Mit ‘Mars’ getaggte Artikel

Curiosity mit erster Bodenprobe “durchgespült”

11. Oktober 2012

Die erste “Autowäsche auf dem Mars” ist gestern absolviert worden, mit der ersten Bodenprobe, die sich der Rover mit seiner Schaufel besorgt hatte (oben die Spuren im Sand): Die Arbeiten waren nach der Entdeckung eines sondernbaren hellen Objektchens (ibid.; NACHTRAG 4-5) zunächst unterbrochen aber wieder aufgenommen worden, nachdem man sich von dessen Harmlosigkeit überzeugt hatte. Es handelt sich offenbar um “some type of plastic wrapper material, such as a tube used around a wire”, und stammt vielleicht von der Landeeinheit. Bei der heutigen Telecon war das schon kein Thema mehr, stattdessen wurden ausgiebig APXS- und ChemCam-Analysen am Stein Jake Matijevic diskutiert: Dessen Zusammensetzung erinnert an bestimmtes exotisches Gestein aus dem Erdinneren. Wenn Curiosity mit dem “Rocknest” fertig ist, geht es knapp 100 m nach Osten: Dann wird erstmals ein Stein angebohrt. Derweil sind auch Teile eines neuen Horizont-Panoramas eingetroffen – das allerdings 450 Pixel breit nicht gut kommen würde …

NACHTRAG: … aber einzelnes Rohbild kann man ja mal zeigen, etwas kontrastverstärkt … NACHTRAG 2: … und weitere Ausschnitte, alle ohne Himmel übrigens – plus Versuche, aus dem Marsstein schlau zu werden, hier, hier und hier.

NACHTRAG 3: Und ein MAHLI-Blick auf das ominöse Plastik-Stückchen vor Curiosity, das auch in dieser Auflösung wie ein kleiner toter Fisch aussieht … NACHTRAG 4: Der 2. Einsatz der Schaufel steht bevor; auch dieser Sand wird nur zur Reinigung benutzt. NACHTRAG 5: Und endlich die Jake-Matijevic-Analyse gaaanz genau erklärt! NACHTRAG 6: Curiosity hat wieder zugelangt. NACHTRAG 7: Noch mehr Panorama – und Gedanken dazu.

Curiosity nach 2 Monaten: Bald wird geschaufelt!

4. Oktober 2012

In diesem “Rocknest” – ein Ausschnitt aus einem Mastcam-Mosaik vom 28. September – wird sich Curiosity gut zwei Monate nach der Landung erstmals mit seiner Schaufel bedienen und feinen Sand in die Bordlabors füllen, wurde heute auf der wöchentlichen Telecon erklärt. Aber wie bei dieser Mission üblich, lässt man sich Zeit: Vielleicht am Sol 61 (was der kommende Sonntag wäre) wird zum ersten Mal gegraben, aber erst in 2-3 Wochen wird schließlich die vierte Bodenprobe in die Labors gefüllt – denn der Sand wird zunächst zum Reinigen der Hardware CHIMRA für die Probenverarbeitung verwendet, auf dass unvermeidliche irdische Rückstände verschwinden mögen. Dreimal gurgeln und ausspucken …

NACHTRAG: Bei diesem Sand dürfte sich Curiosity in Kürze das erste Mal bedienen, nachdem der Rover in eine günstige Position manövriert worden war (ein neuer Blick unter den Boden). Während der Strahlungsmesser weiter auf ordentliche Sonnenaktivität warten muss.

NACHTRAG 2: Curiosity hat zugelangt! Was es auch schon in 3D zu sehen gibt. NACHTRAG 3: Und der Mars-Schmutz wackelt in der Schaufel. NACHTRAG 4: Nachdem ein mysteriöses winziges helles ‘Objekt’ vor dem Rover entdeckt wurde, sind die Arbeiten aber erstmal unterbrochen. NACHTRAG 5: Das paar wunderliche Objekt stammt offensichtlich von Curiosity selbst, wurde aber noch nicht identifiziert.

