary Data System eingespielt und sind damit frei verfügbar. Die große Nähe des Mondes – verglichen mit allen anderen Körpern des Sonnensystems – ermöglicht die enormen Downloads. Bereits letzten Herbst war das Kommando des LRO an die Wissenschafts-Abteilung übergeben worden, die den Mondorbiter zunächst bis September 2012 betreiben darf, zzgl. 6 Monaten Auswertung, sich aber um mindestens eine weitere zweijährige Verlängerung bemühen wird. Im gegenwärtigen nur 50 km hohen Orbit wird man allerdings nur bis Ende dieses Jahres bleiben: Hier muss zu oft die Bahn korrigiert werden, um nicht abzustürzen. Für den Rest der Mission soll ein inhärent stabiler elliptischer Orbit eingenommen werden, mit dem nächsten Punkt über dem Südpol: Das kann im Prinzip noch 6 bis 8 Jahre beibehalten werden. (NASA Press Release, Visuals & Transkript einer PK 21.6.2011)

Levitierter Staub auf dem Mond alles nur Messfehler? Astronauten wie unbemannte Lander sahen etwas diffus Leuchtendes über der Mondoberfläche, und das Apollo-Experiment LEAM schien auch allerlei Impakte elektrostatisch levitierter Staubteilchen zu registrieren – aber jetzt behauptet eine Neuanalyse der alten Daten, das seien alles nur elektrische Störsignale gewesen, verursacht von anderen Oberflächen-Experimenten in 7 m Entfernung. Kann nicht sein, schimpfen die LEAM-Forscher – vielleicht gelingt ja dem NASA-Orbiter LADEE 2013 aus dem Orbit eine eindeutige Antwort. (Science 24.6.2011 S. 1439. Und ein ESA Release 31.5.2011 zum vorgeschlagenen Euro-Mondlander von 2018, der sich mit der ‘Umwelt’ der Mondoberfläche und natürlich auch der Staubsituation befassen würde)

Chinas zweiter Orbiter Chang’e 2 hat den Mond verlassen

und bewegt sich seit dem 9. Juni Richtung des Lagrangepunkts L2 des Erde-Sonne-Systems, den er nach ca. 85 Tagen 1.5 Mio. km in Antisolar-Richtung von der Erde entfernt erreichen soll: Damit hat sich China für die riskanteste mehrerer Möglichkeiten entschieden, die aber als Testlauf für Operationen tiefer im Sonnensystem (sprich: am Mars) verstanden werden kann. Beobachter hatten eher mit einer viel einfacheren Reise zum L2 des Erde-Mond-Systems (“Chang’e verlässt …”) gerechnet. Vor dem Aufbruch war Chang’e 2 – dessen Primärmission (“Wieder ein chinesischer …”) am 1. April beendet war – noch einmal bis auf 15 km hinunter gegangen, um erneut den Sinus Iridum unter die Lupe zu nehmen, wo “um 2012″ Chang’e 3 landen soll, und hatte erneut die beiden Polregionen aufgenommen. Die jetzige Missionsphase ist riskanter, da Chang’e 2 – so ein Projektmitarbeiter – für Operationen jenseits des Mondorbits eigentlich gar nicht ausgelegt ist. (Xinhua 9., China Daily 10., AW&ST 13., Space.com 15., Planetary Society Blog 16.6.2011. Indiens nächster Orbiter Chandrayaan 2 muß derweil etwas länger warten und abgespeckt werden, weil er sicherheitshalber nur eine normale GSLV-Rakete – die man für prinzipiell sicher hält – und keine Mk-III bekommen wird)

Die Artemis-Sonden erreichen die Mond-Umlaufbahn: Zwei der fünf THEMIS-Erdorbiter waren bekanntlich – da sie durch lange Schattenphasen eh’ zerstört worden wären – auf verschlungenen und störungsanfälligen aber auch enorm Treibstoff sparenden Wegen Richtung Mond geschickt worden (siehe ISAN 123-8). Zunächst hielten sie sich eine Weile quasi “hinter” dem Mond auf, wo sie einem “veritablen Zoo von Plasma-Phänomenen” begegneten, aber jetzt werden sie tatsächlich zu Orbitern: ARTEMIS P1 am 27. Juni und P2 am 17. Juli. (NASA Feature 23., NASA Release 28.6.2011) NACHTRAG: ein Berkeley Release 13.7.2011.

