Archive for November 2010

Fundamental-physikalische Nachrichten kompakt

29. November 2010

Unabhängiger geometrischer Beweis für die Dunkle Energie

Nur wenn man die Standardkosmologie mit ihrer bizarren beschleunigten Expansion des Alls annimmt, sind die räumlichen Orientierungen von fernen Galaxienpaaren so zufällig im Raum verteilt wie man es erwarten sollte: Das Argument ist nur statistisch aber doch so stark, dass es jetzt als weiterer – gänzlich unabhängiger – Beweis für die Existenz der Dunklen Energie gefeiert wird. Bei einer anderen Kosmologie und damit anderen Expansionsgeschichte sähe es so aus, als hätten die Verbindungslinien der Galaxien im Raum eine gewisse Vorzugsrichtung, was keinerlei Sinn machen würde. Dieser „Alcock-Paczynski-Test“ wurde schon 1979 vorgeschlagen, ist aber erst jetzt dank umfangreicher Galaxienkataloge samt Rotverschiebung möglich geworden: Den Dopplereffekt aus den Galaxienorbits heraus zu rechnen, um den rein kosmischen Unterschied der Rotverschiebungen und damit Entfernungen zu isolieren, ist immer noch kritisch, aber zumindest kommt schon mal heraus, dass der Kosmos insgesamt flach ist und beschleunigt expandiert – auch wenn das Ergebnis noch unscharf für Rückschlüsse auf die Natur der Dunklen Energie ist. Mit kommenden Galaxiendurchmusterungen im tiefen Kosmos sollte das aber gehen. (Marinoni & Buzzi, Nature 468 [25.11.2010] 539-41; auch Heavens, ibid 511-2; Nature News 24., Physics World 25., Ars Technica 26.11.2010. Und ein langer Review über The Accelerating Universe)

Labor-Messungen der Gravitationskonstanten widersprechen sich weiterhin: Die vermeintlichen Fehlerbalken der einzelnen Bestimmungen von G durch trickreiche Experimente auf kleinem Raum sind winzig – aber die Werte selbst passen nicht zusammen. Und so wird wohl der nächste „offizielle“ Wert, in den alle in letzter Zeit publizierten Messungen eingerechnet werden, wieder einmal einen peinlich großen Fehlerbalken haben. (Davis, Nature 468 [11.11.2010] 181-3. Auch Nature News, Ars Technica zu einer ungewöhnlich kleinen Messung des Proton-Durchmessers – und Pressemitteilungen der TU Darmstadt und der Uni Bremen sowie Nature, Physics World, Ars Technica, LiveScience und DLF zu einem Riesen-BEC im Bremer Fallturm; die Forschung zielt auf’s Äquivalenzprinzip)

Erste LHC-Blei-Ergebnisse: Früher Kosmos quasi eine perfekte Flüssigkeit

Die Blei-Ionen kollidierten im LHC erst ein paar Tage, da waren schon die ersten Papers mit Analysen eingereicht: Im Prinzip werden die Erkenntnisse des amerikanischen RHIC zum Quark-Gluonen-Plasma auch bei 13-mal höherer Energie von den Experimenten ALICE – spezialisiert auf diese Versuche – und ATLAS bzw. CERN bestätigt. Manche überraschte dabei aber, dass sich dieser kuriose Materiezustand, den es auch kurz nach dem Urknall gab, auch unter diesen Umständen wie eine perfekte Flüssigkeit und nicht wie ein Gas aufführt. Auch wurde Jet-Quenching beobachtet, d.h. statt diametralen Teilchenstrahlen wie zuvor bei den Protonenkollisionen wird einer der Jets unterdrückt, wenn die komplizierten Kerne kollidieren. (CERN Release 26., STFC Release 23., Univ. of Birmingham Release 22., CMS Release 18.11.2010; Symmetry Breaking 18., New Scientist 25., Welt der Physik 29.11.2010)