Curiositys “schlechter Beton”: Spuren schnell fließenden Wassers in der Frühzeit des Mars

28. September 2012

Das Phänomen war den Curiosity-Rohbild-Fans natürlich sofort aufgefallen (NACHTRAG ff), aber auf den NASA-Pressekonferenzen war nie ein Wort darüber verloren worden. Gestern schon: Die Kieselsteine in einer Matrix, die manchen an schlechten Beton erinnert hatten, werden als Beleg für kräftig strömendes Wasser in der fernen Mars-Vergangenheit interpretiert. Curiositys “images of rocks containing ancient streambed gravels” gelten als der direkteste Beweis für fließendes Wasser, auf das bisher nur aus der Morphologie mutmaßlicher Flussbetten geschlossen worden war. Im Gale-Krater soll das Wasser mit 1 m/s und grob 1 m tief entlang geschossen sein, wird aus den Curiosity-Bildern geschlossen. Die Kieselsteine sind rund geschliffen worden und mithin eine weite Strecke transportiert worden, wohl vom Rand des Gale-Kraters. Der Ex-Fluss: schon die erste prinzipiell einst habitable Umwelt, auf die Curiosity gestoßen ist – auch Science@NASA und erste Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier.

NACHTRAG: die Entdeckung schön in 3 Minuten erklärt. Und Glenelg ist erreicht! NACHTRAG 2: ein erstes Mastcam-100-Panorama von Glenelg – und erste Impressionen von dort. NACHTRAG 3: eine Nahaufnahme von “Bathurst Inlet” – und der Stein noch größer, mit 1/50 mm pro Pixel MAHLI-Auflösung.

NACHTRAG 4: So sauber wird Curiositys Schaufel nie wieder sein wie auf diesem Bild vom 51. Sol – plus weitere Glenelg-Bilder. NACHTRAG 5: Und noch mehr Impressionen aus der Gegend, auch in 3D. NACHTRAG 6: Power über Curiositys RTGs – und ein weiterer Blick in die Glenelg’sche Rund. NACHTRAG 7: Die Mastcam kann Sonnenflecken erkennen, hat sich bei der Auswertung von Deimos-Transit-Sequenzen gezeigt! Und was die NavCam gerade sieht.

Alles aufaddiert: Hubbles allertiefstes Bild “XDF”

26. September 2012

Seit dem ersten Hubble Deep Field von 1995 ist das Weltraumteleskop immer wieder auf ‘leere’ Himmelsfelder ausgerichtet worden, um sie tagelang zu belichten: Diese “Deep Fields” werden komplett von fernen Galaxien dominiert, deren Geschichte sich dann studieren lässt. Das bekannteste Feld ist das Hubble Ultra Deep Field (HUDF), das Hubble wiederholt aufgesucht hat (siehe Artikel 867 und 948 und ISAN 102-5) – und alle diese Bilder (über 2000 mit zusammen 23 Tagen Belichtungszeit) aus den letzten 10 Jahren sind nun zur allertiefsten Aufnahme des Kosmos aufaddiert worden, aus der oben ein winziger Ausschnitt zu sehen ist. Dieses “eXtreme Deep Field” (XDF, auch hier oder hier zu finden, Artikel auch hier, hier, hier, hier und hier) erreicht eine Grenzgröße von 31 mag. enthält 5500 Galaxien, obwohl das gesamte Feld nur drei Bogenminuten groß ist.

Neues US-Marsprogramm nicht wirklich klarer geworden

Seit das Marsprogramm der NASA mit dem FY2013-Haushalt in Unordnung geraten war, warteten die amerikanischen Planetenforscher – die zwischenzeitlich zahlreiche Protestnoten formulierten – auf den Ratschluss einer Expertenkomission, wie es nach Curiosity und dem Orbiter MAVEN weiter gehen sollte. Erste Informationen sind jetzt bekannt gegeben worden: Enthalten sind nur Optionen, keine Empfehlungen, für Missionen ab dem Startfenster 2018. Mit den voraussichtlich zur Verfügung stehenden 700-800 Mio.$ dürfte nur ein Orbiter zu machen sein – eigentlich eine ‘Verschwendung’ des schönen Startfensters, das sich für Landungen anbietet. Was die NASA daraus macht, wird man wohl erst bei der Vorlage des FY2014-Requests nächstes Jahr erfahren. Auch die angestrebte Annäherung des Marsprogramms an das bemannte ist bis in den 2030-er bislang nicht zu erkennen; für die 2020-er träumt der Bericht jedenfalls mal wieder von einer Sample Return … (Report Summary; Space Policy Online, Space News, Florida Today, Space.com 25., Nature Blog 26.9.2012)

