Posts Tagged ‘Quaoar’

Weltraumforschung kompakt

5. November 2009

GRB mit z>8 unterscheidet sich kaum von näheren

Mit einer gemessenen Rotverschiebung von z=8.1 bis 8.3 (genauer geben’s die Spektren des Nachglühens nicht her) ist der GRB 090423 (siehe ISAN 84-2) erheblich weiter weg als die bisherigen Rekordhalter mit spektroskopisch einwandfreier Rotverschiebung, eine Galaxie mit z=7.0, ein GRB mit z=6.7 und ein Quasar mit z=6.5: Wir sehen ihn nur etwas mehr als 600 Mio. Jahre nach dem Urknall, als der Kosmos gerade 4% seines heutigen Alters hatte. Trotzdem unterscheidet sich dieser Gamma Burst so wenig von seinen näheren = jüngeren Verwandten, dass es keinen Grund zu der Annahme gibt, hier sei womöglich ein Stern der Population III explodiert. (Chandra & al., Preprint 22., NRAO Release 28.10.2009, Tanvir & al./Salvaterra & al./Zhang, Nature 461 [29.10.2009] 1254-60/1221-2)

Eine Supernova mit 15’500 km/s Expansionsgeschwindigkeit war SN 2007gi: Solcherlei Sternexplosionen des Typs Ia steigen auch schneller zu ihrer maximalen Helligkeit an. (Zhang & al., Preprint 10.10.2009)

Das Neutrinoteleskop MiniBooNE sah keine Supernova-Neutrinos zwischen 2004 und 2008: Daraus folgt eine Obergrenze von 0.7 Kernkollaps-SNe pro Jahre bis 13.5 kpc Entfernung. (Collaboration, Preprint 16.10.2009)

Neue Radiodurchmusterung im neutralen Wasserstoff

Von 5°S bis zum Nordpol reicht die Effelsberg-Bonn HI Survey (EBHIS), bei der Radiostörungen größtenteils eliminiert werden konnten und die “a cornerstone for multi-frequency astrophysics” werden soll. (Kerp & al., Preprint 8.10.2009. Mehr Durchmusterungen: Kalberla & al. Preprint 30.10.2009)

Und wieder eine neue Massen- und Entfernungsbestimmung von Sgr A*, der Zentralmasse unserer Milchstraße, mit Hilfe des Sterns “S2″ (siehe Artikel 680) und anderer in nahen Orbits: Die Kombination ihrer Verfolgungen durch die beiden konkurrierenden europäischen und amerikanischen Astronomengruppen liefert jetzt 4.3±0.4 Mio. Sonnenmassen und 8.3±0.3 kpc = 27’000±1000 Lichtjahre. (Gillessen & al., Preprint 16.10.2009)

Begann die Verfinsterung von Epsilon Aurigae verspätet?

Ungefähr “ein Dutzend Tage” verspätet hat nach einer Auswertung der Lichtkurve die Verfinsterung von Epsilon Aurigae begonnen, was zu einem Schrumpfen des F-Überriesen passen würde. Inzwischen liegt die Helligkeit mit 3.4 mag. ziemlich genau zwischen dem Normalwert und dem Minimum, das gegen Ende Dezember erreicht werden dürfte. Derzeit laufen u.a. auch interferometrische Beobachtungen des seltenen Ereignisses. (Astronomer’s Telegram #2224 2., Citizen Sky 3., 10., 23., AAVSO Alert #410 29.10.2009)

Extremer Ausbruch eines LBV-Sterns in der LMC: R71 ist die vergangenen fünf Jahre kontinuierlich angestiegen und jetzt der hellste Stern in der Großen Magellanschen Wolke im sichtbaren Licht – ein “extremer Ausbruch”. (IAUC #9082 14.10.2009)

Hunderte Planetarische Nebel sind noch der Digital Sky Survey

zu entdecken, wenn man nur richtig sucht – schließlich müsste es in der Galaxis etwa 25’000 dieser Sternüberreste geben, während erst 3000 katalogisiert sind. (Jacoby & al., Preprint 5.10.2009)

Pulsationen von Chi Cygni mit optischem Interferometer verfolgt: IOTA sah den Mirastern mit einem mittleren Durchmesser von 12 und einer Amplitude von 5 Millibogensekunden; auch die Randverdunklung und andere Eigenschaften schwankten mit der Pulsation. (Lacour & al., Preprint 20.10.2009) NACHTRAG: Monate später ein CfA Press Release dazu. NACHTRAG 2: und noch einen Monat später ein Space.com-Artikel …

Die erste genaue Parallaxen-Messung bei einem Schwarz-Loch-Kandidaten

ist mit Radio-VLBI an V404 Cygni gelungen: 0.42±0.02 Millibogensekunden. Die resultierende Entfernung von 2.4 kpc ist viel geringer als bisher angenommen. (Miller-Jones & al., Preprint 27.10.2009) NACHTRAG: Monate später hat’s jemand mitbekommen.

