Posts Tagged ‘SeaWiFS’

Nachrichten aus der Raumfahrt kompakt

27. März 2011

Der Saturnmond Helene, ein Dreifach-Krater auf dem Mars und der Mississippi südlich von Memphis: Bilder von Cassini (31. Januar, aus 31’000 km Entfernung), dem Mars Reconnaissance Orbiter (der einschlagende Körper teilte sich unmittelbar vor dem Impakt in drei Stücke) und Landsat 7 (schon von 2003 aber jetzt vom GSFC angepriesen).

Intelsat bucht Besuche eines Nachfüll-/Service-Satelliten

Rund 200 Mio.$ wird der Kommunikationssatellitenbetreiber Intelsat an die kanadische Firma MDA zahlen, wenn es ein Satellit von letzterer schafft, insgesamt eine Tonne neuen Treibstoff in 4 bis 5 Satelliten des ersteren einzufüllen: der erste Kunde für das System, an dem MDA seit Jahren forscht, in dessen Realisierung aber bisher nichts investiert wurde. Der “Space Infrastructure Servicing”-Satellit soll mit einem Robot-Arm – eine Spezialität von MDA – auch Reparaturen durchführen können, z.B. klemmende Sonnensegel befreien. 3 1/2 Jahre nach dem konkreten Baubeginn soll der Satellit starten können – von dem man in der Industrie, die neue Satelliten baut natürlich überhaupt nichts hält. Da werde man die Tankdeckel eben anschweißen, auf dass er nichts ausrichten könne, wurde schon auf einer Konferenz geflachst – und die Rechtslage sei ein Minenfeld: Was, wenn der SIS-Satellit einen noch halbwegs intakten Satelliten ganz kaputt macht? (MDA Press Release 15., Space News 14., 16.3.2011)

Mit handelsüblichen Industrie-Lasern Kollisionen zwischen Satelliten verhindern: Das geht und kostet nur ein paar Millionen Dollar, sagt eine Studie. Die Bahnen kaputter Satelliten oder Trümmer auf gefährlichem Kurs würden durch ein- oder mehrfache Bestrahlung über ein 1.5-m-Teleskop ausreichend verschoben, ohne dass die Objekte dabei selbst dabei beschädigt würden (wie bei früheren Konzepten mit Superlasern): Dazu reichen bereits diejenigen 5- bis 10-kW-Laser aus, die man von der Stange kaufen kann und die z.B. in der Automobilindustrie eingesetzt werden. Und die sich nicht als Angriffswaffe eignen würden, was für die internationale Akzeptanz förderlich wäre. Das Verhindern von Kollisionen im Orbit ist nach Modellrechnungen ein wesentlicher Schritt, um das Problem des Weltraumschrotts anzugehen. (Mason & al., Preprint 9., Nature News, Wired, Cosmic Log 15., Physics World 17., Science Journalism Tracker 23.3.2011)

Ozeansatellit SeaWiFS nach 13 Jahren aufgegeben

Das war eine ebenso preiswerte (nur 42 Mio.$) wie ertragreiche wie langlebige Mission zur Erdbeobachtung: Von 1997 bis zum Abriss der Kommunikation Ende 2010 hat der Sea-viewing Wide Field-of-view Sensor subtile Farbeffekte in den Ozeanen der Erde überwacht und so z.B. Wirkungen von Klimaeffekten auf das Planktonwachstum dokumentiert. In fast 5000 Publikationen hat sich das niedergeschlagen! (ISNS 16.3.2011) NACHTRAG: noch ein arg später Nachruf von der NASA selbst.

Äquatornaher Frühlingsregen auf dem Saturnmond Titan ist offenbar Ende 2010 nachgewiesen worden, nachdem sich ein großes Gebiet (über 500’000 Quadratkilometer) verdunkelte, über dem zuvor starke Bewölkung aufgetaucht war – die wiederum eine Folge des sich langsam verändernden Winkels der Sonneneinstrahlung seit der Ankunft Cassinis im Saturnorbit 2004 ist. Bisher kannte man stehende Gewässer (bzw. Bodenfeuchte) nur als polnäheren Zonen, während sich die Äquatorialregion als ausgedehnte Wüsten darstellte. Die aber trotzdem mit Abflusskanälen durchzogen sind: entstanden offenbar in der richtigen Jahreszeit. (Turtle & al., Science 331 [18.3.2011] 1414-7; Tokano, ibid. 1393-4; Cassini Mission News, UA, CICLOPS Releases 17., BdW, Planetary Society Blog 22.3.2011. Und JPL News 22.3.2011 über verwirrende Radiosignale aus beiden Hemisphären Saturns)

NASA zu verwirrt und de facto pleite: ESA verschiebt Entscheidung über Großprojekt der Weltraumforschung, sieht sich allein gelassen

Der neue 10-Jahres-Plan für die US-Planetenforschung, der entsprechende Report für die Astrophysik und das Ende der Höhenflüge des NASA-Forschungsetats haben auch auf dieser Seite des Atlantik weit reichende Konsequenzen. Zuerst für die erste L-Mission der Cosmic Vision der ESA (“Erste Riesenforschungs…”), die eigentlich Mitte dieses Jahres aus drei Kandidaten ausgewählt werden sollte – und alle drei Projekte hätten einen wesentlichen NASA-Anteil, der nun (bei den Planeten- wie Astroprojekten gleichermaßen) in Frage steht. So ist die Entscheidung über die L-Mission bereits auf Februar 2012 verschoben worden: In der Zwischenzeit soll erforscht werden, in wie weit die Projekte so “descoped” werden könnten, dass sie die ESA auch alleine – für 700 Mio. Euro – stemmen kann. Auch das vereinbarte gemeinsame Marsprogramm (“Grünes Licht …”) von ESA und NASA muss neu verhandelt werden – und bei der NASA musste man inzwischen einsehen, dass es auf sehr lange Zeit um kühne Großprojekte der Planetenforschung geschehen sein dürfte: Möglicherweise darf künftig keine Mission mehr als 1 Mrd.$ kosten, auch die “Flagships” nicht. Womit der 10-Jahres-Plan mit seinen 2 bis 5 Mrd.$ teuren Top-Missionen de facto Makulatur wäre. (Nature Blog, Spaceflight Now 17., Space News, Science Insider 18., Nature News 22.3.2011)

Die Kuipergürtel-Sonde New Horizons hat nun die Uranus-Bahn passiert (am 18. März) – und im April beginnt die systematische Suche nach weiteren noch unentdeckten Bewohnern dieser Zone, die die Sonde nach dem Flyby 2015 am Zwergplaneten Pluto noch aufsuchen könnte. New Horizons sollte dann noch den halben Treibstoff übrig haben, genug um danach noch ein oder sogar zwei zusätzliche KBOs ansteuern zu können! Ausgeschlossen ist allerdings ein gezielter Gravity Assist am Pluto, um zum nächsten Ziel zu gelangen: Die Missionsplanung am Zwergplaneten wird komplett von dessen optimaler Erforschung in der kurzen Zeit der Nähe bestimmt. (JHU APL Release 18., Tweets 21., 23.3.2011)


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