Auch Dreck vom Mond gehört den Vereinigten Staaten …

Jedenfalls wenn er bei einer der Apollo-Mondlandungen an etwas haften blieb, das dann zur Erde zurückkehrte: Das ist die dezidierte Meinung des amerikanischen Gesetzgebers, und die hat sie nun wieder einmal durchgesetzt. Ein Fotograf hatte beim Öffnen einer der Kameras, die bei Apollo 11 auf der Mondoberfläche waren, etwas Mondstaub vorgefunden, der dort nicht hingehörte und den Film zu zerkratzen drohte: Unter anderem mit einem Streifen Klebeband entfernte er ihn. Diesen Streifen klebte er später auf eine Tafel mit Erinnerungsfotos, die ihm die Astronauen geschenkt hatten, und – so sagt er heute – niemand hatte was dagegen. 2001 verkaufte er die Tafel für 25’000$ an einen deutschen Händler für Weltraum-Memorabilia (ohne dass es Probleme gab): Der löste das Klebeband mit dem Mondstaub ab, schnitt es in kleinere Schnipsel und verkaufte diese. Eines dieser Stücke – mit so wenig Mondstaub dran, dass man ihn kaum sieht – gelangte (wie genau, ist ungeklärt) in den Besitz eines Amerikaners, der nun verstorben ist, woraufhin seine Witze das Objekt zur Versteigerung gab.

Der Auktionator wusste, dass das US-Gesetz keinen Privatbesitz an Apollo-Steinen erlaubt, dachte sich bei dem Staub aber nichts weiter. Das Justizministerium schon: Es verlangte unmißverständlich nach dem Schnipsel, hat ihn nun wieder (weder Auktionshaus noch Witwe leisteten Widerstand) und feiert den großen Fang in einer dramatischen Presseerklärung, in der der NASA-Fotograf als Verbrecher und die gefügige Witwe als Heldin mitspielen: Das “amerikanische Volk” (O-Ton) habe sein Eigentum zurück. Das einzige Argument für die erbarmungslose Jagd auf mikroskopische Partikel ist wohl ein “Wehret den Anfängen”, so ein US-Experte für Weltraum-Sammelstücke: Bei welcher Größe der Mondprobe sollte man sonst die Grenze ziehen? Legal Mondmaterial besitzen kann man – auch als Amerikaner – gleichwohl: Teile der Proben von den Luna-Landern der Sowjetunion sind seit Jahren auf dem Markt, eindeutig dem Mond zugeschriebene Meteoriten ebenfalls. (Dept. of Justice PR, CBS, AP, New York Times 23., Space.com, Discovery, TIME 24.6.2011; Diskussion & Hintergründe. Und KHOU 28.6.2011 zu einem verschollenen und LA Times Blog 20., Space.com 26.5.2011 zu einem mutmaßlichen geklauten Apollo-Stein) NACHTRAG: Jetzt soll auch noch ein Apollo-14-Astronaut eine Mond-Kamera geklaut haben …

NASA steigt aus LISA, IXO aus – ESA allein gelassen

7. April 2011

Noch sind die Quellen allein Blog-Stories, die auf einem internen Rundschreiben und einzelnen Interviews basieren, aber das Bild ist eindeutig: Die NASA hat alle Arbeit an den großen Weltraumastronomie-Projekten LISA (Gravitationswellen-Nachweis durch mehrere Satelliten) und IXO (großes Röntgenobservatorium) abgebrochen. Beide gehören auch zu den 3 Finalisten für das erste Großprojekt der Cosmic Vision der ESA (“Erste Riesenforschungsmission …”); der dritte wäre eine Mission zum Jupiter ebenfalls mit der NASA zusammen. Angesichts der Unwägbarkeiten der NASA-Politik war die ESA-Auswahl bereits verschoben worden (“NASA zu verwirrt …”): Da nunmehr allen drei Kandidaten der NASA-Beitrag abhanden gekommen ist, wird diesseits des Atlantuik ein gewaltiges Umdenken nötig, die bisherigen Missionskonzepte sind allesamt Geschichte und müssen deutlich vereinfacht werden. Und jenseits des Teichs? Dort werden die Karten erst recht neu gemischt werden müssen (womöglich mit gleich einer neuen Decadal Review für die Astrophysik) – und schon munkeln manche, das viel zu teuer geratene JWST könnte doch noch dran glauben müssen … Cat Dynamics, Cosmic Variance 6., BBC Blog, Living LIGO, Nature Blog [NACHTRAG: mit einem Update vom 11.4.] 7.4.2011. NACHTRAG: ein offizielles Wort zu LISA. NACHTRAG 2: ein Statement des AEI Hannover zum Weiterleben von LISA … NACHTRAG 3: … und ein Statement der NASA (in einem Update vom 13.4.)

