Posts Tagged ‘QuikScat’

Raumfahrt-Nachrichten kompakt

26. November 2009

Die gesamte Erdoberfläche – aus 9500 Landsat-Bildern

“Absolut gratis” und “zugänglich für jedermann” ist ein gewaltiges Mosaik aus Farbbildern der Landsat-Satelliten (und auch ein paar anderer, um Lücken zu schließen) von 2004-7: Auflösung durchgängig 30 Meter, nirgends Wolken, und jeder Punkt festen Landes ist dabei. Früher hätte solch ein Datensatz mal 36 Mio.$ gekostet! (NASA Earth Observatory 18.11.2009)

Grünes Licht für CryoSat 2: Die Startkampagne für den 25.2.2010 hat begonnen. Nach GOCE, dessen Inbetriebnahme am 23.11. abgeschlossen war, und SMOS, der seine ersten Testbeobachtungen mit der MIRAS-Antenne gemacht hat, wird CryoSat 2 der dritte Earth Exoplorer der ESA – mit dem ersten Platz hat’s nicht geklappt, weil der erste CryoSat einer versagenden Rakete zum Opfer fiel. (ESA Releases 19., 20., 25. 11.2009)

Meeressatellit QuikScat nach zehn Jahren ausgefallen

Seit dem 23.11. bewegt sich die Radarantenne des US-Satelliten nicht mehr, mit der er einen 1800 km breiten Meeresstreifen überstreichen und durch die Rückstreuung Windrichtung und -geschwindigkeit bestimmen konnte – dieses Verfahren erwies sich bald als so nützlich, dass es auch in die operative Wettervorhersage einbezogen wurde, v.a. für die Hurrican-Beobachtung. Eigentlich waren die Mission nur auf 2 und die Antennenmechanik auf 5 Jahre ausgelegt, so dass der Ausfall der letzteren nicht überraschend kommt. Sollte die Antenne starr bleiben, kann der ansonsten intakte Satellit vielleicht noch für andere Aufgaben eingesetzt werden; die Meteorologen aber müssen sich andere Datenquellen suchen. (JPL Release 23., Spaceflight Now, Sun Sentinel 24.11.2009) NACHTRAG: Space News zu den Konsequenzen.

GRACE-Satellit hilft bei Bestimmung der Meerwasser-Menge: Kurzzeitige Schwankungen in der räumlichen Verteilung der Ozeanwassermassen sind aus Messungen des Erdschwerefeldes des Satellitenpaares (siehe Artikel 447) und andere Daten ermittelt worden, was u.a. für bessere Klimamodelle wichtig ist. (Uni Bonn PM 11., NASA Earth Observatory, BBC 12.11.2009)

Neue Hinweise auf einen früheren Ozean auf dem Mars

Diesmal ist es eine halbautomatische Analyse von Flussbetten auf dem Mars, die für häufige Regenfälle in ferner Vergangenheit sprechen soll – und dafür, dass es damals auch einen (und zwar genau einen) substantiellen Ozean gab, während der Rest des Planeten eher wüstenhaft war. Das Netz der Flüsse ähnelt nun dem irdischen stärker als bisher. (Northern Illinois University Press Release 23.11.2009)

Neue Software soll den MRO schützen, bevor er aus seinem Safe Mode aufgeweckt wird: Der – riskante – Update des Flashspeichers soll verhindern, dass der Marsorbiter bei einer Verkettung unglücklicher Umstände auf einmal glaubt, er sei noch auf der Erde … Wann der MRO die wissenschaftliche Arbeit wieder aufnehmen darf, ist noch völlig unklar. (JPL Release 24.11.2009)

Kaum zu glauben: Die “Mars-Bakterien” sind wieder da. Oder?

Begleitet von abstrusen Schlagzeilen wird in areophilen Kreisen eine dicke Arbeit gefeiert, nach der die winzigen Magnetitkristalle im Marsmeteoriten ALH 84001 – das letzte verbliebene mögliche Indiz für Spuren vergangenen Lebens in dem Brocken – allein biologisch erklärt werden können. Neue Mikroskope hätten alle alternativen Erklärungen, wie sie sich schon vor 10 Jahren durchgesetzt hatten (siehe z.B. Artikel 171), vom Tisch gefegt. Unter den Autoren des Papers sind allerdings viele, die auch auf demjenigen Paper gestanden hatten, das den ALH-Wirbel 1996 ausgelöst hatte, und die danach immer mehr in die Defensive geraten waren. Da ist kaum zu erwarten, dass das Pendel in Sachen Marsbakterien nun plötzlich in die andere Richtung schwingt … (Spaceflight Now 24., IO9 25., Cumbrian Sky 26.11.2009) NACHTRAG: Ein Chemiker liest das Paper.

