Posts Tagged ‘Soyuz’

Die erste Soyuz-Rakete steht in Südamerika!

30. April 2011

Schon kurz nach der Abnahme des Startkomplexes (“Die Soyuz-Startanlagen in Kourou …”) hat ein detaillierter Testlauf begonnen: Die Rakete, die gestern zum ersten Mal auf die Rampe gerollt wurde, ist echt und wird eines Tages tatsächlich in den Weltraum fliegen, die Startprozedur bis zum 5. Mai – eine Panne mit eintägiger Verschiebung inklusive – ist dagegen eine Simulation.

Trostpreis für die Endeavour-Besatzung nach der gestrigen Startverschiebung (der Orbiter wird gerade auseinander genommen, um die APU-Heizer zu inspizieren; eine PK ist für morgen 16:30 MESZ angesetzt): Die First Family kam trotzdem zum Cape. Und durfte dem Vernehmen nach den Astronauten zwar die Hand geben, sie aber nicht anhauchen – Infektionsgefahr …

Spuren der Tornados sogar aus dem Weltraum zu sehen: Die hellen schrägen Striche auf diesem Bild des Aqua-Satelliten vom 28. April zeugen von dem gewaltigen “Outbreak” vom 25.-28. April; sie stammen von zwei Tornados der Stärken 5 und 4 auf der Enhanced Fujita Scale, was “Incredible” bzw. “Devastating” bedeutet. NACHTRAG: Mit höherer Satelliten-Auflösung sehen die Verwüstungen noch ganz anders aus … NACHTRAG 2: Zwischen beide Bildarten fällt dieser NOAA-Streifen der Tornado-Spur in Tuscaloosa. NACHTRAG 3: ein direkter Vergleich NOAA – Schadensbild am Boden von einem fast betroffenen Astronomen, der nahe 7 wohnt.

50 Jahre Gagarin, 30 Jahre Space Shuttle – und ratlos in der Gegenwart

12. April 2011

Das heutige Doppeljubiläum von Wostok 1 und STS-1 hätte kaum zu einem seltsameren Zeitpunkt kommen können, denn so ratlos wie jetzt waren die USA – aber auch der Rest der raumfahrenden Menschheit – wohl selten, wie es weiter gehen soll (und warum eigentlich). Der Blick in die Vergangenheit ist da klarer: Kurz vor dem Jubiläum von Yuri Gagarins Erdumrundung – im ungewöhnlichen Video oben in Echtzeit mit Bildern von der ISS aus nachgestellt – sind ein paar neue Details des Fluges bekannt geworden, seine Tochter gab das erste Interview für ein westliches Medium, und selbst eine 92-jährige Lehrerin des Raumfahrers wurde aufgespürt. (Viele weitere Artikel rund um’s Gagarin-Jubiläum gibt’s in Sammlungen von Russian Space Web, BBC, ESA, Universe Today und SciLogs sowie auf den Geschichtsseiten dieses Bloggers). Aber der Lauf der Dinge war wohl nicht so, wie man sich das in Ost wie West einmal vorgestellt hatte:

  • Vor 50 Jahren gelingt der Sowjetunion Gagarins Orbitalflug mit einer Wostok-Rakete, während die USA noch ein fast Jahr brauchen, bis sie gleichziehen können. Die Raketen auf beiden Seiten sind aus militärischen Langstreckenraketen hervor gegangen (siehe auch die Parallel-Timeline der Raumfahrtgeschichte bis 1962), wobei Gagarins Wostok-K zur “Raketenfamilie” R-7 gehört. Schon Sputnik 1 war auf einer Rakete dieser extrem langlebigen Serie gestartet.

  • Vor 30 Jahren fliegen die Sowjets ihre Kosmonauten weiterhin mit Raketen der R-7-Provinienz (Soyuz-Varianten), während die USA mit dem Space Shuttle etwas grundlegend Neues versuchen. Von den Hoffnungen der 1970-er Jahre, er werde den Zugang in den LEO drastisch verbilligen (wenige Millionen US-Dollar pro Mission wurden ernsthaft versprochen), sämtliche anderen Träger ersetzen und mindestens im Wochenrhythmus abheben können, ist man allerdings schon bei der Premiere mit der Columbia weit entfernt.