Nur ein gemeinsamer Marsrover von ESA & NASA 2018

Auch das gemeinsame Marsprogramm von ESA und NASA (“Grünes Licht …”) wird abspecken müssen: Eigentlich sollten 2018 gemeinsam ein ESA- und ein NASA-Rover starten, der erste zu intensiven astrobiologischen Forschungen, der andere zum Probensammeln für einen Transport irgendwann zur Erde, aber beide (ExoMars bzw. MAX-C) werden nun zu einem Fahrzeug vereinigt, größer als die beiden gewesen wären. Viele Details müssen noch ausgehandelt werden, aber der Rover wird vermutlich in Europa gebaut und mit europäischen und amerikanischen Instrumenten bestückt, und die USA sorgen auch für Verpackung und Start – und die Landung, mit genau derselben Skycrane-Technik, die erstmals beim MSL (s.u.) zum Einsatz kommt: Deren exakte Wiederverwendung soll entscheidend zum Geldsparen beitragen. (BBC 7.4.2011) NACHTRAG: Die ESA soll sich Ende Mai entscheiden, ob das was wird.

Erste Spektren des deutschen GREAT-Instruments auf der fliegenden Sternwarte SOFIA, aus der Sternentstehungsregion M17SW im Terahertz-Bereich, die beim ersten Wissenschaftsflug in der Nacht 5./6. April aufgenommen wurden, auch die Galaxie IC342 war beobachtet worden. Auf dem Jungfern-Flug wurden mit GREAT die stärksten Emissionslinien beobachtet, über die eine Kühlung des interstellaren Mediums erfolgt: Pressemitteilungen von MPG, MPIfR und DLR und den Universitäten Stuttgart und Köln und NASA und USRA Press Releases 7.4.2011.

Soyuz TMA-21 im Anflug auf die ISS heute morgen, knapp 49 Stunden nach dem Start und 10 Minuten zu früh: Man sah die Chance, schneller zum Ziel zu kommen und dabei etwas Sprit zu sparen und nutzte sie. Und nun? Die ‘Abschaltung’ der US-Regierung ist immer noch nicht abgewendet und hätte z.B. gravierende Folgen am KSC für die Vorbereitung von STS-134, z.Z. für den 29.4. geplant. Und noch schlimmer: Es gäbe dann kein NASA-Fernsehen mehr …

So “sieht” das Laseraltimeter LOLA auf dem LRO den Mond: von links ein Höhen-, ein Neigungs- und ein Rauigkeitsbild, das aus den Höhenmessungen aus dem Orbit abgeleitet wurde, alle auf den jungen Krater Tycho zentriert – alle 192 Terabyte Daten der ersten Missionsphase (die einer längst nicht mehr existierenden bemannten Mission zuarbeiten sollte) sind inzwischen öffentlich, darunter auch eine 1.1 GB große Höhenkarte mit 100 m Netzweite. Der LRO betätigt sich weiterhin, nun rein wissenschaftlich; derweil hat der zweite chinesische Orbiter Chang’e 2 seine Primärmission abgeschlossen und wendet sich weiteren Aufgaben zu – während es bereits Pläne bis Chang’e 5 gibt.

So weit ist der nächste Marsrover schon gediehen: das Mars Science Laboratory der NASA alias “Curiosity” (allmählich wird der, äh, kuriose Name etwas populärer). Gestartet werden soll zwischen dem 25.11. und 18.12., und wo gelandet werden soll, wird auch bald entschieden. Das Bild des 3-m-Rovers enstand am 4. April im Rahmen einer Pressevorführung, von der Fotografen reichlich Gebrauch machten.

