Rücksturz zur Erde: Live-Blog zur Rückkehr von Hayabusa

Hier verglüht Hayabusas Mutterschiff und bremst die Kapsel ab mit – ja, was eigentlich?

Erst sorgte das Quasi-Live-Weitwinkel-Bild aus der Wüste für Begeisterung, dann das Video aus dem NASA-Flugzeug – aber es geht tatsächlich noch besser: Der japanische TV-Sender NHK hat eine kurzen Videoclip veröffentlicht, der am Boden gedreht wurde, das dramatische Zerbrechen des Hayabusa-Mutterschiffs genau so gut auflöst wie die Flugzeug-Aufnahmen – und auch zeigt, wie die kleine voraneilende Probenkapsel überlebt, indem ihr Hitzeschild immer weiter abgebrannt wird (Ablation) und eine intensive Leuchtspur produziert. Genau diesen Hitzeschild möchten die Raumfahrttechniker unbedingt ins Labor schaffen, doch er wurde nicht auf Anhieb gefunden, und die Suche wird jetzt im Hellen fortgesetzt. Dann findet auch die Bergung der sogleich lokalisierten Kapsel statt, die sich in 10 km Höhe von dem Schild befreit hatte und am Fallschirm sanft zu Boden schwebte.

Auch wenn bei der Probenentnahme auf dem Asteroiden Itokawa viel schiefgegangen war und vermutlich keine Pellets abgefeuert wurden, um viel Staub aufzuwirbeln (die erste Einschätzung damals war zu optimistisch), so gehen Experten doch davon aus, dass allein die Landung beim ersten Versuch eine Menge hochschleuderte, von dem während der 30 Minuten Aufenthalt auf der Oberfläche etwas im Sammelbehälter kleben blieb. Vielleicht ist die Gesamtmenge so gering, dass man sie nicht einmal mit dem bloßen Auge sehen kann, aber für eine Analyse mit moderner Labortechnik würde auch das noch reichen. Im Gegensatz zu meteoritischem Material – auch solchem, das direkt bestimmten Asteroiden(typen) zugeschrieben werden kann – hätte man es mit Staub zu tun, der keine große Hitze erlebte und zugleich lange der „Weltraum-Verwitterung“, dem Sonnenwind usw. ausgesetzt war: So etwas gibt es auf der Erde bislang nicht.

Schnellstmöglich wird die Kapsel nach der Bergung nach Japan in eine spezielle Einrichtung in Sagamihara geschafft, etwas südlich von Tokyo – und erst einmal geröngt: Ob und wieviel Itokawa-Staub enthalten wird, wird man dann sehen. Erst danach wird die Kapsel geöffnet, um die wertvolle Fracht zu bergen und ausgiebig zu analysieren, und wenn die Menge ausreicht, werden etwa ein Jahr später auch Forschergruppen in aller Welt damit arbeiten können. Und was, wenn der Behälter doch komplett leer sein sollte? Auch dann hätte sich die mühsame Rückreise zur Erde noch gelohnt, denn der Zustand der Kapsel nach dem rasanten Reentry könnte bei der Vorbereitung weiterer Missionen dieser Art helfen. Und das Erproben neuer Raumfahrttechnologien war schließlich die eigentliche Aufgabe Hayabusas gewesen. [23:50 MESZ]

Als der Hayabusa-Bolide am hellsten war, ein weiteres Standbild aus dem Video aus dem NASA-Flugzeug. U.a. dank dieser und dieser JAXA-PM kenne wir auch die genauen Zeiten: 12:51 MESZ Abtrennung der Kapsel, 15:28 letzte Kommunikation mit Hayabusa, 15:51 Eintritt, ~16:11 Landung, 16:56 Entdeckung der Kapsel auf dem Boden. Geborgen wird morgen, wenn es wieder hell ist. [19:20 MESZ]

Hayabusas Leuchtspur, gesehen von einer der Beobachtungsstationen am Boden in Australien aus – auch eine weitere Ansicht mit klar zwei Spuren nebeneinander. Und das DC-8-Video gibt’s jetzt auch kundenfreundlich auf YouTube – erste Sahne!!! Bonus: Hayabusas letztes Erdbild, schöngerechnet. [18:00 MESZ]

Das Zerbrechen Hayabusas aus dem NASA-Flugzeug gesehen! Ein Standbild aus dem Video, dessen Download wegen des großen Interesses momentan etwas schwierig ist – aber es soll umwerfend genial sein. [17:40 MESZ]

Die Kapsel ist am Boden lokalisiert – und ihr Sender funkt!

