Mit ‘Rosetta’ getaggte Artikel

Leuchtende Nachtwolken mal von der Seite

25. Juni 2012

von Bord der ISS aus am 13. Juni als polare mesosphärische Wolken aufgenommen, bei denen es sich um dasselbe Phänomen handelt: Die 2012-er Saison hat sich schon gut entwickelt (letzter Absatz), und die vergangene Nacht brachte v.a. im nördlichen U.K. eine besonders gute Show, wie Fotos hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier sowie ein Bericht (unnötig knatschig, angesichts der Bildergebnisse …) belegen.

Sozusagen Mitternachtssonne für die ISS, jedenfalls ein ‘missglückter’ Sonnenuntergang in einem ungewöhnlichen Video. Die Telemetrie von der Raumstation kann jetzt übrigens teilweise live verfolgt werden.

Eine neue “Blaue Murmel”, diesmal mit der Arktis dominant: wie die anderen auch zusammengesetzt aus zahlreichen Scanstreifen des Satelliten NPP Suomi.

Ein altes Landsat-7-Bild von Tahiti von 2001 ist jetzt noch einmal veröffentlicht worden, zu Ehren der dortigen Beobachtungen des Venustransits 1769.

Der Lago Trasimeno aus 32.3 km Höhe aufgenommen während des StratoSpera-4-Ballonfluges über Italien am 27. Mai – 1/3 Raumfahrt sozusagen, da der Weltraum bekanntlich in 100 km Höhe beginnt.

Und mal wieder ein fetziges Startvideo der United Launch Alliance, diesmal von der Atlas V, die am am 20. Juni NROL-38 startete – da der so was von geheim war, bricht das Video leider ohne sein Happy End ab …

Ein junger Einschlagskrater auf dem Mond mit noch ausgeprägtem Strahlen-System: Das besteht aus hellerem Bodenmaterial, das bei der Entstehung des 80-m-Kraters – am Rand des viel größeren Kraters Lomonosov übrigens – heraus flog und sich über die verwitterte Oberfläche legte.

Die Krater auf dem Asteroiden haben jetzt Namen bekommen, die sämtlich welche von Edelsteinen sind: Im September 2008 war Rosetta vorbei geflogen, wobei sich der scheinbar eckige Asteroid als ein Trümmerhaufen entpuppte.

Ein besonders starker Jetstream auf dem Saturn bei 42°N auf einer Falschfarben-Aufnahme Cassinis vom 13.1.2008: Angetrieben werden diese besonders starken atmosphärischen Strömungen durch Wirbel, die wiederum die Folge starker lokaler Temperaturunterschiede sind. Wobei die Energiequelle nach einer neuen Untersuchung die Wärme aus dem Planeteninneren und nicht die Sonneneinstrahlung ist: Der lange Aufenthalt Cassinis im Saturnsystem hat Klarheit geschaffen, indem 120’000 Windvektoren aus einer langen Bilderserie gemessen werden konnten.

Rosetta passiert Lutetia – endlich auch als Film

10. April 2012

Über die Ergebnisse des Rosetta-Vorbeiflugs an Lutetia (Header) wurde schon berichtet (“Rosettas Beobachtungen …”; auch ISAN 150-5 und weitere Erkenntnisse) – aber jetzt sind endlich alle Daten frei verfügbar geworden, und die Fangemeinde hat sie schon veredelt: etwa zu dem Video oben, das etwas flackert, weil dauernd der Farbfilter gewechselt wurde. [NACHTRAG: eine weiter verschönerte Version.] Aber auch aus den Einzelbildern konnte noch eine Menge heraus geholt werden. Bonus-Link: Der Blogger, Stunden nach dem Flyby bei einem Spontanvortrag mit den allerersten Bildern im südargentinischen El Calafate am Vorabend einer gewissen Sonnenfinsternis …

Die große Eros-Parallaxen-Kampagne läuft!

28. Januar 2012

Die kritische Woche für die “Nachstellung” bahnbrechender Messungen der Dimensionen des Sonnensystems aus den 1930-er Jahren (siehe ISAN 153-10) hat soeben begonnen: Vom 28. Januar und 3. Februar sind zu jeweils drei international koordinierten Uhrzeiten – in Europa: Punkt Mitternacht MEZ – Bilder von Eros & Sternen auf zu nehmen, die dann astrometrisch ausgewertet werden sollen. Auf exakt diese Weise wurde mit demselben Kleinplaneten vor 80 Jahren eine bessere Astronomische Einheit als zuvor mit den Venustransits erhalten, und das 2012 bietet die einmalige Chance, beide Methoden im selben Jahr nach zu stellen! Die weltweite Bewerbung der Idee wird hoffentlich zu genügend ‘erotischen’ Daten führen: Hier gibt’s die beste Aufsuchkarte – und die Bilder dieses Bloggers hier und hier zeigen, dass man Eros mit seinen 8.5 mag. sogar mit stehender Kamera erwischen kann.