Zum ersten Mal Antimaterie „längere“ Zeit eingefangen hat das ALPHA-Experiment des CERN: Mindestens 38 Anti-Wasserstoff-Atome, zuvor „zusammengesetzt“ aus Antiprotonen und Positionen, hielten es dank ihres magnetischen Moments bei 335 Experimenten jeweils 172 Millisekunden in einem Oktupolfeld aus (das danach jeweils abgeschaltet wurde, so dass die Antimaterie an der Wand des Behälters mit charakteristischem Signal zerstrahlte). Etwas über das Wesen der Antimaterie lernen kann man so zwar immer noch nicht, aber der Weg zu längerem Einfang ist nun geebnet: Wenn man es – in fünf Jahren?? – schafft, 100 Antiatome gleichzeitig fest zu halten, könnte man sie per Laser spektroskopieren. Und herausfinden, ob sich Antimaterie von normaler unterscheidet, was wiederum zu verstehen helfen könnte, warum erstere im Kosmos de facto verduftet ist. (LBL, CERN Releases [mit kleiner Datumspanne am Anfang], Nature News, Physics World, Scientific American, Ars Technica, New Scientist, Telegraph, Spiegel 17., LA Times, Welt der Physik, BdW, ZEIT 18., Science Journalism Tracker 19.11.2010)

Radio-„Nebel“ in WMAP-Karte passt zu Dunkel-Materie-Verdacht im Gamma-Bereich

Bewiesen ist wieder einmal nichts – aber die (mit wenig Freiheitsgraden) berechnete Synchrotronstrahlung, die entstehen müsste, wenn das Gammaglühen aus der Umgebung des Galaktischen Zentrums auf die gegenseitige Vernichtung von WIMPs (3. Absatz) als Konstituenten der Dunklen Materie zurück gehen würde, passt verblüffend gut zu einem diffusen Radiosignal, das der WMAP-Satellit gesehen hat. Und nämliches WIMP würde auch noch zu den – höchst umstrittenen – direkten Detektionen von DAMA und CoGeNT passen. Hmm … (Hooper & Linden, Preprint 19.11.2010. Auch Spekulationen über ein X-Teilchen, das DM und weitere Probleme gleichzeitig lösen soll, der Detektor CAST für Axionen oder Chameleons in der Sonne, andere Dunkel-Materie-Kandidaten – und ein Nullresultat von XENON 100, einem weiteren Untergrund-Experiment zur DM-Jagd)

Refraktions-Illustration wie aus dem Lehrbuch

29. November 2010

Vor neun Tagen entstanden auf der ISS Bilder vom „Untergang“ des Vollmonds hinter der Erde, mit extremer Abplattung des Bildes kurz vor dem Verschwinden (oben): Der Effekt ist beim Blick aus dem Orbit in 350 km Höhe durch die Erdatmosphäre deutlich ausgeprägter als aus Flugzeug in 10 km Höhe (Mitte; über Uruguay) oder gar nur 750 m über NN (auf dem Erice-Berg, Sizilien) oder auf Meereshöhe (unten; Teneriffa), jeweils am Beispiel der Sonne illustriert (alles Aufnahmen des Bloggers). Und genau so soll es auch sein, haben vor 8 Jahren rumänische Physiker vorgerechnet: Die ISS-Bilder demonstrieren ihre Aussage von Seite 7 Abschnitt C wie auf Bestellung, dass nur aus dem Orbit eine Abplattung um einen Faktor größer als 2 zu erwarten ist.

Cassini-Rohbilder von Hyperion, einen Tag alt

29. November 2010

Diese ‚zackigen‘ Bilder des kleinen Saturnmonds Hyperion von der Raumsonde Cassini sind gerade auf der Rohbilder-Seite aufgetaucht: Sie entstanden gestern aus (von unten) 154’338, 90’404 und 73’021 km Abstand.