Eine Merkuraufnahme vom ersten Wissenschaftsorbit MESSENGERs von 80°S: Wie angekündigt, gibt es seither genau einen Bild-Happen pro Tag in der Galerie, während der Planet systematisch fotografiert wird: Die morphologische Basiskarte soll 90% der Oberfläche mit 250 Metern pro Pixel Auflösung zeigen, überwiegend mit schrägem Sonnenstand.

NanoSail D überraschend aus FASTSAT geflutscht!

20. Januar 2011

Nachdem das – zunächst irrtümlich als Erfolg gefeierte – Aussetzen des Nanosatelliten NanoSail D aus dem FASTSAT offensichtlich nicht stattgefunden hatte (“Keinerlei Kontakt …”), war die Ratlosigkeit groß. Aber zumindest war der Deckel aufgegangen, die anderen fünf Experimente auf dem FASTSAT arbeiteten einwandfrei, und dieser Satellit meldete regelmäßig seinen Zustand. Und am Morgen des 19. Januar, anderthalb Monate nach dem misslungenen Manöver, staunte die Flugkontrolle nicht schlecht: NanoSail war weg, hatte sich spontan selbst auf den Weg gemacht! Bald darauf wurden auch schon seine Funksignale von alarmierten Amateurfunkern in aller Welt empfangen (auch von solchen, die für die NASA arbeiten – und vor Freude unter der Decke hingen, wie sie in ihrem Blog erzählen). Wenn beim Verlassen des FASTSAT auch der Timer gestartet wurde, dann müsste sich das Sonnensegel gegen 4 Uhr MEZ morgen früh entfalten, während die Batterie des Funksenders nach etwa drei Tagen schlapp machen dürfte: Ab dann sind auch Amateurastronomen gefragt (siehe ISAN 124-2), das Schicksal des Experiments zu verfolgen. (NASA Release, WA4NZD, Universe Today 19., Centauri Dreams, NanoSail-Tweet 20.1.2011 – und ein ‘Dashboard’ verrät den aktuellen Zustand, während eine Echtzeit-Grafik die Bahn des Satelliten zeigt)

Rosetta in der Mitte von einer enormen Bahnkorrektur

Um nach kurz vor dem großen Winterschlaf endgültig Kurs auf den Zielkometen Churyumov-Gerasimenko zu nehmen, führt dessen künftiger Orbiter Rosetta vom 17. bis 23. Januar eine starke Bahnänderung durch: Viermal wird sein Haupttriebwerk eingeschaltet, zusammen 17 Stunden lang, um insgesamt ein Delta–v von 778 m/s auszuüben. Das ist viel mehr als typischerweise bei solchen Deep Space Maneuvers nötig ist und passt eher zum Einschuss in einen Planetenorbit (Cassini z.B. bremste am Saturn mit 626 m/s). Erst wenn die vierte Zündung beendet und ausgewertet ist, soll das Ergebnis verraten werden: Die erste war einen Tick zu stark, aber das sollte am Ende wieder ausgeglichen sein. (Rosetta Blog, v.a. vom 18.1.2011; Planetary Society Blog 18.1.2011. Und ein ESA Release zu Tests an der nächsten großen ESA-Planetensonde BepiColombo)

Radaranlage des Lunar Reconnaissance Orbiter ausgefallen: Am 4. Januar hat das Mini-RF “eine Anomalie” erlitten und liefert seither keine wissenschaftlichen Daten mehr – vermutlich ist der Sender ausgefallen. Auch wenn sich das Instrument nicht retten lässt: Mit über 400 Radarstreifen seit letztem September hat es seine Erfolgskriterien für den wissenschaftlichen Teil der LRO-Mission längst erfüllt. (Status 18.1.2011)