So hieß es in den letzten Minuten im (hier maschinenübersetzten) Twitter-Feed der JAXA: „Beacon has been confirmed from a separate capsule.“ / „Capsule separated from the JAXA confirmed the beacon.“ / „And a helicopter searched the Capsule by JAXA confirmed its Position in WPA“, also der Woomera Prohibited Area. Und ein früher Artikel zur Rückkehr sowie ein erstes Video aus dem NASA-Flugzeug. [17:25 MESZ]

Eine letzte Erdaufnahme durch das Hayabusa-Mutterschiff, kurz vor seinem feurigen Ende – und hier noch ein Augenzeugen-Bericht vom Feuerball über Australien! [16:55 MESZ]

Feuerball am Himmel dauerte – mindestens – 45 Sekunden!

Und hier nun das Video in Originalgeschwindigkeit und mit aufgeregtem Ton: Der dramatische Feuerball an Australiens Himmel – erst grün, dann rötlich – ist von 2:58 bis 3:45 zu sehen. Macht mehr her als die Zeitraffer-Fassung. Und dieses sagenhafte Pressefoto aus Japan zeigt ihn offenbar auch. Aber noch keine Bestätigung, dass die Kapsel sicher am Boden angekommen ist? Die Suchmannschaften dürften bereits ausgeschwärmt sein. [16:30 MESZ]

Langer Beifall in Mission Control – kann doch eigentlich nur bedeuten, dass sie die Bestätigung haben, dass die Kapsel den Boden erreicht hat!? [16:15 MESZ]

Hayabusa spektakulär verglüht – und der Funk der Kapsel wird empfangen!

So sah es aus, als das Mutterschiff von Hayabusa über der australischen Wüste verglühte – wie eine ganz langsame Feuerkugel. Hier noch ein Screenshot der verblassenden Spur am Himmel – und die ganze Sequenz im Zeitraffer und als Bildsequenz. Man hört auch, dass das Funksignal der Kapsel empfangen wird, die in diesen Minuten landen sollte. Sagenhaft … [16:10 MESZ]

Die beiden Webcasts, die gut funktionieren – jetzt gilt’s … [15:50 MESZ]

Keine halbe Stunde mehr bis zum Atmosphäreneintritt!

Die Spannung steigt: Der (stumme) Webcast aus dem Kontrollraum in Japan hat bereits über 31’000 Zuschauer – und auch aus Australien kommt vom Boden eine Übertragung, die natürlich nur schwarzen Himmel zeigt. Vom NASA-Beobachtungsflugzeug gibt’s dagegen nichts – selbst die Homepage des Projekts ist in die Knie gegangen … [15:25 MESZ]

Eine Bilderserie von Hayabusa im Anflug über Hawaii aufgenommen mit dem Canada-France-Hawaii-Teleskop und gerade verbreitet über die JAXA und dann UMSF – z.Z. die beste Quelle für Hayabusa-News. [14:25 MESZ]

Über 100 Spezialisten warten auf Hayabusa – in und über Australien

Mit Geländewagen und Hubschraubern halten sich derzeit fast 100 Japaner und Australier bereit, um in wenigen Stunden mit der Suche nach der Hayabusa-Kapsel zu beginnen, während 27 Astronomen mit 36 Kameras an Bord einer DC 8 in 11.9 km Höhe auf die Leuchtspur am Himmel warten – auch diese Beobachtungen (nicht zeitnahe Blogs von dort hier und hier) sollten bei der Lokalisierung der Kapsel helfen. Zwar ist die Zielellipse 100 km lang (und ein gehöriges Stück des Steward Highway – der wichtigsten Nord-Süd-Straße Australiens – wird zwei Stunden lang gesperrt, um ganz sicher zu gehen), aber vermutlich wird der ideale Landepunkt bis auf wenige km genau erwischt werden. Die Flugzeug-Beobachtungen haben indes vor allem einen technologischen Zweck: Das Verhalten des ungewöhnlichen Hitzeschildmaterials der Kapsel soll analysiert werden, zusammen mit weiteren optischen, Infraschall- und Radar-Beobachtungen des Eintritts vom Boden aus und der Untersuchung der Reste des Schilds selbst, wenn die Kapsel geborgen ist.

Der Atmosphäreneintritt der Sonde und der ihr dann um 2 km vorauseilenden Kapsel beginnt in rund 200 km Höhe um 15:51 MESZ, in einem flachen Winkel nur 10° gegen die Waagerechte geneigt. Minuten später, wenn die Kapsel 58 km Höhe erreicht hat, dürfte die Temperatur des Schilds auf 2750°C gestiegen sein, während die Luft davor mit 7200°C heißer als die Oberfläche der Sonne brennt. Man erwartet, der leuchtenden Spur noch bis in etwa 45 km Höhe folgen zu können, dann wird der Rest der Reise im Dunklen erfolgen. In 10 km Höhe sollte sich der Fallschirm öffnen, und gegen 16:11 MESZ müsste die Kapsel landen. Dem Mutterschiff dürfte es derweil bereits in 91 km Höhe die Solarzellen abgerissen haben, dann bricht die Hauptstruktur auseinander, und praktisch alles verdampft. (Ein Live-Blog aus Australien hat übrigens hier begonnen, mit den aktuellsten Einträgen am Ende. Und Twitter-Probleme der letzten Stunden scheinen gelöst zu sein – uff!) [14:00 MESZ]

