Krise um das James Webb Space Telescope noch viel schlimmer: Start frühestens Ende 2015, Kosten mindestens 6.5 Milliarden Dollar …

Dass es um das JWST schlecht bestellt ist („Fortschritte …“), war hier schon oft zu lesen – aber wie schlecht, das hat erst ein unabhäniger Untersuchungsbericht klar gemacht, den die Weltraum-gewiefte Senatorin Barbara Mikulski in Auftrag gegeben hatte (Executive Summary) und den die NASA, hörbar angespannt und fast ratlos, vor einer Stunde auf einer kurzfristig angesetzten Telecon vorstellte. Die Autoren nahmen kein Blatt vor den Mund: Die einzig gute Nachricht ist, dass das bisher – reichlich – ausgegebene Geld tatsächlich in die Entwicklung eines technisch soliden Weltraumteleskops geflossen sei. Aber das Management habe die NASA-Führung schlicht angelogen, wie es um das Budget bestellt sei, und auch falsche Zahlen zur zeitlichen Entwicklung der finanziellen Reserven vorgelegt – was man wiederum im NASA HQ nicht erkannt habe. Jetzt wird das Management radikal umgestrickt, mit Richard Howard ein erfahrener Astronom und Manager an die Spitze gesetzt – und mehrmals die Woche will die NASA-Führung Bericht erhalten, wie es um das Projekt bestellt ist!

Genau das konnte sie übrigens auf der Telecon nicht: Frühestens kommenden Februar wird man einen Überblick über die noch nötigen Ausgaben und Zeitpläne haben. Die Kosten verringern ist ausgeschlossen, aber wenigstens künftige Steigerungen glaubt man eindämmen zu können. Ein Start, so viel war schon heute zu hören, wäre jedenfalls frühestens im September 2015 möglich, zu Kosten von bis dahin 6.5 Mrd.$ oder rund 1.5 Mrd.$ mehr als eben noch genannt wurden. Aber das würde nur klappen, wenn der JWST-Haushalt der Finanzjahre 2011 und 2012 um jeweils gut 200 Mio.$ angehoben werden würde, was angesichts der verfahrenen Situation insgesamt insbesondere im 2011-er Haushalt kaum realistisch erscheint. Und was wäre der Worst Case, wollte einer wissen. Die hilflose Antwort: Nach oben sind den Kosten und Startverschiebungen keine Grenzen gesetzt! Was das erst für WFIRST („Euclid …“) nach dem JWST heißen mag? Auch zu den Folgen der Krise für den Rest der Weltraumastronomie jetzt nur Schweigen … (Auch erste Artikel zur JWST-Krise hier und hier [NACHTRAG] und hier, hier und hier)

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9 Antworten to “Krise um das James Webb Space Telescope noch viel schlimmer: Start frühestens Ende 2015, Kosten mindestens 6.5 Milliarden Dollar …”

  1. Tweets that mention Krise um das James Webb Space Telescope noch viel schlimmer: Start frühestens Ende 2015, Kosten mindestens 6.5 Milliarden Dollar … « Skyweek Zwei Punkt Null -- Topsy.com Says:

    […] This post was mentioned on Twitter by ::: Der Orion :::, Karl Urban. Karl Urban said: Missmanagment bei Hubble-Nachfolger JWST: http://j.mp/bnFH2Z […]

  2. Gravitationslinsen verzerren unser Bild vom frühen Kosmos – und zwar gewaltig! « Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] PK wurde geradezu flehentlich angemahnt, daran bitte nichts mehr zu verändern (was angesichts der gewaltigen Probleme passieren könnte) – sollte das JWST in der Lage sein, den Gravitationslinsen-Effekt wieder […]

  3. Nachrichten aus der Weltraumforschung kompakt « Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] die gewaltigen finanziellen Probleme des JWST droht der Start des Wide-Field IR Survey Telescope der NASA, das sich parallel um Dunkle Energie, […]

  4. Einbruch des NASA-Budgets in den kommenden Jahren: Verzögerungen vieler Projekte drohen « Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] eigener Posten, der fürderhin jedes Jahr 375 Mio.$ erhalten soll. Eine weitere Untersuchung des krisengeschüttelten Projekts wird allerdings erst im Frühjahr fertig und dürfte abermals zu einem neuen Kosten- und Zeitplan […]

  5. Nachrichten aus der Raumfahrt kompakt « Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] nächste große US-Astrosatellit WFIRST kann frühestens 2025 starten, weil die enormen Kosten- und Terminüberschreitungen beim JWST den Astro-Etat massiv belasten. Am liebsten würden die Amerikaner doch noch bei Euclid […]

  6. Nachrichten aus der Raumfahrt kompakt « Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] sich noch erinnern, dass der Satellit Mitte der 1990-er Jahre mal 500 Mio.$ kosten sollte; jetzt sind es mindestens 6.5 Mrd.$ – führt eine Rekonstruktion durch einen Wissenschaftsjournalisten auf fortwährenden […]

  7. 57% des IR-Himmels: erster WISE Data Release « Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] Kryotests am MSFC: Technische Aspekte des Mega-Satelliten feiert die NASA in einem Fort; über die explodierenden Kosten- und Zeit-Probleme schweigt man dezent […]

  8. Nachrichten von Weltraum-Teleskopen kompakt « Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] der seit dem Bekanntwerden der House-Pläne zur Beendigung des – finanziell und terminmäßig weit aus dem Ruder gelaufenen – JWST-Projekts am 6. Juli durch die astronomische Welt gegangen war (angeführt von AURA und […]

  9. Allgemeines Live-Blog ab dem 21. März 2018 | Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] neuer Zeit- und Kostenplan verkündet werden soll: Erinnerungen werden da wach an die große JWST-Krise von 2010, nach der alles neu gemacht wurde: eine bemerkenswerte Tabelle der steigenden Kosten und […]

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