Naher Vorbeiflug am Phobos geglückt – und am Mittwoch gibt’s auch pretty pictures

Genau nach Plan ist vor zwei Tagen die größte Annäherung des Mars Express („Morgen engste …“) an den Phobos verlaufen, und in zwei Tagen geht es wieder dicht an Marsmond heran: Dann kann zum ersten Mal in der Serie von insgesamt 12 Flybys auch die Kamera HRSC arbeiten, deren Bilder ungefähr nach drei Tagen vorgezeigt werden sollen. Während der Annäherung am 3. März war der Mars Express hingegen so inaktiv wie nur möglich: Allein der passive Teilchendetektor ASPERA nahm Daten auf, die aber erst später zur Erde gefunkt werden sollten. Denn der bordeigene Sender des Mars Express war abgeschaltet: Stattdessen sendete die 70-Meter-Antenne des Deep Space Network in Spanien eine extrem stabile Trägerwelle zur Raumsonde, 100’000-mal besser als was der eigene Sender kann, die der Mars Express dann unverändert zurückschickte und die die 70-m-Schüssel wieder auffing.

Zugleich lauschten noch drei kleinere Radioteleskope in Finnland, Spanien und Deutschland auf das Signal, von denen es mindestens zwei klar empfingen: Zusammen mit den spanischen Aufzeichnungen wird sich in den nächsten ca. 2 Wochen ein superpräzises Bild der Sondenflugbahn ergeben und wie sie vom Schwerefeld des Phobos verändert wurde, was sich durch einen Doppler-Effekt bemerkbar macht. Dem Vernehmen nach ist die Qualität der Daten exzellent: Nicht nur die Gesamtmasse des Marsmonds wird sich daraus ergeben, sondern wohl auch einiges zur Massenverteilung in seinem Inneren. Das wiederum verspricht einerseits Erkenntnisse über den Aufbau und vielleicht auch die (immer noch ungeklärte) Herkunft des Phobos, zum anderen ist die Kenntnis seines exakten Schwerefeldes wichtig für die Landung der russischen Sonde Fobos-Grunt, die 2011/12 starten und binnen drei Jahren eine Phobos-Probe zur Erde bringen soll. Auch die Bilder der HRSC am Sonntag, wenn der Mars Express bis auf 107 km an den Mond heran kommen wird, dürften bei der Auswahl des Landeplatzes eine Rolle spielen.

Vorgestern war der Mars Express sogar bis auf 67 km an die Oberfläche des Mondes heran gekommen, doch auch gleich drei Gründen war da kein Betrieb der Kamera möglich gewesen: Erstens war auf der überflogenen Seite Nacht, zweitens hätte sich die Sonde gar nicht schnell genug drehen können, um während des Vorbeihuschens die HRSC auf einen festen Punkt der Oberfläche auszurichten – und dritten war es für die ultrapräzisen Dopplermessungen ohnehin zwingend erforderlich, dass die Hochgewinnantenne des Mars Express permanent zur Erde zeigte. Damit dies ohne Unterbrechung der Fall war, hatte man auch die Überflughöhe durch ein kleines Extramanöver von 50 auf 67 km anheben müssen – ein zu starkes Manöver kurz davor hatte nämlich die Bahn der Sonde versehentlich so verschoben, dass sie kurz hinter dem Phobos verschwunden wäre. Der Bahnvermessung hat die leichte Vergrößerung des Mindestabstands dem Vernehmen nach nicht geschadet: So lange man deutlich unter 100 km blieb, war der Schwerkrafteffekt stark genug.

ESA Phobos Blog, v.a. am 5., 4. und 3. März sowie zu den ASPERA-Messungen und HRSC-Nicht-Messungen, der Bahnänderung, den vielen Antennen – und zur Verfolgung des Mars Express während des Flyby durch einen Amateurfunker mit 3.5-m-Schüssel. Außerdem ESA Release, BBC, Science Blogs 4., Science Blogs 3.3.2010.