Nachrichten vom (Erd-)Mond kompakt

21. Oktober 2010

12 1/2 Monate danach: LCROSS-Papers endlich publiziert

Jetzt kann man endlich auch in referierten Papers – gleich 6 an der Zahl: morgen in Science – nachlesen, was beim LCROSS-Impakt heraus gekommen ist, ganz wörtlich gesehen: Es waren Körnchen aus reinem Wassereis, zuzüglich so vieler flüchtiger Beimischungen, dass eine ganze Reihe von Quellen (sowie komplexe chemische Prozesse) angenommen werden müssen. Dominante Lieferanten waren wohl Kometenkerne, ihre Hinterlassenschaften auf dem Mond sind ungleichmäßig verteilt, und allerlei leichte Metalle gibt es auch noch. Die genauen Abläufe während des Impakts liefern auch Aussagen über die physische Beschaffenheit des Regoliths und wie das flüchtige Material darunter gemengt ist. (Ames [telecon visuals], Brown, U of A, JPL, SwRI Releases, Washington Post, New York Times, Space.com, Planetary Society Blog, IO9, Universe Today [more] 21.10.2010)

Der LRO ist nun ein wissenschaftlicher Mondorbiter und keiner mehr, der in erster Linie die Landung von Astronauten vorbereiten soll: Am 16.9. beendete der Lunar Reconnaissance Orbiter seine “Exploration” – alle Ziele wurden erreicht – und wird nun die kommenden 2 bis 4 Jahre reine Forschung betreiben. Als als Gehilfe der bemannten NASA-Fraktion hat der LRO eine Menge Wissenschaft (und mehr Daten als alle anderen Planetenmissionen zuvor zusammen) abgeworfen: So hat sein Laseraltimeter einen kompletten Katalog von 5185 Impaktkratern > 20 km Durchmesser geliefert, aus dem man schließen zu können glaubt, dass sich die Population der Impaktoren vor 3.8 Gyr veränderte. Und sein IR-Instrument Diviner hat gezeigt, dass der Mond geologisch komplexer als bisher gedacht ist. (Head & al./Greenhagen & al./Glotch & al., Science 329 [17.9.2010] 1504-13; NASA Release 15., JPL, Stony Brook Releases, Diviner Blog, Planetary Society Blog 16., Oxford Release, Science Journalism Tracker 17., Physics World 21.9.2010. Auch LROC-Bilder, Planetary Society Blog und Universe Today zu kleinen Mondbrücken, LROC-Bilder von Mondlöchern und Universe Today, StarStryder, New Scientist Blog mit weiteren LRO-Entdeckungen)

Wieviel über die Ausgasungen des Mondes fand Chandrayaan I schon 2008 heraus?

In Indien erhitzen sich die Gemüter (“Zu wenig Anerkennung …”) weiter über die Frage, wie viel der vermeintlichen “NASA-Entdeckungen” in Sachen Wasser & mehr im Mondboden – durch LCROSS bzw. NASA-Instrumente auf dem indischen Orbiter Chandrayaan I – eigentlich das kleine CHACE-Instrument vorweg genommen (“Chandrayaans Moon Impact Probe …”) hat, das 2008 mit der Moon Impact Probe auf die Oberfläche stürzte. Diese Kapsel war primär ein Ingenieur-Experiment mit der Wissenschaft nur als Zugabe – aus diesem Grund war es nicht möglich, CHACE vor dem Abwurf ausgiebig zu eichen. Seine Daten während des Abstiegs, mit H2O, C02 und manchem mehr, sehen zwar gut aus (und scheinen zu den nun publizierten LCROSS-Auswertungen zu passen) – aber der letzte Beweis, dass es sich nicht doch überwiegend um Ausgasungen des Instruments oder der MIP selbst handelt, kann scheint’s nicht geführt werden. Und so ruhen die Hoffnungen nun auf einem ähnlichen Instrument auf dem Orbiter Chandrayaan II, das a) geeicht und b) wesentlich länger und systematischer nach Ausgasungen vom Mondboden – d.h. der Mondexosphäre – schnüffeln soll. (Frontline 25., Beyond Moon & Mars 24., Parallel Spirals 23., 21., Telegraph 19., Beyond Moon & Mars 15.9.2010. Und ein EuroPlaNet Release und Astronomy Now zu Chandrayaan-Beobachtungen zur Wechselwirkung von Mondoberfläche & Sonnenwind)

12 Instrumente werden auf dem russischen Lander von Chandrayaan II sitzen, wurde jetzt bekannt; der Orbiter und vom Lander ausgesetzte Rover (“Russischer Lander …”) tragen weitere 5 bzw. 2 Instrumente. Bei der russischen Lander-Nutzlast geht es in erster Linie um die Entstehung des Mondbodens und Prozesse, die darin ablaufen. Derweil scheint es möglich, dass der kleine Rover u.a. in eine Höhle rollen wird. (Parallel Spirals 13., Space.com 9.10., Parallel Spirals 24.9.2010)