  • Heute fliegen die Russen ihre Kosmonauten immer noch mit R-7-Raketen (etwas moderneren Soyuz-Varianten) – und der Space Shuttle steht am Ende des Programms, mit nur noch zwei geplanten Starts. Jede einzelne Mission hat rund 1.5 Milliarden US-Dollar (2010) gekostet, das gesamte Programm knapp 200 Mrd.$. Und erstmals seit 50 Jahren haben die USA keinen konkreten Plan, was als nächstes kommen soll: Um weiter zur maßgeblich von ihnen finanzierten ISS zu kommen, müssen US-Astronauten mit Soyuz- alias R-7-Raketen fliegen. Ganz wie Gagarin vor 50 Jahren …

Während die unbemannte Raumfahrt im vergangenen halben Jahrhundert eine enorme Entwicklung durchgemacht hat, im Anwendungsbereich (Kommunikation, Wetter, Erdbeobachtung etc.) völlig unverzichtbar geworden ist und im Forschungssektor vor allem Astronomie und Planetenforschung revolutioniert hat, dreht sich die bemannte im Kreis. Buchstäblich: Schließlich ist der LEO nur ein paarmal verlassen worden und seit 1972 gar nicht mehr. Dass der Mensch im Weltraum “gebraucht” wird, lässt sich aus den Erfahrungen der ersten 50 Jahre bemannter Raumfahrt kaum belegen, aber die Reise ins All hatte immer schon eine starke “transutilitäre” visionäre Komponente, die einen Wert an sich darstellen mag. Wenn man sie also weiter will, die bemannte Raumfahrt, wie sollte das sinnvoll gehen?

Unter all den pathetischen Worten zum Doppel-Jahrestag fallen jene von Dennis Bushnell, dem Chefwissenschaftler des Langley Research Center der NASA, aus dem Rahmen, der es auf den Punkt bringt: Vertraut den Transportdienst zur ISS den Privatfirmen an, die dieser Aufgabe inzwischen gewachsen zu sein scheinen, schreibt er in Nature 472 [7.4.2011] 27-29 – und kommt ansonsten endlich weg von den Raketen der Vergangenheit! Denn nur mit “revolutionären Technologien” sei es zu vertretbaren Kosten und in akzeptabler Zeit möglich, Menschen in den Raum jenseits des Mondes zu bringen: “reducing the mass of the vehicle; novel launch and propulsion systems (including alternative fuels, such as positrons, energy beaming and in-orbit refuelling); and intelligent architecture and systems for more affordable life-support and radiation protection.”

“Several of these technologies could be truly game-changing,” glaubt Bushnell: “The use of nanotubes in spacecraft construction, for example, could reduce the ‘dry mass’ – the amount to be launched, excluding fuel – by three to five times, if we can create structural materials with the same strength properties as individual nanotubes.” Und er fragt sich auch, ob man denn wirklich den Menschen selbst mit Riesenaufwand auf fremde Welten schaffen muss, um diese zu ‘erfahren': Er kann sich – z.B. bei der Marserkundung – durchaus “space exploration for everyone using immersive virtual reality and remote planetary sensors” vorstellen, “with autonomous robotics to supply the data. This could offer a better-than-being-there experience at much reduced cost and risk.” Von so etwas konnten die Pioniere der Raumfahrt noch nicht einmal träumen. Wir schon.

NASA steigt aus LISA, IXO aus – ESA allein gelassen

7. April 2011

Noch sind die Quellen allein Blog-Stories, die auf einem internen Rundschreiben und einzelnen Interviews basieren, aber das Bild ist eindeutig: Die NASA hat alle Arbeit an den großen Weltraumastronomie-Projekten LISA (Gravitationswellen-Nachweis durch mehrere Satelliten) und IXO (großes Röntgenobservatorium) abgebrochen. Beide gehören auch zu den 3 Finalisten für das erste Großprojekt der Cosmic Vision der ESA (“Erste Riesenforschungsmission …”); der dritte wäre eine Mission zum Jupiter ebenfalls mit der NASA zusammen. Angesichts der Unwägbarkeiten der NASA-Politik war die ESA-Auswahl bereits verschoben worden (“NASA zu verwirrt …”): Da nunmehr allen drei Kandidaten der NASA-Beitrag abhanden gekommen ist, wird diesseits des Atlantuik ein gewaltiges Umdenken nötig, die bisherigen Missionskonzepte sind allesamt Geschichte und müssen deutlich vereinfacht werden. Und jenseits des Teichs? Dort werden die Karten erst recht neu gemischt werden müssen (womöglich mit gleich einer neuen Decadal Review für die Astrophysik) – und schon munkeln manche, das viel zu teuer geratene JWST könnte doch noch dran glauben müssen … Cat Dynamics, Cosmic Variance 6., BBC Blog, Living LIGO, Nature Blog [NACHTRAG: mit einem Update vom 11.4.] 7.4.2011. NACHTRAG: ein offizielles Wort zu LISA. NACHTRAG 2: ein Statement des AEI Hannover zum Weiterleben von LISA … NACHTRAG 3: … und ein Statement der NASA (in einem Update vom 13.4.)