Keine “Fly-By-Anomalie” bei Rosettas letztem Erdbesuch: Die Kometensonde folgte perfekt den Kepler’schen Gesetzen, wie auch beim 2. Flyby, während es beim 1. zu einer ungeklärten – winzigen – Abweichung gekommen war. Das finden die Auswerter nun irgendwie unbefriedigend. (Rosetta Blog 23.11.2009)

Eine größere Rolle der EU in der europäischen Raumfahrt

schwebt wohl EC-Präsident M. Barroso vor, der den Weltraum zu einer seiner Prioritäten seiner 2. Amtszeit machen will. Während Europa insgesamt rund 6 Mrd. Euro im Jahr für Raumfahrt ausgibt, beträgt der direkte EU-Anteil nur 700 Mio. Euro: Das soll ab nächstem Jahr anders werden, v.a. wenn sich in der 2. Jahreshälfte ein großer Weltraumgipfel in Brüssel die Weichen stellt. Bis dahin wird man auch wissen, wohin die US-Raumfahrt steuert und dann ggf. eigene Beiträge definieren können – an einigen Explorations-relevanten Technologien wird bereits gearbeitet. (AW&ST 2.+16.11.2009 S. 30/53)

Wichtigste Bodenstation für die Galileo-Satelliten eingeweiht: Im Guiana Space Centre bei Kourou entsteht die umfassendste der zahlreichen Bodenstationen für die Kontrolle der 30 europäischen Navigationssatelliten. (ESA Release 20.11.2009)

Braucht das Vereinigte Königreich eine eigene Raumfahrtbehörde?

Während das Science & Technology Facilities Council im Prinzip eine Umwandlung des British National Space Center (BNSC) in eine richtige Weltraumagentur befürwortet, ist das ebenfalls im BNSC involvierte Natural Environment Research Council dagegen und würde eine Earth Observation Partnership bevorzugen. (AW&ST 19.+26.10.2009 S. 32/23) NACHTRAG: Die Agentur wird kommen, steht seit dem 10.12. fest, wie BIS, BNSC, STFC, R.A.S., BBC, Space News, Nature Blog und Space Today berichten.

DLR liefert Nasenkappe für EXPERT-Weltraumkapsel aus, eine europäische Testplattform für Wiedereintrittstechnologie (European eXPErimental Reentry Testbed), die im Auftrag der ESA Daten bei der Rückkehr in die Erdatmosphäre sammeln wird. Im Herbst 2010 soll sie mit einer russischen Volna-Trägerrakete von einem U-Boot im Pazifik aus starten, einen suborbitalen Flug absolvieren. (DLR PM 19.11.2009)

Planung für bemannten Asteroidenflug läuft längst

Während noch gar nicht ausgemacht ist, dass die NASA-Raumfahrt künftig dem “flexible path” folgen wird, laufen längst Studien, wie man mit Orion-Kapsel zu einem erdnahen Asteroiden fliegen könnte: LockMart hatte dazu mit der Studie “Plymouth Rock” bereits Vorarbeit geleistet. Solch eine Reise – realistisch im Zeitraum 2020-25? – gilt als Mittelweg zwischen Mond (war’n wir schon) und Mars (weit weg): Sie würde etwa 1/2 Jahr dauern. (Space.com 23.11.2009) NACHTRAG: Auch die Huntsville Times hat davon gehört.

Die ESA hat Node 3 “Tranquility” an die NASA übergeben, das letzte große Stück Euro-Hardware für die ISS: Die Lieferung war 1997 im Rahmen eines groß angelegten Tauschhandels beschlossen worden, geliefert werden soll per Shuttle im Februar 2010, inklusive der Aussichts-Cupola. (ESA Release 21.11.2009. Auch Spaceflight Now 21.11. zu den neuen Gyros für die ISS und Wired 18.11.2009 über den ersten bloggenden ISS-Kosmonauten)

Vorsichtige Annäherung USA – China in der Raumfahrt

“The United States and China look forward to expanding discussions on space science cooperation and starting a dialogue on human space flight and space exploration, based on the principles of transparency, reciprocity and mutual benefit,” heißt es in einem U.S.-China Joint Statement vom 17.11. anlässlich von Obamas China-Besuch: “Both sides welcome reciprocal visits of the NASA Administrator and the appropriate Chinese counterpart in 2010.” Wohin die Reise allerdings gehen wird, ist noch sehr unklar – insbesondere, ob Chinas lange gehegter Wunsch nach Zugang zur ISS in Erfüllung gehen kann. Auch der Augustine-Bericht hatte “signifikantes Potenzial” Chinas bei einer Partnerschaft gesehen. (CNET, Space News 17., Space Today 18., Discovery 19.11.2009 sowie AW&ST 2.11.2009 S. 27)

Iran will einen Nachrichtensatelliten starten – Ende 2011, auf einer eigenen Rakete: Dieser Plan wird auch deswegen vorangetrieben, weil Italien wie Russland den Start des Satelliten verweigert haben. Und dass die eigenen Raketen orbitfähig sind, hatte der Iran bereits diesen Februar bewiesen, als ein Testsatellit 2 Monate im Orbit blieb. (MSNBC 20.11.2009)

Zivil-Kosmonaut und Raketenentwickler gestorben

Im Weltraum war Konstantin Feoktistov nur einmal gewesen, 1964 mit Voskhod 1, der ersten Kapsel für mehr als einen Passagier – aber er war der ersten Raketenwissenschaftler überhaupt, der sein Produkt auch persönlich testete. Und wie nur wenige war er kein Militär und auch kein Mitglied der KPdSU, doch seiner Karriere schadete das nicht: Noch bis 1990 war Feoktistov Chefentwickler bei Energia und an zahlreichen sowjetischen Raumfahrtprojekten der SU beteiligt gewesen. Am 21. November starb er mit 83. (CollectSpace, BBC 22., New York Times, Nature Blog 23., Space Today 24.11.2009)

Russischer Kosmonaut beklagt zielloses Programm: Mikhail Tyurin wurmt insbesondere, dass es immer noch keinen Soyuz-Nachfolger gibt, ja man sich noch nicht einmal über die grundlegende Technologie (Landung als Shuttle oder am Fallschirm) einig sei. (MSNBC 20.11.2009)


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