Archive for Juni 2009

Ulysses: das Ende ist nahe – live im Web!

30. Juni 2009

ulysses
Heute wird das Kontrollzentrum im JPL in Kalifornien (Bild, Screenshot aus Webcast ca. 18:00 MESZ) die europäisch-amerikanische Sonnensonde Ulysses anweisen, ihren Sender abzuschalten – über 18 Jahre nach dem Start kommt damit eine der langlebigsten Missionen der Weltraumforschung (siehe auch Artikel von 2008) zu einem kontrollierten Ende. Der Empfänger an Bord von Ulysses bleibt eingeschaltet: Im Prinzip könnte die Sonde wieder aktiviert werden, doch dazu wird es aller Wahrscheinlichkeit nach nicht kommen. Denn die Radioisotopenbatterien sind praktisch erschöpft, der wenige verbliebene Treibstoff ist im vergangenen Jahr nur deswegen nicht eingefroren, weil immer wieder kurz die Düsen aktiviert werden, und das Deep Space Network wird für viele andere Missionen benötigt, die erheblich mehr Wissenschaft versprechen.

Die letzten Stunden von Ulysses können in einem Webcast – mit Lääängen! – noch bis ca. 22:30 MESZ mit verfolgt werden; Loss of Signal sollte gegen 22:15 MESZ erfolgen. Auch Press Releases von ESA und JPL, die Homepage der Ulysses Ops mit dem End of Mission Plan und Status Reports der letzten Monate sowie ein langer Artikel von Spaceflight Now über die finalen Prozeduren. NACHTRAG: ein ESA Press Release Minuten nach dem LOS. NACHTRAG 2: ein JPL Release danach. NACHTRAG 3: Kelly Beatty über den Webcast.

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SternenZelt & SternenFest: Das IYA kulminiert zur Halbzeit … in Bonn!

24. Juni 2009

zelt
So sieht das Logo aus, „Faszination Weltall“ heisst das Motto – und von diesem Donnerstag bis Samstag steht es auf dem Bonner Münsterplatz: das SternenZelt, das – zusammen mit dem 8-stündigen SternenFest am Samstag direkt daneben – gewissermassen ein Halbzeit-Geschenk des IYA in Deutschland an seine Mitstreiter wie an die Bevölkerung darstellt.

Das SternenFest am 27. Juni ist die einzige IYA-Zentralveranstaltung im Lande, zu der jeder eingeladen ist! Geboten wird – von 14:00 bis 22:00 Uhr – ein hochkarätiges Bühnenprogramm mit namhaften Musikern, Kabarettisten und Talkgästen: Die Maus aus der Sendung mit derselben ist zum Beispiel dabei, das Impro-Theater Springmaus, der zur Wissenschaft neigende Comedian Bernhard Hoecker, der zur Comedy neigende Physiker Metin Tolan, der TV-Star Ranga Yogeshwar – und der deutsche Astronaut Reinhold Ewald. In Auszügen wird das Fest auch live im Internet übertragen.

Im SternenZelt zeigen Institutionen aus der deutschen Fach- wie der Amateurastronomie an den drei Tagen 25.-27. Juni ab 10:00 Uhr ihr Können und laden insbesondere junge Gäste ein, die „Faszination Weltall“ persönlich kennen zu lernen. Wie können Satelliten bei der Vermessung der Erde behilflich sein? Wie können Astronomen für das menschliche Auge unsichtbare kosmische Energie rekonstruieren? Welche Geheimnisse birgt die Milchstraße? Wieso färbt sich die untergehende Sonne im Abendhimmel rot, weshalb sind Sterne für uns tagsüber unsichtbar und warum stehen die optischen Teleskope, die auf sie gerichtet sind, erhöht auf Bergen? Fragen über Fragen – die hier beantwortet werden.

Zum SternenZelt Seiten der Uni Bonn (auch eine Pressemitteilung), von Bonn.de und DLR, zum SternenFest Seiten von Uni, UNESCO, CampusWeb und SternStundeOnline (zum Webcast) sowie Allgemeines bei VdS, IYA, A.de (mehr), RedShift und im General-Anzeiger. NACHTRAG: erste Impressionen vom Zelt, die 4-Minuten-Sendung des WDR von dort und ein internationaler IYA Update zu den deutschen Highlights.

A lot of noctilucent cloud activity over Europe in recent days

24. Juni 2009

Viele Bilder der Leuchtenden Nachtwolken der vergangenen Woche über v.a. Deutschland und dem UK der letzten Tage, planetare Konstellationen, jede Menge Meteore, Meteoriten (echte und falsche) und Kometen und noch einiges mehr aus den vergangenen 19 Tagen in Cosmos 4 U!

