Fünf Stunden danach: erste Erkenntnisse über das Betragen des Kometen Hartley 2

Genau 5 Stunden nach dem Eintreffen der fünf Nahaufnahmen von Hartleys Kern gab es auf einer JPL-Pressekonferenz schon allerlei Interpretationen zu hören – und dieses Bild zu sehen, das das „dunkle“ Ende des Kerns aufgehellt zeigt: Am Terminator aber auch auf der ‚Nachtseite‘ sind einzelne Jets zu erkennen, mit denen man dort nicht gerechnet hatte. Hartley ist der erste der fünf aus der Nähe betrachteten Kometen, bei denen man einzelne Jets direkt bis auf die Oberfläche verfolgen kann, und der Großteil entsprang während der heutigen Beobachtungen im Vorbeihuschen aus dem anderen Ende. Hier sitzt, so die ersten Vermutungen, dicht unter der Oberfläche ein Depot aus gefrorenem Kohlendioxid („Trockeneis“), das die staubigen Jets antreibt und – so zeigte eine Bilderserie vom 31.10.-2.11. durch einen engen Filter – regelmäßig zu Ausbrüchen von CO2 führt.

Die Wasser-Emission (bisher quantitativ nicht erfasst) schwankt dagegen kaum mit der Zeit. Zwar sind bereits einige IR-Spektren auf der Erde eingetroffen aber noch nicht einmal angeschaut worden (und die chemischen Verhältnisse in diesem speziellen Kometen noch entsprechend unklar). Und die Bilder der hochauflösenden Kamera bedürfen noch intensiver Scharfrechnung, da sie bekanntlich defokussiert ist – erste Versuche hinterließen so hässliche Artefakte, dass die Bilder noch nicht präsentiert werden konnten, was aber „in the near future“ der Fall sein soll. Alle Operationen in der Nähe des Kometen sind wie am Schnürchen verlaufen: Der Closest Approach lag nur 2 Zeitsekunden daneben, d.h. der Komet sollte auf allen Bildern da sein, wo man ihn haben wollte, und die Flyby-Distanz von 700 km wurde nur um 3 km verfehlt.

Noch drei Wochen laufen die intensiven Beobachtungen Hartleys weiter, und am Ende werden allein 120’000 Bilder im Kasten sein. Die Mission an sich läuft noch bis Jahresende, aber die wissenschaftliche Gemeinde ist bereits aufgefordert worden, sich rasch eine neuerliche Verwendung von Deep Impact auszudenken! Treibstoff für eine weitere signifikante Kursänderung zu noch einem anderen Kometen hat die Anfang 2005 gestartete Sonde (siehe Artikel 999) nach Milliarden Kilometern leider nicht mehr genug, aber für eine stabile Lageregelung würde es schon reichen. Schon jetzt ist die Missionsverlängerung EPOXI ein Meilenstein im Sonden-Recycling: Für Gesamtkosten von 45 Mio.$ hat man praktisch eine komplette neue Discovery-Mission erhalten, die heute neu 300 bis 350 Mio.$ kosten würde!

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4 Antworten to “Fünf Stunden danach: erste Erkenntnisse über das Betragen des Kometen Hartley 2”

  1. Schott,Gerd Says:

    Super Aufnahmen,leider ist hier schlechtes Wetter in Wesel.Danke allen die am Erfolg teilnehmen.
    mfg
    G.Schott

  2. Der Vorbeiflug an Hartley 2 – in Bewegung! « Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] worden – auf die noch schärferen Aufnahmen des Hartley-Kerns durch die Kamera HRI, deren Entfaltung sich hinzieht, warten wir indes […]

  3. Klumpen aus Eispartikelchen in den Jets von Hartley 2 « Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] Wochen nach dem Vorbeiflug von Deep Impact am Kometen Hartley 2 und den Erkenntnissen der ersten Stunden und Tage sind heute auf einer Pressekonferenz weitere Einsichten über die […]

  4. Nachrichten aus der Astronomie kompakt « Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] zwar während er zur Unterstützung des Besuchs durch Deep Impact in der zweiten Jahreshälfte 2010 von 51 Teleskopen auf der Erde wie auch 8 Weltraumobservatorien […]

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