Mit ‘Mars’ getaggte Artikel

Nachrichten aus der Raumfahrt kompakt

21. Februar 2013

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Der Mond über der Erde, gesehen von Rosetta 2005 beim ersten Gravity Assist (und bis vor kurzem unveröffentlicht im Datenarchiv versteckt und nun hier kräftig bearbeitet, auch von diesem Blogger), mal wieder ein nächtliches Zeitraffer-Video aus der ISS, mit viel Polarlicht gegen Ende – und noch mehr Spass mit großen Wassertropfen (“Nette Demonstration von µg …”) auf der Raumstation.

In genau einem Monat gibt’s die Kosmologie von Planck!

Im Rahmen einer Pressekonferenz im ESA HQ in Paris werden am 21. März die ersten Gesamtkarten der kosmischen µ-Wellen-Hintergrundstrahlung des ESA-Kosmologie-Satelliten präsentiert – und damit zusammen sicher auch die abgeleiteten Parameter des Universums, genauer als je zuvor. Noch immer scheint nichts davon ‘geleakt’ zu sein.

Die 5 THEMIS-Satelliten sind nun 6 Jahre im All nach ihrem Start am 18.2.2007 und erforschen weiter die Magnetosphäre der Erde, namentlich die “Time History of Events and Macroscale Interactions during Substorms” – zwei davon inzwischen in der Nähe des Mondes (“Beide ARTEMIS-Satelliten kreisen nun um den Mond”).

11 Instrumente für die Jupiter-Mission JUICE ausgewählt

Für die letztes Jahr beschlossene ESA-Mission JUpiter ICy moons Explorer steht bereits die Nutzlast fest: kurz gesagt, “das Übliche” für die intensive Erforschung eines Gasriesen aus dem Orbit, auffällig höchstens ein Eis-durchdringendes Radar für die Monde. Von der NASA – die weiter von einer eigenen Mission zu Europa träumt – kommen eins der Instrumente (ein UV-Spektrometer) und Beiträge zu zwei weiteren, auch Japan ist vertreten. [NACHTRÄGE: weitere/späte Pressemitteilungen zu den deutschen Missions-Beiträgen von MPS und DLR, aus Bern sowie vom SwRI - und was JANUS' lateinisches Akronym bedeutet ...]

Indien verspricht erneut seinen ersten Mars-Start dieses Jahr, diesmal in einer Rede des Präsidenten vor dem Parlament – und ein ISRO-Wissenschaftler sagt, die “mission is ready to roll” im Oktober. Derweil hat der Inspector General der NASA das MAVEN-Projekt gelobt: Endlich mal ein Projekt mit gutem Management. Der Mars-Orbiter, der im November starten soll, ist inzwischen fertig und wird getestet – während diese Grafik insinuiert, dass die NASA Mars-süchtig ist …

Die Aktivierung des LDCM-Satelliten schreitet voran

Gemeint ist die Landsat Data Continuity Mission = der 8. Landsat seit 1972, der vor 10 Tagen gestartet wurde (Bild, Blog-Eintrag und Artikel hier, hier, hier, hier, hier und hier): Er gesellte sich zu Landsat 7 von 1999 und Landsat 5 von 1984 (der immer noch arbeitet, was gerade als Rekord anerkannt wurde), und inzwischen sind alle Systeme eingeschaltet worden.

Der Fehlstart des Satelliten Glory bleibt rätselhaft: Damals hatte sich die Nutzlast-Verkleidung einer Taurus XL nicht abgelöst, und auch die intensive Untersuchung konnte nicht ermitteln, was letztlich dafür verantwortlich war. Selbst dieses Nicht-Ergebnis darf man allerdings nicht im Detail lesen, “because it contains information restricted by U.S. International Traffic in Arms Regulations and information proprietary to the companies involved” … [NACHTRAG: ein Artikel]

Will der erste ISS-Tourist jetzt um den Mars fliegen?

