Lohnt der Hubble-3D-IMAX-Film?

In Deutschland läuft er – zumindest in der optimalen Bildqualität – nur an einem einzigen Ort: der neue 3D-IMAX-Film über die Errungenschaften des Hubble Space Telescope im Allgemeinen und die letzte Servicing Mission vor einem Jahr im Besonderen, der zugleich für lange Zeit der letzte teilweise im Orbit gedrehte IMAX-Film bleiben dürfte. Das 3D-IMAX-Kino des Technikmuseums in Sinsheim verwendet noch den klassischen chemischen ultrabreiten Film – dessen Auflösung auch nach über 40 Jahren kein digitales Projektionssystem erreicht, während für die Kanaltrennung lineare Polarisation verwendet wird. Die funktioniert nur bei extremen Kontrasten nicht, und die Brillianz und Qualität der völlig kratzerfreien Sinsheimer Kopie tun das Ihre: Die tatsächlich mit IMAX-Kameras gedrehten Sequenzen wie auch in voller Schärfe gerenderte Computersimulationen kosmischer Ansichten sind nicht zu toppen.

Leider musste für „Hubble 3D“ aber allzu häufig auf Material minderer Auflösung zurückgegriffen werden: Da bei der letzten Servicing Mission nur eine einzige IMAX-Kamera an Bord des Shuttles war, fest installiert in der Ladebucht, stammen alle Szenen mit den Astronauten im Orbiter von HD-TV-Kameras – und die Kameras auf dem Außentank wie an den EVA-Helmen hatten gar nur normale TV-Auflösung. Solche Bilder auf fast die komplette IMAX-Fläche ‚hochzuziehen‘, war keine gute Idee. Dafür funktioniert die mitunter kritisierte Erzählidee des Films (das 4. Item hier verlinkt zu zahlreichen Hintergrundberichten und Kritiken nach der US-Premiere) ziemlich gut und macht den 45-Minuten-Film zu einem kurzweiligen Erlebnis: In 3D-‚Landschaften‘ umgesetzte HST-Bilder des Universums werden ziemlich abrupt mit der Human-Interest- und Action-Story der letzten Mission vermischt. Das Gesamtwerk ist fast schon zu kurz, denn es endet eher unverhofft in den Tiefen des Alls, ohne dass wir all die unterwegs eingeführten Helden (darunter übrigens Charlie Bolden, den heutigen NASA-Chef, als Astronaut der Hubble-Aussetz-Mission vor 20 Jahren!) noch einmal wieder sehen.

Dabei wird interessanterweise derjenige NASA-Chef, der keinen letzten Shuttle-Flug genehmigen wollte, geradezu als Bösewicht präsentiert, während sein Hubble-rettender Nachfolger beklatscht wird – die berühmte PK von 2006 (siehe Artikel C45) ist kurz zu sehen. Dass die aus HST- und anderen Daten generierten 3D-Ansichten von Orionnebel bis Ultra Deep Field viel Fantasie beinhalten, verrät der Kommentar übrigens nicht explizit; Kenner der Originale werden sich an manchen Stellen gut amüsieren. Oder staunen über das, was 3D-IMAX möglich macht, etwa beim simulierten Flug aus der Ebene der Milchstraße heraus. Die IMAX-Szenen der letzten Mission sind zwar – mangels einer Möglichkeit, den Blickwinkel zu verlagern – alle recht selbstähnlich und überzeugen v.a. durch die ungeheure Detailfülle: Wussten Sie z.B., dass am Hinterende des HST alle 30° eine Marke mit einer Gradzahl klebt, so dass der Astronaut auch ja weiss, wo 'oben und unten' ist? Trotzdem: Die genialste Szene von Hubble 3D ist 20 Jahre alt. Denn das allererste Aussetzen des HST in Fischaugensicht, während sich die Wolken der Erde im Objektivdeckel spiegeln, ist an optischer Dramatik einfach nie wieder erreicht worden … NACHTRAG: ein Making-Of-Bericht.

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Eine Antwort to “Lohnt der Hubble-3D-IMAX-Film?”

  1. Sandra gegen die Raumfahrt: “Gravity” im Kino | Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] Hubble Servicing Mission (“STS-157″), deren filmische Umsetzung fast wie ein Sequel des 3D-Hubble-IMAX-Films anmutet. Mit erheblich abwechslungsreicheren Kameraperspektiven natürlich – und einem […]

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