Nur ein gemeinsamer Marsrover von ESA & NASA 2018

Auch das gemeinsame Marsprogramm von ESA und NASA (“Grünes Licht …”) wird abspecken müssen: Eigentlich sollten 2018 gemeinsam ein ESA- und ein NASA-Rover starten, der erste zu intensiven astrobiologischen Forschungen, der andere zum Probensammeln für einen Transport irgendwann zur Erde, aber beide (ExoMars bzw. MAX-C) werden nun zu einem Fahrzeug vereinigt, größer als die beiden gewesen wären. Viele Details müssen noch ausgehandelt werden, aber der Rover wird vermutlich in Europa gebaut und mit europäischen und amerikanischen Instrumenten bestückt, und die USA sorgen auch für Verpackung und Start – und die Landung, mit genau derselben Skycrane-Technik, die erstmals beim MSL (s.u.) zum Einsatz kommt: Deren exakte Wiederverwendung soll entscheidend zum Geldsparen beitragen. (BBC 7.4.2011) NACHTRAG: Die ESA soll sich Ende Mai entscheiden, ob das was wird.

Erste Spektren des deutschen GREAT-Instruments auf der fliegenden Sternwarte SOFIA, aus der Sternentstehungsregion M17SW im Terahertz-Bereich, die beim ersten Wissenschaftsflug in der Nacht 5./6. April aufgenommen wurden, auch die Galaxie IC342 war beobachtet worden. Auf dem Jungfern-Flug wurden mit GREAT die stärksten Emissionslinien beobachtet, über die eine Kühlung des interstellaren Mediums erfolgt: Pressemitteilungen von MPG, MPIfR und DLR und den Universitäten Stuttgart und Köln und NASA und USRA Press Releases 7.4.2011.

Soyuz TMA-21 im Anflug auf die ISS heute morgen, knapp 49 Stunden nach dem Start und 10 Minuten zu früh: Man sah die Chance, schneller zum Ziel zu kommen und dabei etwas Sprit zu sparen und nutzte sie. Und nun? Die ‘Abschaltung’ der US-Regierung ist immer noch nicht abgewendet und hätte z.B. gravierende Folgen am KSC für die Vorbereitung von STS-134, z.Z. für den 29.4. geplant. Und noch schlimmer: Es gäbe dann kein NASA-Fernsehen mehr …

So “sieht” das Laseraltimeter LOLA auf dem LRO den Mond: von links ein Höhen-, ein Neigungs- und ein Rauigkeitsbild, das aus den Höhenmessungen aus dem Orbit abgeleitet wurde, alle auf den jungen Krater Tycho zentriert – alle 192 Terabyte Daten der ersten Missionsphase (die einer längst nicht mehr existierenden bemannten Mission zuarbeiten sollte) sind inzwischen öffentlich, darunter auch eine 1.1 GB große Höhenkarte mit 100 m Netzweite. Der LRO betätigt sich weiterhin, nun rein wissenschaftlich; derweil hat der zweite chinesische Orbiter Chang’e 2 seine Primärmission abgeschlossen und wendet sich weiteren Aufgaben zu – während es bereits Pläne bis Chang’e 5 gibt.

So weit ist der nächste Marsrover schon gediehen: das Mars Science Laboratory der NASA alias “Curiosity” (allmählich wird der, äh, kuriose Name etwas populärer). Gestartet werden soll zwischen dem 25.11. und 18.12., und wo gelandet werden soll, wird auch bald entschieden. Das Bild des 3-m-Rovers enstand am 4. April im Rahmen einer Pressevorführung, von der Fotografen reichlich Gebrauch machten.

Eine Merkuraufnahme vom ersten Wissenschaftsorbit MESSENGERs von 80°S: Wie angekündigt, gibt es seither genau einen Bild-Happen pro Tag in der Galerie, während der Planet systematisch fotografiert wird: Die morphologische Basiskarte soll 90% der Oberfläche mit 250 Metern pro Pixel Auflösung zeigen, überwiegend mit schrägem Sonnenstand.

Die Expedition 27 ist unterwegs zur ISS

5. April 2011

nach einem Nachtstart von Soyuz TMA-21 heute morgen, angedockt wird übermorgen um 1:18 MESZ: Bilder einer NASA-Fotografin bzw. aus der TV-Übertragung. Zur neuen Stammbesatzung gehört Ron Garan, der bloggt [NACHTRAG: Postings aus der ISS hier!] und twittert. Der nächste Shuttle-Start zur ISS ist derweil wegen Terminkonflikten um 10 Tage auf den 29. April verschoben worden – und die fernere Zukunft der bemannten US-Raumfahrt ist unklarer denn je. Auch kurzfristig droht Ungemach: entweder erhebliche Kürzungen oder gar eine ‘Abschaltung’ der gesamten Regierung in wenigen Tagen …

Neuseeland fast wolkenlos am 30. März, vom Moderate Resolution Imaging Spectroradiometer auf dem NASA-Satelliten Aqua aufgenommen: Herbstfarben und Schnee in den Bergen – man beachte die Gletscherseen im Süden.