Er war 2001 – mit einigen Schwierigkeiten – der erste zahlende Besucher der ISS geworden, und nun will Dennis Tito offenbar am 27. Februar eine Reise zum Mars, ohne Landung und gleich wieder zurück, mit einem Start schon 2018 ankündigen. Wie dieser Recherche zu entnehmen ist, auch hier, hier und hier aufgegriffen, könnte da eine Dragon-Kapsel per Falcon Heavy auf eine 501-Tages-”Free Return”-Reise geschickt werden, spartanisch ausgestattet für zwei Passagiere. Ob Tito selber einer davon sein würde (er wäre älter als John Glenn bei seinem geriatrischen Shuttle-Flug), ist noch eine ganz andere Frage. Von den technischen und medizinischen Herausforderungen und Kosten ganz zu schweigen … NACHTRÄGE: Laut einem Update hier fliegt Tito selber sicher nicht, und es muss auch keine Hardware von SpaceX dabei sein. Und ein CNN-Clip und Armagh Planet mit vielen kritischen Fragen.

Ein 1-Meter-Komet zerplatzte über Kalifornien

27. Januar 2013

Eine spektakuläre Feuerkugel vor 10 Tagen (“Eine Feuerkugel über Kalifornien ungefähr -20. Größe”) ging nach einer ersten Auswertung auf den Frontalzusammenstoß der Erde mit einem vielleicht 1 m großen Kometenkern zurück: Nur so sei die enorme Eintrittsgeschwindigkeit von 72±6 km/s zu erklären, die sich aus Daten eines Video-Kamera-Netzes ergibt. Bereits in 146 km Höhe hatte der Meteor zu leuchten begonnen, ein Rekord für diese Kameras, und den Boden hat sicher nichts erreicht.

Die “schnellsten” Meteoriten, die je eingesammelt wurden, waren dagegen 77 Bruchstücke, die eine andere Feuerkugel über Kalifornien im April 2012 hatte fallen lassen und die dank der Auswertung von Wetterradar sehr schnell eingesammelt wurden (bisher 943 Gramm): Ein 2 bis 4 m großer Asteroid aus dem Hauptgürtel – vielleicht aus der Eulalia-Familie – war mit 28.6 km/s in die Atmosphäre eingetreten, strahlte in ca. 55 km am hellsten und explodierte in 48 km Höhe mit einer Äquivalentenergie von grob 4 kt TNT. Die Meteoriten identifizieren ihn als kohligen Chondriten des Typs CM, aber mit einer sehr diversen Mineralogie, die auf eine komplexe Vorgeschichte hinweist (Jenniskens & al., Science 338 [21.12.2012] 1583-7; Ames = SETI Inst., AMNH, UC Davis Releases, CT-Scan-Video, Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier).

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Immer noch Partikel in der Bahn von P/2010 A2 (LINEAR)

zeigt diese Keck-Aufnahme dieses “Aktiven Asteroiden” im Roten vom 14. Oktober 2012, 3 1/2 Jahre nach der plötzlichen Staubfreisetzung von seiner Oberfläche (siehe ISAN 122-7) – was auch immer deren Mechanismus war; die Deutungen reichen von einer Asteroidenkollision über einen von seiner eigenen Rotation zerrissenen Asteroiden bis zu einem aktiv gewordenen “Hauptgürtelkometen”. Der Strahlungsdruck der Sonne hat nur noch die größten Teilchen > 3 mm zurück gelassen, aus denen sich die freigesetzte Masse auf 500’000 Tonnen abschätzen lässt, ~1/10 des Körpers (“n”) selbst. Nennenswert zum Zodiakalstaub tragen dergleichen Ereignisse nicht bei.

Warum Kometen in der Sonnenkorona im EUV leuchten – erst war es der Komet C/2011 N3 (SOHO; siehe ISAN 155-7), dann C/2011 W3 (Lovejoy) gewesen, die der Satellit SDO überraschenderweise in extremer Sonnennähe im Extremen UV leuchten sah – scheint inzwischen verstanden zu sein: Die Sonnenhitze lässt rasant Moleküle sublimieren, die dann von der Strahlung gleich photodissoziiert und ionisiert werden. Vor allem Sauerstoff- und Eisenatome sorgen dann für die intensive Emission, die sich sogar gegen die Sonnenkorona durchsetzen kann, wo diese Linien normalerweise nicht vorkommen.

Opportunity hat ihr zehntes Jahr auf dem Mars begonnen

(denn die Landung – siehe Artikel 830 – war vor 9 Jahren gewesen): Der unverwüstliche Rover ist inzwischen 35.5 km weit gekommen und immer noch in guter Gesundheit, auch wenn die Garantie schon 2004 abgelaufen war … Derzeit beschäftigt sich Opportunity mit Aufschlüssen am Rande des 22-km-Kraters Endeavour, die aus einer feuchteren Epoche stammen könnten, mit weniger saurem Wasser als bei den bisherigen Entdeckungen des Rovers.