Christoph Gerber

Eine visuelle Lichtkurve von Eros aus einer (langen) Nacht – auch das kann man mit dem unförmigen Eros in Erdnähe anstellen! “Ausgerüstet mit einem 12×60-Fernglas konnte ich den Lichtwechsel gut verfolgen,” berichtet Christoph Gerber aus dem Neckartal bei Heidelberg, “und zwar genau über die etwa 5:16 Stunden lange Rotationsperiode (00:25 – 05:55 MEZ). Ich habe alle halbe Stunde die Helligkeit geschätzt, wobei mir das Programm Stellarium (Version 0.10.2) von großer Hilfe für die Bestimmung der Helligkeit war. Da ich die visuellen Helligkeiten (V) anhand der dazugehörigen Farbhelligkeiten gemäß dem Johnson-Faktor auf ‘Augen-visuelle’ Helligkeiten (v) korrigieren konnte, sind mir sehr einheitliche Schätzungen mit einer Genauigkeit von 0.05 mag. gelungen.

Das liegt mit daran, daß sich der Kleinplanet in der Mitte eines Sternfeldes mit sehr günstigen Vergleichsternen befand, was mir zwei oder sogar drei Schätzungen mit jeweils unterschiedlichen Sternen zu den einzelnen Zeitpunkten erlaubte. Die einzelnen Schätzungen erwiesen sich als sehr konsistent untereinander, mit einer maximalen Abweichungen von 0.05 mag! Die erhaltene Lichtkurve ist für eine visuelle Beobachtung daher ungewöhnlich glatt – ein bessers Ergebnis ist kaum zu erzielen. Die erwartete Doppelkurve mit zwei unterschiedlich hohen Maxima und Minima zeigte sich sehr schön. Die Gesamtamplitude in dieser Nacht betrug 0.55 mag. (7.95 – 8.50 m) – zwar deutlich unter der maximal möglichen von 1.5 mag, aber dennoch sehr auffällig und leicht zu verfolgen.”

ESA / MPS/UPD/LAM/IAA/RSSD/INTA/UPM/DASP/IDA / UMSF

Diese Rosetta-Aufnahmen von Mars & Phobos sah die Welt fünf Jahre lang nicht: Nach dem Vorbeiflug der Kometensonde war nur wenig veröffentlicht worden – und erst kürzlich landeten die Bilder der OSIRIS-Kamera im öffentlichen Datenarchiv. Wo sie sogleich von Fans geborgen und ordentlich aufbereitet wurden, etwa ein Bild mit Phobos & seinem Schatten auf dem Mars, so dass nun sie endlich öffentlich bestaunt werden können: oben ein Gesamtmars und zwei Nah-Ausschnitte mit Phobos neben bzw. vor dem Planeten.

NASA/NOAA/GSFC/Suomi NPP/VIIRS/Norman Kuring

Eine Erde mit 8000 x 8000 Pixeln vom Satelliten Suomi NPP, wie der letzten Oktober gestartete US-Wettersatellit neuerdings heißt, kurz für “Suomi National Polar-orbiting Partnership”. Bei dem Bild vom 4. Januar herrscht Anklick-Pflicht (“hi-res image”): Dann erscheint es in voller Pracht, als neueste “Blaue NASA-Murmel”. Der gute Eindruck täuscht übrigens ein wenig: In 4 der 22 Farbkanäle verringert ein schmutziger Spiegel die Empfindlichkeit der Kamera VIIRS – das soll sich aber kompensieren lassen.

Erkenntnisse über – drei – Asteroiden kompakt

2. November 2011

Dawns Vesta-Impressionen in schreienden Falschfarben: Während in der Version links die Farben R, G und B Aufnahmen mit drei verschiedenen Filtern im nahen Infraroten zugeordnet wurden, sind es rechts jeweils die Intensitätsverhältnisse in zwei Spektralbändern – so kann man mineralogische Feinheiten heraus kitzeln. In Echtfarben würde Vesta dem Auge praktisch grau erscheinen.

Hayabusa-Teilchen zeigen klar: S-Asteroiden wie Itokawa sind gewöhnliche Chondriten – mit Weltraum-Verwitterung

Ein fundamentales Rätsel des Sonnensystems hat offenbar die winzige Menge Oberflächenstaub gelöst, die die japanische Raumsonde Hayabusa vom Asteroiden Itokawa zur Erde holen konnte: Das Material, aus dem dessen häufigste Kleinplaneten-Klasse S besteht, ist identisch mit dem der häufigsten Meteoritengruppe, der gewöhnlichen Chondriten – doch Einflüsse des Weltraums (“space weathering”) sorgen für eine Rotfärbung der Asteroiden, die den Zusammenhang gründlich verschleiert. Mineralogisch sind die Itokawa-Partikel – keines größer als 0.2 mm, die meisten kleiner als 10 µm – von Meteoriten des Chondritentyps LL4-6 (mit besonders wenig Eisen) kaum zu unterscheiden. Aber im Detail erkennt man, wie sie ungeschützt auf der Asteroiden-Oberfläche dem Sonnenwind, Strahlung und Mikroimpakten ausgesetzt zu einer doppelten hauchdünnen Kruste gekommen sind, die ihre Farbe deutlich verändert. Selbst über die Vergangenheit und Zukunft Itokawas geben die Hayabusa-Teilchen – 1534 von 3 bis 40 µm Durchmesser wurden mit einem Spachtel aus der Probenkapsel gekratzt, 40 von 30 bis 180 µm heraus geklopft – Auskunft: So wurden sie anfangs bis zu 800°C erhitzt.