Drei aktuelle Impressionen von Erde und Mond

26. November 2010

Die Landung von Soyuz TMA-19 heute morgen in Kasachstan mit der 25. ISS-„Expedition“ – wieder einmal hat der NASA-Starfotograf Bill Ingalls im rechten Moment auf den Auslöser gedrückt. Unter den Rückkehrern ist leider auch D. Wheelock, der seit Juni viele Bilder aus dem Orbit getwittert hatte – mal sehen, ob er unter den Neuen einen Nachfolger gefunden hat, so wie er einst S. Noguchi beerbte. Scott Kelly vielleicht? Besuch gibt’s für die ISS jedenfalls frühestens Mitte Dezember und vielleicht erst im Februar.

Was wohnte im Meer rund um die schwedische Insel Gotland, als Landsat 7 im Juli dieses Bild machte? Die NASA tippt auf Phytoplankton, der erste Kommentator auf Cyanobakterien – so oder so zeichneten die Mikroorganismen die Meeresströmungen nach.

Ejekta des Impaktkraters Giordano Bruno auf dem Mond sind hier in einer Nahaufnahme des Lunar Reconnaissance Orbiter (Bildbreite 1 km) auf der umliegenden Oberfläche zu sehen: Sie weisen zurück in Richtung des Kraters und geben Auskunft über Detailprozesse bei dem Einschlag.

Und wo steckt sie nun, die Dunkle Materie …?

26. November 2010

Astrophysikalische Argumente für Kalte Dunkle Materie als bedeutendem Bestandteil des Universums sind das eine – aber ein mehr oder weniger direkter Nachweis wäre auch nicht schlecht: In einer ehrlichen Bestandsaufnahme kommt G. Bertone (Nature 468 [18.11.2010] 389-93) zu dem Schluss, dass die „Stunde der Wahrheit“ für den bei weitem populärsten Kandidaten, ein Weakly Interacting Massive Particle (WIMP) aus einer supersymmetrischen Erweiterung des Standardmodells, in den kommenden 5 bis 10 Jahren schlägt. Entscheidend wird dabei sein, ob der Large Hadron Collider wirklich „neue Physik“ bei seinen Proton-Proton-Kollisionen mit 7 oder spätestens 14 TeV Zentrumsenergie zu Tage fördert, wie die meisten Theoretiker erwarten. Es gibt zwar viele verschiedene Ansätze für die Supersymmetrie, aber der LHC wird einen großen Teil des Parameterbereichs abdecken.

Ein „Traum-Szenario“ wäre es dann, wenn der LHC das Neutralino – das am ehesten zu erwartenden SuSy-Teilchen – fände und unterirdische Detektoren für den direkten Nachweis von WIMPs ebenfalls signifikant ‚ausschlagen‘ würden. Sie würden zusätzliche Informationen über die Eigenschaften und Häufigkeit der Teilchen liefern: Dann wäre es ziemlich klar, ob ihm die (gesamte) kosmische Dunkle Materie zugeschrieben werden kann oder nicht. Immer noch recht erfreulich wäre ein Erfolg des LHC bei gleichzeitigem Fehlschlag im Untergrund: Man kann sich allerlei plausible WIMPs vorstellen, die auch den größten Detektoren dort entgehen könnten. Das „Albtraum-Szenario“ hingegen träte ein, wenn sowohl der LHC als auch die Untergrund-Detektoren am Ende leer da stünden: Die WIMPs als Erklärung der Dunklen Materie würden dann wohl ins Abseits geraten und noch exotischere Partikel ins Gespräch kommen. Oder Modifikationen der Schwerkraft (wie diese hier?), die aber dann bitteschön auch alle anderen astronomischen Beobachtungen erklären müssten.