Störung auf der ISS – Abkopplung des ATV verschoben! Eigentlich sollte heute morgen das 3. Automated Transfer Vehicle “Edoardo Amaldi” die Raumstation verlassen, doch daraus wurde nichts: Ein entscheidendes Kommando kam nicht an, vermutlich war etwas im russischen Zvezda-Modul gestört. Das ATV ist jetzt in einem Ruhezustand und wartet auf die weiteren Entwicklungen; neue Zeitfenster, um es los zu werden, gibt es reichlich Zeitfenster. (ESA ATV Blog, CBS, TASS, Novosti, Xinhua 26.9.2012) NACHTRAG: Frühestens am 2. Oktober kann das ATV jetzt entsorgt werden. NACHTRAG 2: Das Ablegen hat geklappt. NACHTRAG 3: Und das ATV-3 ist verglüht – wobei diesmal auch der REBR funktioniert hat.

Der jetzt ausgeklappte Robotarm von Curiosity

21. August 2012

zeigt hier seine Instrumente: Der Bohrer weist Richtung der Navcam, die dieses Bildmosaik produzierte. Die Standardposition des Arms ist problemlos erreicht worden, nun werden seine Gelenke präzise geeicht – schließlich kennt man nur sein Verhalten unter Erd-, aber nicht Marsschwerkraft. Dies war einer der Meilensteine, die auf einer Telecon heute präsentiert wurden, ein anderer betraf die ersten Rad-Bewegungen, die den Erwartungen entsprachen: Curiosity erhält daher das Kommando, morgen 3 Meter gerade aus zu fahren, sich um 90° nach rechts zu drehen und 2 m rückwärts zu fahren. Damit wird an einer Stelle eingeparkt, die man aus den Fotos der Umgebung bestens kennt und für sicher erachtet. Von den Rover-Instrumenten hat das Dynamic Albedo of Neutrons instrument am 17. August erste Daten geliefert, aus denen sich auf die – erwartete – Anwesenheit von Wasser unter der Oberfläche schließen lässt: Vermutlich liegt es da in Gestalt hydrierter Mineralien vor. Die ChemCam hat auf weitere Steine geschossen. Und die Wetterstation liefert Druck- und Temperatur-Daten, während einer der Windmesser offenbar durch bei der Landung herumfliegende Steinchen beschädigt wurde, die frei liegende Leitungen durchtrennten.

NACHTRAG: noch eine Darstellung der Landung vor 15 Tagen, mit einer “Eyes on the Solar System”-Simulation und MARDI-Aufnahmen parallel, das Ganze kommentiert vom Lande-Chef Adam Steltzner. Auch ein später JPL Release zur Telecon, noch eine Zusammenfassung – und schon am Mittwoch um 20:30 MESZ geht’s weiter, dann wieder “richtig” auf der Fernsehbühne.

NACHTRAG 2: Tschuldigung, schon wieder ein neues MARDI-Video – denn inzwischen sind fast alle Bilder der Abstiegskamera in voller Auflösung auf der Erde, die hier beschleunigt aneinander gefügt wurden. Bonus: der Impakt des Hitzeschilds aus MARDI-Sicht. [NACHTRAG ZUM NACHTRAG: Es gibt auch ein auf den Hitzeschild zentriertes und ein etwas entwackeltes Video - und ein S/W-Komposit aus MARDI-Bildern.] Auch Artikel über das Debuggen der MSL-Software, die Geschichte des JPL, wo Curiosity gesteuert wird, und angebliche Anomalien auf ihren Bildern; der Felsen am Horizont ist immerhin interessant. NACHTRAG 3: Und ein paar aufgehellte Fern-Mikro-Aufnahmen der ChemCam-Optik. Rohbilder sind inzwischen insgesamt 2876 da, die neuesten heute von den Navcams.

NASA schickt deutschen Maulwurf zum Mars!

