Weltraumforschung kompakt

Das „Virtual Observatory“ produziert mehr und mehr Wissenschaft

Unter dem Begriff VO wird seit sieben Jahren an einem Standard gearbeitet, der den gemeinsamen Zugriff auf astronomische Datenarchive ganz unterschiedlicher Art erleichtert, auf dass die Zusammenführung neue Erkenntnisse liefern möge. Das geschieht offensichtlich: Die Zahl wissenschaftlicher Publikationen, die auf dem VO basiert, steigt steil an. Dabei werden ebenso exotische Himmelsobjekte aufgespürt wie gewaltige Meta-Kataloge bestimmter Objektklassen generiert – und auch kleine Projekte können zum großen Ganzen beitragen, wenn sie VO-gerecht publiziert werden. (Hatziminaoglou, Preprint 10.11.2009. Auch Borne, Preprint 3.11.2009 zum Data Mining in der Astronomie)

Eigenbewegungskatalog mit der „Carte du Ciel“ erstellt: Die große fotografische Himmelsdurchmusterung ab 1887 gilt zwar weithin als Schuß in den Ofen – aber beim Ausmessen einiger der alten Platten von 1080 Quadratgrad ist zusammen mit Sternpositionen von heute ein Katalog mit 560’000 Eigenbewegungen herausgekommen, der den Hipparcos-Katalog zumindest in diesem Aspekt bis zur Grenzgröße 15 mag. erweitert. (Vicente & al., Preprint 16.11.2009)

„Hauptgürtel-Kometen“ alles Verwandte des Asteroiden (24) Themis?

Die Bahndynamik der drei zuweilen Komet spielenden Eisasteroiden 7968 Elst-Pizzaro, 118401 und P/2005 U1 weist sie als mutmaßliche Bruchstücke des ebenfalls eisbedeckten Asteroiden (24) Themis aus – jedenfalls kann ausgeschlossen werden, dass sie ursprünglich aus der Kometenzone weit draußen im Sonnensystem stammen. In der Nähe der Themis-Familie könnte es mithin noch mehr Main Belt Comets (MBCs) geben. (Haghighipour, Preprints 29.10., 21.11. 2009) NACHTRAG: ein Artikel zum 2. Paper.

Ständige Zunahme der Astronomischen Einheit bleibt mysteriös: Die beobachtete Zunahme des mittleren Abstands der Erde von der Sonne von 15 Metern pro Jahrhundert kann im Gegensatz zu früheren Vermutungen wohl nicht auf einen Gezeiteneffekt zwischen Sonne und Planetensystem zurückgeführt werden. (Itoh, Preprint 4.11.2009)

Irreguläre (Jupiter-)Monde aus Binär-Asteroiden herausgerissen?

Wie die Gasplaneten zu ihren Monden auf „falschen“ Umlaufbahnen gelangt sind, ist eines der Mysterien der aktuellen Planetenforschung: Ein Szenario, bei dem ein Doppelasteroid beim Vorbeiflug am Jupiter durch Gezeitenkräfte zerrissen wird, scheint besser als viele Alternativen zu funktionieren. (Philpott & al., Preprint 6.11.2009)

Eine spezielle Klasse von Objekten im Saturnsystem scheinen Aegaeon, Anthe und Methone zu sein, die mit Mimas sowie Strukturen im G-Ring in Verbindung stehen. (Hedman & al., Preprint 1.11.2009. Auch ein Preprint 12.11.2009 zur Architektur der Cassini-Teilung)

Das Verständnis der großen Ausbrüche von Eta Carinae

im 19. Jahrhundert kommt auf verschiedenen Wegen weiter voran: Radioastronomen haben Variabilität der Sub-mm-Emission gefunden, die auf kalten Staub und damit (noch nicht so lange) vergangene gewaltige Massenauswürfe hindeutet – und hydrodynamische Simulationen bekommen langsam den großen und kleinen „Homunculus“ in den Griff, Nebel, die bei den Ausbrüchen entstanden. (Gomez & al., Preprint 1., González & al., Preprint 10.11.2009) NACHTRAG: noch ein aktueller Review zum Verhalten Eta Cars. NACHTRAG 2: und einer zum Treiben des Sterns jetzt. NACHTRAG 3: und noch ein Paper zum möglichen Mechanismus der Ausbrüche.

Ein Stern aus der Andromeda-Galaxie rast mit 780 km/s in unsere Richtung, was B030D die höchste gemessene negative Sterngeschwindigkeit verleiht – wahrscheinlich ist seine Mitgliedschaft im Andromeda Giant Stream die Ursache. (Caldwell & al., Preprint 16.11.2009)

155-Tages-Periodizität der Sonne in Aurora-Daten aus dem 18. Jahrhundert

Vor 25 Jahren stießen Rieger & al. auf eine 154-Tages-Periode beim Auftreten harter Sonnenflares – jetzt ist vermutlich dieselbe Periode in zwei neu entdeckten Polarlichtsammlungen aus dem späten 18. Jahrhundert aus dem UK und Spanien wiedergefunden worden, v.a. aus dem Sonnenzyklus Nr. 3. (Vaquero & al. Preprint 13.11.2009) NACHTRAG: ein weiteres Paper zum Rieger-Phänomen.