Spirit-Fahrer sind sich sicher: Wir kommen wieder frei – und können zumindest noch ein wenig herumfahren

Inzwischen steht der Marsrover Spirit still („Spirit fährt nun gar nicht mehr“) und dürfte irgendwann zwischen jetzt und Ende April auch die ersten Male in eine Art Schlafzustand rutschen, wenn die Sonnenenergie zu schwach wird – im schlimmsten Fall wird er monatelang nicht ansprechbar sein. Aber wenn die Elektronik den vierten und schwierigsten Winter übersteht und der Strom ab etwa September wieder reichlicher fließt, dann ist es nach Einschätzung des Projekt womöglich nur eine Frage von Wochen, bis sich der Rover ganz aus seiner Sandfalle befreit haben kann! Schon bei der offiziellen Einstellung der Befreiuungsversuche am 26. Januar hatte man im Spirit-Team die Endgültigkeit der Verwandlung des Rovers in einen stationären Lander nicht wahrhaben wollen – und Spirit selbst wohl auch nicht.

Denn bei seinen letzten 10 Fahrmanövern bis zum 8. Februar legte der Rover doch glatt 34 Zentimeter in die richtige Richtung zurück, während er sich in den Wochen zuvor nur um Millimeter bewegt hatte! Eine „Brustschwimmen“ getaufte Wackelbewegung der Räder in Kombination mit beherzten Fahrmanövern hatte das möglich gemacht – und wenn die Sonne nicht gerade jetzt zu tief gesunken wäre, dann könnte Spirit womöglich bereits frei sein. „I think we solved the extrication problem,“ glaubt MER-Forscher Ray Arvidson – und inzwischen scheint es bereits quasi NASA-Politik geworden zu sein, die letzte Phase der Befreiung nach dem Winter nachzuholen. Doch auf große Fahrt wird der beliebte Marsrover auch dann nicht gehen: Mit nur noch 4 von 6 Rädern funktionsfähig ist er doch sehr behindert.

Aber die wieder gewonnene Freiheit wird ihm helfen, bestimmte Ziele in seiner unmittelbaren und an spannender Geologie reichen Umgebung anzusteuern – während er gleichzeitig im globalen Maßstab als „stationär“ betrachtet werden kann und das dann zunächst im Mittelpunkt stehende Radio-Science-Experiment zur Marsrotation nicht gestört wird. Und was der unverwüstlichliche Spirit danach noch treiben kann – wer weiss. Die – siebte! – Missionsverlängerung für beide Mars Rover ist jedenfalls gerade beantragt worden. (Universe Today 3., Planetary Society und Nature Blogs, New Scientist 2.3., Planetary Society News 28.2.2010. Auch Martian Chronicles, Planetary Society Blog 5.3.2010 zu wissenschaftlichen MER-Ergebnissen, MarsPages 4.3.2010 zu Opportunitys Fortschritten und Planetary Society Blog 3.3.2010 zum neuesten Mars-Unfug, diesmal affiger Art …)

Der Mars Reconnaissance Orbiter hat bereits 100 Terabit Daten zur Erde gefunkt, seit er vor genau vier Jahren in die Umlaufbahn eintrat (siehe Artikel B99): Das ist mehr als dreimal so viel wie alle Daten aller Raumsonden, die jemals über die Mondbahn hinaus ins Sonnensystem vorgedrungen sind! Mit bis zu 6 Megabit/Sekunde kann der MER über seine 3-m-Antenne senden: U.a. hat er den halben Mars mit 6 m und fast 1% der Oberfläche mit 30 cm pro Pixel abgelichtet. (JPL Release 3.3.2010)

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3 Antworten to “Naher Vorbeiflug am Phobos geglückt – und am Mittwoch gibt’s auch pretty pictures”

  1. Diese Daten beweisen: Der Marsmond Phobos ist kein homogener Körper! « Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] sieht man den Dopplereffekt, der dem Mars Express in den 10 Minuten nach der größten Annäherung an den Marsmond Phobos am 3. Februar widerfahren ist: Die senkrechte Achse ist in Hertz, aber ohne Skala, aber das macht nichts. Denn […]

  2. 4 m Auflösung: die Nahaufnahmen von Phobos « Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] die High Resolution Stereo Camera des Mars Express den Marsmond Phobos mit ihrem Nadir-Kanal beim Vorbeiflug am 7. März – mit den Bildern hat’s was länger gedauert, dafür haben sie aber auch 4.4 m/Pixel […]

  3. Mars Express am Sonntag wieder bei Phobos « Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] dicht am Marsmond Phobos vorbei geflogen (Bild, aus Aufnahmen zweier Flybys dieses Monats; s.a. hier, hier und hier) – aber übermorgen, am 9. Januar um 15:06:30 MEZ, ist es wieder so weit, wenn […]

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