Curiositys erster nächtlicher Einsatz der Armkamera MAHLI ist am 22. Januar absolviert worden: Nur beleuchtet von Rover-eigenen LED-Lampen lässt sich gezielt Mineralogie betreiben, indem von Weißlicht auf UV umgeschaltet wird. Unterdessen mehren sich nach der Analyse von Aufnahmen des MRO die Indizien, dass der Ziel-Berg Curiositys Aeolis Mons nur ein Riesenhaufen im Gale-Krater angewehten Staubes ist und nicht etwa die erhofften Sedimente eines ehemaligen Sees – vielleicht ist das Gesamtbild aber auch komplizierter (Science 21.12.2012 S. 1522).

Einstieg der NASA bei Euclid-Mission der ESA perfekt

Während die europäische Weltraumbehörde den Satelliten und seine Instrumente baut, wird die NASA gemäß einem MoU 20 Detektoren für das infrarote liefern, wofür sich im Gegenzug 40 weitere US-Astronomen zu den 1000 überwiegend europäischen im Euclid Consortium gesellen dürfen. Der Start des Satelliten ist nun für das Jahr 2020 geplant, während WFIRST der NASA kaum vor 2025 hoch kommen dürfte. [NACHTRAG: U. Penn Release zu Beiträgen]

Der NEOSSat ist in Indien angekommen, wo der kleine Asteroiden- und Raumschrott-Jäger als eine von mehreren Sekundärnutzlasten des nächsten PSLV starten soll – was laut Auskunft eines Beobachters der dortigen Raumfahrt-Szene nunmehr am 18. Februar passieren soll [NACHTRAG: ein kanadisch-patriotisches Werbe-Video mit wenig technischen Details].

Erkenntnisse über die erste Stufe von Nordkoreas Unha 3

dank ihrer Bergung durch Südkorea nach dem Satellitenstart im Dezember sind publik geworden: Danach hat sie vier Vernier-Düsen zur Stabilisierung des Fluges, und es konnten einzelne Elektronik-Teile als kommerzielle Produkte aus dem Ausland identifiziert werden – aber ob Nordkorea insgesamt nennenswerte Hilfe aus dem Ausland hatte, ist weiter unklar (weitere Meldungen, Bilder und Diskussionen hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier). Südkorea hat derweil seinen nächsten Startversuch für den 30. Januar angesetzt.

Wie Dünen Krater auf Titan verschwinden lassen

17. Januar 2013

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Cassini-Radar-Bilder des “frischen” Kraters Sinlap (links) und des weitgehend erodierten Soi – beide etwa 80 km groß – demonstrieren, wie sich die Oberfläche des Saturnmonds Titan immer wieder verjüngt. Die halbe Titanoberfläche hat das Radar über die Jahre mit hoher Auflösung abgetastet und doch nur 60 Einschlagskrater gefunden, während die anderen Saturnmonde von Krater übersät sind: Driftende Sanddünen, von der dichten Atmosphäre geschoben, füllen sie rasch auf, bis sie nicht mehr zu erkennen sind.

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Ein Rohbild der Saturn-Wolken vom 24. Dezember 2012 durch die Cassini-Filter CB2 und CL2 aus 710’000 km Entfernung – mehr Wettergeschehen als man diesem Planeten oft zuschreibt.

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Vom Winde verweht: ein Impaktkrater auf dem Mars, den inzwischen Sanddünen fast unkenntlich gemacht haben, auf einem HiRISE-Bild des Mars Reconnaissance Orbiter.

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Reull Vallis auf dem Mars in künstlicher Schrägsicht, berechnet aus Bildern des – nun schon über 9 Jahre um den Planeten kreisenden – Mars Express von 2012: Dieses Tal, vermutlich von Wasser geschaffen, schlängelt sich fast 1500 km über die Oberfläche.

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Drei Einschlagskrater auf dem (Erd-)Mond, dicht nebeneinander und 125 bis 180 m groß; mit der Sonne ‘im Rücken’ des Lunar Reconnaissance Orbiter treten die Ejekta deutlich hervor. Die drei sind wohl innerhalb von Minuten entstanden. Der LRO wurde kürzlich auch für ein Laser-Kommunikations-Experiment – das erste interplanetare? – benutzt, bei dem ein Bild von der Erde zum LOLA-Detektor geblitzt wurde.

