Mit ‘Natrium’ getaggte Artikel

Facetten vom 3. Merkur-Flyby – und in genau 500 Tagen im Orbit

3. November 2009

messenger3

Eigentlich hätte man die Überschrift vom Artikel über den 2. Flyby von MESSENGER am Merkur einfach wiederholen können: “Ein dynamischer Planet” beschreibt auch die – trotz technischer Probleme – gelungenen Beobachtungen beim dritten Flyby am besten. Durch Zufall schloss der von der Kamera erfasste Oberflächenstreifen eine der letzten großen Lücken der Merkurkarte, so dass nun 98% der Oberfläche erfasst sind (wenn auch teilweise nur bei schlechter Beleuchtung). Das neue Stück zeigt offenbar einen explosiven Vulkan mit hellem Auswurfmaterial – oben im Bild mit extrem verstärkten Farben – sowie ein noch namenloses 290-km-Impaktbecken mit vielleicht der jüngsten Lava des ganzen Planeten in seinem Zentrum.

Das Neutronenspektrometer fand, wie auch schon beim 1. Flyby, einen so hohen Eisen- und Titananteil des Oberflächengesteins wie bei den Mondbasalten, im Widerspruch zur vorherrschenden Theorie der Merkurentstehung, die eine starke Abreicherung zugunsten des Kerns voraussagt. Und der Natriumschweif war diesmal 10- bis 20-mal schwächer als beim 2. Flyby, was aber zu erwarteten saisonalen Effekten des Strahlungsdrucks der Sonne passt. Kalzium und Magnesium gab es dagegen sogar mehr in der Merkurexosphäre. Wenn MESSENGER in genau 500 Tagen in den Merkurorbit einschwenkt, wird es eine Menge zu beobachten und überwachen geben; bestimmte Perspektiven, die sich nur während der drei Flybys ergaben, bleiben allerdings einmalig. NACHTRÄGE: Science@NASA, Sky & Tel. und Planetary Society dazu.

Der Mond bekam eine Natrium-Exosphäre nach dem LCROSS-Crash

15. Oktober 2009

geoeyeGeoEye Satellite Image

Der Eindruck hatte sich schnell durchgesetzt, dass nur LCROSS selbst und der LRO im Mondorbit aus ihren speziellen Blickwinkeln etwas vom Crash der Centaur mitbekommen hatten, während alle Beobachter auf der Erde und in deren Nähe leer ausgingen: So hat z.B. der hochauflösende kommerzielle Erdbeobachtungssatellit GeoEye-1 – gerade über der Nachtseite der Erde in idealer Position für eine kleine Extratour der Lageregelung – schön scharfe Bilder des Zielkraters (Pfeil) geliefert, aber da tat sich nichts, wie hier 47 Sekunden nach dem Crash. Dasselbe Nullresultat auch nach schneller Analyse von Messungen des Hubble Space Telescope und auf den besten Bildsequenzen von Profi- und natürlich erst recht Amateurteleskopen auf dem Boden.

jodylcrossCenter for Space Physics, Boston University

Eine Gruppe Astronomen aus Boston hatte aber doch – vom McDonald Observatory in Texas aus – eine klare Konsequenz des Impakts registriert und darüber auch noch am Impakttag in einer Pressemitteilung berichtet, sogar nochmal mit anderem Absender. Die sei an alle wichtigen US-Medien gegangen, betont der Autor gegenüber diesem Blog, allerdings nicht an die NASA, da man von dieser unabhängig gearbeitet habe – und leider auch nicht an die “üblichen” Vervielfacher astronomischer Press Releases, so dass die Kunde der erstaunlichen Beobachtungen erst Tage später die Runde machte. Beobachtet wurde – spektroskopisch – eine starke Zunahme gasförmigen Natriums in 100 km Höhe über dem Südpol des Mondes, das der Crash aus dem Mondboden befreit hatte: Zwar macht es nur einen geringen Anteil des Bodens aus, streut Sonnenlicht aber besonders effizient. Einen heftigen Natriumanstieg rund um den Mond hatten die Bostoner z.B. auch nach den Leoniden 1998 registriert, als sich drei Tage lang ein Natriumschweif ausbildete.

Von den LCROSS- und LRO-Beobachtungen wurde inzwischen bekannt, dass der Mondboden durch den Impakt stark aufgeheizt wurde und sogar immer noch glühte, als LROs Diviner ein zweites Mal über die Impaktstelle flog. Die Auswertung der LCROSS-Messungen soll gut voran kommen, und as soon as possible werde darüber berichtet. NACHTRAG: Das Skyweek exklusiv zur Verfügung gestellte Bild zeigt Jody Wilson mit einem der McDonald-Spektren nach dem Impakt – die beiden starken Natriumlinien D1 und D2 waren vorher nicht zu sehen gewesen, und 15 Minuten später waren sie auch wieder weg. Außerdem ein Artikel über einen LCROSS-Forscher … NACHTRAG 2: … der ahnte, dass wenig zu sehen sein würde. NACHTRAG 3: Mit viiiel Bildverarbeitung ist es den LCROSS-Forschern nach einer Woche doch noch gelungen, eine kleine Ejektawolke des Centaur-Crashs aus Bildern der LCROSS-Kamera für sichtbares Licht heraus zu kitzeln.


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