Das kann nur im Inneren eines mindestens 20 km großen Asteroiden mit genug radioaktivem Al-26 und seiner Zerfallswärme passiert sein – der dann später zerstört wurde: Itokawa ist sozusagen ein Geröllhaufen, der sich aus Teilen der Trümmer neu formte. Es fällt auch auf, dass in die Hayabusa-Teilchen kaum Ne-21 aus dem Sonnenwind eingelagert wurde: Sie befanden sich demnach nur ca. 8 Mio. Jahre auf der Asteroiden-Oberfläche. Was wiederum bedeutet, dass diese durch ständige Kollisionen mit interplanetarem Staub fortwährend erodiert wird (der 535 x 294 x 209 Meter große Brocken hat kaum Schwerkraft, um Ejekta zurück zu halten), um mehrere Dezimeter pro Jahrmillion: In einer Milliarde Jahren ist Itokawa weg … (Science 26.8.2011 S. 1081 + 1098-9 + 1113-31; AAAS, UCF Releases, Nature News 25., PSRD 31.8., Planetary Society Blog 20.9.2011. Und ein JAXA-Interview zu einem der Hayabusa-Kinofilme sowie zwei Papers 30.8.2011 mit fotografischen und spektroskopischen Beobachtungen des bis zu vollmondhellen Hayabusa-Reentry-Feuerballs über Australien – selbst die letzten Sekunden der Mission wurden noch wissenschaftlich genutzt!)

Rosettas Beobachtungen lassen Lutetia als übriggebliebenes Planetesimal erscheinen, aus der Bauphase des Sonnensystems: Der am 10. Juli 2010 im Vorbeiflug besuchte Asteroid (121 x 101 x ca. 75 km groß, mit dem Volumen einer 98-km-Kugel, und 1.7 Billiarden Tonnen Masse) hat eine mit 3.4±0.3 g/cm^3 ungewöhnlich hohe Dichte, eine bis zu 3.6 Mrd. Jahren alte Oberfläche – bestimmt aus der hohen Verkraterung – und eine komplexe geologische Vergangenheit. Die hohe Dichte (bestimmt aus der Bahnablenkung Rosettas) spricht für eine nicht-chondritische Zusammensetzung von Lutetias Innerem und Bestandteile mit hohen Atomzahlen, etwa Eisen, die Oberfläche ist allerdings chondritischer Natur (Enstatit oder kohlig) und eisenarm und bot Rosettas VIRTIS keinerlei Absorptionsfeatures von Silikaten oder von Wasser veränderten Mineralien. Zwar scheint Lutetia – im Gegensatz zu anderen von Raumsonden besuchten Asteroiden, die eher Trümmerhaufen sind – die Geschichte des Sonnensystems unbeschadet überstanden zu haben und auch bestenfalls partiell aufgeschmolzen und differenziert zu sein, aber manche ihrer Landschaften sind durchaus modern: geformt von Erdrutschen nach Einschlägen, z.T. erst vor 50 bis 80 Mio. Jahren. (Science 28.10.2011 S. 487-94; ESA, Academy of Finland Releases, PM der MPG 27.10.2011)

Kometensonde Rosetta nähert sich Winterschlaf

23. Februar 2011

Endlich gibt es Informationen über den Zwischenfall beim großen Bahnmanöver (“Rosetta während Deep-Space-Manöver in Safe-Mode geraten!”): Bei der Triebwerkszündung am 18. Januar hatte die räumliche Orientierung der Kometensonde um 2° vom Soll abgewichen, was einen Safe Mode auslöste. So ganz verstanden ist das wohl noch nicht, aber nach ein paar Tagen konnte das mehrtägige Manöver – mit einem anderen Betriebsmodus der Düsen wieder aufgenommen und letztlich mit nur einem Tag Verspätung beendet werden. Dabei waren 98% des gewünschten Delta-V erfüllt, die restlichen 2% wurden im Februar nachgeholt: Rosetta ist jetzt auf Kollisionskurs mit dem Zielkometen. Ein weiteres großes Manöver 2014 wird dann die Bahn so verbiegen, dass sich die Geschwindigkeiten beider angleichen und Rosetta im Laufe des Jahres in eine Umlaufbahn einschwenken kann. Zuvor aber muss Rosetta – fern der Sonne mit zuwenig Sonnenenergie – einen 2-1/2-jährigen Winterschlaf halten, der im Juni eingeleitet werden und erst im Januar 2014 automatisch enden soll. Dann wird die Sonde allerdings in einem prekären Energiezustand sein, schon jetzt hat sie bei 4 AU Sonnenabstand kaum mehr genug Strom. Ihre Sonnenzellen werden in den nächsten Wochen noch einmal ausgiebig getestet, ebenso drei der wissenschaftlichen Instrumente im März. Im April und Anfang Mai wird kaum mit Rosetta kommuniziert, weil die Sonde dann der Sonne genau gegenüber steht, die in die Kommunikationsantenne strahlt. Und dann beginnt auch schon die lange Hibernation, während der keinerlei Funkverbindung mit Rosetta bestehen wird … (Rosetta Blog, Planetary Society Blog 22.2.2011)