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Soyuz TMA-07M nähert sich der ISS am 21. Dezember, von derselben aus aufgenommen unter einem zunehmenden Mond.

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Eine ISS-Aufnahme, die erst Rätsel aufgab und sogar Erdfoto-Experten verwirrte: Wieso ist die Raumstation so hell, während gleichzeitig – im Original jedenfalls – zahlreiche Sterne am Himmel über Nordafrika zu sehen sind? Die Lösung ist der Vollmond an diesem Tag, der ein unerwartet sanftes Licht auf die Module wirft.

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Die griechische Insel Rhodos aus der ISS aufgenommen vor ein paar Tagen.

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Vulkane im Morgenlicht aus schräger ISS-Perspektive aufgenommen in Kamtschatka, im Rahmen intensiver russischer Erdbeobachtungen von der Raumstation aus. Der linke der Vulkane ist der z.Z. aktive Tobalchik.

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Nochmal Kamtschatka-Vulkanismus, aber jetzt im IR von Satelliten IO9: Ein Lavastrom des besagten Tolbachik am 1. Dezember, nachdem er zum ersten Mal in 36 Jahren wieder aktiv geworden war.

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Und noch ein Blick von unten nach oben: Strichspuren über ALMA, dem großen Radiointerferometer in Chile, das dieses Jahr fertig werden soll, mit dann 66 Antennenschüsseln – 54 mit 12 m und 12 mit 7 m Durchmesser.

Curiosity erforscht “Süßwarenladen” des Mars

15. Januar 2013

Als “candy store” beschrieb der Projektmanager des Mars Science Laborarory Richard Cook auf der heutigen Curiosity-Telecon die Glenelg-Region und deren Yellowknife Bay, in der sich der Marsrover derzeit aufhält und in ein paar Wochen – vielleicht zwei; man lässt große Sorgfalt bei der Vorbereitung walten – zum ersten Mal den Bohrer ansetzen wird. Sein Betrieb ist der letzte und technisch anspruchsvollste Aspekt der MSL-Mission, der noch ausprobiert werden muss.

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Immerhin steht jetzt das Gebiet fest, wo es passieren soll: Das Bild zeigt die Zone “John Klein” (benannt nach einem 2011 verstorbenen früheren stellv. Projektmanager MSLs), deren Kontext derzeit noch eifrig charakterisiert wird – es ist die Vielfalt der hier herum liegenden Steine, die sich reizvoll macht; Anklicken des Bildes lokalisiert und zeigt drei genauer. Zunächst wird der Bohrer nur als solcher getestet, dann Probenmaterial in den Labors an Bord des Rovers analysiert.

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Dieses Bild zeigt Ganglagerstätten (“veins”) im Outcrop “Sheepbed”: ChemCam-Beschuss hat ergeben, dass es sich um Kalziumsulfat, vermutlich hydriert, handelt, Gips vielleicht. Hier ist einmal Wasser durchperkoliert und hat die hellen Mineralien hinterlassen. Im Laufe der Monate ist Curiosity leicht “abwärts” gefahren und hat dabei deutlich unterschiedliche Sedimentschichten durchquert; der Boden der Senke ist nun erreicht.

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Hier schließlich Crossbedding im Outcrop “Shaler” (aus einer höher gelegenen Sedimentschicht), ein charakteristisches Muster gegeneinander verkippter Sedimente, das nur durch strömendes Wasser erklärt werden kann – Wind schafft das nicht: Wie Artikel 875 zu entnehmen, gab’s dieses Argument auch schon vor 9 Jahren beim MER Opportunity. Und auch dessen Entdeckung von Sphärulen (siehe Artikel 843 und 847) hat Curiosity schon wiederholt: ebenfalls ein deutliches Produkt flüssigen Wassers in Gestein [NACHTRAG: mehr Details in einem LANL Press Release und Artikeln hier und hier über die PK]. Der Umweg nach Glenelg hat sich auf jeden Fall gelohnt: Gelockt hatte das von Orbiterdaten her bekannte seltsame Temperaturverhalten mit erhöhter thermischer Trägheit (deren eigentliche Ursache noch gar nicht gefunden wurde), aber man fühlte sich, kaum dass am 121. Sol die Grenze überschritten war, “in einer völlig anderen Welt”, so Projektwissenschaftler John Grotzinger. Wenn die Bohrungstests und Analyse der Proben dort beendet sind, will man aber doch Gas Richtung des eigentlichen Ziels Aeolis Mons geben: “We hit the pike when we’re done here”, so Grotzinger, aber vor Jahreende wird der Fuß des Berges kaum erreicht sein. Zumal die Mission “zu 100% von der Wissenschaft getrieben” ist: eine neue Überraschung am Wegesrand, und es wird erstmal gestoppt.