20. August 2012

Die Würfel sind gefallen: Unter den drei Finalisten für die 12. Discovery-Mission der NASA ist der Marslander InSIGHT ausgewählt worden – der u.a. eine Art Maulwurf aus Deutschland auf dem Planeten absetzen soll. Diese Heat Flow and Physical Properties Package alias HP³ soll mit ihren Sensoren bis zu fünf Meter tief in den Marsboden eindringen, um den Wärmefluss aus dem tiefsten Innern des Mars zu vermessen. Bisher ist solch ein vollautomatischer Maulwurf – mit elektromechanischem Schlagmechanismus – noch auf keinem Körper des Sonnensystems zum Einsatz gekommen. Dennoch ist die Mission unter den drei Finalisten die konservativste, ist der Lander selbst doch eine Kopie des Phoenix von 2008. Die Auswahl war rasch durchgesickert und schließlich noch vor einer kurzfristig angesetzten Telecon in ½ Stunde offiziell bestätigt worden.

NACHTRAG: Der NASA Press Release zur Auswahl bestätigt einen Start in Fenster 2016 zu maximalen Kosten von 425 Mio.$ (Inflationsstand 2010): Mit vier Instrumenten – HP³ darunter sicher dem ungewöhnlichsten – geht es vorrangig um das Innere des Planeten. NACHTRAG 2: Keine tiefen Einsichten während der Telecon – außer dass nun klar ist, dass die ExoMars-Ersatz-Mission 2018, die noch völlig undefiniert ist, sicher keine geophysikalische Station werden wird. Und dass die Discovery-Entscheidung bewusst schon vor Curiositys EDL getroffen wurde. Die Meinungen zu InSight unter Planetenfans sind scharf geteilt und reichen von “awesome” bis “cowards”. Weitere frühe Artikel hier, hier, hier, hier und hier. NACHTRAG 3: Auf dem Bild in diesem JPL Release sieht der Lander geringfügig anders als oben aus. Und auf der Telecon wissen sie nicht auswendig, wie der deutsche Maulwurf funktioniert und wie tief er sich bohren soll – schwaches Bild.

NACHTRAG 4: Ein 6-Minuten-Video über InSight – und eine weitere Inkarnation des NASA-Releases mit einer anderen Version. Auch ein Nachruf auf die nicht gewählten Projekte. NACHTRAG 5: 15 Stunden nach dem NASA Press Release hat sich auch das DLR vom Schreck erholt und eine Pressemitteilung heraus gegeben – aber ohne neue Erkenntnisse gegenüber der 2011-er, nachdem InSight (damals noch als “GEMS”) Finalist geworden war. Via Twitter weist man aber darauf hin, dass ein Modell des DLR-Maulwurfs im September auf der ILA in Berlin zu sehen sein wird.

NACHTRAG 6: Ein DLR-Stummfilmchen zur Funktionsweise des Maulwurfs. Auch InSight-Artikel von Washington Post (Kommentator findet die Mission doof), astrobites, Tagesspiegel (wieso hält der das Seismometer – dazu Press Releases der UK Space Agency und der Univ. of British Columbia und ein BBC-Artikel eines Beteiligten – und nicht den Thermo-Maulwurf für das “wichtigste Instrument”?) und Spiegel. NACHTRAG 7: Und noch mehr Kommentare zur InSight-Auswahl: Die New York Times findet sie gut, der Guardian schlecht.

Das komplette Bild (der Front) des Aeolis Mons

18. August 2012

ist seit wenigen Stunden bekannt, nachdem die Navcams von Curiosity endlich die lang ersehnten Bilder lieferten, die auch binnen Stunden die Erde erreichten – bisher gab es vom Aeolis Mons nur eine undeutliche Hazcam-Aufnahme, und die höheren Lagen fehlten in allen Navcam- und Mastcam-Panoramen. Leider sind die bisher vorliegenden JPEGs äußerst flau, so daß ein Stitching-Versuch dieses Bloggers nur mäßig erfolgreich war; ein britischer Marsfan kam etwas weiter, hier noch ein und noch ein Versuch. Wichtig zu wissen: Wir sehen hier nur die Front des Zentralgebirges im Gale-Krater (untere Absätze) – sie verdeckt den eigentlichen Gipfel (Bildunterschrift!), und es steht zu befürchten, dass ihn Curiosity auch im weiteren Verlauf der Reise nie erblicken wird. NACHTRAG: das beste Panorama bisher – weil die Sonne senkrecht drauf scheint, fehlt es an Schatten & Kontrasten. Oh, und der Stein im Fadenkreuz der ChemCam spricht jetzt und ahnt noch nichts … NACHTRAG 2: erweiterte Aeolis-Mons-Mosaike mit Vordergrund aus früheren Navcam-Bildern (auch hier und hier) – und in 3D, was auch andere versuchen. Und am 19.8. spricht der Mars Express mit Curiosity zum 1. Mal.