VLBA verfolgt tausende SiO-Maser in „Source I“ im Orionnebel: Die 3-D-Bewegungen dieser Quellen verraten direkt rotierende Akkretionsscheiben und Ausflüsse in diesem Sternentstehungsgebiet – und stützen die Vermutung, dass Magnetfelder ihre Hand im Spiel haben. (CfA Press Release 16.11.2009)

„Wandernde Sterne“ rund um Galaxien könnten bei der Wechselwirkung mit kleinen Satellitengalaxien produziert werden: Sie würden auf weit ausholende Bahnen gelangen aber an die Galaxie gebunden bleiben. Nur durch Nova- oder Supernova-Explosionen würden sie wohl auf sich aufmerksam machen. (Teyssier & al., Preprint 4.11.2009)

Nicht alle Ia-Supernovae sind absolut gleich hell

Das weiß man schon länger, und es werden auch immer neue Zusammenhänge zwischen Sternpopulationen und Sternexplosionen dieses Typs darin erkannt: So treten die schwächsten (und schnellsten) Ia-SNe offenbar nur in Galaxien mit mehr als 10^10 Sonnenmassen auf und mithin in Sternpopulationen, die älter und metallreicher sind. Vielleicht kann man das Alter einer Galaxien benutzen, um die Helligkeit einer Ia-SN darin noch besser zu ‚korrigieren‘, zur Steigerung ihres Nutzens für die Kosmologie? (Neil & al., Preprint 3.11.2009)

RRATs und Pulsare sind enge Verwandte, hat eine Suche in Pulsararchiven ergeben: Ein Neutronenstern kann demnach zwischen den Zuständen Pulsar mit regelmäßigen Pulsen und „rotating radio transient“ (siehe hier, „Schüler entdeckte …“) mit isolierten Pulsen, die aber sehr ähnlich aussehen, hin und her wechseln. (Burke-Spolaor & Bailes, Preprint 9.11.2009)

Neue Entfernungsbestimmungen zu Andromeda und Centaurus A

Während die 744±33 kpc (2.4±0.1 Mio. Lichtjahre) bei der Andromeda-Galaxie speziell auf Bedeckungsveränderlichen basieren (aber mit vielen anderen Methoden d’accord gehen), sind die 3.8±0.1 Mpc (12.3±0.3 Mio. LJ) von NGC 5128 alias Cen A die Synthese aus etlichen Verfahren. (Vilardell & al., Preprint 17., Harris & al., Preprint 16.11.2009)

Der fernste kurze Gamma-Ray Burst ist derzeit GRB 090426 mit z=2.6: Die Dauer war zwar typisch für diese GRB-Klasse, spektrale und Energie-Eigenschaften sprechen würden aber eher zu den langen GRBs passen. (Antonelli & al., Preprint 31.10.2009)

Weak Lensing bestätigt – mal wieder – die Standard-Kosmologie

Diesmal ist es eine tiefschürfende Analyse des HST-Beitrags zur COSMOS Survey, die aus den geringfügigigen Deformierungen der Bilder ferner Galaxien durch das Schwerefeld von näher stehenden das Lambda-CDM-Bild unterstützt und dabei ganz unabhängig die beschleunigte Expansion des Universums bestätigt. Was zugleich zeigt, dass eine auf Weak Lensing abzielende Raumfahrtmission zur Messung der Dunklen Energie wünschenswert wäre, z.B. die angedachte Fusion von JDEM und Euclid. (Schrabback & al., Preprint 2.11.2009)

Kosmologische Daten liefern Obergrenze für die Neutrino-Masse: Höchstens 0.2 eV kann sie nach den neuesten Messungen der Parameter des o.g. Lambda-CDM-Modells betragen – und künftige Daten sollten bald eine noch viel schärfere Grenze liefern. (Sekiguchi & al., Preprint 5.11.2009)

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2 Antworten to “Weltraumforschung kompakt

  1. Nachrichten von Kleinplaneten kompakt « Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] inklusive), noch in recht reiner Form vorzufinden sein. Und die Erforschung der – wohl mit Themis verwandten („‘Hauptgürtel-Kometen’ …“) – Kometen im Hauptgürtel auch […]

  2. Nachrichten aus der Astronomie kompakt « Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] nicht etwa normale Kometen, die aus dem Außenbereich des Sonnensystems irgendwie in den Asteroidengürtel verfrachtet wurden („„Hauptgürtel-Kometen“ alles Verwandte …“): Das zeigen Spektren von […]

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