Start des Klimasatelliten Glory um 24 Stunden verschoben

Wegen eines – etwas mysteriösen – Problems in letzter Minute mit der Taurus-Rakete, das sich nicht rechtzeitig beheben ließ, ist der Start des NASA-Satelliten Glory vom 23. auf den 24. Februar verschoben worden. An Bord sind zwei Instrumente: Der Aerosol Polarimetry Sensor soll über Polarisationsmessungen einer neuen Qualität klimarelevante Informationen über die Aerosole in der Erdatmosphäre liefern, während der Total Irradiance Monitor die Einstrahlung der Sonne misst – ein noch weiter verbesserter Nachfolger des TIM auf dem Satelliten SORCE, der bereits als besonders gut geeicht gilt (siehe ISAN 128-12). Mindestens 3 Jahre soll Glory arbeiten, der sich in den “A-train” mehrerer Umweltsatelliten einreihen wird, die immer um 13:30 Uhr Ortszeit den Äquator kreuzen. (Status; NASA Releases 23., 22., 16., 10.2. [mehr], 20.1.2011 [mehr]; Univ. of Colorado Release 22.2.2011; Space Today 23.2., Nature 25., 20.1.2011. Und ein ESA Release zu Parallelmessungen zum SMOS-Satelliten während einer Regatta) NACHTRAG: Der Glory-Start ist um mindestens weitere 24 Stunden verschoben worden. NACHTRAG 2: nee, bis März – da liegt einiges im Argen.

29 Teams sind jetzt offizielle Bewerber um den Google Lunar X Prize

Die entscheidenden Verträge mit dem Veranstalter sind unterschrieben – und es winken 20 Mio.$, wenn es gelingt, vor 2015 einen Rover auf den Mond zu bringen, der 500 m weit fährt und HD-TV-Bilder funkt. Astrobotic Technology – die bereits eine Rakete gebucht (“Private Mondfahrer …”) haben – scheinen im Moment in Führung zu liegen, gefolgt von Next Giant Leap. Aber viele Teams sagen fast nichts, was Einschätzungen schwierig macht. (Wired 18.2.2011. Und die Irish Times und die ZEIT zu Winterschlafforschung an Bären, die einmal für Raumfahrer interessant werden könnte …)

Stardust trifft Tempel 1: So soll es passieren

14. Februar 2011

Auch das letzte Bild, das vor dem Vorbeiflug (siehe ISAN 129-8) aufgenommen wurde, 42 Stunden vor der größten Annäherung, zeigt nicht viel vom Kometen Tempel 1, dem sich die alte Stardust-Sonde weiterhin mit 10.9 km/s nähert: Passiert wird der Kern morgen früh um 5:40 MEZ, und ab 9:00 MEZ soll die Übertragung der 72 Bilder aus der Nähe – mehr passen nicht in den Speicher! – beginnen. Jedes braucht etwa 15 Minuten bis zur Erde, nach etwa 10 Stunden sollten sämtliche Daten auf der Erde sein, die in den 8 Minuten rund um den Flyby aufgenommen werden sollen. Die 5 besten Nahaufnahmen sollten allerdings schon bis 10:30 MEZ zu sehen gewesen sein, und von 9:00-10:30 MEZ gibt’s denn auch eine Sondersendung auf NASA-TV (wie zuvor von 5:30-7:00 MEZ, wenn die generelle Funktion Stardusts während des autonomen Encounters bekannt werden sollte). Auf einer Pressekonferenz ab 19:00 MEZ soll’s dann eine etwas tiefere Einschätzung der Ergebnisse des ersten Wiederbesuchs eines Kometenkerns nach einem Sonnenumlauf geben. JPL Releases vom 14. (mehr), 10., 9. und 8., Univ. of Chicago Release 11., Washington Univ. Release, Science@NASA 9., Cornell, NASA Releases 8.2.2010 – und ein kleines Vorschau-Video. Detaillierte Updates bietet eine Status-Seite!

Rosetta während Deep-Space-Manöver in Safe-Mode geraten! Die ESA gibt sich äußerst wortkarg über den Zustand der teuren Kometenmission, die während einer großen Bahnkorrektur (“Rosetta …”) im Januar in einen Safe Mode geriet. Erst wochenlanges Schweigen, dann eine knappe Blog-Mitteilung am 4. Februar – und auf den dort angekündigten “very nice update next week” warten wir immer noch …

Nächster Sonnensegler auf Start-Shortlist der NASA gelandet

Das LightSail 1 der Planetary Society hat endlich eine – prinzipielle – Mitfluggelegenheit: Die NASA hat es als einen von 20 CubeSats auf eine Liste von Minisatelliten gesetzt, die 2011 oder 2012 bei einem Raketenstart als Zusatznutzlast mitgenommen werden können. Im Sommer sollte das Spacecraft fertig sein; bei der Rakete ist man allerdings wählerisch: Mindestens 825 km soll die Bahn schon hoch sein, so dass sich das LightSail mit Hilfe des Strahlungsdrucks der Sonne zunächst noch etwas höher schrauben kann und nicht gleich – wie das NanoSail – von der Reibung an der Atmosphäre nach unten gezogen wird.

NanoSail D überraschend aus FASTSAT geflutscht!