NACHTRAG 3: ein neuer MARDI-Film aus rund 600 scharfen Bildern der Abstiegskamera, die schon da sind, mit 6 Bildern/Sekunde 50% beschleunigt. Und eine handcolorierte Version des neuen Bildes von Aeolis Mons, den auch HiRISE wieder abgescannt hat.

NACHTRAG 4: ein erster Stitchversuch der NASA, mit hohem Kontrast und schlechtem Edge-Blending. NACHTRAG 5: und zum Einschätzen der Größe allerlei Eiffeltürme auf Aeolis Mons verteilt, jeder 324 m hoch und zwischen 2 und 75 km von Curiosity entfernt. Auch umfangreiche Erinnerungen an den Landetag von einer Curiosity-Frau, Teile eins und zwei. NACHTRAG 6: Derweil steht der erste Laserschuss auf das hilflose Steinchen wohl kurz bevor, aber noch sieht man nichts, und weitere ChemCam-Bilder haben mit der Zielübung offenbar nichts zu tun. NACHTRAG 7: Offensichtlich hat der Laser ein Kalibrations-Target beschossen, wo jetzt ein Loch mehr als am Vortag drin ist. Auch die neuen Aeolis-Mons-Bilder im Kontext von digitalen Höhen-Modellen – und wie es sich auf Mars-Zeit lebt, gleich die ganze Familie.

Noch rund 100 Stunden: “Curiosity” vor dem Ziel

1. August 2012

Von 7:10 bis 7:17 MESZ dauern die vielbeschworenen “Seven Minutes Terror” des Entry, Descent & Landung (EDL) des Mars Science Laboratory alias Curiosity, vom ersten Atmosphärenkontakt in 125 km Höhe bis zur Landung des größten Marsrovers aller Zeiten – auf dem Mars. Wegen der Signallaufzeit von 13 Minuten und 48 Sekunden zwischen Erde und Mars entspricht dies 7:24 bis 7:31 MESZ Earth Received Time: Am Morgen des 6. August – noch wenig mehr als 100 Stunden – wird sich herausstellen, wie der dramatische Abstieg (Video oben, darunter ein älteres Video ohne Kommentar und unten Erläuterungen zu den 16 Kameras des MSL, dem wissenschaftlichen Programm und den anderen Instrumenten) verlaufen ist. Bisher hat das MSL alle Phasen zwischen Erde (Start am 26.11.2011) und Marsnähe problemlos abgehakt, ein paar Bahnkorrekturen inklusive, und bereits die EDL-Timeline aktiviert. Millionen Mal haben Ingenieure die EDL-Minuten simuliert, wobei nur in 1,7% der Fälle etwas schief ging: Das übertrifft die Vorgabe der NASA von einem zu 95% garantierten Missionserfolg deutlich, aber simuliert werden konnten natürlich nur die bekannten Risiken durch Technik und Mars-Umwelt. “Probably the overall biggest risk is our lack of imagination”, was sonst noch passieren kann, sagt ein JPL-Manager.