Nochmal drei unzusammenhängende Aktualitäten

7. Januar 2013

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Neue Kontroverse um Armstrongs 1. Satz auf dem Mond

So sah das aus, als Neil Armstrong 1969 vor ca. 2 Minuten aus der Landefähre “Eagle” ausgestiegen war: ein bisher in dieser speziellen Form unveröffentlichtes(!) TV-Bild vor der massiv Qualität vernichtenden Scan-Konvertierung, ein Screenshot aus der australischen Bodenstation – siehe ISAN 23-5 – Honeysuckle Creek, der hier mal stark kontrastgesteigert wurde. Was der erste Mann auf dem Mond bei der Gelegenheit sagte, ist hinreichend bekannt, auch dass er das “a” vor “man” wohl wirklich unterschlug, obwohl er es eigentlich sagen wollte und es nur so semantisch Sinn macht. Aber wann dachte er sich den Satz aus – und hatten gar andere die Hand im Spiel? Über dieses kuriose Detail eines großen Weltraumereignisses wird auch über 40 Jahre danach mit erstaunlicher Inbrust diskutiert, neu angefacht gerade durch eine britische TV-Doku (z.Z. hier komplett zu sehen), in der der Bruder Armstrongs behauptet (im o.g. Video ab 40:20), Neil habe ihm den exakten Satz vor dem Start auf einem Zettel gezeigt und sich seiner Zustimmung versichert, die er natürlich bekommen habe. Weder nämlicher Bruder Dean noch Neil haben jemals etwas dieser Art zu Protokoll gegeben, noch ist nämlicher Zettel erhalten. Und so wachsen seither die Zweifel an der neuen Story (auch hier oder hier), während ein Versuch, alles unter einen Hut zu bringen auch nicht überzeugen kann.

Neil Armstrong selbst hat allerdings den Ursprung des Einen Satzes im Lauf der Jahre auch immer wieder etwas anders erzählt. 1969 auf der ersten Crew-PK nach der Rückkehr klang das so: “I did think about it. It was not extemporaneous, neither was it planned. It evolved during the conduct of the flight and I decided what the words would be while we were on the lunar surface just prior to leaving the LM.” 1999 auf einer PK zum 30-Jährigen passierte vor der Landung gar nichts: “I didn’t think about that until after landing, but after landing I — actually having been somewhat surprised at the fact that we were able to make a successful touchdown, I realized I actually was going to have to say something. But it — there wasn’t anything very complicated: when you just think about stepping off, why, it seemed to follow.” Und 2001 erzählte er die Geschichte dem Oral History-Projekt der NASA so (S. 80-81): “I thought about it after landing, and because we had a lot of other things to do, it was not something that I really concentrated on but just something that was kind of passing around subliminally or in the background. But it, you know, was a pretty simple statement, talking about stepping off something. Why, it wasn’t a very complex thing. It was what it was.” Und nu? Der US-Historiker David Portree z.B. ist – im Gegensatz zu Armstrongs Versicherungen im selben Interview! – überzeugt, dass die NASA-PR-Abteilung überall ihre Finger drin gehabt habe und es kaum zu glauben sei, dass man sich nicht energisch auch um Armstrongs Einen Satz gekümmert habe. Aber beweisen kann er’s nicht, das sei mehr so ein Bauchgefühl auf der Basis verwandter Recherchen …