Neue polare Ansichten des Merkur, nahe 70°S (oben, mit dem Krater Camoes) und 80°N – erst aus der polaren Umlaufbahn MESSENGERs sind solche Beobachtungen möglich, im Gegensatz zu den drei früheren Vorbeiflügen. Die regulären Beobachtungen haben gestern planmäßig begonnen und werden ein Erdjahr = zwei Merkurtage dauern.

SDO-Bilder der Sonne vom 5., 3. und 1. April (von oben), mit einem spektakulären Filament, das sich jenseits des Randes als Protuberanz bemerkbar macht [NACHTRAG: Details], der allerletzten Sonnenfinsternis durch die Erde (“Schon wieder …”) und einer tieferen: auch ein entsprechendes Bild vom 2. April und ein Video zu der Serie.

Der Planetarische Nebel NGC 5882 auf einem alten HST-Bild aus Farbauszügen mit der Kamera WFPC2, die schon vor 2 Jahren ausgebaut wurde – gibt’s nichts Neueres mehr für das Picture of the Week …?

Bilder der Woche: Raketen und andere Kracher

17. Dezember 2010

Eine Black Brant XII startet von der Andøya Rocket Range in Norwegen am frühen Morgen des 12. Dezember im Rahmen des Forschungsprogramms RENU (Rocket Experiment for Neutral Upwelling): Es geht um die Wechselwirkung von Sonnenwind und Erdmagnetosphäre nebst Auroraprozessen. (Der RENU-Start wurde auch im Blog einer anderen Andøya-Kampagne anlässlich der Geminiden erwähnt.)

Soyuz TMA-20 startet zur ISS, in der Nacht vom 15. zum 16. Dezember; an Bord u.a. der ESA-Astronaut Paolo Nespoli – welche Köstlichkeiten er wohl diesmal verkosten wird? :-) Der zweitägige Flug verlief diesmal aufregender als üblich, da zeitweise die Verbindung zur Erde abriss; die Ankunft verlief dann problemlos, am Abend des 17. Dezember.

Der Dragon-Kapsel sieht man ihren ersten Raumflug kaum an, von dessen Verlauf (“Nach dem Dragon-Erfolg …”) es inzwischen weitere Bilder und Einzelheiten gibt (auch hier und hier): Insgesamt wurden 8 Nutzlasten im Orbit ausgesetzt. Weitere Artikel zum Flug und seiner Bedeutung vom 17. Dezember, 14. Dezember und 13. Dezember (mehr, mehr).

Vulkane in der Atacama-Wüste auf einem Radarprodukt von TanDEM-X: Am 14. Dezember war die Testphase abgeschlossen und der Nachweis erbracht, dass der operationelle Betrieb, also das Sammeln der Höhendaten, ab 2011 beginnen kann.

Eine “Beleuchtungskarte” von der Südpolregion des Mondes, basierend auf 1700 Aufnahmen der Weitwinkelkamera des Lunar Reconnaissance Orbiter aus 6 Monaten (also Mond-Tagen), die entzerrt und gestackt wurden: Die Helligkeit gibt nun an, wieviel Licht auf einen entsprechenden Punkt gefallen ist. Mehr dazu auch hier und hier – und zu neuen LOLA-Höhenkarten.

Der Supernovarest SNR B0509-67.5 in der LMC auf einer Hubble-Aufnahme – die Ia-Explosion vor rund 400 Jahren wurde offenbar von niemand beobachtet. Das Bild lässt sich auch mit Röntgendaten von Chandra kombinieren.

Die Galaxien M 60 (elliptisch) und M 51 (Spirale) aus Sicht des IR-Satelliten WISE: Blau und Zyan entsprechen 3.4 und 4.6 µm und stammen von Sternen, Grün und Rot sind 12 und 22 µm und entsprechen Staub.