20. Januar 2011

Nachdem das – zunächst irrtümlich als Erfolg gefeierte – Aussetzen des Nanosatelliten NanoSail D aus dem FASTSAT offensichtlich nicht stattgefunden hatte (“Keinerlei Kontakt …”), war die Ratlosigkeit groß. Aber zumindest war der Deckel aufgegangen, die anderen fünf Experimente auf dem FASTSAT arbeiteten einwandfrei, und dieser Satellit meldete regelmäßig seinen Zustand. Und am Morgen des 19. Januar, anderthalb Monate nach dem misslungenen Manöver, staunte die Flugkontrolle nicht schlecht: NanoSail war weg, hatte sich spontan selbst auf den Weg gemacht! Bald darauf wurden auch schon seine Funksignale von alarmierten Amateurfunkern in aller Welt empfangen (auch von solchen, die für die NASA arbeiten – und vor Freude unter der Decke hingen, wie sie in ihrem Blog erzählen). Wenn beim Verlassen des FASTSAT auch der Timer gestartet wurde, dann müsste sich das Sonnensegel gegen 4 Uhr MEZ morgen früh entfalten, während die Batterie des Funksenders nach etwa drei Tagen schlapp machen dürfte: Ab dann sind auch Amateurastronomen gefragt (siehe ISAN 124-2), das Schicksal des Experiments zu verfolgen. (NASA Release, WA4NZD, Universe Today 19., Centauri Dreams, NanoSail-Tweet 20.1.2011 – und ein ‘Dashboard’ verrät den aktuellen Zustand, während eine Echtzeit-Grafik die Bahn des Satelliten zeigt)

Rosetta in der Mitte von einer enormen Bahnkorrektur

Um nach kurz vor dem großen Winterschlaf endgültig Kurs auf den Zielkometen Churyumov-Gerasimenko zu nehmen, führt dessen künftiger Orbiter Rosetta vom 17. bis 23. Januar eine starke Bahnänderung durch: Viermal wird sein Haupttriebwerk eingeschaltet, zusammen 17 Stunden lang, um insgesamt ein Delta–v von 778 m/s auszuüben. Das ist viel mehr als typischerweise bei solchen Deep Space Maneuvers nötig ist und passt eher zum Einschuss in einen Planetenorbit (Cassini z.B. bremste am Saturn mit 626 m/s). Erst wenn die vierte Zündung beendet und ausgewertet ist, soll das Ergebnis verraten werden: Die erste war einen Tick zu stark, aber das sollte am Ende wieder ausgeglichen sein. (Rosetta Blog, v.a. vom 18.1.2011; Planetary Society Blog 18.1.2011. Und ein ESA Release zu Tests an der nächsten großen ESA-Planetensonde BepiColombo)

Radaranlage des Lunar Reconnaissance Orbiter ausgefallen: Am 4. Januar hat das Mini-RF “eine Anomalie” erlitten und liefert seither keine wissenschaftlichen Daten mehr – vermutlich ist der Sender ausgefallen. Auch wenn sich das Instrument nicht retten lässt: Mit über 400 Radarstreifen seit letztem September hat es seine Erfolgskriterien für den wissenschaftlichen Teil der LRO-Mission längst erfüllt. (Status 18.1.2011)

Nachrichten aus der Planetenforschung kompakt

4. November 2010

Beide ARTEMIS-Sonden kreisen um die Langrangepunkte L1 und L2 des Erde-Mond-Systems

Am 25. August bzw. 22. Oktober haben die beiden ehemaligen THEMIS-Satelliten (“Erste ARTEMIS-Sonde …”) den ersten Schritt hin zu ihrer neuen Aufgabe als Mondorbiter geschafft: 60’000 km “vor” bzw. “hinter” dem Mond und knapp außerhalb der Erdmagnetosphäre kümmern sie sich zunächst mit ihren je 5 Instrumenten um den Sonnenwind in der Mondumgebung und immer gegen Vollmond auch um den Magnetschweif der Erde. Sechs Monate später sollen sie sich dann noch näher an den Mond heranpirschen und extrem elliptische Bahnen einnehmen, auf denen sie sich meist in bis zu 18’000 km Enfernung aufhalten aber auch gelegentlich in zunächst 100 und später wenigen Dutzend km Höhe über die Mondoberfläche schießen: Nun geht es um die Wechselwirkung von Sonnenwind und Regolith. “Acceleration, Reconnection, Turbulence and Electrodynamics of Moon’s Interaction with the Sun” ist schließlich die wahre Bedeutung des neuen Akronyms für die NASA-Mondmission, die fast nichts kostet. Und den größtmöglichen Nutzen aus den beiden Satelliten der ehemaligen Fünferkonstellation zieht, die sonst durch zunehmenden Aufenthalt im Erdschatten erfroren wären; die anderen drei machen als verkleinertes THEMIS – “Time History of Events and Macroscale Interactions during Substorms” – im Erdorbit weiter. (Berkeley Release, Science@NASA 27., UCLA Release 28.10.2010. Und eine NASA-Notiz über einen möglichen – harmlosen – Treffer eines Mikrometeoriten)

Chang’e ist jetzt auf einer 15×100-km-Bahn um den Mond, so dass sich der neue chinesische Mondorbiter (“Wieder ein chinesischer …”) den Sinus Iridum aus der Nähe ansehen kann: Hier wird vermutlich eines Tages die erste Landung versucht. (Xinhua 26., Peoples’ Daily 25.10.2010. Und Voice of Russia über die bevorstehende Wiederaufnahme des russischen Mondprogramms)