Natur der frühen „Lyman-Alpha Blobs“ geklärt: wachsende Galaxien

24. Juni 2009

blobX-ray (NASA/CXC/Durham Univ./D.Alexander et al.); Optical (NASA/ESA/STScI/IoA/S.Chapman et al.); Lyman-alpha Optical (NAOJ/Subaru/Tohoku Univ./T.Hayashino et al.); Infrared (NASA/JPL-Caltech/Durham Univ./J.Geach et al.)

Gaswolken im frühen Kosmos, die vor allem im Lyman-Alpha-Licht des Wasserstoffs glühen, stellen offenbar eine – kurzlebige – Phase der Evolution von Galaxien mit Kernaktivität (AGN) dar: Das legen Beobachtungen des Röntgensatelliten Chandra an 29 dieser Lyman-Alpha-Blobs im dichtesten Teil des Protogalaxienhaufens SSA22 (z=3.1, d.h. 2 Mrd. Jahre nach dem Urknall; bekannt aus ISAN 85-5) nahe. In 5 bis 8 der LABs sichtete der Satellit Hinweise auf AGN – gemeinhin als Schwarze Löcher interpretiert – und oft auch Starbursts.

Deren Strahlung und Ausflüsse liefern ausreichend Energie, um die betreffenden LABs zum Leuchten zu bringen, womit ein gut ein Jahrzehnt altes Rätsel gelöst ist. Die anderen Blobs sind generell weniger hell: Hier lagen die schwächeren Energielieferanten vermutlich einfach unter der Nachweisgrenze des Satelliten. Aber im hier gezeigten Beispiel, einem der hellsten SSA22-Blobs, passt alles: gelb das Ly-Alpha-Licht, weiß eine eingebettete Galaxie, rot IR-Emission – und blau Röntgenlicht, das mitten aus der Galaxie von einem AGN kommt. NACHTRAG: das Medienecho auf die Story.

10’000 Pixel Durchmesser: Das größte Amateur-Mond-Mosaik …

24. Juni 2009

lunarrecord
… aller Zeiten, zertifiziert gar von Guinness World Records, haben mehrere prominente britische Amateurastronomen am 4. April aufgenommen und nun vorgestellt – auf’s Bild klicken führt zu einem Tool, das herumschwenken und -zoomen ermöglicht. Aus 288 Einzelbildern zusammengesetzt, ist das Mosaik 87.4 Megabyte groß, aber die verarbeiteten Roh-Videodaten umfassten 1.1 Terabyte. Prints in verschiedenen Größen oder auch das Mosaik als Datensatz werden nun zu wohltätigen Zwecken zum Kauf angeboten. NACHTRAG: Wochen später hat’s noch einer gefunden, der’s für „the coolest thing online I’ve seen in a long time“ hält.

LRO im Mondorbit, LCROSS holt sich Schwung – und liefert Videos in Webcam-Qualität

23. Juni 2009

lcross_at_moon
Chandrayaan-1 ist nicht mehr einsam im Mondorbit: Heute Mittag (deutscher Zeit) sind kurz nacheinander der Lunar Reconnaissance Orbiter in eine stabile Umlaufbahn eingetreten und der künftige Impaktor LCROSS am Mond vorbeigeflogen, um per Schwerkraftschwung auf die gewünschte Absturzbahn zu gehen. Die Orbit Insertion des LRO war um 12:27 MESZ mit dem Ende einer 40-minütigen Triebwerkszündung abgeschlossen; schon in deren Mitte war eine stabile Bahn erreicht worden. Noch ist der Orbit mit 220 x 3100 km sehr elliptisch: Mit vier weiteren Zündungen soll in den kommenden vier Tagen ein viel niedrigerer Commissioning Orbit eingenommen werden. Der wird dann – 60 Tage nach dem Start – für ein Jahr in eine für Mondorbiter ungewöhnlich niedrige Kreisbahn von nur 50 km Höhe verwandelt: Nur sie ermöglicht beispielsweise den vergleichsweise kleinen Kameras eine Bodenauflösung von einem(!) Meter.

Unmittelbar nach der LOI erreichte auch der weiterhin auf der Centaur-Oberstufe sitzende LCROSS um 12:30 MESZ sein Periselen in 3200 km Mondabstand – und ab 14:20 MESZ wurden knapp eine Stunde lang auch seine Instrumente am Mond erprobt. Die NASA ließ dankenswerterweise per Webstreaming daran teilhaben (siehe Screenshot); allerdings gab es nur ein Videobild der visuellen Kamera mit Sub-Amateurqualität und eine Computergrafik zu sehen (sowie den O-Ton der Flugkontrolle zu hören). Über andere Wege wie die Twitter-Feeds „der Sonde“ und v.a. eines LCROSS-Managers war aber zu erfahren, dass die parallel gewonnen Daten der anderen Instrumente exzellent gewesen seien. Jetzt entfernt sich LCROSS wieder auf weiten Schleifen vom Mond, bis zu einem Impakt voraussichtlich am 9. Oktober gegen 13:30 MESZ; das Ziel wird dabei erst 30 Tage vorher festgelegt, so dass noch erste Erkenntnisse des LRO zu vielversprechenden Eisvorkommen am Südpol berücksichtigt werden können.