So weit sind wir aber noch lange nicht: Der LHC läuft gut, und die Untergrund-Experimente werden ständig empfindlicher. (Zwar haben zwei schon vermeintliche Signale der Dunklen Materie gemeldet, aber gerade hat die Cryogenic Dark Matter Search erneut Messungen publiziert, die DAMA wie CoGeNT direkt widersprechen.) Und es gibt auch noch die Hoffnung, die Teilchen der Dunklen Materie indirekt im Weltraum nachzuweisen, wo sie sich gegenseitig vernichten müssten (was der Fermi-Satellit gesehen haben könnte [mehr, mehr und mehr dazu], aber das kann auch was anderes sein), oder Neutrinos besonders hoher Energie aus der Sonne auf dort angesammelten WIMPs hinweisen würden. Letzteres wäre sogar ein relativ direkter Beweis, da der Sonnenkern selbst solche Neutrinos nicht produzieren könnte. Die indirekte astrophysikalische Suche hat jedenfalls den Vorteil, dass sie – im Gegensatz zu Labors im Untergrund und erst recht dem LHC – nichts kostet: Die Daten kommen eh‘ zustande, in Sachen Sonne z.B. durch das Neutrinoteleskop IceCube am Südpol.

In der beobachtenden Kosmologie passt noch nicht alles gut zusammen, sagen chinesische Physiker, die die zeitliche Entwicklung der Dunklen Energie ergründen wollen: Die Ia-Supernovae und die räumliche Verteilung der Galaxien (die die Baryonen-Akustischen Oszillationen verrät) besagen demnach, dass die Beschleunigung der kosmischen Expansion bei einer Rotverschiebung von weniger als 0.3 abgenommen habe, nähme man jedoch die Kosmische Hintergrundstrahlung hinzu, komme eine bis in die kosmische Gegenwart weiter zunehmende Beschleunigung heraus. Durch gezieltes – begründetes – Weglassen bestimmter Supernovae könne man die „Spannung“ zwischen den Ergebnissen zwar weitgehend beseitigen, aber konsistentere Daten wären wünschenswert. (Li & al., Preprint 9.11.2010)

Die Eigenbewegungen der Galaxien passen zur Standard-Kosmologie – aber nicht vor unserer Haustür: Die Bewegungen der Galaxien relativ zur allgemeinen kosmischen Expansion sind im Rotverschiebungsbereich um 0.25 und 0.38 – den die Sloan Digital Sky Survey erfasst – wie im Rahmen der Lambda-CDM-Kosmologie zu erwarten, zeigt eine neue Analyse. Aber in der kosmischen Nachbarschaft der Milchstraße sind die mittleren Geschwindigkeiten der Galaxien deutlich höher: Das könnte bedeuten, dass wir uns in einer ungewöhnlich über- oder unterdichten Region des Alls befinden. (Song & al., Preprint 23.6.2010)

Weitere größere Artikel

26. November 2010

Beobachtungsaufruf: Sonnensegel im Erdorbit – NanoSail-D vor dem Aussetzen.

»Hanny’s Voorwerp« Lichtecho eines Quasars? (Der schon aus ist.)

Flockige »Schneeklumpen« in Kometen-Jets von Hartley 2 auf den Deep-Impact-Bildern.

Die zwei Gesichter von NGC 1514: Der Planetarische Nebel sieht im IR ganz anders aus.

Brian Marsden, »Pförtner des Sonnensystems«, 1937-2010 – ein Nachruf.

Kürzere Artikel

C/2010 U3 (Boattini): ein neuer Komet – im Perihel in 9 Jahren.

Amateurbeobachtungen der Venus-Oberfläche sind wieder möglich (wenn man B. Gährken heißt).

Ein Exoplanet aus einer ehemaligen Nachbargalaxie, die die Milchstraße verschluckte.

Galaxy Zoo 2: Beste Statistik zu Balken in Spiralgalaxien aus 14’000 Fällen.

Jüngstes Schwarzes Loch durch Supernova 1979C? Indizien unklar.

Neuer Direktor in Hawaii am IfA ist wieder ein Deutscher!