Wieder ein chinesischer Satellit im Mondorbit

Chang’e 2 ist das Ersatzmodell des erfolgreichen Orbiters Chang’e 1, das auch wieder mit denselben, wenn auch z.T. verbesserten, Instrumenten auf die Reise gegangen ist – aber diesmal in nur 5 Tagen (1. bis 6. Oktober) statt 12. Und der kurz nach der Ankunft eingenommene 100 km hohe Orbit liegt nur halb so hoch wie beim letzten Mal: Besonderes Interesse soll dem Sinus Iridum gelten, wo die Chinesen mit Chang’e 3 vermutlich die erste Landung wagen werden. (Und sich inzwischen wegen der ganzen lunaren Ausgasungen Sorgen machen, dass ein astronomisches UV-Teleskop auf den Lander womöglich Probleme haben wird.) Die Primärmission von Chang’e 2 dauert 6 Monate: Danach wird sie entweder verlängert oder aber Chang’e 2 in ein Ingenieurexperiment umgewandelt und entweder zur Erde zurück oder noch tiefer in den Raum hinein geschicht, beides als Training für künftige komplexere Missionen. Da diesmal auf der stärkeren Langer Marsch 3C statt der 3A gestartet wurde, konnte reichlich Sprit für exotische Manöver mitgenommen werden. (Beijing Review 18., Space Daily 12., Space Today 7., Xinhua, Spaceflight Now, Space Daily 6., Lunar Networks 4., Xinhua, Planetary Society Blog, Space Today 1.10., EPSC Release 21.9.2010. Und ein EPSC Release und der Spiegel zur 1. Mikrowellenkarte des Mondes von Chang’e 1)

Alle Daten von SMART-1 stehen nun der Wissenschaft zur Verfügung – und vor allem die vielen Bilder der AMIE-Kamera auf dem europäischen Mondorbiter sind bislang kaum ausgewertet worden: Sie zeigen die Mondoberfläche mit 40 m Auflösung unter vielen verschiedenen Beleuchtungen, woraus man einiges über die physische Beschaffenheit des Bodens lernen kann. (ESA Release 21.9.2010. Auch ESA und Astrium Releases und BBC zu einer Studie für einen ESA-Mondlander)

Hervorragende Laser-Echos vom lange verschollenen Lunochod 1, der erst dieses Jahr auf Bildern des LRO gefunden wurde, sind mit dem APOLLO-System des Apache Point Observatory erhalten worden: Sie sind viermal so stark wie von Lunochod 2. Nun eröffnen sich eine Menge Möglichkeiten für detaillierte Vermessungen der Mondbewegungen, “parkt” doch der 1. sowjetische Mondrover als einziger nahe am Mondrand. Und weil sein Retroreflektor noch so gut ist, kann er sogar in der Sonne benutzt werden. (Murphy & al., Preprint 28.9., arXiv blog 1.10.2010)

Nachrichten vom Mond kompakt

19. August 2010

Der Mond ist um 200 Meter geschrumpft – und noch kein Ende in Sicht

Die Abkühlung des Mondes seit seiner Entstehung geht mit einem geringfügigen Verlust an Durchmesser einher, der sich durch tektonische Verwerfungen auf seiner Oberfläche bemerkbar macht: Bisher kannte man nur wenige solcher “lobate scarps” (wörtlich: gelappte Böschungen), aber die Kamera des Lunar Reconnaissance Orbiter hat nun 14 weitere entdeckt und sie nun auf dem gesamten Körper nachgewiesen. Viel größere lobate scarps kennt man vom Merkur, der im Rahmen seiner Abkühlung gleich um Kilometer kleiner geworden ist – beim Mond dagegen spricht das scarp-Muster für einen Durchmesserverlust um gerade einmal 200 Meter.