Immer neue Details der ersten indischen Mars-Mission

diesen Herbst sind in den letzten Tagen bekannt geworden, etwa hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. So wurde beschlossen, die Nutzlast von 25 auf 15 kg zu reduzieren und auf exotische Experimente zu verzichten. Zu den Aufgaben des Orbiters, der noch nicht mal einen richtigen Namen zu haben scheint, soll die Suche nach Lebensindikatoren – v.a. mit einem Methan-Detektor – und den Verlustprozessen der Marsatmosphäre gehören. Die fünf Instrumente sollen im März angeliefert und ab April in den Bus integriert werden. Gestartet wird schließlich auf einem PSLV-XL im Oktober in eine Parkbahn um die Erde, die am 26. November verlassen wird: Die Reise soll dann 299 Tage dauern und der Mars am 22. September 2014 erreicht werden. Eigentlich war als nächste interplanetare Mission der ISRO eine weitere Mondreise zusammen mit Russland geplant, aber Verzögerungen infolge der Fobos-Grunt-Pleite führten zum Vorziehen des Marsprojekts, das Rs 470-crore = ca. 65 Mio. Euro kostet. Die Mondmission Chandrayaan-2 soll dann 2016 folgen – und 2018 ein “an asteroid orbit and comet flyby”!

Ein Asteroid und einer seiner zwei Monde bedeckten einen relativ hellen Stern, wobei die Schatten über Frankreich, Italien und Griechenland laufen sollten. Sehr viele Beobachter waren leider clouded out, andere sahen den Stern aber keine Bedeckung(en) und einige wenige eine Bedeckung durch (87) Sylvia selbst: So ist es seit 24 Stunden über die PLANOCCULT-Mailing-Liste zu hören. Die erfolgreichste Beobachtung bisher kommt vom TAROT-Teleskop in Südfrankreich: Dort sah man den Stern erst hinter Sylvia selbst 13 Sekunden lang verschwinden – und eine Weile später auch 1/2 Sekunde hinter dem Mond Romulus!

Mini-Live-Blog zum Mond-Crash der GRAIL-Orbiter

17. Dezember 2012

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Die GRAILs sind Geschichte: Planmäßig gegen “Sally Ride”

geknallt sind die beiden Mondorbiter – denn die Wand Gegend in der Nähe des Nordpols wurde seitens der NASA nach der verstorbenen Astronautin, die auch ein GRAIL-Teammitglied war, benannt, was unmittelbar nach den Impakten bekannt gegeben wurde (ob die Taufe auch mit der IAU abgesprochen ist, wurde nicht erwähnt). Die Echtzeitgrafik zeigte, wie die beiden von links kommend jeweils einen Berg überwanden, und dann gegen die Wand flogen. [23:32 MEZ] Und schon ist die NASA-Übertragung [NACHTRAG: Aufzeichnung] zuende. [23:34 MEZ] Hier noch mal Screenshots der Echtzeit-Grafik in den letzten Minuten; zum Schluss wurde jeweils die Horizontale stark gestreckt. Den eigentlichen Loss of Signal gab es allerdings nicht zu sehen, er wurde jeweils nur verkündet. [23:36 MEZ] Die offizielle Formulierung ist, dass “the final resting place” nach Ride getauft worden sei – nicht gerade klar formuliert … [23:52 MEZ] Und der erste Artikel nach dem Crash. [23:59 MEZ - ENDE. NACHTRAG: ein NASA Release, der aber auch nicht erklärt, wie zwei Meter-große Krater in Kilometern Abstand voneinander mit einem Namen bedacht werden können ... NACHTRAG 2: Ah, ein Eingeständnis, dass "Sally K. Ride Impact Site" in keiner Weise eine offizielle Bezeichnung ist]

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Eines der letzten Bilder der MoonKam auf GRAIL, die hundertausende von Bildern geliefert hatte: entstanden am 19. November; das allerletzte Bild 80 Minuten später ist nicht so attraktiv. In der letzten, extrem niedrigen Flugphase, waren die Kameras demnach nicht mehr im Einsatz. [21:40 MEZ] Die Bilder aus dem LRO Press Release noch mal, benutzerfreundlicher dargestellt: passend zu diesen Tagen auch die Einschlagsstelle, markiert auf einem Mondbild von Chang’e 2. [21:55 MEZ] Die beiden Orbiter haben ihre finalen Triebwerkszündungen begonnen; in 10 Minuten beginnt hier ein 35-minütiger Live-Kommentar. [22:50 MEZ] Der Burn ist komplett – und die Übertragung hat begonnen, während hier live diskutiert wird. [23:00 MEZ] Aller Sprit wurde verfeuert (“Burn to Depletion”), auch ein Teil der allerletzten Experimente mit den Sonden: Man wollte wissen, wieviel noch übrig war und ob man das korrekt abgeschätzt hatte. [23:05 MEZ] Und es war etwas mehr in den Tanks als erwartet: Die Triebwerke brannten 4 bzw. 5 Minuten. Noch 5 Minuten bis zu den Crashs. [23:23 MEZ] Alle Augen jetzt auf dem Doppler-Signal: Der Funk geht von Goldstone zu den GRAILs und kommt zurück. [23:25 MEZ]