Nachrichten aus der Raumfahrt kompakt

8. September 2010

Die erste Soyuz-Rakete in Kourou startet frühestens im nächsten Frühjahr

Und welcher Satellit der Passagier sein wird, ist auch noch nicht klar, nachdem ein Nachrichtensatellit umgebucht wurde, weil er zu lange hätte warten müssen – der Bau der Startanlagen hatte sich immer wieder verzögert. Nun gelten der französische Erdbeobachter Pleiades (dessen Bodensegment aber u.U. nicht rechtzeitig fertig wird) und zwei Galileo-Testsatelliten als die besten Kandidaten für die Premiere. (Space News 8.9.2010. Auch die Vega-Raketen fliegen erst ab 2011, aber neue Produktionsverträge bringen das Programm voran) NACHTRAG: warum das so lange dauert mit der Soyuz-Rampe. NACHTRAG 2: der Status beider Programme. NACHTRAG 3: Jetzt heißt es März 2011 für den 1. Soyuz-Start.

Zweiter Brenntest einer starken indischen Raketenstufe erfolgreich: Während die L 110 (“Im Januar …”) für die künftige GSLV Mk-III beim ersten Bodentest (“Test der indischen Raketenstufe …”) nicht die vollen 200 Sekunden brannte, hat der heutige Bodentest tadellos geklappt. (ISRO Release, Parallel Spirals 8.9.2010)

Boeing könnte Indiens bemannte Raumkapsel bauen

Oder der ISRO zumindest dabei helfen, bis 2016 den – offenbar seitens der Politik heftig gewünschten – Einstieg in die bemannte Raumfahrt zu schaffen: Der entsprechende Papierkram für das US-Außenministerium wird schon vorbereitet. Die Kapsel könnte dann zur Versorgung der ISS dienen; konkrete Verträge gibt es aber noch keine. (Times of India 6.9.2010)

Widersprüchliche Pläne in Sachen US-Raumfahrt verfolgen bislang noch beide Häuser des US-Kongresses: Während sich der Senat mit den Zielen des Weißen Hauses halbwegs angefreundet hat, will das Abgeordnetenhaus deutlich mehr des alten Constellation-Programms retten und dafür die Förderung privater Initiativen drastisch zusammen streichen. Einig sind sich aber alle, dass die USA – auf eigene Rechnung – noch schneller als in Obamas Vorstellung eine neue Schwerlastrakete entwickeln sollen. (zahlreiche Links im Cosmic Mirror #337 im grünen Kasten aus Juli und August. Bester Kommentar zur Lage ist aber dieser hier vom Juni. [NACHTRAG: Man kann's auch noch härter sagen ...] Und dieser Artikel macht klar, dass die spontane Reparaturaktion des Kühlsystems mit 3 EVAs demonstriert hat, wie die ISS-Wartung in den kommenden 10 Jahren aussehen wird)

Bewerber für eine mittelgroße ESA-Wissenschaftsmission 2020-22 gesucht

In den Jahren 2017/18 wird die ESA die erste beiden “Mittelklasse”-Missionen des neuen Langzeitplans ‘Cosmic Vision’ für den Zeitraum 2015-25 starten, wobei die Zahl der Bewerber auf drei geschrumpft ist (“Drei Finalisten …”), gefolgt voraussichtlich 2020 von der ersten Großmission (L-Klasse). Aber man möchte für diesen Zeitpunkt auch schon die dritte Mittelklassemission M3 bereit haben, falls es mit der L-Mission Probleme gibt: Bis zum 15. Dezember wird nun um Vorschläge gebeten werden, die nicht mehr als 470 Mio. Euro kosten dürfen (was die aus nationalen Budgets finanzierten Instrumente an Bord nicht einschließt). 2012 sollte der M3-Gewinner fest stehen, der je nach Zustand der L-Mission 2020 oder 2022 auf die Rampe darf. (ESA Release 29., Spaceflight Now 23., BBC 21.7.2010. Auch ein ESA Release und Science Insider zur Fundamentalphysik-Planung)

Die Aufwärmung des NASA-Satelliten WISE hat begonnen, nachdem kurz nach dem Ende der ersten Himmelsdurchmusterung (am 17. Juli) das gefrorene Kühlmittel aufgebraucht war. Der Detektor für das langwelligste IR ist bereits ausgefallen, die anderen können aber noch ein paar Monate weiter machen. (Mission Status 10.8.2010. Auch ein NASA Release, Spaceflight Now und der Orlando Sentinel zu Fortschritten und Problemen mit dem JWST ["Eine neuerliche Startverschiebung ..."])