Etliche offizielle Blogs künden vom Fortgang beider Missionen, vom LRO vom GSFC und von einem beteiligten Wissenschaftler (wohl beendet), von LCROSS mit schnellen kurzen und gelegentlichen langen Stories und von den NASA-Mondmissionen insgesamt; sehr fleissig auch das Liveblog von Spaceflight Now. NACHTRAG: Zur Feier des Tages … lästert Buzz Aldrin (mal wieder), ein zweiter Aufbruch zum Mond sei einfach nicht genug. NACHTRAG 2: ein NASA Release auch zum LCROSS-Swingby. NACHTRAG 3: ein Artikel von Space.com über die nur scheinbar miese Qualität der Bilder.

Der angemessenste Ort zur Feier der Sommersonnenwende …

23. Juni 2009

halde
… 2009 war fraglos das Horizontobservatorium auf der Halde Hoheward im Ruhrgebiet (siehe auch ISAN 72-7), das zum ersten Mal im fertigen (wenn auch wegen eines Baumangels schon defekten) Zustand den nördlichsten Sonnenstand erleben konnte. Just zur rechten Zeit trollten sich die Wolken und gaben den Blick auf einen blendend hellen Sonnenuntergang frei – genau an der berechneten Extremposition. Ein IYA-Ereignis der besonderen Art, mit etwa 200 Teilnehmern. NACHTRAG: Bilderserie von B. Brinkmann.

Venus, Mars und Mond – gerade noch erwischt

20. Juni 2009

ve-mo
Eigentlich war die erklärtermaßen schönste Konstellation des Monats, ein Trio aus Venus und Mars in Konjunktion mit dem Mond in der Nähe, schon am Morgen des 19., und z.B. in Kanada waren auch tolle Bilder gelungen. Aber auch am Morgen des 20. gab es noch etwas zu sehen, mit dem Mond weiter weg – und diesmal spielte in Königswinter auch das Wetter mit. Beim obigen Bild ist der Mars wohl nur zu erkennen, wenn man die große Version durch Anklicken abruft, andere zeigen das Planetenduo klar bzw. die morgendliche Szenerie.

Noch nie gesehene Strukturen im Saturnring: Daphnis schuld

20. Juni 2009

sat-ring
Der extrem flache Lichteinfall auf die Saturnringe rund um die Tag- und Nachtgleiche macht – für Cassinis Kamera – Strukturen sichtbar, wie sie noch nie jemand (Mensch oder Sonde) gesehen hat; siehe auch einen früheren Artikel. Hier hat der 8-km-Mond Daphnis – selbst zu sehen, wie er einen laaangen Schatten wirft – in der 42-km-Keeler-Lücke ein Wellenphänomen in der 3. Dimension im A-Ring ausgelöst, das nun ebenfalls Schatten wirft und sich so zu erkennen gibt: Die Verbiegungen messen bis zu 1.5 km – 100-mal so hoch wie der Ring dick ist!

NACHTRAG: Der immer flachere Lichteinfall auf die Saturnringe macht sich auch für den irdischen Beobachter durch ein erhebliches Verblassen der Ringe bemerkbar! NACHTRAG 2: noch mehr kuriose Schattenspiele!

Die allerletzten Blicke von Kaguya auf den Mond

19. Juni 2009

20090619_kaguya_hdtv_1Courtesy of JAXA and NHK

In den letzten Minuten vor dem Crash am 10. Juni hat die HDTV-Kamera an Bord des japanischen Orbiters Kaguya zwar keine Filmaufnahmen mehr machen können, wohl aber eine dramatische Serie von Standbildern mit schrägem Blick, die heute veröffentlicht wurde. Oben die erste Aufnahme der Serie; anklicken fördert die gesamte Sequenz im Minuten-Takt zutage, während derer immer mehr der Landschaft im tiefschwarzem Schatten liegt …

NACHTRAG: Von den letzten Minuten Kaguyas gibt es auch dieses rasante Video, basierend auf Bildern der Terrain Camera auf dem Orbiter! NACHTRAG 2: Die zugehörige PM gibt’s inzwischen auch in Englisch – mit vielen weiteren Bildern!