Vielleicht in 2 1/2 Stunden: Teststart der „Ares“ ins Ungewisse

ARES I-X Launch Prep

Im Augenblick ist das Wetter über dem Cape – überraschend – grün: Wenn das so bleibt, könnte es bereits zu Beginn des 4-stündigen Startfensters ab 13:00 MEZ losgehen mit dem ersten Start einer neu entwickelten Rakete in Florida in Jahrzehnten. Die 100 m hohe Ares I-X (hier gestern abend zu sehen) soll nur einen zweiminütigen suborbitalen Testflug mit einer Dummy-Nutzlast aber über 700 Messgeräten an Bord absolvieren und unterscheidet sich auch deutlich von der Ares I, die nach offiziellem Plan 2015, nach Einschätzung der Augustine-Komission aber erst 2017 in der Lage sein würde, Astronauten in einen niedrigen Erdorbit zu befördern. Ob das Programm freilich jemals so weit kommen wird, ist alles andere als sicher: Kurz nachdem die Ares I-X vor einer Woche auf die Rampe gerollt war, hatten Augustine & Co. ihren Abschlussbericht vorgelegt – und auf den 157 Seiten „Seeking a Human Spaceflight Program Worthy of a Great Nation“ kommt gerade die Ares I nur am Rande vor, in zwei von fünf Szenarien und nicht unbedingt den bevorzugten.

Wie schon in der Vorab-Version macht der – bereits heftig diskutierte – Bericht vom 22. Oktober klar, dass beim augenblicklichen Etat nennenswerte bemannte Raumfahrt jenseits des Low Earth Orbit noch für Jahrzehnte nicht zu machen ist. Aus rund 3000 möglichen Szenarien hatte man die 5 grundsätzlichen Vorgehensweisen herauskondensiert, aus denen sich nun das Weiße Haus und natürlich der Kongress eine aussuchen dürfen, wenn sie wollen. Alles, was nicht die größtmögliche Sicherheit der Astronauten garantiert, wurde von vorneherein ausgeschlossen, so dass die Entscheidung nur vom gewünschten Ziel und den Finanzen abhängt. In zwei der 5 Szenarien bleibt das Finanzniveau, die ISS wird bis 2020 betrieben und danach geht es vielleicht – aber nicht vor 2030 – zum Mond. Wenn aber jedes Jahr(!) 3 Mrd.$ mehr zur Verfügung ständen, dann könnte man wahlweise mit dem aktuellen Constellation-Programm (also Ares I und V und Orion-Kapsel) weitermachen und (bei Versenkung der ISS 2016) immerhin 2025 den Mond erreichen, mit einem alternativen Trägersystem bei ISS-Betrieb bis 2020 den Mond um 2025 erreichen oder aber die ISS bis 2020 betreiben und – mit alternativen Raketen – einem „flexible path“ zu NEOs, den Marsmonden etc. folgen.

Letzteres Szenario wird zwar nicht ausdrücklich empfohlen aber als besonders attraktiv beschrieben: Immer wieder würden im Laufe der Jahre neue Ziele erreicht, es bliebe spannend, und einige Wissenschaft fiele auch noch dabei ab. Das Fernziel aller Bemühungen soll übrigens eine Landung auf der Mars werden, aber die hält die Augustine-Komission für derart schwierig, dass auf jeden Fall eine Reise zum Mond oder eben der flexible path davor absolviert werden müssten. Grundsätzlich sollten sich die USA auch bemühen, die Führung eines internationalen Programms zu übernehmen, privaten Anbietern möglichst große Freiräume geben (was am Ende Kosten senken könnte, aber auch riskant ist) und natürlich die Erfahrungen der vergangenen 50 Jahre optimal nutzen. Noch hat das Weiße Haus nicht wirklich erkennen lassen, wie es mit den Erkenntnissen der Komission zu verfahren gedenkt, und es könnte noch bis kommenden Januar oder Februar dauern, bis im Etatplan für das Finanzjahr 2011 drin stehen muss, was passieren soll. Beobachter vermuten aber, dass sich Obama schon früher äußern wird – und womöglich auch direkt in die Planungen eingreifen wird.

Ein Live-Blog zum Ares-Start, Bilder vom Roll-Out, auf der Rampe und mit künstlerischem Anspruch – und Artikel und Links zu Ares und Augustine zuhauf im Cosmic Mirror 332 im grünen Kasten!

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4 Antworten to “Vielleicht in 2 1/2 Stunden: Teststart der „Ares“ ins Ungewisse”

  1. Noch 45 Minuten bis zum Ares-Startfenster « Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] Skyweek Zwei Punkt Null Alles über's All … von Daniel Fischer … seit 1985 – und jetzt online im klassischen Blog-Format « Vielleicht in 2 1/2 Stunden: Teststart der „Ares“ ins Ungewisse […]

  2. Raumfahrt-Nachrichten kompakt « Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] unter die „50 Best Inventions of 2009″ des TIME Magazine überraschend, dabei ist die Zukunft des möglichen Shuttle-Nachfolgers unklarer denn je. Selbst wenn das Programm weitergeführt werden […]

  3. Raumfahrt-Nachrichten kompakt « Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] noch gar nicht ausgemacht ist, dass die NASA-Raumfahrt künftig dem „flexible path“ folgen wird, laufen längst Studien, wie man mit Orion-Kapsel zu einem erdnahen Asteroiden fliegen […]

  4. Kurswechsel bei der NASA – aufregende Reise ins Ungewisse « Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] neuen Präsidenten eingesetztes Komitee gewissermaßen die Notbremse: Schwarz auf Weiß konnte man im „Augustine-Report“ nachlesen, dass Constellation in der aktuellen Finanzlage nicht nur das einstige Zieljahr 2020 für die […]

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