Virgin Galactic peilt 110 km Gipfelhöhe an – exakt

Wenn mit dem SpaceShipTwo (“Das erste …”) Touristen auf Suborbitalflüge geschickt werden, dann wird es sie bis in genau 110 km Höhe tragen: genug, um sicher die magische 100-km-Grenze des Weltraums unter sich zu lassen – aber auch nicht höher, denn dann würden die körperlichen Belastungen für die Passagiere erheblich zunehmen. Aber so sollen 93% aller Menschen zwischen 22 und 88 Jahren fit genug für den Trip sein, der “eine tiefe und organische Verbindung mit dem Universum” verspricht. Noch diesen Herbst soll das SS2 zum ersten Mal vom Trägerflieger abgekoppelt werden und solo zur Erde gleiten: Man sieht sich schon “auf der Zielgeraden” zum ersten Raumflug. (Discovery 2.8.2010. Auch Wired zum 1. Testflug mit Passagier und die Süddeutsche zu den juristischen Fragen)

Nachrichten aus der Raumfahrt kompakt

20. Juni 2010

Wir haben wieder “Augen” auf der Raumstation!

Mit der Rückkehr von S. Noguchi von der ISS war der monatelange Strom faszinierender “Live”-Fotos aus dem Orbit abrupt zuende – aber drei Wochen später ist er wieder da: Kaum mit Soyuz TMA-19 auf der Raumstation angekommen, hat der US-Astronaut Doug Wheelock die ‘Tradition’ heute wieder aufgenommen. Seine ersten beiden Bild-Sendungen via TwitPic zeigen ein schönes Polarlicht und eine Gegenlichtansicht der ISS – und schon vor dem Start hatte er aus Baikonur einen ungewöhnlichen Blick auf ‘seine’ Rakete geschickt. NACHTRAG: Wie ein österreichischer Amateur-Archivist von Erdaufnahmen aus dem Orbit herausgefunden hat, waren die ersten Bilder nach Wheelocks Start alle alt, mal Monate, mal Jahre! (Persönliche Mitteilung 25.6.2010) Mißtrauen geweckt hatte ein falsches Mondbild (“Wer hat …”) – und die Aurora könnte von O. Kotov stammen.

Vorbereitung des nächsten Falcon-9-Starts – und ein Riesenauftrag

Noch im Spätsommer soll das zweite Exemplar der schlagzeilenträchtigen Privatrakete (“Nächste Falcon 9″) starten, dann mit einer vollwertigen Dragon-Kapsel, die zu 95% fertig ist: Vom Erfolg dieses ersten Tests im NASA-Auftrag wird entscheidend abhängen, ob bereits beim nächsten Mal direkt zur ISS geflogen werden darf. Der praktisch tadellose Erstflug der Rakete – der Zielorbit in 250 km Höhe wurde prozentgenau getroffen – hat jedenfalls schon Folgen: Vom Satellitenhandy-Betreiber Iridium Communications Inc. (dem einzigen, der die gesamte Erde abdeckt) gab es Startauftrag für den Großteil der 72 Satelliten der nächsten Generation. In den 492 Mio.$ ist auch die Entwicklung eines Adapters inbegriffen, der den gleichzeitigen Start mehrerer Satelliten erlaubt (weil noch gar nicht feststeht, wie groß und schwer die Iridium-NEXT-Satelliten sein werden, ist auch nicht klar, wieviele Falcon 9s zum Einsatz kommen sollen). Die Starts sollen zwischen 2015 und 2017 erfolgen – vorher sind noch 24 andere Flüge geplant. Den Auftrag bekam die Falcon, weil sie unschlagbar billig ist: Nur 7 Mio.$ pro Iridium-Satellit! Derartige Tarife gab es in den 1990-er Jahren mal in Russland und der Ukraine, heute aber nirgendwo mehr. (Space X Press Release 16.6.2010; Raumfahrer 19., peHUB 18., Space News, Space Today, 17., Spaceflight Now, Space.com, Nature Blog, Discovery, Spiegel 16., AW&ST, Raumfahrer 15.6.2010)

Weiterhin Streit um die Schuld am koreanischen Raketenfehlschlag: Weder von der ersten noch der zweiten Stufen des KSLV-1 waren vor dessen plötzlichem Verlust irgendwelche offensichtlichen Signale gekommen, die auf ein Problem hingedeutet hätten, und so sind sich Korea und Russland weiter uneins (“Russland und …”) über die Verantwortung, die nun eine gemeinsame Komission klären soll. Unklar bleibt daher auch, wie es mit dem KSLV-Programm weitergehen soll und ob Russland nun eine dritte 1. Stufe gratis liefern muss; eine weitere zweite hätte Korea noch übrig. Dort werden derweil Vorwürfe laut, der misslungene Start sei unter zu großem – selbstgemachtem – Zeitdruck erfolgt. (Novosti, LaunchSpace 18., Yonhap 16., Korea Times, Yonhap, Arirang 14.6.2010)

