Wie ein Deutscher den einzigen „Ostsee“-Meteoriten fand

Ein einziges gutes Video – von einer Kamera, mit der ein Schwede seinen Garten überwachte – und vor allen präzise Hinweise zweier Augenzeugen in Norddeutschland: Das waren die entscheidenden Informationen, die den einzigen hauptberuflichen Meteoritenjäger Deutschlands, Thomas Grau, zu dem Schluß führten, dass von der viel beachteten Feuerkugel am 17. Januar über der Ostsee etwas Restmaterial den Boden erreicht haben könnte. Und dann nicht ins Meer sondern auf die dänische Insel Lolland gefallen sein müsste. Die Befragung weiterer Augen- und Ohrenzeugen auf Lolland selbst engte das Suchgebiet weiter ein, doch dann dauerte es. „Schon sechs Tage stapfte ich durch die verregnete Landschaft ohne zu wissen, ist überhaupt was herunter gekommen!“ erinnert sich Grau: „Oder ist meine Kalkulation falsch? Wie wird der Met aussehen, groß oder klein, schwarz oder eher braun, möglicherweise ist es wieder ein Achondrit mit nicht mal dunkler Kruste? Warum nicht? Niemand kann das vorher wissen.“ Aber dann, ein zerbrochener 30-Gramm-Brocken in einer Wiese: „Ich war verrückt vor Freude, obwohl nicht alles wirklich perfekt gelaufen war. Ich finde auch lange nicht die richtigen Worte, um das Glück zu beschreiben. Ich hatte ja nicht nur den nächsten Meteoriten gefunden, sondern schon wieder einen Meteoritenfall als erster entdeckt! Und das völlig bewußt und mit Absicht!

Völlig überheblich dachte ich zu diesem Zeitpunkt: Jetzt geht´s los! Jeden Tag ein Fund! Okay, jeden Zweiten! Nach vier Tagen: Naja, komm – einer pro Woche ist eigentlich normal! Aber, nix mehr zu finden. Was ist los? Kann das sein? Frust kommt auf und steigert sich. Der Fund schon lange her. Er kann die aktuellen Schmerzen und das tägliche Leiden auch nicht mehr versüßen.“ Weder Grau noch zahlreiche andere Meteoritensucher haben seither auch nur einen zweiten Brocken des Ostsee-Boliden aufspüren können – und viel mehr als das eine Stück (das Grau von Rechts wegen abgeben musste; ein Finderlohn steht ihm jedoch zu) gibt es womöglich auch gar nicht. „Wir können bei diesem sehr hellen Boliden froh sein, das überhaupt Stücke die Erde erreicht haben,“ sagt Grau: „Man merkt es auch an den Zeugenberichten, denn der Donner ist gar nicht so stark, wie ich es sonst gewöhnt war, wenn ich einen Meteoritenfall untersucht habe. Ich hatte sogar kurze Zeit nach der Befragung darüber nachgedacht aufzugeben, weil ich selber nicht mehr an einen Fall geglaubt habe. Aber es hätte mich genervt, man sitzt zu hause und fragt sich dann, ach vielleicht war ja doch was gefallen … war es ja auch! Gott sei dank habe ich weiter gemacht!“

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