Als der Mondmann nach Oberhausen kam

Auch altgediente Weltraumfans waren sich einig: So etwas gibt es – auf deutschem Boden zumal – nur ganz selten. Der gerade 78 gewordene Apollo-12-Pilot Alan Bean erwies sich bei der Übergabe eines Mondsteins an das Gasometer Oberhausen heute Nachmittag als ungemein eloquent und witzig und ließ die 40 Jahre zurückliegenden Apollo-Missionen wieder lebendig werden. Zuerst wurde eine Kiste präsentiert (mit einem Schild: Eigentum der US-Regierung – falls Sie sie gefunden haben, bitte nach Houston schicken), auf die eigens ein spezieller Wachdienst aufpasste, dann der kleine Mondstein herausgehoben, der von der Mission Apollo 15 stammt: zwar ein „Wander-Exponat“, aber ein eher selten gezeigtes. Mit auf der Bühne (Bild) der deutsche Astronaut Thomas Reiter, als Vertreter des DLR als maßgeblicher Kraft hinter der Ausleihe aber auch Repräsentant der nächsten Generation von Raumfahrern.

Und auch die (vielleicht) übernächste hing an Beans Lippen, als er hernach zu einem kurzen aber fulminanten Vortrag über seinen Mondflug im November 1969 schritt: Und da hatte sich das DLR noch Sorgen gemacht, ob die heutige Jugend mit den Mondmännern ihrer Großelterngeneration überhaupt noch etwas anfangen könne. Auch mehrere Schulklassen waren im Publikum und merklich angetan, übrigens gleichermaßen von dem seltenen Gast wie dem seltenen Stein. Bean illustrierte seine anekdotenreichen Ausführungen fast nur mit seinen Gemälden, die mal auf Missionsfotos basieren, mitunter aber auch Szenen zeigen, die keine Kamera festhielt (etwa als einer der beiden Apollo-12-Mondmänner dem gestrauchelten anderen nur mit einem Finger wieder auf die Beine half).

In seinem Bildern verwendet Bean übrigens gerne ein paar Körnchen Mondstaub, in deren Besitz er überraschend gelangt war, nachdem ihm die NASA das kleine – schmutzige! – US-Fähnchen von seinem Raumanzug zugeschickt hatte. (Davon hat er im Lauf der Jahre immer mehr abgeschnitten, um den Staub herauszufiltern, so dass inzwischen von den Stars & Stripes nur noch die Stars übrig sind …) Am beeindruckendsten empfand Bean während der Mission die große aber doch so ferne Erde und dass dort wegen des Farbkontrasts nur große Wüsten, nicht jedoch vegetationsreiche Gegenden wie Florida (oder auch Deutschland) auffielen. Und den faszinierten Beobachter der Ereignisse in Oberhausen erstaunte am meisten der schon lange nicht mehr bei einem Weltraumereignis in Deutschland beobachtete Kampf etlicher Fotografen und Kameraleute um die besten Plätze, auch nachher noch, als sich alle um den kleinen Mondstein balgten: Der ist noch bis zum 13. April im Gasometer genau unter dem Südpol des 25-m-Mondes zu sehen.

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4 Antworten to “Als der Mondmann nach Oberhausen kam”

  1. So lang ist der aktive Asteroid 2010 A2 geworden | Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] von Apollo 15 in Deutschland übrigens: Ein Fragment von Sample 15555 war 2010 für kurze Zeit in Oberhausen zu […]

  2. Allgemeines Live-Blog ab dem 20. Mai 2018 | Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] in Erscheinung trat, der die eigenen Erlebnisse kongenial umsetzte. So verwendete er bei einem gefeierten Auftritt in Oberhausen 2010 – von dem die obigen Fotos dieses Bloggers stammen – ausschließlich eigene Gemälde […]

  3. Dreimal Astronomie im Natur-Museum von Wien | Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] #15555,1052 lunaren Basalts von Apollo 15, 83,7 Gramm (ein anderes Stück desselben Steins war 2010 in Oberhausen zu […]

  4. Allgemeines Live-Blog ab dem 11. November | Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] dem Mond, und um 12:32 MEZ sowie 4:54 MEZ am nächsten Tag begannen die beiden EVAs von Pete Conrad und Alan Bean von jeweils knapp vier Stunden Dauer, bevor am 14. November die Rückreise begann: hier drei […]

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