Archive for 19. Juni 2009

Die allerletzten Blicke von Kaguya auf den Mond

19. Juni 2009

20090619_kaguya_hdtv_1Courtesy of JAXA and NHK

In den letzten Minuten vor dem Crash am 10. Juni hat die HDTV-Kamera an Bord des japanischen Orbiters Kaguya zwar keine Filmaufnahmen mehr machen können, wohl aber eine dramatische Serie von Standbildern mit schrägem Blick, die heute veröffentlicht wurde. Oben die erste Aufnahme der Serie; anklicken fördert die gesamte Sequenz im Minuten-Takt zutage, während derer immer mehr der Landschaft im tiefschwarzem Schatten liegt …

NACHTRAG: Von den letzten Minuten Kaguyas gibt es auch dieses rasante Video, basierend auf Bildern der Terrain Camera auf dem Orbiter! NACHTRAG 2: Die zugehörige PM gibt’s inzwischen auch in Englisch – mit vielen weiteren Bildern!

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Historische Sternwarten-Woche, SternenZelt, Sternenfest: Ende Juni schwer was los!

19. Juni 2009

Eine ganze Reihe bedeutende IYA-Veranstaltungen im Lande in den kommenden 8 Tagen und viele andere Events im Lande und auf dem Globus sowie der Start des Galileo Teachers Training Programs sind Themen im neuen IYA-Blog, der die vergangenen 11 Tage umfasst.

Herschel überzeugt mit – ungeplantem – Bild von Messier 51

19. Juni 2009

SP_M51composite_new_sm2_H

Solch ein Bild der Galaxie Messier 51 gab es noch nie – und konnte es auch gar nicht geben: Zusammengesetzt wurde es nämlich aus Bildern bei 160, 100 und 70 Mikrometern Wellenlänge, denen die Farben RGB zugeordnet wurden. Nur ein Weltraumteleskop konnte in diesem vom Erdboden nicht zugänglichen Spektralbereich überhaupt Daten liefern – und nur der neue ESA-Satellit Herschel mit seinem 3.5 Meter großen Spiegel in dieser Schärfe. Der bisher „beste“ IR-Satellit Spitzer konnte das nicht. Herschel hat noch nicht einmal seine endgültige Position erreicht, aber kurz nach dem Öffnen seines Kryocovers gab es kein Halten mehr: Dieser „sneak preview“ der Leistungsfähigkeit des Satelliten ist das Ergebnis.

Eine detaillierte Diskussion der Bilder, ein ESA Press Release, Pressemitteilungen von DLR und MPG und Gedanken von Sky & Tel.. NACHTRAG: ein Herschel/Hubble-Komposit – falls jemand Herschel allein nicht scharf genug war …

Weitere größere Artikel

19. Juni 2009

Wo sind die Sonnenflecken geblieben? Helioseismologie dürfte das Rätsel des langen Sonnenminimums gelöst haben.

Die Erde spielte Exoplanet — bei einer Mondfinsternis: Transmissionsspektrum der Atmosphäre in der Umbra gemessen!

Die »Palomar-Transienten-Fabrik« liefert Entdeckungen im Minutentakt – und die PTF wird immer automatischer.

Kurze Artikel

Beteigeuze in 15 Jahren um 15% geschrumpft, zeigt eine Messreihe mit einem IR-Interferometer.

Die erste Entdeckung eines Exoplaneten mit Astrometrie, VB10a.

Cepheiden mit ultralanger Periode: Durchbruch bei den Standardkerzen? Eine Sprosse der Entfernungsleiter könnte übersprungen werden.

IYA auf dem Höhepunkt mit mehreren Großveranstaltungen Ende Juni.

Die Nerven behalten: LRO, LCROSS – und eine dicke Raketenstufe – unterwegs zum Mond!

19. Juni 2009

goldstone2-20090618-640

Aufziehende Gewitter zerrten an den Nerven, und das Wetter war lange „rot“ – aber just zur rechten Zeit für das dritte von drei instantanen Startfenstern am 18. Juni um 23:32 MESZ war es wieder „grün“, und die Atlas V mit dem Lunar Reconaissance Orbiter (LRO) und dem Lunar Crater Observation and Sensing Satellite (LCROSS) konnte auf die Reise gehen. Rasch verschwand die Rakete für Beobachter am Boden in den Wolken, doch Kameras auf der Centaur-Oberstufe lieferten spektakuläre Bilder bis zu ihrer Abtrennung und dem Abwurf der Nutzlastverkleidung. Nach einer 23-minütigen Pause zündete die Centaur erneut, um LRO und LCROSS auf Mondkurs zu bringen: Wenige Minuten nach dem 2. Brennschluss wurde der LRO freigelassen, der am Dienstag (23.6.) um 11:43 MESZ den Mondorbit erreichen soll.

LCROSS dagegen bleibt erst einmal auf der Centaur sitzen, mit der er einige wilde Orbits vollführt, bevor sich beide trennen und kurz nacheinander auf den Südpol des Mondes einschlagen. Dessen Topografie wurde gerade mit dem Goldstone-Radar so gut vermessen wie nie zuvor (Abb. – und s.a. ISAN 55-5), mit dem Ziel, die Centaur in einen permanent schattigen Krater zu lenken. Am 9. Oktober werden die Raketenstufe (noch nie war eine auf diese Weise verwendet worden) und unmittelbar danach auch LCROSS einschlagen, in der Hoffnung, dort ggf. vorhandene Eisvorräte herauszuschleudern, die dann kurz aber heftig mit jeder Menge Methoden beobachtet werden sollen (siehe ISAN 86-8). Ob dies gelingt, ist allerdings völlig unsicher (Science 324 [15.5.] 878-9): Es ist leicht möglich, dass die Eisdepots lokal begrenzt sind und von der Centaur schlicht verfehlt werden.

Nicht nur der Impakt, der eine Art Zugabe zu der LRO-Mission darstellt, hat als Primärziel das – in diesem Fall ziemlich gewalttätige – Aufstöbern von Eis: Auch 6 der 7 Instrumente auf dem Orbiter haben dies als wesentliche Aufgabe, ein ungewöhnlich beschränkter Fokus für eine NASA-Mission (Nature 459 [11.6.] 758-9). Der LRO gehört freilich auch nicht zum eigentlichen Wissenschaftsprogramm sondern zur „Exploration“, d.h. langfristig der Vorbereitung neuer Mondlandungen (sofern diese nach den derzeit laufenden ergebnisoffenen Hearings der Augustine-Komission überhaupt noch auf der Tagesordnung stehen werden). Hätten sich Wissenschaftler die Nutzlast ausgedacht, wäre sie sicher anders ausgefallen – aber auch so wird noch eine Menge Science abfallen. Und mit einem Meter Auflösung die beste Mondkarte aller Zeiten; bisher gab es so etwas kurioserweise nur vom Mars.

NASA Releases zu LRO und LCROSS, ein sehenswertes Video vom Start, Standbilder (mehr und mehr), Artikel von CNN, Sky & Tel., Space.com, AP, Lunar Networks, The LaunchPad, ZEIT und Tagesschau, JPL Releases zur neuen Mondkarte und der Mission und SpacePolitics, New York Times und CosmicLog zu den Augustine-Hearings – viele weitere Links in den Cosmic Mirrors # 329 und 328.