Kein Deutscher da: Dordain bleibt ESA-Generaldirektor

Eigentlich wäre nun Deutschland an der Reihe gewesen, aber dessen ESA-Delegation konnte keinen geeigneten Kandidaten finden (nachdem der DLR-Chef keine Lust hatte, nach Paris zu gehen): So bekommt der Generaldirektor der Europäischen Weltraumbehörde Jean-Jacques Dordain eine dritte Amtszeit bis 2014; vielleicht findet sich ja dann ein passender Nachfolger aus Schland. (ESA Release 17.6.2010; BBC Blog, Space Today 18., Space News, BBC 17., Spiegel 13., Spaceflight Now 8.6.2010)

Eine deutsche “Raumfahrt-Strategie” bis Ende des Jahres verspricht der DLR-Chef – in Erfüllung des Koalitionsvertrages der Bundesregierung – in einem Interview: Ziel dieser Strategie müsse sein, längerfristige Perspektiven zu formulieren, die dann durch Einzelziele und daraus abzuleitende Projekte und Missionen umgesetzt werden. (Kowalski 7.6.2010. Auch Woerner-Blog, Parabolic Arc und Flight Global zu neuer deutsch-amerikanischer Raumfahrt-Nähe und Space News zu deutschem Drang nach optischen Aufklärungssatelliten)

Nachrichten aus der Raumfahrt kompakt

7. Mai 2010

Test der Orion-Fluchtrakete ein voller Erfolg: In der White Sands Missile Range legte im gestrigen “Pad Abort 1″-Test das seit Jahren für die Orion-Kapsel entwickelte Startabbruchsystem einen perfekten Flug hin (Bilder hier, hier und hier und ein Video) – vielleicht wird es eines Tages bei einem kommerziellen Startsystem zum Einsatz kommen. Für die Orion jedenfalls nicht, die bestenfalls zu einer (unbemannt startenden) ISS-Rettungskapsel wird; s.u. (NASA Release, Spaceflight Now, Scientific American 6., Collect Space, Space Today 7.5.2010)

Vager Zeitplan, kleine Orion-Rolle für US-Raumfahrtpläne

Es bleibt bei der im Februar verkündeten neuen Richtung der bemannten US-Raumfahrt, allem – meist rein lokalpatriotisch motivierten – Geschrei vieler US-Politiker zum Trotz: Das haben ein Fact Sheet aus dem Weißen Haus vom 13. und eine Rede Obamas am Kennedy Space Center am 15. April klar gemacht. Neu sind nur ein paar ‘konkrete’ Deadlines, nach denen immer wieder gerufen worden war: 2015 soll nun über eine neue Schwerlastrakete entschieden werden, 2025 sollen mit ihr Flüge ins Planetensystem beginnen, mit einem Asteroiden als erstem Ziel, und ca. 2035 wird der Mars umkreist. Landungen dort folgen später, aber noch zu Lebzeiten Obamas, der 1961 geboren wurde. Während die Ares-Rakete weiterhin keinerlei Zukunft hat, könnte zumindest die Orion-Kapsel aus dem eingestellten Constellation-Programm zu einem Rettungsboot für die ISS entwickelt werden, die bis mindestens 2020 in Betrieb bleibt. Wie sich der Rückhalt für die neuen Weltraumpläne in der Politik in den folgenden Wochen entwickelt hat, darüber gehen die Einschätzungen weit auseinander … (Links zu zahlreichen Artikeln im Cosmic Mirror 336 im hellgrünen Kasten)

Die erste Falcon 9 startet vermutlich am 23. März: Die Selbstzerstörungsanlage der viel beachteten privaten Trägerrakete – selbst Obama schaute sich bei seinem KSC-Besuch die Startanlagen an – muss noch abgenommen werden, und mehrere andere Starts (u.a. der letzte der Atlantis am 14. Mai) haben Vorrang. Der Druck auf die Firma Space X ist enorm … (Space.com 7., Cosmic Log, AW&ST 4., Flame Trench 3.5., Orion 21., Spaceflight Now 16.4.2010; Mission Status Center)

