Aus der Sicht von LCROSS: Hier fliegt die Centaur! Und trifft in ein paar Stunden den Mond

centaur

Jetzt gibt es kein Zurück mehr: Pünktlich gegen 3:50 MESZ hat sich die Centaur-Oberstufe vom LCROSS-Satelliten abgelöst, dessen Kamera für sichtbares Licht in einer langen Bildserie „live“ ihr Davontreiben zeigte. Oben ein Screenshot, als sie noch vergleichsweise nahe war; eine weitere Sequenz aus der Übertragung hier, hier und hier, als auch IR-Bilder dazu kamen. Wie es aussieht, ist die Stufe „gut weggekommen“, die in knapp 9 Stunden auf den Mond aufschlagen soll, und auch die Kameras auf LCROSS lieferten die gewünschten Bilder. In den Minuten um den Impakt, wenn LCROSS vier Minuten hinter der Raketenstufe her fliegt (dafür sorgte eine Stunde nach der Trennung ein kleines Bremsmanöver der Sonde), wird der Datenstrom von der Sonde Bilder von fünf verschiedenen Kameras enthalten, wurde einige Stunden zuvor auf einer Telecon erklärt.

Den eigentlichen Impaktblitz wird man ausschließlich im nahen IR und mit maximaler Datenrate beobachten, dann wieder zu visuellen Kameras zurückgehen, um den aufsteigenden Ejekta-Vorhang zu verfolgen, und unmittelbar, bevor LCROSS selbst ca. 3 km von der Centaur entfernt ebenfalls im Mondkrater Cabeus endet, hofft man den von ihr geschlagenen Krater ein paar Pixel groß zu erkennen. Beobachter des Geschehens auf der Erde sollten sich hingegen keine großen Hoffnungen auf dramatische Bilder machen: Man wird im Wesentlichen sehen, wie eine bestimmte Mondformation, die im Schatten liegt, „etwas weniger schwarz“ wird, während die Ejektawolke aufsteigt, und dann wieder dunkler, wenn sie in sich zusammen fällt. Mit einem dramatischen Aufblitzen darf man nicht rechnen, denn der Impaktpunkt selbst kann von der Erde aus nicht eingesehen werden. (Aber die Topografie von Cabeus sorgt dafür, dass die Ejektawolke bald in die Sonne gerät und gesehen werden kann.)

Neben zahlreichen Teleskopen auf HI und in CA, AZ und NM werden auch mehrere Astronomie- und auch Richtung Mond gedrehte Erdsatelliten zuschauen – und natürlich der LRO als z.Z. einziger funktionsfähiger Mondorbiter. Dabei wird man auch die Exosphäre des Mondes überwachen: Eine Baseline wurde bereits gemessen, und man will sehen, wie sich diese extrem dünne Mondatmosphäre verändert und wann sie wieder in den Zustand vor dem Impakt zurückfällt. Zu dem Gaseintrag wird auch LCROSS selbst beitragen, der in einen ähnlich (mutmaßlich) eisreichen Teil von Cabeus einschlagen wird wie die Centaur, aber natürlich dabei weniger Energie entfaltet (weshalb die zweite Ejektawolke viel kleiner ausfallen dürfte). Die Auswertung der Impaktbeobachtungen aus zahlreichen unterschiedlichen Quellen wird Tage, wenn nicht Wochen, dauern: Mit einer Verkündung, dass es definitiv konzentriertes Eis in Cabeus gibt (oder auch nicht), sollte heute noch nicht gerechnet werden.

Die aktuellsten Infos, unabhängige Status-Berichte, die Homepage, ein rasanter Twitter-Feed, eine andere Zusammenfassung der letzten Telecon, die Impakt-Geometrie, der Zielkrater, drei Quellen für Livebilder des Impakts (von LCROSS und bis zu 4 Teleskopen) und jede Menge mehr Links. Impakte von der Energie des Centaur-Crashes erlebt der Mond übrigens im Schnitt viermal im Monat, und es ist auch allein kinetische Energie im Spiel. Von einer – womöglich gar unmoralischen – „Bombardierung“ des Erdtrabanten kann also keine Rede sein, sondern eher von einem kontrollierten Meteoriteneinschlag.

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Eine Antwort to “Aus der Sicht von LCROSS: Hier fliegt die Centaur! Und trifft in ein paar Stunden den Mond”

  1. Hier leuchtet – im IR – der frische Centaur-Krater! « Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] Liveübertragung des LCROSS-Crashes war zwar ein Reinfall, mit keinem auf Anhieb erkennbaren Anzeichen, dass überhaupt etwas […]

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