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In drei Stunden hat der Mond zwei Mini-Krater mehr

wenn die beiden GRAIL-Orbiter gezielt zum Absturz gebracht (20:00 MEZ am 13. und 22:40 MEZ am 14.12.) werden. Kurioserweise waren die GRAILs zuletzt noch an – noch nie möglich gewesenen – gegenseitigen Beobachtungen von Mondorbitern beteiligt: Während die kleine Kamera auf “Flow” den Lunar Reconnaissance Orbiter filmte, konnte umgekehrt der LRO beide GRAILs aufnehmen und sogar räumlich auflösen (oben). Weitere Artikel zu GRAILs Ende auch hier (mit einer Aufsuchkarte für den Mond-Impakt-Ort, wo es aber nichts zu sehen geben wird), hier (mit Details zu den letzten Operationen im Orbit), hier (aus der Perspektive des verantwortlichen MIT), hier, hier, hier, hier und hier und zu den bereits berichteten Ergebnissen der GRAIL-Mission hier (waaahnsinnig detailliert), hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. Apropos Impakte aller Art:

hier noch ein Video mit ~400 Geminiden aus drei Nächten aus den USA mit einer empfindlichen Schwarzweiß-Videokamera (auch schön: weitere Bilder aus Indien und Argentinien [NACHTRAG: und Rumänien])

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und ein ganz frischer Fünffach-Impakt-Krater auf dem Mars, der zwischen 2005 und 2008 entstanden ist – der Impaktor scheint sich aufgespalten zu haben, so dass die Krater alle gleichzeitig entstanden, anders ist das Muster auf diesem HiRISE-Bild kaum zu erklären. [20:30 MEZ]

Curiosity-Kuriosität: “Blasen-Ringe” auf dem Mars

11. Dezember 2012

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Der Mars-Rover Curiosity hat sich kürzlich wieder in Bewegung gesetzt und ist prompt auf ein geologisches Mysterium gestoßen, zu dem sich die NASA bisher nicht geäußert hat: Reste von geplatzten Blasen? [NACHTRAG: Ein neuer Press Release hat dazu wieder nichts zu sagen, dafür aber andere interessante Geologie zu bieten.] Derweil hat der MRO weitere Impakte von MSL-Hardware aufgenommen – und die Freude über den geplanten Curiosity-Klon (s.a. hier, hier und hier) hält sich weiter in Grenzen. Beredter Beleg: Bei einer Online-”Abstimmung” über den Namen des Rovers liegt “I should be on Titan” weit in Führung …

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Täglich neue Radar-”Bilder” des Asteroiden Toutatis

gibt es vom JPL: Hier zwei Delay-Doppler-”Aufnahmen” vom 10. Dezember, die in 4 1/4 Stunden Abstand entstanden. Das dicke Ende oben wirf einen Radar-Schatten auf den Rest des Kleinplaneten, der auch das Ziel einer chinesischen Raumsonde sowie gut am Himmel zu sehen ist – zur Not per Webcast wie etwa diesem hier in einer Stunde.

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Ein erdnaher Asteroid erlebte eine Finsternis im Erdschatten, als der erst vor wenigen Tagen entdeckte und rund 30 m große 2012 XE54 heute Morgen der Erde nahe kam: Die Helligkeit fiel um viele Größenklassen (die horizontalen Linien haben 1 mag. Abstand). Auch aus der Welt der kleinen Körper: Mitte Dezember könnte es nicht nur die Geminiden sondern auch Meteore von Komet Wirtanen geben, s.a. hier und hier. Und am 17. Dezember steht gar ein kosmischer Impakt bevor, allerdings von den GRAIL-Satelliten auf den Mond – während man dem dicken Herschel einen solch interessanten Abgang leider verwehrt.

Die neuesten Radar-”Bilder” eines Asteroiden

6. November 2012

entstanden Ende Oktober mit der Goldstone-Schüssel, als sich der 1.6 km große 2007 PA8 der Erde näherte: Der Abstand sank in dem Zeitraum von 10 auf 9 Mio. km. Gestern war die größte Annäherung mit 6.5 Mio. km oder der 17-fachen Mondentfernung, als der Kleinplanet immerhin 11.8 mag. erreichte: So nahe kommt er in 200 Jahren nicht mehr. [NACHTRAG: mehr und bessere Radar-'Bilder'.]