Analyse der Teilchen in Hayabusas Kapsel zieht sich hin

Inzwischen sind schon über 150 µm-große Partikel in der Probenkapsel von Hayabusa entdeckt und geborgen worden, aber noch immer vermag die japanische Weltraumbehörde nicht mit Sicherheit zu sagen, ob auch nur eins davon vom Asteroiden Itokawa stammt. Inzwischen ist von “mindestens Februar” 2011 für eine Verlautbarung die Rede, aber der Optimismus ist doch gewachsen, denn um metallische Splitter von der Sondentechnik selbst handelt es sich nicht: Die meisten sind offenbar felsiger Natur. Bisher ist auch nur an einer von zwei Kammern (“A”) gearbeitet worden: Die Kammer B, in der beim Kontakt mit Itokawa noch mehr Bodenmaterial gelangt sein müsste, wird erst dieser Tage angegangen. (Daily Yomiuri 28., Mainichi Daily News 9., Nature Blog 7., Science Journalism Tracker 6.10., Spaceflight Now 29.9.2010)

Erste Erkenntnisse des Rosetta-Vorbeiflugs an Lutetia im Juli sind im Oktober auf einer Konferenz berichtet worden: Danach zeigt der bis zu 130 km große Asteroid eine Menge geologische Strukturen (Header-Box) aber auch Anzeichen für eine bis zu 600 m dicke Regolith-Schicht, wie sich aus der Flachheit von Einschlagskratern ergibt. Fast 240 Felsbrocken bis 100 m Größe hinab wurden gezählt – und die Masse Lutetias durch die Ablenkung von Rosettas Bahn bestimmt, was wiederum zu einer Dichte von etwa 3.1 oder 3.4 g/cm^3 führt: Ein Konglomerat aus kleineren Körpern mit viel Hohlräumen dazwischen ist das nicht, die Zahl entspricht viel mehr unserem Mond. Bei der Volumenbestimmung helfen auch Aufnahmen mit Adaptiver Optik von der Erde aus, die zusätzliche Blickwinkel liefern. Zu welchem Typ Lutetia gehört, weiß man übrigens immer noch nicht: Wichtige IR-Daten harren noch der Auswertung. (Keck, SwRI Releases, ESO Announcement, Scientific American 7., ESA Tweet 6., Space.com 5.10.2010. Und ein ESA-Statement zu Ärger mit Rosettas Reaction Control System, der Änderungen beim Betrieb der Sonde erzwingt aber die Mission nicht gefährdet)

Staubdetektor auf New Horizons nun der sonnenfernste aller Zeiten

Nachdem die Raumsonde am 10. Oktober die Marke von 18 Astronomischen Einheiten oder 2.7 Mrd. km Sonnenabstand passierte, kann sich der Venetia Burney Student Dust Counter an Bord nun rühmen, das am weitesten von der Sonne entfernt arbeitende Staubinstrument zu sein: Ungefähr in dieser Distanz gaben Anfang der 1980-er Jahre entsprechende Detektoren auf Pioneer 10 & 11 den Geist auf. Bisher stimmten die Messungen des SDC zum interplanetaren Staub gut mit Daten von Galileo und Ulysses auf dem Weg zum Jupiter überein. (New Horizons Headlines, Colorado Daily 11.10.2010; SDC Homepage. Auch eine Headline zum Verbleib der Oberstufe – und ein Nature-Editorial mit einer möglichen makabren Beigabe zur Juno-Mission zum Jupiter …)

New Horizons hat genau die halbe Reisezeit zwischen Erde und Pluto hinter sich: Diese Marke zwischen Start im Januar 2006 (siehe Artikel B77 und Pluto-Passage im Juli 2015) wurde am 17. Oktober um 3:24 UTC passiert. Kurz zuvor hatten sich die Flugkontrolleure mächtig erschrocken: Am 6.10. war wie schon viele Male nach Telemetrie der Sonde gelauscht worden – aber da war gar nichts! Das gab’s in den fünf Reisejahren noch nie, und man fürchtete schon das Schlimmste – doch es war nur die Antenne am Boden falsch konfigutiert gewesen … (PI Perspective 18.10.2010 – man beachte die bizarre Bildunterschrift, die alles Mögliche zu “kleinen Planeten” erklärt …)

Eintauchen in Venus-Atmosphäre liefert verblüffende Dichte-Daten

Immer wieder wird – unter streng kontrollierten Bedingungen – die Periapsis der Bahn des Venus Express etwas abgesenkt (“Der Venus Express …”), auf dass die ESA-Sonde den Widerstand der oberen Atmosphäre spürt: Er wirkt sich auf die Bahn aus und verursacht auf ein Drehmoment auf die Sonde mit ihren zwei um 90° gegeneinander versetzten Solarsegeln. Beide Informationen können ausgewertet werden und haben u.a. zu der Erkenntnis geführt, dass die Dichtemodelle der Venusatmosphäre nicht stimmen: Über den Polen ist die Dichte 60% geringer als angenommen. Diese Erkenntnisse sind auch operationell interessant, denn Anfang 2012 soll die Bahnhöhe des VEX durch Aerobraking permanent verringert werden: Das ermöglicht neue Beobachtungen und auch eine weitere Missionsverlängerung, da eine niedrigere Bahn in der Apoapsis weniger von der Sonne gestört und Treibstoff für Korrekturen eingespart wird. (ESA Release. ESA Science Release 7.10.2010. Auch EPSC Releases zur Variabilität des Venus-Vortex und Venus-Blitzen, die irdischen vergleichbar sind)