April 2011: »Globaler Astronomie-Monat« – der 2. Versuch.

Nachrichten zu Teleskopen kompakt

25. November 2010

Herschel + Gravitationslinsen = 100% ferne Galaxien

„Nahe an 100% Effizienz“ – eine in der Astrophysik selten gehörte Aussage – liegt der Nachweis von Gravitationslinsen mit Herschel: Das zeigen die ersten fünf Funde in der Astrophysical Terahertz Large Area Survey (ATLAS) des ESA-IR- und Sub-mm-Satelliten. Diese Himmelsdurchmusterung wird einmal 550 Quadratgrad umfassen, aber schon in den ersten 14.4 Quadratgrad sind 6600 Quellen katalogisiert worden: Unter den bei 500 µm Wellenlänge hellsten blieben nach allerlei Vorauswahl 5 Objekte übrig – und alle stellten sich bei Nachbeobachtungen mit anderen Teleskopen für lange Wellen als stark gelinste ferne Galaxien heraus. So schnell so viele Linsen finden kann keine andere Technik. (Negrello & al., Science [5.11.2010] 800-4; Herschel Results & Blog, ESA, University of Nottingham & UCI Releases)

Planck sieht ferne Galaxienhaufen über den SZ-Effekt, bei dem das heiße Haufengas die Energie der Photonen der Kosmischen Hintergrundstrahlung anhebt: Das führt zu einer leichten Verdunklung bei niedrigeren und Aufhellung bei höheren Frequenzen – und Planck sieht den ganzen Himmel in beiden Spektralbereichen und beide „Signale“! Mit dem Röntgensatelliten XMM-Newton können die Funde dann bestätigt werden, und in einem Fall wurde so sogar ein „Supercluster“ aus mindestens drei einzelnen ausgewachsenen Galaxienhaufen entdeckt. (ESA Science Release 15.9.2010. Auch das Atacama Cosmology Telescope hat per SZ-Effekt 23 Galaxienhaufen gefunden, davon 10 neue)

Wie die erste Phase des Square Kilometer Array aussehen könnte, des größten Radioteleskops aller Zeiten, das im südlichen Afrika oder Australien entstehen soll, scheint nun fest zu stehen: Für 350 Mio. EUR entstehen von 2016-19 Antennenfelder und Schüsseln, die zusammen drei Frequenzbereiche zwischen 70 MHz und 25 GHz abdecken – die Wissenschaft beginnt 2020. (Garret & al., Preprint 17.8.2010. Auch Papers zu Long baseline experiments mit LOFAR und der First Station des Long Wavelength Array – und zum Expanded Very Large Array)

Das Large Binocular Telescope ist jetzt ein Interferometer

Bei 11 µm wurden am 14. Oktober die ersten Fringes zwischen Sternlicht gesehen, das über beide Spiegel zusammen geführt wurde. Das LBTI ist damit das erste optische Interferometer mit großen Spiegeln (2 x 8 Meter), die auf einer gemeinsamen Montierung sitzen: Das erfordert eine weniger komplizierte Optik (Stichwort: Delay Lines) zum wellengenauen Zusammenführen des Lichts als Interferometer aus separaten Teleskopen. Bisher besitzt nur einer der beiden Strahlengänge auch eine Adaptive Optik, im kommenden Sommer – Monsunzeit in Arizona – soll auch der zweite eine erhalten. (Blog zu den Fortschritten, insbesondere der Eintrag vom 17.10.2010; Arizona Daily Star 23.10.2010)

VLTI vereinigt erstmals das Licht von vier Sternen gleichzeitig: Dieses Kunststück gelang mit den vier Auxiliary Telescopes des VLT und dem Strahlvereiniger PIONIER – ein weiterer Schritt auf dem Weg zu „ordentlichen“ 2D-Bildern mit optischer Interferometrie. (ESO Release 4.11.2010)

