Die Nerven behalten: LRO, LCROSS – und eine dicke Raketenstufe – unterwegs zum Mond!

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Aufziehende Gewitter zerrten an den Nerven, und das Wetter war lange „rot“ – aber just zur rechten Zeit für das dritte von drei instantanen Startfenstern am 18. Juni um 23:32 MESZ war es wieder „grün“, und die Atlas V mit dem Lunar Reconaissance Orbiter (LRO) und dem Lunar Crater Observation and Sensing Satellite (LCROSS) konnte auf die Reise gehen. Rasch verschwand die Rakete für Beobachter am Boden in den Wolken, doch Kameras auf der Centaur-Oberstufe lieferten spektakuläre Bilder bis zu ihrer Abtrennung und dem Abwurf der Nutzlastverkleidung. Nach einer 23-minütigen Pause zündete die Centaur erneut, um LRO und LCROSS auf Mondkurs zu bringen: Wenige Minuten nach dem 2. Brennschluss wurde der LRO freigelassen, der am Dienstag (23.6.) um 11:43 MESZ den Mondorbit erreichen soll.

LCROSS dagegen bleibt erst einmal auf der Centaur sitzen, mit der er einige wilde Orbits vollführt, bevor sich beide trennen und kurz nacheinander auf den Südpol des Mondes einschlagen. Dessen Topografie wurde gerade mit dem Goldstone-Radar so gut vermessen wie nie zuvor (Abb. – und s.a. ISAN 55-5), mit dem Ziel, die Centaur in einen permanent schattigen Krater zu lenken. Am 9. Oktober werden die Raketenstufe (noch nie war eine auf diese Weise verwendet worden) und unmittelbar danach auch LCROSS einschlagen, in der Hoffnung, dort ggf. vorhandene Eisvorräte herauszuschleudern, die dann kurz aber heftig mit jeder Menge Methoden beobachtet werden sollen (siehe ISAN 86-8). Ob dies gelingt, ist allerdings völlig unsicher (Science 324 [15.5.] 878-9): Es ist leicht möglich, dass die Eisdepots lokal begrenzt sind und von der Centaur schlicht verfehlt werden.

Nicht nur der Impakt, der eine Art Zugabe zu der LRO-Mission darstellt, hat als Primärziel das – in diesem Fall ziemlich gewalttätige – Aufstöbern von Eis: Auch 6 der 7 Instrumente auf dem Orbiter haben dies als wesentliche Aufgabe, ein ungewöhnlich beschränkter Fokus für eine NASA-Mission (Nature 459 [11.6.] 758-9). Der LRO gehört freilich auch nicht zum eigentlichen Wissenschaftsprogramm sondern zur „Exploration“, d.h. langfristig der Vorbereitung neuer Mondlandungen (sofern diese nach den derzeit laufenden ergebnisoffenen Hearings der Augustine-Komission überhaupt noch auf der Tagesordnung stehen werden). Hätten sich Wissenschaftler die Nutzlast ausgedacht, wäre sie sicher anders ausgefallen – aber auch so wird noch eine Menge Science abfallen. Und mit einem Meter Auflösung die beste Mondkarte aller Zeiten; bisher gab es so etwas kurioserweise nur vom Mars.

NASA Releases zu LRO und LCROSS, ein sehenswertes Video vom Start, Standbilder (mehr und mehr), Artikel von CNN, Sky & Tel., Space.com, AP, Lunar Networks, The LaunchPad, ZEIT und Tagesschau, JPL Releases zur neuen Mondkarte und der Mission und SpacePolitics, New York Times und CosmicLog zu den Augustine-Hearings – viele weitere Links in den Cosmic Mirrors # 329 und 328.

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3 Antworten to “Die Nerven behalten: LRO, LCROSS – und eine dicke Raketenstufe – unterwegs zum Mond!”

  1. LRO im Mondorbit, LCROSS holt sich Schwung – und liefert Videos in Webcam-Qualität « Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] ist nicht mehr einsam im Mondorbit: Heute Mittag (deutscher Zeit) sind kurz nacheinander der Lunar Reconnaissance Orbiter in eine stabile Umlaufbahn eingetreten und der künftige Impaktor LCROSS am Mond vorbeigeflogen, um […]

  2. Gigantische Radarkarte vom Südpol des Mondes veröffentlicht « Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] zum Mond, das Green Bank Telescope in West Virginia (siehe Artikel 115) fing sie auf. (Siehe auch hier zu einer anderen Radarkarte von Goldstone.) Auch neu: ein Nachruf auf Kaguya mit vielen Videos und […]

  3. Warum der LCROSS-Crash so unauffällig blieb « Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] die großen Unsicherheiten bei der Vorhersage der Impakteffekte betont, zuweilen wurde auch in Vorberichten auf die Unwägbarkeiten hingewiesen, und jetzt nennt Impaktforscher E. Asphaugh das Modellieren der […]

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