Nachrichten von Kleinplaneten kompakt

8. Juni 2010

Rosettas Ziel Lutetia ein kosmischer 125-km-Camembert

So beschreibt jedenfalls eine große Schar von Autoren – von 19 verschiedenen Institutionen – den Kleinplaneten Nr. 21, der nach dem antiken Namen von Paris benannt ist und an dem die Kometensonde Rosetta am 10. Juli vorbei fliegen wird. Schon lange ist Lutetia Gegenstand von irdischen Beobachtungen (“Nächstes Rosetta-Ziel”); diesmal wurden zahlreiche Lichtkurven sowie 324 Aufnahmen mit Adaptiver Optik an den Keck-Teleskopen und dem VLT analysiert, von denen hier eine Auswahl zu sehen ist. Die Gestalt des von mehreren großen Impaktkratern mitgenommenen Asteroiden ist “well described by a wedge of Camembert cheese (justifying the Parisian name of Lutetia)”, heißt es in der Analyse, nach der der mittlere Durchmesser 105±5 km beträgt und Lutetia etwa 124 x 101 x grob 93 km groß ist. Die Rotationsachse liegt dabei – wie beim Uranus – praktisch in der Bahnebene (Neigung 95°), so dass die lutetischen Jahreszeiten extrem sind und wir über die Ausdehnung entlang der Rotationsachse nur wenig wissen: Derzeit scheint die Sonne steil auf die Nordhalbkugel, und jenseits von 35° Süd herrscht Polarnacht.

Rosetta sollte aber mit dem MIRO-Instrument auch die derzeitige Nachtseite im IR glimmen sehen – und weitere erdgebundene Beobachtungen sind im Juli 2011 sinnvoll, um die Volumenbestimmung aus anderer Perspektive abschließen zu können. Erst dann wird sich nämlich die Massenbestimmung Lutetias durch ihren bald zu messenden Einfluss auf Rosettas Bahn auch in eine exakte Dichte umrechnen lassen. (Carry & al., Preprint 28.5., BBC Blog 8.6.2010; das Rosetta-Blog der ESA ist schon wieder erwacht) NACHTRAG: Und die ESA behauptet, niemand wisse, wie Lutetia aussieht – während das IMCCE ein Shape Model rotieren lässt … NACHTRAG 2: Nach einer Beschwerde dieses Blogger via Twitter hat die ESA den o.g. Press Release korrigiert – zum Vergleich der Originaltext vom 15. Juni! Statt “no one knows what it looks like” steht da jetzt: “Although recent high resolution ground-based images have given some idea of the overall shape of Lutetia, we have no idea what it looks like in detail.” Inzwischen hat Rosetta übrigens Lutetia bereits im Blick, allerdings nur als Lichtpunkt.

Ab 600 km Durchmesser wird ein felsiger Asteroid rund durch seine eigene Schwerkraft und ein Eismond eines äußeren Planeten ab 400 km: Dieser schon lange bekannte Beobachtungsbefund lässt sich auch ‘aus ersten Prinzipien’ herleiten. Und hat nun zu der Forderung geführt, dass die Grenze zwischen Kleinplaneten und Zwergplaneten bereits kategorisch hier, an der Demarkation “zwischen Kartoffel und Kugel”, gezogen werden sollte: Damit würde auch die Zahl der letzteren gewaltig anschwellen. (Lineweaver & Norman, Preprint 7.4.2010) NACHTRAG: Dieses neue 700-km-KBO wäre dann auch ein Kandidat.

Hayabusa bereits auf Australien-Kurs, morgen letzte Korrektur

Seit am Wochenende auch die 3. Bahnkorrektur gelang, zeigt die Bahn der zurückkehrenden Asteroidensonde (“Hayabusa …”) nicht mehr an der Erde vorbei sondern auf Australien – und das letzte TCM am 9. Juni wird den Eintritt von Mutterschiff und Probenkapsel am 13. Juni vorbereiten, dem die japanische Öffentlichkeit inzwischen entgegenfiebert. Während gleichzeitig gerade – etwas verspätet – die Entfaltung des Sonnensegels von IKAROS stattfinden sollte: In Sachen kühne Weltraumexperimente ist Japan im Augenblick nicht zu schlagen … (JAXA Tweet 8., JAXA Release 5.6.2010; AFP, Daily Yomiuri, Planetary Society Blog, Space Today 8., BBC, Space.com, Adelaide Now, Planetary Society Blog 7., Sky News Oz, Moon, Mars & Beyond 6.6.2010)

Asteroidensonde Dawn schaffte größte Geschwindigkeitsänderung im All: Dank ihres unermüdlich arbeitenden Ionentriebwerks hat der künftige Vesta- und Ceres-Orbiter (“Dawns Orbit …”) bis zum 5. Juni 4.3 km/s Beschleunigung aufsummiert und damit die erste Raumsonde mit Ionenantrieb überhaupt abgehängt, Deep Space 1. 620 Tage war Dawns Triebwerk insgesamt im Betrieb und verbrauchte dabei nicht einmal 165 kg Xenon. (JPL Release 7., Eureka 8.6.2010)