Die ersten Aufnahmen von Helium in der Sonnenkorona sind im September mit dem Sounding-rocket Coronagraphic Experiment (SCORE) auf einer NASA-Höhenrakete gelungen – ein ähnliches Instrument soll dereinst auf dem Solar Orbiter fliegen. (ASI Release 28.9.2009)

Schon wieder “Precovery”-Bilder der Planeten von HR 8799

Einer der drei 2008 entdeckten Planeten des Sterns war schon ein Jahrzehnt früher in anderen Bildern vorhanden gewesen – und jetzt sind gar alle drei nachträglich auf Keck-Bildern im H-Band mit Adaptiver Optik von 2007 aufgespürt worden. (Metchev & al., Preprint 6.10.2009)

Noch eine Jagd nach möglichen Planeten von Alpha Centauri ist eröffnet (vgl. einen UCSC Release und diesen, diesen, diesen, diesen und ganz frisch diesen Artikel): diesmal auf Neuseeland, wo der Doppelstern von 44°S aus das ganze Jahr lang zu sehen ist. Was die Analyse der Reihen von Spektren erleichtern mag. (Cosmic Diary 22.10.2009)

Von wegen Eiskugel: Kuiperoid Quaoar ist dichter als Fels

Hubble-Beobachtungen des großen Kuipergürtelobjekts Quaoar und seines Mondes Weywoot haben gezeigt, dass ersteres nur 900 km groß und damit dichter als sogar Felsen ist – zum üblichen Bild des Kuipergürtels als Hort großer und kleiner Eisbrocken passt das nicht. Ist Quaoar aus dem inneren Sonnensystem entlaufen oder das Opfer eines gewaltigen Zusammenstoßes gewesen? (Scientific American 13., Science Blogs 15.10.2009) NACHTRAG: Im März 2010 gab’s auch ein detailliertes Paper dazu.

Hubble-Daten auch vom Orcus-Vanth-System: Bei keinem Kuiperoid mit Begleiter ist dieser relativ zum Hauptkörper so groß. Eindeutig sind die Messungen nicht: Zwischen 900 und 280 bzw. 820 und 640 km ist für das Paar alles drin, je nachdem ob Vanths Albedo so große wie Orcus’ oder nur halb so groß ist. Entsprechend kann auch das Massenverhältnis zwischen 33:1 und 2:1 liegen. (Brown & al., Preprint 26.10.2009)

Ist der Merkur aus der Venus (oder der Erde) entstanden?

Das klingt verrückt, aber in der gewalttätigen Frühzeit des Sonnensystems mag so manches möglich gewesen sein: Die Erde hat z.B. nur deswegen einen Mond, weil ein gewaltiger Impaktor sie streifend traf – bei einem Volltreffer wäre das ‘Baumaterial’ weggespritzt und hätte sich nicht im Orbit sammeln können. Und wer weiß: Vielleicht ist der Merkur genau auf diese Weise entstanden, als fehlgeschlagener ‘Versuch’ der Entstehung eines Venus- oder 2. Erdmondes? Auf der Weltplanetentagung in Puerto Rico wurde diese Möglichkeit im Oktober jedenfalls ernsthaft diskutiert. (Scientific American 8.10.2009)

“Zwischenfall” im Saturnsystem vor 25 Jahren: Wie Beobachtungen während der aktuellen Kantenstellung nahelegen, befindet sich der D-Ring nicht exakt in der Äquatorebene des Planeten – da es schwierig ist, ihn als ganzes zu kippen, könnte stattdessen eine Massenumlagerung im Saturninneren seine Rotationsachse etwas verschoben haben. Nach einem plausiblen Szenario – irgendeiner Art – wird aber noch gesucht. (New Scientist 14.10.2009)

Gefrorenes Wasser auf der ganzen Oberfläche von (24) Themis

Zum zweiten Mal ist – wahrscheinlich – Eis auf der Oberfläche des Asteroiden Themis nachgewiesen worden, diesmal großflächig über sie verteilt: Es müsste in Themis’ Sonnenabstand eigentlich längst sublimiert sein, so dass eine ständige Quelle erforderlich ist. Vielleicht befindet sich ein großer Vorrat unter der Oberfläche und wird bei Impakten immer wieder freigelegt? Ähnlich könnten die Hauptgürtel-Kometen “funktionieren”. (Science News 8., New Scientist 12.10.2009) NACHTRAG: Im April 2010 stand’s dann in Nature.


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