Große Instrumente für die Vermessung der Dunklen Energie mit optischen Teleskopen auf der Erde: HETDEX für das Hobby-Eberly Telescope in Texas hat einen NSF-Grant von 8 Mio.$ erhalten, und die Dark Energy Camera für das Blanco-Teleskop in Chile nähert sich der Fertigstellung. (McDonald Obs. Press Release 20.10. bzw. PM des Excellence Cluster Universe 24., Wired 18., DLF 17.11.2010)

Phase-apodization coronagraphy zur Abbildung von Exoplaneten

Mit einer Apodizing Phase Plate ist es am VLT gelungen, das Beugungsbild des Stern Beta Pictoris so weit zu formen, dass sein schon länger direkt abgebildeter Planet (siehe ISAN 112-7) klar hervortritt. Die Platte sorgt dafür, dass Licht des Sterns selbst das Beugungsbild teilweise auslöscht – und das im gesamten Gesichtsfeld, ohne genau mit einer Koronographenblende „zielen“ zu müssen. Ideal für die Suche nach engen Sternbegleitern. (Quanz & al., ApJL 722 [10.10.2010] L49-53; UA News 14., Laser Focus World 15.10.2010. Und ein Paper von Labadie & al. zur kontrastreichen Abbildung enger Begleiter mittels Lucky Imaging und Bildverarbeitung mit Wavelets)

Durchmesser des Sirius mit SUSI gemessen, dem Sydney University Stellar Interferometer: 6.05±0.04 Millibogensekunden bei 694 nm kommt heraus, in guter Übereinstimmung mit Messungen anderer Interferometer im IR. Damit hat der Stern 1.7 Sonnendurchmesser, 9850 K Oberflächentemperatur und 25 Sonnenleuchtkräfte. (Davis & al., Preprint 19.10.2010. Auch Papers über Stellar Intensity Interferometry, Broadband Fizeau Interferometers und ein Temporal Hypertelescope im Labor)

Mit interstellarer Szintillation im Optischen verborgenes Gas suchen: Das geht offenbar, haben Experimente mit dem New Technology Telescope der ESO gezeigt, das fortwährend IR-Bilder von Sternfeldern mit 10 Sekunden Belichtungszeit aufnahm – und in einer Lichtkurve einen verdächtigen Effekt sah, den eine durch die Sichtlinie ziehende Molekülwolke verursacht haben könnte. Eindeutig ist das allerdings noch lange nicht. (Habibi & al., Preprint 29.10.2010)

Dreimal Nebulöses aus kosmischen Weiten

25. November 2010

Wolken ionisierten Wasserstoffs dringen aus einer Galaxie des Coma-Haufens auf dieser Aufnahme des Subaru-Teleskops – einer von 14 bereits entdeckten Fällen, für die vermutlich entweder eine Wechselwirkung mit dem Gas innerhalb des Haufens oder Gezeiteneffekte sorgen; richtig klar ist das alles nicht.

Der „Flaming Star“-Nebel um den Runaway-Stern AE Aurigae aus Sicht des WISE-Satelliten bei 3 bis 22 µm Wellenlänge: Der Stern bildete wohl einst ein Paar mit Mu Columbae in der Trapezregion des Orion, das aber bei der Begegnung mit einem anderen zerrissen wurde. Der starke Wind des Sterns beeinflusst nun das Gas, dem er gerade begegnet.

Der Protoplanetare Nebel IRAS 20068+4051 im Cygnus, aufgenommen mit der ACS des HST in gelbem bis nahinfraroten Licht – was den Stern im Zentrum nach dem Ende seines Wasserstoffvorats bewogen hat, einen extrem asymmetrischen Wind zu produzieren, der die eigentlich kugelrunde Hülle um ihn herum so verformt, ist nicht klar.

Großteleskope sehen das Revival des SEB!