Bis zu einer entscheidenden kleinen Bahnkorrektur von Mars Odyssey am 24. Juli war nicht sicher gewesen, ob die Flugkontrolleure und die von der NASA reichlich angefixte Welt überhaupt live dabei sein konnten: Die letzte Phase der Landung findet von der Erde aus gesehen hinter dem Marshorizont statt, so dass die schwachen direkten Funksignale (eine Serie von “Semaphores”, die vom Abschluss einzelner Phasen künden) des MSL unterbrochen sind. Dafür ist das Timing der Landung für drei Marsorbiter optimiert: Odyssey, der die direkte Weiterleitung (“bent pipe communications”) des MSL-Funks übernehmen soll, und MRO und Mars Express, die die Signale für eine spätere Übertragung zwischenspeichern werden (letzterer übrigens nur die Trägerwelle und keine Daten). Odyssey schockte freilich erst mit dem Ausfall eines Drallrads am 8. Juni: Das seit 11 Jahren ruhende Ersatzrad wurde hochgefahren und konnte bald übernehmen – aber dann war Odyssey wieder gestört. Und wäre zu spät über das landende MSL geflogen, wenn nicht doch noch die entscheidende Bahnkorrektur gelungen wäre. Eine klare Antwort, ob die Landung mit dem ersten kontrollierten Sturzflug durch die Hochatmosphäre, ihren 76 pyrotechnischen Ereignissen und dem abgefahrenen Skycrane am Schluss – im Detail auf Deutsch hier und hier sowie hier beschrieben – gelungen ist, sollte es also in Echtzeit geben.

Wann es allerdings die ersten Bilder von der Oberfläche zu sehen geben wird, dazu spekuliert die NASA öffentlich kaum – eine entsprechende Pressekonferenz ist erst für die Nacht 6./7. August um 1 Uhr MESZ angesetzt. Hochkomprimierte Bilder der kleinen technischen Kameras an Bord könnten aber bei idealer Orientierung des abgesetzten Curiosity schon in den Stunden oder gar Minuten nach der Landung ihren Weg auf die irdischen Bildschirme finden. Die große Fahrt zum Sedimentberg Aeolis Mons inmitten des Lande-Kraters Gale beginnt aber sicher erst nach vielen Tagen eingehender Gesundheitschecks – dann allerdings sollte sie schneller gehen als usprünglich geplant, da die Landeellipse im Juni verkleinert und verlegt wurde: Ihr Zentrum liegt jetzt 7 km näher an dem Fuß des Berges. Den die NASA und viele MSL-Funktionäre übrigens fälschlicherweise “Mount Sharp” betiteln: Dieser Vorschlag vom März war von Anfang an ein Irrtum, da auf dem Mars nur große Krater nach verstorbenen Marsforschern benannt werden. Nach Robert P. Sharp ist nun ein solcher Krater mit 152 km Durchmesser benannt, während der Gale-Berg in Anlehnung an historische Bezeichnungen in dieser Gegend Aeolis Mons heißt und das umgebende Flachland Aeolis Palus. Vielleicht kapiert’s die NASA ja noch, bis Curiosity dort ankommt …

Was Opportunity an Endeavours Rand entdeckte

4. Mai 2012

Seit Januar parkt der Mars Exploration Rover Opportunity auf dem langgestreckten Hügel Cape York am Rand des 22-km-Impaktkraters Endeavour, den er letztes Jahr erreicht hatte, um 15° gegen die tiefe Wintersonne geneigt: Zum ersten Mal hat er eine Winterpause – seine fünfte! – im Stehen verbracht, die Sonnenwende im April hat er abermals gut überstanden. Diesmal reichte der Strom seiner Solarzellen nicht mehr für’s Weiterfahren aber andererseits für allerlei Sinnvolles im Stehen. So hat Opportunity das Gestein in seiner unmittelbaren Umgebung ausgiebig untersucht, ein gigantisches Panorama aufgenommen (das größte der gesamten Mission, das gerade zusammen montiert wird und in ein paar Wochen vorgestellt werden soll) – und ausgiebig Radio Science betrieben. Die hatte man, zwecks Erkenntnissen über das Innenleben des Mars, mit dem festgefahrenen Spirit vorgehabt, doch der ist bekanntlich aus seinem letzten Winterschlaf (“Spirit offenbar …”) nicht wieder erwacht.