Allerdings passierte das nicht schon in der fernen Vergangenheit: Die scarps sind so frisch und kraterarm, dass sie in den letzten 800 Mio. Jahren entstanden sein dürften. Und die Schrumpfung dürfte noch immer andauern, wenn sie auch mit abnehmender Restwärme des Mondes ständig langsamer wird und irgendwann ganz zum Erliegen kommt. Von der Erde aus nachweisen kann man den winzigen Effekt wohl gar nicht, aber er zeigt doch, dass der Mond geologisch gesehen noch ‘lebt’. (NASA Telecon, Visuals, Press Release, Air & Space Blog, Scientific American, New Scientist, Telegraph 19.8.2010) NACHTRAG: wer sonst noch im Sonnensystem schrumpft.

Ein natürlicher Mondkrater, der höchstens 38 Jahre alt ist, findet sich auf einer LRO-Aufnahme: Zu Apollo-Zeiten (konkret: als Apollo 15 vorbei kam) war an dieser Stelle eindeutig noch nichts, und weit und breit ist kein – bekanntes – Stück Mondhardware eingeschlagen, der alle bisher vom LRO entdeckten neuen Krater zuzuschreiben sind. (Planetary Society Blog 27.7., LSI News 3.8.2010. Auch Details des Kraters Bhabha in schräger Sicht, Nature zur Datierung mit Mondkratern und LRO-Bilder eines Mond-Vulkans sowie von Löchern, die nun auch im Schrägblick untersucht werden sollen. Neue LRO-Datenprodukte auch von Diviner und Mini-RF)

Indizien für ein – moderat – feuchtes wie ein sehr trockenes Inneres des Mondes

sind kurz nacheinander veröffentlicht worden, basierend auf Untersuchungen von Mondgestein mit neuartigen Techniken: Ein klares Bild ergibt sich daraus nicht. Erst wurden Fluor, Chlor und das Hydroxyl-Ion OH- in Apatit (Kalziumphosphat) von einer Apollo-15-Probe (“Tatsächlich Wasser …”) und einem Mondmeteoriten und Wasserstoff/OH-, Chlor und Schwefel in Apatit in einem Apollo-14-Stein gefunden, die im letzteren Fall auf Mengenanteile flüchtiger Substanzen (Wasser inklusive) wie in irdischem Magma hinwiesen – aber dann wurden in anderem Mondgestein stark schwankende Isotopenverhältnisse von Chlor entdeckt. Die Anwesenheit von Wasser hätte dies vermutlich verhindert, da das Chlor mit dem Wasserstoff eine Verbindung eingegangen wäre, sich so aber an Metalle halten musste; das führt zu anderen Entweich-Verhältnissen. Vielleicht haben beide Studien recht, und das Mondinnere ist sehr uneinheitlich: Um das zu klären, müssen noch viel mehr Mondproben untersucht werden. (Boyce & al., Nature 466 [22.7.2010] 466-9; PSRD 1., Caltech, Univ. TN Releases 21.7., Univ. of NM, LANL Releases 5.8.2010; Science News “28.”, Sky & Tel. 11., Nature 6., Scientific American 5.8.2010. Und Universe Today zum weiter konfusen lunaren “Wasserzyklus” auf der Oberfläche)

Der erste Nachweis von Graphit auf dem Mond – teilweise in Gestalt sogenannter Whiskers – ist in einer Probe von Apollo 17 gelungen: Entweder brachte die der Impaktor mit, der das Mare Serenitatis schuf, oder sie kondensierten aus der Dampfwolke nach dem Einschlag. Auf jeden Fall scheint kohlenstoffhaltiges Material aus der Zeit des Late Heavy Bombardement noch auf dem Mond zu existieren. (Steele & al., Science 329 [2.7.2010] 51; JPL Release, Scientific American 1.7.2010)