25. November 2010

Seit zwei Wochen kehrt das South Equatorial Belt des Jupiter nach monatelanger Absenz mit Macht zurück, wie Bildern und Artikeln, die hier (4. Absatz) und hier (1. Absatz) verlinkt sind, sowie späteren Berichten hier, hier und hier (mit einem nur 24 Stunden alten Bild; 3. Absatz) zu entnehmen ist. Immer waren aber „nur“ Amateur-Bilder zu sehen – seit ein paar Stunden gibt’s auch die ersten (nicht ganz aktuellen) von drei Großteleskopen:

18. November, Gemini-North, 1.7 bis 4.7 µm, wobei Rot der längsten Wellenlänge zugeordnet wurde (im Ausschnitt die Ausbruchsregion als plane Karte): Hier sieht man thermische Emission aus der Tiefe der Wolken. Die dichte hohe Schicht aus Ammoniakeis, die sich über das SEB gelegt und es zum Verschwinden gebracht hatte, beginnt sich hier zu da aufzulösen, was die komplette „Wiederbelebung“ des SEB einleiten dürfte.

16. November, IRTF, 1.6 bis 4.9 µm: Oben rechts der erste Ausbruch, daneben einer zweiter. Zwischen beiden ist die Atmosphäre relativ klar: Die weißen Wolken sind extreme Konvektionsphänomene, bei denen Gas durch die Ammoniakwolken nach oben geschossen kam – hier sinkt es vermutlich wieder zurück.

11. November, Keck, 1.2 bis 1.7 µm: Die erste der weißen Konvektionswolken, nur zwei Tage nach ihrer ersten Sichtung durch Christopher Go – wieder einmal waren es Amateurastronomen, die als erste eine wichtige Veränderungen auf dem Jupiter sahen und die Fachwelt alarmierten. Die nun ein SEB Revival mit einem Instrumentarium verfolgen kann, vom dem sie beim letzten Mal 1993 (Sanchez-Lavega & Gomez, Icarus 121 [1996] 1-17 und Sanchez-Lavega & al., ibid. 18-29) nicht mal träumen konnte. Was natürlich auch für die beteiligten Amateure gilt, deren Bilder z.B. hier (inklusive häufiger Auswertungen) und hier fast live zu sehen sind.

Dreimal Galaxien, von nah bis (ganz) fern

24. November 2010

Das Zentrum unserer Milchstraße bei 1.7 bis 2.3 µm Wellenlänge aufgeommen mit der ISAAC-Kamera des VLT; das Bildfeld ist 2.5 Bogenminuten breit. Nur das (nahe) IR erlaubt einen Blick durch den vielen Staub in die Zentralregion, wo eine Menge passiert …

Die Zentralregion der Elliptischen Galaxie NGC 4150 im UV-Licht aufgenommen mit der WFC3 des HST: Die Streamer aus Gas und Staub und klumpen blauer Sterne zeugen von einem großen Starburst, der nur 50 bis 400 Mio. Jahre zurückliegt, während die meisten Sterne der Galaxie 10 Mrd. Jahre alt sind. Offenbar die Folge eines zuvor „verschluckten“ Zwerg-Begleiters: U.a. dank Beobachtungen des GALEX-Satelliten (siehe ISAN 117-6) wissen wir schon länger, dass die Sternentstehung in Elliptischen Galaxien noch lange nicht zuende ist.

Eine detailreiche Karte der Dunklen Materie im Galaxienhaufen Abell 1689 (bekannt aus ISAN 118-5!), berechnet – mit einem neuen, direkteren Algorithmus – aus seiner Gravitationslinsenwirkung auf 42 Hintergrundgalaxien, die in insgesamt 135 Bilder verformt werden. Die rekonstruierte Dichtekarte der DM (noch Zweifel …?) ist hier der in der Analyse verwendeten Aufnahme der ACS des HST (auf der man etliche der Linsen-Bögen ausmachen kann) überlagert: Die größte Konzentration gibt’s im Zentrum des Haufens.