WISE hat bereits über 60’000 Asteroiden beobachtet

und davon etwa 11’000 neu entdeckt, wovon wiederum etwa 50 Near Earth Objects sind: Das ist die Bilanz der ersten 960’000 Bilder des Wide-field Infrared Survey Explorer, der im Juli seine erste Himmelsdurchmusterung abgeschlossen haben wird. Einige der Asteroiden (der genaue Anteil wird noch nicht verraten) sind sehr dunkel und daher im IR besser als im Sichtbaren zu sehen – noch ist WISE allerdings auf keinen gestoßen, der so dunkel wäre, dass man ihn im sichtbaren Licht überhaupt nicht gefunden haben könnte. Auch schon gesehen hat WISE etwa 800 Jupiter-Trojaner, die er besonders systematisch erfasst, und 72 Kometen, davon ein Dutzend seine Entdeckungen. Das Kühlmittel aus festem Wasserstoff sollte noch für eine halbe weitere Himmelsdurchmusterung reichen, danach wird WISE vermutlich abgeschaltet: Beantragte drei Monate weitere Beobachtungen in warmem Zustand hält die NASA für nicht sinnvoll genug, um die dafür nötigen 6.5 Mio.$ zu rechtfertigen. (Nature News 6., Space News 11., JPL Release, Space.com 24., Centauri Dreams 26., Planetary Society Blog 28.5.2010)

Erdnaher “Asteroid” wohl ein altes Raumfahrt-Relikt: Der am 16. Mai von der Catalina Sky Survey entdeckte 2001 KQ war der Erde im Jahr 1975 sehr nahe und beschreibt eine so erdähnliche Bahn um die Sonne, dass es sich eigentlich nur um einen künstlichen Himmelskörper handeln kann – den eindeutig zu identifizieren allerdings noch nicht gelungen ist. Vermutlich ist es eine Raketenoberstufe, die eine Nutzlast auf eine sehr hohe oder interplanetare Bahn gebracht hatte. (LCOGT Blog 26., JPL Release, Transient Sky, Eureka 27.5., Discovery 3.6.2010)

Auch organische Substanzen im Eis auf dem Asteroiden Themis

Dass die gesamte Oberfläche von (24) Themis überraschend von Wassereis bedeckt ist, wurde hier schon vor längerer Zeit berichtet (“Gefrorenes Wasser …”) – aber in den Spektren zweier unabhängiger Teams sind überdies noch Strukturen zu erkennen, die durch Beimischung organischer Verbindungen erklärt werden können. Wie verbreitet vereiste Hauptgürtelasteroiden – deren Beschichtung aus dem Inneren nachgeliefert werden muss, sonst würde sie sich nicht halten – wohl sind, weiß man nicht, aber hier dürften jene flüchtigen Bestandteile, die einst auf die junge Erde regneten (Wasser inklusive), noch in recht reiner Form vorzufinden sein. Und die Erforschung der – wohl mit Themis verwandten (“‘Hauptgürtel-Kometen’ …”) – Kometen im Hauptgürtel auch durch Raumsonden wird noch reizvoller. (Campins & al., Nature 464 [29.4.2010] 1230-1, Rivkin & Emery, ibid. 1232-3, Hsieh, ibid. 1286-7; UCF, JPL, UTN Releases, Nature News, Scientific American, Science News 28., Space Today 29.4.2010)

Raumfahrt-Nachrichten kompakt

13. November 2009

Die Speichen der Saturnringe, wie sie noch keiner sah

spokes

Die hier schon öfters thematierte Kantenstellung der Saturnringe dieses Jahr hat auch eine neue Perspektive auf das mindestens seit Voyager-Zeiten bekannte Phänomen der Ringspeichen eröffnet: In diesem Bild erscheinen die Ringe am 22. September- einen Monat nach der Tag&Nacht-Gleiche – noch dunkel, der darüber schwebende Staub aber hell.

Bedroht Adaptive Optik US-Aufklärungssatelliten?

Die Betreiber der Flotte mehr oder weniger geheimer US-Satelliten zur Erdbeobachtung mit Superkameras verlangen von Astronomen, die per Laser künstliche Sterne am Himmel erzeugen, immer mehr Einschränkungen, was zunehmend böses Blut erzeugt – wie gefährdet die Orbitkameras überhaupt sind, lässt sich leider nicht sagen, weil ihre Spezifikationen geheim sind. Derweil ist ein einfach zu realisierendes System vorgeschlagen worden, das Flugzeuge vor AO-Lasern schützen kann: Die entsprechenden Sternwarten könnten mit bestimmten Funkanlagen die Transponder der Flieger ansprechen und den Laser nur dann abschalten, wenn direkte Gefahr besteht. Versuchsweise hat sich solch eine Anlage schon bewährt. (New Scientist 13.10.2009 zum ersten und Preprint 29.10., arXiv Blog 2., SarahAskew 3.11.2009 zum 2. Problem)

Rosettas Erdvorbeiflug präziser als erhofft?

Nach einer ersten Analyse hat Rosetta den angepeilten erdnächsten Punkt nur um etwas mehr als 1.1 km und der Zeitpunkt des Perigäums um weniger als 1/100 Sekunde verfehlt, was besser als die Spezifikation wäre. Auch liegen bereits detaillierte Messungen der Strahlungsgürtel der Erde in verschiedenen Energiebereichen durch das SREM-Instrument auf Rosetta vor. (ESA Blog: dieser und dieser Eintrag) NACHTRAG: Bilder der Navigationskamera nach dem Flyby. NACHTRAG 2: mehr OSIRIS vom Anflug – und Rosetta auf dem Weg davon. NACHTRAG 3: eine PM des MPS zu OSIRIS’ Performance.


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