Die Valles Marineris und eine bunte Kraterwand auf dem Mars: Bildprodukte vom Mars Express (erzeugt aus 20 Aufnahmen der HRSC) bzw. Mars Reconnaissance Orbiter (HiRISE), beide mit veränderten Farben: Das betont Unterschiede in der Mineralogie.

Der Monat Oktober aus gestationärer Höhe und Seen in Patagonien: Das Video in echten Farben stammt von Meteosat, der genau über (0,0) steht, die Anden-Aufnahme von Yuri Malenchenko auf der ISS – zum Kontext siehe hier (“Winterliches Patagonien …”), orbitale Detailbilder hier (“This is Moreno Glacier ..”) und v.a. hier. In dieser Gegend endete 2010 die bisher letzte totale Sonnenfinsternis auf diesem Planeten – und einer Woche gibt’s die nächste, deren pazifischer Track es aber diesmal nicht ganz bis Südamerika schafft.

Hallo, da bin ich: Curiositys erstes Selbstportrait

2. November 2012

Über 5000 Pixel breit ist das vollständige Mosaik aus 55 MAHLI-Aufnahmen, die Curiosity an Sol 84 – dem 31. Oktober – am “Rocknest” zeigen, wo der Marsrover seit Wochen steht und Marsboden verdaut (links die Löcher, wo die vier Proben genommen wurden): hier drei Ausschnitte aus der Poster-verdächtigen Datei, leicht kontrastgesteigert. Solche Mosaike wird es noch öfters geben: Sie werden dokumentieren, wie es um die Hardware bestellt ist und wie sie langsam einstaubt. Zur Vorbereitung auf die die Telecon zur Marsatmosphäre heute um 18:00 MEZ empfiehlt sich derweil diese Übersicht zum Mars-Methan-Mysterium.

Die erste Röntgen-Beugungs-Messung auf Mars!

30. Oktober 2012

Genau 100 Jahre nachdem die Röntgenbeugungs-Analyse erfunden wurde, hat Curiosity das erste Beugungsbild an Marsstaub geliefert, mit dem sich die gesamte heutige Telecon – die erste nach 12 Tagen – beschäftigte [NACHTRÄGE: Aufzeichnung & Zusammenfassung]. Die Probe aus dem “Rocknest” (unten) war am 15. Oktober genommen und am 17.10. in das CheMin-Instrument gefüllt worden – nur 25 cm groß, während entsprechende Geräte im irdischen Labor so groß wie ein Kühlschrank sind. CheMin lässt die höchstens 150 µm großen Sandteilchen kräftig vibrieren, so dass ein sauberes Beugungsbild auf einer CCD entsteht, da die Röntgenstrahlen die Kristallstruktur unter zufälligen Winkeln treffen. Das Ergebnis: Der Rocknest-Sand besteht aus kristallinem Feldspat, Pyroxenen und Olivin aber auch amorphem Material – verwitterter Basalt also, nicht unähnlich den Hängen des Mauna Kea. Er dürfte teilweise lokal im Gale-Krater entstanden und teilweise durch Staubstürme angeweht worden sein. Die miniaturisierte CheMin-Technologie wird übrigens inzwischen auch in der Archäologie eingesetzt.

NACHTRAG: Vorgeschmack auf ein “Selbstportrait” von Curiosity mit MAHLI – zusammen-gestitcht von S. Atkinson aus den Thumbnails der Aufnahmen der “Handkamera”, die bereits auf der Erde sind (hier korrekt gespiegelt). NACHTRAG 2: Wie das Bild gemacht wurde, ein gaaanz langes Panorama vom Rocknest – und am 2.11. gibt’s schon die nächste Telecon, diesmal nach nur 3 Tagen: Das heizt natürlich Spekulationen an, dass Curiosity auf Methan in der Atmosphäre gestoßen ist.

NACHTRAG 3: Die hochauflösenden Bilder des MAHLI-Selbstportraits sind da – auch der ganze Rover in voller Auflösung. Natürlich von einem Fan; seitens der NASA gibt’s erstmal nur ein eigenes Thumbnail-Mosaik. Haben halt nicht die Rechenpower …


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