Weiter Konfusion um Versagen der ersten indischen kryogenen Raketenstufe

Hat sie gar nicht gezündet oder nur für Sekunden, bevor eine Turbopumpe ausfiel, oder war alles o.k. aber Vernierdüsen versagten? Die ersten beiden Stufen des indischen Geo-synchronous Satellite Launch Vehicle (GSLV-D3) hatten am 15. April tadellos gearbeitet, doch kaum sollte die Cryogenic Upper Stage übernehmen, wich die Rakete – mit einem Nachrichtensatelliten aber ohne TAUVEX (“Israelisches Astro-Teleskop …”) – von der Flugbahn ab und musste zerstört werden. Mehrfach wurden die Erklärungen für das Versagen der Oberstufe – die Indien in 19 Jahren allein entwickelt hatte, nachdem die USA Russland gedrängt hatten, die komplexe Technologie nicht an Indien zu liefern – inzwischen geändert, eine formelle Untersuchung läuft und soll Mitte Juni einen Bericht vorlegen. Indien hat mit neuen Raketentypen fast immer erst einmal Pech gehabt, diesmal allerdings war im Vorfeld getestet worden wie selten zuvor. Doch die Bedingungen des Hochfahrens einer kryogenen Raketenstufe schon halb im Weltraum entziehen sich detailgetreuer Bodentests. Vielleicht in einem Jahr könnte die CUS erneut ausprobiert werden (und es starten vorher noch zwei GSLV mit russischen Oberstufen). Was aus TAUVEX wird, ist derweil unklarer denn je … (Frontline Mai, Business Line 24., Parallel Spirals, Parabolic Arc 19., Hindu, Orion 18., Space News, Hindu 17., Hindu, Novosti, Space Today 16., ISRO Press Release, BBC 15., Outlook 10., Hindu 9., Mangalorean 7.4.2010)

Noch vor Jahresende startet die erste Soyuz-Rakete in Französisch-Guyana, verspricht Arianespace: Zwei wurden letzten November angeliefert, und die routinemäßigen Überprüfungen an der ersten kommen gut voran. (Arianespace Soyuz/Vega Update 7.5.2010) NACHTRAG: Spaceflight Now zu den Vorbereitungen. NACHTRAG 2: Der Start soll nun offiziell im 4. Quartal 2010 stattfinden.

Dieser Start wird die Besatzung der ISS verdoppeln

27. Mai 2009

soyuz-fliegt

Wieder einmal auf die Sekunde genau ist heute um 12:34 MESZ eine Soyuz zur ISS gestartet (oben; Screenshot aus dem ESA-Webcast, weitere hier und hier), Soyuz TMA-15 (Mitte, beim Roll-Out am 25.5.) mit einem belgischen Astronauten, der als erster Westeuropäer – ab Oktober – das Kommando auf der Raumstation übernehmen wird, einem Kanadier und einem Amerikaner: Sie stellen die zweite Hälfte der “Expedition 20″ dar (unten; ein Gruppenbild, bevor die anderen drei gestartet waren), der ersten sechsköpfigen Besatzung der ISS.

soyuz

Die Zeit für wissenschaftliche Experimente auf der Raumstation soll sich nach der Ankunft der drei in zwei Tagen verdreifachen – und weil andererseits noch gar nicht alles Forschungsgerät an Bord der ISS ist, wird anfangs sogar zuviel Crew-Zeit zur Verfügung stehen: Das gab es noch nie! Während des 20. Inkrements der ISS-Besatzung, dessen Zusammensetzung sich während seiner sechs Monate ändert, wenn einzelne Mitglieder ausgetauscht werden, stehen rund 600 Stunden für Wissenschaft zur Verfügung, pro Woche bis zu 70 statt der bisherigen 20 Stunden.

exp-20

Am Ende dieses Inkrements sollte die Besatzung auch die Installation des dreiteiligen japanischen Kibo-Moduls durch Montage seiner Außenkomponente abgeschlossen haben, das erste japanische Transportfahrzeug H-II dürfte angekommen und die Ankunft des ersten von zwei weiteren russischen ISS-Modulen sollte vorbereitet sein. Russland tönt übrigens schon, dass man vor der Versenkung der ISS – 2020? – seine eigenen Module wieder abzukoppeln und zur Basis einer neuen Raumstation machen wolle, als nächster Schritt zur Ausdehnung bemannter Operationen ins Sonnensystem. Während in den USA der künftige Kurs unklarer denn je ist – und sich bei einer der letzten Pressekonferenzen während STS-125 gar ein hochrangiger NASA-Manager (und Veteran des Hubble-Programms) offen gegen das seit 5 Jahren verfolgte Constellation-Programm aussprach, das ihm reichlich ziellos vorkomme …

Ein ESA Press Release und eine PM des DLR zum Start, eine Vorschau auf die 6-Personen-Crew, noch eine, die russischen Visionen – und der “Aufstand” bei der PK des HST-Managers Dave Leckrone, der zu einiger Unruhe geführt hat.

NACHTRAG: ein scharfes Bild der startenden Rakete und noch eins; dass sie unten ganz weiß geworden ist, hängt mit Eisbildung zusammen, wie die Kommentare zu diesem Artikel (und auch das andere Reflexionsverhalten, verglichen mit der weißen Farbe der Oberstufe!) plausibel machen.


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