Ein funktionierender Webcast aus dem Hayabusa-Kontrollraum

ist von der ESA „entdeckt“ worden und hier zu sehen (rund 10’000 Zuschauer im Moment). Die nächsten Stunden passiert vermutlich nicht viel – dafür wird’s beim Atmosphäreneintritt um 15:51 MESZ um so hektischer, kommen Hayabusa und die Kapsel doch mit der zweithöchsten Geschwindigkeit an, die es je gab: Die 12.2 km/s wurden nur von den 12.8 km/s der zurückkehrenden Stardust-Kapsel (siehe Artikel B73) übertroffen. Auch damals wurde der Reentry aus der Luft beobachtet (siehe ISAN 72-2), später dann auch das Verglühen des wesentlich größeren ATV-1. [13:30 MESZ]

Abtrennung der Proben-Kapsel hat geklappt!

Im Live-Feed aus dem Kontrollzentrum (der Zugriff zu den diversen Streams ist reine Glückssache) gab es erkennbaren Jubel, wie bei Unmanned Spaceflight berichtet wird. Kurz darauf kam dann die Bestätigung durch die JAXA höchstselbst: Trennung um 12:51 MESZ! Und auch schon ein Artikel von Spaceflight Now. [13:15 MESZ]

Hayabusas Rückkehr: Wo die Informationen herkommen

Die direkteste Quelle sind wohl der Missions-Twitter-Feed und das Missions-Blog, hier jeweils durch den Google-Translator geschickt (in der englischen Version, weil da die Grammatik besser klappt). Dort gibt’s z.B. den Link zu einem Videoclip vom Subaru-Teleskop, das Hayabusa beim Vorbeihuschen zeigt! Weitere Quellen listen das Planetary Society Blog und AstroSwanny’s Blog auf – darunter eine ganze Menge Webcasts oder besser, deren Versuche. Die letzten interessanten Artikel zur Mission, die noch hereinkamen, sind von National Geographic, Spaceflight Now, BBC, Reuters und Sydney Morning Herald – viele weitere sind im Header des Cosmic Mirror #336 und in den Artikeln in diesem Blog (das war der letzte, jeweils der Vorgänger ist verknüpft) verlinkt. [12:25 MESZ]

Noch eine Stunde bis zur Trennung von Probenkapsel und Mutterschiff!

Um 13:00 MESZ soll sich die Kapsel, in der sich ein wenig Staub von der Oberfläche des Asteroiden Itokawa befinden sollte, vom Mutterschiff trennen – abgestoßen von einer Feder, mit nur 10 cm/s. Beim Atmosphäreneintritt drei Stunden später (15:51 MESZ) sind dann die beiden nur 2 km von einander entfernt: Beide glühen rapide auf, das Mutterschiff mit bis zu -7 mag., die Kapsel viel schwächer. Während der Satellit explodiert, wird die Kapsel dank ihres speziellen Hitzeschilds, von dem sich Teile ablösen und Hitze davon tragen (Ablations-Verfahren) sanft gebremst – und sollte 20 Minuten später am Fallschirm im Woomera Prohibited Area in Australien landen. Dort soll sie dann ein Hubschrauber lokalisieren, geleitet auch von der letzten Bahnverfolgung Hayabusas im Weltraum und den Beobachtungen des Reentry durch die DC 8 der NASA, drei optische Beobachtungsstationen am Boden und – so er noch funktioniert – eine Funkbake an Bord der 40 cm kleinen Kapsel. Der Hubschrauber bestimmt per GPS die genau Position, geborgen wird die Kapsel aus Sicherheitsgründen aber erst am nächsten Morgen. [12:00 MESZ]

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3 Antworten to “Rücksturz zur Erde: Live-Blog zur Rückkehr von Hayabusa”

  1. Kevin Says:

    Amazing photos of the Hyabusa vehicle approaching the Earth, thanking you. I wait as the return capsule approaches the outer atmoshpere.
    Kevin in Australia.

  2. Geborgen! Hayabusas Kapsel nach sieben Jahren Weltraumreise fast wie neu … « Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] gestrige Happy End der Reise von Hayabusa von der Erde zum Asteroiden Itokawa – mit zwei Landungen – und zurück erscheint heute […]

  3. Begegnung mit Hartley: Live-Blog zum Encounter von Deep Impact mit Komet 103P « Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] habe ich damals hier gebloggt. Diesmal gibt’s das Live-Blog hier, wie auch schon bei der Rückkehr von Hayabusa, mit Mini-Updates auch bei Twitter. Oben noch der Kometenentdecker Hartley selbst bei einem Vortrag […]

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