Koordinierte Mars-Pläne von NASA & ESA nehmen Form an

Vorsicht ist geboten bei Prognosen, die sich auf die Zukunft beziehen: Das musste auch dieser Blog (als er noch anders aussah und es das Wort noch nicht mal gab) erfahren, wo vor 9 Jahren ganz genau zu lesen war, wie sich die NASA (siehe Artikel 144) und die USA und Europa gemeinsam (siehe Artikel 164) die kommenden Jahrzehnte der Marsforschung vorstellten – schon zwei Jahre später war davon wenig übrig geblieben (siehe Artikel 532), und Amerika und Europa gingen wieder eigene Wege, beide auch mit etlichen großen Erfolgen bzw. einem.

Aber nun erscheint erneut ein gemeinsames Programm von Marssonden der NASA und der ESA am Horizont, erzwungen von knappen Kassen beiderseits des Atlantik und im Juni im Prinzip auf einem Meeting in Plymouth (UK) beschlossen. Damals drangen nur vage Visionen an die Öffentlichkeit, aber Ende Juli berichteten mehrere Quellen schon Genaueres – u.a. scheint eine erneute Verschiebung des Euro-Marsrovers ExoMars auf 2018 beschlossene Sache zu sein. Nach dem neuen Plan könnte Folgendes passierien:

  • 2016 startet ein europäischer Orbiter auf einer amerikanischen Atlas-Rakete, auf der außerdem ein amerikanischer statischer Lander Platz hat. Für den würde der Euro-Orbiter als Funkrelais dienen, sich in erster Linie aber mit der Suche nach den konkreten Quellen der Methan-Ausdünstungen auf der Oberfläche beschäftigen.

  • 2018 startet – abermals auf einer Atlas – der ExoMars-Rover der ESA, der damit von einem besonders günstigen Startfenster Gebrauch macht, das den Transport von extra viel Masse auf die Marsoberfläche erlaubt: Dazu soll auch ein kleinerer US-Rover vom Format der MER Spirit of Opportunity gehören. Wenn der Orbiter von 2016 vielversprechende Plätze gefunden haben sollte, könnten beide Rover gezielt in der Nähe von Methan-Quellen abgesetzt werden.

  • 2020 schließlich könnte – wie schon seit Jahrzehnten immer wieder einmal vorgeschlagen – ein ganzes Netzwerk statischer Lander auf der Marsoberfläche verteilt werden.

Noch unklar ist, ob sich die NASA um die riskante Landeoperation von ExoMars kümmern wird, für die die ESA keine Erfahrungen hat (aber gerne sammeln würde): Das Entry, Descent & Landing-System würde man in diesem Szenario vom großen Marsrover MSL alias Curiosity übernehmen, der 2011 auf die Reise gehen soll. Wenn es ihm nicht doch noch an den Kragen geht: Die gegenwärtig mit 2,3 Mrd.$ angegebenen Kosten drohen um weitere 15 bis 115 Mio.$ zu steigen, aber für einen Abbruch des Projekts (dessen Kostenexplosion zunehmend auch Mars-ferne NASA-Missionen bedroht) ist es wohl schon „zu spät“.

Auch die Realisierung von ExoMars ist noch alles andere als sicher: Selbst die Kollaboration mit der NASA garantiert offenbar nicht, dass die politische Vorgabe von maximal 850 Mio. Euro ESA-Beitrag eingehalten werden kann. Harte Zahlen soll es bis September geben, intensive Diskussionen in den nächsten Monaten, und die ESA will bis Jahresende entscheiden. Und wann würde die gewaltige – und vermutlich gemeinsam gestemmte – Mars Sample Return Mission kommen, die 6 bis 8 Mrd.$ kosten dürfte? Sicher nicht vor 2024, sagt die gebeutelte NASA inzwischen ganz offiziell.

AW&ST vom 27.7. S. 36-7 und Nature News vom 10.7.2009 sowie Artikel von New Scientist, BBC, Ars Technica und Great Beyond und ein ESA Release zur neuen Kollaboration.

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3 Antworten to “Koordinierte Mars-Pläne von NASA & ESA nehmen Form an”

  1. Raumfahrt kurz & bündig « Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] Science Programme Committee der ESA hat die neue gemeinsame Mars-Strategie mit der NASA im Prinzip abgesegnet: Der komplexe Rover ExoMars soll 2018 starten, 2016 dagegen ein […]

  2. Nachrichten vom Mars kompakt « Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] am 16. und 17. Dezember gegeben, womit im Januar die Ausschreibung für die Instrumente des 2016-er Orbiters kommen kann: Trace Gas Orbiter soll er heißen (womit die Aufgaben schon umschrieben sind: Studium […]

  3. Nachrichten vom Mars kompakt « Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] fünf Instrumente für den ersten Marsorbiter („Grünes Licht …“) des gemeinsamen Marsprogramms von NASA und ESA ausgewählt worden: Vier haben einen amerikanischen, eines einen belgischen Principal Investigator, […]

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