Die Stromsituation Opportunitys entwickelt sich jetzt günstig: Vielleicht noch im Mai, spätestens aber Anfang Juli, wird er seine Marsrundfahrt fortsetzen können. Die soll zunächst zu einer besonders dicken Ganglagerstätte voll Gips führen, die im Gegensatz zum ersten derartigen Fund “Homestake” das ‘Gesichtsfeld’ des APXS-Instruments komplett ausfüllt und damit mineralogisch noch besser unter die Lupe genommen werden kann. Der Homestake-Gips muss – vor Jahrmilliarden – durch flüssiges, nur lauwarmes und damit prinzipiell lebensfreundliches Wasser entstanden sein, das kann man seit heute auch in der Fachliteratur nachlesen. Und auch, dass Opportunity ebenfalls am Endeavour-Rand mit dem Felsen Tisdale auf das Zink-reichste Gestein seiner gesamten Marsreise gestoßen war: Das dürfte, ebenfalls vor sehr langer Zeit, in einem hydrothermalen Umfeld entstanden sein.

Wenn die dicke Gips-’Vein’ abgehakt ist, wird sich Opportunity wohl auf die andere Seite von Cape York begeben: Dort hat das CRISM-Instrument auf dem Mars Reconnaissance Orbiter Phyllosilikate erspäht, Tonmineralien, die ebenfalls unter recht lebensfreundlichen Bedingungen entstanden sein dürften. Ihre ungefähre Ortung aus dem Orbit war einst überhaupt die Motivation für die große Fahrt Opportunitys bis zu Endeavour gewesen. Weiter geht’s dann zu ausgedehnten Gips-Feldern zwischen Cape York und Solander Point und weiter zum Cape Tribulation. Wie lange auch immer Opportunity noch durch zu halten gedenkt: Seine für drei Erdmonate geplante Marsrundfahrt dauert jetzt schon genau derer 100, ein für seine Betreuer schier unfassbares Jubiläum … Squyres & al., Science 336 [4.5.2012] 570-6; JPL Release, Planetary Society Story, Ars Technica 3.5., On the Outside, Road to Endeavour 29.4.2012

20 Kilometer hoher Dust Devil auf dem Mars

4. April 2012

Am 14. März gelang dem Mars Reconnaissance Orbiter dieses Bild in der Amazonis Planitia, wo die Sonne den Boden jetzt besonders stark aufheizt; trotz seiner Höhe hat der Twister – eine 3D-Animation – nur etwa 70 Meter Durchmesser. Und wegen der geringen Dichte der Marsatmosphäre wäre er “bis auf den leichten Schmirgeleffekt des feinkörnigen Staubes” für einen hinein geratenen Astronauten relativ ungefährlich. NACHTRAG: mehrere Bilder mit größerem Feld rund um das Teufelchen!

Der LRO hat das Wrack von Luna 23 entdeckt, einer sowjetischen Sample-Return-Mission, die 1974 eine Bruchlandung erlitten hatte (D = Lande-, A = Rückstart-Einheit); Luna 24 vollendete das Programm dann 1976. Auch neue LRO-Bilder von Lunokhod 1 und Lunochod 2.

Allerlei nächtliche Blicke aus der ISS, statisch & bewegt: von oben ein Blick auf Deutschland und die Ostsee (mit Polarlichtern am Horizont), die Aurora über dem Pazifik am 22. Januar, das angeblich einmillionste Bild, das auf der ISS entstand (auch hier und hier gefeiert, aber Kenner der ISS-Fotoarchive halten die exakte Zahl für reichlich gewagt …), ein wüster Zeitrafferfilm aus der Cupola vom 26. Februar und Jupiter und Venus knapp über dem Horizont im März – weitere Videos zeigen mehr hektische Sterne und eine Collage diverser Stern-Sequenzen.

Das Pazifik-Atoll Bora Bora, aufgenommen von Pléiades 1A, dem neuesten Erdbeobachtungssatelliten (“Auch der zweite …”) der französischen Weltraumbehörde CNES.

Der mexikanische Vulkan El Chichón im Jahre 1986 auf einer Landsat-Aufnahme in Falschfarben: Vor genau 30 Jahren hatte er einen schweren Ausbruch erlebt, der u.a. auch zu krass-rosa Dämmerungsfarben in Deutschland führte. Bis 27 km hoch waren seine Aerosole gestiegen, und es gab einen leichten globalen Klimaeffekt.


Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.

Schließe dich 112 Followern an