Russischer Lander mit indischem Mini-Rover auf Chandrayaan-2

Nach gewisser Verwirrung scheint nun klar zu sein, dass die nächste indische Mondsonde (“Der Bau von …”) nur einen Rover mitführen wird, und zwar einen selbst gebauten – aber abgesetzt wird er mit einem russischen Lander. Mit einer Masse von 15 kg ist der indische Rover ein Winzling, verglichen mit den russischen Lunochods (750 kg), aber für ein paar Instrumente reicht’s (während auf dem Lander bis zu 10 russische Instrumente, z.T. entwickelt im Rahmen von Fobos-Grunt, installiert werden könnten). Ungefähr zur selben Zeit – Anfang 2013 – soll auch im Rahmen der 3. chinesischen Mondmission Chang’e 3 (“Ergebnisse …”) ein Rover abgesetzt werden: Hier zeichnet sich ein interessanter Wettlauf ab. (Parallel Spirals, Deccan Chronicle 15., BBC 13., Parallel Spirals 5., Ministry of Science and Technology PR 4.8., The Hindu 27.7.2010. Auch: Lunar Networks und Xinhua zu Ergebnissen von Chang’e und NASA und Parallel Spirals zu Ergebnissen von Chandrayaan-1 – und Current Science zu Unmut über dessen Datenpolitik …) NACHTRAG: Ein spanisches Blog hat Bilder des Landers. NACHTRAG 2: Warum kein russischer Rover mehr? Spekulationen … NACHTRAG 3: die Nutzlast von Chandrayaan-2 – erwartungsgemäß diesmal alles Made in India auf Orbiter & Rover. NACHTRAG 4: doch ein 30- bis 100-kg-Rover möglich, sagen die Russen. NACHTRAG 5: Der Orbiter wird tiefer fliegen als Chandrayaan-1.

Konsequenzen für den Google Lunar X-Prize werden möglicherweise die indischen und chinesischen Mondrover haben: Die Regularieren für den Wettbewerb, bei dem ein zu 90% privat finanzierter Mondrover abgesetzt werden soll, um dann bestimmte Aufgaben zu erfüllen, werden vermutlich verschärft. Sollte nämlich einer der Regierungs-Rover dem ersten privaten zuvor kommen, dann gibt’s ein geringeres Preisgeld – dafür wird aber gleichzeitig die Deadline entschärft. (Asia Times 12.8.2010)

Erste Artemis-Sonde (Ex-THEMIS) bald im Mondorbit: Diesen Monat und im Oktober sollen die beiden umgeleiteten Erdorbiter in Umlaufbahnen um den Mond eintreten (“Die beiden …”); bis nächsten April müssen die Bahnen noch angepasst werden. Dann kann die neue Mission “Acceleration Reconnection and Turbulence and Electrodynamics of the Moon’s Interaction with the Sun” beginnen, deren Finanzierung zwar noch nicht steht aber als ausgemacht gilt. (Discovery 27., New Scientist Blog 29., Lunar Networks 30.7., DLF 6.8.2010. Auch: JPL Release zum Bau der GRAIL-Mondorbiter) NACHTRAG: ARTEMIS-P1 ist am 25.8. im Orbit angekommen! NACHTRAG 2: Nee, nicht wirklich!

Drei – ziemlich – aktuelle planetare Ansichten

24. Juni 2010

Die Erde aus der Sicht des Lunar Reconnaissance Orbiter und der Narrow Angle Camera des LROC-Systems: ein Schnappschuss vom 12. Juni während einer Kalibrierungssequenz für die Wide Angle Camera, der die Erde als helle Quelle vor dunklem Hintergrund für die Charakterisierung ihres internen Streulichts diente. Die Erde war nicht ganz da, wo sie sein sollte, daher fehlt ein Stück. Der LRO ist nun ein Jahr im Mondorbit und hat dort schon eine Menge zu sehen bekommen. NACHTRAG: Das Bild gibt’s auch mit mehr Pixeln.

Der Mars gestern aus Sicht der Mini-Kamera auf dem Mars Express: Unermüdlich liefert die Visual Monitoring Camera einen Schwall nach dem anderen (aus dem man auch dramatische Filme machen kann) – dabei sollte sie doch eigentlich nur den Abflug des Beagle dokumentieren und dann für immer schweigen. Aber man hat sie später wieder in Betrieb genommen, worüber schon länger ein Blog und nun auch ein Twitter-Feed berichten.

Die Saturnringe und Prometheus vor Rhea am 9. April: Der 86 km große Prometheus, der zwischen den Hauptringen und dem F-Ring läuft, war da 1 Mio., die 1528-km-Rhea 1.6 Mio. km vom Cassini-Orbiter entfernt, der übrigens den engen Titan-Vorbeiflug am 21. Juni (“Cassini wagt sich …”) problemlos absolviert hat, worüber das JPL kurioserweise bisher nur in einem Blog berichtete.


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